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Medienrundschau:
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News vom
01.-15. Juli 2001
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- BOWLES,
Samuel & Herbert GINTIS (2001): Die
Gemeinschaft als Regelmechnismus.
Das "soziale
Kapital" zwischen Markt und Staat.
Psychologische Grundlagen der Ökonomie IX,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 14.07.
- Kommentar:
Die beiden
amerikanischen Autoren definieren
«Sozialkapital» als "Vertrauen,
die Sorge um die, welche einem
nahestehen, sowie die Bereitschaft, die
gemeinschaftlichen Regeln einzuhalten und
jene zu bestrafen, die es nicht
tun". Diese Sichtweise stützt sich
auf den traditionellen
Gemeinschaftsbegriff, der von Autoren wie
Robert D.
PUTNAM ("Bowling alone")
popularisiert worden ist.
Sozialpsychologen
wie Heiner KEUPP (siehe
WAZ Wochenende vom 13.07.2001) gehen
dagegen davon aus, dass in modernen
Gesellschaften auch moderne
Gemeinschaftsformen enstehen, die anderen
Regeln folgen.
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- HASELBERGER,
Stephan (2001): Kuhn: Wir sind die Kinderpartei.
Der
Grünen-Vorsitzende ruft zur Mäßigung bei der
Debatte über das neue Grundsatzprogramm,
in: Welt v. 14.07.
- Interviewauszug:
"DIE WELT:
Kinder und Familie spielen in dem
Programmentwurf eine herausgehobene
Rolle, aber keine Hauptrolle, wie von
einer Reihe junger Grüner gefordert.
Warum nicht?
Kuhn: Wir sind die Kinderpartei, daran
gibt es keinen Zweifel. "Wir haben
die Erde nur von unseren Kindern
geborgt" - dieser Spruch war für
uns vor 20 Jahren von zentraler Bedeutung
und ist es heute noch. Das findet sich in
dem Programm auch an vielen Stellen
wieder. Wir machen Kinderpolitik, aber
nicht als Lobbypolitik für
Lebensgemeinschaften mit Kindern gegen
Menschen, die keine Kinder haben. Alle
haben etwas davon, wenn es den Kindern
gut geht."
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- BUHR,
Elke (2001): Apokalyptische Kaugummis.
Über
deutsche Mütter, die Erziehungskatastrophe und
den rhetorischen Kurzschluss,
in: Frankfurter Rundschau
v. 14.07.
- Kommentar:
BUHR kritisiert
Susanne GASCHKE - eine Theoretikerin
der Generation Berlin - und ihr
neues Buch
"Die Erziehungskatastrophe - Kinder
brauchen starke Eltern". Wie dem
Soziologen Alexander SCHULLER, der in der
FAZ vom
03.07.2001 seine
Sichtweise vom "Tod der
Familie" präsentierte, geht es
GASCHKE um eine undifferenzierte Kritik
erzieherischer Praxis:
"Gaschke
konstruiert das Zerrbild einer von linken
Laissez-faire-Anhängern dominierten
Gesellschaft - und macht mit dem Gestus
absoluter Provokation auch die berufliche
Gleichstellung der Frauen dafür
verantwortlich, dass sich die
Lebensbedingungen von Kindern
verschlechtert hätten. 'Vereinbarkeit'
von Beruf und Familie zu fordern, sei
eine familienpolitische Selbsttäuschung:
Das Wesen von Beruf und Familie sei es,
zueinander in einem antagonistischen
Verhältnis zu stehen, weil beide den
ganzen Menschen forderten - und dieser
Mensch, da argumentiert Gaschke
ausnahmsweise realpolitisch, ist nun mal
meist weiblich.
Damit redet Susanne Gaschke - voll
berufstätig, ein Kind - genau der
Ideologie von Mutterschaft das Wort, die
Barbara Vinken - voll berufstätig, ein
Kind - in ihrem Buch 'Die
deutsche Mutter' (Piper Verlag) zu
demontieren versucht. Wer sich daran
macht, die Ursprünge bestimmter
Ideologieformationen aus der aktuellen
'Erziehungsdebatte' à la Gaschke
freizulegen, bekommt von Barbara Vinken
das historische Material dazu."
Obwohl hier BUHR mit
VINKEN gegen GASCHKE argumentiert, ist
sie auch mit deren Argumentationsweise
nicht einverstanden:
"Schaut man
genau hin, ist der Fluchtpunkt ihrer
historischen Analyse nämlich weniger die
äußerst vernünftige Forderung nach
mehr Ganztagsbetreuung als die
Denunziation der nicht arbeitenden
Mütter, die sich lammfromm dem deutschen
Muttermythos ergäben, anstatt ihre Babys
nach dem dritten Monat den Kinderkrippen
anzuvertrauen (...).
Wer, wie Barbara Vinken, alle anderen
Frauen des falschen Bewusstseins
bezichtigt, wird wahrscheinlich nicht
erreichen, dass sie sich
zusammenschließen, um das zu fordern,
was nötig wäre: Kinderkrippen, in denen
die Kinder wirklich Alice spielen
können. Wer, wie Susanne Gaschke, alle
Topoi apokalyptischer Modernekritik in
einem billigen Achtundsechziger-Bashing
zusammenrührt, wird ,zum Wohle des
Kindes' auch nichts beitragen".
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- WALTER, Franz
(2001): Die Bürgergesellschaft - ein süße
Utopie.
Über die großen
Erzählungen und die zu hohen Erwartungen,
in: Frankfurter Rundschau
v. 14.07.
- Kommentar:
WALTER sieht den
Niedergang des Sozialkapitals aufgrund
des Aufstiegs eines neuen Typus, den die
Werteforscher als hedonistischen
Materialisten, kurz: 'Hedomat',
bezeichnen. Der kümmert sich nicht um
die öffentlichen Angelegenheiten; er
hält nichts von Mitwirkung, Teilhabe,
sozialem Engagement. Er ist
konsumorientiert, will das schnelle Geld
verdienen und schnell wieder ausgeben. Er
ist natürlich jung und sehr modern,
ziemlich zeitgeistig, ein veritabler
Zukunftstypus. Für Politik interessiert
er sich nicht. Nur wenn es schlecht
läuft, für ihn, sozial und ökonomisch,
beginnt er zu maulen und zu motzen. Mit
ihm, dem 'Hedomat', wird es schwierig,
eine Bürgergesellschaft zu
begründen."
WALTERs Sicht
unterscheidet sich damit fundamental von
der Sicht des Sozialpsychologen Heiner
KEUPP (siehe WAZ Wochenende vom
13.07.2001), der eine Modernisierung der
Einbindung behauptet: tradtionale
Gemeinschaftsformen werden durch
selbstgewählte Gemeinschaften ersetzt.
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- KNA/WAZ
(2001): Es geht auch ohne Familie.
Die
Ich-Gesellschaft als Ausdruck von Einsamkeit und
Isolation? Der Münchner Sozialpsychologe Heiner
Keupp widerspricht dieser Betrachtung und warnt
vor "gesellschaftsdiagnostischen
Schnellschüssen",
in: WAZ Wochenende v.
13.07.
- Inhalt:
Der Sozialpsychologe
Heiner KEUPP widerspricht der These vom
Niedergang des Sozialkapitals. Jüngere
haben eine neue Form des sozialen
Engagements entwickelt: "Menschen in
ähnlicher Lebenslage kümmerten sich
verstärkt umeinander.
Das Gute: Die Hilfe erfolge freiwillig
und weniger aus dem Gefühl der
Verpflichtung heraus, das durch
traditionelle Gemeinschaftsbindungen
entstehe. Die neuen Beziehungen
beschreibt Keupp als zwangloser,
vielseitiger und beweglicher. Und: Sie
seien weniger von einem 'moralisch
aufgeladenen Helferpathos'
geprägt".
