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Medienrundschau:
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News vom
01. - 06. Oktober 2016
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Zitat
des Monats:
Die
Fehleinschätzung der wahren Ursachen des Geburtenrückgangs
führt dazu, dass der Anstieg der Geburtenrate zu spät und zu
gering ausfällt
"Für eine zukünftige leichte
Erhöhung der TFR spricht (...) die Entwicklung der
Kohortenfertilität (die endgültige Kinderzahl pro
Frauenjahrgang), bei der die
Trendwende inzwischen relativ deutlich absehbar ist. (...).
Auch die Reformen der Familienpolitik könnten zu einer
Reduzierung von Kinderlosigkeit und einem leichten Anstieg der
Geburtenrate beitragen. Allerdings wäre für einen Anstieg
deutlich über 1,6 auch eine
Zunahme kinderreicher Frauen notwendig, da ihr Rückgang der
stärkste Treiber des Geburtenrückgangs war".
(Martin Bujard & Kai Dreschmitt
"Szenarien der Bevölkerungsentwicklung bis 2060" in:
Gesellschaft · Wirtschaft · Politik, Heft 3, S.340)
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NIEJAHR, Elisabeth (2016): "Uns fehlt das dritte
Kind".
Der Bevölkerungsforscher Martin
Bujard erklärt, warum Vorurteile gegen Großfamilien Deutschland
zurückwerfen,
in:
Die ZEIT Nr.42 v. 06.10.
Martin BUJARD, Politikwissenschafter am
BundesInstitut für Bevölkerungsforschung (BIB), vertritt nun eine neue
Linie des Instituts, das in den letzten 25 Jahren für eine
Bevölkerungsforschung stand, die in der angeblich extrem hohen
Kinderlosigkeit die Hauptursache des Geburtenrückgangs in Deutschland
sah. Dafür steht beim BIB der Name Jürgen DORBRITZ und der
nationalkonservative Bevölkerungsforscher Herwig BIRG, der mit
drastisch überhöhten Kinderlosenzahlen eine Politik gegen Kinderlose
statt für Eltern propagierte. Diese Propaganda hat zum
Kollateralschaden niedrig bleibender Geburtenraten maßgeblich
beigetragen.
Erst in jüngster Zeit erfindet sich
nun das BIB neu, indem die Hauptursache, nämlich der Rückgang der
Kinderreichen, vermehrt in den Blick genommen wird.
"Lange dachte man, das deutsche
Problem sei ein besonders großer Anteil kinderloser Frauen. Aber das
stimmt nicht. Wir
haben gerade in einer Studie den kompletten Geburtenrückgang in
Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg genau analysiert. Dabei
zeigt sich, dass er zu 68 Prozent dadurch zu erklären ist, dass
größere Familien immer seltener werden. Kinderlose sind nur für knapp
26 Prozent des Geburtenrückgangs verantwortlich",
lügt uns BUJARD an. Keineswegs war
unbekannt, dass das Hauptproblem des Geburtenrückgangs in Deutschland
nicht die Kinderlosen waren. Es wurde von Politik, Wissenschaft und
Medien ganz gezielt falsch dargestellt, um das
Elterngeld als alternativlos durchsetzen zu können. Diese Website
und single-generation.de beweist dies durch die
Dokumentation der Debatte um die Kinderlosigkeit. Die ZEIT
und insbesondere
Susanne GASCHKE gehört zu jenen, die diese
Falschdarstellung des Problems des Geburtenrückgangs kräftig
unterstützte. Insbesondere die
Kinderlosigkeit der Akademikerinnen wurde von ihr in den
Mittelpunkt gestellt. In dem 2006 erschienen Buch
Die Single-Lüge ist nachzulesen, dass man bereits vor über
einem Jahrzehnt wissen konnte, was nun erst der Öffentlichkeit als
neue Erkenntnis verkauft werden soll.
Angeblich hätten wir es bei
Vorurteilen gegen Kinderreiche mit einer deutschen Besonderheit zu
tun. Sie werden als asozial angesehen. Angesichts der Debatte um
Wohlfahrtsmütter ("welfaremothers"), die keine Besonderheit der
Deutschen ist, sondern Stoßrichtung neoliberaler Sozialstaatskritik
ist, darf dieses Vorurteil als prägend für alle neoliberale Staaten
sein - eingeschlossen die angeblich tollen Skandinavier. Der Aufstieg
des Nationalkonservatismus in ganz Europa zeigt dies deutlich. Das
positive Skandinavien-Bild ist meist noch vom längst abgeschafften
sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat geprägt. Davon kann jedoch in
neoliberalen Industrieländern keine Rede mehr sein.
Fazit: Das Interview ist mehr als
verlogen und typisch für dieses Wohlfühlblatt der oberen
Mittelschicht. Man darf sicher sein, dass nun auch die ZEIT die
kinderreiche Familie propagiert. Für die FAZ/FAS oder die
Welt war das längst selbstverständlich. Gemäß BUJARD bedarf der
Kulturwandel eines Imagewandels durch die Medien:
"Wenn Politiker sich zu stark
einmischen, kann das auch kontraproduktiv sein",
erklärt uns BUJARD. In Sachen
Politik gegen Kinderlose und für die Mütterelite gab es solche
Zurückhaltung der Politiker nicht. Der Kollateralschaden war
entsprechend groß. Man darf also gespannt sein, wie diese neue
Großoffensive nun gestaltet wird.
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STEPHAN, Björn (2016): Unter ihrer Würde.
Gisela Quenstedt hat 41 Jahre lang
in die Rentekasse eingezahlt. Jetzt reicht das Geld nicht. Wie lebt
sie damit?
in:
Die ZEIT Nr.42 v. 06.10.
Björn STEPHAN erzählt uns die Fallgeschichte einer
Rentnerin, die keine Grundsicherung bezieht und dennoch als arm
dargestellt wird:
"Armut ist eine relative Größe. Arm
in Deutschland ist, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren
Einkommens auskommen muss. Rechnerisch sind das 12,5 Millionen
Menschen, davon 3,4 Millionen Rentner. Für Alleinstehende liegt die
Armutsgrenze bei 942 Euro pro Monat. Gisela Quenstedts Rente liegt
knapp über der Armutsgrenze. Sie darf keine Grundsicherung beziehen,
das Hartz IV der Senioren. Aber lässt sich überhaupt in Prozenten und
Tabellen, in Quoten und Diagrammen messen, was es heißt arm zu sein?"
stellt STEPHAN die rhetorische
Frage. Armut heißt hier z.B. auf die Tafel angewiesen zu sein:
"Gisela Quenstedt (gehört zu (...)
den 350.000 Rentnern in Deutschland, die zur Tafel gehen, weil sie zu
wenig Geld haben, um sich genügend Essen zu kaufen".
QUENSTEDT wird uns als typische
Westfrau der Nachkriegszeit präsentiert: Sie heiratet, bekommt früh
zwei Kinder und gibt dafür ihren Beruf als Verlagskauffrau auf. Später
ist sie zuerst Teilzeitbeschäftigte, danach kostenlose, mithelfende
Familienangehörige im Geschäft ihres Ehemanns. Mit 35 Jahren verlässt
sie ihren Ehemann und arbeitet in Gelegenheitsjobs mit einer längeren
Phase der Arbeitslosigkeit. Erst mit 40 Jahren verdient sie 1.400 Euro
netto.
"Ihre Arbeit war nie
Selbstverwirklichung, sondern Geldverdienen. Mit 60 ging sie in
Altersteilzeit. Sie sagt. »Ich hätte bis 65 weiterarbeiten können, für
meine Rente hätte es nur zehn Euro mehr ausgemacht«
Quenstedt hat gehofft, sie würde mit der Rente irgendwie auskommen.
Sie hat sich geirrt."
Dies ist nicht etwa ein Plädoyer
für die solidarische Lebensleistungsrente, denn dazu hätte sie nicht
genügend Beitragsjahre. Es ist auch kein Plädoyer für die Mütterrente:
"Ihre beiden Söhne verdienen nicht
genug, um sie zu unterstützen. Daher beantragte sie die
Grundsicherung, und als ihr die Grundsicherung wegen der Anrechnung
der Mütterrente 52 Euro gestrichen wurde, beantragte sie Wohngeld."
Das Fallbeispiel ist auch eine
Kritik an jenen, die Rentner den Umzug in Billiggegenden als Lösung
ihrer Geldprobleme propagieren:
"Sie wohnt seit elf Jahren hier, 50
Quadratmeter, sanierter Altbau, zwei Zimmer (...).
560 Euro Miete warm (...) im Monat, viel Geld für sie. Sie könnte an
den Stadtrand ziehen, wo die Mieten billiger sind, aber sie möchte
unter keinen Umständen aus Eimsbüttel weg, sie wohnt hier seit 44
Jahren."
Diese Fallgeschichte lässt sich als
Plädoyer für die Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente
verstehen - und zwar sofort und nicht erst nach 2030 wie mächtige
politische Interessen das planen. Die neoliberale Lösung heißt
dagegen: Weiterarbeiten im Rentenalter und Kostensenkung durch Umzug.
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THELEN, Peter (2016):
Belohnung für harte Arbeit?
HB-Serie Zukunft der Rente (3): Gegen den Rat aller Experten hat
die Koalition Mütterrente und Rente ab 63 durchgesetzt. Nun warnen
Wissenschaftler vor neuen politischen Wagnissen - dieses Mal
vielleicht mit Erfolg,
in:
Handelsblatt v. 06.10.
Peter THELEN gehört zu jenen, die die gesetzliche Rentenversicherung
auf eine Grundsicherung (Fürsorge) zurechtstutzen wollen, weshalb
ihm einzig die Bekämpfung der Altersarmut als ein legitimer Grund
für eine Reform der gesetzlichen Rente gilt. Die Erhaltung des
Lebensstandards wird damit stillschweigend zur Aufgabe der
kapitalgedeckten Altersvorsorge erklärt. Aber selbst diese
Minimalziel wurde durch die Große Koalition gekippt:
"Für Langzeitarbeitslose zahl
der Finanzminister seit 2011 gar keine Rentenbeiträge mehr. Der
Schutz vor unverschuldeten Wechselfällen eines Erwerbslebens in
der Rentenversicherung wurde damit für aktuell 4,8 Millionen
Hartz-IV-Empfänger ersatzlos gestrichen. Sein Fehlen ist eine der
wichtigsten Ursachen für die in Zukunft vermehrt drohende
Altersarmut",
erklärt uns THELEN die
neoliberale Sicht. Altersarmut wird in dieser engen Sicht von Armut
mit Leistungsbezug aus der Grundsicherung gleichgesetzt, während ein
weiter Begriff von Armut von der Teilhabe an der Gesellschaft
ausgeht. In der Sprache der amtlichen Statistik wird hier
verharmlosend von "Armutsgefährdung" gesprochen. Gerade bei
Rentnern, die ihre Position im Gesellschaftsgefüge im Gegensatz zu
Jüngeren nicht mehr entscheidend verbessern können, ist eine solche
Sprachreglung zynisch.
Die neoliberale Lobbyorganisation INSM hat die HWWI-Forscher
Christina BOLL & Andreas LAGEMANN auf die solidarische
Lebensleistungsrente angesetzt, um deren Unbrauchbarkeit in
Sachen Armutsbekämpfung zu belegen. Diese Lebensleistungsrente wäre
jedoch unnötig, wenn das Niveau der gesetzliche Rente nicht sinken
würde und versicherungsfremde Leistungen nicht den Beitragszahlern
aufgebürdet würden. Das HWWI fordert dagegen eine Subventionierung
der Baubranche, was von THELEN und anderen Neoliberalen gerne als
"mehr Geld für Bildung" verschleiert wird.
