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Medienrundschau:
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Zitat
des Monats:
Während in den 1990er Jahren
Soziologen aufgrund der Alterung der Bevölkerung die
Single-Gesellschaft prophezeiten, besagt die Empirie nun:
Immer mehr ältere Menschen leben mit einem Partner zusammen
"Der Anteil älterer Menschen, die mit ihrem Partner einen
gemeinsamen Haushalt bewohnen, ist zuletzt stark angestiegen.
Während 1996 nur etwas mehr als die Hälfte der 70- bis
79-Jährigen in einer Partnerschaft lebte, so sind es gegenwärtig
bereits zwei Drittel. Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei
Menschen im Alter von 80 und mehr Jahren: Hier wuchs der Anteil
von 26% auf nunmehr 41%. Dies hat das Bundesinstitut für
Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis des Mikrozensus berechnet,
bei dem Partnerschaften in einem gemeinsamen Haushalt erfasst
werden. Die wichtigste Ursache für den Anstieg liegt in der
Verschiebung der Geschlechterproportion. So gab es noch vor zwei
Jahrzehnten bei älteren Menschen einen starken Frauenüberschuss,
da Männer in dieser Altersgruppe durch den Zweiten Weltkrieg
dezimiert waren. Mittlerweile ist die Altersstruktur bei älteren
Männern und Frauen wieder etwas ausgeglichener. Hinzu kommt,
dass heute Partnerschaften ohne Trauschein weitgehend akzeptiert
sind, weshalb auch ältere Menschen häufiger zusammenleben, ohne
verheiratet zu sein."
(Pressemitteilung
des Statistischen Bundesamtes v. 21.12.2016)
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07.01.2017
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GLAS, Andreas (2017): Das letzte Solo.
Weil ihre Familien zerbrochen sind,
werden immer mehr Menschen ohne Begleitung und auf Kosten der Kommunen
beerdigt,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 07.01.
Andreas GLAS berichtet von einem Fallbeispiel aus Passau, das den
Trend zur Armenbestattung (Amtsdeutsch: Amtsbestattung) illustriert:
"Günther (...), geboren am 30.
August 1946, gestorben am 3. Dezember 2016, in einer Pflegefamilie
aufgewachsen, ledig, katholisch, keine Kinder, keine Verwandten."
Der einsame Tod ist ein
Lieblingssujet des Mainstreamjournalismus, repräsentativ ist das
nicht unbedingt. Erstens fehlen meist Zahlen und zweitens sind sie
meist unvollständig. Das jedenfalls zeigen die
Ergebnisse des
Soziologen Janosch SCHOBIN.
"Allein in München gab es im
Jahr 2015 insgesamt 591 Amtsbestattungen, 2005 waren es nur 322.
In Passau (...) gab es im Jahr 2012 acht Amtsbestattungen, 2013
waren es elf, ein Jahr später schon zwölf und 2015 bereits 17
Fälle",
suggeriert GLAS eine steigende
Tendenz. Der Soziologe SCHOBIN sieht im genannten Fall keinen
typischen Fall, der sei eher ein geschiedener Mann, dessen Kinder
mit ihrem Vater aus unterschiedlichen Gründen nichts zu tun haben
wollen. Hinzu kommt, dass die Bestattungsordnung nicht auf moderne
Formen der Wahlfamilie eingerichtet sei. Medienberichte setzen
dagegen lieber auf Spektakuläres:
"Die Menschen, mit denen er zu
tun hat, haben ihre letzten Lebensjahre einsam im Altenheim
verbracht, manche lagen Tage oder Wochen in ihrer Wohnung, bis die
Nachbarn den Leichgeruch im Treppenhaus zu eklig fanden und die
Polizei riefen."
Das Problem ist jedoch
offenkundig nicht groß genug, denn sonst gäbe es Statistiken, die
Auskunft geben könnten. Nicht einmal in jeder Großstadt sind
Amtsbestattungen ein Fall für die Statistik und wenn, dann sind sie
unvollständig, sodass Ursachenforschung nicht möglich ist und der
Spekulation Tür und Tor geöffnet sind. Die Gesetzeslage erschwert
zudem durch landestypische Gesetze Vergleiche, indem sie
unterschiedliche Rahmenbedingungen setzt, die ebenfalls Einfluss auf
die Zahl der Amtsbestattungen hat:
"Für die Kommune bleiben nach
dem Tod eines Menschen 96 Stunden Zeit, um beispielsweise über das
Geburtenregister Angehörige zu ermitteln, dann muss der
Verstorbene laut Gesetzt beerdigt sein (...). Im Bayerischen
Bestattungsgesetz ist das Prozedere genau geregelt, auch wer
zahlen muss: Ehegatte, Kind, Elternteil, Großelternteil, Enkel,
Schwester oder Bruder, Nicht oder Neffe, Stiefkind. Lässt sich
aber niemand finden, dann springen die Kommunen ein."
Dieser Fall tritt auch deshalb
immer öfters ein, weil die Suche durch die Anforderungen der
Wirtschaft und den Zwang zu Mobilität, der zur Verbreitung von
multilokalen Mehr-Generationenfamilien geführt hat, eine
erfolgreiche Suche nach Angehörigen erschwert. Außerdem zeigt das
Bayerische Bestattungsgesetz, dass z.B. Freunde darin gar nicht als
Akteure vorkommen.
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HAMPEL, Lea & Catherine HOFFMANN (2017): Die Mitte bröckelt.
Lange galt in Deutschland der
soziale Aufstieg über Generationen als berechtigte Hoffnung.
Inzwischen ist das ganz anders: Die Mittelschicht fürchtet den
sozialen Abstieg - wenn schon nicht für sich selbst, dann für ihre
Kinder,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 07.01.
HAMPEL & HOFFMANN vertreten die
Interessen der oberen Mittelschicht. In ihrem Buch
Die Wiederkehr der Konformität beschreibt die Soziologin
Cornelia KOPPETSCH dieses Bevölkerungssegment, dessen Strategie der
Logik des Erbes folgt, folgendermaßen:
"Mindestens
drei Spielarten der neuen Bürgerlichkeit lassen sich derzeit
unterscheiden. Erstens: das aus der Alternativkultur aufgestiegene
(...) urbane, meist grün wählende (Walter
2010), linksliberale Ökobürgertum (...). Zweitens: das
eher in mittelgroßen Städten angesiedelte, häufig elitär gestimmte
Bildungsbürgertum (...). Drittens: das reflexiv wertkonservative
Bürgertum, das Familiensinn und Traditionen in einer Zeit der
Zunahme von Scheidungen und der »Zersetzung« von Gemeinschaften
und Generationsbindungen geltend macht. (...).
Zu den hier gemeinten Gruppen gehören meist höher qualifizierte
Beamte und Angestellte, Ärzte, Rechtsanwälte, Professoren,
Selbständige mit kleinen Firmen und Freiberufler".
(2013, S.41)"
Da jammert eine 46-jährige
Angehörige dieses privilegierten Milieus, die sich jedoch schämt
ihren Namen preiszugeben, dass sie ihr vor 10 Jahren erstandenes
Berliner Haus verkaufen muss, wenn sie und ihr Mann pflegebedürftig
werden. Derzeit sind jedoch lediglich 7 Prozent der
Pflegebedürftigen derart in Not, dass sie Hilfe vom Sozialamt
benötigen und deshalb auf ihr Vermögen zurückgegriffen wird (mehr
hier). Das
Beispiel zeigt jedoch, wer seine Interessen in unseren
Mainstreamzeitungen zur Sprache bringen darf.
Uns wird suggeriert, dass diese
Sorge die Mittelschicht hätte, obwohl das Beispiel ganz eindeutig
nicht die untere Mittelschicht betrifft, die von dem Vermögen der
oberen Mittelschicht weit entfernt ist:
"Mit gemischten Gefühlen
blicken vor allem Menschen auf morgen, dien noch etwas zu
verlieren haben: die Angehörigen der Mittelschicht. Auch Sonja
Schwarz könnte man dazu zählen. sie und ihr Mann haben das Haus,
werden beide Anteile an weiteren Immobilien erben, haben Jobs, die
es noch eine Weile geben wird."
Die Berufe werden dabei so
beschrieben, dass dem Leser eine Milieuzuordnung unmöglich gemacht
wird. Zum Mann heißt es nur "er ist in einer Druckerei". Das könnte
heißen: Chef, gut bezahlter Ingenieur oder Facharbeiter. Schließlich
wollen die Autoren den Eindruck erwecken, dass dies typisch für die
ganze Mittelschicht sei.
Als Gründe für die Ängste nennen
die Autoren, dass der "Strom der Aufsteiger aus den unteren
Schichten versiegt". Eher wäre das ein Argument für die soziale
Schließung in der Mittelschicht, aber keines für berechtigte Ängste.
Wohin wollen Kinder aus der oberen Mittelschicht aufsteigen? In die
Oberschicht der Rentiers?
Uns wird dazu eine Studie der
neoliberalen Privatstiftung Bertelsmann präsentiert, nicht etwa mit
aktuellen Daten, sondern mit Daten bis zum Jahr 2010. Außerdem wird
uns eine DIW-Studie genannt, die die Mittelschicht auf das Segment
der Haushalte von 70 bis 150 Prozent des Medianeinkommens eingrenzt.
Deren Zahlen reichen lediglich bis 2013 und es wird nicht zwischen
unterer und oberer Mittelschicht unterschieden. Es wird also
suggeriert, dass das Bröckeln der Mittelschicht alle Teile
gleichmäßig betrifft, obwohl es insbesondere die untere
Mittelschicht ist, die bröckelt. Deren Strategie heißt deshalb:
Abgrenzung nach unten. Für KOPPETSCH ist dies typisch für den
männlichen Facharbeiter.
Galt in den 1980er der Soziologe
Ulrich BECK als Prophet der individualisierten Bildungsaufsteiger,
so wird uns nun die Abstiegsgesellschaft (Oliver NACHTWEY) im
gleichen Brustton der Überzeugung serviert. In einem solchen Klima
der Angst gedeihen in erster Linie Abgrenzungen zu den jeweils
Schwächeren. In diesem Kampf der oberen Mittelschicht gegen den Rest
der Gesellschaft wird es viele Verlierer geben.
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SCHLOEMAN, Johan (2017): Weg damit.
Wer für die Schätze seiner Eltern
und Großeltern weder Platz noch Verwendung hat, empfindet das Erben
als Last. Über einen ganz eigenen Generationenkonflikt,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 07.01.