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- HEISE,
Sebastian (2001): Singles trainieren richtigen
Einkauf.
Kampf gegen eine einseitige
Ernährung,
in: Kölner Stadt-Anzeiger
v. 13.07.
- Kommentar:
Ernährungshilfe
für die Zielgruppe Yettie, Nerd und
alleinlebende Karrierefrau.
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- BURGHARDT,
Peter (2001): Deutsche
Rentner auf Mallorca: Manchmal ist es
furchtbar hier
Die Liebe zum Süden kommt
in die Jahre. Warum im Sonnenparadies die
alternden Menschen eher zu einer Belastung werden
könnten als die Kampftrinker und die neuen
Grundherren,
in: Süddeutsche Zeitung v.
13.07.
- Kommentar:
Am
16.05.2001 hat sich Georg KLEIN in der
Frankfurter Rundschau mit heimatlosen
deutschen Rentnern auf Fuerteventura
beschäftigt und
BURGHARDT hat nun zwei dieser Exemplare
auf Mallorca aufgetrieben. Die
Einschätzung eines Pfarrers dazu:
"Ohnehin sind die Deutschen zwischen
Port dAndratx und Cala Ratjada für
ihn ein soziologisches Phänomen. Ahnert
entdeckt 'ein hohes Maß an
Individualität und wenig Bindung', er
beobachtet 'eine Atomisierung der
Gesellschaft', man sei da auf Mallorca
'eine Generation weiter als in
Deutschland'".
Mallorca als
Vorgeschmack auf das zukünftige
Deutschland? Da werden selbst
Ballermänner (Saufen ist wenigstens eine
Gemeinschaftsveranstaltung) und
Villenbewohner (Reiche liegen dem
Sozialstaat nicht auf der Tasche) zu
besseren Deutschen.
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- Nouvel
Observateur-Titelstory: "Le retour des
pères",
in:
Nouvel Observateur Nr. 1914 v. 12.07.2001
- Kommentar:
Während in
Deutschland aufgrund der Väterkampagne
des Familienministeriums das Thema
"Vaterlosigkeit" im Vordergrund
steht, hat man in Frankreich die
"Neuen Väter" entdeckt.
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- FRIED, Nico
(2001): Ach, Kinder!
Führende Grüne wollen die
Partei in der Familienpolitik profilieren -
bislang ist das die einzige Gemeinsamkeit in
dieser Frage,
in: Süddeutsche Zeitung v.
12.07.
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- MARKL,
Hubert (2001): Weniger sind mehr.
Die
Bevölkerung reicher Länder schrumpft, die armer
Staaten wächst. Was tun?
in: Tagesspiegel v. 12.07.
- Inhalt:
MARKL kann nicht
einerseits die Geburten in armen Staaten
als "Schadensereignisse"
verdammen und andererseits die Geburten
in den reichen Ländern als
"wertvollstes Gut" begrüssen,
deshalb formuliert er das
widersprüchliche Ziel weltweiter
Bevölkerungspolitik folgendermassen:
"Ein Fünftel
der Menschheit braucht dringend mehr,
vier Fünftel brauchen dringend weniger
Nachkommen - aber alle brauchen sie
genügend Nachkommen, um der gesamten
Menschheit einen langsam gleitenden,
sozial und politisch beherrschbaren
Übergang von einem Wachstumspfad zu
einem Stabilisierungszustand und -
voraussichtlich in einigen Jahrhunderten
- zu langsamem Absinken auf eine auf
viele Jahrtausende hinweg nachhaltig
erhaltungsfähige Populationsgröße zu
ermöglichen".
MARKL geht von einem
linearen Modernisierungsprozess aus, d.h.
die armen Staaten werden künftig vor den
gleichen Problemen stehen wie die
westlichen Industrieländer: "Die
unvermeidlichen demographischen
Veränderungen der Menschheit, nämlich
immer mehr alte, versorgungsbedürftige,
oftmals auch kranke Menschen, die von
immer weniger jungen Menschen durch deren
Arbeitsleistungen mitversorgt werden
müssen, werden künftig die
Sozialversorgungssysteme aller Nationen,
so wie heute schon in wachsendem Maß
jene der hochentwickelten Länder, schwer
belasten."
Sein Rezept:
Steigerung der wirtschaftlichen
Pro-Kopf-Produktivität bei
gleichzeitiger Steigerung der
Ressourceneffizenz.
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- LANGE, Wolfgang
(2001): Der Amok-Mann.
Maxim Biller tobt wider die
Deutschen,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 12.07.
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BRIGITTE-Dossier:
"Glücklich ohne Kind?".
Ein
Kind, ja oder nein? Noch nie war es für Paare so
einfach, sich zu entscheiden. Denn medizinisch
ist - fast - alles möglich. Doch je planbarer
ein Kind ist, desto komplizierter wird die Frage,
was zu einem erfüllten Leben wirklich
dazugehört,
in: Brigitte Nr.15 v.
11.07.
- MERTENS,
Diane (2001): Hört auf zu nerven!
Ihre Beziehung ist
liebevoll. Sie gehen in ihren Berufen
auf. Ganz gelassen haben sie sich für
ein Leben ohne Kind entschieden. Was bei
Familie und Freunden nichts als
Unverständnis hervorruft,
in: Brigitte Nr.15
v. 11.07.
- Kommentar:
"Wird
dachten, dass Leben ohne Kinder
im Jahr 2001 einfach nur eine von
zwei Möglichkeiten wäre.
Dachten, Kinderlosigkeit wäre so
etwas wie ein gesellschaftlicher
Großtrend, schließlich sagen
heute schon elf Prozent der
Frauen über 35, dass ohne Kind
zu leben für sie der ideale
Zustand ist. Wir dachten, keinen
Nachwuchs zu haben sei sozial
akzeptiert in einer Gesellschaft,
die die Single-Kultur pflegt und
den individuellen Lebensentwurf
propagiert. Wir irrten.
Kinderlosigkeit gilt noch immer
als Makel." Kindersache eine
Privatsache? Dagegen wettern die
Sozialpolitiker bereits seit Ende
der 80er Jahre. Kaum zu glauben,
dass ein Kinderloser das nicht
mitbekommen hat. Auf der anderer
Seite kommen hier zwei Aspekte
zusammen: zum einen, dass die
Frau in jenes Alter gekommen ist,
in dem die soziale Umwelt
grösseren Druck ausübt und zum
anderen die Medienkampagne gegen
Singles.
- GERSTBERGER,
Beatrix (2001): Wer sagt eigentlich, dass
Kinder glücklich machen?
Schlaflose Nächte,
Stress mit dem Partner. Wir waren bereit,
das alles in Kauf zu nehmen für Momente
glucksender Seligkeit. Doch manchmal
wollen wir es zurückhaben, unser altes
Leben,
in: Brigitte Nr.15
v. 11.07.
- Kommentar:
Das Skript
dieser Story entstammt der Studie
des Münchners Familiensoziologen
Wassilios FTHENAKIS, der im
Auftrag der Bausparkasse LBS die
Kinderwünsche untersucht hat.
- HAEGELE,
Anja (2001): Sie wollten immer ein Kind -
als Krönung ihrer Liebe. Doch bis jetzt
blieb ihnen dieser Wunsch versagt. Noch
fällt es Britta und Ingo schwer, ihre
Träume vom Glück zu dritt aufzugeben,
in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.
- HARRIET,
Wolf (2001): Warum Frauen auf ein Leben
mit Kindern verzichten.
Es ist keineswegs so, dass sie Kinder
nicht mögen. Aber sie haben sich einfach
anders entschieden, und sie stehen
absolut zu ihrem Entschluss,
in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.
