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Medienrundschau:
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News vom
05. - 10. August 2016
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Zitate
des Monats:
2015: Von 2015 bis 2020 wird
die Bevölkerung deutlich schrumpfen und altern
"In
der zweiten Hälfte des laufenden Jahrzehnts wird die
Bevölkerungszahl deutlich schrumpfen und gleichzeitig wird der
Bevölkerungsanteil der höheren Altersgruppen immer weiter
zunehmen."
(Christoph M. Schmidt
"Der
demografische Wandel als große Herausforderung für Wirtschaft
und Gsellschaft - ein Überblick", 2015, S.39)
2016: Wir leben in
einem kurzen demografischen Zwischenhoch
"Die finanziellen Folgen für die GRV fallen nur deshalb bislang
nicht so stark aus, weil die gute konjunkturelle Lage und die
günstige Situation auf dem Arbeitsmarkt zu einer unerwartet
positiven Entwicklung der Beitragseinnahmen geführt haben (...).
Ebenso hat sich ein
kurzes
demographisches Zwischenhoch günstig auf die
Ausgabenentwicklung ausgewirkt".
(in:
"Altersarmut statt Altersvorsorge" von
FELD, Lars/KOHLMEIER, Anabell/SCHMIDT, Christoph M. im ifo
Schnelldienst Nr.12 vom 23. Juni 2016, S.4)
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Landtagswahlkampf
September 2016 in Mecklenburg-Vorpommern
HAHN, Thomas
(2016): Von wegen.
Mecklenburg-Vorpommern wirkt an
manchen Stellen wie leergefegt. Der Bürgermeister von Bollewick hat
den Stall ausmisten lassen und wirbt mit der Stille. Und siehe da:
es hilft,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.08.
Thomas HAHN berichtet anhand der Dörfer
Bollewick und
Wredenhagen im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern über den
demografischen Wandel im ländlichen Raum. Einzig ein Experte des
berüchtigten privaten Berlin-Instituts für Bevölkerung und
Entwicklung wird erwähnt.
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Das
Positionspapier
"Rentenpolitische Forderungen des Sozialverbands VdK Deutschland"
in den Medien
ÖCHSNER, Thomas
(2016): "Rente ist kein Almosen".
Wie der Sozialverband VdK
Altersarmut bekämpfen will,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.08.
Thomas ÖCHSNER stellt die Forderungen des VdK nach Verbesserungen
bei der Erwerbsminderungsrente in den Vordergrund, denn dies steht
im Einklang mit der SZ-Linie. Dagegen gelten in der SZ
Forderungen nach Anhebung des Niveaus der gesetzlichen Rente als
nicht finanzierbar ("Jeder Prozentpunkt mehr kostet sechs Milliarden
Euro im Jahr"). Die Aufstockung der Mütterrenten, der Ausbau zur
Erwerbstätigenversicherung und die Einführung einer Mindestrente
werden dagegen nur noch erwähnt.
CREUTZBURG, Dietrich (2016): Sozialverband fordert großes
Rentenpaket,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.08.
"Geht es nach den Vorstellungen des Sozialverbandes VdK, dann
werden die Rentner nicht länger an den finanziellen Lasten de
demografischen Wandels beteiligt",
fasst Dietrich CREUTZBURG in einer kurzen Meldung die Position des
VdK kurzerhand zusammen. Wichtig sind in dieser Sicht einzig die
Kosten, die er folgendermaßen beschreibt:
"Die Kosten des Pakets sollen
nach Ansicht des VdK aus Steuern finanziert werden. (...).
Hochrechnungen zufolge belaufen sie sich auf mindestens 50
Milliarden Euro im Jahr".
Mascher, Ulrike (2016): Gleiche Rechte für alle Mütter.
Gastwirtschaft: Es darf keine Rente
erster und zweiter Klasse geben,
in:
Frankfurter Rundschau v. 10.08.
Ulrike MASCHER, Präsidentin des Sozialverbandes, befasst sich in
ihrem Beitrag ausschließlich mit dem Aspekt der Mütterrente. Sie
begrüßt den CSU-Vorstoß zur Mütterrente:
"Die Rente (...) nimmt kaum
Rücksicht darauf, dass ein Frauenleben meistens anders verläuft
als das eines fiktiven, männlichen »Eckrentners«, der für eine
Vollzeittätigkeit 45 Jahre lang ein Durchschnittseinkommen
erzielt.
Die Erhöhung der Mütterrente ist ein Instrument, das Frauen mit
geringer Rente im Alter helfen soll und wofür der Sozialverband
VDK viele Jahre gekämpft hat."
Mit Hinweis auf Zahlen des BMAS
über die Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit und der Deutschen
Rentenversicherung will MASCHER ihren Forderungen Glaubwürdigkeit
verschaffen.
"Besonders erfreulich ist,
dass 64.000 Frauen durch die Verbesserungen bei der Mütterrente
erstmals überhaupt eine Altersrente erhalten, da sie nun erst
genügend Anrechnungszeiten zusammenbekommen."
Dabei wird unterschlagen, dass
die Mütterrente vor allem den Frauen in Westdeutschland dient und
in Alleinverdienerehen Frauen meistens immer noch die Rolle der
Zuverdienerinnen inne haben.
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BUNZENTHAL, Roland
(2016): Die Zukunft der Rente ist strittig.
ND-Serie Reicht die Rente? (3):
Union, Gewerkschaften und Arbeitgeber haben recht unterschiedliche
Vorstellungen darüber, wie dem demografischen Wandel zu begegnen ist,
in:
Neues Deutschland v. 10.08.
Roland BUNZENTAHL stellt heute die
demografische Entwicklung in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.
Der Rentenversicherungsbericht wird uns all alljährliche "amtliche
Verkündigung der Zukunft" beschrieben.
"Sozialleistungen sind (...)
nicht zwanghaft an die demografische Entwicklung gekettet.
Schon eher an die demokratische Entwicklung zwischen Pluralismus
und Lobbyismus. Doch der Verlust an Gebärfreude macht sich
zunehmend bemerkbar - eine Frau hat hierzulande 1,45 Kinder.
Notwendig wäre für eine stabile Bevölkerung wären jedoch 2,1
Kinder",
erklärt uns BUNZENTHAL.
Erstens betrug die Geburtenrate bereits im Jahr 2014 1,47 Kinder pro
Frau (TFR). Für keinen einzigen
Frauenjahrgang, der seinen Reproduktionszyklus beendet hat,
wurde diese niedrige Zahl jedoch tatsächlich erreicht, denn
diese Kennzahl wird durch Tempoeffekte, d.h. das steigende
Erstgebäralter, verzerrt.
2014 lag die Geburtenrate für die 1965 Geborenen bei 1,55 (CFR).
Für das Jahr 2015 liegen noch keine Zahlen vor, aber die bereits
veröffentlichten Geburtenzahlen könnten einen weiteren Anstieg
bedeuten. Stabile Bevölkerung gibt es in offenen Gesellschaften wie
der unseren nicht. Die Zahl 2,1 Kinder pro Frau gilt nur für das
Ideal einer geschlossenen Gesellschaft, wie es der
Nationalkonservatismus propagiert. Wanderungen sind nicht nur
konstitutiv für offene Gesellschaften wie Deutschland.
Das demografische Problem wird
ansonsten auf die Klage über einen bevorstehenden Fachkräftemangel
zugespitzt. Dazu wird uns die aktuelle Bevölkerungsvorausberechnung
und Einschätzungen des neoliberalen Prognos-Instituts präsentiert.
Der in einer Variante der Bevölkerungsvorausberechnung angenommene
Wanderungssaldo von 200.000 wird uns als "verkraftbare Zuwanderung"
verkauft. Der Wanderungssaldo kann sich jedoch sehr unterschiedlich
zusammensetzen. Im Jahr 2015 war er sozusagen nur die Spitze des
Eisbergs Wanderungsgeschehen, denn auch die Auswanderung war enorm.
Von daher sagt der Wanderungssaldo an sich, wenig über die
Verkraftbarkeit aus. Wichtig ist das Zusammenspiel von Aus- und
Zuwanderung und die Zusammensetzung der Wandernden. Beides wird von
BUNZENTHAL ausgeblendet. Stattdessen werden uns für das Jahr 2040
ein Fehlbestand von 4 Millionen Erwerbstätige präsentiert, der durch
eine Bildungsoffensive, die auf die Integration von "ungelernten
Deutschen" und "Flüchtlinge ohne Berufsabschluss" abzielen soll.
Solche Überlegungen über 25 Jahre hinweg sind jedoch nichts anderes
als Kaffeesatzleserei.
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ROSSBACH, Henrike & Dietrich CREUTZBURG (2016): Realist statt
Revoluzzer.
Mensch & Wirtschaft: Carsten
Linnemann stimmt die CDU auf Steuersenkungen ein. Als politische
Strategie zieht der Mittelstandspolitiker kühle Analyse dem
Kampfgetöse vor,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.08.
ROSSBACH & CREUTZBURG porträtieren den Unternehmersohn Carsten
LINNEMANN, Jahrgang 1977, aus Paderborn als klugen Verteidiger der
Besitzstände des Mittelstands. Beispielhaft wird seine Position in
der Rentendebatte folgendermaßen dargestellt:
"Obwohl ihm die neue
Sozialausgabenpolitik durchaus missfiel, begab er sich 2014 nicht
in eine Fundamentalopposition gegen das Paket aus Rente mit 63 und
Mütterrente. Umso wirksamer konnte er in der großen Koalition dazu
beitragen, dass die sogenannte Flexirente auf die Tagesordnung
kam. Sie soll durch einige Neujustierungen längere
Lebensarbeitszeiten fördern - einschließlich einer
Weiterbeschäftigung über das normale Rentenalter hinaus. Das von
einer Koalitionsarbeitsgruppe ausgehandelte Konzept hat kurz vor
dem Sommer die ersten Hürden des Gesetzgebungsverfahrens
genommen."