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Lügen mit
Statistik: Das INSM-Auftragskurzgutachten
Wie beeinflusst ein höheres Rentenniveau das Nettoeinkommen der
Beitragszahler? in
den Medien
SCHWENN, Kerstin (2016): Nahles gegen stark
steigende Rentenbeiträge.
Die Arbeitsministerin will bald
erklären, welches Rentenniveau sie langfristig für angebracht hält.
Ökonomen haben berechnet, dass schon ein konstantes Niveau zu starken
Belastungen führt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.10.
"So verringerte sich das Nettoeinkommen eines
Alleinstehenden ohne Kinder im Jahr 2030 um 277 Euro im Jahr, wenn das
Rentenniveau bei 47,5 Prozent und der Beitragssatz bei 23,5 Prozent
lägen. Eine vierköpfige Familie mit zwei Durchschnittsverdienern hätte
sogar 560 Euro weniger im Jahr über",
erklärt uns
Kerstin SCHWENN die Berechnungen von Jochen PIMPERTZ & Martin
BEZNOWSKI im Auftrag der neoliberalen Lobbyorganisation INSM.
Man kann dieses Beispiel auf eine Ebene mit dem
in den Medien
falsch dargestellten Köchinnen-Beispiel des DGB und den
umstrittenen
WDR-Berechnungen stellen, die insbesondere von der FAZ/FAS
mit Vehemenz kritisiert wurden. Auch hier wird mit Statistik gelogen
bzw. eine Darstellung gewählt, die bewusst verzerrt ist.
SCHWENNs Behauptung, dass es sich um eine Belastung
im Jahr 2030 handelt, ist irreführend, denn die Autoren schreiben in
ihrem Lesebeispiel, das analog auf das Beispiel mit 2 Kindern
angewandt werden kann:
"Würden die getroffenen Annahmen
zur Beitragssatzentwicklung bereits heute gelten, bedeutet das für
einen Paar-Haushalt ohne Kinder mit zwei sozialversiche-rungspflichtig
Beschäftigen bei einem für diese Haushaltskonstellation
durchschnittlichen Einkommen" (2016, S.13)
Wir haben es also mit einer Form von Berechnung zu
tun, die derjenigen des WDR im April entsprechen, die einen Sturmlauf
der Arbeitgeberlobby ausgelöst hat. Dass nun IW Köln-Ökonomen uns
praktisch eine Kopie der WDR-Berechnungen - nur unter entgegen
gesetzten Vorzeichen vorsetzen, kann man eigentlich nur mit dreist
bezeichnen. Man darf also gespannt sein, ob diese Berechnungen
gleichfalls eine solche immense Medienaufmerksamkeit erhalten wie die
WDR-Berechnungen im April diesen Jahres.
Das arithmetische Mittel der Studie
ist nicht etwa repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland - noch
nicht einmal für die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten,
sondern berechnet sich aus einer "Auswahl von
Haushaltskonstellationen", die nicht begründet wird und bei der auch
nicht klar wird, inwiefern diese Auswahl repräsentativ ist für die
Bevölkerung in Deutschland, die 2030 Renten erhalten wird.
"Neben dem arithmetischen Mittel
für das sozialversicherungspflichtige Bruttoeinkommen und das
Markteinkommen werden auch die entsprechenden Mittelwerte für die
Haushalte der unteren Hälfte der Verteilung respektive der oberen
Hälfte der Verteilung berechnet, um eine Spannbreite von möglichen
Einkommenseffekten darstellen zu können",
wird uns erklärt. Weder die
Annahmen zur unteren noch zur oberen Hälfte werden begründet, sondern
einfach nach Kriterien festgesetzt, die nicht nachvollzogen werden
können.
SCHWENN greift zwei
Beispielrechnungen aus 12 IW-Fallbeispielen heraus: Der kinderlose
Alleinstehende betrifft ca. 5,1 Millionen erwachsene Personen in
Deutschland. Das Doppelverdiener-Paar betrifft nur ca. 1,1 Millionen
erwachsene Personen. SCHWENN greift insgesamt ca. 6,2 Millionen
Betroffene von 19,2 Millionen erwachsenen Betroffenen heraus, für die
das IW Köln uns überhaupt Beispielrechnungen vorlegt. Davon sind
lediglich ca. 16,2 Millionen Personen sozialversicherungspflichtig
beschäftigt.
In Deutschland gibt es heutzutage ca. 30 Millionen
sozialversicherpflichtige Beschäftigte, d.h. die Berechnungen des
IW decken lediglich ca. 50 % dieser Personen ab. Das Beispiel des
kinderlosen Singles betrifft ca. 17 %. Das Doppelverdiener-Paar noch
nicht einmal 4 %.
Das jährliche Bruttoeinkommen der
ca. 17 Prozent kinderlosen Alleinstehender besitzt eine Spannbreite
von 20.866 Euro bis 54.182 Euro. Das Beispiel von SCHWENN mit 277 Euro
Belastung bezieht sich auf das Durchschnittseinkommen von 38.193 Euro.
Die Stabilisierung des Rentenniveaus kostet diesen Single also 0,7
Prozent seines Jahresbruttoeinkommens. Dafür erhöht sich jedoch die
Standardrente um 6 Prozent, von dem dieser Single ebenfalls
profitieren würde. Dieser Nutzen wird von den Autoren jedoch nicht
berechnet, weshalb hier von einseitiger Betrachtungsweise gesprochen
werden muss. Analog könnte man dies auch für alle weiteren Beispiele
durchrechnen.
Fazit: SCHWENN stellt uns die
Berechnungen erstens falsch dar und zweitens bleibt die Nutzenseite
der Rentensteigerung unberücksichtigt. Die Berechnungen selber sind
nicht seriös, weil sie weder repräsentativ sind, noch nachvollziehbar,
weil die Annahmen, die diesen Berechnungen zugrunde gelegt werden,
nicht offen gelegt werden. Wir haben es hier also mit Propaganda einer
Lobbyorganisation zu tun. Dass die FAZ diese Berechnungen
unkritisch veröffentlicht, spricht nicht für die Qualität dieser
Zeitung!
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SCHWENN, Kerstin (2016): Balanceakt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.10.
Kerstin SCHWENN arbeitet weiter am
FAZ/FAS-Image
von Andrea Nahles. Die Sozialministerin soll - wie im Spiegel
- zum "guten Mädchen" aufgebaut werden, während sie der
Wirtschaftswoche als "böses Mädchen" gilt.
Vor der morgigen Tagung des
Koalitionsausschusses wird uns nochmals durch das Porträt von SCHWENN
der Wandel von NAHLES von der bösen Linken zur vernünftigen
Fachpolitikerin erklärt und NAHLES die Aufgabe zugeschrieben, die
Untergrenze des Rentenniveaus möglichst niedrig anzusetzen und
gleichzeitig für eine möglichst niedrige Obergrenze für die
Beitragssätze bis 2045 zu sorgen. Dafür soll NAHLES die Erhöhung des
Renteneintrittsalter betreiben.
"An diesem Donnerstag wollen sich
die Parteichefs im Koalitionsausschuss Nahles' Rentenideen anhören.
Unwahrscheinlich ist, dass eine neue Untergrenze für das Rentenniveau
noch von dieser Koalition ins Gesetzblatt befördert wird",
erklärt uns SCHWENN. Damit wäre
jedoch eine Rentenwahlkampf um diese Untergrenze unvermeidbar.
FAZ/FAS setzen hier auf die Vernunft der Fachpolitikerin,
ansonsten droht Liebesentzug wie bei der Durchsetzung von Rente ab 63
und Mütterrente!
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ALTENBOCKUM, Jasper von (2016): Haltelinien.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.10.
Wenn Jasper von ALTENBOCKUM König von Deutschland
wäre, würde er uns eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die
durchschnittliche Lebenserwartung und eine Bevölkerungspolitik als die
bessere Rentenpolitik verordnen.
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MOHR, Daniel
(2016): Fazzi muss zum Sozialamt.
Finanzplanung mit Mitte fünfzig (8 und Schluss): Die Rente des
Vaters reicht nicht, um die Pflege zu bezahlen. Fazzi Indecks muss als
Sohn seinen Beitrag leisten. Der Streit um den Elternunterhalt
beschäftigt die Juristen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.10.
Daniel MOHR erläutert an dem Aufsteiger Fazzi die
Finanzprobleme der so genannten Sandwichgeneration (Finanzierung des
Studiums des Kinds sowie der Pflege des Vaters) und gibt Tipps wie man
sich vor dem Sozialamt bei Elternunterhalt legal arm rechnen kann.
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EUBEL, Cordula (2016): Was bleibt.
Arbeitsministerin Andreas Nahles
will bald ein Konzept für eine Rentenreform vorsellen. Doch über viele
Punkte wird noch gestritten,
in:
Tagesspiegel v. 06.10.
Cordula EUBEL erzählt uns Bullshit über die
Rentenpolitik von Andrea NAHLES:
"Nach Seehofer und Gabriel fordert
nun auch Sozialministerin Nahles, die bereits geltenden Zielwerte bis
2030 zu überdenken und beim Rentenniveau eine »Haltelinie«
einzuführen."
Davon kann keine Rede sein.
Lediglich das Rentenniveau nach 2030 bis 2045 steht bezüglich einer
Untergrenze derzeit zur Debatte. Nur Gewerkschaften, Linke und
Sozialverbände wollen das Niveau bereits vor 2030 stabilisieren.
Das Sozialministerium hat letzte
Woche auch keine Berechnungen, die über das Jahr 2030 hinausgehen,
veröffentlicht, sondern verweigert uns beharrlich Einblick in die
Berechnungen, aus denen nur Medien zitieren, sodass ein Nachvollzug
nicht möglich ist.
Fazit: Keine Neuigkeiten bei EUBEL
über die Rentendebatte, dafür aber Stimmungsmache gegen eine Stärkung
der gesetzlichen Rente vor der Tagung des Koalitionsausschuss.
ARI (2016): Eine Anzahlung.
Kommentar: Rentenniveau,
in:
Tagesspiegel v. 06.10.
Der Kommentar sieht in Österreich hinsichtlich des
Rentenniveaus ein Vorbild.
"In dem Nachbarland zahlen auch
Selbständige in die Rentenversicherung, und außerdem wird die
Beamtenversorgung an die gesetzliche Rente angepasst",
wird uns erzählt. Warum aber wird
die Beamtenversorgung an die Rentenversicherung angepasst? Angeblich
ist diese doch besser. Wenn dem so wäre, dann müsste umgekehrt das
Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung der Beamtenversorgung
angepasst werden. Da ist also etwas oberfaul!
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MEISSNER, Juliane (2016): Uralt und immer noch fit.
Warum leben Menschen in bestimmten
Gegenden besonders lang? Forscher rätseln,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 06.10.
Nach den Methusalems werden uns nun
"Superhundertjährige", ein Club von Hundertzehnjährigen, als
neues Maß der Dinge in Sachen Methusalems vorgestellt.
"Von 46 Frauen und Männern (...)
stammen immerhin vier aus Italien. Nun hat eine kleine Studie einige
Bewohner der westitalienischen Region Cilento untersucht",
erzählt uns Juliane MEISSNER, die uns auch
Vilcabamba in Ecuador preist:
"vielleicht besser bekannt unter
dem Namen Tal der Hundertjährigen. Hier leben etwa 4000 Männer und
Frauen, überdurchschnittlich viele von ihnen werden 100 Jahre alt."