- Kommentar:
Fünf
Kinderlose kommen zu Wort. Vier
Frauen arbeiten in modernen
Berufen, ob es sich nun um eine
selbständige Verlagskauffrau,
Architektin, Sängerin oder
Journalistin handelt. Sie
gehören zur postfeministischen
Generation Golf. Die 5. Frau
repräsentiert dagegen die
70er-Jahre-Feministin und ist
Frauenbeauftragte.
Diese Frauen
repräsentieren also genau jene
Milieus, die im Mittelpunkt des
Medieninteresses stehen, wenn es
um freiwillige Kinderlose geht.
In ihren Begründungen stehen
deshalb auch Selbstverwirklichung
und Unvereinbarkeitsthemen im
Vordergrund.
Daneben ist
jedoch auch das traditionelle
Mutterbild dieser Frauen für die
Kinderlosigkeit
mitverantwortlich. Was Barbara
VINKEN
als "deutsche Mutter"
bezeichnet, das hindert einige
dieser Frauen daran, dass sie
Kinder bekommen haben:
"hätte ich eins, wollte ich
die ersten drei bis vier Jahre
ganz intensiv mit ihm sein. In
einem geborgenen und behüteten
Umfeld, denn Kinder haben
Anspruch auf Zuwendung (...). Ich
weiß nicht, ob ich dieser Rolle
gerecht werden könnte".
- WOLF,
Harriet (2001): Brief an ein nie
geborenes Kind.
Eine Frau nimmt
Abschied von ihrem Lebenstraum - einem
Kind,
in: Brigitte Nr.15
v. 11.07.
- Kommentar:
Das nicht
geborene Kind heisst
bezeichnenderweise Felix, d.h.
der Glückliche! Die Geschichte
handelt von einer Frau, die nicht
den passenden Partner für ein
Kind gefunden hat.
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- HORRMANN,
Heinz (2001): Der verflixte dritte Urlaubstag.
Psychologen haben
herausgefunden, warum sich Paare in den Ferien
auseinander leben,
in: Welt v. 11.07.
- Kommentar:
Jede dritte
Scheidung wird nach einem gemeinsamen
Urlaub eingereicht. Das ist die simple
Statistik. Welche Konsequenzen daraus zu
ziehen sind, das ist die andere Sache.
Sollte man also gar nicht erst in Urlaub
fahren? Nein, sagen die Psychologen im
Einklang mit der Tourismusbranche und
verordnen den Paaren im Urlaub gut
dosiertes Single-Dasein in Form von
getrennten Programmen.
Single kann sich da
nur wundern, denn angeblich ist ja gerade
die Nähe der entscheidende Vorteil, den
zusammenwohnende Paare gegenüber den
Singles haben sollen. Wer nur Nähe
kennt, der könnte aber mit der
Aufforderung zum
"Single-Dasein" erst recht
überfordert sein.
Wenn Scheidungen
nach dem Urlaub und nicht davor
eingereicht werden, muss dann die Ursache
im Urlaubsverlauf gesucht werden oder ist
es nicht viel wahrscheinlicher, dass die
Ehe vorher schon kaputt war?
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- HASELBERGER,
Stephan (2001): Grüne wollen im Wahlkampf nicht
die Partei der Familie sein.
Kerstin
Müller: Kinder keine Klammer für Politik,
in: Welt v. 11.07.
- Kommentar:
Nach dem
Imageverlust der Partei (siehe TAZ vom
10.07.2001) regt sich
erster Widerstand gegen den geplanten Imagewandel
der Grünen zur Familienpartei.
Eine rein ablehnende
Haltung wie jene von Kerstin Müller ist
jedoch keine Lösung. Leerformeln wie
"Grüne als Partei des sozialen
Interessenausgleichs" helfen da kaum
weiter.
Gefordert ist eine
Programmatik, die nicht auf eine
polarisierende Begrifflichkeit setzt
(Familien- versus Single-Haushalte),
sondern soziale Beziehungstypen,
generationentypische Lebensläufe und
alterstypische Lebensphasen
berücksichtigt. Solange diese
gesellschaftliche Debatte nicht geführt
wird, werden die politischen Parteien
ihre veralteten Familienbegriffe nicht
aufgeben.
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- MISIK,
Robert (2001): Gerechtigkeit? Dafür bin ich
auch!
Wie
viel Ungleichheit erträgt unsere Gesellschaft,
wie viel Gleichheit muss sie schaffen? Diese
zentralen Fragen stellt sich wieder einmal
Anthony Giddens, der Trendsetter des
sozialdemokratischen dritten Weges. Seine
Antworten sind so richtig wie banal,
in: TAZ v. 10.07.
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- SCHLIESSELBERGER,
Helmut (2001): Zukunftstrends mal zehn.
Freunde statt Familie,
Leistung als Lebenssinn, Ausgrenzung durch neue
Technologien. Die Zukunft hat laut Trendforscher
Opaschowski begonnen,
in: Salzburger Nachrichten
v. 10.07.
- Kommentar:
Der
Freizeitpädagoge Horst OPASCHOWSKI ist
bei den Trendforschern der Gegenspieler
von Matthias
HORX. Sieht HORX nur die
positiven Seiten der "Individualisierung", so
thematisiert OPASCHOWSKI nur die
negativen Seiten dieses angesagten
Trends.
Der
Freizeitpädagoge setzt
Individualisierung mit Vereinzelung
gleich: "Immer mehr Menschen leben
und wohnen allein. Seit 1900 hat sich der
Anteil der Einpersonenhaushalte von 7%
auf 35% verfünffacht. Hauptursachen:
Soziale Aufwertung des Alleinlebens;
Aufschub der Familiengründung;
gestiegene Mobilitätsanforderungen;
verlängerte Ausbildungszeiten.
Für die Zukunft ist mit einer weiteren
Zunahme dieser Lebensform zu rechnen.
Noch Mitte der 80er Jahre waren Familie
sowie Ehe und Partnerschaft die
persönlich wichtigsten Bereiche im
Leben. Jetzt haben erstmals die Freunde
und der Bekanntenkreis der Familie den
Rang abgelaufen. Singles sind die
'Hätschelkinder der Konsumgesellschaft,
weil sie den Konsum anheizen'. Aber wer
keine feste private Beziehung mehr wagt,
könne in Zukunft auch keine soziale
Geborgenheit mehr erwarten."
Der Fehlschluss
dieser Trendaussage beruht darauf, dass
der statistische Begriff "Einpersonenhaushalt" mit
dem Beziehungsbegriff "Partnerlosigkeit"
gleich gesetzt wird und ein Gegensatz von
Familie und Single-Dasein konstruiert
wird.
Der Mainzer
Soziologe Norbert F. SCHNEIDER (siehe
Allgemeine Zeitung Mainz vom 23.06.2001) spricht
dagegen von einer "paarorientierten
Gesellschaft" und die Forschungen
zur "multilokalen
Mehrgenerationen-Familie"
zeigen, dass Single-Dasein
und Familie kein Gegensatz sein muss.
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- FRÖHLICH,
Sabine (2001): Der Nagel in der Wand.
Barbara Vinken über den
Mythos "deutsche Mutter",
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 10.07.
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- KÖNIG, Jens (2001): Zwei
gute Gründe Angst zu haben,
in:
TAZ v. 10.07.
- Kommentar:
"Fischer hat
seine Partei aufgefordert, mit fünf
einfachen, plakativen Losungen in den
Bundestagswahlkampf zu gehen: die Grünen
als Partei der Energiewende, des
Verbraucherschutzes, der Zuwanderung, der
kinderfreundlichen Gesellschaft und als
Europapartei."