Johan SCHLOEMAN, Angehöriger der Generation Golf, geht es nicht um
seine Erbengeneration und die dadurch sich weiter vertiefende
Spaltung der Gesellschaft in eher wenige Großerben und viele
Nichterben, sondern um den Nachlass der Verwandtschaft, der nicht
zum eigenen minimalistischen und urbanen Lebensstil passt:
"Es sind lauter Dinge, die sich
aus diversen Pfarrhäusern der Vergangenheit angesammelt haben, aus
Häusern also, in denen es einst viele Kinder gab und viele Gäste
bewirtet wurden.
(...).
Je älter und fitter die Rentner werden, desto schärfer wird
jedenfalls in der breiten Mittelklasse ein schmerzhafte Asymmetrie
spürbar (...): Die Alten wohnen immer länger in ziemlich
geräumigen Häusern, während sich viele ihrer arbeitenden Kinder
mit ihren Familien in enge, immer teurere Großstadtwohnungen
quetschen. Und dann haben die Alten (...) auch noch lauter Muße,
sich trotz Quadratkilometern von Abstellfläche in den Kellern und
den verwaisten Kinderzimmern ständig mit dem Aufräumen und
Ausmisten zu beschäftigen."
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HAHN, Thomas (2017): So ist das Leben.
Steilshoop passt nicht zum schicken
Hamburg. Aber gerade in seinen Problemvierteln kann eine Stadt
beweisen, ob sie funktioniert,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 07.01.
Thomas HAHNs Artikel über die Hamburger Trabantenstadt Steilshoop
ist eine Art Ausgleich für das Geldgrab Elbphilharmonie. Soziale
Brennpunkte heißen neudeutsch Quartiere mit besonderem
Entwicklungsbedarf. Und statt wie noch vor kurzem von sozial
Schwachen spricht man nun von Schlechtverdienern und
Perspektivlosen. Angesichts des
Erfolgs der AfD haben sich die Strategien im Umgang mit Problemen
und der so genannten Unterschicht gewandelt. Warum bedurfte es dazu
des Aufstiegs der AfD und schlimmer: es könnte jene noch bestärken,
die der Ansicht sind, dass nur die AfD in der Lage ist, dass sich in
Deutschland wirklich etwas tut - zumindest was die Rhetorik in den
Mainstreamzeitungen betrifft.
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FROMME, Herbert (2017): Plötzlich verkauft.
Kunden der Basler
Lebensversicherung landen beim chinesischen Konzern Fosun,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 07.01.
Herbert FROMME berichtet darüber, dass
die Abwicklung von 128.000 Kunden
der Basler Lebensversicherung nach 15 Monaten von der Finanzaufsicht
Bafin genehmigt wurde und nun der Kundenbestand auf die Frankfurter
Leben, eine Tochter des Fosun-Konzerns, übergeht. Während einige
Versicherer wie die Ergo Verträge selber abwickelt, so z.B. die
Hamburg-Mannheimer, wollen andere die Bestände von spezialisierten
Abwicklungsplattformen wie Viridium (früher: Heidelberger Leben),
Athene und MyLife abwickeln lassen. Solche Run-offs etablierten sich
zuerst in Großbritannien und den USA und haben dort ein schlechtes
Image. Pikant an der Sache mit der Basler Lebensversicherung ist,
dass der Bafin-Zuständige Frank GRUND vor seiner neuen Tätigkeit für
den Aufbau des Bestandes bei der Basler Lebensversicherung
verantwortlich war. Welche Folgen solche Run-Offs in Deutschland für
die Kunden haben werden, das wird die Zukunft zeigen. Die Praxis von
Lebensversicherungen zeigt jedenfalls, dass ihnen ihr eigenes Wohl
wichtiger ist als das der Kunden.
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STAIB, Julian (2017): Die neue Stadt.
Großstädte wachsen und wachsen.
Immer mehr wollen hier wohnen und müssen deshalb immer mehr bezahlen.
Das können sich nicht alle leisten. Wie das ist, sieht man in
Frankfurt, im Gallus,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 07.01.
Julian STAIB berichtet darüber wie die Entstehung
des neuen Europaviertel auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände das
gewachsene Frankfurter Viertel Gallus verändert:
"Mehr als 40 Prozent der Einwohner
im Gallus haben keinen deutschen Pass. Das Viertel wurde geprägt von
jenen, die neu in die Stadt kamen. Wer konnte zog dann weg. Das ändert
sich gerade, auch durch das Europaviertel. (...).
Das Erstaunliche bei diesem Wandel ist: Ihm ging kein langsamer Zuzug
von Studenten und Künstlern vorweg. Im Gallus gibt es weiterhin nur
wenige Bars und Restaurants. Eine Gentrifizierung hat hier gar nicht
stattgefunden. Sie wird gerade einfach übersprungen.
Darüber freuen sich viele, die das Gallus früher schmuddelig fanden.
Felix Wiegand aber warnt vor einer »Verdrängung im Lebensstil«",
berichtet STAIB. Dass sich
Gentrifizierungsprozesse keineswegs an das Klischee hält, das
Stadtforscher wie Hartmut HÄUßERMANN u.a. in den 1980er und 1990er
Jahren in die Welt setzten, verwundert höchstens jene, die sich nicht
mit der empirischen Vielfalt von Gentrifizierungsprozessen auskennen
"Im Internet gibt es Karten, auf
denen die ortsübliche Vergleichsmiete pro Viertel abgebildet ist. Fast
die komplette Frankfurter Innenstadt ist rot, das heißt die Mieter
zahlen im Schnitt zum Teil deutlich mehr als zwölf Euro pro
Quadratmeter. Allein das Bahnhofsviertel ist orange, ebenso das Gallus
- als letztes verbliebenes innenstadtnahes Viertel mit Mieten zwischen
acht und zehn Euro. Das dürfte bald vorbei sein",
meint STAIB, der in Stadtvierteln
wie Griesheim und Nied die nächsten "Opfer" dieser Entwicklung sieht.
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BRANDSTETTER, Barbara
(2017): Mit freiwilligen Beiträgen die Rente aufbessern.
Die Vermögensfrage: Freiwillige
Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung rechnen sich vor
allem für Leute ab 55 Jahren. Aber auch Jüngeren steht die Möglichkeit
offen. Allerdings sind die fetten Jahre in der gesetzlichen
Rentenversicherung aller Voraussicht bald vorbei,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 07.01.
Bereits
Mitte
August predigte Barbara BRANDSTETTER die freiwilligen
Zuschussbeiträge als lukrative Möglichkeit zur Aufbesserung der
Rente. Die fetten Jahre sind gemäß Rentenversicherungsbericht 2016
erst 2023 vorbei, wenn die derzeit niedrigen Beiträge steigen
sollten und das Rentenniveau sinkt.
"Besonders lukrativ sind
Ausgleichszahlungen derzeit für rentennahe Ostdeutsche. Die
Angleichung der Ost- an den West-Rentenwert ist beschlossen und
soll 2025 finalisiert sein. Daher können Ostdeutsche aktuell die
Möglichkeit nutzen, vergleichsweise günstig Entgeltpunkte zu
erwerben. So liegt der Wert eines Entgeltpunktes im Osten derzeit
bei 28,66 Euro, im Westen sind es 30,45 Euro. Bei einer weiteren
Angleichung des aktuellen Rentenwerts (Ost) an den aktuellen
Rentenwert steigt auch der aus einer geringeren Beitragszahlung
resultierende Betrag der Rente",
berichtet BRANDSTETTER.
Die Differenz des Rentenwertes liegt 2016 aber nur noch bei 1,79
Euro. 2015 wären es noch 2,16 Euro gewesen. Wer also länger
wartet, der könnte zu spät kommen, weil die Differenz mit jedem Jahr
weiter abnimmt. Inwieweit das Gesetz die Lukrativität von
Einzahlungen erhöht hängt auch von Faktoren ab, die nichts mit dem
Gesetz zu tun haben, z.B. mit der Lohnentwicklung in Ost und West,
von der der Rentenwert abhängig ist.
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KROHN, Philipp (2017): Pensionsverpflichtungen
steigen über 400 Millionen Euro.
Auch die Dax-Konzerne spüren die
niedrigen Zinsen. Berater schätzen Betriebsrenten aber als stabil ein,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 07.01.
Während noch im Sommer und Herbst
dramatisierende Berichte über die Pensionsverpflichtungen der
deutschen DAX-Konzerne kursierten (mehr
hier,
hier und
hier),
berichtet Philipp KROHN jetzt gelassen über die Entwicklungen.
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SOMMERFELDT, Nando & Michael FABRICIUS (2017): Ende
der Völkerwanderung.
Erstmals seit der Wiedervereinigung
ist die Flucht von Ost nach West gestoppt. Stattdessen verfestigt sich
ein anderes Phänomen,
in:
Welt v. 07.01.
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FRITZSCHE, Andreas (2017): Neuruppin als Perle
herausputzen.
Studie
rät zu Konzentration als Rezept gegen die Abwanderung aus
Nordwestbrandenburg,
in:
Neues Deutschland v. 07.01.
Andreas FRITZSCHE berichtet über eine Studie der
neoliberalen Lobbyorganisation Empirica, mit der die geplante
Gebietsreform gerechtfertigt werden soll. Der Begriff "versteckte
Perlen" ist in der Wohnungswirtschaft üblich, um Investoren
anzulocken. In dem Artikel von FRITZSCHE bekommt er jedoch eine
umfassendere Bedeutung, denn solche Städte, die für
Immobilieninvestoren lukrativ sind, sollen auch noch zusätzlich
politisch gefördert werden.
"In Nordwestbrandenburg fällt
Empirica da nur Neuruppin ein. Bereits Wittenberge und Perleberg
fehle das Potenzial".
Das Ziel: Konkurrenz soll
ausgeschaltet werden zum Wohle der Investoren. Der demografische
Wandel dient dazu als Vorwand, um die Investoreninteressen zu
verschleiern. Die vergangenen Jahre zeigen, dass sich Prognose zum
demografischen Wandel sehr schnell ändern können. Wo gestern noch
Schrumpfung die Bedrohung darstellte, sind es heute aus allen Nähten
platzende Großstädte.
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FISCHER, Leo (2017): Obdachlose.
Das kann
weg: Über die gesellschaftliche Drohfunktion von Menschen ohne Wohnung,
in:
Neues Deutschland v. 07.01.