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FREYTAG, Bernd (2016): Alle auf einen Haufen.
Die Deutschen rotten sich zusammen -
die Jungen in Hochschulstädten, die Alten am Meer. Darunter leidet
nicht nur das flache Land, auch unbeliebte Städte verarmen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.08.
Nachdem bereits gestern die NZZ über
die Studie
Schwarmstädte in Deutschland von Harald SIMONS & Lukas
WEIDEN berichtete, greift nun Bernd FREYTAG das Thema in der Reihe
"Ungleichheit" ebenfalls auf.
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KANNING, Tim (2016): Was wird aus Sibylle?
Finanzplanung
mit Mitte fünfzig (2): Bei der Altersvorsorge sind Frauen oft viel
schlechter gestellt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.08.
Tim KANNING greift den feministischen Slogan "Der Mann ist keine
Altersversorgung" auf, der in Ratgeberbüchern und Zeitungsartikeln
zur Altersvorsorge, die sich an Frauen richten, verbreitet ist. Sein
Mustermann ist offenbar Alleinernährer - jedenfalls spielt Sibylle
keine eigenständige Rolle. Er sorgt sich idealerweise um die
Alterssicherung seiner Frau - anders als die bösen Männer in den (post-)feministischen
Erzählungen.
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SIEMS, Dorothea
(2016): Von wegen Unsozialstaat.
Leidartikel: Politiker aller Couleur
entdecken immer neue Gerechtigkeitslücken und wollen sie mit dem Geld
der Steuerzahler stopfen. Das systematische Schlechtreden der
gesellschaftlichen Zustände treibt die Mittelschicht direkt in die
Arme der Populisten,
in:
Welt v. 10.08.
Dorothea SIEMS' kleine Welt ist schlicht. Da gibt es klare
Feindbilder: Auf der einen Seite die bösen Gewerkschaften,
Sozialverbände und Linken und auf den anderen die guten
Besserverdienenden der Mehr-Netto-fürs-Brutto-Fraktion (FDP) und die
Reichen. Schlechtreden dürfen die Gesellschaft nur Letztere wie
Anfang des Jahrtausends üblich. Das Anschwellen der Profite und der
Gewinne gilt als gut, während steuer- und beitragsfinanzierte
Leistungen dramatisierend als "Anschwellen" diffamiert wird, obwohl
diese Leistungen keinesfalls anschwellen, wenn man sie mit dem
"Anschwellen" der Profite und Gewinne vergleicht oder auch nur mit
dem "Anschwellen" des Bruttoinlandsprodukts (BIP). SIEMS sorgt sich
stattdessen um die "wohlhabendsten zehn Prozent der Haushalte", also
der Oberschicht und der obersten Mittelschicht. Jene also, die weit
jenseits der Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherungen
liegen und angeblich die wahren Geschröpften der kleinen Welt von
SIEMS sind. Dass diese vom deutschen Steuersystem aufgrund der
Nutzung zahlreicher Steuerlöcher kaum belangt werden können, das
verschweigt SIEMS lieber. Die Gegner bedrohen immer die
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands - Belege? Fehlanzeige! SIEMS malt
den nächsten Wirtschaftsabschwung an die Wand, als ob das jemals
ihren Reichen geschadet hätte, denn Daumschrauben werden in
"Schwächephasen der Wirtschaft" (wie das niedlich genannt wird)
immer nur den Armen und Schwachen angelegt: siehe die Umverteilung
von unten-nach-oben-Politik der Agenda 2010 als Wohltaten für die
Reichen in diesem Land.
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EISENRING, Christoph
(2016): In Deutschlands "Schwarmstädten".
Etwa dreissig Wohnorte sind bei
jungen Erwachsenen besonders gefragt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 09.08.
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RÜRUP, Bert
(2016): Der Zombie der Rentenpolitik.
Leidartikel: Mackenroths Theorem hat
längst ausgedient,
in:
Handelsblatt v. 08.08.
Nach Nikolaus PIPER in der SZ hat
nun auch Bert RÜRUP das Feindbild Gehard MACKENROTH entdeckt. Er
sieht in ihm sogar jenen, dank dem die von heutigen Befürwortern der
Privatvorsorge gehasste Rentenreform 1957 erst durchgesetzt werden
konnte. Wie PIPER versucht nun RÜRUP geradezu verzweifelt die
Unterschiede zwischen Umlage- und Kapitaldeckung herauszustellen.
Dazu wird der Markt verherrlicht und die Politik verdammt, denn der
Markt würde in dieser Sicht ja tolle Renditen hervorzaubern, wenn
die Politik ihn nicht geißeln würde ("Regulierung").
Kapitalgedeckte Renten seien
eigentumsrechtlich geschützte Markteinkommen will uns RÜRUP
weismachen. Das sollte er jenen erzählen, die ihre Altersvorsorge in
den diversen Krisen der letzten Jahrzehnte verloren haben. Und
kürzen nicht derzeit Lebensversicherer und Pensionskassen die Renten
ihrer Versicherten? Es könnte jedoch noch schlimmer kommen, dann
nämlich, wenn Betriebe ihre vollmundigen Zusagen für Betriebsrenten
nicht mehr erfüllen können. Muss dann der Staat wieder mit
Rettungsaktionen einspringen?
Man muss nur in die USA blicken,
um zu erkennen, dass kapitalgedeckte Altersvorsorgesysteme genauso
krisenanfällig sind. Ob ich Geld durch Politik oder die Profitgier
der Unternehmen verliere, das macht einen großen Unterschied.
Politik muss sich Wahlen stellen, Unternehmen können uns dagegen in
den Ruin treiben, ohne dafür belangt werden zu können.
Auch RÜRUP muss eingestehen, dass
die Kapitaldeckung der Umlagefinanzierung nicht überlegen ist,
sondern sich nur in der Art der Risiken unterscheidet. Ende der
1990er Jahre und Anfang des Jahrtausends forderten von Spiegel
bis FAZ Marktradikale die sofortige Umstellung der
Altersvorsorge auf Kapitaldeckung. Die chilenische Militärdiktatur
galt ihnen als Musterknabe, weil dort der Systemwechsel ohne
Diskussionen durchgeführt werden konnte. RÜRUP ist nun aufgrund der
unübersehbaren Probleme der Kapitalmärkte vorsichtiger:
"Ein gutes Altersvorsorgesystem
sollte beide Prinzipien verbinden. Das zeigt ein Blick auf die
Weltkarte. Nur in sechs Staaten gibt es rein kapitalgedeckte
staatliche Alterssicherungssysteme. In der großen Mehrheit der
Länder sind Systeme etabliert, bei denen Umlage und Kapitaldeckung
kombiniert werden."
Nichtsdestotrotz arbeiten die
Befürworter der Kapitaldeckung daran die gesetzliche Rente durch die
Kapitaldeckung abzulösen, indem sie die gesetzliche Rente schwächen,
wo sie nur können. Ihre Hoffnung: Sobald die Niedrigzinsphase
überwunden ist, können sie wieder die Überlegenheit der
Kapitaldeckung verkünden. Denn eins ist sicher: Die Profite der
Finanzdienstleister!
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WILLMROTH, Jan (2016): Mit den Jahren lockt das Risiko.
Je älter jemand ist, desto sicherer
sollte er sein Geld anlegen - theoretisch. Die Wirklichkeit sieht oft
anders aus,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.08.
Alt und doof kennzeichnete Lea
HAMPEL kürzlich in
der SZ diejenigen, die ihre Altersvorsorge im Zuge der
Lehmann-Pleite verloren. Alt und doof sind jedoch nur jene, die sich
diesen Luxus überhaupt leisten konnten: wohlhabende Ältere. Der Rest
braucht sich keine Gedanken darüber zu machen einfach so mal
Zehntausende von Euros zu verzocken.
"Je länger Aktien (...) im
Depot bleiben, desto geringer werden tendenziell die Risiken",
erzählt uns WILLMROTH genauso wie
viele derjenigen, die in der Kapitaldeckung den Königsweg sehen.
Fakt ist: Auch Traditionsfirmen können pleite gehen oder vom
Aktienmarkt verschwinden. Deren Aktien sind dann keinen einzigen
Cent mehr wert!
WILLMROTH präsentiert uns
widersprüchliche ökonomische Theorien zur Risikoneigung im
Lebensverlauf. Warum sollte ein Mensch jedoch seine Risikoneigung
ändern, außer seine Lebenssituation ändert sich einschneidend.
Bereits der Begriff "Lebenszyklusprodukte" weist darauf hin, dass
hier mit Konzepten aus der soziologischen Steinzeit operiert wird.
Lebenszyklus war ein Begriff aus den 1950er Jahre als die Welt
vorhersehbar und Lebensläufe vorgezeichnet schienen. Spätestens seit
den 1970er Krisenjahre ist diese Sicht hinfällig geworden. Das zeigt
uns nur wie rückständig Journalisten im SZ-Wirtschaftsteil
sind.
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ROSSMANN, Robert (2016): Spielraum für Entlastungen.
Die Zeiten voller Kassen will der
Wirtschaftsflügel der Union nutzen, um eine umfangreiche Steuerreform
durchzusetzen. Das Konzept sieht vor, die Bürger bis zum Jahr 2020 um
gut 30 Milliarden zu entlasten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.08.