Was "überdurchschnittlich viele"
heißt, bleibt genauso im Dunkeln wie die Frage, ob solche Geschichten
nicht eher Mythen sind, weil Aufzeichnungen in abgelegenen, ländlichen
Gebieten selten überprüfbar sind. Die Frage, ob hier Phantome gejagt
werden, wird von MEISSNER ausgeklammert. Selbst in gut dokumentierten
westlichen Ländern sind Statistikleichen im Bereich der Hochaltrigen
nicht selten.
DÖRHÖFER, Pamela (2016): Viel zu Fuß über Stock und
Stein.
Ulla Rahn-Huber beschäftigt sich
mit glücklich Gealterten auf Sardinien, die zum Teil auch heute noch
ähnlich leben wie ihre Vorfahren in der Bronzezeit,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 06.10.
Pamela DÖRFHÖFER stellt uns die Buchautorin Ulla
RAHN-HUBER vor, die mit populärwissenschaftlichen Büchern den
Sensationsfunden der Hundertjährigenforschung nachreist: Zuerst
Okinawa in
Japan und nun Sardinien. DÖRHÖFER sieht den Ansatz von RAHN-HUBER
eher kritisch.
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DOEMENS, Karl (2016): Spannend wird es nach 2030.
Einige Fakten zu den
Rentenvorschlägen der Sozialministerin. Konzept im November,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 06.10.
"Im
Rentenversicherungsbericht 2005 hatte die Regierung für 2016
ein Rentenniveau von 46,8 Prozent und einen Beitragssatz von 19,4
Prozent vorausgesagt. Tatsächlich liegt das Niveau derzeit wegen
der guten Arbeitsmarktlage 0,8 Punkte höher und der Beitrag mit
18,7 Prozent 0,7 Punkte niedriger",
erläutert uns
Karl DOEMENS, um uns deutlich zu machen, dass die
Rentenversicherung sich besser entwickelt hat als
prognostiziert. Ein solcher Blick
ist nicht wertfrei, denn er hängt stark vom Vergleichszeitraum ab.
Zum Mindestrentenniveau bis 2045 erklärt uns DOEMENS:
"Denkbar wäre (...), dass sie die
im Gesetz bereits bis 2030 verankerte Untergrenze von 43 Prozent bis
zum Jahr 2045"
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BUTTERWEGGE, Christoph (2016): Krokodilstränen über die Armut.
Gastbeitrag: Die Eliten in
Deutschland ignorieren die Not der Betroffenen. Auch die große
Koalition versagt,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 06.10.
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Das
Positionspapier
Die Mehrheit im Blick des Seeheimer Kreis der SPD zur
Bundestagswahl 2017
RIEL, Aert van
(2016): Sozialdemokraten kopieren die CDU.
Der Seeheimer Kreis in der
SPD-Bundestagsfraktion hat Schwerpunkte für das Wahljahr 2017
formuliert,
in:
Neues Deutschland v. 06.10.
Aert van RIEL berichtet über
das Positionspapier des wirtschaftsnahen Seeheimer Kreis der SPD.
Dieser will einen Rentenwahlkampf vermeiden.
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SIEMS, Dorothea (2016): Jung sein ist in Deutschland am besten.
In keiner anderen Industrienation
finden 15- bis 29-Jährige so gut in den Arbeitsmarkt - sogar
Geringqualifizierte,
in:
Welt v. 06.10.
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EHRENREICH, Elian (2016): Leipzig tickt anders als
Dresden.
Die Bürgerstadt an der Pleiße wurde
von den Amerikanern befreit und von ihrer internationalen Messe
geprägt. Die Residenzstadt an der Elbe wurde schwer bombardiert und
hatte kein Westfernsehen. Das spürt man im einstigen "Tal der
Ahnungslosen" bis heute,
in:
Welt v. 06.10.
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KAISER, Tobias & Dorothea SIEMS (2016): Die Rente ist sicherer -
der Politik zum Trotz.
Finanzierung ist einer Analyse
zufolge nachhaltiger als noch vor wenigen Jahren. Verantwortlich
seinen die boomende Wirtschaft und gesetzliche Regelungen aus der Zeit
vor der Regierung Merkel,
in:
Welt v. 05.10.
KAISER & SIEMS wurde vom Versicherungskonzern Allianz eine Studie
zugespielt, die nun neoliberal interpretiert auf die Erhöhung des
Renteneintrittsalter fokussiert wird:
"Verantwortlich für die solidere
Finanzierung ist allerdings nicht die teure Rentenpolitik der großen
Koalition. Es sind vielmehr Gesetzesänderungen aus dem Jahr 2005, mit
denen die Frühverrentung gestoppt wurde. Die Regeln haben dafür
gesorgt, dass Angestellte heute weit später in Rente gehen als noch
vor einigen Jahren. Das durchschnittliche tatsächliche
Renteneintrittsalter sei seit der letzten Untersuchung dieser Art vor
zwei Jahren stark gestiegen, schreiben die Forscher auch wenn es
immer noch weit unter dem gesetzlichen Renteneintrittsalter liege,
behaupten
KAISER & SIEMS, denen positive Entwicklungen wie allen Neoliberalen
ein Grauen sind, weswegen sie uns mit Prognosen für das Jahr 2045 von
BMAS und BMWI-Berechnungen auf ihre
pessimistische Weltsicht herunterziehen wollen.
Fazit: Den Medien zum Trotz: Die
gesetzliche Rentenversicherung ist weit besser als ihr neoliberaler
Ruf!
KAISER, Tobias (2016): Nicht ohne Makel, aber stabiler als
gedacht.
Das Umlageverfahren des deutschen
Rentensystems profitiert vom starken Arbeitsmarkt - und davon, dass
die Deutschen länger erwerbstätig sind,
in:
Welt v. 05.10.
Tobias
KAISER erklärt uns, dass die Studie
keine eigenen Interessen der Allianz verfolge, was der internationale
Vergleich jedoch widerlegt. Denn uns wird ausgerechnet die Niederlande
als Vorbild empfohlen, denn dort ist die gesetzliche Rente nur noch
eine Grundsicherung, während die kapitalgedeckte Altersvorsorge für
den Lebensstandard sorgen muss. Dies hat dem Rechtspopulisten Geert
WILDERS mit zum Aufstieg verholfen, wie uns die FAZ im August
erklärte.
Die Allianz-Studie stützt sich auf
veraltetes Datenmaterial, denn zum Renteneintrittsalter werden uns die
Zahlen für das Jahr 2014 präsentiert, während für Deutschland längst
schon die Zahlen für 2015 vorliegen. Die Welt-Grafiken weisen
kein Erhebungsdatum aus, wodurch nicht ersichtlich sind, ob hier
überhaupt vergleichbare Zahlen vorliegen. Seriöse Berichterstattung
sieht anders aus!
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URBE, Wilfried (2016): Arm im Alter?
Fernsehen: Freie Filmschaffende
sind bei der Altersvorsorge auf die Pensionskasse Rundfunk angewiesen.
Doch das System drohte zu kippen. Nun wurde sich geeinigt,
in:
TAZ v. 05.10.
Die taz als Zeitung für die Kreativen interessiert die
Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung nicht, sondern nur
jene ihrer Klientel der Kreativen. Wilfried URBE berichtet deshalb
über die Situation bei der Pensionskasse Rundfunk (PKR). Wie auch in
anderen Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge gehen
Einigungen der Lobbyisten des Versorgungswerks zu Lasten der
Beschäftigten.
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BARON, Christian (2016): "Die Barons sind der
Sozialhilfe-Adel".
Was soziale Herkunft, Horrorfilme
und Bildungschancen miteinander zu tun haben? Unsder Autor hat es
erlebt,
in:
Neues Deutschland
v. 04.10.
Auszug aus dem Buch
Proleten Pöbel Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten
von Christian BARON.
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DOEMENS, Karl (2016): Renteneinheit steht in den
Sternen.
Die große Koalition schiebt die
geplanten Reformen zur Altersvorsorge vor sich her,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 05.10.
"SPD-Fraktionschef Thomas
Oppermann (fordert) öffentlich, das Thema aus dem Wahlkampf
herauszuhalten",
erzählt uns DOEMENS, ohne uns zu
verraten, dass OPPERMANN zum
wirtschaftsnahen Seeheimer Kreis gehört. Uns wird erklärt, was
beim morgigen "Koalitionsgipfel" in Sachen Rente auf der Agenda
stehen könnte. Ausgiebig werden noch einmal die Knackpunkte der
Ostrentenanpassung erörtert, um dann einen Kompromissvorschlag aus
dem Hut zu zaubern:
"Als Kompormiss schlägt das
Kanzleramt nach FR-Informationen vor, die Anpassung in fünf statt in
zwei Stufen vorzunehmen. Dadurch würde man Zeit bis 2023 gewinnen
und den Übergang etwas sanfter gestalten."
Danach wird uns erklärt, dass
dieser Kompromiss zu scheitern drohe, weil CSU-Chef Horst SEEHOFER
seinerseits eine Ausweitung der Mütterrente als Kompensation der
teuren Ostrentenanpassung verlangt. Der Kanzlerin schreibt DOEMENS
eine "defensive Haltung" in dieser Sache zu. Er schließt deshalb
darauf, dass dieses Projekt erneut verschoben werden soll.
DOEMENS, Karl (2016): Der unendliche Rentenstreit.
Kommentar,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 05.10.
"Nun macht CSU-Chef Seehofer die
Zustimmung zur Renteneinheit von einer weiteren Ausweitung der
Mütterrente abhängig, die seiner bayerischen Hausfrauenklientel
zugutekäme (...). Wer nun noch eine 6,5-Milliarden-Euro-Forderung
draufpackt, verpulvert entweder das Geld, das für eine Stabilisierung
des Rentenniveaus gebraucht wird. Oder er setzt darauf, dass beide
Forderungen am Ende scheitern. Möglich, dass Seehofer genau darauf
spekuliert", meint Karl DOEMENS.
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ROGGENTHIN, Klaus (2016): Ohne Rente aus dem Knast.
Gastwirtschaft: Die älteste
sozialpolitische Baustelle Deutschlands,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 05.10.
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MOROZOV, Evgeny
(2016): Die öffentliche Hand lässt mit sich verhandeln.
Politisches Geschäftsmodell:
Techfirmen übernehmen derzeit in vielen Ländern Nahverkehr,
Altenpflege und Sozialbau,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.10.
Evgeny MOROZOV erklärt uns welche
Vorzüge Public-Private-Partnership für High Tech-Firmen in den USA
haben. Das Scheitern von Obamacare wird nicht etwa schlechten Gesetzen
in neoliberaler Absicht angelastet, sondern dem Profitstreben der
Konzerne. Dass Kommunen, die durch neoliberalen Standortwettbewerb in
Finanznot geraten sind, nach jedem Strohhalm greifen ist kaum
verwunderlich. Public-Private-Partnership ist meist nur auf kurze
Sicht günstiger, während langfristig der Staat der Dumme ist, weswegen
die Unterscheidung von "guten" investiven und "schlechten"
konsumptiven" Ausgaben ein neoliberaler Irrweg ist.. Damit können die
wahren Kosten von staatlichen Projekten verschleiert werden.
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DPA/EPD (2016): Seehofer fordert mehr Mütterrente.
Der CSU-Chef stellt Bedingung für
die Angleichung der Ost-Bezüge,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.10.
"Die Anerkennung eines dritten Erziehungsjahrs für alle Mütter beläuft
sich (...) auf rund sieben Milliarden Euro jährlich",
wird gemeldet. Ob diese über den
Bundeszuschuss finanziert werden soll, oder wie bislang nur die
Beitragszahler belastet, wird uns nicht erklärt. Angela MERKEL wie
Andrea NAHLES verlangen den Wegfall der Höherbewertung. Iris GLEICKE
(SPD) interessiert dagegen nur, dass die Ostrentenangleichung kommt.
