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Medienrundschau:
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Zitat
des Monats:
Wie Neoliberale mit politischem Framing den Sozialstaat
dämonisieren
"Die
Vorstellung, dass soziale Absicherung dem Bürger nicht hilft,
sondern ihm ganz im Gegenteil schadet, steckt in dem Frame der
Sozialfalle oder auch Sozialhilfefalle (...). Wer
in der Falle sitzt, hat die Kontrolle über die Situation
verloren. Er ist dem Fallensteller ausgeliefert, er ist Opfer.
Wer in einer Falle sitzt, hat nur ein Ziel: seine Freiheit
wiederzugewinnen, um sich wieder bewegen und den zuvor
eingeschlagenen Weg fortsetzen zu können.
Die metaphorische Übertragung des Fallen-Frames auf
Sozialleistungen (...) vergibt die Rolle des »Bösewichts« an den
Staat - seine Fürsorge wird zur beabsichtigten Schädigung des
Empfängers, denn der sitzt in der Falle, sobald er Leistungen
bezieht. (...).
Der Frame blendet gedanklich aus, dass auch jene, die
Sozialleistungen beziehen, sich weiterhin - und oft gerade durch
diese Hilfe! - persönlich und beruflich entwickeln und auf ihre
Lebensziele zubewegen.
Er blendet aus, dass Bezieher gerade ohne Hilfe
Gefährdungen im Sinne sozialer und finanzieller Not ausgesetzt
sind und zumindest einen Teil ihrer Bewegungsfreiheit verlieren."
(Elisabeth Wehling,
"Politisches Framing", 2016, S.128f.)
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11.03.2017
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CREMER, Georg
(2017): Über Gerechtigkeit streiten, aber lösungsorientiert.
Das Problem des deutschen
Sozialstaats ist nicht, dass er notwendige Hilfen verweigert, sondern
dass er nicht wirksam genug ist, das Entstehen von Notlagen zu
verhindern. Woran sich die Wahlkämpfer orientieren sollten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.03.
Der Kirchenfunktionär Georg CREMER schwadroniert wieder einmal über
sein Lieblingsthema, das er schon ausführlich
in der FAS dargestellt hat: Angeblich wird in Deutschland
zu viel Umverteilungspolitik und zu wenig Aktivierung gefordert,
obwohl das Gegenteil der Fall ist.
Aktivierung wird leider nicht im Sinne von Amartya SEN verstanden,
sondern auf das Fordern reduziert.
Das Fördern darf nichts kosten. Das kann man heute auch bei Manfred
SCHÄFERS nachlesen. Im Haushalt 2018 wird der Haushalt des
Bildungsministerium um 0,7 Prozent gekürzt - allen Forderungen für
mehr Bildung zum Hohn! Unter Bildung versteht man in Deutschland
nämlich nicht Förderung bildungsferner Milieus, sondern allein die
Subventionierung der Bauindustrie und die Privatisierung von
Bildungseinrichtungen: Beton statt Bildung ist die Devise. Darüber
lesen wir nichts bei CREMER, dem es lediglich um billige Polemik
geht, bei der die
absolute Armut gegen die relative Armut ausgespielt wird.
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SCHÄFERS, Manfred
(2017): Ein Kompromisshaushalt vor der Wahl.
Einnahmen und Ausgaben sollen
nächstes Jahr um 1,9 Prozent auf 335,5 Milliarden Euro steigen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.03.
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WOLFF, Volker
(2017): Irreführende Bezeichnungen.
Die Vermögensfrage: Immer weniger
Garantien, immer größere Risiken und kaum bessere Zinsen bieten die
Lebensversicherer mit ihren neuen Tarifen. Andere Sparformen sind
klarer und rentabler,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.03.
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LANDFRIED, Christine & Robert POST
(2017): Schluss mit Schönfärbereien.
Die Eliten vergessen die
kulturellen Voraussetzungen für Demokratie. Der Populismus präsentiert
ihnen dafür jetzt die Rechnung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.03.
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HAAF, Meredith
(2017): Umsonst und draußen.
Der Feminismus wurde lange durch
Identitätsfragen und Richtungsstreits geschwächt. Nun sammelt er sich
unter einem Großthema: die weibliche Arbeit,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.03.
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10.03.2017
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LESSENICH, Stephan
(2017): Phantomschmerztherapie.
Die Begeisterung für den
SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz ist gewaltig - allerdings aus den
falschen Gründen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.03.
Der Soziologe Stephan LESSENICH hat die Nachfolge von Ulrich BECK
angetreten. Seitdem steht er ihm im Neusprech in nichts mehr nach.
Als er noch wenig bekannt war,
war er ein produktiver Denker, der den Gesellschafts- und
Sozialstaatswandel auf den Punkt brachte. Je steiler jedoch
seine Karriere verlief, desto mehr näherte er sich dem Mainstream
an.
Nun ist er dort angekommen: Teil der herrschenden Elite. Statt
Roß und Reiter zu nennen, schwadroniert er vom Wohlstandsbürgertum,
ohne dieses zu definieren, sodass sich keiner angesprochen fühlen
muss. Das Wohlstandsbürgertum sind im Zweifelsfalle immer die
anderen.
LESSENICH wiederholt noch einmal
die einseitige Rezeption des Buchs
Rückkehr nach Reims von Didier ERIBON:
"Die deutsche Gesellschaft der
Merkel-Ära als »Abstiegsgesellschaft« zu verstehen und die
Rechtsdrift im Parteiensystem als Ausdruck verbreiteter
Abstiegsängste, ist nicht nur eine soziologische Konstruktion.