Wer möchte nicht
eine kinderfreundliche Gesellschaft? Aber
wenn das heisst, dass dazu Familien und
Generationen gegeneinander ausgespielt
werden müssen, dann sollte dies
misstrauisch machen. Die
familienpolitische Wende der Grünen
setzt auf die Polarisierung
"Familien versus Singles" und
nicht auf einen Familienbegriff, der
allen Altersgruppen gerecht wird. Die
Grünen bleiben damit familienpolitisch
eine Ein-Generationenpartei.
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FOCUS-Coverstory
"Erste Liebe"
- BÖCK,
Ingrid (2001): Zwischen Unschuld und
Unzucht.
Jugendliche werden
immer früher geschlechtsreif. Verlagert
sich die Liebe ins Kinderzimmer?
Wissenschaftler diskutieren über
Teenagersex,
in: Focus Nr.28 v.
09.07.
- FROMME,
Claudia (2001): Ahnungslos voll Lust.
Deutsche Teenager
gehören international zu den sexuell
Aktivsten, bei Schwangerschaften und
Abtreibung liegen sie in der Statistik
hinten,
in: Focus Nr.28 v.
09.07.
- VARGA,
Simone (2001): Immer früher Sex.
Untersuchungen
belegen, dass sich die Sexualreife der
Deutschen sowie der Zeitpunkt des ersten
Geschlechtsverkehrs stark vorverlagert
haben,
in: Focus Nr.28 v.
09.07.
- VARGA,
Simone (2001): Zur Sache, Herr Professor!
Sexualpädagoge
Norbert Kluge über die Verantwortung der
Eltern im Umgang mit ihren frühzeitig
geschlechtsreifen und sexuell aktiven
Kindern,
in: Focus Nr.28 v.
09.07.
- FOCUS
(2001): Romantik und Selbstinszenierung.
Wissenschaftler Volkmar Sigusch
beschreibt das jugendliche Liebesleben
als wertorientiert. Es zählen Vertrauen
und Treue, von Promiskuität keine Spur,
in: Focus Nr.28 v. 09.07.
- ROHLEDER,
Jörg (2001): Mit frivolen Beats ins
Bett.
Nie war Popmusik so
schamlos und direkt wie heute:
Musikalisch werden Teens über Treue, Sex
und die Penislänge aufgeklärt,
in: Focus Nr.28 v.
09.07.
- Kommentar:
Seit 1980
wird im Auftrag des
Bundesfamilienministeriums und
der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung das
Sexualverhalten der Jugendlichen
erforscht. Anstoss war nach VARGA
die Zunahme der
Teenagerschwangerschaften in den
siebziger Jahren.
Die American
Public Health Association führt
nach BÖCK frühen Sex auf die
irrtümliche Annahme der Teenager
zurück, dass ihre Altersgenossen
bereits Geschlechtsverkehr
vollzogen.
Der gleiche
Mechanismus führt jedoch dazu,
dass wissenschaftliche
Befragungen zu einem solchen
Thema mehr mit der öffentlichen
Debatte und den Vorstellungen
unter Gleichaltrigen zu tun haben
dürften als mit dem
tatsächlichen Sexualverhalten
der Jugendlichen.
Der Focus
bedient deshalb mit Norbert KLUGE
(Position: Aufgrund der
"medialen Sexflut"ist
mit vermehrtem
Geschlechtsverkehr, und damit mit
vermehrten
Kinderschwangerschaften und
Abtreibungen bei Jugendlichen zu
rechnen) und Gunter SCHMIDT
(Position: Die Medien sind
verantwortlich für das sexuelle
Desinteresse der Jugendlichen)
die ganze Spannbreite elterlicher
Befürchtungen. Volker SIGUSCH
vertritt dagegen den liberalen
Mittelweg, wonach Jugendliche vor
der Ehe "serielle
Monogamie" praktizieren.
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- HAGER,
Angelika (2001): Patient Mann.
Geschlechtertheorie.
Mann, wo bist du? Als Feindbild der
Frauenbewegung hat der Mann ausgedient. Jetzt
erklären ihn Feminismus und Psychologie zum
lukrativen Krisengebiet,
in: Profil Nr.28 v. 09.07.
- PROFIL
(2001): "Männer sind einander die größten
Feinde".
Amerikas
Feminismus-Ikone Susan Faludi setzt sich in ihrem
neuen Buch "Das betrogene Geschlecht"
mit der Krise des Mannes auseinander. Ein
Gespräch über Schmerzen, Begehren und die
Kultur der Prothesen,
in: Profil Nr.28 v. 09.07.
- Inhalt:
FALUDI möchte die
alten Ziele des Mittelschicht-Feminismus
mit neuen Mitteln erreichen. Um einen
Stillstand der Frauenbewegung zu
verhindern, fordert sie einen
Paradigmenwechsel. Nicht mehr das
Feindbild Mann ist gefragt, sondern die
Koalition mit Männern, die mit den
Zielen der Frauenbewegung sympathisieren.
FALUDI definiert den Feministen deshalb
folgendermassen: "Feminist sein
heißt, sich um die Fürsorge einer
Gemeinschaft zu kümmern: um gute
Kinderbetreuung für berufstätige
Frauen, um gute Gehälter für
Frauen."
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- ADAM,
Konrad (2001): Freiheit statt Emanzipation.
Die
SPD und die jungen Mütter,
in: Welt v. 09.07.
- Kommentar:
ADAM schürt mit
einem verengten
Familienbegriff den Neid,
indem er Familien und Generationen
gegeneinander ausspielt.
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- HAHNE,
Peter (2001): "Der deutsche Sozialstaat ist
ungerecht".
Nobelpreisträger
James Heckman kritisiert das schleppende
Reformtempo der europäischen Wohlfahtsstaaten,
in: Welt v. 09.07.
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- LAU,
Mariam (2001): Der Fisch braucht doch ein
Fahrrad.
Ehemann
oder Hund? Das Elend des Postfeminismus im
Spiegel neuer Ratgeber,
in: Welt v. 07.07.
- Kommentar:
Mariam LAU hat die
gegenwärtige Ehefrauenliteratur
durchgesehen, nichts Brauchbares gefunden
und endet deshalb mit einem Trost für
die Eheunzufriedenen: "die Ehe ist
(...) die vernünftigste Art, in der Welt
zu leben und zugleich ein höchst
unwahrscheinliches Unterfangen."
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- SIMONIS,
Heide (2001): Die Party mit sich selbst.
Oder: Wo bleiben in der
Wissensgesellschaft das "soziale
Kapital" und die Chancengleichheit?
in: Frankfurter Rundschau
v. 07.07.
- Kommentar:
SIMONIS sieht in der
Tradition von Robert D.
Putnam ("Bowling alone") auch in
Deutschland das soziale Kapital
gefährdet: "Zu einer
Unterversorgung mit Sozialkapital kommt
es, wenn mehr und mehr Bürgerinnen und
Bürger einen Lebensstil pflegen, der
sich durch eine Fixierung allein auf sich
selbst auszeichnet. Liquiditätsengpässe
entstehen, wenn persönliche Kontakte,
Zusammengehörigkeitsgefühl, soziales
und politisches Engagement in Gruppen,
Vereinen, Parteien und Verbänden
seltener werden. Gesellschaftlicher
Konkurs droht, wenn die Familie und die
Nachbarschaft als vertrauensvolle,
Sicherheit gebende, Fixpunkte an
Bedeutung verlieren und durch nichts
anderes ersetzt werden."
SIMONIS sieht im
Internet keine Chance, sondern den
Untergang des Sozialkapitals, denn
dadurch wird die
"Ich-Bezogenheit" gefördert.
Solch naive Technikfeindlichkeit gipfelt
dann in Verballhornungen wie : "SMS,
short message service, (...) zu 'single
meets single'" Die Rettung liegt
dagegen in der zivilgesellschaftlichen
Aufwertung des Sozialkapitals.
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- MUNKER, B.