"Wer von Obdachlosen spricht,
ohne zu sagen, dass die derzeitige Wirtschafts- und Lebensform auf
deren Existenz dringend angewiesen ist, als permanente Drohung vor
dem gesellschaftlichen Tod, der soll besser ganz von ihnen
schweigen", meint der Chef des Satiremagazins "Titanic".
BUTTERWEGGE, Christoph (2017): Eine stille
Tragödie.
Essay:
Immer mehr Menschen haben keine Wohnung. Doch die Regierung
verharmlost das Problem,
in:
TAZ v. 07.01.
"Mittlerweile ist der deutsche Wohlfahrtsstaat so
weit demontiert, dass er selbst Wohnungslosigkeit produziert. Etwa
durch das Aus- und Umzugsverbot für unter 25-jährige
Hartz-IV-Bezieher, die rigide Sanktionspraxis für diese
Personengruppe (völlige Streichung des Arbeitslosengeldes II und der
Aufwendungen für Unterkunft und Heizung nach der zweiten
Pflichtverletzung) sowie die Zulassung einer
»Gesamtangemessenheitsgrenze« für die Kosten der Unterkunft und
Heizung. Die kann Hartz-IV-Bezieher veranlassen, ihre bisherige
Wohnung in einem gutbürgerlichen Stadtviertel aufzugeben und dorthin
zu ziehen, wo die Bruttowarmmieten niedriger sind. Dadurch leistet
man einer sozialräumlichen Segregation der armen Bevölkerung
Vorschub, die sich in Großstädten ansatzweise seit einiger Zeit
beobachten lässt", mein Christoph BUTTERWEGGE.
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05.01.2017
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ROTH, Johanna (2017): Wisch - und weg.
Beziehungen: Die Liebe ist die
letzte große Unbekannte. Digitale Apps haben sie ökonomisiert - aber
zum Glück nicht vollends gezähmt,
in:
TAZ v. 05.01.
Die digitalen Apps haben die
Liebe ökonomisiert? Das wäre zu viel der Ehre, denn Liebe war immer
schon institutionalisiert. Die Ökonomisierung begann bereits mit der
bürgerlichen Ehe. Das Karrierepaar kann als Optimierung dieses
Prinzips unter den gegenwärtigen Bedingungen betrachtet werden. Die
Ökonomisierung der Partnersuche predigten schon Bücher wie
Männerbeschäftigungsmarketing (Rachel GREENWALD). Apps haben
die Ökonomisierung der Partnersuche lediglich modifiziert.
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BARTSCH, Michael (2017): Boomtown zulasten der
Mieter.
Gentrifizierung: Leipzig galt als
Mekka für Mieter. Wohnen war günstig, das Angebot an bezahlbaren
Wohnungen groß. Das ändert sich gerade. Doch die Menschen wehren sich,
in:
TAZ v. 05.01
"(I)n Leipzig
herrschte bis vor fünf, sechs Jahren noch ein Mietermarkt.
Besonders in den verschlissenen Gründerzeitvierteln kann man bis
heute günstig wohnen. In ganz Leipzig liegen die
Durchschnittsmieten bei 5,50 Euro je Quardratmeter",
berichtet Michael BARTSCH über
Leipzig. Der Bericht wird garniert mit einem Foto, das die
Alternativszene Anfang der 1990er Jahre so zeigt, wie sie sich gerne
nostalgieverliebt sieht.
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Leipzig: Café Puschkin in der Südvorstadt; Industrieruine
in Plagwitz; Fotos: Bernd Kittlaus 2016 |
Man findet auch heutzutage noch
genügend Ecken in Leipzig, wo es wie zu Zeiten der
Deindustrialisierung aussieht.
"Bedingt durch
Deindustrialisierung und Abwanderung schrumpfte die Bevölkerung
der Stadt in den 90er Jahren um gut 100.000 Menschen. Seit dem
Jahre 2001 aber wächst die Einwohnerzahl wieder, zuletzt in
schwindelerregendem Tempo. Allein im Jahr 2015 kamen knapp 16.000
Bewohner hinzu. Das ist in Relation zur Gesamtbevölkerung
deutscher Rekord",
erklärt uns BARTSCH die
Bevölkerungsentwicklung in Leipzig. Mehr zur Bevölkerungsentwicklung
bietet das
Statistische Jahrbuch 2016 und diverse
Bevölkerungsvorausschätzungen.
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BUND, Kerstin (2017): Gut ist gut genug!
Vorbilder: Für berufstätige Mütter
wie mich gibt es noch immer kaum Rollenmuster. Liegt es etwa an uns
selber?
in:
Die ZEIT Nr.2
v. 05.01.
Kerstin BUND, die sich als Generation Y vermarktet hat, vermarktet
nun ihr Mutterdasein, indem sie nochmals die ganze Mütterdebatten
nacherzählt.
"Die brutalsten Urteile fällen
Mütter über andere Mütter, in deren Lebensmodell sie eine
Bedrohung für das eigene sehen",
erklärt uns BUND als ob
kinderlose Frauen nicht die eigentlich Leidtragenden der
Mütterkriege in unseren Mainstreamzeitungen wären. Frau ist Mutter
oder nichts, könnte man den Artikel auf den Punkt bringen. Denn zum
Vorbild taugt Frau nur noch als Mutter.
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BECKER, Jenny (2017): Allein zusammen erziehend.
Um Kinder zu bekommen, braucht es
weder Liebe noch Sex. Co-Elternschaft heißt der neueste Trend der
Familienplanung per Internet,
in:
Die ZEIT Nr.2
v. 05.01.
SPIEWAK, Martin (2017): "Das erinnert an traditionelle Muster".
Wie geht es Kindern, die in
unkonventionellen Elternkonstellationen aufwachsen? Ein Gespräch mit
der Psychologin Tabitha Freeman,
in:
Die ZEIT Nr.2
v. 05.01.
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LOBENSTEIN, Caterina (2017): Hier herrscht Klassenkampf.
In der Arbeiterstadt Bitterfeld ist
die AfD stärkste Partei. Ihre Wähler haben nicht nur mit Flüchtlingen
ein Problem, sondern auch mit dem Kapitalismus,
in:
Die ZEIT Nr.2
v. 05.01.
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FRIEDRICHS, Julia (2017): Jedes 5. Kind ist arm.
Was für eine Schande, sagen alle.
Wir müssen etwas ändern, sagen die Politiker. Julia Friedrichs
schreibt seit zehn Jahren über Kinderarmut in Deutschland. Sie ist die
billige Heuchelei leid: "Wenn die armen Kinder jedes Mal einen Zehner
bekämen, wenn ihr Schicksal bedauert wird - dann wären sie inzwischen
reich,
in:
Die ZEIT Nr.2
v. 05.01.
Es gibt über 150
Familienleistungen - Elterngeld, Kindergeld, Kita-Zuschuss -, und
das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat gerade erst
berechnet, wie sich dieses Geld verteilt. Das Ergebnis war
überraschend: 13 Prozent der Fördersumme landen bei den reichsten
zehn Prozent der Familien, nur sieben Prozent bei den ärmsten zehn
Prozent. Anders ausgedrückt: Ein armes Kind ist dem Staat
monatlich im Schnitt 107 Euro wert, ein reiches aber 199 Euro. Ein
absurdes System",
meint Julia FRIEDRICHS
ausgerechnet in jener Zeitung, die mitverantwortlich dafür ist, dass
reiche Kinder mehr wert sind als arme. Das ist die wahre Heuchelei.
Wenn FRIEDRICHS erst seit 2007 über Kinderarmut schreibt, dann
deswegen, weil davor Redakteure und Redakteurinnen wie z.B. Susanne
GASCHKE vehement für Hartz-Reformen und Eltergeld eintraten. Die
Kinder von Akademikerinnen sollten mehr wert sein als die
Unterschichtkinder. FRIEDRICHS sollte lieber in einem Blatt
schreiben, das nicht für diese Missstände mitverantwortlich war -
dann würde sie jedoch weniger verdienen.
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ÖCHSNER, Thomas (2017): Früher Vogel fängt den Wurm.
Auch Frührentner können mit
freiwilligen Zusatzbeiträgen ihr Altersgeld aufstocken,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 05.01.
Thomas ÖCHSNER berichtet über mögliche freiwillige Einzahlungen in
die Rentenkasse, mit denen Abschläge beim vorzeitigen Renteneintritt
vermieden werden können. Anlass ist das Inkrafttreten des
Flexirentengesetzes. Daneben macht er Werbung für
Rentenbeitragszahlungen von Minijobbern, die sich meist befreien
lassen.
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MUßLER, Hanno (2017): Vermögensverwalter senken
Aktienquote.
Nach dem Aufschwung am Aktienmarkt
scheuen Vermögensverwalter oft vor mehr Aktien zurück. Wie eine
Umfrage zum richtigen Vermögensmix für 2017 zeigt, lenken sie freie
Mittel eher in Anleihen und Gold,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 05.01.
Privatanlegern wird seit geraumer
Zeit die Aktie als Königsweg der Altersvorsorge angepriesen.
Daniel MOHR
und andere werden nicht müde mit hohen Renditenversprechen als
Durchlauferhitzer
des DAI, der Lobbyorganisation der Aktie, zu fungieren (mehr auch
hier). Dabei werden Kosten und Risiken
von Aktien verharmlost.
Besonders für
Schlechterverdienende, die keine oder nur geringe Möglichkeiten der
Diversifikation besitzen, besteht die große Gefahr ihre
Altersvorsorge durch Falschanlage aufs Spiel zu setzen. Gewinner
sind auf alle Fälle die Finanzdienstleister, die beim
Erfinden von Hintertürchen der
Risikoabwälzung auf die Kunden clever genug sind.
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HEIDE, Dana (2017): Das Jahr der Hoffnung.
FDP 2017: Die Große Koalition von
Union und SPD wirkt auf viele Wirtschaftsführer freudlos. Sie setzen
wieder auf die Liberalen,
in:
Handelsblatt v. 05.01.
Die FDP als Klientelpartei des
Großkapitals und der Spitzenverdiener der oberen Mittelschicht soll
nach deren Willen den Neoliberalismus in Deutschland verteidigen.
Ein Abwehrbündnis der Besitzstandswahrer von CDU/CSU/FDP und Grünen
könnte ein Weiter-So des Sozialabbaus ermöglichen.
