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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
     
       
       
   

News vom 01. bis 15. Mai 2001

 
       
       
     
     
     
       
   
  • Thema des Tages:
    FAZ (2001): Kinder, Krippen, Karriere - Die Förderung der Familien in Deutschland
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.05.
 
       
   
  • KOHSE, Petra (2001): Frauen am Rande des Planerfüllungssyndroms.
    Was tun mit 30 Mark Kindergeld? Entdecke die Möglichkeiten: Über die Familie im Ikea-Dauertest und das Dilemma postmoderner Frauen in der Erziehungszeit,
    in: Frankfurter Nachrichten v. 15.05.
 
       
   
  • POZNICEK, Eva Graf (2001): "Singles sind öfters krank".
    David Leukert präsentierte im Diogenes-Theater Altstätten Erkenntnisse über Mann und Frau,
    in: St. Galler Tagblatt v. 14.05.
    • Textauszug:
      "Zeugungsurlaub für Männer
      Das gewandelte Rollenverständnis der letzten Jahre - die Emanzipierung der Frau - löst Ängste in Leukert aus. «Männer sind ständig auf der Flucht vor Frauen», sagte er. «Männer müssen endlich lernen, sich zu pflegen und zu schonen, sonst haben sie keine Überlebenschancen.» Dies deshalb, weil die biologischen Grundlagen des Mannes schwächer seien als jene der Frau. Frauen nützten zudem die Schwächen des Mannes gnadenlos aus, warnte der deutsche Kabarettist. Die einzig logische Konsequenz aus diesen Erkenntnissen ist für den Kabarettisten die Forderung nach einem Männerbeauftragten, nach Männerhäusern für Geplagte und nach Zeugungsurlaub."
 
   
  • MAURER, Thomas (2001) Das Österreich-Lexikon.
    Die Lage? Viel zu ernst,
    in: Profil Nr.20 v. 14.05.
    • Textauszug:
      X, Generation, die: In den Neunzigern schwer angesagt gewesen, prominenteste Exponenten: Douglas Coupland, Wynona Ryder, >Westenthaler, Petzi . Dzt. wegen Umbau geschlossen, voraussichtlicher Name nach Neueröffnung: "Generation Kindergeld für alle".
 
   
  • CHRISTL, Reinhard & Martin HIMMELBAUER (2001): Arbeitskreis - Arbeitsgreis.
    Höheres Pensionsalter. Bis 65 sollen wir in Zukunft arbeiten - sagen der Bundeskanzler und Experten. Dazu bräuchte es aber einen Totalumbau der Arbeitswelt - sagen die Unternehmer,
    in: Profil Nr.20 v. 14.05.
  • PROFIL (2001) "Inländer raus".
    Personalberater und Wirtschaftspsychologe Otmar Hill über "Arbeiten bis 65" und warum das kein Fluch, sondern ein Segen sein kann,
    in: Profil Nr.20 v. 14.05.
    • Textauszug:
      "Ich bin für die Inländer-raus-Bewegung.
      profil: Trotzdem werden wir nicht alle 60-Jährigen exportieren können.
      Hill: Nein, daher müsste man sich intensiv Gedanken machen, was mit denen zu tun ist, die hier einen Job brauchen."
 
   
  • ZÖCHLING, Christa (2001): Der Haushaltsvorstand als Gesinnung.
    Volkszählung. Christa Zöchling über Politiker, die sich ungeniert in der Rolle des Paschas, des vermeintlichen Frauenfreundes oder des anarchistischen Verweigerers gefallen,
    in: Profil Nr.20 v. 14.05.
    • Textauszug:
      "Neben vielen privaten Angelegenheiten wird auch nach der 'Stellung im Haushalt' gefragt. Es wird empfohlen, denjenigen namhaft zu machen, der am meisten zum Haushaltseinkommen beiträgt. Der so genannte Haushaltsvorstand kann - so die Erläuterung im Beiblatt von Statistik Österreich - ein Mann oder eine Frau sein. Eine solche Großzügigkeit widerspricht sogar dem Duden aus den achtziger Jahren, der unter dem Begriff 'Haushaltsvorstand' einzig und allein den 'Vater' anführte.
      (...) Irgendeinen Begriff brauche man nun einmal, um alle anderen im Haushalt lebenden Menschen in verwandtschaftliche Beziehungen zu diesem setzen zu können. Alles Mögliche habe man schon probiert. Als Johanna Dohnal noch Frauenministerin war, habe man sich besonders angestrengt, etwas Zeitgemäßeres zu finden. In Probezählungen wurden den Leuten damals Begriffe wie 'Bezugsperson im Haushalt' vorgesetzt oder auch 'statistischer Haushaltsvorstand'. Doch die Verwirrung war groß. So kam man wieder auf den bewährten Haushaltsvorstand zurück. Zweifellos liegt etwas Geheimnisvolles in diesem Begriff. Seine Herkunft ist unbekannt. Die meisten glauben, er stamme aus Gesetzestexten zum Eherecht. Diese Auffassung, dass es juristisch betrachtet noch immer so etwas wie einen Haushaltsvorstand gibt, reicht bis in Regierungskreise. Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer etwa glaubt: 'Rechtlich gesehen wird's der Mann sein. Die praktische Arbeit mach aber ich.' Vor 26 Jahren wurde der entsprechende Paragraf aus dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch des Jahres 1811 abgeschafft. Bis dahin hatte es geheißen: 'Der Mann ist das Haupt der Familie und leitet das Hauswesen ( … ). Die Gattin genießt die Rechte seines Standes und hat die von ihm getroffenen Maßregeln zu befolgen.' Der sozialdemokratische Justizminister Christian Broda setzte dieser Auffassung über die Verhältnisse zwischen Verheirateten 1975 ein Ende und deklarierte die partnerschaftliche Ehe. Doch mit dem Herzen waren die Männer nie ganz dabei (...). Von den Frauen, die bei der Volkszählung vor zehn Jahren mit einem Mann gemeinsam in einer Wohnung lebten, deklarierten sich übrigens bloß 3,6 Prozent als Haushaltsvorstand."
 
