| |
Warum
eine Humoroffensive notwendig geworden ist
Die Stellungnahmen zum Karlsruher
Urteil zur Verfassungswidrigkeit der
Pflegeversicherung zeigen, dass die öffentliche
Kontroverse "Singles versus Familien"
eine qualitativ neue Stufe erreicht hat. Die
Anwälte der Familien bedienen sich einer
"Single-Rhetorik", die jegliche
Aufklärung scheitern lässt. Das Urteil war aber
nur ein Anlass, um den schwelenden Konflikt
zwischen den Verlierern im Verteilungskampf
(Gewinner sind immer die anderen) aufleben zu
lassen.
Eine
"Danksagung" an diejenigen, die diese
Humoroffensive befördert haben
Ein Stichwortgeber war Robert
BIRNBAUM, der sich im TAGESSPIEGEL vom 05.04.2001
seine Gedanken zur Organisation eines "Aufstandes
der Kinderlosen" gemacht hat. Er
kommt zwar zum Schluss, dass das Urteil nicht zum
"Kulturkampf 'Kinderlose gegen Eltern'"
taugt, aber seine Kollegen sind da wohl nicht
seiner Meinung und haben den Kulturkampf bereits
eröffnet.
Besonders
hervor getan hat sich Jutta KRAMM in der BERLINER
ZEITUNG vom 04.04.2001. Sie masst sich an den
Wert des Menschen allein nach seinem biologischen
Beitrag zur Regeneration der Gesellschaft zu
beurteilen. Eine solche Argumentation birgt die
Gefahr, Kinderlose als Untermenschen
zu stigmatisieren. Wohin das führen kann, haben
die Nazis gezeigt. "Kinder zeugen und
gebären, Kinder aufziehen ist der beste Beitrag
für die Gemeinschaft." Alles andere ist
minderwertig. Unfruchtbare sind damit per se
minderwertig. Reproduktionsmedizin ist Pflicht,
Adoption ein minderwertiger Ersatz (biologische
und soziale Elternschaft fallen auseinander).
Weiter soll das hier nicht erörtert werden.
Michael
MERTES hat es im RHEINISCHEN MERKUR vom
06.04.2001 geschafft, die Familien der
"Neuen Mitte" als gesellschaftliche
Randgruppe zu inszenieren.
Die
"Single-Rhetorik", mit deren Hilfe
Eltern zu Kinderlosen werden, treibt derart
absurde Blüten, dass dies nur mit einer
Humoroffensive beantwortet werden kann.
Single-Witz
Nr.1
Zwei Mütter treffen
sich beim Einkauf.
Sagt die eine: "Schlimm mit meinen
beiden Söhnen! Schon 30 und immer noch
unverheiratet".
Sagt die andere: "Bei meinen beiden
Töchtern ist es noch viel schlimmer! Beide
schon über 40 und zwei Mal geschieden. Ist
aber ja heutzutage normal. In der Zeitung
habe ich erst neulich wieder gelesen, dass
wir in einer 'Single-Gesellschaft'
leben."
Darauf pflichtet ihr die andere bei: "Es
wird Zeit, dass die Kinderlosen endlich ihren
Beitrag leisten."
Ein paar Tage später. Die beiden Töchter
sind zu Besuch bei der Mutter.
"Mami, ich habe heute einen Bescheid
erhalten, dass ich jetzt 10,- DM weniger
Beitrag zahlen muss."
"Ich auch", jubiliert die zweite
Tochter. "Ist das nicht super,
Mutti?"
Die Mutter verzieht ihr Gesicht und antwortet
mürrisch: "Ich habe gestern einen
Bescheid erhalten, dass ich als Kinderlose
20,- DM mehr bezahlen muss."
Aufruf
zur Mitarbeit an der Humoroffensive
Wenn Sie die Welt genauso wenig
verstehen wie ich und sich über die
Widersprüche zwischen Mediendebatte und Alltag
nur noch wundern können, dann werden Sie
kreativ. Aber vielleicht haben sie sich ja schon
kreativ betätigt.
Schicken
Sie mir ihre Witze. Mit ihrem Einverständnis
veröffentliche ich sie auf dieser Seite.
Voraussetzung ist jedoch, dass Sie sich nicht auf
die gleiche Ebene begeben wie die Journalisten,
die Eltern gegen Kinderlose aufhetzen, um ein
politisches Klima zu erzeugen, in dem Debatten
über das Selbstverständnis der Gesellschaft
nicht mehr sachlich geführt werden können.
Die
Humoroffensive ist die einzig adäquate
Artikulationsweise in unserer "Spaßgesellschaft".
Füllen Sie den blutleeren Begriff mit Leben.
Retten Sie den Humorstandort Deutschland und
überlassen das nicht verstaubten
Satirezeitschriften.
Die Singles
werden als Trendsetter bezeichnet. Leisten Sie
Pionierarbeit und werden Sie Mitglied einer
gesellschaftlichen Avantgarde, die sich den
Sprachregelungen der öffentlichen Debatte
widersetzt. Stellen Sie die Begriffe auf den
Kopf. Trauen Sie Ihren Augen und Ohren mehr, als
den Klischees in den Medien.
|
|