Das
FDP-Wirtschaftsforum soll den Wiedereinzug der FDP in den
Bundestag garantieren. Dazu gehört u.a. BDA-Chef Ingo KRÄMER,
Michael HÜTHER als Direktor des IW Köln, der Wissenschaftslobbying
im Sinne der BDA betreibt, Jürgen DONGES und Wolfgang CLEMENT (Agenda-Minister
unter SCHRÖDER).
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Das
bedingungslose Grundeinkommen in der Debatte
LABERENZ, Lennart
(2016): Modell
Eigenwerbung.
Finnland: Die
liberal-konservative Regierung testet ihre Version für ein
Grundeinkommen, um aus Arbeitslosen Billigarbeiter zu machen,
in:
Freitag Nr.1 v. 05.01.
Lennart LABERENZ berichtet - im
Gegensatz zu den üblichen Fast-Food-Artikeln - ausführlich über
das finnische Experiment den Sozialstaat noch mehr zu
neoliberalisieren. LABERENZ beschreibt das finnische Modell als
eine Form von
Milton FRIEDMANs negativer Einkommenssteuer. Genauso gut
könnte man darin ein erweitertes Kombilohn-Modell sehen, denn
beides hat mit dem Grundeinkommen, das in der Höhe dem finnischen
Arbeitslosengeld - nur mit dem Unterschied der Bedingungslosigkeit
- entspricht, genauso viel oder genauso wenig zu tun. Für die Zeit
einer Beschäftigung entspricht das Einkommen einem Kombilohn, weil
das Arbeitslosengeld dann nicht wie üblich entfällt, sondern
zusätzlich gezahlt wird. Damit soll die Aufnahme von Arbeit im
Niedriglohn- bzw. Minijobbereich erhöht werden. Aus
Unternehmenssicht entspricht es einer Lohnsubvention. Unternehmen
könnten dies dazu missbrauchen, noch mehr gut bezahlte Jobs in
Niedriglohnjobs umzuwandeln. Man darf also bezweifeln, dass dieses
Modell nachhaltig ist.
"Selbst wenn der jetzige Test
alle Erwartungen überträfe, könnte das gewählte Verfahren kaum
flächendeckend eingeführt werden. Es wäre nicht kostenneutral
und würde den Staat laut Schätzungen im Jahr gut elf Milliarden
Euro kosten. Das liegt an der Steuergesetzgebung und einem nur
geringen Einsparpotenzial in einer sehr effizienten Verwaltung.
So könnte diese Grundsicherung in Finnland zu einem Instrument
werden, von dem Druck auf den Sozialetat ausgeht",
fasst LABERENZ die Folgen des
Experiments zusammen.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
LEUTHOLD, Manuel (2016): Herausforderung
Tiefzinsumfeld.
Die Ausgleichsfonds verwalten im
Auftrag der Schweizer Bevölkerung 35 Milliarden Franken. Ihr
Kernauftrag, die Zahlungsbereitschaft der Sozialwerke jederzeit zu
sichern, wird durch das gegenwärtige Umfeld erschwert,
in:
Sonderbeilage der Neuen Zürcher
Zeitung Finanzmarkt 2016/2017 v. 05.01.
Manuel
LEUTHOLDs Artikel gleicht eher einer Marketingkampagne als
Aufklärung über den Schweizer Ausgleichsfonds. Er kann auch als
Reaktion auf die
Kritik des Tages-Anzeiger gelesen werden, denn der hat
ihm vorgeworfen im Vergleich zu den Schweizer Pensionskassen den
AHV-Fonds schlecht gemanagt zu haben.
"Das gesetzlich vorgegebene
Ziel für die Ausgleichsfonds, primär den Realwert des Vermögens
zu erhalten und erst sekundär, im Rahmen der Risikolimiten, eine
angemessene Kapitalrendite zu erwirtschaften, führt auch zu
einer konservativen Anlagepolitik für das Gesamtvermögen. (...).
Damit sind rund drei Viertel der Vermögensanlagen direkt von den
Niedrigzinsen betroffen, was im Vergleich zu einem
durchschnittlichen Pensionskassenvermögen mehr ist und
dementsprechend zu einer niedrigeren erwarteten Rendite führt.
Dies haben die Ausgleichfonds hinzunehmen, müssen sie doch (...)
primär die Verteilung der im Umlageverfahren gewährten Renten
der ersten Säule sichern. Im Vergleich dazu hat eine
Pensionskasse den Auftrag, im Rahmen des gegebenen Risikobudgets
einen so hohen Anlageertrag wie möglich zu erwirtschaften, um
langfristig Mindestzins und Pensionskassenrenten bezahlen zu
können",
erklärt uns der Präsident des
Verwaltungsrates compenswiss. Dieser ist für die Geldreserve der
drei Sozialwerke AHV, IV und EO zuständig.
LEUTHOLD nutzt die Gelegenheit
zudem, sich aus neoliberaler Perspektive in die Reform der
Altersvorsorge 2020 einzumischen.
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WELTER, Patrick
(2016): Mit verordnetem Konsum gegen die
Überarbeitung.
Japans ungesundes Arbeitsethos wird
künftig mit einem arbeitsfreien Nachmittag pro Monat bekämpft,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 05.01.
Eine Variante des Artikels kann
auf faz.net gelesen werden.
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04.01.2017
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SIEMS, Dorothea (2017): Die Armut wächst - gefühlt.
Leidartikel: Sozialpopulisten
versetzen die Bevölkerung in Panik mit bewusst irreführenden
Nachrichten. Die Angst vor einem Absturz im Alter und einer
gespaltenen Gesellschaft gräbt sich immer tiefer ins kollektive
Bewusstsein besonders der Mittelschicht. Das hat fatale Konsequenzen,
in:
Welt
v. 04.01.
Dorothea SIEMS erregt sich über eine
Meldung zur künftigen Altersarmut, die die Linkspartei in die
Welt gesetzt hat. SIEMS ist jedoch auf einem Auge blind, denn
Panikmache in Sachen Altersarmut ist keineswegs die Sache von
Linkspartei, Sozialverbänden oder der Gewerkschaften, sondern in
erster Linie von Lobbyisten des Finanzmarkt.
So hat z.B. Bodo SCHÄFER in dem
2016 erschienenen Buch Wohlstand oder Rente die
Dreistigkeit die Rente einer 38jährigen Topmanagerin, die ein Gehalt
weit über der Beitragsbemessungsgrenze erhält, auf eine Rente
unterhalb des Grundsicherungsniveau kleinzurechnen:
"sie könnte mit 65 Jahren
lediglich eine Rente von 549 Euro erwarten - nach heutiger
Kaufkraft"
Die wahren Panikmacher sind also
die Befürworter einer kapitalgedeckten Altersvorsorge, die die
gesetzliche Rente auf ein Fürsorgesystem reduzieren wollen. Unter
dem Deckmantel der Vorsorgelücke wird Finanzmarktlobbyisten die
gesetzliche Rente schlecht geredet. Darüber liest man im Blatt der
Kapitalisten nichts!
SIEMS, Dorothea (2017): Die Rente wird unbezahlbar.
Arbeitgeber: Nahles' Reformen
kosten ab 2045 rund 90 Milliarden Euro Jahr für Jahr zusätzlich,
in:
Welt
v. 04.01.
Warum man nichts über
neoliberale Panikmacher wie Bodo
SCHÄFER erfährt, das liest man in diesem Artikel. Hier wird
Dorothea SIEMS zum reinen
Durchlauferhitzer für die BDA, deren Interessen sie 1:1 ans
Publikum weiterleitet.
Die BDA polemisiert in ihrem
(noch) geheimen Positionspapier, das der BDA-freundlichen
Springer-Presse exklusiv zugespielt wurde, gegen eine Untergrenze
von 46 Prozent beim Rentenniveau. Dazu werden nicht nachprüfbare
Zahlen in Umlauf gesetzt, die Unbezahlbarkeit suggerieren sollen.
Die BDA will den Beitragssatz über 2030 auf 22 Prozent festschreiben
lassen, was sie mit dem Begriff "Generationengerechtigkeit"
bemäntelt.
Generationengerecht ist daran
überhaupt nichts, denn nicht die Kosten, sondern das
Kosten-Nutzen-Verhältnis für jüngere Arbeitnehmer ist entscheidend.
Darüber schweigt die BDA wohlweislich, denn die künftige gesetzliche
Rente der Arbeitnehmer ist ihnen völlig egal, schließlich vertritt
die BDA nicht die Arbeitnehmer, sondern allein die Arbeitgeber und
nach deren Ansicht sollen alle Risiken und anfallende Kosten
möglichst die Arbeitnehmer tragen.
Die Gewerkschaften dagegen haben
aufgezeigt, dass die Streichung der unlukrativen Riester-Rente
Entlastungen und Einsparungen bringen, die der gesetzlichen Rente
zugute kommen könnten. Die Belastungen für Arbeitnehmer wären
angesichts des höheren zukünftigen Rentenniveaus leicht tragbar.
Es gibt jedoch immer noch
Arbeitnehmer, die trotz zunehmender
Hiobsbotschaften bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge
marktgläubig genug sind, um auf das falsche Pferd zu setzen.
Kapitaldeckung heißt in erster Linie: Subvention der
Finanzdienstleister und Abwälzung der Risiken auf die Kunden. Sollte
nach Abzug der Profite noch etwas übrig bleiben, dann kann auch der
Kunde als Letzter in der Kette der Profiteure etwas abbekommen.
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Die Sozialkassen wecken Begehrlichkeiten
der Neoliberalen
SIEVERS, Markus
(2017): Keine Entlastung bei Sozialabgaben.
Nahles lehnt Senkung des Beitrags
zur Arbeitslosenversicherung ab,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 04.01.
AFHÜPPE, Sven
(2017): Nehmen und geben.
Sozialabgaben: Der Beitrag zur
Arbeitslosenversicherung kann und sollte gesenkt werden,
in: Handelsblatt
v. 04.01.
Sven AFHÜPPE will uns
weismachen, dass die Geringverdiener von Senkungen der
Sozialabgaben profitieren würden. Das Gegenteil ist der Fall:
Geringverdiener profitieren von den Leistungen und nicht von
Sparmaßnahmen bei den Sozialversicherungen. Die wahren Gründe
liegen woanders: AFHÜPPE ist ein Anwalt der oberen Mittelschicht,
weswegen er den Anstieg der Beitragsbemessungsgrenzen beklagt. Der
Anstieg soll jedoch dafür sorgen, dass sich Besserverdiener nicht
noch stärker entsolidarisieren können. Dass AFHÜPPE gegen ein
höheres Rentenniveau polemisiert ist da nur konsequent.