   
  • LOCHTE, Adrienne (2001): "Bei uns gibt's nicht bloß nackige Nudeln".
    Die neunköpfige Familie Wack hält sich vor allem für normal,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.05.
 
     
   
  • Erziehung heute:

    • TÖRNE, Lars von (2001): "Die Erwachsenen dürfen nicht verwahrlosen".
      Pädagoge Dieter Lenzen über Möglichkeiten der Erziehung,
      in: Tagesspiegel v. 13.05.
    • ULRICH, Bernd (2001): Generation ohne Grenzerfahrung,
      in: Tagesspiegel v. 13.05.
    • BRINCK, Christine (2001): Zeit der Pflichten.
      Deutschland diskutiert über Kinder. Den Anstoß hat die Frau des Bundeskanzlers gegeben. Sie fordert mehr Werte. Um sie zu vermitteln, müssen sich Eltern erst einmal über ihre eigenen Prinzipien im Klaren sein,
      in: Tagesspiegel v. 13.05.
 
   
  • HAUSWIRTH, Mischa (2001): Die Ehekrise im Blut.
    Erhöhte Stresshormonwerte bei Frauen können ein Hinweis sein, dass die Partnerschaft gefährdet ist,
    in: Sonntagszeitung v. 13.05.
    • Kommentar:
      Für jene, die nicht an Astrologie, sondern an die Biologie glauben: "«Glücklich verheiratete Menschen leben länger als Singles», sagt William Malarkey, Endokrinologe und Mitautor der Studie, «aber in einer unglücklichen Beziehung zu sein, ist das Schlimmste von allem.»" Vielleicht war es ja der Job und nicht die Ehe. Sozialpsychologen sprechen hier von Fehlattribuierungen.
 
     
     
   
  • MAUERSBERG, Barbara/NOLL, Ute/SCHICKLING, Ulla (2001): "Eine Leiche im Keller hat jeder".
    Krimi-Autorin Ingrid Noll über Mütter, Männer und Morde,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.05.
 
   
  • KREITH, Elena M. (2001): Protokoll einer Online-Liebe.
    Im Chat-Raum ist Wolfgang der Tollste. Aber dann: diese Stimme und dieses Sakko. Es gibt einfach nichts Perfektes,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.05.
    • Textauszug:
      "Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig, in den Zug zu springen. Ja, das ist jetzt bald ein Jahr her. Wolfgang und ich führen eine Wochenendbeziehung."
 
   
  • FR (2001): Danke, Mutti!
    Was braucht eine Familie? Die Politiker sind ratlos. Sie sollten mal die Mütter fragen. Acht Frauen erzählen über ihren Alltag zwischen Wickel- und Schreibtisch. Und den ewigen Kampf gegen Klischees,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.05.
 
   
  • SZ (2001): Der Mutterstand der Dinge.
    Vom Aussterben des deutschen Volkes bis zur Menschwerdung im Reagenzglas: Acht Thesen zur Zukunft der menschlichen Reproduktion,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.05.
    • Kommentar:
      Die Berufspessimisten von der SZ:
            "Doch die Zukunft schaut nicht gut aus. Wird es in einem halben Jahrhundert diesen Tag überhaupt noch geben? Oder wird die Welt entvölkert sein, werden ein paar einsame Wanderer durch leerstehende Ruinenstädte streifen, werden nachts in finsteren Gebäuden von Kinderlachen träumen und sich erinnern an die Zeiten, als es Vater- Mutter-Kind noch gab? Die Alten, und es wird fast nur noch Alte geben, werden ein paar kluge Bücher schreiben, in denen sie nachweisen werden, was möglicherweise hätte besser gemacht werden können damals."
            Vielleicht sollte man die Schreibermannschaft austauschen. Schon mal etwas von Self fullfilling prophecy gehört? Statt Kulturpessimismus zu verbreiten, sollten lieber Wege für eine bessere Zukunft aufgezeigt werden. Waren Anfang der 80er ökologische Katastrophenszenarios modern, scheint sich diese Sehnsucht nach Katastrophe ein neues Sujet gesucht zu haben.
            Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Pessimisten fortpflanzungsfreudiger sind...
 
   
  • LAU, Mariam (2001): Endloser Abschied von der deutschen Mutti,
    in: Welt v. 12.05.
    • Textauszug:
      "Vinkens Buch ist das letzte in einer langen Reihe dekonstruktivistischer Bemühungen, alle Abhängigkeiten zwischen Männern, Frauen und Kindern, alle Abhängigkeiten von der Biologie aus der Welt zu fisteln. Hierin hat die nachfolgende Generation das Erbe der 68er angetreten, die mit ihrem Misstrauen gegen die Kleinfamilie, den Vater schlechthin und das klassische (Ehe-)Paar nicht nur private, sondern auch gleich noch ein paar politische Probleme hatte lösen wollen. (...) Ungeduldig macht einen aber doch, dass in der bundesrepublikanischen Gegenwart es ja eben keine irgendwie kulturell bedeutsame, meinungsprägende Position gibt, von der aus das "Nur"-Muttersein als attraktive Option beschrieben wird. Daran ändern auch neueste Überlegungen zur Familienförderung und das Single-Bashing nichts, das der 'Stern' ausgemacht haben will. Im Zweifelsfall sticht Ally McBeal, nicht die fünffache Mutter Meryl Streep! Frauen, die ausschließlich zu Hause bei ihren Kindern bleiben, sind gefälligst unglücklich; wenn sie es noch nicht wissen, können sie es jederzeit nachlesen. Schönen Muttertag allerseits!"
 
   
  • LLOYD, John (2001): Und jetzt alle zusammen!
    Der Autor von "Bowling Alone" beobachtet das Aussterben von Vereinen, Kirchen und Familienleben. Der Niedergang des sozialen Kapitals, meint er, hat schlechte Folgen für die Gesundheit und die Wirtschaft,
    in: Financial Times v. 11.05.
 