(2001): Partnerwahl in sieben Minuten.
Beim Speed-Dating können
Singles statt unnötig ausgedehnter
Einzel-Verabredungen 15 Kontakte an einem Abend
abhaken,
in: Frankfurter Rundschau
v. 06.07.
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- KRAUEL,
Torsten (2001): Das Ende der
"Spaßgesellschaft".
Die Unverbindlichkeit geht
zu Ende. Ihr folgt aber kein neuer Konservatismus
alter Prägung,
in: Welt v. 06.07.
- Kommentar:
KRAUEL gehört wie Matthias
HORX zu den glücklichen
Globalisierern. Sein Credo ist die
Koalition der Individualisierungs- und
Globalisierungsgewinner, die
Wertkonservatismus mit Modernisierung
kreuzen: "Der ideale Staatsbürger,
der seine Tarifbezahlung am Weltmarkt
misst und sich der Verantwortung für die
Bevölkerungsstruktur bewusst ist, kann
genauso gut einer klassischen Familie
angehören wie einem verheirateten
lesbischen Paar, das aus demographischer
Einsicht Kinder in vitro hat zeugen
lassen, dem christlichen Glauben anhängt
und ein Dreiliterauto fährt."
So viel Harmonie
findet sich ansonsten nur noch bei David
BROOKs "Bobos in Paradis". Besteht
bei den neuen Eliten Konsens, so wird die
Jugend kritisch beurteilt. Der
Antikapitalismus der
Globalisierungsgegner ist für KRAUEL
Ausdruck eines Generationenkonflikts:
"Die Jungen (...), die nichts als
den weltweit entfalteten Kapitalismus
kennen, wehren sich gegen diese neue
Totalität. Sie suchen Alternativen
gegenüber dem wertfrei expandierenden
Kapitalismus, dessen Fakten sie
überrollen. Sie irritiert der große
gesellschaftliche Konsens, die
Marktwirtschaft sei die logisch zwingende
beste aller schlechten
Wirtschaftsformen."
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- KROBATH,
Michael (2001): Aufgeschlossen bis zum letzten
Knopf,
in: Weltwoche Nr.28 v. 05.07.
- Inhalt:
KROBATH berichtet
über die zunehmende Sexualisierung der
Jugend, die ihren Anfang mit dem
Siegeszug des Techno in den neunziger
Jahren genommen hat: "Nach der
Totalverweigerung der No-Future-Kids und
der Generation
X, begann damals jene
grosse Party, die bis heute gefeiert
wird: das Zelebrieren des eigenen
Körpers. Längst üben Madonna und
Jennifer Lopez, Robbie Williams und die
drallen Silikon-Lebensretterinnen der
TV-Serie 'Baywatch' erzieherische Macht
über die Kids aus und setzen Standards,
was Aussehen, Verhalten und Einstellungen
angeht. Waren früher in der Pubertät
politische Statements hoch im Kurs,
zählt heute nur noch eins: Schönheit.
Und Schönheit bedeutet, gesund und sexy
zu sein."
Mit der
"aesthetic correctness" geht
nach KROBATH eine neuer Hypermoralismus
einher: "Gemäss verschiedenen
Untersuchungen glauben die Kids wieder an
traditionelle Werte, wie Enthaltsamkeit,
Ehe und Familie. Auf den Punkt gebracht
hat dieses Credo der neuen Keuschheit
ausgerechnet die amerikanische
Popsängerin Britney Spears, die grosse
Schwester aller bauchfreien Teenager.
Nach ihrem Liebesleben befragt, gab die
19-Jährige zu Protokoll: 'No sex before
marriage.'"
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- ROSS,
Jan (2001): Kleines Lob der Rezession.
Erfindungsreiche
Armut prägte die Nachkriegszeit. Den Glauben an
die Chancen des Mangels haben wir allerdings
verloren. Warum eigentlich? Heute könnte er
wieder nützen,
in: Die ZEIT Nr.28 v.
05.07.
- Kommentar:
ROSS sieht den
zeitgenössischen Wohlstand durch die
Integration von Widerspruch, Distanz und
Gewissen geprägt: "Die
Symbolgestalt dieser Jahre hat der amerikanische
Journalist David Brooks geschaffen
mit dem 'Bobo', der Kombinationsfigur aus
Bourgeois und Bohemien, kapitalistischen
Erfolg und alternative Sensibilität
harmonisch verbindend: viel Geld
verdienen, aber ohne Schlips in die Firma
gehen und bei 'Amnesty' Mitglied sein.
Der Bobo ist für
ROSS Vorbote eines neuen Spießertums:
"ein Syndrom aus materieller und
moralischer Selbstzufriedenheit.
Scheinbar abenteuerlustig und zu jeder
neuen Herausforderung bereit, waren der
Prototyp der fetten Clinton-Jahre und
seine europäischen Verwandten in
Wahrheit im Kern bequem."
Ross wünscht sich
deshalb die Wiederkehr der 70er Jahre,
denn Krisen regen zum Denken an. Petra
STEINBERGER (siehe
SZ vom 05.07.2001) sieht das
dagegen anders. Beide stimmen jedoch
darin überein, dass die 80er Jahre ( von
ROSS erwünscht und von STEINBERGER
bedauert) die logische Konsequenz der
70er Jahre waren.
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- KLINGST,
Martin & Werner A. PERGER (2001): "Wir
müssen uns öffnen".
Wie
soll die Reform des Zuwanderungsrechts aussehen?
Fragen an Rainer Münz,
Bevölkerungswissenschaftler und Mitglied der
Süssmuth-Kommission,
in: Die ZEIT Nr.28 v.
05.07.
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- LEGGEWIE,
Claus (2001): Hochmobile Kohorten.
Schachzüge und Rotationen:
Mit dem Ende der Zaghaftigkeit kommt die
Einwanderungsdebatte in der globalisierten
Wirklichkeit an,
in: Frankfurter Rundschau
v. 05.07.
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- ADAM, Konrad
(2001): Rettung für ein sterbendes Volk.
Nur mit deutlichen
Steuervorteilen für Familien lässt sich
Bevölkerungspolitik machen,
in: Welt v. 05.07.
- Kommentar:
"Mindestens ein
Drittel aller Ehen bleibt lebenslang
kinderlos, profitiert aber trotzdem von
dem stattlichen Begünstigungsvolumen des
Ehegattensplittings, das sich nach
Schätzungen auf eine zweistellige
Milliardensumme im Jahr beläuft."
Üblicherweise wird
behauptet, dass ein Drittel aller Frauen
heutzutage lebenslang kinderlos bleiben
würde - Belege dafür müssen die
jeweiligen Autoren jedoch schuldig
bleiben. ADAMS spricht nun gar von einem
Drittel aller Ehen, die lebenslang
kinderlos bleiben würden.
Mit der Zunahme von
Scheidungen und Wiederheiraten erhöht
sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine
"Kurzehe" kinderlos bleibt. Im
Regelfall gilt jedoch immer noch, dass
eine Ehe geschlossen wird, wenn ein Kind
bereits vorhanden ist oder unterwegs ist.
Wenn z.B. ein Mann drei Mal heiratet,
dann kann eine Ehe kinderlos geblieben
sein, und seine beiden Kinder stammen aus
der zweiten und dritten Ehe. Für diesen
Mann gilt dann, dass ein Drittel seiner
Ehen lebenslang kinderlos geblieben ist.
Das ist aber keine Argumentation, die der
Sache angemessen ist. Vergleiche sind nur
sinnvoll, wenn Daten vorgelegt werden,
aus denen ersichtlich ist, wieviel
Personen - obwohl sie mindestens einmal
im Leben verheiratet waren - lebenslang
kinderlos bleiben. Solche Daten
existieren jedoch vom Statistischen
Bundesamt in Wiesbaden nicht.