(...). Mehr noch als Oliver Nachtweys gewissermaßen titelgebende
Studie über »das Aufbegehren in der regressiven Moderne« dürfte in
diesem Sinne Didier Eribons Autobiografie »Rückkehr nach Reims«
von Bedeutung gewesen sein".
In der
Mainstreamberichterstattung wird ausgeblendet, dass
ERIBON Zweifel daran hegt, dass die Arbeiterschaft die "natürliche
Klientel" der Linken sei. Vielmehr kommt es nach ERIBON darauf
an, einen Deutungsrahmen zu schaffen, der unsere Gegenwart
verständlich macht. In diesem Sinne steht ERIBON den Vorstellungen
von Elisabeth WEHLING nahe, die von
politischem Framing spricht. Der deutsche Journalist Christian
BARON hat diese Sicht auf die deutsche Situation übertragen. BARON
hatte Unterschichteltern und schreibt derzeit an seiner Promotion
zum deutschen Sozialstaatsdiskurs. Als sozialer Aufsteiger hat er
einen anderen Blick auf das linksliberale und linksradikalte Milieu
in Deutschland. BARON legt die Finger in die Wunden bis es weh tut,
weshalb sein Buch in Deutschland weit weniger von unseren
meinungsführenden Eliten zur Kenntnis genommen wurde.
Während LESSENICH nur an der
Oberfläche der Problematik kratzt, zeigt BARON
warum die Kulturlinken lieber die Welt retten wollen, als die Armut
im eigenen Land zu bekämpfen. LESSENICH gehört in diesem Sinne
ebenfalls zu diesen Kulturlinken, wenn er den Gesellschaftsvertrag
folgendermaßen ausbuchstabiert:
"Ihr, die politischen und
ökonomischen Funktionseliten dieser Gesellschaft, dürft uns, die
besitzlosen, aber mit dem allgemeinen Wahlrecht ausgestatteten
Massen, im Betrieb und über das Parlament beherrschen, soweit und
solange ihr für permanentes Wachstum und steigende
Konsummöglichkeiten, ein wenig Umverteilung und die Aussicht auf
sozialen Aufstieg für uns und unsere Kinder sorgt.
Und (...) wenn ihr die Kosten dieses Arrangements von uns fern und
uns dessen Nebenwirklungen vom Halse haltet: nämlich die für
ökonomisches Wachstum notwendige Naturzerstörung, die trotz
Umverteilung verbleibende Armut, das Wissen um die Gründung
hiesigen Wohlstands auf der harten Arbeit von Menschen anderswo
auf der Welt, die Aufstiegswünsche auch dieser Menschen für sich
selbst und ihre Kinder. Wer heute von der »Abstiegsgesellschaft«
und ihren Sorgen redet, sollte von den Voraussetzungen und
Funktionsbedingungen der Aufstiegsgesellschaft, in Deutschland wie
im Rest der westlichen Nachkriegswelt, nicht schweigen."
Man kann das
in Abwandlung eines Satzes von BARON auf den Punkt bringen:
"Für
Kulturlinke sind die Menschen in relativer Armut verantwortlich
für das Elend der Welt."
Gemäß LESSENICH dürften wir erst
für bessere Lebensbedingungen in Deutschland kämpfen, nachdem wir
die Welt gerettet haben: also nie! Es ist wesentlich einfacher sich
als Moralist aufzuspielen als sich durch ein Bekenntnis zu einem
konkreten Gesellschaftsverständnis angreifbar zu machen. Sich auf
den Standpunkt zu stellen, dass die guten alten Zeiten, was immer
das gewesen sein soll, nicht wiederkehren, reicht nicht aus, denn
was uns erwartet ist nicht vorgezeichnet, sondern offen!
Das Abendland ist schon bei Oswald SPENGLER untergegangen und die
Deutschen sterben bereits seit 100 Jahren aus.
Fazit: Mit billiger Polemik ist
es nicht getan. Martin SCHULZ ist Teil des Problems und nicht die
Lösung. LESSENICH aber bleibt die Antwort schuldig, was die
Alternative wäre. Postwachstumsgesellschaft?
Die Produktion von Lebensqualität gilt seit längerem als
Wunderwaffe. Aber auch hier geht es darum, die Spreu vom Weizen zu
trennen!
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HAGELÜKEN, Alexander (2017): Sozial, aber ganz anders.
Reich und Arm: Vom hart verdienten
Lohn muss mehr übrig bleiben,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.03.
Alexander HAGELÜKEN stellt Forderungen, die man von der FDP und dem
Bund der Steuerzahler kennt, also den
Lobbyisten der Besser- und
Spitzenverdiener. Der Sozialstaat soll dagegen auf die Armenfürsorge
zurückgestutzt werden.
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STEFFEN, Johannes (2017): Rentenniveau und Beitragssatz.
Der Preis der
"Lebensstandardsicherung",
in:
sozialpolitik-portal.de v. 10.03.
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MIRALLES, Francesc & Héctor GARCIÁ
(2017): Das Geheimnis eines langen glücklichen Lebens.
Zwei Autoren sind zur japanischen
Insel Okinawa gereist, wo weltweit die meisten Hundertjährigen leben,
um herauszufinden, warum es ihnen so gutgeht. Sie haben mit den Alten
geredet, gegessen, gelacht und ein Buch daraus gemacht. Wir drucken
einen Auszug,
in:
Frankfurter Rundschau v. 10.03.
Während der Stern das Thema zur
Titelgeschichte aufgeblasen hat und auf eine Nobelpreisträgerin
setzt, setzt die FR auf MIRALLES & GARCIÁ,
die nach Ogimi, einem Ort auf der
japanischen Insel Okinawa gepilgert sind, um sich dort deren
"Geheimnisse" zu bemächtigen. Mehr als die üblichen Banalitäten, die
es auch im Stern gibt, kommt dabei nicht heraus.