     
     
     
   
  • ZEIT-Dossier "Land ohne Leute"

    • KIRCHBACH, Roland (2001): Land ohne Leute.
      Der Bevölkerungsschwund in Deutschland facht neue Verteilungskämpfe an. Ein Gerangel um Schüler, Kunden, Fachkräfte beginnt - und spaltet die Republik in Gewinner- und Verliererregionen. Ein Report über soziale Konflikte in schrumpfenden Städten,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 10.05.
    • HENARD, Jacqueline (2001): Arme Deutsche, glückliche Französinnen.
      Warum Frankreich einen Babyboom erlebt. Ein Gespräch mit dem Demografen Hervé Le Bras,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 10.05.
      • Auszug:
        "Es stimmt zwar, dass in Ländern mit vielen berufstätigen Frauen auch viele Kinder geboren werden: Norwegen, Schweden, Dänemark, Frankreich. Wenn die Bevölkerung nicht weiter altern sollte, müssten die Frauen im Durchschnitt aber nicht zwei, sondern vier Kinder bekommen - und das wollen sie nicht."
    • NEUDECKER, Sigrid (2001): Ciao, Bambini!
      In Südeuropa sinkt die Bevölkerungszahl noch stärker als in Deutschland: Kinderreiche Familien gibt es nur noch im Film,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 10.05.
      • Auszug:
        "Die Prognosen der Uno für Südeuropa lassen die deutschen Zukunftsängste harmlos erscheinen: Im Jahr 2050 wird Griechenland nach derzeitigen Berechnungen gut 21 Prozent weniger Einwohner haben, und die spanische Bevölkerung wird um fast 24 Prozent geschrumpft sein. In Italien werden sogar 28 Prozent weniger Menschen leben als heute."
 
     
   
  • ARD (2001) Leeres Land - Sterben die Deutschen aus?
    • Kommentar:
      Früher nannte man öde Landstriche, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, strukturschwaches Gebiet oder Zonenrandgebiet und heute belegt man damit bevölkerungspolitische Notwendigkeiten...
    • Kritiken zum Film:
      • PEUCKERT, Tom (2001): Mehr als nur Zahlenspiele,
        in: Badische Zeitung v. 11.05.
 
   
  • OPASCHOWSKI, Horst W. (2001): Lebensplanung als Designaufgabe,
    in: Welt v. 09.05.
    • Kommentar:
      Die Weltsicht des Freizeitpädagogen ist einfach. Die Welt braucht OPASCHWOSKI, denn sonst würde ihr die kulturpessimistische Sicht auf die Dinge fehlen:
            "Steigender Lebensstandard und wachsende Zeitnot, mangelnde Fantasie und nachlassende Verbindlichkeit echter sozialer Beziehungen bescheren schon heute zahllosen Serviceagenturen einen wahren Boom. Das Geschäft mit den Ängsten und Nöten der Menschen entwickelt sich zur Ausbeutung menschlicher Bedürfnisse.
            Vom Geschäft mit der Zeitnot profitieren Partyservice und Festeveranstalter, Homeshopping und Sofortkredite. Das Geschäft mit der Angst boomt bei Babysittern und Bodyguards in Haus und Garten, bei Diebstahl- und Reiseversicherungen. Vom Geschäft mit der Einsamkeit leben Singleklubs und Singlereisen, Telefon- und Kontaktdienste. Am Geschäft mit der Langeweile verdienen Kinos und Kneipen, Erlebnisparks und Fernsehanstalten. Das Geschäft mit den Träumen beherrschen die Traumfabriken Ferienklubs und Reiseveranstalter, Shoppingcenter und Badelandschaften. Im 24-Stunden-Service wird alles möglich: Telefondienst für Blinde oder Bodyguards für Friedhofbesucher.
            Der kanadische Kultschriftsteller Douglas Coupland könnte wieder einmal Recht behalten. In seinem Buch "Life after God" machte er sich schon 1995 Gedanken über ein Leben nach Gott: Der Preis, den wir für dieses goldene Leben bezahlen, ist die eigene Unfähigkeit zum Leben aus erster Hand und zum naiven Glauben an das Kultmarketing als Ersatzreligion."
            OPASCHOWSKI profitiert natürlich auch irgendwie von jenen Menschen, denen er die Defizite aufzeigt, die sie seiner Meinung haben sollten. Ob das die Menschen weiterbringt, oder nur OPASCHOWSKI oder beide irgendwie unerfüllt zurücklässt?
 
   
  • HESS, Andreas (2001): Politik des Zensus
    in: Frankfurter Rundschau v. 08.05.
    • Inhalt:
      HESS stellt das Buch "American Census - A Social History" der Historikerin Margo J. ANDERSON vor. In dem Buch geht es um eine sozialgeschichtlichte Betrachtungsweise der politischen Bedeutung des US-amerikanischen Bureau of Census. Dies ist das amerikanische Äquivalent zum Statistischen Bundesamt in Wiesbaden. HESS schreibt über das Bureau of Census: "als ein Ort der Definition befindet es sich im Zentrum politischer und sozialer Auseinandersetzungen. Zwar geben Kongress, Exekutive und Judikative die Leitlinien vor, doch bleibt es dem Bureau vorbehalten, diese in Umfragen und Ergebnisse umzusetzen." Da die Sitzverteilung des Repräsentantenhauses auf Größe und Einwohnerzahl der einzelnen Staaten, welche vom alle zehn Jahre stattfindenden Zensus festgestellt wird, gibt es in den USA erbitterte Kämpfe um Statistikergebnisse.
      • Kommentar:
        Ein solches Buch fehlt in Deutschland. Spätestens seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Pflegeversicherung dürfte klar sein, dass das Statistische Bundesamt eine zentrale Rolle im Prozess der (rechts-)politischen Entscheidungsfindung und öffentlichen Meinungsbildung innehat.
              Die Zensusdaten bilden die entscheidende Grundlage für jegliche wissenschaftliche Beweisführung, die sich auf Repräsentativität beruft. Das Bild der Familie in der Öffentlichkeit wird nicht von der Familienrealität, sondern von der Haushaltsstatistik geprägt. Der Familienbegriff des Statistischen Bundesamtes prägt die Sicht auf unsere Gesellschaft so sehr, dass unsere Wahrnehmungsmuster eher durch das Statistische Bundesamt als durch unsere Augen und Ohren bestimmt sind. Anders lässt sich nicht erklären, dass der Begriff "Single-Gesellschaft" eine solch rasante Karriere gemacht hat, dass selbst statistisch Kinderlose sich als Eltern fühlen, ohne darin einen Widerspruch zu empfinden. Sie reagieren jedoch sofort allergisch auf andere sichtbar Kinderlose. Eine Hetzjagd auf Kinderlose wie sie von manchen Medien betrieben wird, wäre ohne diese tiefsitzenden Wahrnehmungsverzerrungen undenkbar.
              Die Definitionsmacht des Statistischen Bundesamtes ist bisher nicht sichtbar im Zentrum der politischen Auseinandersetzungen zwischen Lebensstilen gestanden. Das zeigt, dass der religiöse Glauben durch den wissenschaftlichen Glauben ersetzt worden ist und dieser säkulare Letztbegründungszusammenhang noch nicht ganz brüchig geworden ist.
              Die Scheinkontroverse "Familien versus Singles" könnte jedoch dieses letzte Bollwerk unhinterfragter Selbstverständlichkeiten ins Wanken bringen. Der Versuch die Gesellschaft in "Eltern" und "Kinderlose" zu spalten, könnte den Begriffskonsens sprengen. Er könnte die Absurditäten der Begriffspolitik ins Bewusstsein bringen.
              Eine exakte Analyse der politischen Interessen, die sich hinter den Statistischen Begriffen verbergen, ist zukünftig unverzichtbar. Nicht nur in den USA gibt es Zusammenhänge zwischen den politischen Machtverhältnissen und den statistischen Zensusergebnissen. Hier für Transparenz zu sorgen ist eine wichtige Aufgabe.
              Die Zahl der Einpersonenhaushalte ist ein Politikum ersten Ranges. Der angeblich dramatische Anstieg der Haushaltszahlen ist in hohem Masse ein statistisches Artefakt. Es bildet weniger die tatsächlichen Lebensverhältnisse ab, sondern spiegelt die politischen Machtverhältnisse und sonstige gesellschaftlichen Verhältnisse wider. Wenn dies von den Menschen begriffen worden ist, dann wäre schon viel gewonnen.
 