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GRÄBER, Berrit (2016): Bloß nichts überstürzen, nur um zu sparen.
Prämien für
Berufsunfähigkeitsversicherungen steigen im kommenden Jahr. Doch
Hektik beim Abschluss ist unangebracht. Vor allem Fragen nach früheren
Krankheiten in Ruhe beantworten,
in:
Welt
v. 04.10.
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SCHNELLENBACH, Jan (2016): Abschied vom mündigen
Verbraucher.
Der Volkswirt: Der Konsument soll
vor Fehlentscheidungen behütet werden. Er ist betreuungsbedürftig.
Dazu hat eine einseitige Lesart der Verhaltensökonomik beigetragen.
Doch die neuen "Marktwächter" sind keineswegs neutral,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.10.
Jan SCHNELLENBACH, Jahrgang 1973, der Gutachten für die FDP
verfasst, jammert uns die Ohren voll, weil der mündige Verbraucher als
Leitbild ausgedient habe. Einen mündigen Verbrauchen kann es jedoch
nur geben, wenn es Transparenz an den Märkten gäbe, was nicht der Fall
ist - und von den Unternehmenslobbyisten zudem mit allen Mitteln
verhindert wird.
Vor allem das Projekt
Marktwächter
ist dem Neoliberalen ein Dorn im Auge, denn der Staat solle sich nicht
in die Profitinteressen der Wirtschaft einmischen, sondern höchstens
durch staatliche Förderung die Wirtschaft subventionieren, so kann man
diese Position umschreiben. Speziell richtet sich die Kritik gegen den
Finanzmarktwächter und dessen Beirat, dessen Autoren wie z.B.
Barbara BRANDSTETTER regelmäßig für die FAZ über Finanzprodukte
schreiben. SCHNELLENBACH kritisiert den Einfluss auf die
Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), die
nicht unbedingt als Interessenvertreter der Verbraucher bekannt ist.
Die Bafin ist ein zahnloser Tiger, der von den
Finanzdienstleistungslobbyisten angekettet wurde, damit der
Finanzmarkt weitgehend ungehindert agieren kann.
Es ist ja eine bodenlose Frechheit,
wenn die Finanzdienstleistungsbranche die
Erhöhung
staatlicher Förderung für Geringverdiener und Besserverdiener
fordert, andererseits jedoch jegliches Risiko im Dienste der
Profitmaximierung auf die Verbraucher abgewälzt werden soll. Gerade
Geringverdiener bedürfen des besonderen Verbraucherschutz, denn sie
können sich das Verbrennen von Geld z.B. bei der Altersvorsorge -
anders als Besserverdiener - nicht leisten.
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BAUER, Jobst-Hubertus
(2016): Die Flexi-Rente nachbessern.
Votum,
in: Handelsblatt
v. 04.10.
Jobst-Hubertus BAUER,
Arbeitsrechtler, der mit Arbeitnehmervertretern verhandelt, erklärt
uns die Wünsche der Unternehmen, denen zum einen die
Hinzuverdienstgrenzen zu niedrig sind und zum anderen an einer
Begrenzung auf 5 Verschiebungen des Beendigungszeitpunkts des
Arbeitsverhältnisses innerhalb von 5 Jahren gelegen ist. Diese
Regelung soll die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer jenseits der
Regelaltersgrenze erhöhen.
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GOJDKA, Victor (2016): Die Studenten igeln sich
ein.
Die WG hat ausgedient: Die
Studenten von heute wohnen am liebsten alleine. Koste es, was es
wolle,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.
Alle Jahre wieder zu Semesterbeginn kommen Prediger
wie Victor GOJDKA, die uns das Lied von der Zunahme des Alleinwohnens
klagen. Seit 1978 das Nachrichtenmagazin Der Spiegel den
Anglizismus "Single" nach Deutschland einschleppte, grassiert bei uns
das Loblied auf die Kommune:
Wir leben zusammen nicht allein, hieß dieser Schlachtruf der
68er-Generation. Einigeln hieß in den anglophonen 1980er und
1990er Jahren noch
Cocooning. In Zeiten des neuen Nationalkonservatismus nun also
wieder mit einigeln zurückübersetzt. Ausgerechnet eine Grundschülerin
führt uns GOJDKA als Beweis für den Trend zum isolierten Alleinwohnen
an - eine Art Umkehrung à la 89er statt 68er! Journalisten sind eben
wenig originell, wenn sie sich zum Trendguru aufschwingen möchten.
"Die Zahl der Einzelapartments in
den Studentenwohnanlagen privater Immobilienentwickler hat sich seit
2010 verfünffacht",
will uns GOJDKA seinen angeblich
neuen Trend mit Zahlen belegen. Das sagt in erster Linie etwas darüber
aus, dass heutzutage vor allem private Investoren statt der Staat den
Wohnungsbau auf diesem Sektor bestimmen. Der Ökonom Tobias JUST
erklärt dies zum einen mit der Jagd nach Rendite und zum anderen durch
den Mangel an geeignetem Wohnraum für WGs. Schließlich hat sich die
Zahl der Studenten in den letzten Jahren drastisch erhöht - nicht
zuletzt durch die Verkürzung der Schulzeit. Und natürlich sind auch
die Helikoptereltern immer dafür gut, dass sie unerwünschte Trends
generieren. Viel problematischer erscheint jedoch die Tatsache, dass
hier ein Akademikermilieu herangewachsen ist, das ihre Kinder gegen
Emporkömmlinge aus der Nichtakademiker-Schicht abschotten möchte.
Ungefähr genauso altbacken wie
einigeln ist der Begriff "Biedermeier-Generation". Den benutzen alle,
die zu viel Trendforscherlektüre in sich hineingefressen haben. Der
Begriff entstammt dem Wörterbuch der 90er Jahre des
berüchtigten Matthias HORX. Offenbar leben immer noch etliche
Zeitgenossen in diesem vergangen Jahrzehnt.
"Immer mehr Wohngemeinschaften
beschreiben sich in ihren Annoncen von vornherein als sogenannte
»Zweckgemeinschaft«",
klagt der Autor, als ob es nie die
68er gegeben hätte, die den Post-68er-Generationen ständig
vorgehalten haben, dass sie die Kommune zur Zweck-WG verkommen haben
lassen. Die 68er haben sich dafür damit gerächt, dass sie
Zweck-WGs (Alleinwirtschaften) im Gegensatz zu Kommunen
(Zusammenwirtschaften) den Status von Alleinlebenden verpasst haben,
weshalb Wohngemeinschaften mit 5 Personen als 5 Einpersonenhaushalte
gezählt werden. Nur so viel zum ewig gestrigen Trend zum Alleinleben!
Zu Zeiten eines Florian ILLIES
hätte es ein solches Gejammer in der FAS nicht gegeben!
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LESSENICH, Stephan (2016): Die Welt zu Gast bei
Fremden.
Der Flüchtling verkörpert unser
soziales Ideal des aktiven, unternehmerischen Subjekts. Dennoch ist er
nicht willkommen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.
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BOLLMANN, Ralph (2016): Schluss mit der Rentenpanik!
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.
Ralph BOLLMANN will die gesetzliche
Rentenversicherung auf die Bekämpfung der Altersarmut beschränken,
weswegen für ihn die Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente
nicht in Frage kommt. Neue Argumente hat er dafür nicht zu bieten.
Die von Horst SEEHOFER ins Spiel
gebrachte Mütterrente sieht er nicht als Ausgleich für die
Ostrentenanpassung, sondern als Verhandlungsmasse in Sachen
Flüchtlingspolitik.
Die
Rentenprognose bis 2045 interpretiert BOLLMANN nicht als
dramatisch, sondern als Anzeichen einer entspannten Lage. Er entdeckt
nun sogar Generationen, statt nur Altersgruppen bei der Rentendebatte:
"Wer über die Neurentner des Jahres
2045 spricht, der redet über Menschen, die kurz vor dem Jahr 1980
geboren sind. Ein Mittdreißiger von heute hat Anspruch darauf zu
wissen, was er aus der staatlichen Rentenversicherung zu erwarten hat,
nachdem er ein Arbeitsleben lang die Altersbezüge der vorausgegangenen
Babyboomer finanzierte. Bei den Renten des Jahres 2045 geht es um
Wohltaten für die heute Jungen, nicht für die Alten. Das dreht die
Debatte auf erfrischende Weise um."
Das sehen die meisten Verfechter
von Generationengerechtigkeit jedoch ganz anders, weshalb sie um ein
möglichst niedriges Niveau der gesetzlichen Rente feilschen.
Spitzenreiter ist Peter THELEN
im
Handelsblatt, dem die prognostizierten 41,6 Prozent viel zu
hoch sind und der deshalb die Untergrenze auf 40 Prozent festlegen
will.
Für ihn sind die 1980 Geborenen auch nur unnütze alte
Transferempfänger.
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PLICKERT, Philip (2016): Ökonomen auf Sinnsuche.
Kaum eine Wissenschaft ist so
mächtig wie die Volkswirtschaftslehre. Aber sie hat sich vom echten
Leben entfernt,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.
Philip PLICKERT macht Werbung für sein Buch Die VWL
auf Sinnsuche. Man darf bezweifeln, dass die Ökonomie irgendetwas aus
der Finanz- und Wirtschaftskrise gelernt hat. Der Neoliberalismus wird
weiterhin unbeschadet von jeglicher Realität in unseren
Mainstreamzeitungen gepredigt. Phrasen wie "Empirische Evidenz" sind
Zeitgeist. Angeblich soll inzwischen zwischen Korrelation und
Kausalität unterschieden werden.
Gutachten der Politikberatung kennen diesen
Unterschied längst, er ist ihnen jedoch vollkommen egal, wenn es ihnen
nicht in den Kram passt. Bestes Beispiel dafür: Das Gutachten von
RÜRUP & GRUESCU aus dem Jahre 2003, mit dem das Elterngeld politisch
begründet wurde. Damals galt das Modewort "Opportunitätskosten" als
Wunderwaffe gegen die niedrige Geburtenrate in Deutschland. Dumm nur,
dass die angeblich hohe Kinderlosigkeit überhaupt gar nicht die
Hauptursache der niedrigen Geburtenrate in Deutschland ist, sondern
der gravierende Rückgang der Kinderreichen. Die Folge: Eine vehemente
Debatte über Kinderlosigkeit, die in erster Linie dafür sorgte, dass
jene, die sich mehr als zwei Kinder wünschten in Deutschland als
Aliens fühlten. Mehr Schaden hat eine
Ökonomie im bevölkerungspolitischen
Blindflug nie angerichtet als in der ersten Hälfte der Nuller Jahre.
Ökonomen und schon gar nicht Politikberater können für ihren Unsinn in
Haftung genommen werden, büßen muss das allein die Bevölkerung!
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OBERHUBER, Nadine (2016): Das leere Versprechen.
Lebensversicherer, die in
Aktienfonds anlegen, werben mit hohen Renditen. Vom Gewinn an der
Börse kommt beim Kunde nicht mal die Hälfte an,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.
"Trotz aller Unkenrufe, die
Lebensversicherung sei tot, (...) wittert die Versicherungszunft ein
gutes Geschäft: mit fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen.