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HIB
(2017): Betriebsrentenstärkung im Parlament.
Bundestag berät heute erstmals über
Gesetzentwurf und zwei Oppositionsanträge,
in:
ihre-vorsorge-de
v. 10.03.
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RAMTHUN, Christian & Max HAERDER
(2017): Andrea Nahles und die 30 Armen.
Armutsbericht: Die große Koalition
streitet über die Frage, ob es dem Land gut oder schlecht geht.
Größter Konflikt: Sollen Einzelschicksale eine Rolle spielen,
in:
Wirtschaftswoche Nr.10 v. 10.03.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
SCHÖCHLI, Hansueli (2017):
Der Plan B zur Rentenreform.
Das Nachdenken über das Szenario
des Scherbenhaufens hat bereits begonnen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 10.03.
Der Neoliberale Hansueli SCHÖCHLI betätigt sich weiter als
Einpeitscher, der die Schweizer auf sein Politikverständnis
einschwören will, dazu ist ihm noch der dümmste Vergleich nicht zu
dämlich, weil der Bund keine
Kaffeesatzleserei betreiben will. Wer aus dem 50. Stockwerk
springt ist definitiv tot, eine Modellrechnung über 30 Jahre
hinweg dagegen hängt von vielen Unbekannten ab, sodass das
Ergebnis keine Richtschnur für Politik abgeben kann. Neoliberale
möchten nur eines: Die Demokratie durch eine Expertokratie
ersetzen!
SCHÄFER, Michael (2017):
Nur wenigen gereicht es zum Ruhm.
Schweizer Vermögensverwalter
haben im vergangenen Jahr selten Mehrwert geschaffen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 10.03.
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09.03.2017
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FRÜHAUF, Markus
(2017): Blackrock will sich stärker einmischen.
Aufsichtsratchef Friedrich Merz
hält Gehaltsexzesse für gefährlich. Der Vermögensverwalter will
künftig in Einzelfällen mehr mitreden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.03.
Die großen Vermögensverwalter wie Blackrock sind in die Kritik
geraten. Nun bietet die FAZ dem ehemaligen CDU-Abgeordneten
Friedrich MERZ, der Blackrock in Deutschland mehr Macht verschaffen
soll, eine Plattform, um sich als Robin Hood aufzuspielen. Der
Wahlkampf von Martin SCHULZ lässt grüßen!
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
FORSTER, Christof
(2017): Bund verweigert Berechnungen
Verwaltung weist Einnahmen und
Ausgaben der AHV nur bis 2035 aus - entscheidend sind die Jahre
danach,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 09.03.
Auch in Deutschland kennt man diesen Versuch von Neoliberalen mit
Kaffeesatzleserei die Entwicklung der Alterssicherung schlecht zu
reden. Die Schweizer Neoliberalen
fordern Berechnungen bis 2045.
Auch in Deutschland hofften die Neoliberalen auf Zahlen, die sich
für ihre Propaganda gut ausschlachten lassen. Dumm nur: Die
Bevölkerungsentwicklung hält sich seit Jahren nicht an die
Bevölkerungsvorausberechnungen.
Schon vor 10 Jahren wurde das große Schrumpfen angesagt. 2050
sollten in Deutschland nur noch 69-74 Millionen Menschen leben.
Die aktualisierte Vorausberechnung des
Statistischen Bundesamtes geht dagegen von 79 Millionen Menschen
aus.
STALDER, Helmut (2017): Stimmzettel zur Rentenreform wird zur
Knobelaufgabe.
Bei einem Urnengang am 24.
September müsste über mehr als nur eine Frage abgestimmt werden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 09.03.
Helmut STALDER stellt Überlegungen an, wie die Erhöhung des
Renteneintrittsalters auf 67 Jahre mittels
Interventionsmechanismus, trotz Scheitern im Parlament über den
Urnengang doch noch über die Hintertür erfolgreich durchgesetzt
werden könnte.
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08.03.2017
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FRANKFURTER RUNDSCHAU-Titelthema: Der
Kampf um die Frauenbilder.
Mit dem Aufstieg der Rechten ist
der Streit über die weibliche Rolle neu entbrannt. Zum
internationalen Frauentag ein Blick auf die Fronten
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HEBEL, Stephan
(2017): Deutsche Frauen, deutsche Kinder.
Wie die AfD und ihr Umfeld für ein
reaktionäres Familienbild werben - und dafür den eigenen Nachwuchs
benutzen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 08.03.
Stephan HEBEL macht es sich mit
seiner Schuldzuschreibung allzu einfach, den die AfD führt nur das
weiter, was der Neoliberalismus von Rot-Grün und die damit
verbundene Demografisierung gesellschaftlicher Probleme Anfang des
neuen Jahrtausends salonfähig gemacht haben. Herwig BIRG und
Gunnar HEINSOHN haben die Vorarbeit geleistet, auf der die
Rechtspopulisten der AfD aufbauen konnten. Und man denke an auch
an den FDP-Gesundheitsminister Daniel BAHR, der das Down-Breeding
bereits lange vor Thilo SARRAZIN beklagte!
Dass Schwangerschaften
politisch instrumentiert werden, konnte man bereits
in der
ZEIT lesen. Und auch hier war die AfD keineswegs
Vorreiter, sondern spätestens als die siebenfache, deutschstämmige
Mutter
Ursula von der LEYEN Familienministerin wurde, gilt in
Deutschland Kinderreichtum als Statussymbol der oberen
Mittelschicht. Und die Schwangerschaft von Parteifunktionärinnen
und Ministerinnen wurde von
Ekin DELIGÖZ (Grüne)
über
Andrea NAHLES (SPD) bis zu
Kristina SCHRÖDER (CDU) zelebriert. Die AfD hatte also
genügend Vorbilder unter der neuen Mitte!