   
  • RHEINPFALZ (2001): Bitte vermehrt euch, aber subito!
    in: Rheinpfalz v. 07.05.
    • Kommentar:
      Der Autor stellt die These auf, dass die Peer groups entscheidend für die großen Entscheidungen des Lebens sind. "Der Lebensstil ist, grob gesagt, ansteckend.
      Gäbe es hier zu Lande mehr Kinder - ich wette, es würde auch mehr Leuten einfallen, selber welche zu kriegen."

            Dieser sozialpsychologische Ansatz scheint auf den ersten Blick stimmig zu sein, aber er macht es sich viel zu einfach. Der Autor darf sich als Vater eines minderjährigen Kindes als Angehöriger einer Minderheit fühlen, aber das wäre er auch in den 60ern gewesen! Damals hätte er sich aber nicht als Angehöriger einer Minderheit gefühlt, das ist der entscheidende Unterschied.
            Wie ist es möglich, dass sich Eltern heute als aussterbende Spezies fühlen? Seit 1870 hat sich die Lebenserwartung verdoppelt. Die Folge ist, dass wir Langlebigen in viel geringerem Masse unser Leben mit minderjährigen Kindern teilen können als die Kurzlebigen. Wer mit 15 Kinder bekommt und mit 40 stirbt, der verbringt zwangsweise fast sein ganzes Erwachsenenleben mit seinen minderjährigen Kindern. Bei Menschen, die 75 Jahre alt werden, spielen minderjährige eigene Kinder eine geringere Rolle.
            1998 wurden in Westdeutschland 100 000 Kinder mehr geboren als 1978. Seit dieser Zeit werden jedes Jahr mehr Kinder geboren als im Jahr 1978. Warum wird diese Tatsache nicht wahrgenommen? Warum glauben Eltern, dass sie von Kinderlosen umzingelt sind? In den 60er Jahren standen überall Schilder "Spielen auf dem Rasen verboten!" War das die kinderfreundliche Gesellschaft, die Eltern zurückhaben möchten?
            Grassiert in Deutschland nicht eine gewisse Paranoia? Der Autor möchte in andere Länder mit "freilaufenden Kindern". Hat er vielleicht eine verklärte Sicht auf die Vergangenheit? Sind es vielleicht die Eltern, die ihre Kinder misstrauisch von dem "bösen Onkel" oder der "adretten Tante" fernhalten? Nicht weil "Kinderlose" kinderfeindlich sind, sondern weil die Medien ein Bild dieser Gesellschaft vermitteln, das den Umgang zwischen Menschen mit minderjährigen Kindern und Menschen ohne minderjährige Kinder eher erschwert statt ihn zu erleichtern. Die sozialpolitische Verteilungsdebatte trägt jedenfalls nichts zu einem besseren Verhältnis bei.
 
   
  • MARIN, Bernd (2001): Panik durch Statistik?
    in: Der Standard v. 07.05.
    • Inhalt:
      Der östereichische Sozialforscher MARIN kritisiert die Urteilsbegründung des Bundesverfassungsgerichtes in Karlsruhe zur Pflegeversicherung:
            "Falscher Katastrophenalarm liegt auch dem Höchsturteil zur Pflegeversicherung zugrunde, das die gesamte Sozialversicherung ins Wanken bringen soll. Die Verfassungsrichter begründen die geforderten höheren Beitragssätze für Kinderlose ausdrücklich mit dem inzwischen vermeintlichen Fehlen einer deutlichen Mehrheit der Versicherten, die Kinder bekomme und betreue. Auf Basis welcher Statistik? Urteilsbegründungen wie 'Wollte man auch nur die heutige Altersstruktur durch eine Erhöhung der Geburtenrate oder der Einwanderung stabilisieren, so müsste rein rechnerisch entweder die Geburtenrate pro Frau im gebärfähigen Alter umgehend auf 3,8 steigen, oder es müssten 188 Millionen jüngere Personen bis zum Jahr 2050 einwandern' lassen Schlimmstes befürchten - aber nur über fehlende Fachberatung der Höchstrichter. Man wird von ihnen zwar keine Grundkenntnisse in Demographie, Statistik und Versicherungsmathematik, wohl aber sorgsame Inanspruchnahme bestmöglichen fachlichen Rats statt grotesker Unsinnszenarien erwarten dürfen."
      • Kommentar:
        In Deutschland scheint ein Maulkorberlass für Wissenschaftler zu existieren. Anders ist nicht zu erklären, dass es in den Medien keinen einzigen Sozialwissenschaftler gegeben hat, der im Anschluss an das Urteil den Begründungszusammenhang in Frage gestellt hat. Es sind inzwischen verschiedene ausländische Beobachter gewesen, die die Stimmigkeit der Begründung in Zweifel gezogen haben. Nur bei Single-dasein.de konnte man bisher Kritik an diesen Sachverhalten lesen.
 