GAMMELIN, Cerstin (2017): Wider die Versuchung.
Sozialabgaben: Elf Milliarden Euro
liegen bei der Arbeitslosenversicherung,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 04.01.
Cerstin GAMMELIN stimmt in den neoliberalen Chor der
Beitragssenker ein. Dass die Langzeitarbeitslosigkeit immer noch
zu hoch ist, weil das Geld für sinnvolle Maßnahmen lieber gespart
wird, statt den Bedürftigen zugute kommen zu lassen, interessiert
Neoliberale nicht. Auch die Rentenkasse leidet unter den
Einsparungen bei den Arbeitslosen. Nichts davon lesen wir in den
neoliberalen Mainstreamzeitungen.
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BRAUN, Stefan
(2017): Das zweite Leben.
Mittwochsporträt: Friedrich Merz
war eine Macht in der CDU, dann hörte er auf. Auch wegen Merkel. Nun
hat er bei Blackrock wieder Macht - diesmal über sehr viel Geld,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 04.01.
Stefan BRAUN zeichnet ein
wohlwollendes Bild vom biederen Mopedrocker aus dem Sauerland, der
sich gerne aufplustert und gescheiterte Bierdeckel-Professoren
hofiert hat. Die Welt am Sonntag berichtete bereits
im
November über den neuen Türöffner-Job von MERZ. BRAUN spart
dieses heikle Thema aus, weshalb sein Porträt auch in der
Belanglosigkeit verharrt.
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03.01.2017
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KROHN, Philipp (2017): Niedrigere Verrentung für Allianz- und
Zurich-Kunden.
Der Niedrigzins zwingt Versicherer,
ihren Rentenfaktor zu senken. Das hat keine Folgen für die
Ersparnisse, aber für die monatliche Rente, die sich daraus ergibt,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 03.01.
Vollmundig erklärte man uns vor
der Teilprivatisierung der gesetzlichen Rentenversicherung, dass die
Altersvorsorge durch das Kapitaldeckungsverfahren mehr Rendite als
das Umlageverfahren bringe. Wer auf Lebensversicherungen gesetzt
hat, der wird seit Jahren eines Besseren belehrt. In den letzten
Jahren versprachen uns die Medien, dass wer auf risikoreichere
fondsgebundene Policen setze, der ist besser dran als jene, die mit
dem Garantiezins auf Nummer sicher gehen wollen. Nun wird auch diese
Argumentation zur Makulatur:
"Allianz und Zurich haben für
ihre fondsgebundene Lebensversicherungen und weitere
kapitalmarktnahe Produkte einer bestimmten Vertragsgeneration den
Rentenfaktor gesenkt",
erklärt uns Philipp KROHN. Die
Altersvorsorge ist sicher? Das glauben nur Träumer. Sicher sind nur
die Profite der Versicherungswirtschaft! Wer bei Vertragsabschluss
nicht auf das Kleingedruckte geachtet hat, der könnte nun sein
blaues Wunder erleben:
"Mitte Januar sollen (...) die
etwa 700.000 Kunden unterrichtet werden, die zwischen 2001 und
Ende 2011 eine fondsgebundene Rentenversicherung oder eine Police
mit höherem Aktienanteil nach dem Modell Indexselect abgeschlossen
haben. Hier wird künftig für die Umrechnung von Kapital in eine
Monatsrente nicht mehr der Rechnungszins von 2,75 oder 2,25
Prozent zugrunde gelegt, sondern nur noch 1,75 Prozent."
Die Versicherer haben sich eine
Hintertür offengelassen und die Finanzaufsicht bzw. deren
beglaubigten Treuhänder als Anwälte der Versicherer, heißt diese
Praxis gut.
Anpassungen des Rentenwerts sind
zulässig, wenn sich die Lebenserwartung MERKLICH erhöhe (ein sehr
dehnbarer Begriff!) oder wenn der "Kapitalmarktzins dauerhaft
falle". Was dauerhaft ist, ist ebenfalls eine Auslegungssache. Eine
Angestellte des Finanzdienstleisters MLP wird dahingehend zitiert,
dass Versicherungen zwei Methoden verwenden: zum einen einen
bestimmten Prozentsatz des Rentenfaktors und zum anderen den
Vorbehalt, der nun als Einfallstor zur Abwälzung der Risiken auf die
Kunden benutzt wird. Die Lobbyistin des Finanzdienstleisters wiegelt
ab, indem sie die Konsequenzen der Senkung verharmlost, während der
Bund der Versicherten darauf hinweist, dass die Senkung auch
Konsequenzen für die betriebliche Altersvorsorge haben könnte:
"in der betrieblichen
Altersversorgung könnten Lücken entstehen, die von Arbeitgebern
gestopft werden müssten."
Die Finanzdienstleisterlobbyistin
sieht in der Senkung der monatlichen Rente dagegen keinen Grund für
die Arbeitgeberhaftung:
"Die Nachschusspflicht der
Arbeitgeber wird auf die Ablaufleistung der Verträge bezogen. Sie
ändert sich aber nicht (...). Es sind also keine unangenehmen
Folgen für die Arbeitgeber zu erwarten."
Oder anders formuliert: Den
Schaden trägt der Arbeitnehmer.
Fazit: Die Risiken der
Altersvorsorge werden von Versicherungswirtschaft und Arbeitgebern
voll auf die Arbeitnehmer abgewälzt. Man darf sicher sein, dass noch
längst nicht alle Möglichkeiten der Risikoabwälzung ausgeschöpft
wurden. Wer immer noch Lebensversicherungen für eine rentable
Altersvorsorge hält, der ist selber schuld!
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HICKEL, Rudolf
(2017): Zurück zum Umlagesystem.
Gastbeitrag: Die Riester-Rente ist
systemisch und instrumentell gescheitert, aber nicht ohne
Alternativen,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 03.01.
Für den Ökonom Rudolf HICKEL ist
die Kapitaldeckung gescheitert, denn sie
"schließt Einkommensschwache
aus und schafft die Abhängigkeit von instabilen Finanzmärkten."
Das Scheitern begründet er auch
mit dem niedrigen Verbreitungsgrad der Kapitaldeckung bei
Geringverdienern:
"Heute bereits sind es über 42
Prozent der Geringverdiener, die weder eine Riester-Rente noch
Ansprüche auf eine betriebliche Altersvorsorge haben."
HICKEL hält ein Rentenniveau von 50 Prozent und eine
solidarische Mindestrente für machbar, ohne dass die
Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft bedroht wird.
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SOMMER, Ulf (2017): Auf lange Sicht immer erfolgreich.
Leidartikel: Hinter Aktien steckt
mehr als heiße Luft,
in: Handelsblatt
v. 03.01.
Ulf SOMMER ist nichts anderes als ein
Durchlauferhitzer für das Deutsche Aktieninstitut, dessen
Propaganda SOMMER nachplappert und sogar noch falsch:
"Wer ganz sichergehen will,
muss mindestens 15 Jahre lang investiert bleiben, denn über so
einen langen Zeitraum entstand noch nie ein Minus - egal, wie
ungünstig ein Einstieg auch war."
Das widerspricht der
aktuellen Studie
des DAI:
"Bei historischen
DAX-Sparplänen von 15 Jahren betrug (...) der Verlust für die
schlechteste 15-Jahres-Periode (...) noch -0,4 Prozent." (2016,
S.21)"
Aber Ulf SOMMER ist mit seiner
Propaganda In guter Gesellschaft (mehr
hier und
hier),
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HILDEBRAND, Jan & Frank SPECHT (2017): Jobwunder mit Ansage.
Ökonomen sehen für das laufende
Jahr durchaus konjunkturelle Risiken. Doch die positive Entwicklung
auf dem Arbeitsmarkt geht den Prognosen zufolge weiter - nur leicht
gebremst,
in: Handelsblatt
v. 03.01.
"Mit der Beschäftigung geht es seit mittlerweile 13 Jahren
kontinuierlich aufwärts. 43,4 Millionen Erwerbstätige
zählte das Statistische Bundesamt im
abgelaufenen Jahr - 425.000 oder ein Prozent mehr als im Vorjahr.
Seit der Trendwende im Jahr 2004 hat die deutsche Wirtschaft knapp
4,2 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Zuletzt war die
Dynamik dabei sogar noch gewachsen",
verkünden HILDEBRAND & SPECHT.
Nicht jeder wird das als positive Entwicklung betrachten. Vor allem
nicht diejenigen, deren gut bezahlter Job wegrationalisiert und
durch Niedriglöhner ersetzt wurde. Dazu liefert uns das Statistische
Bundesamt keine Statistik!
Problematisch ist, dass die
Zahl der sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigung 2016 weiter weit unterhalb der Zahl der Beschäftigten
geblieben ist. Dies ist zum einen ein Gradmesser für die
gesellschaftliche Entsolidarisierung und zum anderen für die hohe
Zahl atypischer Beschäftigung in Deutschland.
Bei den vom Statistischen
Bundesamt und
heute von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte Zahlen
handelt es sich um Schätzungen und nicht um endgültige Zahlen.
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Die Sozialkassen wecken Begehrlichkeiten
der Neoliberalen
ASTHEIMER, Sven
(2017): Milliardenüberschüsse am Arbeitsmarkt.
43,4 Milliarden - noch nie gab es
so viele Erwerbstätige. Das füllt die Sozialkassen und lässt Rufe
nach Entlastungen laut werden,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung
v. 03.01.
Dreist stellt Sven ASTHEIMER Die
Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern auf die gleiche Stufe,
obwohl die Arbeitnehmer längst einen höheren Beitrag leisten als
die Arbeitgeber. Dafür wurden ihnen zum Dank im Falle der
Arbeitslosigkeit die Leistungen gekürzt, was zu den Überschüssen
beitrug. Den Ruf nach Entlastung der Arbeitgeber posaunt GÖBEL
gerne hinaus. Arbeitnehmern wäre dagegen eher mit
Leistungsverbesserungen bei den Sozialversicherungen gedient,
statt auf deren Rücken zu sparen.
GÖBEL, Heike
(2017): Sozial kurzsichtig.
Kommentar,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung
v. 03.01.
Heike GÖBEL heult uns die Ohren
voll, entweder wenn die Sozialabgaben steigen oder wenn sie nicht
steigen. Zum Jammern bietet die Sozialabgabenentwicklung für
Neoliberale immer genug Stoff.