Während für eine Stabilisierung
des Niveaus der gesetzlichen Rente angeblich kein Geld da sei, wird
uns dagegen erklärt, dass stattdessen eine nutzlose Steuerreform
propagiert wird. Statt die Beiträge zu den Sozialversicherungen zu
erhöhen, könnte also alternativ zu einer nutzlosen Steuerreform der
Bundeszuschuss zur Rentenversicherung erhöht werden. Niemand sollte
glauben, dass solch ein Steuerreform anderen als der Oberschicht und
ihren Verbündeten in der oberen Mittelschicht zugute kommen wird.
Dafür steht jedenfalls der Wirtschaftsflügel der CDU.
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BUNZENTHAL, Roland
(2016): Die Zukunft der Rente ist strittig.
ND-Serie Reicht die Rente? (2):
Union, Gewerkschaften und Arbeitgeber haben recht unterschiedliche
Vorstellungen darüber, wie dem demografischen Wandel zu begegnen ist,
in:
Neues Deutschland v. 08.08.
Roland BUNZENTHAL geht nochmals
auf die
Debatte um die Rente mit 73 und die Rentenbezugsdauer ein. Im
Zusammenhang mit der Flexi-Rente werden die unterschiedlichen
Interpretationen der Tarifparteien zu den Beschäftigungschancen
Älterer vorgestellt.
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WERNER, Uwe
(2016): Aufbruch am Unteruckersee.
ND-Serie Industriestandorte (3):
Prenzlau hat endlich sein Potenzial entdeckt,
in:
Neues Deutschland v. 08.08.
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PLICKERT, Philip
(2016): Die große Migrationswelle kommt noch.
Der Volkswirt: Rasantes
Bevölkerungswachstum in Afrika sowie im Nahen Osten und hohe
Jugendarbeitslosigkeit bilden ein explosives Gemisch. Hunderte
Millionen wollen auswandern,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.08.
Die menschliche Springflut hieß ein Buch des Spiegel-Redakteurs
Claus JACOBI aus dem Jahr 1969. Dort wurde uns prophezeit:
"In nur dreißig Jahren wird es
heißen: eineinhalb zu fünfeinhalb Milliarden. Die
Industrienationen erwartet das Schicksal Israels in der arabischen
Welt: Hochentwickelte, aber bevölkerungsarme Inseln zu sein,
umgeben von einem anbrandenden Meer menschlicher Leiber." (1969,
S.18)
Das hätte uns im Jahr 1999
passieren sollen. Nun hat Philip PLICKERT eine Studie des
Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervorgekramt, die
als eine Reaktion auf die Ereignisse der Sylvesternacht in Köln
gelesen werden kann und in der uns die Krisenregion MENA - eine ad
hoc im Nachklang dieser Ereignisse zusammen gezimmerte Drohkulisse
um die nordafrikanischen Schreckensstaaten - als Dämon unserer
sterbenden Nation gegenübergestellt wird. Die menschliche Springflut
wandelt ihre Gestalt immer im jeweiligen Zeitgeist!
Unvermeidlich wird uns in diesem
Zusammenhang Gunnar HEINSOHN als "führender Forscher zum Phänomen »Youth
Bulge«" vorgestellt. Als es schick war über Hexenverfolgung zu
schwadronieren, war HEINSOHN auch schon einmal führend. Heute will
er von seinen Irrtümern nichts mehr wissen, denn der Zeitgeist ist
weitergewandert und mit ihm HEINSOHN! Mit Schlagworten wie
"Kriegsindex" will HEINSOHN eine Art von Peter SCHOLL-LATOUR der
68er-Generation werden.
Bildung wurde uns jahrzehntelang
als Allheilmittel gegen die Bevölkerungsexplosion verkauft, die
neuen Youth Bulge-Propagandisten sehen nun in der Bildung das
Grundübel der Zeit:
"Denn es sind eher die
gebildeten, urbanen Schichten, die überhaupt das Wissen und die
Mittel zur Auswanderung haben. Zudem nimmt das Risiko einer
sozialen und politischen Destabilisierung in den Herkunftsländern
eher zu, wenn junge Leute trotz besserer Bildung keine Chance auf
dem Arbeitsmarkt haben",
erzählt uns nun Reiner KLINGHOLZ,
der mit seiner Demagogie in Sachen Demografisierung
gesellschaftlicher Probleme den nationalkonservativen Zeitgeist und
dessen Synthese mit den Neoliberalismus par excellence verkörpert.
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BUDRAS, Corinna (2016): Gleich und gleich gesellt
sich.
Akademiker bleiben gerne unter sich,
das ist jetzt auch auf dem Heiratsmarkt zu beobachten: Ehepaare werden
sich immer ähnlicher. Leider wird deshalb der Unterschied der Klassen
größer,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.08.
Corinna BUDRAS kommt mit Heiratsstudien an - und
das obwohl viele Paare gar nicht verheiratet sind. Sie berichtet
über eine Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW),
die nicht einmal
Google kennt. Mehr als das, was bereits vor Jahren darüber
geschrieben wurde (z.B. von Forschern um Hans-Peter BLOSSFELD), hat
der Artikel jedoch nicht zu bieten, wenn man von einer Grafik des
amerikanischen Magazins Bloomberg Business Week absieht. Ein
typischer Sommerlochartikel!
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HILDEBRANDT-WOECKEL (2016): Allein zu Haus.
Singlehäuser sind der neue Trend im
Wohnungsbau. Für junge Erwachsene entworfen, ziehen vor allem Senioren
ein,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.08.
Die Schlagzeilen führen wie
meistens in die Irre. "Singlehäuser" soll neugierig machen. Gemeint
ist damit die in Mainstreamzeitungen in letzter Zeit schick
gewordene Propagierung von ökologisch-ökonomisch
ressourcenschonenden Fertighäusern - auch Mikro- oder Kleinhäuser
genannt. Vorgestellt wird die Idee des Österreichers Sascha HAAS,
der seit 2007 auf diesem Gebiet tätig ist. Daneben wird Isabella
BOSLER genannt, die in Deutschland die Vermarktung dieser Wohnidee
ankurbeln möchte.
Singles beherrschen hierzulande
nicht den Wohneigentums, sondern den Mietwohnmarkt. Das wollen die
Verfechter dieser Wohnidee ändern. Singles sollen nicht nur allein
wohnen wollen, sondern auch im eigenen Haus. Aber welcher Single
will schon sein Stahlhaus wie einen Wohnwagen von Arbeitsplatz zu
Arbeitsplatz mitnehmen. Moderne Nomaden, die sich in ihre
Schneckenhäuser zurückziehen wollen?
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ROLL, Evelyn
(2016): Alles muss raus.
Diskretion ist aus der Mode
gekommen. Paare leben unter dem Diktat permanenter Offenheit - dabei
brauchen wir das Geheimnis,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.08.
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BACKHAUS, Anne
(2016): Aus drei mach zwei.
Zwei Frauen, ein Mann: Ohne es zu
wissen, hatten Marlene und Sarah den gleichen Freund. Zur gleichen
Zeit. Und wurden trotzdem Freundinnen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.08.
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PANTEL, Nadia
(2016): Kindeskind.
Buch zwei: Jana ist Schülerin, große
Schwester, Praktikantin. Und Mutter. Als sie schwanger wird, ist sie
17 Jahre alt. Was geschieht eigentlich, wenn das Ich noch gar nicht
fertig ist, bevor ein kleines Du dazukommt?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.08.
"In Deutschland kriegen mehr Frauen mit 40 ihr erstes Kind als mit
17. Weniger als drei Prozent der Frauen werden in Deutschland vor
ihrem 18. Geburtstag schwanger. Im Durchschnitt sind Frauen knapp
über 30, wenn sie sich entscheiden, ein Baby großzuziehen. Der
Nachwuchs ist dann entweder lange herbeigesehnt oder sorgfältig
getimt. (...).
Die Statistik in Janas Familie liest sich anders. Hier passen drei
Generationen in knapp 40 Jahre. Janas Mutter war selbst gerade 20
Jahre alt geworden, als Jana auf die Welt kam. Janas Vater
arbeitete bei der Feuerwehr, Janas Mutter bracht ihre Ausbildung
zur Reisekauffrau ab und wurde Hausfrau. Aus der jungen Liebe
wurde keine junge Familie. Janas Vater ging, ein Stiefvater kam,
dann eine Halbschwester. Einige Patchwork-Jahre später, mit 38
wurde Janas Mutter Oma",
schildert uns Nadia PANTEL den
Gegensatz von Akademiker- und Unterschichtenmilieu anhand ihres
Gebär- und Familienverhaltens.
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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 10): Samstagsessay.
Der Fakt: Die
Rentenreform von 1957 veränderte die Bundesrepublik von Grund auf
Das Problem: Die Reformer vergaßen die junge Generation
Die Lösung: Länger arbeiten und rechtzeitig mehr privat vorsorgen
PIPER, Nikolaus (2016): Die Rentenschlacht.
SZ-Serie Unsere
Zukunft, unsere Rente (10): Im Jahr 1957 beschloss die große
Mehrheit des Bundestages eine grundlegende Reform der
Altersversorgung. Die damalige Entscheidung prägt die Gegenwart - im
Guten wie im Schlechten,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 06.08.