Der Begriff "Kinderloser" ist
ziemlich dehnbar. Oftmals sind nicht die
lebenslang Kinderlosen gemeint, sondern
alle jene, die aktuell nicht mit Kindern
zusammen leben. Damit kann das Ausmass
der Kinderlosigkeit dramatisiert werden.
ADAMs Behauptung beinhaltet zudem eine
implizite Prognose, wenn er schreibt,
dass die Ehen kinderlos bleiben werden.
Er bezieht sich damit auch auf Ehen, die
zur Zeit noch andauern und in denen noch
Kinder geboren werden können.
ADAM geht es also
nicht um Fakten, sondern er spielt
Prophet. Es gibt in Deutschland eine
Science-Fiction-Serie im
Schundheftchenformat, die sich als
grösste Weltraumserie der Welt preist (siehe
SZ vom 15.06.2001). Perry
Rhodan muss darin jedes Mal das ganze
Universum retten, ADAM backt etwas
kleinere Brötchen - er möchte NUR die
Deutschen vor dem Aussterben bewahren.
Unter diesem Anspruch geht es heutzutage
in der Familienrhetorik scheinbar nicht
mehr!
"Raumschiff
Enterprise" prägt gemäß
SCHIRRMACHER von der FAZ das Weltbild der
naturwissenschaftlichen Elite, das
Weltbild der Familienrhetoriker wird
dagegen von "Perry Rhodan"
geprägt. Je grösser die beschworene
Gefahr, desto weniger muss auf lästige
demokratische Regeln Rücksicht genommen
werden...
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- STEINBERGER,
Petra (2001): Prüder zur Sonne.
Kitsch
hat Folgen: Wie die langen siebziger Jahre
Amerika verändert haben,
in: Süddeutsche Zeitung v.
05.07.
- Kommentar:
Am 28.05.2001 hat
sich Louis
MENAND im New Yorker mit dem
Versuch, die 70er Jahre aufzuwerten,
beschäftigt. Seit Tom WOLFE sprechen die
Kritiker der 70er Jahre von der
"Me-Decade". STEINBERGERs Sicht
schliesst daran an: "Die Sucht nach
Individualität hat die Ideale der
Sechziger in den Siebzigern vollendet und
verdreht."
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- THÜRINGER
ALLGEMEINE (2001): Viele Singles mit Wohngeld,
in: Thüringer Allgemeine v. 04.07.
- Inhalt:
Die Hälfte der ca.
97.000 Haushalte in Thüringen, die
Wohngeld beziehen, sind
Ein-Personen-Haushalte. Das ist jeder
siebte "Single-Haushalt".
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- SESSIONS,
Laura (2001): Tagebücher für jedermann,
in:
Welt v. 04.07.
- Inhalt:
SESSIONS berichtet
aus den USA über Motive ein
Online-Tagebuch zu führen. Der Anlass
kann z.B. sein, dass ein Freund in eine
andere Stadt zieht, und man weiterhin
Kontakt halten möchte.
Online-Tagebücher bieten vor allem
Teenagern ein Forum. Es ist zwischen
kurzlebigen Nachrichten per Handy und
aufwendigen Chats angesiedelt. Nicknames
ermöglichen Anonymität.
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- HANDKE,
Sebastian (2001): Keine andere Wahl, als zu
wählen.
Schriften
zu Zeitschriften: Das neue "Kursbuch"
macht einen Reigen auf von der Lebensliebe, den
Spermienbanken und der olfaktorischen Damenwahl
bis hin zu Traumhochzeiten, lesbischen Möwen und
möglichen Ehe-Alternativen
in: TAZ v. 04.07.
- Kommentar:
HANDKE rezensiert
das Kursbuch 144
"Liebesordnungen", das wenig
Neues zu einem alten Thema bietet.
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- BRAUN,
Michael (2001): Das Weltei der Geschlechter.
Georg Klein, Julia Franck,
Wilhelm Genazino und Thomas Meinecke in
Sulzbach-Rosenberg bei einem literarischen
Wochenende über "Frauen und Männer"
in: Frankfurter Rundschau
v. 04.07.
- Kommentar:
BRAUN zieht ein
ernüchterndes Fazit:"Eine neue
sinnliche Gewissheit der Literatur über
'Frauen und Männer' ist indes nicht in
Sicht. Wir werden uns bis auf weiteres
auf Reprisen und Variationen einstellen
müssen." Der Maßstab von BRAUN ist
der Macho, dessen Denken um Einsamkeit
und Liebe als ekstatischem
Ausnahmezustand kreist. Dagegen sind den
gegenwärtigen Protagonisten die Liebe
abhanden gekommen und das Scheitern
übriggeblieben. Als Beispiel für den
"männlichen Sozialisationstyp"
werden die "Helden" von Wilhelm
GENAZINO
angeführt.
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- SCHULLER,
Alexander (2001): Hellas in der
Doppelhaushälfte.
Eltern
und Kinder brauchen einander nicht mehr. Über
den Tod der Familie,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 03.07.
- Kommentar:
Ein Berliner
Soziologe präsentiert eine
Zerfallsgeschichte mit allen gängigen
Zutaten: Gewalttätige oder bestenfalls
egoistische Kinder statt Kinder, die auf
ihre Eltern hören; berufstätige
Rabenmütter statt liebevolle
Hausmütter, machtloser Hausherr statt
Paschatum, technische Revolution statt
Altersweisheit, Selbstverwirklichung
statt Gemeinwohl, schulische
Wissensvermittlung und Medienvorbilder
statt Elternautorität, Emanzipation
statt Herr im Haus, Gebärstreik statt
Generationenvertrag, familieninterner
Generationenkampf statt Abhängigkeit der
Kinder von den Eltern. Heilige Vormoderne
statt teuflischer Moderne. Ein
Gekränkter möchte zurück in die
Zukunft...
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- GERMIS,
Carsten (2001): Neues Erziehungsgeld nach der
Wahl?
Die
SPD will mehr Geld für Mütter, Väter und
Kinder - und stellt deshalb das
Ehegattensplitting auf den Prüfstand,
in: Tagesspiegel v. 03.07.
- MONATH,
Hans (2001): Kindgerecht.
Die
SPD macht der Union das Wahlkampfthema Familie
streitig - den Grünen auch,
in: Tagesspiegel v. 03.07.
- Kommentar:
Die SPD segelt auf
dem Zeitgeist, der in der Familie einen
"Ort der Geborgenheit in einer Welt
rasender Veränderungen" sieht.
Peter GLOTZ hat diese Entwicklung in
seinem 1999 erschienenen Buch "Die
beschleunigte Gesellschaft. Kulturkämpfe
im digitalen Kapitalismus"
beschrieben und Michel HOUELLEBECQ hat
diese Sehnsucht nach Familie zum Thema
des Buches "Elementarteilchen"
gemacht. Die Romantisierung der Familie
geht mit einem Paradigmenwechsel einher:
Familie soll nicht mehr als Objekt
staatlicher Fürsorge begriffen werden,
sondern als DER Leistungsträger der
Gesellschaft. Nicht mehr die
"Problemfamilien" von
Alleinerziehenden stehen deshalb im
Mittelpunkt, sondern die Kernfamilien der
Neuen Mitte. Für MONATH ist mit diesem
Politikwechsel notwendigerweise auch ein
Personalwechsel verbunden.
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- HELLSTRÖM,
Mats (2001): Deutschland hinkt hinterher.
In
Schweden sind längst 80 Prozent der Frauen
berufstätig. Denn Kinder und Alte können
außerhalb der Familie betreut werden, Ehefrauen
sind steuerlich nicht begünstigt,
in: TAZ v. 03.07.