Dass die AfD diese
Steilvorlagen noch eine Schraubendrehung weiterdreht, wäre ohne
die
Konvergenz von neuer Mitte und neuer Rechte nicht möglich
gewesen.
SCHRUPP, Antje
(2017): In Zukunft ohne Frauenbilder.
Der moderne Feminismus will nicht
die Lage von einigen Frauen verbessern, sondern die ganze
Gesellschaft,
in:
Frankfurter Rundschau v. 08.03.
MAYER-KUCKUK, Finn (2017): Hübsch aussehen und Tee servieren.
Gehilfinnen und Gebärmaschinen -
mehr sind Japanerinnen für Konservative nicht wert,
in:
Frankfurter Rundschau v. 08.03.
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taz-Sonderseiten:
Wir sind viele.
Diversität: Von People of Colour,
Muslim'innen, Trans*menschen, Reichen, Armen, Geflüchteten. Eine
Sonderausgabe zum Frauentag
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OESTREICH, Heide (2017): Her mit der Identitätspolitik.
Debatte: Die egozentrische
Identitätspolitik der Minderheiten hat den kleinen weißen Mann und
die soziale Umverteilung vernachlässigt? Falsch!
in:
TAZ v. 08.03.
Die erste Hälfte der Polemik von
Heide OESTREICH kann man getrost überspringen ohne
irgendwelche Argumente verpasst zu haben. Erst bei ihrer
Argumentation hinsichtlich der Umverteilungspolitik wird OESTREICH
konkreter, wobei es sich hier um ein Rückzugsgefecht handelt, das
als Lob des Feminismus als Umverteilungspolitik daherkommt.
Die bösen Neoliberalen seien
schuld, dass Umverteilungspolitik keine Chance hatte: Allen voran
die SPD:
"Die Gegenseite hatte es
geschafft, linke Umverteilungspolitik als faule Betonierung
eines Status quo darzustellen, den »wir« uns nicht mehr leisten
können. Die Gegenseite, das waren die ProfiteurInnen der
Globalisierung. Und die sozialdemokratischen Parteien glaubten
ihnen, wollten sich fit für den Weltmarkt machen und bauten den
Sozialstaat ab. Letztendlich ist die AfD also auch ein Produkt
der Sozialdemokratie, die sämliche kleine Leute im Regen stehen
ließ."
Offenbar ist OESTREICH auf
ihrem grünen Auge blind. War das nicht Rot-Grün, die den
Sozialabbau betrieben? Und standen nicht auch die Grünen hinter
dem Sozialabbau, weil ja ihre gut situierte Klientel davon nur
marginal betroffen war? Ganz pervers wird es dann, wenn OESTREICH
die Identitätspolitik zum letzten Rückzugsort der
Umverteilungspolitik stilisiert:
"Man könnte sagen, dass über
die Identitätspolitik der »Minderheiten« die
Umverteilungspolitik überhaupt über neoliberale Zeiten
hinweggerettet wurde."
Vom deutschen Elitenfeminismus,
der die Doppelkarriere-Familie der oberen Mittelschicht zum
gesamtgesellschaftlichen Ideal erhob, obwohl Arbeiterinnen von
dieser Politik am allerwenigsten profitierten, schweigt OESTREICH.
Stattdessen hebt sie die Ikonen des Postfeminismus wie Angela
McROBBIE ("Top
Girls", 2010) heraus, verschweigt jedoch, dass diese sich
gegen den Mainstream des Elitenfeminismus - auch der taz -
erst langsam behaupten konnten. Dass die taz nun davon
nichts mehr wissen will, zeigt deutlich, dass der Elitenfeminismus
in der Defensive ist.
SONA, Zoe (2017): "In der Realität gehen wir längst andere Wege".
Familismus: Vater, Mutter, Kind,
natürlich mit traditioneller Rollenverteilung - für Rechte und
"besorgte Eltern" ist das die "Normalfamilie". Sie alle gehören zu
den Konservativen, die das Rad der Geschichte wieder zurückdrehen
wollen, sagt die Historikerin
Gisela Notz,
in:
TAZ v. 08.03.
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RÜRUP, Bert (2017): Die vergebliche Hoffnung auf den großen Wurf.
HB-Serie Reformstau in Deutschland:
Die nächste Bundesregierung muss eine weitere Rentenreform auf den Weg
bringen. Dabei sollte sie die steuerliche Kofinanzierung neu regeln,
der Altersarmut vorbeugen und den Kreis der Beitragszahler ausweiten,
in:
Handelsblatt v. 08.03.
Bert RÜRUP, einer der Architekten der Agenda 2010 auf dem Felde der
Rentenpolitik, will die gesetzliche Rentenversicherung auf die
Armenfürsorge reduzieren. Dazu polemisiert er gegen diejenigen, die
eine Stärkung der Rentenversicherung anstreben. RÜRUP erklärt die
Lebensstandardsicherung zur Illusion und die Erhöhung des
Rentenniveaus als zum ungeeigneten Mittel, um die Altersarmut zu
bekämpfen. Weder die Linkspartei noch die Sozialverbände sehen in
der Rentenniveauerhöhung eine Bekämpfung der absoluten Armut,
sondern nur ein Mittel zur Bekämpfung der relativen Armut, was RÜRUP
unterschlägt, denn statt einer Grundsicherung im Alter fordern sie
eine Mindestsicherung ohne Bedürfnisprüfung. Aber Polemiken zielen
ja nur auf die Diffamierung des politischen Gegners per
Falschdarstellung.