Nikolaus PIPER, neoliberaler Einpeitscher bei der
SZ, erklärt uns die Geschichte der Rentenversicherung aus
einseitiger Sicht, in der die Interessen der Wirtschaftslobby allein
zählen und zudem nationalkonservative Elemente zur Rechtfertigung
der privaten Altersvorsorge
dienen. Man kann sich die ersten zwei Drittel des Artikels sparen.
Entscheidend ist allein der Versuch die Erkenntnis des
Volkswirtschaftlers Gerhard MACKENROTH, dass Umlageverfahren und
Kapitaldeckungsverfahren keinen Unterschied machen, zu widerlegen:
"Tatsächlich gibt es, anders
als Mackenroth suggerierte, durchaus Unterschiede zwischen den
Rentensystemen. »In einem Umlageverfahren sind die Rentner an
hohen Löhnen interessiert, bei einer kapitalgedeckten Verfahren an
hohen Gewinnen«, sagt heute Norbert Blüm".
Die Präferenz für das eine oder
andere System, will uns PIPER damit sagen, stärkt entweder
unzulässig die Gewerkschaften oder die zu Recht die Arbeitgeber.
PIPER will uns also weismachen, dass die gesetzliche Rente die
Arbeitgeberseite schwächt, während die Kapitaldeckung diese stärkt.
In dieser Sicht sind die Arbeitnehmer Störfaktoren, statt Faktoren,
die Arbeitgebern erst zu ihren Gewinnen verhelfen.
Die Dynamisierung der Rente wird
uns von PIPER als "größtes Gift" verkauft, wobei er sich dabei auf
Ludwig EHRHARD beruft. Bei der Kapitaldeckung gibt es eine solche
Dynamisierung von vornherein nicht, weshalb uns ständig wiederholt
werden muss, dass wir immer auch die Inflation bei der privaten
Altersvorsorge mitberücksichtigen müssen. Schön für die Profite der
Finanzdienstleister, schlecht für die Versicherten. Ein weiteres
Mantra der Profiteure der Finanzdienstleister wäscht uns zusätzlich
das Gehirn: Nicht die Altersvorsorge sei unlukrativ, sondern wir
müssten eben nur mehr Sparen, um das Niedrigzinsumfeld zu
kompensieren. Die Finanzdiensleister freuen sich über diese Sicht
der dummen Ameisen.
Und was hat es mit dem
nationalkonservativen Element auf sich? Das kommt immer dann ins
Spiel, wenn der berüchtigte Generationenvertrag ins Spiel kommt. Das
ist eine Erfindung der katholischen Soziallehre, die vom Bund der
katholischen Unternehmer in die deutsche Sozialpolitik eingespeist
wurde. Angeblich ist das Rentensystem auf eine demografische Balance
angewiesen, als ob wir es mit geschlossenen Systemen zu tun haben.
Dass Märkte offen seien steht im krassen Gegensatz zu solcher
Demografietheologie. Tatsächlich hängt das Funktionieren des
Rentensystems lediglich von dem Verhältnis von Einnahmen und
Ausgaben ab - und dieses ist in weit geringerem Maße von der
Demografie abhängig, sondern von politischen Entscheidungen und der
Wirtschaftsentwicklung eines Landes.
Die Demografie ist in erster
Linie eine Ideologie, die den Interessen der Wirtschaftslobbyisten
entgegenkommt, während die Interessen der Arbeitnehmer ignoriert
werden. PIPER weis genau, wie er uns verdummt, meint er. Er
propagiert die Rente mit 70 - klingt human, wenn inzwischen die
Rente mit 73 gefordert wird - und mehr private Altersvorsorge. Die
Finanzbranche dankt es ihm!
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REHAGE, Ruben & Cornelia SCHMERGAL (2016): Das 600-Milliarden-Ding.
Rente: Neue Berechnungen enthüllen
die wahren Kosten der Reformvorschläge von Horst Seehofer, Sigmar
Gabriel & Co. Wer das Rentenniveau stabilisieren will, muss die junge
Generation stark belasten - und richtet dabei nur sehr wenig gegen
Altersarmut aus,
in:
Spiegel Nr32 v. 06.08.
REHAGE & SCHMERGAL sehen ihre Leser als staunende Kinder oder
zahlenehrfürchtige Erwachsene, die sich schnell durch die Präsentation
von Milliarden-Beträgen einschüchtern lassen. Sie stellen deshalb
einen "Rentenfachmann" der neoliberalen Prognos AG in den Mittelpunkt.
Nicht dessen treffsichere Prognosen werden uns als Ausweis von
Befähigung präsentiert, was wohl auch kaum möglich wäre, sondern die
reine
Koinzidenz von Prognos-Prognosen und großen Reformvorhaben, was
uns nötigen soll zu glauben, dass hier alternativlose Sachzwänge
vorhanden gewesen wären.
Während es dabei um die Herstellung von Generationengerechtigkeit
gegangen sei, gehe es dagegen nun um Wohltaten für Senioren. Damit ist
die Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente gemeint. Damit
ist aber implizit auch klar: Der Begriff "Generationengerechtigkeit"
steht bei Autoren gar nicht für Gerechtigkeit zwischen
unterschiedlichen Kohortenjahrgängen, sondern nur für "jeweils Junge"
im Sinne von Beitragszahlern im Vergleich zu den "jeweils Alten" im
Sinne von Transferempfängern. Generationengerechtigkeit wird damit zur
Altersgruppengerechtigkeit umdefiniert. Diese implizite Umdefinition
soll verschleiern, dass eine Stabilisierung des Niveaus der
gesetzlichen Rente auch nachfolgenden Generationen zu Gute käme statt
nur den jetzigen Rentnern, die davon sogar weniger profitieren würden,
denn derzeit ist ja das Rentenniveau noch relativ hoch. Vor allem aber
geht es nicht um die Arbeitnehmer, denn Beitragssatzstabilität ist vor
allem den Arbeitgebern wichtig, denn steigende Beiträge gefährden
angeblich den Wirtschaftsstandort Deutschland. Aber erst einmal zurück
zu den Zahlen, die uns die Prognos AG liefert:
"Würde man das Rentenniveau
tatsächlich auf dem heutigen Niveau einfrieren, könnte das die Steuer-
und Beitragszahler bis zum Jahr 2040 die unglaubliche Summe von
insgesamt fast 600 Milliarden Euro kosten.
Gut 460 Milliarden Euro hätten die Beitragszahler zu tragen, weitere
über 130 Milliarden Euro kämen auf die Steuerzahler durch einen
höheren Bundeszuschuss und mehr Ausgaben für Kindererziehungszeiten
zu."
Was heißt hier "unglaubliche
Summe"? 600 Milliarden Euro sollen Ehrfurcht einflößen, denn kaum
jemand wird je in seinem Leben so viel verdienen.
In Anbetracht von rund 80 Millionen Menschen und über einen Zeitraum
von 25 Jahren betrachtet, schrumpft die unglaubliche Summe schnell auf
ein kleines Sümmchen zusammen. Pro Bundesbürger machen die 600
Milliarden Euro (bei konstanter Bevölkerungszahl) je Monat lediglich
25 Euro aus. Um sie richtig einordnen zu können, wäre ein Vergleich
mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) und dessen Entwicklung bis 2040
notwendig - dies aber wird uns vorenthalten. Ohne relevanten
Vergleichsmaßstab sind aber die uns präsentierten Zahlen lediglich
Demagogie.
Bereits Mitte Mai
hat die neoliberale INSM die Kosten von Stabilisierungsmaßnahmen
immerhin bis zum Jahr 2029 berechnen lassen. Eine Auflistung der
Kostendifferenz findet sich
hier.
Eine weitere Fortschreibung bis 2040 wie sie die Prognos AG vornimmt,
gerät - je länger der Zeitraum - immer mehr zur Kaffeesatzleserei.
Über den Nutzen schweigen die Autoren, außer dass sie ihren impliziten
Maßstab nennen: Die gesetzliche Rente soll in Zukunft nur noch für die
Armutsfürsorge aufkommen - also ein Grundsicherungsniveau leisten,
denn darauf läuft es hinaus, wenn Lebensstandardsicherung kein Ziel
mehr ist. Dieses Ziel wird dann konsequenterweise den "linken"
Gewerkschaften und ihrem Dachverband vorgeworfen.
Dazu wird
IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen-Urban zitiert.
Auch hinsichtlich der Entwicklung
des Altenquotienten, der uns im Schaubild "Lastenwechsel" grafisch vor
Augen geführt wird, handelt es sich um Demagogie. Es fehlen Angaben
zum Jahr der Prognose und zur Variante der Vorausberechnung -
stattdessen wird als Quelle lediglich das Statistische Bundesamt
angegeben. Als Ausgangspunkt wird das Jahr 2010 mit einem
Altenquotienten von 34 bezogen auf die 20- 64-Jährigen genannt. Im
Jahr 2040 soll er auf 58 gestiegen sein.
Die aktuelle 13. koordinierte
Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes beginnt mit
dem Basisjahr 2013 und einem Altenquotienten von 34,2. Das
Statistische Bundesamt hat mehrere Varianten berechnet. Lediglich die
Variante 1 (vgl. DESTATIS 2015, S.7) mit schwächerer Zuwanderung
(Wanderungssaldo 100.000 Menschen) weist für 2040 einen
Altenquotienten von 57,6 aus - und entspricht damit dem Spiegel-Szenario.
Warum aber nimmt der Spiegel nicht die Variante mit
Wanderungssaldo 200.000, die doch unter den gegenwärtigen
Zuwanderungsbedingungen wahrscheinlicher ist? Und warum wird die
Altersgrenze bei 65 und nicht bei 67 gesetzt, obwohl die Rente mit 67
derzeit Gesetz ist? Man will offenbar die Rentensituation der Zukunft
schlechtreden. Statt eines Altenquotient von 58 ergäbe sich selbst bei
geringer Zuwanderung ein Altenquotient von nur 51 (vgl.