   
  • HOPHAN, Franz (2001): Die AHV in Finanznöten.
    Mehr Babies hätten das Problem nicht gelöst, sondern nur vertagt,
    in: Berner Zeitung v. 07.05.
    • Auszug:
      "Mehr Babies in den Achtziger- und Neunzigerjahren hätten das Finanzierungsproblem der AHV wahrscheinlich wesentlich entschärft. Aber nicht ohne einen hohen Preis. Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat für unsere Zeitung eine hypothetische Berechnung (Projektion) angestellt: Hätte die Geburtenhäufigkeit bis heute auf dem hohen Niveau der frühen Sechzigerjahre verharrt, wäre die Einwohnerzahl der Schweiz bis Ende 1999 auf 8,8 Millionen Personen angestiegen.
            Mit dieser Annahme würde die Alterspyramide der Bevölkerung zwar richtig schön aussehen, nämlich mehr nach Pyramide als nach Zwiebel (vgl. Grafik). Aber wer mag sich eine Schweiz mit 8,8 Millionen Einwohnern vorstellen? 1,6 Milionen mehr als heute, 13-mal die Bevölkerung der Stadt Bern zusätzlich. Noch mehr Stress, Verkehr und Lärm, noch mehr Landverschleiss und Umweltzerstörung, noch mehr Abfall und CO2-Emissionen - und sehr wahrscheinlich auch wesentlich mehr Arbeitslose.
            Und bald wären wir 10 Millionen gewesen. Eine Bevölkerungszahl, die der St. Galler Professor Francesco Kneschaurek einmal als gerade «noch tragbar» bezeichnet hat. Heute würde er das angesichts des herrschenden Lebensstils mit dem enormen Ressourcenverschleiss wohl etwas anders sehen. Einmal musste das Bevölkerungswachstum gebremst werden. Dass es in den Sechziger- und Siebzigerjahren ohne jegliche Zwangsmassnahmen, sozusagen «natürlich» geschah, hat uns noch grössere Probleme mit der AHV erspart. Weil es kein unendliches Bevölkerungswachstum geben kann, wäre der Rückgang einige Jahrzehnte später ohnehin eingetreten, hätte uns aber - weil auf höherem Niveau - noch härter getroffen."
 
   
  • BETTERMANN, Stella (2001): Mama Solo wunderbar?
    Eine neue Untersuchung belegt: Alleinerziehende leben nicht schlechter als andere Eltern,
    in: Focus Nr.19 v. 07.05.
 
   
  • KRUMREY, Henning (2001): Die Stunde der Neider.
    Die Forderung, Eltern das Kindergeld zu streichen, ignoriert Grundgesetz und Steuerrealität,
    in: Focus Nr.19 v. 07.05.
    • Kommentar:
      Der Polarisierer KRUMREY schreibt: "Auf dem Höhepunkt der Verteilungsdebatte zwischen Familien und Kinderlosen eröffneten Schulte, Schmidt & Co. eine neue Neiddebatte: Nicht mehr Singles sollen für Eltern und Nachwuchs zahlen, sondern lediglich die Familien untereinander die Lasten teilen." Ein solcher Satz verdankt sich selbst schon einem verqueren Familienbegriff, der verdeckt, dass es auch in der Scheindebatte "Familien versus Singles" im Kern um die Umverteilung zwischen Eltern geht.
 
   
  • MIKETTA, Gaby (2001): "Mutterschaft bringt Privilegien".
    Die Münchner Ethnologin Gabriele Herzog-Schröder bewertete das Leben der Mütter, ihre Rolle und ihren Status in traditionellen Gesellschaften neu,
    in: Focus Nr.19 v. 07.05.
    • Kommentar:
      Der Vergleich unserer Gesellschaft mit einem Naturvolk bietet eine elegante Möglichkeit, um veraltete Konzepte von Mutterschaft wieder salonfähig zu machen und Kinderlose, die bei uns unter dem Pauschalverdacht von Hedonismus stehen, zurechtzuweisen:
            "Für eine Yanomami ist es ein Unglück, wenn der Kindersegen auf längere Zeit ausbleibt. Eine kinderlose Frau genießt wenig Achtung und wird versuchen, durch Adoption eines Waisen oder Kooperation mit ihren Verwandten an Mutterfreuden teilzuhaben. Und sie versagt sich sogar den Genuss von leckerem Tapirfleisch, um den Geburtshelfergeist 'Shamariwe' umzustimmen (...). Die Geburt des ersten Kindes garantiert einer Yanomami-Frau noch keine öffentliche Wertschätzung (...). Ehe eine Frau (...) die Privilegien einer erfolgreichen Mutter genießen kann, vergehen oft Jahre (...). In der westlichen Welt herrscht natürlich ein ganz anderes Wertesystem. Frauen, die zu Gunsten ihrer Karriere auf Kinder verzichten, können hier zu hohem Ansehen und viel Geld kommen. Im Gegensatz zur Indianerwelt wirkt sich Mutterschaft bei uns unter Umständen statusmindernd aus."
            Aber möglicherweise wollen nicht einmal die Vollzeitmütter wie die Indianer leben und auf den Komfort unserer Warenwelt verzichten...
 
   
  • HANNEMANN, Ulf (2001): Chatten, bis der Traumprinz kommt.
    Per Web nach einem Partner zu suchen ist längst keine Schande mehr. Das Internet ist die Spielwiese für Kontakte aller Art,
    in: Focus Nr.19 v. 07.05.
 