Dass RÜRUP sich momentan gegen
eine Erhöhung des Renteneintrittsalters eintritt, darf man getrost
als Finte bezeichnen, um die eigenen Vorschläge harmloser aussehen
zu lassen. Sie sind aber das Gegenteil:
"Der erste Punkt auf der
rentenpolitischen Agenda der nächsten Bundesregierung sollte eine
Neuordnung der steuerlichen Kofinanzierung sein. (...). Eine
saubere Antwort wäre, zu einem festen prozentualen Anteils an den
Gesamtausgaben überzugehen, was dem Bund auch mehr
Mitspracherechte in der Selbstverwaltung geben würde. (...). Der
Preis dafür wäre eine Schwächung der Beitragsäquivalenz. Im
Gegenzug würde aber der Weg geebnet, um das Alterssicherungssystem
in Zeiten demografisch und technologisch bedingter
Finanzierungsschwierigkeiten auf die Verhinderung von Altersarmut
zu konzentrieren."
Das ist eine euphemistische
Umschreibung für einen Paradigmenwechsel, an dessen Ende die
gesetzlichen Rente lediglich noch eine Armenfürsorge wäre und die
Lebensstandardsicherung der kapitalgedeckten Altersvorsorge obliegen
würde.
Mit einer Festschreibung des
Bundeszuschuss auf einen festen Prozentanteil könnte die Senkung des
Rentenniveaus durch Aufbürdung von versicherungsfremden Leistungen
auf die Beitragszahler noch reibungsloser erfolgen, ohne dass es
eines "großen Wurfs" bedürfte.
RÜRUP plädiert für die
Einbeziehung aller Selbständigen, die nicht über eigene
Versorgungswerke abgesichert sind, in die gesetzliche
Rentenversicherung. Einziger Grund: Damit könnte die
Selbstständigkeit zur Regelerwerbsform im digitalen Zeitalter
werden.
Bei RÜRUP wird deutlich, dass die
Neoliberalen nunmehr nicht mehr vorrangig auf die Demografie als
Begründung ihrer Sozialpolitik setzen, sondern auf die
Digitalisierung bzw. Roboterisierung. Dies ist darin begründet, dass
die Demografie als Argument wegzubrechen
droht oder wie es bei RÜRUP anklingt:
"Rentenpolitik reagiert stets
auf geänderte Präferenzen und wirtschaftliche wie demografische
Rahmenbedingungen: Sie ist immer Verteilungspolitik und stets
geprägt von den sich in der Demokratie ändernden Verteilungsnormen
der wechselnden politischen Mehrheiten. »Gerechtigkeit« ist in
einer Demokratie nun einmal die jeweilige Diagnonale im
Parallelogramm der politischen Kräfte. Geänderte Rahmenbedingungen
können in neuen amtlichen
Vorausberechnungen zur Bevölkerungsentwicklung oder
Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt bestehen."
Man kann dies dahingehend
interpretieren, dass die "Arbeitswelt 4.0" zukünftig die Rolle der
"Demografie" einnehmen könnte, sollte diese keine Handhabe mehr zur
Reform der Rentenversicherung bieten. Aber auch die generelle Kritik
am Neoliberalismus könnte den Rentenreformern als "veränderte
Gerechtigkeitsnormen" entgegenstehen.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
SCHÖCHLI, Hansueli (2017):
Die optische Täuschung bei den Lohnabzügen.
Wer die Zeche der steigenden
Beiträge für die Altersvorsorge bezahlt, wird verschleiert,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 08.03.
Hansueli SCHÖCHLI setzt seinen Feldzug gegen die Umverteilung von
oben nach unten fort. Dabei erörtert er schon einmal
Ausweichmanöver der Arbeitgeber, um die Kosten der Rentenreform
auf die Gesellschaft (Arbeitnehmer, Arbeitslose und Konsumenten)
abzuwälzen. SCHÖCHLI muss aber eingestehen, dass die "Marktstärke
der verschiedenen Akteure" die Abwälzungsmöglichkeiten
beeinflusst, sodass er letztlich keine Aussagen über diejenigen
machen kann, die es tatsächlich trifft. Das ist ihm jedoch auch
nicht wichtig, denn es geht hier in erster Linie um
Stimmungsmache.
NABHOLZ-HAIDEGGER, Lili & Gret HALLER (2017):
Gleichstellungspolitische Errungenschaften der 10. AHV-Revision sind
gefährdet.
Altersvorsorge 2020: Wenn aus
familienpolitischen Gründen einzelne Gruppen in der AHV privilegiert
werden sollen, dann nur nach dem Kriterium der Erziehungsarbeit und
nicht mehr nach dem Kriterium des Zivilstands,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 08.03.
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07.03.2017
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Face-Lifting
für die Agenda 2010
ANGER, Heike & Frank SPECHT
(2017): Qualifizierung für die Arbeit 4.0.
Arbeitsmarkt: Die SPD stellt ihre
Pläne vor, um auch Ältere fit für die digitale Arbeitswelt zu
machen. Die Union übt Kritik und feilt noch an einem eigenen
Qualifizierungskonzept,
in:
Handelsblatt v. 07.03.
SIGMUND, Thomas
(2017): Traditionalist statt Modernisierer.
Leidartikel: Kanzlerkandidat Schulz
will zurück ins Holozän der SPD,
in:
Handelsblatt v. 07.03.