DESTATIS 2015, S.7).
Bei 200.000 Menschen pro Jahr läge der Altenquotient sogar nur bei 49
(vgl.
DESTATIS 2015, S.36)
Bei allen diesen Varianten wurde jedoch von einer Geburtenrate von 1,4
Kinder pro Frau ausgegangen, die jedoch bereits im Jahr 2014 bei 1,47
lag und 2015 weiter gestiegen sein dürfte, d.h. 2040 wird es mehr
Berufsanfänger geben als in der Bevölkerungsvorausberechnung
angenommen.
Noch unübersichtlich wird es, wenn
uns die Prognos-Zahlen präsentiert werden. Auf welchen
Vorausberechnungen basieren diese? Nirgendwo findet sich ein Hinweis
darauf. Die Autoren tun so, als ob diese Zahlen aktuell berechnet
worden wären. Dagegen weist eine Grafik das Jahr 2014 als Jahr aus,
auf denen die genannten Zahlen basieren oder veröffentlicht wurden.
Warum werden wir in dieser Hinsicht angelogen? Angesichts der
Spannbreite der Altenquotienten, die unterschiedliche Varianten der
Vorausberechnung zulassen und der Tatsache, dass der Spiegel
auf Demagogie setzt, muss auch hier mit Annahmen gerechnet werden, die
die Kosten hochtreiben sollen, um die Stabilisierung des Rentenniveaus
zu diffamieren. Warum sonst sollte uns der Spiegel
nachvollziehbare Fakten vorenthalten wollen? Seriöse Berechterstattung
sieht anders aus.
Die Daten des Spiegel zu
Rentenniveau (41,7 %) und Beitragssatz (23,7 %) im Jahr 2040 nach der
derzeitigen Gesetzeslage entsprechen haargenau dem Status
Quo-Szenario, das von Prognos im Auftrag des Gesamtverbands der
Deutschen Versicherungswirtschaft berechnet wurde, das
am 23. Juni dieses
Jahres vorgestellt wurde. Dieses Szenario basiert wiederum auf der
Variante 2, also einem Wanderungssaldo von 200.000. Warum also werden
uns vom Spiegel Daten präsentiert, die sich aus ganz
unterschiedlichen Annahmen zur Bevölkerungsvorausberechnung ergeben
ohne diese Differenz zu erwähnen?
Als Durchschnittsverdiener mit
Angst vor Altersarmut wird uns ein 45-Jähriger Single folgendermaßen
vorgestellt:
"Biermanns Einkommen ist typisch
für die Deutschen. Brutto verdient er mit vielen Überstunden und
Nachtzuschlägen knapp 2.400 Euro im Monat, netto bleiben davon etwa
1.600 Euro. Das ist ziemlich genau die Summe, die Statistiker heute
als Medianeinkommen eines Singles nennen: Würde man alle Einwohner
bitten, sich nach der Höhe ihres Einkommens in einer Linie
aufzureihen, stünde Biermann genau in der Mitte",
verdummen uns
REHAGE & SCHMERGAL. Beim Medianeinkommen fallen im Gegensatz zum
Durchschnittseinkommen die Superreichen in Deutschland nicht ins
Gewicht, weshalb es niedriger ist. Was aber soll bitte der Blödsinn
vom "Medianeinkommen eines Singles". Dem Wortsinn entsprechend, müsste
es eigentlich die Einkommensverteilung innerhalb der
Single-Bevölkerung meinen, dann macht jedoch der Bezug auf alle
Einwohner keinen Sinn. Die Autoren wollen uns offenbar suggerieren,
dass das Einkommen dieses Singles typisch für die deutsche
Mittelschicht sei. Aber leben wir in einer Single-Gesellschaft wie das
hier unterstellt wird? Und warum dann ein Single? Weil dessen
Abgabenlast am höchsten ist im Vergleich zu Verheirateten?
Im Mai erklärte uns
der Spiegel in einer reißerischen Story die
DIW-Mittelschichtsstudie. Dumm nur, dass darin das Medieneinkommen
falsch angegeben wurde, denn das DIW korrigierte die Zahlen erst nach
deren Veröffentlichung. Statt der vom Spiegel publizierten
29.500 Euro Jahresbrutto für 2013 lag das Medianeinkommen fast doppelt
so hoch bei
53.500 Euro. Nimmt man den falschen Wert, dann kommt man auf ein
Monatsbrutto von 2.458 Euro - also in etwa auf Biermann. Das
Medianeinkommen läge aber nach den korrigierten DIW-Daten bei rund
4.458 Euro Brutto monatlich. Biermann ist also - anders als der Spiegel
uns glauben machen will - kein Mediandeutscher.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich die DIW-Studie beim Medianeinkommen
auf Nettoeinkommen von Haushalten beruft und nicht auf Bruttoeinkommen
von Personen wie sie in den dazugehörigen Medienberichten verwendet
wurden. Verzerrungen durch unterschiedliche Abgabenhöhen und
Gewichtungen von Haushaltsmitgliedern machen deshalb die von den
Autoren suggerierte Reihung der Bevölkerung so gut wie unmöglich, denn
sie würde einen gesellschaftlichen Konsens unterstellen, der nicht
existiert.
Die Autoren
suggerieren weiter, dass dem Mediandeutschen 2038 ein Einkommen "nur
knapp über der Grundsicherung" drohe. Was der WDR kann, dass
kann der Spiegel offenbar genauso gut.
Die Agendareform wird uns von den
Autoren in einer verfälschten Fassung präsentiert:
"Nicht mehr die Renten für die
Älteren sollen seither stabil bleiben, sondern die Beiträge der
Jungen."
Ersetzt man die Jungen durch die
Arbeitgeber, dann ist das richtig. Niemals ging es Rot-Grün um die
Probleme der Jungen, sondern um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen
Wirtschaft im neoliberalen Standortwettbewerb. Die Beiträge
der Jungen zu ihrer Alterssicherung wurden stattdessen abgekoppelt
sowohl von der Rentenversicherung als auch von der
Arbeitgeberbeitragsatzentwicklung. Dies war Sinn und Zweck der
Riester-Rente für die schließlich allein die Arbeitnehmer zusätzliche
Beiträge errichten müssen.
Andrea NAHLES wird von den
Spiegel-Autoren zur Anwältin der Neoliberalen stilisiert, die sich
heroisch gegen die Verfechter einer Stabilisierung des Rentenniveaus
stemmt:
"Nahles arbeitet nun an einem
eigenen Konzept (...). Dabei geht es vor allem darum, die
Betriebsrente auch für kleinere Einkommen zugänglich zu machen,
Minirenten aufzustocken und jene Selbständigen besser abzusichern, die
als Clickworker oder Kurierfahrer nur ein bescheidenes Einkommen
haben. Von Eingriffen in das allgemeine Sicherungsniveau wollen ihre
Experten bislang die Finger lassen."
Mit "Minirenten aufstocken" ist die
im Koalitionsvertrag vereinbarte "solidarische Lebensleistungsrente"
gemeint, die merkwürdigerweise von den Autoren nicht kritisiert wird.
In diesem Zusammenhang rechnen uns
die Autoren nochmals die Kosten einer Stabilisierung des Rentenniveaus
folgendermaßen vor:
"Wer heute 40 Jahre alt ist und
3.000 Euro brutto im Monat verdient, müsste - gerechnet in Preisen von
2015 - bis 2040 insgesamt 9.090 Euro mehr an Arbeitnehmerbeiträgen in
die Rentenkasse einzahlen als nach geltender Rechtslage. Wer mit 6.000
Euro das Doppelte verdient, zahlt 18.180 Euro mehr. Wer allerdings mit
9.000 Euro zu den sehr gut Verdienenden im Lande zählt, wird lediglich
im selben Umfang belastet. Dafür sorgt die sogenannte
Beitragsbemessungsgrenze, mit der die Abgabenlast der Bessergestellten
gedeckelt wird."
Die hohe Zahl von 9.090 Euro soll
abschreckend wirken. Rechnet man sie auf einen monatlichen Beitrag um,
dann sind das gerade einmal 30 Euro. Demgegenüber steht jedoch eine
höhere Rente, deren Höhe uns vorenthalten wird (Das
Rentenkonzept der IG Metall könnte hier weiterhelfen). Denn erst
der Vergleich zum Nutzen, also der daraus sich ergebenden
Rentenerhöhung wäre aussagekräftig.
Außerdem zeigt die Berechnung ein
anderes Problem, das die Autoren einfach ignorieren. Man könnte ja die
Beitragsbemessungsgrenze entfallen lassen und stattdessen die
Rentenhöhe für Spitzenverdiener deckeln. Damit würde einerseits die
Einnahmesituation der gesetzlichen Rente verbessert und andererseits
die Ausgaben gedämpft. Dies wird z.B. in der
Schweiz so gehandhabt und auch in Deutschland gibt es Vorschläge
in diese Richtung. Stattdessen kommen uns die Autoren mit Axel
BÖRSCH-SUPAN, dem es um die Schwächung der gesetzlichen Rente geht.
Uns wird dann der angeblich typische deutsche Facharbeiter
vorgestellt:
"Thöne war 17 Jahre alt, als er
seine Ausbildung zum Mess- und Regelmechaniker bei der Bayer AG
begann, er bildete sich zum Techniker weiter und arbeitet heute als
freigestellter Betriebsrat bei der Bayer-Tochter Currenta, die den
Chemiepark Uerdingen betreibt. (...).