   
  • JARDINE, Anja (2001): Emanzen auf Japanisch.
    Bisher galt Japan nicht gerade als großes Land der Gleichberechtigung, jetzt wird eine Frau Außenministerin. Im Land der Geishas brechen die Frauen mit Traditionen, laufen herum wie Moderebellen und kämpfen sich nach oben,
    in: Spiegel Nr.19 v. 07.05.
    • Textauszug:
      "Fast die Hälfte der Japanerinnen im Alter zwischen 25 bis 29 ist heute unverheiratet. Lauter "übrig gebliebene Weihnachtskuchen". Während die Mütter dieser Frauen spätestens mit 20 ihre ersten Heiratsinterviews zu absolvieren hatten, denken die Töchter gar nicht daran zu heiraten. Und wenn, dann muss der Ehemann nicht unter demselben Dach wohnen. Den jungen Männern soll es recht sein. Auch sie wohnen lieber bei Muttern als mit ihren Partnerinnen. So führen diese "parasitären Singles", wie sie genannt werden, Pendler-Ehen, und die Emanzipation der Frau geht mit einer gewissen Geschlechtertrennung einher."
    • Kommentar:
      Interessant daran ist, dass Nesthocker im Japan-Bericht als Singles bezeichnet werden. Bei uns haben Nesthocker ein positives Image. Erst im Einpersonenhaushalt werden aus sozialen Nesthockern asoziale Singles. Familie ist bei uns eine Frage der Haushaltszusammensetzung und nicht des Generationenzusammenhalts. Bei uns existiert immer noch der Mythos vom "Pillenknick". Japan zeigt aber, dass der Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang und Antibaby-Pille keineswegs so zwingend ist, wie er immer wieder dargestellt wird.
 
   
  • VAHABZADEHN, Susan (2001): Nachahmung nicht empfohlen.
    Das falsche Mutterbild und die niedrige Geburtenrate,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.05.
    • Auszug:
      "Das Aussterben der Menschheit steht nicht an (...) Beim Gedanken an kinderlose Gesellschaften darf einem dennoch kalt ums Herz werden. (...)
            Die Geburtenraten in der westlichen Welt sinken ständig, und Deutschland ist inzwischen selbst für europäische Verhältnisse ein verteufelt fortpflanzungsunwilliges Land, noch knapp vor den Italienern und den Spaniern. Der Wert der Fortpflanzung an sich hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert: Kinder als Altersversorgung sind zum abstrakten Kalkül geworden; in einer Gesellschaft, in der es nicht die eigenen Kinder sind, auf die man sich verlassen können muss, sondern ein staatlich organisiertes Rentensystem, reicht ein Einwanderungsgesetz, um das Problem zu lösen (...).
            Doch wenn man die Debatten der letzten Wochen verfolgt hat, kann es einem schon mal so vorkommen, als ob die Frauen für die sinkenden Geburtenraten allein verantwortlich seien; von zeugungsverweigernden Männern ist selten die Rede. Soll es aber geben (...). Es ist traurig, aber wahr: Wenn Kindererziehung attraktiver werden soll, muss auch die Vaterrolle sich ändern. Und dann wird sie auch, wie von allein, ganz neu bewertet."
      • Kommentar:
        Es darf mal wieder ausgestorben werden bei der SZ. Was sind eigentlich "kinderlose Gesellschaften"? Ist das die Steigerungsform von "kinderfeindliche Gesellschaft"? Und seit wann pflanzen sich Länder fort? Die Geburtenrate ist so etwas wie ein Waschmittel, nur dass es nicht ständig um das weisseste Weiss geht, sondern um das "sinkenste Sinken".
              Ein Tip für alle Journalisten: Die ganze Debatte kann man bei Peter MARSCHALCK (1984) "Bevölkerungsgeschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert" nachlesen. Neue Argumente gibt es nämlich seit den 40er Jahren keine: "Kinder wurden in der Deutung der Wissenschaftler als Konkurrenz zu anderen 'Genüssen', als Konkurrenz zum Wohlstandskonsum betrachtet; viele Kinder zu haben und aufziehen zu müssen galt als Gefährdung ihrer sozialen Aufstiegschancen (...). Die veränderte Einstellung zu Kirche und Religion (...) und der Verlust überkommener 'Werte' zugunsten liberaler und materialistischer Anschauungen galt der gesinnungstheoretischen Interpretation als die wesentlichen Gründe des Geburtenrückgangs." (S.59f.).
              Vielleicht würde der Blick in die Geschichte und ins Ausland (siehe Standard v. 07.05.2001 und Berner Zeitung v. 07.05.2001) diese unsinnige Debatte beenden...
 
   
  • ROSENBAUM, Ulrich (2001): Frau Bergmann, wie viel sind Kinder wert?
    Das große Thema in diesen Tagen: Welchen Stellenwert haben Familien in unserer Gesellschaft?
    in: Hamburger Morgenpost v. 07.05.
 
   
  • Welt am Sonntag (2001): Trotz Anti-Baby-Pille Mütter immer jünger,
    in: Welt am Sonntag v. 06.05.
    • Kommentar:
      Ein Beitrag zum Aussterben: "Unter Fitness verstehen Biologen die Zahl der Kinder, das heißt, den Fortpflanzungserfolg eines Menschen. Genau in diesem Punkt sind Frauen, die ihr erstes Kind sehr früh bekommen, erfolgreicher als andere, sie haben insgesamt mehr Kinder. Und weil das so ist, werden die Kinder, Enkel und Urenkel der jungen Mütter von Generation zu Generation zahlreicher - die weniger Kinderreichen werden langfristig aussterben." Kids an die Mutterfront, sollte das die Konsequenz dieser Argumentation sein?
 
   
  • HOFMANN, Frank (2001): Leben wie Adonis,
    in: Welt am Sonntag v. 06.05.
    • Inhalt:
      Der Chefredakteur von Men's Health setzt sich mit den Vorwürfen des Buches "Der Adonis-Komplex" von Pope, Phillips und Olivardia auseinander
 
   
  • LORENTZ, Frank (2001): Zwei einsame Herzen im Minutentakt,
    in: Welt am Sonntag v. 06.05.
 