- Kommentar:
Wenn
Familienpolitiker auf Schweden zu
sprechen kommen, dann kommen sie meist
ins Schwärmen, aber ganz so rosig sieht
es dort mit der Elternzeit auch nicht
aus:
"'Vatermonat/Muttermonat', der
beiden Eltern zusteht, aber nicht auf den
Partner übertragbar ist. Ab dem Jahr
2002 kommt dann noch ein weiterer Monat
hinzu. Wird dieser nicht ausgenutzt,
verfällt er ganz. Allerdings ist es
schon jetzt so, dass nur 50 Prozent der
schwedischen Männer von ihrem Vatermonat
Gebrauch machen. Zudem sind es - anders,
als man in Deutschland manchmal von den
schwedischen Männern glaubt - lediglich
zehn Prozent, die ihr Recht auf
Elternzeit vollständig ausnutzen.
Auch manches schwedische Unternehmen hat
inzwischen begriffen, dass seine
Familienpolitik ein entscheidender Faktor
bei Neueinstellungen ist. So garantieren
die Firmen ihren wichtigeren
Mitarbeitern, dass sie die Differenz
zwischen dem staatlichen Elterngeld und
dem Gehalt ausgleichen, damit kein
Verlust entsteht und man die Elternmonate
wirklich genießen kann. Dennoch gibt es
leider immer noch viele Männer, die
Angst um ihre Karriere haben und auf
dieses Angebot verzichten. Daher ähnelt
die schwedische Situation dann doch der
deutschen."
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- BECKER,
Astrid (2001): Kuchen für das Gemeinwohl.
Beruf und Familie in Zeiten
der Ich-Gesellschaft ,
in: Süddeutsche Zeitung v.
02.07.
- Kommentar:
Susanne MAYER,
Zeit-Redakteurin, Jürgen SATTARI,
Ehrenamtlicher Bundesvorstandssprecher
von Robin Wood, die Soziologin Betty
SIEGEL und der Unternehmer Thomas WINZER
diskutierten im Rahmen der
Stadtforum-Reihe 'Sieben Versuche, die
Welt über Wasser zu halten' das Thema
'Die Ich AG' . Moderiert wurde die
Veranstaltung von SZ-Redakteur Herbert
Riehl-Heyse. Die Debatte war
offensichtlich überflüssig: Die
Vorurteile standen vorher schon fest!
Vielleicht hätte man die Debatte auf der
1.Single-Messe in Deutschland
veranstalten sollen, dann hätte man
nicht ÜBER Yuppies reden
müssen, sondern hätte Yuppies befragen
können. Nur mit den Alleinlebenden hat
das sehr wenig zu tun. Die Mehrheit der
Alleinlebenden sind Nicht-Erwerbstätige,
weil das partout nicht zum Vorurteil
passen möchte, redet man über das
Yuppie-Stereotyp und nicht über
Alleinlebende, obwohl man diese für die
Yuppies par excellence hält. Man müsste
sonst über die Individualisierung DER
Familie reden und das geht nicht, denn
Familie ist politisch korrekt nur sozial
denkbar. Also ist die Wirtschaft für das
Böse und die Familie für das Gute
zuständig. Die böse Wirtschaft schadet
der guten Familie. Punkt.
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- SCHWARZER,
Alice (2001): Gebärstreik.
Sterben die
Deutschen aus?,
in: Emma,
Juli/August
- Kommentar:
Alice
SCHWARZER
möchte gerne der Boss der
Frauengewerkschaft sein, die per
Gebärstreik die
Arbeitsbedingungen der Frauen
verbessern möchte. Der
gegenwärtige Geburtenstand ist
aber nicht das Ergebnis eines
Gebärstreiks, den die
Frauenbewegung organisiert
hätte.
Die
Frauenbewegung schreibt sich
Erfolge zu, an denen sie so gut
wie gar keinen Anteil hat. Der
gegenwärtige Geburtenrückgang
ist nichts anderes als die Folge
des Geburtenrückgangs
von 1964 bis 1978.
Selbst ein Baby-Boom wie in den
50er Jahren würde diesen Trend
nicht umkehren können. Der Trend
kehrt sich erst dann um, wenn die
Kohorten ab 1978 Mütter werden.
Familienpolitik
kann durch Kosmetik (z.B.
erhöhtes Kindergeld) diese
Auswirkungen zu vertuschen
suchen, indem potenzielle Mütter
dazu ermuntert werden, die Geburt
eines gewünschten Kindes um ein
paar Jahre vorzuziehen. Am Trend
selbst, ändert sich nichts.
Der Babyboom
der Wirtschaftswunderjahre zeigt
vielmehr, dass die Bedingungen
auf dem Arbeitsmarkt einen viel
grösseren Einfluss auf die
Anzahl der kinderlosen Frauen
hat, als alle anderen Faktoren.
SCHWARZER
weist zwar auf die gute
Infrastruktur bei der
Kinderbetreuung in Ostdeutschland
hin, ohne jedoch zu erwähnen,
dass Ostdeutschland das beste
Beispiel dafür ist, dass
zwischen Kinderlosigkeit und
guter Infrastruktur kein direkter
Zusammenhang bestehen muss. In
Ostdeutschland ist die
Geburtenrate seit 1989 wesentlich
niedriger als in Westdeutschland
- trotz der besseren
Betreuungsstruktur. Auch hier ist
die Situation auf dem
Arbeitsmarkt der entscheidere
Faktor.
"Gerade
die Hausfrauen bekommen die
wenigsten Kinder. Die Euroskala
der Relation zwischen
Frauenerwerbstätigkeit und
Geburtenrate enthüllt eine
Sensation: Je berufstätiger die
Frauen sind, um so mehr Kinder
bekommen sie - und je weniger
berufstätig sie sind, um so
weniger Kinder", meint
SCHWARZER. Über die Kinderzahl
pro Hausfrau sagt dieser
Internationale Vergeich
überhaupt gar nichts aus! Es
werden hier sozusagen zwei
verschiedene Sachverhalte
unzulässigerweise vermengt. Aus
dem internationalen Vergleich ist
weder zu ersehen, ob die Frauen
teilzeitbeschäftigt oder
vollbeschäftigt sind, ob sie im
Agrarsektor, in der Industrie
oder im Dienstleistungssektor
beschäftigt sind. Sind diese
europäischen Länder deshalb
überhaupt vergleichbar? Wie sah
die demographische Struktur
dieser Länder in den letzten 50
Jahren aus? SCHWARZER unterstellt
wie so viele andere, dass diese
Faktoren keinerlei Rolle spielen.
Der gesellschaftliche Wandel ist
in diesen Ländern jedoch
durchaus unterschiedlich
verlaufen.
Ein
wichtiger Punkt in der
Argumentation ist der behauptete
Arbeitskräftemangel. Dies ist
auch der entscheidende Punkt und
nicht die
Vereinbarkeitsproblematik von
Beruf und Familie. Die Lösung
der Vereinbarkeitsproblematik ist
abhängig von der jeweiligen
strukturellen und konjunkturellen
Arbeitsmarktsituation und nicht
umgekehrt.
Der
Niedergang der Frauenbewegung in
den 70er Jahren fiel nicht
zufällig mit einer veränderten
Arbeitsmarktlage zusammen,
sondern war vom Ende der
Vollbeschäftigung und dem Beginn
der Massenarbeitslosigkeit
mitbedingt.
Wer wie
SCHWARZER Bevölkerungspolitik
als Frauenpolitik betreiben
möchte, der ist von den
ökonomischen Verhältnissen
direkt abhängig. Die Rede vom
"Gebärstreik" versucht
diese Abhängigkeit zu negieren.
SCHWARZERs
"Gebärstreik" ist
jedoch nichts als ein
Papiertiger...
- SCHWARZER,
Alice (2001): Nach außen emanzipiert.