Er (...) erhält einen Tariflohn von 5.500 Euro brutto monatlich. Der
Branchentarifvertrag gesteht allen Beschäftigten der Chemieindustrie
eine Betriebsrente zu - und dazu kommt irgendwann auch das Geld aus
der Pensionskasse, die die Bayer-Mitarbeiter fast zärtlich »Penka«
nennen. Die Gewerkschaften haben lang dafür gestritten.
Wenn Thöne seine Zukunft überschlägt, dann kann er als Rentner mit
einem Bruttoeinko9mmen von 4.000 Euro rechnen - trotz aller Reformen."
Thöne wird uns als Beispiel für
jenes Klientel beschrieben, für das die abschlagfreie Rente ab 63 im
Jahr 2014 geschaffen wurde. Im krassen Gegensatz dazu werden uns dann
die wirklich Bedürftigen beschrieben: jene die mit einer
Erwerbsminderungsrente und zusätzlicher Grundsicherung zurecht kommen
müssen:
"Das größte aller Altersrisiken
tragen nicht (...) die normalen Ruheständler, sondern jene Menschen,
die eine Krankheit aus dem Berufsleben gedrängt hat - die knapp 1,8
Millionen Erwerbsminderungsrentner. Fast 15 Prozent von ihnen sind
darauf angewiesen, ihre karge Überweisung aus der Rentenkasse mit
Stütze vom Amt aufzustocken. Zum Vergleich: bei den normalen
Altersrentnern sind es nur 3 Prozent",
erzählen uns die Autoren. Bei
diesem Vergleich werden sozusagen Äpfel mit Birnen verglichen. Denn
die 15 Prozent beziehen sich auf die Gruppe der
Erwerbsminderungsrentner, während sich die 3 Prozent auf die
Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren beziehen - obwohl von diesen
nicht alle Rentner sind und diejenigen, die hinzuverdienen müssen,
weil ihr Geld sonst nicht ausreicht - ebenfalls ausgeblendet werden.
In diesem Zusammenhang wird uns
erneut ein "Singlerentner" präsentiert, einem ungelernten Bauhelfer,
natürlich aus "Pirmasens, der Stadt mit der niedrigsten
Lebenserwartung Deutschlands". Damit wird erneut auf das Rentenpaket
des Jahres 2014 abgezielt:
"Die höheren Mütterrenten flossen
an Zahnarztwitwen genau wie an reifere Damen in der Grundsicherung.
Mit einem Unterschied: Die Sozialhilfeempfängerinnen hatten meistens
nichts davon. Sie mussten den Zuschlag mit der Stütze vom Amt
verrechnen.
Die abschlagsfreie Rente mit 63 wiederum half vor allem solide
abgesicherten Industriearbeitern, nicht aber Hilfskräften."
Die Absicht solcher gezielt
ausgesuchten Beispiel ist klar: Arbeitnehmer sollen mittels
Neidkampagne gegeneinander ausgespielt werden, um davon abzulenken,
dass beides notwendig ist: Verbesserungen bei armutsbedrohten
Bevölkerungsgruppen und ein ausreichender Lebensstandard für alle. Die
Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente ist notwendig, weil
die kapitalgedeckte Altersvorsorge ihre vollmundigen Versprechen vom
Anfang des Jahrtausends nicht halten kann. Stattdessen werden uns
Placebo-Pillen verabreicht:
"Wenn man bei der Bildung ansetzt,
dem Rentenalter oder den Chancen von Frauen, ließe sich das
Sicherungsniveau stabilisieren, ganz ohne Verteilungskämpfe zwischen
den Generationen."
Dieses Mantra wird uns seit der
Jahrtausendwende ständig verkündet. Warum also ist das immer noch
notwendig? Offenbar, weil mehr Bildung kein Allheilmittel ist, wenn
entsprechende Arbeitsplätze fehlen. Und auch die Erhöhung der
Müttererwerbsarbeit gerät ins Stocken. Auch die gerne propagierte
Erhöhung des Renteneintrittsalter ist lediglich eine Rentenkürzung,
wenn die notwendig zu schaffenden Arbeitsplätze fehlen oder die
Menschen arbeitsunfähig sind.
Richtig ist, was Gert G. WAGNER
sagt, dass es keinen gesellschaftlichen Konsens über die mögliche
Beitragsbelastung und das anzustrebende Sicherungsniveau gibt. Durch
die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme wurde eine solche
Debatte verhindert und stattdessen durch als alternativlos
dargestellte Sachzwänge ersetzt. Diese Ära scheint langsam vorbei zu
Ende zu gehen.
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KNOP, Carsten
(2016): Pensionsverpflichtungen auf Rekordniveau.
Der Rechnungszinssatz erreicht zur
Jahresmitte ein Rekordtief und setzt Unternehmen unter Druck,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.08.
"Die rechnerischen Pensionsverpflichtungen der Unternehmen, die
mit ihren Aktien im Dax vertreten sind, sind im Laufe dieses
Jahres um rund 65 Milliarden Euro gestiegen (....), nachdem sie
Ende 2015 noch bei 361,3 Milliarden Euro lagen",
berichtet Carsten KNOP, der sich nur um die Pensionsverpflichtungen
der deutschen Dax-Unternehmen sorgt, die der
Rechnungslegungsvorschrift IAS 19 unterliegen, während er die
anfangs der Woche von
Handelsblatt
und FR
angeprangerte HGB-Auswirkungen als weniger dramatisch einstuft:
"Durch die Durchschnittsbildung
beim Rechnungszins auf der Basis des deutschen Handelsgesetzbuchs
(HGB) sind die Auswirkungen hier weniger dramatisch."
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ASTHEIMER, Sven
(2016): Das verdienen Berufseinsteiger.
Akademiker sind am deutschen
Arbeitsmarkt begehrt, Absolventen bieten sich viele Chancen - aber die
regionalen Unterschiede sind groß. Wo die höchsten Gehälter locken,
zeigt der Gehaltsatlas der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und
Gehalt.de,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.08.
Der Gehaltsatlas der FAZ
ist Augenwischerei, denn was nutzen hohe Gehälter, wenn die
Lebenshaltungskosten noch höher sind? Statt der Einkommenshöhe ist
die Kaufkraft entscheidender, darüber erzählt uns ASTHEIMER aber
nichts.
Und was bedeutet es z.B., wenn
ein akademischer Berufseinsteiger im Maschinenbau auf einen
Jahresdurchschnittsverdienst von 52.842 Euro kommt, während uns ein
55jähriger Babyboomer (Gehalt: 48.000 Euro) in der gleichen Branche
von der
FAZ als Mustermann in Sachen Altersvorsorge präsentiert
wird, wenn gleichzeitig die junge Generation als
Generation Abwärts
gilt?
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SIGUSCH, Volkmar
(2016): Was wir so alles Liebe nennen.
Wir wollen alle lieben und geliebt
werden, auf dass unsere kleine Welt voller erregter Harmonie sei und
die große augenblicklich in Ordnung,
in: Welt
v. 06.08.
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GESTERKAMP, Thomas
(2016): In die Kita zum Lernen.
Nur wenige Kinder aus
Einwandererfamilien besuchen bisher Betreuungseinrichtungen. Dabei
sind diese ein Schlüssel zur Integration,
in:
Neues Deutschland v. 06.08.
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SIEMS, Dorothea
(2016): Gefährliche Rentenfallen.
Die Alterssicherung soll reformiert
werden. Doch die Pläne der Politiker beruhen auf völlig falschen
Annahmen,
in:
Welt v. 05.08.
Dorothea SIEMS präsentiert uns die
angeblich 7 größten Rentenirrtümer, die ihr die
Finanzdienstleistungsbranche und die Arbeitgeber eingeflüstert
haben:
1) Die Altersarmut wird zum Massenphänomen
Daten zur aktuellen Rentnergeneration werden zur Verdummung der
Jüngeren benutzt. Niemand behauptet, dass die derzeitigen Rentner
durch hohe Altersarmut bedroht seien, sondern es wird die Jüngeren
treffen.
"Nach Berechnungen des
Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium wird
der Anteil derjenigen, die ab 2030 auf Grundsicherung im Alter
angewiesen sind, im ungünstigsten Fall auf rund fünf Prozent
steigen. Denn zum einen hilft die gute Arbeitsmarktlage der
Rentenkasse. Das Sicherungsniveau wird deshalb voraussichtlich die
gesetzlich festgeschriebene Untergrenze von 43 Prozent erst
deutlich nach 2030 erreichen",
erzählt uns SIEMS, obwohl solche
Rentenberechnungen meist schon in kürzester Zeit überholt sind, weil
sie einfach lineare Fortschreibungen der Gegenwart sind. So wie uns
in den Nuller Jahren ständig das Ende der dynamischen Rente
verkündet wurde, weil die Politik Nullrunden für Rentner beschloss,
wird uns nun eine glänzende Zukunft prognostiziert, um die
Interessen von Finanzdienstleistern und Arbeitgebern, die auf eine
weitere Schwächung der gesetzlichen Rente abzielen, leichter
durchsetzen zu können. Schaubilder, die der optimistischen Prognose
des Rentenversicherungsberichts 2015 entstammen, sollen uns
beruhigen.
2) Lebensleistungsrente hilft gegen Altersarmut
Die neoliberale INSM hat dem Kampf gegen die Lebensleistungsrente
bereits im April oberste Priorität eingeräumt - aber auch sonst ist
dieses Projekt eher eine Totgeburt, die von anderen Schauplätzen der
Rentendebatte ablenken soll.