   
  • WARNHOLD, Birgit (2001): Neandertalter in Nadelstreifen.
    In seinem neuen Buch macht Dietrich Schwanitz klar, dass der Mann für die Zivilisation nicht geschaffen ist,
    in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage der Berliner Morgenpost v. 06.05.
    • Kommentar:
      Wenn der Mann nicht für die Zivilisation geschaffen wäre, dann hätte er eigentlich genug Zeit gehabt, um von der Bildfläche zu verschwinden. Warum also gerade heute? Vielleicht gibt es da gewisse Paralellen zur Debatte übers Aussterben der Deutschen...
 
   
  • FRASER, Nancy (2001): Was ist gerecht?
    Früher, in der Fabrikgesellschaft, war die Sache klar: Es ging um die Arbeit. Und Gerechtigkeit hieß: Umverteilung, Heute, in der Wissensgesellschaft, ist die Sache interessanter. Gerechtigkeit heißt Anerkennung. Und mehr.
    in: Tagesspiegel v. 05.05.
    • Inhalt:
      FRASER geht davon aus, dass die Kämpfe um Anerkennung Umverteilungskonflikte ersetzt haben, statt zu mehr Gleichheit zu führen. Bei der Identätspolitik besteht nach FRASER die Gefahr, dass die Kämpfe zu Seperatismus, Chauvinismus und Intoleranz führen. Sie plädiert deshalb für ein Status-Modell der Anerkennung: "Im Status-Modell ist mangelnde Anerkennung eine soziale Beziehung von Unterordnung, die durch institutionalisierte Muster kultureller Werte weitergegeben wird. Dies geschieht zum Beispiel, wenn Heiratsgesetze gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausschließen, weil sie als illegitim und pervers angesehen werden. Oder wenn eine Sozialpolitik allein stehende Mütter als sexuell verantwortungslose Schnorrerinnen betrachtet (...). In jedem dieser Fälle wird einigen Mitgliedern der Gesellschaft der Status als vollwertige Partner in der Interaktion verwehrt.
      Schließlich bedeutet mangelnde Anerkennung im Status-Modell eine Verletzung von Gerechtigkeit. Wo und wie auch immer eine Forderung nach Anerkennung erfolgt, sie ist immer in Ordnung. Das heißt genau dieses: Das Ziel ist nicht, eine Gruppenidentität aufzuwerten, sondern Unterordnung aufzuheben. Genau diese Politik der Anerkennung braucht die Wissensgesellschaft."
      • Kommentar:
        Ein wichtiger Artikel zum Thema Identitätspolitik und damit zum Kampf der Lebensstile. Die amerikanische Singlebewegung hat z.B. in den 60er und 70er Jahren eine Identitätspolitik im Sinne von FRASER betrieben. Das "swinging single"-Stereotyp war eine Kampfansage an das "lonely single"-Image der Alleinstehenden. Von einem gleichberechtigten Lebensstil ist das Single-Dasein in den USA heutzutage weit entfernt. Die Identitätspolitik ist letztlich gescheitert.
      • Lesen Sie zum Thema:
        Der Kampf der Lebensstile und die Normalfamilie der Neuen Mitte (mit weiterführenden Links)
 
   
  • MARY, Michael (2001): Schluss. Aus. Ende,
    in: Welt v. 05.05.
 
   
  • TOLKSDORF, Stefan (2001): Die Entblößung der Gefühle.
    Von Versäumnis und Vergeblichkeit: Bruno Ganz las im Freiburger Theater aus Adalbert Stifters Novelle "Der Hagestolz",
    in: Badische Zeitung v. 05.05.
    • Adalbert STIFTERs "Der Hagestolz" im Internet
      Im Glossar wird der
      Begriff "Hagestolz" erklärt.
 
   
  • AUSTILAT, Andreas (2001): Doch kein Geld für Kinder.
    Die SPD-Länder wollen nicht handeln - nur verhandeln,
    in: Tagesspiegel v. 04.05.
    • Auszug:
      "Die Debatte wird nicht dadurch besser, dass Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel die anvisierte Kindergelderhöhung in Lehrerstellen umrechnet. Denn, so die logische Schlussfolgerung der Gabrielschen Mathematik, das sei genau die Summe, die für Ganztagsschulen fehle. Sollen also die Familien dieses Projekt durch Kindergeldverzicht finanzieren? Wer so argumentiert, befeuert die Neiddiskussion zwischen Eltern und Kinderlosen, die zwar bislang nur schleppend in Gang kommt, sich aber mit ein bisschen niedersächsischer Sturheit bestimmt noch anfachen lässt."
      • Kommentar:
        AUSTILAT zeigt mit diesen Sätzen, dass für ihn die "Kinderlosen" Bauern in einem Schachspiel zwischen Familienlobby und Regierung sind. Die Diskriminierung Kinderloser wird bewusst in Kauf genommen, um sich in eine bessere machtpolitische Position zu bringen.
 