(...). Dafür (...) werben die Anbieter mit dem riesigen möglichen
Kursgewinn (...). Genau das ist das Hauptargument, mit dem sich die
Fondspolicen über 800.000 Mal im Jahr verkaufen. Inzwischen ist schon
jede sechste Lebens- und Rentenversicherung eine auf Fondsbasis. In
ein paar Jahren wird die Fondspolice die klassische
Kapitallebensversicherung mengenmäßig überholt haben",
klagt uns Nadine OBERHUBER. Und
nicht nur sie, denn gegen dieses Produkt läuft die geballte
Medienberichterstattung der FAS/FAZ Sturm (mehr
hier,
hier und
hier,).
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KREMER, Dennis (2016): "Die
Lage ist bedrohlich".
Felix Hufeld, Deutschlands oberster
Finanzaufseher, sagt Banken und Lebensversicherern schwere Zeiten
voraus. Muss er bald die Deutsche Bank retten?,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.
Felix HUFELD sieht die Lebensversicherer nicht in
Gefahr, denn sie können ihre Risiken voll auf die Versicherten
abwälzen. Dazu haben sie einen großen Spielraum, denn:
"solange die Anbieter die
gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, haben wir uns in solche
Fragen nicht einzumischen. Es ist nicht die Aufgabe der Bafin,
Schulnoten für Finanzprodukte zu verteilen. Das können andere
besser als wir".
Die gesetzlichen
Voraussetzungen sind - dank Lobbyarbeit der Versicherungsbranche -
so lasch, dass hier nichts zu befürchten ist! Daran wird auch das
Kleinanlegerschutzgesetz nichts ändern. Es sieht eine "Pflicht zum
kollektiven Verbraucherschutz" vor - was immer man darunter
verstehen will...
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Das
21. Gutachten Wettbewerb 2016 der Monopolkommission in den
Medien
KREMER, Dennis (2016): Die unheimliche Macht der
ETF-Fonds.
Finanzgiganten wie Blackrock halten
Anteile an allen wichtigen Unternehmen der Welt. Das gefährdet den
Wettbewerb - und schadet im Zweifel uns allen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.
Dennis KREMER, der gerne Indexfonds als
Altersvorsorge propagiert, offenbart uns nun, dass solche Fonds eine
Art Trojanisches Pferd sind, mittels dessen Fondsgesellschaften wie
Blackrock, Vanguard und State Street
die Realwirtschaft prägen. Es
besteht Grund zur Annahme, dass dadurch der Wettbewerb reduziert wird,
denn über die Besonderheit von Indexfonds sind die großen
Fondsgesellschaften wiederum selber stark miteinander vernetzt.
Den Aufstieg der ETF-Fonds hätten
wir nicht zuletzt dem Ökonomie-Nobelpreisträger
Eugene FAMA zu verdanken, der gemäß KREMER die
Überlegenheit des Börsenindex über den Fondsmanager behauptete.
Fazit: Wer auf ETF-Fonds als
Altersvorsorge setzt, der stärkt damit die Macht weniger
Fondsgesellschaften, was dazu führen kann, dass die Kaufkraft sinkt
und damit noch mehr fürs Alter zurückgelegt werden muss. Gut für die
Finanzdienstleistungsbranche - fatal für jene, die auf die
kapitalgedeckte Altersvorsorge setzen.
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HAGELÜKEN, Alexander
(2016): Reiche und andere.
Samstagsessay: Ungleiche
Verhältnisse lassen sich nicht einfach dadurch beseitigen, dass der
Staat Geld umverteilt. Er muss auch dafür sorgen, dass die
Benachteiligten faire Chancen bekommen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.10.
Alexander HAGELÜKE erzählt uns die üblichen neoliberalen
Bildungsmärchen. Längst ist Bildung kein Garant für Aufstieg, denn
durch die Bildungsexpansion hat sich die Selektion vom Bildungssystem
in die Berufswelt verschoben. Elitenforscher wie Michael HARTMANN
sehen deshalb in der sozialen Herkunft die größte Hürde bei der
Chancengleichheit in der Arbeitswelt und nicht im Bildungssystem. Dort
suchen Personalchefs bevorzugt Ihresgleichen aus.
"Mittel- und Geringverdiener werden
in Deutschland über Gebühr belastet. Weil ab dem ersten Euro voll
Sozialabgaben abgehen, bleibt der stark gewachsenen Zahl der
Niedriglöhner zu wenig übrig. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent
greift schon bei Mittelschichtlern zu, die knapp 5.000 Euro verdienen
und damit weniger als das Doppelte des Durchschnitts",
erklärt uns HAGELÜKE.
In Ungleichheitsstudien wird jedoch nicht von Durchschnitt, sondern
vom Medianeinkommen gesprochen. Außerdem ist es merkwürdig, dass in
der SZ zwar bei der Debatte um die Altersarmut darauf insistiert wird,
dass das Haushaltseinkommen entscheidend ist, während uns HAGELÜKE
hier den alleinstehenden Single präsentiert, weil dies verschleiert,
dass die Akademikerschicht - und darum geht es bei dieser
Einkommensklasse - meist verheiratet ist und Familie hat - also
überproportional von Freibeträgen profitiert, die HAGELÜKE
verschweigt. Außerdem tut er so als ob Vermögende und Akademiker mit
hohen Einkommen zwei verschiedene Sachen wären, tatsächlich profitiert
die Akademikerschicht von der niedrigen Abgeltungssteuer genauso wie
der Reiche.
Fazit: Es ist Verdummung, wenn
HAGELÜKE Geringverdiener und akademische Mittelverdiener in einem
Atemzug zu den Opfern der Steuer- und Sozialabgabenpolitik stilisiert.
Jene, die kein Vermögen aufbauen können, sind die wahren Verlierer der
heutigen Politik - die obere Mittelschicht jedoch versucht sich zum
Opfer stilisieren, obwohl sie sich als Verbündete der Oberschicht
gegen die Interessen des Rests der Gesellschaft wendet. Sie obere
Mittelschicht profitiert dabei von der Existenz einer "gefühlten"
Mittelschicht, zu der sich auch jene zählen, die gar nicht gemeint
sind, wenn es um Steuerleichterungen geht.
Wer wie HAGELÜKEN einerseits die
Belastungen der Mittelverdiener reduzieren will und andererseits
Vermögende stärker belasten will, der will uns weismachen, dass das
zwei verschiedene Personen wären, obwohl es in Wahrheit ein und
dieselbe Person ist. Wir haben es hier mit Spiegelfechtereien zu tun.
Die Streichung des
Ehegattensplittings fordert HAGELÜKEN natürlich auch, aber er verrät
uns nicht, wer davon wirklich profitieren würde.
"Das wäre keine Umverteilung im
alten Stil. Es wäre keine pauschale Erhöhung von Sozialleistungen, die
abhängig machen, wenn sie von der Aufnahme einer Arbeit abhalten",
erklärt uns HAGELÜKEN. Ist das
vielleicht ein Plädoyer für die Rente mit 90?
Mit mehr Netto-für-Brutto ködert uns HAGELÜKEN.
Gerne, aber
dann sollten die Arbeitgeber dafür zum Ausgleich höhere Sozialabgaben
tragen.
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MAYR, Markus
(2016): Es lebe das Land.
Niedrige Mieten, keine Staus und
Natur vor der Tür: Immer mehr Menschen kehren den Metropolen den
Rücken. Marktredwitz in der Oberpfalz hat nach schweren Jahren so den
Umschwung geschafft,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.10.
"Der Niedergang von Marktredwitz, einer Kleinstadt im Fichtelgebirge
ist endlich gestoppt. Nach der Grenzöffnung war in den Neunzigerjahren
die heimische Textilindustrie mitsamt Tausender Arbeitsplätze nach
Osten verschwunden, zurück blieben Brachen und leere Häuser. Doch seit
zwei Jahren hat sich der Trend umgekehrt. Marktredwitz wächst wieder,
die Zahl der Arbeitsplätze steigt",
erklärt uns Markus MAYR, der ein
Loblied auf die neue Landlust singt.
"Würzburg zum Beispiel ist
tatsächlich geschrumpft. In den vergangenen fünf Jahren hat die
Großstadt beinahe 20.000 Einwohner verloren, fast sieben Prozent",
behauptet MAYR, der ganz
offensichtlich die Zensusberichtigung 2011, bei der die Einwohnerzahl
von
Würzburg um 9.500 Einwohner nach unten korrigiert wurde, mit dem
realen Wanderungsgeschehen vermengt hat. Lediglich im Jahr 2014 hat
die Stadt ca. 500 Einwohner verloren, im Jahr 2015 ist die Zahl jedoch
um ca. 3.000 auf
127.243 Einwohner gestiegen. Von einer Qualitätszeitung müsste man
eine bessere Recherche erwarten können.
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ECKERT, Daniel
(2016): Aktien sichern den Wohlstand im Alter.
Renditen wie früher: Dax-Papiere
werfen eine Dividende von mehr als fünf Prozent ab. Wahre
Ertragsperlen gibt es aber außerhalb des Leitindex,
in:
Welt v. 01.10.
"Im Grunde wollen Anleger über Aktien Teilhaber von Unternehmen
werden, die über Jahre stabile Erträge erbringen und Abstürze
vermeiden. Wenn das gelingt, dem winken langfristig gesehen Renditen
von acht Prozent. (...).
Als sicherer Kurs für den langfristigen Erfolg an der Börse hat sich
die Dividendenstrategie erwiesen",
will uns Daniel ECKERT ködern. Es
gibt keinen sicheren Kurs und erst recht keine sichere Strategie, denn
sonst müssten Analysten, die einmal den Königsweg gefunden haben,
langfristigen Erfolg haben, was nicht der Fall ist. Lass Dir von 10
Journalisten die beste Strategie der Altersvorsorge erklären, dann
erhältst Du 10 verschiedene Antworten, die sich meist noch
widersprechen. Unschlagbar ist derzeit allein die gesetzliche
Rentenversicherung!
Der Artikel Von ECKERT ist
lediglich PR für ein Start-up und seinen Buchautor.
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EISENRING, Christoph (2016): Augenwischerei mit der Rente.
Wissenschaftler wollen das
Pensionsalter automatisch an die Lebenserwartung anpassen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.
Christoph EISENRING lässt die Schweizer nach Deutschland blicken, denn
dort ist das Lieblingsprojekt der Neoliberalen schon weiter
vorangeschritten: die Rente mit 67. Der
wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums und dessen
Prognose wird mit dem in Zürich lehrenden Ökonomen Hans GERSBACH
personifiziert.
Positive Entwicklungen sind
Neoliberalen ein Grauen, denn sie behindern geplante Reformen.
Bevölkerungsvorausberechnungen dienen Neoliberalen deshalb zur
Wiederherstellung der pessimistischen Weltsicht, in der Reformen als
alternativlos dargestellt werden können. Wir leben in einem
demografischen Zwischenhoch, danach kommt wieder der Abgrund, so das
Credo. Dieses Zwischenhoch manifestierte sich jedoch aus dem Nichts
des "Großen Schrumpfen" aus der Kristallkugel unserer Neoliberalen.
"Auch wenn die Geburtenrate von
einem Tief von 1,35 Kinder pro Frau jüngst auf 1,47 gestiegen sei, sei
jede Generation etwa ein Drittel kleiner als die vorangehende, liest
man im Bericht. Entsprechend rasch altert die Gesellschaft. Derzeit
müssen 100 Personen im Erwerbsalter für 35 aufkommen, die älter als 65
sind. Im Jahr 2040 gilt es schon 57 Ältere zu unterstützen. Besser
sieht es aus, wenn man die Grenze bei 67 statt 65 Jahren zieht. Dann
gibt es 2040 auf 100 Personen im Erwerbsalter 50 Rentner, was aber
immer noch viel höher ist als heute",
beschreibt uns EISENRING das
Szenario, ohne uns dessen Voraussetzungen zu erklären, denn
Neoliberalen geht es nicht um Treffsicherheit, sondern um
postdemokratische Politikdurchsetzung. Davon, dass jede Generation
etwas ein Drittel kleiner ist als die vorangegangene, kann keine Rede
sein. Dieses neoliberale Märchen wurde
hier widerlegt. Wie sich innerhalb von nur einem Jahr die Sicht
auf die Bevölkerungsentwicklung drastisch ändern kann, das zeigt das
Beispiel von Martin BUJARD, eines
Mitarbeiters des Instituts für Bevölkerungsforschung, das kaum unter
Verdacht steht, positive Sichtweisen zur Demografie zu verbreiten.