Thomas SIGMUND will in dem
Qualifizierungskonzept nur ein "hochsubventioniertes
Frühverrentungsprogramm" erkennen. Und er hat gleich eine
Superidee: Die Finanzwirtschaft solle in Zukunft nicht nur an
Rentnern (Altersvorsorge), Kranken (Gesundheitsfonds),
Berufsunfähigen (private Berufsunfähigkeitsversicherung),
sondern auch an Arbeitslosen verdienen, weshalb er eine "kapitalgedeckte"
Arbeitslosenversicherung fordert.
Hart arbeitende Menschen, sind
für SIGMUND nur jene, die den "Spitzensteuersatz" zahlen. Er pocht
deshalb auf "Leistungsgerechtigkeit". Das würde voraussetzen, dass
wir in einer Leistungsgesellschaft leben. Wir leben jedoch in
einer Erfolgsgesellschaft, die Bildungsaufstiege torpediert. Mit
Leistung hat das nichts zu tun!
ÖCHSNER, Thomas (2017): Der bessere Arbeitslose.
Agenda 2010: Die Korrekturvorschläge
von Martin Schulz greifen zu kurz,
in:
Süddeutsch Zeitung v. 07.03.
Thomas ÖCHSNER kritisiert, dass
sich das Qualifizierungskonzept nur an die "erste Klasse der
Arbeitslosen" wendet, während die Langzeitarbeitslosen außen vor
bleiben. Denen fehlen nach Meinung von ÖCHSNER Arbeitsplätze und
vor allem Arbeitsanreize:
"Es fehlen Anreize, das
System zu verlassen, solange Hartz IV plus Minijob plus
Schwarzarbeit attraktiver als ein schlecht bezahlter Teilzeitjob
ist."
LAMBECK, Fabian
(2017): Déjà-vu im Willy-Brandt-Haus.
Die SPD stellt ein Sozialkonzept
vor, mit dessen Kernforderung man bereits 2010 auf Stimmenfang ging,
in: Neues
Deutschland
v. 07.03.
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06.03.2017
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ROST, Christian (2017): Aufsteigerstadt Augsburg.
Die schwäbische Metropole wird bald
auf mehr als 300.000 Einwohner wachsen. Viele Menschen wenden sich von
München ab, weil das Leben in der Nachbarstadt angenehm und bezahlbar
ist,
in:
Süddeutsch Zeitung v. 06.03.
"In den vergangenen sechs
Jahren verzeichnete das Stadtplanungsamt eine Zunahme der Bevölkerung
von 270 000 auf jetzt 293 000 Einwohner. Weil die Zahl der jährlichen
Sterbefälle (3100) die der Geburten um 300 übersteigt, sorgen
ausschließlich Zuzügler für das Wachstum. Es sind viele
überdurchschnittlich gebildete Menschen, die die drittgrößte Stadt
Bayerns für sich als Wohnort entdecken und gegebenenfalls nach München
zum Arbeiten pendeln. (...) 40 Prozent der Augsburger Neubürger haben
einen Hochschulabschluss, weitere 30 Prozent Abitur",
beschreibt Christian ROST die
bayerische Großstadt Augsburg in seinem Artikel, der genauso gut als
Stadtmarketing-PR durchgehen könnte. Doch die Struktur des
Arbeitsmarktes trübt das Bild:
"Die Arbeitslosenquote in der Stadt
liegt mit 5,7 Prozent zwar noch deutlich über dem bayerischen
Durchschnitt von derzeit 3,8 Prozent. In den umliegenden Landkreisen
Augsburg und Aichach-Friedberg, die große Unternehmen wie Amazon
angelockt haben und gewissermaßen das Gewerbegebiet rund um die Stadt
bilden, beträgt die Quote aber nur 2,8 beziehungsweise 2,7 Prozent. In
der Region Augsburg herrscht damit beinahe Vollbeschäftigung, wobei es
noch eine vergleichsweise große Zahl an Jobs im Niedriglohnsektor
gibt."
ROST wirbt sogar mit einem Ranking
des IW Köln aus dem Jahr 2009, als der Bezirk Schwaben besonders
schlecht abgeschnitten habe. Vor diesem Hintergrund sieht dann die
Bilanz besser aus als sie ist.
Nicht zuletzt wirbt ROST mit
billigen Studentenbuden um den Zuzug von Studenten:
"Für Altbauwohnungen mit einfachem
Wohnwert werden gar nur 6,60 Euro aufgerufen. Das macht die Stadt
gerade für Studenten interessant. Knapp 26 000 sind an der Universität
oder Hochschule eingeschrieben, das ist fast ein Drittel mehr als noch
2008. WG-Zimmer sind um einiges günstiger als in München, die Wege in
der Stadt sind kürzer, und die Cafés in der Altstadt laden zum
Abhängen ein."
Diese Bilanz sieht jedoch gar nicht
mehr so gut aus, wenn man bedenkt, dass doppelte Abitursjahrgänge für
einen überdurchschnittlichen Zustrom von Studenten gesorgt haben, der
bald wieder versiegen wird. Diese Art von Marketing könnte also bald
zum Kollateralschaden werden.
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HERMANN, Rudolf (2017): Norwegens Rentner auf den Barrikaden.
Unpopuläre
"Zwangsdigitalisierung",
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.03.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
STALDER, Helmut (2017): Endspurt im Gewirr der roten Linien
Westschweizer Linke, Juso und
auch Jungfreisinnige drohen mit dem Referendum gegen die Rentenreform,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.03.
SCHÖCHLI, Hansueli (2017):
Schuld am Mailaise sind die Regeln des Einmaleins.
Optische Täuschungen bei den Renten
der Pensionskassen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.03.
Hansueli SCHÖCHLI rechnet die Rentenhöhen schön:
"Sinkt der Umwandlungssatz
(...) von 7 Prozent aus 5 Prozent, sinkt die Jahresrente ohne
Kompensation um fast 30 Prozent."