3) Riesterrente ist gefloppt
Dass die Riesterrente nicht gefloppt ist, wird nur von den
Finanzdienstleistern und ihren Lobbyisten in Politik und Medien
behauptet. SIEMS fehlen hier die Argumente, weshalb sie lediglich
die Unfinanzierbarkeit einer lebensstandardsichernden gesetzlichen
Rente als Gegenargument hat. Ansonsten lautet das Motto: weil die
private Altersvorsorge so unlukrativ für die Versicherten ist,
müssen sie lediglich noch mehr Sparen. Die Finanzdienstleister freut
dies, während die Vorsorgesparer die Dummen sind. Um die Profite der
Finanzdienstleister zu steigern, wird eine stärkere Förderung
gefordert. Alle diese Argumente kennen wir
bereits aus dem Munde von Alexander ERDLAND, dem obersten Lobbyisten
der Branche. Nur würde uns das dieser Lobbyist immer nur selber
sagen müssen, dann würde das der Versicherte irgendwann kapieren,
welchen Interessen er geopfert werden soll.
4) Selbständige können Rentenkasse stabilisieren
Hier macht sich SIEMS zum Sprachrohr des
Verbandes der
Gründer und Selbständigen Deutschland (VGSD),
der sich diesem Kampf gegen die Eingliederung in die gesetzliche
Rentenkasse verschrieben hat.
5) Ostrentner sind benachteiligt
Diese Mär wird uns seit etlichen Wochen von westdeutschen Zeitungen
rauf und runter dekliniert. Ostdeutsche lesen deshalb lieber die
Zeitung Neues Deutschland oder andere ostdeutschen Blätter.
Nur die FAZ
ließ bislang einen Ministerpräsidenten die ostdeutsche Sicht
verbreiten. So viel zu den Medien, die ihrer Informationspflicht
nur sehr eingeschränkt nachkommen. Viel lieber generieren sie sich
als vierte Gewalt im Staate, was sie gerne den sozialen Medien
zuschreiben, um davon abzulenken, dass die Printmedien längst zum
langen Arm der Lobbyisten geworden ist. Das ist keine Verteidigung
der ostdeutschen Sicht, sondern lediglich eine Kritik an der
Selektivität unserer Printmedien.
6) Jüngere Mütter bevorzugt
Die Mütterrente ist als allgemeine Staatsaufgabe falsch finanziert.
Nicht Beitragszahler, sondern Steuerzahler müssten für diese Aufgabe
aufkommen. Das ist aber gar nicht das Thema von SIEMS, die hier eine
familienfundamentalistische Position vertritt. Die bayerische
Sozialministerin hat vor kurzem eine erneute Ausweitung der
Mütterrente zur Sprache gebracht - was weniger ein Reformprojekt der
gegenwärtigen Regierung ist, sondern zum Rentenwahlkampf 2017
gehört. SIEMS spielt hier jüngere gegen ältere Mütter aus - eine
Spielart der Generationengerechtigkeit, die nur auf die Subgruppe
der Mütter abzielt.
7) Geplante Flexirente gleicht die Rente mit 63 aus
Die abschlagsfreie Rente ab 63 wird mit dem Kampfbegriff Rente mit
63 belegt, um zu suggerieren, dass diese sozusagen für alle gelte.
Sie gilt nicht einmal für Fachkräfte, denn sie gilt nur bis zu einem
ganz bestimmten Jahrgang. Der Jahrgang 1964 dessen Regelaltersgrenze
bei 67 Jahren liegt, kann abschlagsfrei nur mit 65 Jahren in Rente
gehen. Die Flexi-Rente ist nicht als Ausgleich geplant gewesen -
eine irreführende Argumentation. Die Flexi-Rente war ursprünglich
eine FDP-Herzensangelegenheit, die bekanntlich aus dem Bundestag
flog, weil sie nur Klientelpolitik betrieb - was inzwischen wieder
in Vergessenheit gerät.
Inwiefern die Flexi-Rente so kommen wird, wie sie von SIEMS
beschrieben wird - sie verkündet hier nur die Befürchtungen der
Arbeitgeber und ihnen nahestehende "Rentenexperten" - bleibt dahin
gestellt. Dass in Zukunft im Alter eher weniger als mehr gearbeitet
wird, das ist mehr als unwahrscheinlich, denn die "Frührente für
alle" (so eine
WamS-Schlagzeile) muss man sich leisten können - ist also,
wenn sie kommt, eher ein Wahlgeschenk an die Erbengeneration und
Besserverdienende, die freiwillig Beiträge ab 50 Jahren einbezahlen
könnten, um eine abschlagfreie Rente ab 63 zu beziehen.
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WELT
(2016): Deutsche Rentner zieht es nach Amerika.
Auswanderung,
in:
Welt v. 05.08.
Kurzmeldung
zur gestrigen Meldung
Rund 1,75 Millionen Renten werden ins Ausland gezahlt der
Deutschen Rentenversicherung
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REICHEL, Reiner
(2016): Mieten und Preise klettern weiter.
Wohnungsmarkt: München bleibt der
teuerste Wohnort Deutschlands. Doch in vielen Städten sinken die
Mietrenditen,
in:
Handelsblatt v. 05.08.
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TAGESSPIEGEL-Politikthema:
Ungleichheit und Reichtum.
Welche Steuerpolitik
soll es sein?
FUNK, Albert
(2016): "Ein Problem für die Demokratie".
Um eine Spaltung der Gesellschaft zu
verhindern, braucht es Reformen, fordert Soziologe Jens Beckert,
in:
Tagesspiegel v. 05.08.
HASELBERGER, Stephan
(2016): Steuerfragen sind Machtfragen.
Wieso die Grünen über die
Vermögensabgabe streiten,
in:
Tagesspiegel v. 05.08.
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HINCK, Gunnar
(2016): Früher taz, jetzt AfD.
Wandel: Sibylle Schmidt lebte ein
Sponti-Leben, war in der SPD. Nun trat sie aus ihrer Partei aus - und
könnte im September für die Berliner AfD ein Mandat gewinnen,
in:
TAZ v. 05.08.
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KROHN, Philipp
(2016): Spalten Mieten die Gesellschaft?
Das Leben in der Stadt ist
attraktiver geworden und wird immer teurer. Viertel werden
aufgewertet. Ärmere halten nicht mehr mit, selbst die Mittelschicht
klagt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.08.
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SCHWENN, Kerstin
(2016): CSU befeuert Debatte über Lebensleistungsrente.
"Unwirksam gegen Altersarmut und
ungerecht". Auch Union und SPD prüfen Alternativen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.08.
Kerstin SCHWENN berichtet über einen erneuten Vorstoß der bayerischen
CSU-Sozialministerin Emilia MÜLLER, die sich gegen die im
Koalitionsvertrag vereinbarte Lebensleistungsrente wendet. Dazu rollt
SCHWENN nochmals die Vorgeschichte auf, um dann zum wiederholten Mal
die Kritik der DRV vorzubringen, denn die angeblich neue Studie ist
nicht gar so neu.
Zum Schluss wird uns der Einwand
von Karl-Josef LAUMANN und anderen schmackhaft gemacht, denen an
Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente gelegen ist. Außerdem
ist LAUMANN über das "Armutsrisiko für Selbständige" besorgt. Eine
Verpflichtung zur Altersvorsorge soll dies reduzieren.
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CREUTZBURG, Dietrich
(2016): Arbeit statt Ruhestand.
Die Zahl der älteren Beschäftigten
steigt um 18 Prozent,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.08.
Dietrich
CREUTZBURG bringt uns die aktuellen Zahlend er Bundesagentur für
Arbeit zur Beschäftigungssituation der 60-Jährigen und Älteren nahe:
"Ende des vergangenen Jahres waren
(...) in Deutschland schon 196.683 Menschen jenseits der Altersgrenze
sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren fast 30.000 oder
18 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Im Jahr 2015 lag die
Altersgrenze bei 65 Jahren und vier Monaten, 2014 waren es noch 65
Jahre und drei Monate gewesen",
erklärt uns CREUTZBURG, der diesen
Anstieg nicht nur auf die Erhöhung der Altersgrenze, sondern auf eine
Zunahme derjenigen jenseits der Altersgrenze zurückführt. CREUTZBURG
will uns mit gigantischen Zahlen zum Anstieg beeindrucken, weshalb er
eine intransparente Darstellungsweise wählt, die einen Nachvollzug
durch einen Leser erschwert oder gar unmöglich macht.
Und natürlich wird uns auch wieder
die Rente ab 63 als Bremse dieser Entwicklung präsentiert, wenn die
Veränderungen in der Gruppe der 60- bis 65-Jährigen Beschäftigten
betrachtet werden:
"Weniger günstig (...) hat sich die
Beschäftigtenzahl in jüngster Zeit (...) in der Altersgruppe der 60-
bis 65-jährigen entwickelt. Sie zählte Ende vergangen Jahres zwar
immerhin 1,87 Millionen Personen. Das waren aber nur 4 Prozent mehr
als Ende 2014."
CREUTZBURG bleibt jedoch vage, wenn
es um die genauen Auswirkungen der Rente ab 63 geht, denn er nennt uns
keine nachvollziehbaren Zahlen. Offenbar sind sie nicht beeindruckend
genug, denn sonst gäbe es keinen Grund zur Verheimlichung - außer sie
lägen noch gar nicht vor.
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KROHN, Philipp
(2016): Deutsche trauen der Politik ein stabiles Rentenniveau nicht
zu.