Den Schweizern wird die von Axel
BÖRSCH-SUPAN viel gepriesene postdemokratische Technokratenlösung
einer Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung
genauso vorgeschwärmt wie uns Deutschen.
Erst
kürzlich wurde darauf hingewiesen, dass sich die Lebenserwartung im
Alter drastisch ausdifferenziert hat - die Technokratenlösung
privilegiert also die obere Mittelschicht, die
wesentlich länger lebt als der Rest der Gesellschaft.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
GMÜR, Heidi
(2016): Mehr Langeweile, bitte!
Der Nationalrat hat in der
Herbstsession mit der Zuwanderung und der Altersvorsorge zwei
ausserordentlich bedeutende Dossiers behandelt. Es gab Spektakel -
zulasten solider Mehrheiten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.
STALDER, Helmut & Christof
FORSTER (2016): Rentenreform weit weg vom Ziel.
Nach turbulenter Debatte im Nationalrat
ist der Ständerat am Zug,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.
FORSTER, Christof (2016): Bund und Arbeitgeber rechnen anders.
Unterschiedliche Annahmen zur
zweiten Säule erklären die Kostenunterschiede bei den
Kompensationsmodellen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.
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RIST, Manfred (2016): Asien vor der Alterslawine.
Der Kontinent ist schlecht auf
die alternde Bevölkerung und rasche Verstädterung vorbereitet,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.
Man kennt diese
internationalen Vergleiche in neoliberaler Perspektive aus Deutschland
und allen anderen neoliberalen Ländern. Begriffe wie "dramatisch"
werden uns im Maschinengewehrtakt um die Ohren gehauen, um die
Dringlichkeit von Reformen im eigenen Land deutlich zu machen. Das
geht den Schweizern genauso wie den Deutschen. Manfred RIST blickt
nach Asien, nur um den Schweizern ihre eigene Situation vor Augen zu
führen. Dazu dient ihm die Entwicklung von Singapur als Beispiel:
"Singapur, das heute eine
Bevölkerung von 5,6 Mio. zählt, (...) gilt (...) als Paradebeispiel
der demografischen Veränderung. Die Zahlen sprechen eine deutliche
Sprache: 1970 belief sich das Verhältnis der Erwerbstätigen pro
Rentner hierzulande auf 13,5:1. Vor zehn Jahren stand diese Kennzahl
bei 6,9. Heute liegt sie bei 4,7, und für 2030 ist 2,3 prognostiziert.
Letztere ist eine Ziffer, die man in der Schweiz erst für 2050
erwartet. (...).
Das offizielle Rentenalter beträgt immer noch 62, doch längst hat die
singapurische Regierung durchblicken lassen, dass man nicht um eine
Erhöhung auf 67 herumkommt."
In der Schweiz wollen die
Neoliberalen bekannt ebenfalls die Rente mit 67 durchsetzen. Die
gesetzliche Rente in Deutschland entspricht der AHV in der Schweiz,
die wiederum RIST mit jener in Singapur vergleicht:
"Im Alltag hat sich längeres
Arbeiten, der Not gehorchend (...) weitherum durchgesetzt. 70- oder
gar 80-Jährige, die Jobs als Aufseher, in Putzequipen, als Taxifahrer
oder Verkaufspersonal ausüben, sind absolut normal. (...).
Das Pendant zur AHV, der Central Provident Fond (CPF), reicht in der
Regel nämlich nicht einmal zur Existenzsicherung aus."
Der singapurische
Generationenvertrag wird genauso als brüchig beschrieben wie in
Deutschland bzw. der Schweiz:
"Etwa wegen der Lebensgewohnheiten
in der Konsumgesellschaft, die diese traditionellen asiatischen Werte
zunehmend unterlaufen. Auch wegen längerer Ausbildungszeiten, die
damit zusammenhängen, dass jeder Zweite einen Hochschulabschluss
anstrebt. Dazu kommt die gestiegene Lebenserwartung, die mit
durchschnittlichen 82,5 Jahren auf ein nordeuropäisches bzw.
japanisches Niveau zustrebt, was zunehmend auch mit horrenden
Pflegekosten verbunden ist."
Das von konservativen Soziologen
viel gepriesene "Ganze Haus" nennt RIST "Shophouse" und auch die
Flexibilität der Arbeitsmärkte sowie Angst vor Überfremdung bedient:
"Anstelle des klassischen Shophouse,
das Wohn- und Arbeitsort vereint, prägen heute Migrationswellen die
Arbeitsmärkte."
Die Verstädterung wird jedoch - im
Gegensatz zu Deutschland und der Schweiz - als Problem für ältere
Menschen beschrieben:
"Für ältere Lungen ist die Luft in
Grossstädten wie Peking lebensgefährlich; für Gehbehinderte ist Manila
fast eine Todesfalle; für Rollstuhlfahrer gibt es in Jakarta oder
Bangkok kein Fortkommen".
Der Pflegenotstand, die
Kostenexplosion und der Alten-Export wiederum wird analog zu
neoliberalen Ländern beschrieben:
"Vorderhand leistet Pflegepersonal,
das meistens aus den Philippinen stammt, für umgerechnet 500700 Fr.
pro Monat Abhilfe; dieses Heer an Hilfskräften, die als «domestic
helpers» auch in Hongkong gang und gäbe sind, machen im Stadtstaat
bereits knapp 5% der Bevölkerung aus. Bereits gewöhnt man sich auch an
den Gedanken, dass Alters- und Pflegeheime im benachbarten Malaysia
sehr viel günstiger sind, die Pflege während der oft problematischen
letzten Lebensjahre also über die Grenze verlagert werden kann, wo
sich die Hektik, Platznot und Preise in Grenzen halten. Singapur steht
demgegenüber vor einer Kostenexplosion: Gemäss einer Studie werden
sich die Gesundheitskosten für Ältere bis 2030 auf 49 Mrd. $
verzehnfachen."
Wenn uns Neoliberale die Welt
beschreiben, dann erfahren wir wenig über die Welt, aber viel über
unsere Neoliberalen und deren Weltbild. Neoliberalismus ist nichts als
ein Spiegel, in dem wir immer nur uns selber sehen: Narzissmus!
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KIRCHNER, Christian (2016): "Bloß nicht die Nerven
verlieren".
Mit seinen Mischfonds setzt Bert
Flossbach auf risikoscheue Anleger. Ein Gespräch über
Inflationsängste, die Zuverlässigkeit von Prognosen - und den
ungebrochenen Reiz von Gold,
in:
Capital, Oktober
Gerne werden uns derzeit
ETF-Indexfonds als Altervorsorge gepriesen, die vor allem die Macht
der Fondsgesellschaft Blackrock vergrößern. Bert FLOSSBACH propagiert
dagegen Mischfonds - nicht uneigennützig, denn als Anbieter muss
er schließlich deren Vorteile hervorheben:
"Es wäre fatal, die Renditen der
vergangenen drei bis fünf Jahre einfach fortzuschreiben - sie werden
bei passiven Anlagen weit darunter liegen. (...)
Viele ETFs auf Hochzinsanleihen gaukeln zudem eine Liquidität vor, die
es gar nicht gibt. Sie halten Vermögenswerte, die im Krisenfall
unverkäuflich sind."
FLOSSBACH schürt unsere Ängste,
wenn er - z.B. mit Blick auf Japans Geldpolitik, nicht nur eine
Bankenkrise, sondern gleich eine Vertrauenskrise des Geldsystems
beschwört. Man darf bezweifeln, dass uns ein Mischfonds von FLOSSBACH
dann retten könnte.
KIRCHNER, Christian (2016):
Aus der Balance.
Wer Kursrisiken seines Aktiendepots
nivellieren will, greift meist zu Anleihen. Doch mittlweile sind
festverzinsliche Papiere selbst zum Risikofaktor geworden. Was Anleger
tun können,
in:
Capital, Oktober
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ERNST, Heiko (2016): Das stille Ich.
Müssen wir uns abstrampeln, ständig
für uns selbst trommeln, um Erfolg zu haben, respektiert und beachtet
zu werden? Ganz und gar nicht, wie neue Erkenntnisse der Psychologie
zeigen. Es gibt gute Argumente für ein "leiseres" Auftreten,
in:
Psychologie Heute, Oktober
ERNST, Heiko (2016): Das stille Ich: Ein Ergebnis
von Reife?
Je älter wir werden, desto besser
können wir auf ein aufgeblähtes Ego verzichten. Zu diesem Schluss kam
die amerikanische Psychologin Jane Loevinger in ihrer neunstufigen
Theorie der Ich-Entwicklung,
in:
Psychologie Heute, Oktober
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REHAHN-SOMMER, Sabine (2016): Das ungeborene Kind.
In der 12. Schwangerschaftswoche
verliert eine Frau ihr Kind. Seitdem quält sie sich mit
Schuldgefühlen. Hat das Ungeborene gespürt, dass es nicht wirklich
erwünscht war?
in:
Psychologie Heute, Oktober
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EISENRING, Yvonne (2016): Gib alles für die Liebe!
Wir investieren in die Karriere und
optimieren uns selbst. Aber er etwas für die Liebe aufgibt, wird
belächelt: als altmodisch und weltfremd. Solange wir so denken, werden
wir ihn nie erleben, den Rausch, den Megaflash. Hier erzählen echte
Romantiker, warum sie sich für das große Gefühl entschieden haben,
in: Neon, Oktober
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NEON (2016): Ehrliche Kontaktanzeigen,
in: Neon,
Oktober
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KÖHLER-RAMA, Tim
(2016): Merkel und die Rente.
Kommentar: Der Rentenpolitik der
Regierung Merkel seit 2005 fehlt die Programmatik,
in:
Zeitschrift für Sozialreform, Heft 3, S.341-350
Tim KÖHLER-RAMA kritisiert, dass
das Drei-Säulen-Modell der Alterssicherung, das weiterhin von der
Regierung als Maß der Dinge propagiert wird, nicht hält, was es
verspricht: die Lebensstandardsicherung im Alter. Der Regierung wird
Pragmatismus vorgeworfen, der sich am Machterhalt orientiere.
"Insgesamt folgt Merkel seit 10
Jahren dem von Schröder vorgegebenen »Rentenpfad«. Die erste Säule
wird sukzessive abgeschmolzen. Zugleich wird das »Mehr-Säulen-System«
aber nur zaghaft ausgebaut. (...). Eine Verpflichtung zur privaten
Vorsorge würde Widerstände in der Bevölkerung, eine Rücknahme der
Teilprivatisierung bzw. Wiedereinführung der paritätischen
Finanzierung der gesetzlichen Rente würde Widerstände bei den
Arbeitgebern wecken. Beides versucht Merkel zu vermeiden",
kritisiert KÖHLER-RAMA. Er
kritisiert, dass die Untergrenze des Rentenniveaus weder geeignet sei
den Lebensstandard zu sichern, noch die Armutsvermeidung. Letzteres
folgt aus der Tatsache, dass der Standardrentner nicht repräsentativ
sei. Deutschland sei im OECD-Vergleich zu wenig armutsfest:
"Geringverdienende haben in
praktisch allen Ländern deutlich höhere Ersatzraten, d.h. bei der
Rentenberechnung werden niedrige Einkommen höher gewichtet. Dies lässt
sich nicht nur sozialpolitisch gut mit der durchschnittlich kürzeren
Lebenserwartung und damit kürzerer Rentenbezugszeit von
Geringverdienern begründen, sondern dient vor allem dem Ziel der
Armutsvermeidung."