Nach innen abhängig.
Sie sind ein
emanzipiertes junges Paar, und es ging
auch lange gut - bis, ja bis die beiden
Kinder kamen. Heute findet Anna die Lage
nur noch "entwürdigend",
in: Emma,
Juli/August
- Kommentar:
Der Mann
möchte die Kinder und die Frau
hat die Arbeit. Nichts Neues aus
der SCHWARZER-Welt.
- KOPPETSCH,
Cornelia (2001): Emanzipierte Frauen
vertuschen am meisten.
Sieh an. Niemand
vertuscht die Ungleichheit im Haushalt so
eifrig wie - emanzipierte Frauen. Wollen
sie damit die Männer über die
Gleichheit im Beruf hinwegtrösten?,
in: Emma,
Juli/August
- Kommentar:
KOPPETSCH
hat nach dem Vorbild von Jean-Claude
KAUFMANNs "Schmutzige
Wäsche"
die häusliche Arbeitsteilung des
"egalitären Paares"
Paul und Beate analysiert.
KOPPETSCH geht es um die
"Gleichheitsfiktion" in
emanzipierten Beziehungen. Die
Prämisse ist dabei, dass der
Mann sich der Hausarbeit zu
entziehen sucht, während die
Frau ihre Mehrarbeit zusätzlich
vor sich selbst rechtfertigen
muss. Dieses Muster wirkt
heutzutage jedoch antiquiert und
ist in den neuen Paarbeziehungen
der Neuen Mitte schon längst ad
akta gelegt worden. In der
Dienstleistungsgesellschaft wird
der Geschlechterkonflikt mitsamt
der Hausarbeit ausgelagert. Die
"Generation
Golf"
ist da pragmatischer als die
übriggebliebenen
70er-Jahre-Emanzen (siehe
hierzu Simone ODIERNA).
- BUSCHHEUER,
Else (2001): Der arme Vater und die
Rabenmutter.
Else Buschheuer
arbeitet im Fernsehen und schreibt
Bücher ("Masserberg"). Und sie
hat eine Tochter. Die ist heute 15. Und
lebt beim Vater. Dabei gehören die
Kinder doch zur Mutter! Oder?,
in: Emma,
Juli/August
- Inhalt:
Else
BUSCHHEUER liefert einen
Erfahrungsbericht über den
Wechsel vom Leben mit Tochter zum
Leben ohne Tochter und die damit
verbundenen Selbstzweifel,
Rechtfertigungszwänge und
Lügen.
- NÜRNBERGER,
Christian (2001): Die Karrieremutter und
der Hausmann.
Als Erstes, dachte
ich, werde ich ein Buch über mein Leben
als Hausmann und Vater schreiben. Seht
her, werde ich Alice Schwarzer und den
anderen mitteilen: Hier bin ich, der neue
Mann, ein Held unserer Zeit!,
in: Emma,
Juli/August
- Kommentar:
Offensichtlich
gibt es bei EMMA (und nicht nur
hier) ein Problem: Die
Artikelschreiber sind Teil der
Medienbranche und gehören damit
zu einem Milieu, das für die
Gesamtgesellschaft wenig
repräsentativ ist, aber dafür
wenigstens die besten
Möglichkeiten besitzt
"Politik in eigener
Sache" zu betreiben und es
gibt Einblicke in die Familien
der Neuen Mitte.
NÜRNBERGER
ist kein freiwilliger neuer
Vater, sondern hat sich erst dazu
entschlossen, nachdem seine
berufliche Perspektive nicht mehr
ganz so rosig aussah. Positiv
gewendet: "Aussteigen. Vater
werden!".
Der Autor
beschwert sich wie Paul-Hermann
GRUNER
über das negative Image von
neuen Vätern, aber das war wohl
nicht das Hauptproblem:
"Nach einem Jahr hatte ich
vom Hausmännerdasein die Nase
voll. Wir engagierten Putzfrauen,
Babysitter, au-Pair-Mädchen und
überhaupt alles, was man so
braucht, und ich atmete auf.
Endlich konnte ich wieder meinem
Vergnügen nachgehen, meinem
Beruf, wenn auch weiter von zu
Hause aus."
Nicht nur
die Lösung der
Geschlechterfrage, auch die
Lösung der Kinderfrage wird
heutzutage in der Neuen Mitte
pragmatisch der
Dienstleistungsgesellschaft
anvertraut...
- LESSMANN,
Ulla (2001): Jeder fünfte Mann will
Teilzeit arbeiten.
Jetzt können auch
Männer Teilzeit arbeiten. Zumindest
theoretisch. Denn die ist seit dem 1.
Januar ein Rechtsanspruch. Na denn.,
in: Emma,
Juli/August
- Kommentar:
Die
Überschrift ist irreführend! Es
geht nicht um Männer, sondern
nur um die Untergruppe der
Väter.
- EMMA
(2001): 5 nach 12. Und worauf wartet
Vater Staat?
Mikrosoziologen sind
zuständig für das Funktionieren in der
kleinsten Zelle: für Bräuche, Sitten
oder Gefühle von Menschen. Prof. Hans
Bertram lehrt Mikrosoziologie an der
Humboldt-Universität Berlin. Und er
findet das Verhalten der Geschlechter in
Deutschland total gestrig,
in: Emma,
Juli/August
- Kommentar:
Der
Soziologe BERTRAM fordert
Solidarleistungen von allen:
" Die Gesellschaft muss von
allen ihren Mitgliedern die
zeitlich gleiche Solidarleistung
für die Gesellschaft verlangen -
mindestens fünf Jahre -, und die
muss jedes Mitglied in seinem
Lebenslauf unterbringen oder aber
eine entsprechende Kürzung
seiner Rente hinnehmen. BERTRAM
plädiert damit für eine zivilgesellschaftliche
Lösung,
die nicht auf Freiwilligkeit,
sondern auf Zwang beruht.
- SCHENK,
Herrad (2001): Mutterliebe Oder: Muttie
ist die Dümmste.
Die moderne
24-Stunden-Mutter ist neu in der
Menschheitsgeschichte. Und sie ist eine
Reaktion auf die Frauenbewegung. Belegt
Herrad Schenk,
in: Emma,
Juli/August
- Inhalt:
Die
Soziologin SCHENK behauptet, dass
sich Frauen seit den 70er Jahren
entweder für oder gegen Kinder
entscheiden können. Die
"Neue Mütterlichkeit"
der 80er Jahre ist mit einem
neuen Mutterkult einhergegangen:
"Frauen können heute leben,
wie sie wollen - aber nur,
solange sie keine Kinder haben.
Entschließen sie sich aber,
Mütter zu werden - dann sind sie
mehr denn je der Mutter-Ideologie
unterworfen."
Der
gegenwärtige, extrem an den
kindlichen Bedürfnissen
orientierte Erziehungsstil führt
nach SCHENK dazu, dass "man
nur ein einziges Kind unter drei
Jahren" betreuen kann.
Diese
Aufwertung der Mütterlichkeit
ist für SCHENK die Folge der
Wahlfreiheit und dem damit
verbundenen Rechtfertigungszwang.
Im
Gegensatz zu Barbara VINKEN, die
den Mutterkult kulturhistorisch
herleitet,
argumentiert SCHENK hier
sozialpsychologisch. Der
Mutterkult, d.h. die Überzeugung
für das eigene Kind unersetzlich
zu sein, könnte nach SCHENK aber
auch eine kompensatorische
Funktion im Zusammenhang mit der
Belastung von Müttern haben.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 16. bis 30. Juni
2001
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Bitte beachten Sie:
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©
2000-2002
Bernd Kittlaus |
[email protected] |
Stand:
07. April 2002 |
|
Zugriffe
seit
dem 14.Juni 2000 |
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