Warum 5 Prozent? Das ist die
Empfehlung der neoliberalen Experten. Der Mindestumwandlungssatz
ist zwar bei 6,8 % festgelegt, gilt aber nur für einen Teil der
Alterssicherung. SCHÖCHLI erklärt uns nun, dass ein solch
niedriger Umwandlungssatz kein Problem sei, weil die Kaufkraft der
Renten durch niedrige Inflation und Lohnentwicklung die Senkung
sozusagen ausgleichen würde. Die Frage ist jedoch, ob das
allgemeine Inflationsmaß für die Ausgabenstruktur der Rentner
überhaupt aussagekräftig ist und zum anderen sind
durchschnittliche Lohnentwicklungen auch nicht aussagekräftig,
denn gerade unter Rentnern ist die soziale Ungleichheit besonders
hoch.
ENZ, Werner (2017): Swiss Life geht diszipliniert ans Werk.
Gewichtsverlagerungen und
Zurückhaltung mit Garantien wegen Zinslage,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.03.
ENZ, Werner (2017): Heute das Geld, morgen die Verlust.
Kommentar: Lebensversicherer im
Zinstief,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.03.
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04.03.2017
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Der
Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland 2017 in den
Medien
DANKBAR, Christine (2017): Von Armut und Ungleichheit.
Für Sie gelesen: Kritik und
Zustimmung für Arbeitsbericht,
in:
Frankfurter Rundschau v. 04.03.
Die Zeitungsrundschau von
Christine DANKBAR zum vorgestern veröffentlichten Armutsbericht
der Sozialverbände beschränkt sich auf die neoliberale Lesart des
Mannheimer Morgen, der
Welt, der Süddeutschen
Zeitung sowie der taz,
die die Working Poor fokussiert.
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GÖPFERT, Claus-Jürgen (2017): Eine Milliarde Euro für "Four".
Bis 2023 soll das Bankenviertel mit
600 Wohnungen, Läden, Restaurants belebt werden,
in:
Frankfurter Rundschau v. 04.03.
GÖPFERT, Claus-Jürgen (2017): Schlafen und arbeiten in einem
Quartier.
"Four" sill städtebaulich neue
Maßstäbe setzen - doch wer kann sich das Leben dort künftig leisten?
in:
Frankfurter Rundschau v. 04.03.
Claus-Jürgen GÖPFERT stellt das Luxusprojekt "Four" im Frankfurter
Bankenviertel vor, das angeblich Maßstäbe für die Zukunft des Bauens
setzen soll. Es existiert noch nicht einmal ein genehmigter
Bebauungsplan, sodass uns GÖPFERT nur die PR des Investors
präsentiert. Wer weiß wie heutzutage neue Bauprojekte entstehen, der
weiß, dass von den ursprünglichen Konzepten am Ende meist nur das
Renditeträchtige übrig bleibt. So stellt GÖPFERT vorrangig die
großzügigen öffentlich zugänglichen Flächen heraus. Viel
wahrscheinlicher ist jedoch, dass moderne Hochbauprojekte eher
Festungen ähneln, hinter deren Fassaden sich die Privilegierten
abschotten. Man wird also sehen müssen, was am Ende von den hehren
Plänen bleiben wird!
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Face-Lifting
für die Agenda 2010
HICKMANN, Christoph
(2017): Die Agenda Schulz.
Der SPD-Kanzlerkandidat
konkretisiert erstmals seine Reformpläne: Menschen ohne Job sollen
länger Arbeitslosengeld beziehen - im Extremfall bis zu 48 Monate.
Bedingung: Sie müssen sich weiterbilden lassen,
in:
Süddeutsch Zeitung v. 04.03.
Christoph HICKMANN erzählt uns
neues aus der Worthülsen-Fabrikation des SPD-Wahlkampfes. Nichts
davon ist endgültig, sondern lediglich ein
Pretest, um zu testen, ob die Agenda-Kosmetik nun besser bei der
Wirtschaft ankommt und zugleich nicht die Hoffnungen der
Agenda-Gegner vorschnell ganz zerstört. Die SZ brüstet
sich damit, dass das nicht-offizielle Wahlkampf-Pamphlet der
Zeitung vorliegt. Erst am Montag soll das Konzept in den
SPD-Spitzengremien beraten werden.
Fazit: Das Face-Lifting in
Sachen Arbeitslosengeld I ist in erster Linie ein
Subventionsprogramm für die Arbeitgeber, die sich damit eigene
Weiterbildungsmaßnahmen für Ältere sparen können. Man kann davon
ausgehen, dass auch die weiteren Ankündigungen Mogelpackungen sein
werden. Von Trendwende kann also keine Rede sein!
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Der DGB-Bundesvorstands-Beschluss
Zukunftsgerichtete Rentenpolitik in den Medien
MAD (2017): Die Rente soll steigen.
Der DGB will das Niveau des
Altersgeldes auf 50 bringen,
in:
Spiegel Nr.10 v. 04.03.
Der Spiegel bringt nun eine Rentensteigerung "auf etwa 50
Prozent" ins Spiel, das der DGB-Bundesvorstand beschlossen habe.
Diese Zahl ist nichts Neues, sondern war im DGB schon immer im
Gespräch, wenngleich konkrete Festlegungen fehlten und stattdessen
auf das Ergebnis von noch zu führenden Debatten verwiesen wurde.
Außerdem berichtet der Spiegel von "Berechnungen der Prognos
AG im Auftrag der Gewerkschaften", ohne irgendwelche Angaben zum
Erhebungszeitpunkt der Daten zu machen. Seriöse Berichterstattung
sähe anders aus!