KÖHLER-RAMA meint, dass dieses
Manko durch das Festhalten am des Versicherungsprinzips begründet ist.
Tatsächlich wird gerne mit dem Argument der versicherungsfremden
Leistungen argumentiert. Wenn jedoch solche Fürsorgeelemente, die
sowieso schon im gesetzlichen Rentensystem vorhanden sind,
steuerfinanziert werden, dann kann es dagegen auch keine Einwände
geben. Dies wird jedoch leider nicht so gehandhabt.
KÖHLER-RAMA kritisiert zu Recht,
dass in der Rentendebatte die Inanspruchnahme der Grundsicherung gerne
als Armutsschwelle definiert wird. Er sprich deshalb vom
"wegdefinieren" des Armutsproblems.
"Noch liegt die Armutsquote Älterer
mit - je nach Datenlage rund 15-16 Prozent - im Bereich der
Armutsquote der Gesamtbevölkerung. Altersarmut wird aber steigen, weil
das Renteniveau sukzessive sinkt und das System nicht armutsfest ist."
Amtsdeutsch wird diese Armutsquote
mit "Armutsgefährdung" übersetzt. KÖHLER-RAMA bemängelt das Fehlen
einer Mindestrente bzw. Grundrente. Sein Fazt:
"Die Grundsicherung im Alter ist
keine Mindestleistung des staatlichen Alterssicherungssystems, sondern
eine Fürsorgeleistung für bedürftige alte Menschen. Sie dient nicht
der Armutsvermeidung, sondern der Existenzsicherung. Die
Grundsicherungsquote als Armutsindikator einzuführen bedeutet daher
eigentlich sogar die Aufgabe des Ziels der Armutsvermeidung mithilfe
staatlicher Alterssicherung."
Als Ziele einer angemessenen
Rentenpolitik formuliert KÖHLER-RAMA:
- Vermeidung von massenhafter Altersarmut
- Angemessene Alterssicherung für langjährig Versicherte
- Akzeptanz für das staatliche Alterssicherungssystem.
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SCHOBIN, Janosch (2016): "Armenbestattungen" im
modernen Sozialstaat.
Zeitliche Entwicklung, Ursachen und
Probleme des Ordnungsbestattungswesens in deutschen Groß- und
Mittelstädten,
in:
Zeitschrift für Sozialreform, Heft 3, S.301-329
Der Soziologe Janosch SCHOBIN
beschäftigt sich in dem Beitrag mit den Gründen für die Zunahme von
anonymen Armenbestattungen, die bislang vorwiegend ein Fall für
reißerische Zeitungsberichte über einsames Sterben oder Berichte über
die Kostenexplosion waren. SCHOBIN zitiert lediglich Zeitungsberichte
seit dem Jahr 2007, obwohl das Thema schon länger akut ist. Peter
Philipp SCHMITT bringt es z.B.
2004 in der FAZ mit Sozialstaatsreformen in Zusammenhang:
"Eine Beerdigung ist teuer: Im
Schnitt zahlt ein Deutscher 5.000 Euro. Noch in den achtziger Jahren
erhielten Angehörige, die für die Bestattung aufkamen, mehr als 4.000
Mark von der Versicherung des Verstorbenen. In den neunziger Jahren
wurde das sogenannte Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen
mehrfach reduziert. Bis zum vergangen Jahr waren es dann noch rund 500
Euro. Am 1. Januar 2004 wurde der Zuschuß endgültig gestrichen.
Zugleich stieg die Zahl der Toten, die von den Kommunen bestattet
werden müssen, deutlich an: In Hamburg waren es 1998 rund 380, im
vergangenen Jahr waren es schon mehr als 800.Und in den ersten vier
Monaten dieses Jahres wurden bereits 265 Tote ohne Angehörige auf dem
dafür zuständigen Friedhof Öjendorf beigesetzt; allerdings läßt sich
die Zahl nicht einfach mit drei multiplizieren, da in den
Wintermonaten mehr Menschen sterben als im Sommer."
Die Ursachenanalyse zum Thema stößt
jedoch auf ein gravierendes Datenproblem, denn es gibt keine
systematische, und erst Recht keine bundesweite Erfassung von so
genannten Ordnungsbestattungen. Wenn überhaupt, dann wird lediglich
das Geschlecht festgehalten. Selbst in Großstädten oder gar Metropolen
ist die Erfassung kaum und wenn, nur sehr lückenhaft. Wenig
erstaunlich, dass sich SCHMITT auf Hamburger Zahlen bezieht, denn
Hamburg gilt in Sachen Statistik als Pionier:
"Exemplarisch kann der zeitliche
Verlauf am Fall der Stadt Hamburg erläutert werden, die Daten zu
Bestattungen von Amts wegen schon seit 1994 erhebt. Es zeigt sich,
dass das Problem der Bestattung von Personen ohne oder ohne
bestattungswillige Angehörige Mitte der 1990er Jahre nahezu unbekannt
war. Die Anzahl der ordnungsamtlichen Bestattungen stieg dann jedoch
rapide an. Um 2004 herum stagnierten die absoluten Zahlen",
erklärt uns SCHOBIN. Der Artikel
von SCHMITT würde also just in jene Zeit fallen, in der das Phänomen
sich nicht dem Trend folgend ausweitet, sondern stagniert. Dies hängt
jedoch gemäß SCHOBIN damit zusammen, vor allem damit zusammen dass
seitdem jene Generation stirbt, die viele Kinder geboren haben und
eine geringe Scheidungsrate aufwiesen. Dieser Trend kehrt sich
zukünftig um. Auch SCHOBIN bringt das Phänomen der Armenbestattungen
mit dem Wandel des Sozialstaats zusammen:
"Die Frage lautet nun, was
passiert, wenn die Institutionen eines gewährleistenden, aktivierenden
Wohlfahrtsstaates (Lessenich 2008, Vogel 2007), die ihre Rolle
idealiter in der Mobilisierung und Entwicklung individueller
Ressourcen und der Herstellung eines minimalen Sicherheitsniveaus
sehen, zusehends mit den Anforderungen eines »fürsorgenden«
Sozialstaates konfrontiert werden, der stellvertretend jenen Platz im
Leben der Einzelnen einnehmen soll, den vorher normativ integrierte
soziale Nahwelten wie Familien, Verwandtschaften und Nachbarschaften
ausgefüllt haben. Die Legitimationslogiken, aber auch die
Rechtspraktiken des aktivierenden, gewährleistenden Sozialstaats
kommen dabei aus offensichtlichen Gründen an ihre Grenzen. Das
Ordnungsbestattungswesen kann demnach als exemplarischer Ort der
Erprobung eines neuen - oder vielleicht auch eines rückkehrenden -
fürsorglichen Verhältnisses zwischen Staat und Individuum angesehen
werden." (2016, S.302)
Man sollte SCHOBIN hier nicht
missverstehen. Der Soziologe interessiert sich keineswegs für die
Mittellosen, die Dementen oder Bindungslose, sondern im Gegenteil: Es
geht ihm lediglich um die privilegierte Schicht des individualisierten
Milieus, obwohl diese Gruppe eher nur einen kleinen Teil des Phänomens
zu betreffen scheint - wirkliche Erkenntnisse muss die Studie aufgrund
der Datensituation schuldig bleiben. SCHOBIN stellt 3 Ursachen heraus,
die er anderen Studien entnimmt:
1) Effekt der Intersektion von
Geschlecht, Armut und Kinderlosigkeit:
"Männer mit niedrigen
Bildungsabschlüssen sind (...) eine der sozialen Gruppen mit besonders
hoher Kinderlosigkeit (Schmitt 2004). Bei ihnen treten demnach oft
zwei Konditionen gleichzeitig auf, die gute Prädiktoren für soziale
Isolation sind und die zudem systematisch zusammenhängen: Armut und
schwache Familienbindung (...). Zusammengenommen ist daher die
Vermutung triftig, dass Männer verglichen mit Frauen deshalb so häufig
vom Amt bestattet werden, weil sie häufig zugleich vereinsamt und
verarmt sind." (2016, S.317)
SCHOBIN verweist darauf, dass
bislang in erster Linie Frauen im Fokus der Einsamkeitsforschung
stehen, was im Lichte dieser Erkenntnis revidiert werden müsste.
2) Scheidungsfolgen: Männer wurde
im Zuge der feministischen Bewegung nach Scheidungen der Umgang mit
Kindern seltener gestattet, wodurch es zu Entfremdung kommt. Kinder
können gemäß SCHOBIN zwar zur Übernahme der Kosten, aber nicht zur
Bestattung gezwungen werden.
3) Verschiebungseffekt: Durch die
geringere Lebenserwartung von Männern sterben bereits mehr
Männer als Frauen aus den geburtenschwachen Jahrgängen.
SCHOBIN teilt die von
Armutsbestattung Betroffenen in defizitäre Lebensformen (Kinderlose,
Partnerlose, Geschiedene und sozial Isolierte) und selbstgewählte
Lebensformen ein:
"Hoch individualisierte
Einzelgängerinnen, Freundschaftszentrierte (...) und queere Menschen
(...) etwa, die durchaus Kinder und Partner haben können, ihnen aber
eine weniger prominente Rolle zuweisen" (2016, S.319).
Lediglich den Problemen dieser
privilegierten Gruppe widmet sich SCHOBIN ausführlicher, nachdem er
vier typische Fälle unterschieden hat:
1) Der/die Verstorbene hat keine
gesetzlichen Angehörigen
2) Der/die Verstorbene hat Angehörige, aber sie können nicht
rechtzeitig ausfindig gemacht werden
3) Die Angehörigen sind bestattungsunwillig
4) Die Angehörigen sind bestattungsunwillig aber mittellos, das
Sozialamt weigert sich, die Kosten vorzustrecken, (oder agiert
langsam,) und die Bestatter weigern sich, den/die Verstorbene/-n ohne
eine klare Zusage der Übernahme der Kosten durch das Sozialamt zu
bestatten.
Fall 1-3 stellt für
Freundschaftszentrierte, um die sich SCHOBIN besonders kümmert, kein
Problem dar, weil dies in der Regel informell gelöst werden kann.
"Hochproblematisch sind (...)
Amtspraktiken, die den nicht-verwandten Hinterbliebenen die
Möglichkeit verwehren, der Bestattung beizuwohnen und auf die
Gestaltung der Beerdigung einzuwirken. Das wird sich häufig mit
einsamen, namenlosen Begräbnissen decken. Der korrekte Grund für den
Unmut der nicht-verwandten Hinterbliebenen ist dann aber nicht die
»sittenlose« Art des Begräbnisses, sondern dass hier die verfassungs-
und gewohnheitsmäßigen Rechte des Verstorbenen und seiner
Hinterbliebenen verletzt wurden",
meint SCHOBIN. Handlungs- und
Empörungsbedarf möchte er hinsichtlich des vierten Falles wecken, weil
das Sozialgesetzbuch Ursache dafür ist, dass die "bestattungswilligen
aber mittellosen Angehörigen systematisch zwischen Ordnungsbehörde und
Sozialamt »zerrieben«" werden und sich dann mit einer unwürdigen Form
der Bestattung abfinden müssen. Zusammenfassend sieht SCHOBIN
hauptsächlich bei hochindividualisierten Einzelgängern,
Freundschaftszentrierten und Geschiedenen Passungsprobleme zwischen
gesetzlichen Regelungen und Lebenswirklichkeit.