Noch im Sommer beschwor Kerstin SCHWENN einen Anstieg der
Sozialabgaben im Jahr 2017 auf über 40 Prozent. Davon redet GÖBEL
nicht mehr, sondern sie jammert jetzt darüber, dass die Beiträge
bei der Arbeitslosenversicherung nicht gesenkt werden.
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02.01.2017
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DESTATIS (2017):
Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2016 um 1 Prozent gestiegen,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 02.01.
SAUER, Stefan (2017): Beschäftigungsrekord ist kein Grund zum feiern,
in: Berliner Zeitung
Online
v. 02.01.
"Nach Angaben des Statistischen
Bundesamts stieg die Zahl der Erwerbstätigen mit inländischem Wohnsitz
gegenüber 2015 um 425.000 auf 43,4 Millionen. Das Plus geht
ausschließlich auf das Konto sozialversicherungspflichtiger
Beschäftigungsverhältnisse, die im Jahresdurchschnitt sogar um rund
700.000 auf etwa 31,5 Millionen zulegten",
behauptet Stefan SAUER. Die
Pressemitteilung enthält jedoch keine Zahlen zu den
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Man muss schon den
aktuellen
Monatsbericht Dezember und das Jahr 2016 der Bundesagentur für
Arbeit zur Hand nehmen, um Genaueres zu diesem Aspekt zu erfahren:
"Das Wachstum der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung fiel in West- und
Ostdeutschland etwa gleich stark aus. So nahm die
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Juni 2015 auf Juni
2016 im Westen um 2,0 Prozent auf 25,50 Mio und im Osten um 1,9
Prozent auf 5,87 Mio zu. (...). Der Anstieg der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wurde etwa zur Hälfte von
Ausländern getragen. Ihre Zahl hat um 300.000 oder 10,6 Prozent auf
3,13 Mio zugenommen. Ausschlaggebend dafür waren mehr beschäftigte
Staatsangehörige aus den aktuellen Zuwanderungsländern und hier
insbesondere aus den osteuropäischen EU-Staaten. Die Zahl der
sozialversicherungspflichtig beschäftigten Deutschen hat sich um
302.000 oder 1,1 Prozent auf 28,23 Mio erhöht. Dabei fiel der Zuwachs
bei deutschen Frauen mit +173.000 oder +1,3 Prozent auf 13,36 Mio
stärker aus als bei deutschen Männern, deren Beschäftigung um 129.000
oder 0,9 Prozent auf 14,87 Mio gestiegen ist. Grund dafür war auch
eine gestiegene Erwerbsneigung von Frauen. Diese wirkte zusammen mit
der gestiegenen Erwerbsneigung von Älteren dem demografisch bedingten
Rückgang und der Alterung der inländischen erwerbsfähigen Bevölkerung
entgegen." (2016, S.47)
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MILATZ, Marvin & Hans Christian MÜLLER
(2017): Die Väter kümmern sich - etwas mehr.
Grafik des Tages: Das Elterngeld
hatte zwei Ziele: Akademiker sollten mehr Kinder bekommen und auch
Väter zum Erziehungsurlaub bewegt werden. Und tatsächlich beantragen
immer mehr Elternzeit - wenn auch meistens nur jene zwei Monate, die
es zusätzlich zu den 12 Monaten für die Mütter gibt. Gerade im Süden
und Südosten der Republik ist die Väterquote hoch. Paradoxerweise ist
ihre Auszeit hier aber besonders kurz,
in:
Handelsblatt
v. 02.01.
MILATZ & MÜLLER
erwähnen sogar noch weniger Ziele
des Elterngeldes als Christoph SCHÄFER
in der FAZ.
Im Gegensatz zu diesem, wird nicht die Entwicklung der Geburtenrate
(TFR), sondern die Entwicklung der Geburtenzahl und die Entwicklung
der Akademikerquote bei Müttern - vor und nach Einführung des
Elterngeldes in einem Schaubild gezeigt. Die Herkunft der Daten wird
uns jedoch verschwiegen. Das Schaubild zeigt jedoch, dass die
Mütterquote bei den Akademikerinnen bereits vor Einführung des
Elterngeldes gestiegen ist. Die Einführung hat dann zu einem
Mitnahmeeffekt geführt, d.h. aufgeschobene Geburten wurden
nachgeholt. Die Daten reichen nur bis 2010, weshalb davon
ausgegangen werden kann, dass der weitere Anstieg nicht mehr so
steil verlief, denn mindestens bis 2012 liegen exakte
Mikrozensusdaten vor. Warum sollte jemand das verschweigen - außer
es passt nicht in die Argumentation?
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HÄRING, Norbert
(2017): Beweise mit Verfallsdatum.
Krise der
empirischen Ökonomie (3): Wirtschaftsforscher stellen anhand von
Statistiken Hypothesen auf. Dann überprüfen sie diese selbst - mit den
gleichen Statistiken. Das hebelt die üblichen Tests für die
Verlässlichkeit der Ergebnisse aus,
in:
Handelsblatt
v. 02.01.
Es ist kein Zufall, dass Norbert HÄRING ausgerechnet das Phänomen
Diskriminierung wählt und nicht etwa z.B. Wettbewerbsnachteile, um
die Probleme von ökonomischen Methoden zu erörtern, denn bereits die
Herangehensweise an die Krise der empirischen Ökonomie zeigt, dass
jede Zeitung interessengeleitet ist - und eine Wirtschaftszeitung
wird partout keine Schwindeleien von Wissenschaftlern an
Heiligtümern des Neoliberalismus erklären, sondern den politischen
Gegner ins Visier nehmen. Lügen verbreiten immer nur die anderen
Medien!
Die Ökonomie der Gegenwart
scheint vieles mit der Bevölkerungswissenschaft - insbesondere - vor
der Jahrtausendwende gemeinsam zu haben: eine selbstherrliche
Wissenschaftlergemeinde, die ihre Theoriegebäuden gegen Kritik
immunisiert. Was in der Wissenschaft normal sein sollte: die
Trennung von Exploration und Theorieüberprüfung, das wird hier nicht
so genau genommen.
"Wer will es den Forschern
(...) verdenken, wenn sie von zwei oder drei Methoden, die man
vertreten kann, die auswählen, die günstige Ergebnisse auswirft.
Oder den Untersuchungszeitraum etwas früher oder später beginnen
zu lassen, wenn sich das positiv auswirkt, oder den Ausschluss von
extremen Werten von den Auswirkungen auf das Ergebnis abhängig zu
machen",
erklärt uns HÄRING, obwohl das
eigentlich eher banal ist. sozusagen Einführungskurs Statistik. An
wirklich brisante Themen hat sich HÄRING bislang nicht
herangewagt...
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Das
Betriebsrentenstärkungsgesetz in der Debatte
GIERSBERG, Georg
(2017): Betriebsrente ist kein Versicherungsfall.
Der Betriebswirt: Viele
Beschäftigte bauen ihre Versorgung im Alter auch auf einer
Betriebsrente auf. Eine geplante Gesetzesänderung sorgt für viel Unsicherheit,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 02.01.
Astrid WALRABENSTEIN unterscheidet zwischen betriebsnahen
(Direktzusage und Unterstützungskassen) und betriebsfernen
(Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherung) der
betrieblichen Altersversorgung bzw.
Altersvorsorge.
Joachim BANGERT, Vorstand der
Auxilion AG, die ihr Geschäftsmodell in der betrieblichen
Altersversorgung in Form von Sparplänen betreibt, wendet sich gegen
das geplante Verbot von Garantiezinsen bei der geförderten
Betriebsrente. Das Interview muss im Kontext des laufenden
Gesetzgebungsverfahrens beim Betriebsrentenstärkungsgesetz gesehen
werden.
BANGERT geht es weniger um die
Vorteile von Arbeitnehmern als um die Vorteile von Arbeitgebern.
Erwähnt wird von ihm deshalb nur der "Förderbetrag bei geringem
Einkommen für Arbeitgeber". Der
Webauftritt des
Unternehmens ist wenig informativ. Dort heißt es lapidar:
"Das Leistungsangebot richtet sich
an mittelständische Familienunternehmen in Deutschland. (...). Aktuell
verwaltet das Beratungshaus für seine Kunden und deren rund 20.000
Mitarbeiter eine Versorgungssumme von über 700 Mio. Euro."
Das Unternehmen wirbt damit, dass
das Geld der Mitarbeiter im Unternehmen bleibt und die Betriebsrente
über den Pensions-Sicherungs-Verein auch im Insolvenzfall ausgezahlt
wird. Der Erfolg dieser Form der Altersversorgung hängt zuallererst
mit dem Erfolg des Unternehmens zusammen. Das Beispiel der Firma
Fleischmann zeigt jedoch, dass dieses Modell durchaus Gefahren
beinhaltet.
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SZENT-IVANYI, Timot
(2017): SPD nimmt neuen Anlauf zur Bürgerversicherung.
Konzept sieht schrittweise
Einführung vor. Ärztehonorare für Privat- und Kassenpatienten sollen
angeglichen werden,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 02.01.
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DPA/ND
(2016): Die Frühaufsteher altern zusehends.
Der demografische Abwärtstrend in
Sachsen-Anhalt scheint trotz vermehrten Zuzugs ungebrochen,
in:
Neues Deutschland
v. 02.01.
Bericht über Ergebnisse zur Bevölkerungsentwicklung in
Sachsen-Anhalt aus dem Anfang Dezember erschienenen
Statistischen Jahrbuch 2016.
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SCHMITT, Peter-Philipp
(2017): 7.473.690.000.
Schon bald könnten neun von zehn
Menschen in einem Entwicklungsland leben,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 02.01.
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01.01.2017
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KLÖCKNER, Marcus
(2017): Journalismus als Durchlauferhitzer.
Journalist und Buchautor Stephan
Hebel über etablierte und alternative Medien,
in:
Telepolis v. 01.01.
Stephan HEBEL kritisiert die Frontstellung zwischen Mainstream- und
Alternativmedien und nennt Gründe für die verhärteten Fronten:
"Mit dem Internet haben die
herkömmlichen Medien schlicht ihr Monopol verloren. Es ist ja
längst eine Binsenweisheit, dass sich im Netz jeder das Gegenteil
dessen besorgen kann, was er in der Zeitung gelesen oder im
Fernsehen gesehen hat."