Umfrage: 62 Prozent zweifeln an
Umsetzungschance,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.08.
"Wie aus einer repräsentativen
Befragung des Finanzvertriebs MLP unter 1.683 Deutschen
hervorgeht, glauben 62 Prozent, die Politik könne nichts dagegen
tun, dass das Rentenniveau sinke. Zweifelt also ein Mehrheit der
Deutschen daran, dass eine Stabilisierung realistisch ist, halten
es sogar fast genauso viel nicht einmal für wünschenswert",
interpretiert Philipp KROHN eine
YouGov-Umfrage im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP. Dabei wurden
die Fragen schon so gestellt, dass sie den Interessen der Verfechter
einer kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht zuwiderlaufen können.
Die angebliche Mehrheit, die eine Stabilisierung nicht für
wünschenswert hält, bezieht sich auf die Antwortmöglichkeiten:
Höherer Beitragssatz als 18,7 %, länger arbeiten als 67 Jahre oder
Stärkung der betrieblichen Altersversorgung. Alternativen dazu wie
z.B. Erhöhung der Steuerfinanzierung, Ausweitung des
Beitragszahlerkreises usw. wurden gar nicht erst als
Antwortmöglichkeiten vorgegeben.
Die Antworten müssen auch als
Reaktion auf die Rentendebatte der letzten Monate gesehen werden, in
der vor allem die Befürworter einer kapitalgedeckten Altersvorsorge
zu Wort kommen konnten, wie diese Website deutlich zeigt.
Die Umfrage ist zudem eine
Online-Umfrage, d.h. Menschen mit Online-Zugang sind dadurch
überrepräsentiert, während gerade von Altersarmut betroffene
Menschen kaum die Möglichkeit zu einer Teilnahme hatten.
Fazit: Die Frage danach, ob eine
Stabilisierung des Rentenniveaus wünschenswert sei, wurde nicht
erfragt, sondern ist zum einen durch die vorgegebenen
Antwortmöglichkeiten und zum anderen durch die Durchführung der
Umfrage als Online-Befragung zweifach verzerrt. Sie spiegelt aber
auch die Meinungshoheit der Finanzdienstleistungsbranche und der
Arbeitgeber in der Rentendebatte wieder.
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PEZZEI, Kristina
(2016): Wohnungsmangel drosselt Schwedens Wachstum.
Start-ups wollen nach Stockholm, dem
innovativen und kreativen Pendant zu Berlich. Doch sie finden keinen
Platz zum Wohnen. Die Wirtschaft büßt wegen verpasster
Wachstumschancen jährlich Milliarden ein, trotzdem dürfte sich erst
mal nichts ändern,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.08.
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FISCHER, Kristin
& Judith NIEHUES (2016): Der Blick auf die Markteinkommen führt in die
Irre,
in:
IW-Kurzbericht - Nr. 47 v. 05.08.
"Auf den ersten Blick führen
die Marktprozesse in den beiden Ländern demnach zu einer ähnlichen
Ausgangsverteilung der Einkommen, die in den USA nur weniger stark
durch staatliche Umverteilung ausgeglichen wird.
Impliziert dies ebenfalls eine vergleichbare Lohnungleichheit in
beiden Ländern? Keineswegs, denn zwischen der Messung der
Ungleichheit der Markteinkommen und der Erwerbseinkommen gibt es
einen fundamentalen Unterschied: Bei der Lohnungleichheit wird nur
die erwerbsfähige Bevölkerung berücksichtigt, bei den
Markteinkommen hingegen die gesamte Bevölkerung. Die Ungleichheit
der Markteinkommen bildet somit nicht nur das Ergebnis von
Marktprozessen ab, sondern ihre Höhe wird auch stark von
denjenigen beeinflusst, die gar nicht mehr am Erwerbsleben
teilnehmen: Rentner verfügen in Deutschland meist nur über sehr
geringe Markteinkommen und bestreiten den Großteil ihres
Lebensunterhalts durch gesetzliche Rentenzahlungen.
Dadurch lässt sich die Höhe der Ungleichheit der Markteinkommen
hierzulande kaum mit den USA vergleichen: Während viele ältere
Deutsche bereits eine gesetzliche Rente beziehen, arbeiten
US-Amerikaner in der Regel länger und erzielen ein Markteinkommen
auch noch zu Zeiten, in denen Arbeitnehmer hierzulande bereits
im Ruhestand sind. Daraus ergibt sich ein gewisses Paradoxon: Eine
stärkere gesetzliche Absicherung im Alter geht in der Tendenz mit
einer größeren Ungleichheit der Markteinkommen einher",
erklären uns FISCHER & NIEHUES,
die versuchen Markteinkommen mit Lohneinkommen gleichzusetzen und
dadurch die Alterssicherung in Deutschland zu diffamieren. Die
Alterssicherung wird von den Autorinnen zur Ursache von höherer
Ungleichheit in Deutschland stilisiert. Diese Argumentation zielt
primär auf eine Erhöhung des Rentenzugangsalters zur gesetzlichen
Rente ab bzw. flankiert die geplante Flexi-Rente mit höheren
Zuverdienstmöglichkeiten. Beides ließe sich mit dieser Studie
begründen.
FISCHER & NIEHUES kritisieren mit
ihrem Zugang die DIW-Mittelschichtstudie von Markus GRABKA u.a.
vom Mai diesen Jahres. Die Studien sind jedoch nicht
vergleichbar, weil sich erstens die Mittelschichtdefinitionen
unterscheiden (die IW-Studie dehnt die Mittelschicht nach oben aus:
250 % statt 200 % des Medianeinkommens) und berücksichtigt zweitens
nur Lohn- und Renteneinkommen, während das DIW behauptet das gesamte
Haushaltseinkommen zu berücksichtigen. Die Studie enthält jedoch
keine Angaben zu den berücksichtigten Einkommensarten, sodass nicht
ausgeschlossen werden kann, dass gravierende Unterschiede bei der
Messung der Einkommenshöhen beider Studien vorhanden sind, die eine
Vergleichbarkeit reduzieren.
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TUTT, Cordula
(2016): Wohnst du schon?
Immobilien-Titel: In deutschen
Städten steigen die Mieten auf für Normalverdiener kaum erreichbare
Höhen. Die Politik agiert hilflos. Dabei ist klar: Wir müssen anders
bauen. Weniger aufwendig, weniger luxuriös, weniger bürokratisch. Ein
Zehn-Punkte-Plan,
in:
Wirtschaftswoche Nr.32 v. 05.08.
Cordula TUTT präsentiert uns die
folgenden 10 Empfehlungen zur Lösung der Wohnsituation:
1) Konsequent Kosten kürzen
2) Bauvorschriften entrümpeln
3) Aufstocken und Lücken füllen
4) In Serie bauen
5) Großsiedlungen wiederbeleben
6) Werkswohnungen für Mitarbeiter bauen
7) Bauen für bestimmte Gruppen
8) Brachliegenlassen von Flächen bestrafen
9) Abwanderung bremsen
10) Flüchtlinge auf dem Land ansiedeln
JAHNKE, Klaus (2016): Nicht schlecht oder?
Immobilien-Titel: Gentrifizierung:
Drogen, Sex, Gewalt - das Frankfurter Bahnhofsviertel beherbergte über
Jahrzehnte den deftigeren Teil des öffentlichen Lebens. Nun entdecken
nach und nach Besserverdiener mit Vorliebe für geschichtsträchtige
Gebäude das Viertel. Die Mieten steigen, alte Bewohner werden
verdrängt. Einflicke in einen Gefechtslage, die nicht ganz alltäglich
ist, aber dennoch typisch für deutsche Großstädte,
in:
Wirtschaftswoche Nr.32 v. 05.08.
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FISCHER, Malte (2016): Keine amerikanischen Verhältnisse.
Studie: Einkommensverteilung,
in:
Wirtschaftswoche Nr.32 v. 05.08.
Malte FISCHER präsentiert uns eine
IW-Köln Studie
von Kristin FISCHER & Judith NIEHUES als Kritik an der
DIW-Mittelschichtsstudie, die im Gegensatz zur jetzigen Meldung in
der Wirtschaftswoche zur Titelgeschichte aufgeblasen
worden war.
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FISCHER, Konrad (2016): Aus Mangel an Alternativen.
Bildung: Klagen bald viel mehr
Eltern auf Geld für die private Kita, wenn der Staat keinen Platz
bietet? Wohl kaum - denn private Tagesstätten sind rar,
in:
Wirtschaftswoche Nr.32 v. 05.08.
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FRITZ, Martin & Malte FISCHER (2016): Bis das Kartenhaus einstürzt.
Japan: Rentner und Sparer müssen für
die lockere Geldpolitik ihrer Notenbank zahlen. Das Land ist ein
schlechtes Vorbild für Europa,
in:
Wirtschaftswoche Nr.32 v. 05.08.
FRITZ & FISCHER prognostizieren und bewerten die Wirkungen der
japanischen Geldpolitik folgendermaßen:
"Nach den Geschäftsbanken
werden künftig auch Pensionskassen und Lebensversicherungen
Staatsanleihen an die Notenbank verkaufen. Das frische Geld
dürften sie in ausländische Anleihen und japanische Immobilien
stecken. Der Yen wird dann wohl nachgeben, die Preise für Importe
steigen.
Zieht die Inflation an, schmelzen die Ersparnisse. Vor einer
»selbstmörderischen Politik« warnt daher der Chefökonom von JP
Morgan, Masaaki Kanno."
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Zu den News vom 01. -
04.
August 2016
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