Fazit: In dem Beitrag wird eher
eine privilegierte Minderheit in den Mittelpunkt gestellt. Schuld
daran hat auch die Datenlage, die eine systematische Erfassung des
Phänomens derzeit unmöglich macht. Dies ist der eigentliche Skandal.
Am ehesten gelangen Armutsbestattungen als Kostenfaktor in den
Blickpunkt. Daneben haben am ehesten noch die Kirchen ein
Eigeninteresse an dem Phänomen, inwieweit dies jedoch mit den
Interessen der Betroffenen übereinstimmt, ist eine andere Sache.
Kritisch wird das Phänomen von der Bestattungsbranche gesehen, der es
in erster Linie um entgangene Profite geht. In dieser Sicht laufen
Bestrebungen, dass Menschen ihre Bestattung möglichst frühzeitig
selber regeln. Altersvorsorge ist nicht mehr nur eine Frage der
Versicherungswirtschaft!
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BUJARD, Martin & Kai
DRESCHMITT (2016): Szenarien der Bevölkerungsentwicklung bis 2060.
Wie beeinflussen Migration und
Geburten Deutschlands Zukunft?
in:
Gesellschaft · Wirtschaft · Politik, Heft 3, S.333-345
BUJARD & DRESCHMITT beschreiben anhand der
13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung mögliche
Bevölkerungsentwicklungen bis 2040 bzw. 2060. Was die Autoren als
Basisvariante beschreiben, entspricht der Variante 2 (Kontinuität mit
stärkerer Zuwanderung) des Statischen Bundesamts. Davon ausgehend wird
dann die Variante 4 (höhere Lebenserwartung) und die Variante 6
(leichter Anstieg der Geburtenrate) betrachtet. Die
Variante 8
(leichter Anstieg der Geburtenrate und höhere Lebenserwartung), die
kürzlich der wissenschaftliche Beirat für seine Berechnungen der
Bevölkerungsentwicklung ausgewählt hat, bleibt bei den Autoren dagegen
unberücksichtigt. Stattdessen wird nur die Modellrechnung mit einem
Wanderungssaldo 300.000 noch erwähnt.
Dabei erklären uns
BUJARD & DRESCHMITT, dass die tatsächliche
Entwicklung der Geburtenrate (TFR) die prognostizierte bereits im Jahr
2014 überschritten hat. Eine UN-Projektion aus dem Jahr 2005, die von
einem Anstieg der Geburtenrate auf 1,85 ausging, wird uns als
unrealistisch bezeichnet.
"Für eine zukünftige leichte
Erhöhung der TFR spricht (...) die Entwicklung der Kohortenfertilität
(die endgültige Kinderzahl pro Frauenjahrgang), bei der die
Trendwende
inzwischen relativ deutlich absehbar ist. (...). Auch die Reformen der
Familienpolitik könnten zu einer Reduzierung von Kinderlosigkeit und
einem leichten Anstieg der Geburtenrate beitragen. Allerdings wäre für
einen Anstieg deutlich über 1,6 auch eine
Zunahme kinderreicher Frauen notwendig, da ihr Rückgang der stärkste
Treiber des Geburtenrückgangs war",
erklären uns
BUJARD & DRESCHMITT. Verschwiegen wird uns dagegen,
was auf dieser Website schon lange kritisiert wurde, dass sich nämlich
die Bevölkerungswissenschaft mit Vehemenz auf das Problem der
Kinderlosigkeit versteifte, die beim Jahrgang 1965 angeblich ein
Drittel betragen sollte, was hier frühzeitig widerlegt wurde. Weil das
Problem des Rückgangs kinderreicher Familien bis vor kurzem von den
deutschen Bevölkerungswissenschaftlern verleugnet wurde, haben wir es
nun mit einem gravierenden Politikversagen zu tun.
Der vehemente Angriff auf Kinderlose hat auch zu Kollateralschäden bei
jenen geführt, die gerne mehr als zwei Kinder bekommen hätten.
Familie wurde im öffentlichen Diskurs als Auslaufmodell beschrieben,
um eine Politik für die Mütterelite durchzusetzen. Die fatalen Folgen
dieser unsäglichen Debatte werden uns nun einholen.
Wie schnell sich die Ansichten zur
Bevölkerungsentwicklung ändern können, zeigt ein Vergleich mit dem
Aufsatz
Folgen der dauerhaft niedrigen Fertilität in Deutschland von
Martin BUJARD von Mitte 2015. Seine damaligen Ausführungen basierten
noch auf der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen. Zum
Einfluss der Geburtenrate auf die Alterung schrieb der Autor von einem
Jahr noch:
"Würde die TFR statt bei rund 1,4
dauerhaft auf 1,6 ansteigen was gegenwärtig etwa zusätzliche 96.000
Geburten pro Jahr wären würde sich der Altenquotient bis 2060 nur
von 67,4 auf 63,6 reduzieren. Ein halbes Jahrhundert mit deutlich
höherer Geburtenrate würde den Altenquotienten also nur um 6 %
reduzieren." (2015, S.61)
Nun heißt es dagegen:
"Eine höhere Geburtenrate (1,6
statt 1,4) würde den Altenquotienten um 2,2 Prozente auf 51,3
reduzieren." (2016, S.336)
Wie kann es sein, dass sich der
Altenquotient erstens drastisch reduziert hat (von 67,4 auf 53,5 %)
und gleichzeitig sich der Einfluss eines Anstiegs der Geburtenrate um
0,2 um zwei Drittel reduziert?
Ein Teil der Erklärung hängt damit
zusammen, dass der Altenquotient 2015 anders definiert wurde, nämlich
damals wurde die Grenze des Renteneintritts mit 65 Jahren und nun mit
67 Jahren berechnet - obgleich die Rente mit 67 bereits seit etlichen
Jahren gilt.
Zudem unterscheiden sich durch die
Wahl der jeweiligen Basisvariante der Bevölkerungsvorausberechnung die
Annahmen zu den Indikatoren. Folgende Annahmen wurden getroffen:
| Variante |
Geburtenrate
(TFR) |
Wanderungssaldo |
Lebenserwartung |
| 1 W-1 (12. k.
BV) |
1,4 |
100.000 |
Jungen 85,0
Mädchen 89,2 Jahre |
| Variante 8
(13. k. BV) |
1,4 |
200.000 |
Jungen 84,8
Mädchen 88,8 Jahre |
Es zeigt sich also, dass sich die
gewählten Varianten in ihren Annahmen deutlich hinsichtlich des
Wanderungssaldos (Verdopplung) und der Lebenserwartung (verringerter
Anstieg der Lebenserwartung) unterscheiden. Wenn sich die Annahmen
derart drastisch ändern, dann hat das natürlich auch großen Einfluss
auf die Wirkung einer Geburtenrate. Hinzu kommt, dass die 12.
koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung ihren Ausgang im Jahr 2008,
die 13. jedoch im Jahr 2013 nimmt. Zwischen beiden
Bevölkerungsvorausberechnungen erfolgten zudem Korrekturen durch den
Zensus 2011.
Der Vergleich zeigt vor allem
eines: Innerhalb kürzester Zeit kann sich das Bild der
Bevölkerungsentwicklung - allein durch die Auswahl unterschiedlicher
Annahmen deutlich verändern. Von daher stellt sich die Frage,
inwieweit nicht die Auswahl der Annahmen viel entscheidender für die
Vorstellungen über unsere Zukunft sind als die tatsächliche
Bevölkerungsentwicklung und ihre angeblich unvermeidbaren Folgen.
Und noch eines: Während BUJARD 2015
es nicht nötig fand, die angenommene zukünftige Geburtenentwicklung zu
begründen, wird dies nun in dem neuen Artikel nachgeholt. Man darf
davon ausgehen, dass das letzte Wort über die Bevölkerungsentwicklung
- selbst bis 2040 noch längst nicht gesprochen ist, auch wenn BUJARD &
DRESCHMITT so tun als ob es das wäre.
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WSI-Schwerpunkt: Krisenerfahrung
Hartz IV. Lebenssituation in Grundsicherungsbezug
LIETZMANN, Torsten (2016): Langzeitleistungsbezug
und Langzeitarbeitslosigkeit: Definitionen, Quanitäten, Strukturen.
Trotz des anhaltenden
Beschäftigungswachstums in Deutschland ist der Abbau der
Langzeitarbeitslosigkeit in den letzten Jahren ins Stocken geraten.
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert seit 2010 bei etwas mehr
als einer Million. Auch die Zahl der Empfänger von Leistungen der
Grundsicherung für Arbeitssuchende verhaart mit über vier Millionen
erwerbsfähigen Beziehern auf einem hohen Niveau. Eine detaillierte
Beschreibung der Grundsicherungsempfänger hinsichtlich ihrer
Bezugsdauer und Arbeitsmarktbeteiligung wie auch ihrer
soziodemografischen Zusammensetzung soll die Grundlage für ein
besseres Verständnis der heterogenen Lebenssituationen der
Leistungsempfänger schaffen und die Erkenntnisse auf Basis der
offiziellen Statistik erweitern,
in:
WSI-Mitteilungen, Heft 5
"Wenn Leistungsbezug nicht gleichbedeutend mit
Erwerbslosigkeit ist und einerseits offiziell Arbeitslose zumindest
einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen können sowie
andererseits nicht arbeitslos zu sein, nicht unbedingt bedeutet,
dass man einer regulären Beschäftigung nachgeht, ergeben sich daraus
insbesondere zwei Frage: Wie groß ist der Personenkreis, der
längerfristig vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen ist und durch langen
Leistungsbezug potenziell in materiell beschränkten Verhältnissen
lebt? und wodurch lässt sich dieser Personenkreis im Vergleich zu
anderen Gruppen charakterisieren?",
wirft
Torsten LIETZMANN Fragen auf, die durch die Uneindeutigkeiten des
Arbeitslosen- bzw. Langzeitarbeitslosenbegriffs der Hartz-Gesetze
entstanden sind.
"2014 waren 777.000 Personen
langzeitarbeitslose Langzeitleistungsbezieher",
erklärt uns LIETZMANN die
amtliche Norm. Der Autor unterscheidet in einer
Längsschnittperspektive 5 unterschiedliche Kategorien innerhalb der
erwerbsfähigen Leistungsbezieher und kommt dadurch zu
differenzierteren Aussagen über den Zusammenhang von Leistungsbezug
und Arbeitslosigkeit, Beschäftigung bzw. Teilnahme an
Weiterbildungsmaßnahmen. In einer anderen Perspektive wird ein
Zusammenhang zwischen Leistungsbezug, soziodemografischen Merkmalen
und Haushaltskontext hergestellt. Sein Fazit:
"Langzeitarbeitslose, die lange
Grundsicherungsleistungen beziehen, sind tendenziell eher
alleinstehende Männer in einem höheren Alter und mit
gesundheitlichen Einschränkungen. Lange Bezugszeiten ohne einen
aktuellen Arbeitslosigkeitsstatus treten eher bei Alleinerziehenden
und Paarfamilien auf."
Daraus folgert LIETZMANN, dass
neben unzureichender Qualifikationsmaßnahmen und mangelhafter
Integration in den Arbeitsmarkt auch eine bessere Vereinbarkeit von
Beruf und Familie zur Reduzierung eines längerfristigen
Leistungsbezugs beiträgt.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 27. -
30.
September 2016
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Bitte beachten Sie:
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[ Homepage ] |
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