Das ist schon deshalb falsch,
weil selbst die Internetableger der Printmedien das Gegenteil dessen
schreiben, was sie im Printmedium verlautbaren lassen. Im Kampf um
die Einführung des Elterngeldes schrieb
Björn SCHWENTKER das genaue Gegenteil zur ZEIT-Redakteurin
Susanne GASCHKE, die uns über die Kinderlosigkeit der Akademikerin
Lügenmärchen auftischte, die ihr Online-Kollege dann dementierte -
ohne natürlich GASCHKE zu nennen, denn Lügen verbreiten immer nur
die anderen Medien.
Journalisten bezeichnen Lügen mit
dem verharmlosenden Begriff der "tendenziösen" Berichterstattung,
wie
ein ZEIT-Journalistin in seiner Rezension des Buches
Die Single-Lüge vom Betreiber dieser Website schrieb. In dem
Buch aus dem Jahr 2006 wird der Propagandafeldzug gegen Kinderlose
im Zeichen der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme Anfang
dieses Jahrtausends beschrieben. Erst nach der Durchsetzung des
Elterngeldes wurde die tatsächliche Kinderlosigkeit mittels
Mikrozensus erfasst und bestätigte die Kritik von
single-dasein.de und single-generation.de an den von den
Mainstreammedien verbreiteten Zahlen. Das postfaktische Zeitalter
ist keine Erfindung von Brexit und TRUMP, sondern seit jeher gibt es
Kämpfe um die Deutungshoheit und damit um eine wichtige Grundlage
von Herrschaft.
Als weitere Gründe für die
einseitige Berichterstattung in den Mainstreammedien nennt HEBBEL:
"Manche stimmen mit den
Positionen der etablierten Parteien einfach aus Überzeugung
überein, das ist noch die einfachste Variante. Andere sehen unter
dem Spar-, Zeit- und Konkurrenzdruck der journalistischen Arbeit
keine andere Möglichkeit, als sich mit dem Spektrum an
Informationen zu begnügen, das ohnehin auf dem Markt ist. Und
schließlich gibt es da eine verbreitete Einstellung, die ich
"Ideologie des Pragmatismus" nenne: Es ist die Vorstellung, dass
Journalismus ohne eigene Haltung der beste sei. Dass man sich
gerade damit zum willigen Transporteur vorherrschender und mit
Meinungsmacht ausgestatteter Interessen und Ideologien macht, wird
dabei oft ausgeblendet. Nicht böswillig, sondern weil man glaubt,
das sei die Alternative zum »Lagerdenken« der Alt-68er. Aber
besser wird solche Haltungslosigkeit dadurch nicht."
Die Sache mit dem Konkurrenzdruck
kann jeder sehen, der die Berichterstattung der Mainstreammedien
daraufhin untersucht, inwieweit sie lediglich Pressemitteilungen von
Lobbyisten weiterverbreiten, ohne dass deren Stichhaltigkeit
überprüft wird und diese auch benannt werden. Oder wie HEBEL das
formuliert:
"Wenn Sie sich die
Arbeitsabläufe in Redaktionen ansehen, stellen Sie fest, dass in
der Regel kaum Zeit für intensive Recherche oder auch ausführliche
Lektüre von Hintergrund-Material bleibt. Das begünstigt wie schon
angedeutet einen Journalismus, der sich zum Durchlauferhitzer
vorgegebener Materialien und Wahrnehmungen machen lässt."
Dies vermischt sich dann auch mit
den anderen Gründen, die HEBEL nennt: Haltungslosigkeit der
Journalisten und Überzeugungen der Redaktionen.
Die Ratschläge von HEBEL für
Mediennutzer sind etwas altbacken. Wer seinen gesunden
Menschenverstand benutzt, der wird keinem einzigen Medium die
Verkündung der "Wahrheit" (was sowieso nur Fakten meint) zutrauen,
sondern sich möglichst umfassend informieren. Das schließt auch die
Originalquelle nicht aus, denn seriöse Quellen legen ihre
"Wahrheiten" im Internet offen. Das ist das oberste Kriterium. Wer
seine Fakten nicht nachprüfbar macht, dem muss unterstellt werden,
dass er etwas zu verheimlichen hat.
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MICHLER, Inga
(2017): Freiheit mit 60.
Vorsorgelücke: Die meisten
Deutschen würden gerne früher in Rente gehen, mit 60,2 Jahren. Bleibt
nur die Frage: Woher soll das Geld dafür kommen?
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 01.01.
Wäre dies ein Schulaufsatz, dann
würde darunter Thema verfehlt stehen, denn ums Geld für den
vorzeitigen Ruhestand geht es in dem Artikel nicht, sondern die
Springer-Presse hat durch das angeschlagene
GfK-Konsumforschungsinstitut erfragen lassen, ob die Propaganda der
Mainstreammedien, die das Weiterarbeiten über die Altersgrenze
hinaus als Herzensangelegenheit predigen, bereits Erfolg gezeitigt
hat. Das hat sie jedoch nicht. Entgegen allen Artikeln, die in den
letzten Jahren den älteren Spaßarbeiter zum Leitbild erhoben haben,
interessiert das noch nicht einmal die Bessergebildeten:
"Es sind nicht diejenigen mit
Abitur und Hochschulabschluss, die so gerne arbeiten, dass sie
möglichst spät damit aufhören wollen. Es sind gerade die Menschen
mit Hauptschulabschluss, die mit 60,3 Jahren eine etwas spätere
Rente anstreben",
interpretiert MICHLER
Umfrageergebnisse, deren Original uns jedoch vorenthalten werden.
Offenbar sind sie nicht geeignet, das zu untermauern, was MICHLER in
sie hineininterpretiert. Denn sonst gäbe es doch keinen Grund, uns
die Ergebnisse vorzuenthalten? Uns wird nur die Antwort von
Altersgruppen zum gewünschten Renteneintritt präsentiert und zwar
ohne, dass dies auch von ihnen finanziert werden können muss.
Vor diesem Hintergrund belehrt
uns MICHLER nun, dass unsere Wünsche aufgrund der demografischen
Entwicklung nicht finanzierbar seien. Dazu wird uns das
Jahresgutachten der "Wirtschaftsweisen", die uns als "ökonomisches
Gewissen der Nation" vorgestellt werden, obwohl sie nur Lobbyisten
der Arbeitgeber sind. Uns soll die "Kopplung des
Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung" als alternativlos
eingeredet werden. Dazu wird auch vor Lügen nicht zurückgeschreckt:
"Ein besonderes Geschenk
bereitete die Große Koalition langjährig Versicherten wie etwa
Facharbeitern. Sie können seit 2014 ohne Abschläge schon mit 63
Jahren in Rente gehen."
Dies ist falsch. Die Deutsche
Rentenversicherung schreibt dazu in ihrer Pressemittelung v.
20.12.2016
auf ihrer Website:
"Bei der abschlagsfreien
Altersrente für besonders langjährig Versicherte ab 63 steigt die
Altersgrenze auf 63 Jahre und vier Monate. Das gilt für
Versicherte, die 1954 geboren wurden und im nächsten Jahr (Anm.d.V.:
2017) 63 werden. Für die folgenden Geburtsjahrgänge erhöht sich
das Eintrittsalter um je zwei weitere Monate. 2029 ist dann die
Altersgrenze von 65 Jahren erreicht ist."
Wenn MICHLER hier schon so
schlampig ist, dann darf es uns auch nicht wundern, wenn sie Fakten
freizügig interpretiert.
"Laut GfK-Umfrage können sich
noch nicht einmal fünf Prozent der Befragten damit anfreunden,
erst ab 67 Jahren in Rente zu gehen. Mehr als 83 Prozent würden
dagegen am liebsten noch vor ihrem 65. Geburtstag aufhören zu
arbeiten."
Damit solche Vorstellungen nicht
in die Tat umgesetzt werden, hat sich u.a. das Berliner "Silver
Workers Institute" gegründet. Dessen wohlklingende Propaganda wird
uns durch den Wirtschaftspsychologen Jürgen DELLER nahe gebracht.
Die Flexi-Rente wird uns von
MICHLER auf die neoliberale Zielsetzung hin reduziert: das
Weiterarbeiten nach der Regelaltersgrenze. Ein Chor von
Fachkräftemangel-Propagandisten begleitet diese Sichtweise.
Weil aber alle diese Argumente zu
fadenscheinig sind - schließlich muss die frühe Rente ja finanziert
werden, d.h. das Weiterarbeiten ist für viele Menschen zukünftig
Zwang und nicht Spaß - wird uns die Rente als Krankmacher
eingeredet. Tatsächlich gibt es Menschen, denen die Rente nicht gut
tut, nur werden diese uns pauschal als Negativbeispiel dargestellt.
Wen also Neoliberale schon nicht davon abhalten können, frühzeitig
in Rente zu gehen, denen machen sie zumindest ein schlechtes
Gewissen. Als Ablasshandel wurde deshalb das Ehrenamt entwickelt.
Viel sinnvoller wäre es jedoch das Ehrenamt als bezahlte Arbeit
anzubieten. Hier könnten genügend sinnvolle Arbeitsplätze für Ältere
geschaffen werden. Das aber widerspricht jedoch den Profitinteressen
der Wirtschaft. Alternativ könnten auch die Arbeitsbedingungen für
ältere Menschen verbessert werden. Aber auch das ist nicht im Sinne
der Wirtschaft, die ältere Menschen entweder durch die Teilrente
subventiert gegen jüngere Arbeitswillige ausspielen möchte oder
zumindest als Reservearmee benötigt, um die Lohnentwicklung zu
bremsen.
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KREMER, Dennis
(2017): Das Zeitalter der ETF.
Indexfonds (ETF) sind populär wie
nie. Weil sie einfach und günstig sind. Ihr Siegeszug markiert eine
Zeitenwende an den Finanzmärkten,
in: Frankfurter
Allgemeine
Sonntagszeitung
v. 01.01.
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HECHT, Martin
(2017): Vermintes Gelände.
Die erste Liebe, die schmerzliche
Trennung: Manche Orte sind durch wichtige Ereignisse emotional
aufgeladen. Soll man sie meiden? Oder sie bewusst aufsuchen?
in:
Psychologie Heute,
Januar
Statt diesen Artikel von Martin
HECHT zu lesen, der zu dem Thema belasteter Orte Traumapsychologen,
Gedächtnisforscher und ein Buch über Nostalgie zitiert, könnte man
auch das Buch
Vertrautes Gelände, besetzte Stadt lesen, in dem Jochen
SCHIMMANG sich nach einer Trennung den belasteten Ort der verlorenen
Liebe wieder aneignet und sich dadurch Befreiung für einen neuen
Aufbruch verschafft.