   
  • GERWIEN, Tilman & Michael STRECK (2001): Der Familien-Krach.
    Ein neuer Streit spaltet die Gesellschaft: Sollen Eltern mehr Geld vom Staat bekommen? Sind Kinderlose dagegen Sozial-Schmarotzer, weil sie zu wenig für die Gesellschaft leisten? Zwei stern-Redakteure, zwei Positionen,
    in: Stern Nr.19 v. 03.05.
    • Kommentar:
      Zwei Yuppies aus der Medien-Branche inszenieren sich als Single-Gesellschaft. Der Anwalt der Eltern STRECK zitiert den angeblichen Anwalt der Kinderlosen Peter KÖPF (TAZ v. 19.04.2001). Was ist aber von solch einem Anwalt zu halten, der Vater einer Tochter ist? Soll hier ein Scheinkonflikt forciert werden? Es sieht ganz so aus. Dies verdeutlichen auch die Grafiken, die den wahren Konflikt verdecken sollen.
            "Zwei Drittel ohne Kind" prangt dick über der Haushaltsstatistik. Welchen Wert hat eine solche Statistik, wenn eine Trümmerfrau, die 8 Kinder in die Welt gesetzt hat, als Kinderlose zählt? Der Sozialrichter Jürgen BORCHERT - angeblich ein Freund der Familie - rühmt sich so gerne für das Trümmerfrauen-Urteil. Er möchte gerade diesen Trümmerfrauen das damals erstrittene Geld wieder trickreich aus der Tasche ziehen (siehe hierzu das Tagesspiegel-Interview vom 04.04.2001). Die Trümmerfrauen leben überwiegend in den Haushalten ohne Kinder (1998 lebten laut Mikrozensus in 21 % der Einpersonenhaushalte über75Jährige. Die Scheinkontroverse "Familien versus Singles" ist im Grunde ein Generationenkonflikt. Die Generation der Trümmerfrauen und die Generation der Noch-Kinderlosen sollen als Nettozahler die mittlere Generation finanzieren, die gerade Kinder grosszieht. Es gibt aber kaum jemand, der das so deutlich zu sagen wagt. Ein Umverteilungskonflikt zwischen Eltern? Die eigenen Kinder greifen den Eltern in die Tasche? Völlig unmöglich! Einfacher ist es dagegen die Kinderlosen als Sündenböcke für die Misere verantwortlich zu machen.
            Ein Kinderlosenbegriff, bei dem undifferenziert Noch-Kinderlose, Eltern ohne Kinder im Haushalt und lebenslang Kinderlose in einen Topf geworfen werden, um wenigstens den Anschein erwecken zu können, dass Eltern eine aussterbende Spezies darstellen, der möchte nichts anderes als ein gesellschaftliches Klima erzeugen, in dem erst gar keine Debatte um eine sinnvolle Familienpolitik aufkommen soll.
            Ein weiterer Punkt ist die Darstellung des "Geburtenrückgangs". Ab 1990 wird nur die gesamtdeutsche Geburtenrate dargestellt. Der dramatische Geburtenrückgang in den neuen Bundesländern aufgrund der Wiedervereinigung führt dazu, dass die Geburtenrate nach unten zeigt. Warum wird dies verschleiert?
            Unsichtbar bleibt auch das Problem, dass die steigende Lebenserwartung dazu führt, dass die seit 1978 steigenden Geburtenzahlen als Geburtenrückgang erscheinen. Der Generationenvertrag ist in erster Linie von der steigenden Lebenserwartung und nicht von den Kinderlosen gekündigt worden. Dieses Problem würde auch existieren, wenn es keinen einzigen Kinderlosen geben würde.
            Die Deutschen werden nicht aussterben, aber möglicherweise müssen wir in Zukunft in einer Hassgesellschaft leben, weil amoklaufende Anwälte von "Eltern" und "Kinderlosen" ein Klima erzeugen, in dem ein friedliches Zusammenleben zwischen den Generationen unmöglich wird.
 
   
  • MAYER, Susanne (2001): Die Doppeltbedienten.
    Mehr Hilfe für Familien! Und wer soll's bezahlen? Natürlich die Kinderlosen. Eine tägliche Provokation für jene, die vergeblich versuchen, Eltern zu werden. Statt endlich Windeln wechseln zu dürfen, geraten sie unter pauschalen Verdacht, Hedonisten zu sein,
    in: Die ZEIT Nr.19 v. 03.05.
    • Kommentar:
      "Nun gibt es statt Urteilen vor allem Vorurteile. Eine neue Variante des Klassenkampfes wird geübt: solche mit gegen solche ohne Kinder. Jede Gruppe unterstellt der anderen Vorteile, für die man selber zur Kasse gebeten werde", schreibt MAYER. Dieser Klassenkampf ist die konsequente Folge der Individualisierungsdebatte, die von dem Soziologen Ulrich BECK forciert wurde. Die Individualisierungsthese hat sich seit den 80er Jahren als selbstverständlicher Deutungszusammenhang etabliert. Lesen Sie hierzu:
      Der Familiensektor: Vom unerfüllbaren Kinderwunsch zur Dramatisierung des Geburtenrückgangs (mit weiterführenden Links)
  • RUTENBERG, Jürgen (2001): Volkskrankheit Kinderlosigkeit,
    in: Die ZEIT Nr.19 v. 03.05.
 
     
   
  • HAHNE, Peter (2001): Die deutsche Sozialpolitik steht vor dem Offenbarungseid,
    in: Welt v. 02.05.
 
   
  • GROSS, Peter (2001): Gesellschaft X.
    Nicht nur was die Börse betrifft, muss man derzeit mit ziemlichen Ungewissheiten leben,
    in: St. Galler Tagblatt v. 01.05.
    • Inhalt:
      Das Gemeinsame aller Zeit- und Gegenwartsdiagnosen ist für den Soziologen GROSS der "historischen Bruch der Gegenwart mit der Vergangenheit. (...) An Begriffen wie Traditionsverlust und Orientierungslosigkeit wird dieses Kapitel der Moderne manchmal mit einem weinenden (als Verlust), manchmal mit einem lachenden Auge (als Emanzipiertheit) umschrieben. Herausgefallen aus dem gemachten Bett der Vergangenheit erwacht das Ich und friert oder aber freut sich! Dieser Vorgang ist als Individualisierung und Flexibilisierung manchmal kritisch (wie von Richard Sennet), manchmal optimistisch (wie von Ulrich Beck oder Anthony Giddens) unter die Lupe genommen worden. Oder rabenschwarz wie von Michel Houellebecq, einem derzeit in Feuilletons zu Recht die Kür machenden Kultautor aus Frankreich. Das Ich, so Houellebecq, schwebt abgetrennt von seinen Herkünften orientierungslos im leeren Raum und versucht, wie im den Zeitgeist grandios aufnehmenden Roman »Elementarteilchen« (1995) beschrieben, sich wie ein ungesättigtes Molekül mit Produkten und Menschen zu verbinden. In Büchern wie «Soloing» von Harriet Rubin oder «Ich-AG» vom Tom Peters herrscht derzeit freilich eine weniger schwermütige Atmosphäre (...) Nicht alle können oder wollen sich aber in eine Ich-Unternehmung verwandeln. Einige Autoren, prototypisch etwa Gerhard Schulze in seiner «Erlebnisgesellschaft», rücken denn auch die Frage in den Vordergrund, in welcher Weise das freigesetzte Individuum der Neuzeit Sinn, Glück oder, einfacher, einen Platz im Leben finden könne."
 
       
       
       
   

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