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WEIDT, Birgit
(2017): Die Rushhour des Lebens.
Auf einmal kommt es Schlag auf
Schlag: Nach der Ausbildung stehen junge Menschen vor einer Flut von
Herausforderungen. Berufseinstieg, eigener Haushalt, Familiengründung
- wie kann das alles binnen weniger Jahre gestemmt werden? Ein
Gespräch mit dem Bevölkerungsforscher Martin Bujard,
in:
Psychologie Heute,
Januar
Die Rushhour des Lebens ist eine
Redewendung, die erfunden wurde, um die Interessen des
Akademikermilieus gegen den Rest der Gesellschaft vertreten zu können.
"Die Gruppe der Akademiker ist
gewachsen. (...). Bei Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren hat etwa
jede vierte einen akademischen Abschluss".
Oder anders formuliert: 75 Prozent
der weiblichen Bevölkerung ist hier nicht angesprochen. Der
Politikwissenschaftler Martin BUJARD hat die wenig gehaltvolle
Redewendung, die in der Regel auf Young Professionals (früher Yuppies
genannt) angewendet wird, in zwei Phasen unterteilt:
1) Rushhour der Lebensentscheidungen (Akademikerinnen, bei denen die
biologische Uhr tickt)
2) Rushhour des Familienzyklus (Eltern, deren Kinder unter 6 Jahre alt
sind)
Die Fernbeziehung gilt
Bevölkerungswissenschaftlern als Grundübel der Kinderlosigkeit, wird
aber gerade im individualisierten Karrieremilieu der Akademiker
vielfach praktiziert. Dabei wird meist nur die privilegierte Form
problematisiert, d.h. als Mittel des Aufstiegs. Verbreiteter ist die
Fernbeziehung jedoch als Mittel zur Vermeidung des Abstiegs. Dazu
lesen wir in dem Artikel jedoch nichts. Stattdessen wird uns wieder
die Kinderlosigkeit der Akademikerin als unser Hauptproblem
beschrieben:
"29 Prozent der westdeutschen
Akademikerinnen, die in den 1960er Jahren geboren wurden, haben keine
Kinder. Frauen, die eine Lehre beendet und somit einen mittleren
Abschluss erreichten, blieben lediglich zu 21 Prozent kinderlos,
Frauen ohne Abschluss nur zu 15 Prozent."
Anders formuliert: nur 25 Prozent
der weiblichen Bevölkerung sind überhaupt Akademikerin. Ostdeutsche
Akademikerinnen, die in den 1960er Jahren geboren wurden, haben das
Problem der erhöhten Kinderlosigkeit gar nicht, sondern nur
Westdeutsche. Mittlerweile sind jedoch die in den 1970er Jahren
geborenen Akademikerinnen jene, für die das Phänomen der Rushhour des
Lebens relevant wäre, weshalb sich die Frage stellt, warum BUJARD dazu
keine Daten liefert. Die Antwort ist einfach: die Kinderlosigkeit bei
den Akademikerinnen ist gesunken. Daten dazu liefert die aktuelle
Erhebung des Mikrozensus 2016, deren Ergebnisse uns jedoch erst im
Bundestagswahlkampf unterbreitet werden.
Das letzte Jahrzehnt waren Politik,
Wissenschaft und Medien sich einig, dass
späte Mutterschaft bekämpft werden muss. Nun macht zumindest
BUJARD in dieser Hinsicht einen Rückzieher:
"Wichtig wäre, dass eine
Familiengründung sich nicht nur auf die kurze Phase von fünf bis
sieben Jahren konzentriert. Dazu ist eine größere öffentliche
Akzeptanz notwendig, also eine Offenheit gegenüber Elternschaft
während der Ausbildung und auch jenseits des 35. Lebensjahres."
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EUL,
Alexandra
(2017): Warum Frauen keinen abkriegen,
in: Neon, Januar
Alexandra EUL kritisiert die
Thesen, die von Mainstreamzeitungen und
insbesondere vom Spiegel zur
Generation Beziehungsunfähig in Umlauf gebracht wurden. Den
Tenor solcher Trendgeschichte fasst EUL folgendermaßen zusammen:
"Alleinstehende Männer sind frei
und haben Potenzial. Alleinstehende Frauen sind einsam und haben ein
Problem."
EUL hat eine Verschiebung der
Debatte um alte Jungfern festgestellt: Es gehe nicht mehr um das "dating
down" als Lösung, sondern im Mittelpunkt stehe nun die Diagnose
"Beziehungsunfähigkeit". Fünf Gründe für das Single-Dasein von Frauen
Mitte dreißig, nennt uns EUL, die ihrer Meinung nach die Debatte
prägen:
1) Die Singlefrauen sind zu alt, um
einen Partner zu finden
2) Die Singlefrauen haben zu hohe Ansprüche an einen potenziellen
Partner
3) Singlefrauen sind zu karrierefixiert, um einen Partner zu finden
4) Bei den Singlefrauen tickt die biologische Uhr, weshalb sie mit
ihrer Kinderwunschpanik jeden potenziellen Partner in die Flucht
schlagen
5) Singlefrauen sind zu intelligent, um von potenziellen Partnern
gemocht zu werden
An diesen fünf Klischees arbeitet
sich EUL nach und nach ab. Die Expertenmeinungen zu den ersten zwei
Punkten kontert EUL mit Haushaltsstatistiken, die Paare nur
unzulänglich erfassen. Es geht dabei um den Altersunterschied und die
Bildungshomogenität von zusammenwirtschaftenden Paaren. Punkt drei
kontert EUL mit SOEP-Daten, die der Soziologe Jan ECKHARD
interpretiert hat. Die zunehmende Partnerlosigkeit von Singlefrauen
wird auf deren ökonomische Unabhängigkeit zurückgeführt, was EUL als
Fortschritt betrachtet.
Bei den letzten beiden Punkten
gehen EUL dann die Statistikdaten aus und sie kontert Meinungen mit
Gegenmeinungen:
"Bevor ich mit einem Psycho ein
Kind kriege, verbringe ich den Rest meines Lebens lieber mit meinen
Freundinnen und Freunden",
zitiert sie eine Freundin zum Thema
tickende biologische Uhr. Auch zu fünftens begegnet EUL dem
Partnerschaftszwang mit der Wahlfamilie und dem gehobenen Lebensstil,
den sich Karrierefrauen leisten können.
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NEON (2017): Ehrliche Kontaktanzeigen,
in: Neon,
Januar
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FRÜHBRODT, Lutz
(2017): Die neuen Medienmacher.
Wie Konzerne Marketing als
Journalismus verkaufen,
in: Blätter für
deutsche und internationale Politik,
Januar
Lutz FRÜHBRODT, Mitautor der Studie Content-Marketing, berichtet
über die Tendenz, dass Journalismus immer mehr zum Content-Marketing
verkommt.
"Für die klassischen
Medienhäuser müsste die Strategie (...) eigentlich glasklar sein:
Sie müssen sich unverwechselbar und unentbehrlich machen! Sie
sollten unverfälschten, von PR-Tricksereinen befreiten und
unabhängigen Journalismus betreiben und sich dezidiert auf das
Politische und gesellschaftlich Relevante konzentrieren. Und wenn
sie Verbraucherjournalismus betreiben, dann sollten sie ihren
Lesern demonstrieren, dass Unabhängigkeit und Nachvollziehbarkeit
garantieren können. So könnten sie wieder ein
Alleinstellungsmerkmal für Produkte gewinnen, die ihr Geld
tatsächlich wert sind",
meint FRÜHBRODT, aber offenbar
geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung, vor allem auch bei
der selbsternannten Qualitätspresse: Billigjournalismus, bei dem
Pressetexte von Unternehmen und Verbänden weitgehend unkritisch
wiedergegeben werden, bestimmen einen großen Teil der
Tageszeitungen. Warum also noch Zeitungen lesen statt die Originale?
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ENGARTNER, Tim (2016):
Rendite statt
Rente - oder: Die Privatisierung der Altersvorsorge,
in: Gesellschaft -
Wirtschaft - Politik,
Heft 4, S.419-426
Tim ENGARTNER, Verfasser des vor kurzem
erschienenen Buchs Staat im Ausverkauf, kritisiert die
Teilprivatisierung der Rentenversicherung.
"Selbst in weiten Teilen der SPD,
der Gewerkschaften und der Kirchen formierte sich kein (wirksamer)
Widerstand gegen die »Verschlankung« des gesetzlichen
Rentenversicherungssystems" (2016, S.419),
nennt ENGARTNER jene, die
eigentlich energisch Widerstand hätten leisten müssen, aber entweder
wie die Gewerkschaften zu lange auf die Durchsetzbarkeit eigener
Interessen hofften, oder sich der Marktgläubigkeit unterordneten.
ENGARTNER beschreibt die Vorteile des Umlageverfahrens und stellt es
den Nachteilen der Kapitaldeckung mit seinen Unsicherheiten und
Risiken gegenüber.
ENGARTNER weist auf die Nachteile
der Entgeltumwandlung bei der betrieblichen Altersvorsorge hin, die
derzeit selbst von den Gewerkschaften forciert wird:
"Begleitet wurde die Reform der
gesetzlichen Rentenversicherungssysteme durch die sogenannte
Entgeltumwandlung von Gehaltsteilen, sodass nun Teile des Gehalts in
eine betriebliche Altersvorsorge oder Direktversicherung fließen
können. Damit profitieren Gutverdiener zu Lasten der Geringverdiener,
weil das dann niedriger Durchschnittsentgelt das allgemeine
gesetzliche Rentenniveau senkt. Zugleich fließt weniger Geld in die
Kranken- und Pflegeversicherung, die Arbeitgeber hingegen können einen
Teil der Sozialabgaben sparen." (2016, S.423)
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DIABATÉ, Sabine & Kerstin RUCKDESCHEL (2016):
Gegen den
Mainstream - Leitbilder zu Kinderlosigkeit und Kinderreichtum zur
Erklärung der Abweichung von der Zweikindnorm,
in: Zeitschrift für
Familienforschung, Heft 3, S.328-356
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 22. -
31.
Dezember 2016
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Bitte beachten Sie:
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[ Homepage ] |
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