08.03.: Mittlerweile
wurde der Beschluss veröffentlicht.
Zur den Prognos-Berechnungen heißt es:
"Die Prognos AG hat für den DGB
Berechnungen angestellt, als Fortführung/Ergänzung der
Modellrechnungen der HBS Study Nr. 345:
»Zukunft der
gesetzlichen Rentenversicherung Möglichkeiten und Grenzen
ausgewählter Reformvorschläge«"
Zur Bevölkerungsentwicklung wird
von Prognos auf die Variante 2 der 13. koordinierten
Bevölkerungsvorausberechnung zurückgegriffen (vgl. 2017, S.15), die
von überholten Annahmen zur Zuwanderung und Geburtenentwicklung
ausgeht. Folgende Annahmen werden zur Bevölkerungsentwicklung
getroffen:
| Kenngröße |
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Prognos AG |
DESTATIS |
| 2015 |
2050 |
2050 |
| Bevölkerung |
81,4 Mio. |
76,1 Mio. |
79,0 Mio. |
| Altenquotient
(65+/20-64 Jahre) |
35 |
57 |
55 |
Das
Statistische Bundesamt (DESTATIS) hat kürzlich für seine
Haushaltsvorausberechnung die Bevölkerungsvorausberechnung
aktualisiert. Noch weiter geht der
Demografiebericht der Bundesregierung mit seinen Annahmen zur
Bevölkerungsentwicklung.
Fazit: Die Beitragsentwicklung
wird zu pessimistisch gesehen. Der DGB hätte wesentlich mehr Druck
für seine Kampagne machen können, wenn er die aktualisierten
Bevölkerungsvorausberechnungen zur Grundlage genommen hätte, denn
die Kosten für die Rentenniveaustabilisierung würden geringer
ausfallen..
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FROMME, Herbert
(2017): Streit bei der Generali.
Der Finanzchef verlässt die
Versicherung,
in:
Süddeutsch Zeitung v. 04.03.
Herbert FROMME berichtet darüber,
dass der Lebensversicherer Generali weitere Vertriebsmitarbeiter aus
dem Konzern auslagern will:
"Die DVAG ist bereits der
einzige Vertrieb der Aachen Münchener und Central. (...).
Wenn aber die Generali die Vermittler vollständig an die DVAG
abgeben sollte, hätte sie künftig keinen eigenen Außendienst mehr.
Die Hauptvertriebswege wären dann die Pohl-Vertreter und die
erfolgreiche Online-Konzerntochter CosmosDirect.
Mit dem Übergang müssten auch große Versicherungsbestände von den
Generali-Versicherungen an die Aachen Münchener gehen."
FROMME, der seit längerem in der
SZ die Vertriebe als unnötige Kostentreiber in Sachen
Lebensversicherungsverträge ansieht, sieht in der Auslagerung eine
Möglichkeit zur Restrukturierung und Kostensenkung beim Vertrieb.
Ob die Kunden jedoch von solchen
Maßnahmen profitieren werden, oder nur die Profite im Interesse der
Eigner/Investoren gesteigert werden, bleibt jedoch abzuwarten.
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BRANDSTETTER, Barbara
(2017): Das böse Erwachen kommt im Alter.
Die Vermögensfrage: Häuslebauer
erhalten beim Wohn-Riester Zulagen und Steuerersparnisse. Doch die
niedrigen Zinsen lassen die Ersparnis schrumpfen. Und im Alter müssen
Bauherren im Gegenzug eine hohe Steuerlast begleichen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.03.
Wohn-Riester ist eine Riester-Rente für Privilegierte, schließlich
muss man sich ein Eigenheim erst einmal leisten können, weshalb
Barbara BRANDSTETTER nur die Besserverdiener im Auge hat.
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EISENRING, Christoph (2017):
Erinnerungen an ein mutiges Deutschland.
Statt Schröders
Arbeitsmarktreformen zu vertiefen, wettern die Sozialdemokraten heute
gegen den "neoliberalen Mainstream",
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 04.03.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
FORSTER, Christof (2017):
Die Allianz zwischen SP und CVP hält.
Ständeratskommission rückt bei
der Rentenreform nicht von ihren früheren Beschlüssen ab,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 04.03.
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03.03.2017
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ROOS, Martin
(2017): Match me if you can.
Paarungsverhalten: Die
Digitalisierung der Liebe liegt im Trend. Doch wie steht es um ihre
Qualität? Über die merkwürdigen Balzrituale geschlechtsreifer
Menschen,
in:
Wirtschaftswoche Nr.10 v. 03.03.
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Der
Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland 2017 in den
Medien
FISCHER, Sebastian (2017): Risikogruppe Rentner.
12,9 Millionen Menschen in
Deutschland sind von Armut bedroht, beklagt der Paritätische
Wohlfahrtsverband - und muss sich schon bei der Vorstellung seines
Berichts gegen Kritik zur Wehr setzen,
in:
Süddeutsch Zeitung v. 03.03.
Neoliberale der Mainstreamzeitungen diffamieren den relativen
Armutsbegriff der Sozailverbände, der Armut in den reichen
Industrieländern angemessener beschreibt als der absolute
Armutsbegriff, der zynischerweise die Armut in den Elendsgebieten
dieser Welt zum Standard auch in den Industrieländern machen will.
Drastischer formuliert: Solange es in Deutschland nicht wie z.B.
in afrikanischen Ländern ums nackte Überleben geht, solange soll
in Deutschland nicht von Armut gesprochen werden dürfen. Zur
Senkung der Sozialstandards ist für Neoliberale also noch viel
Spielraum nach unten vorhanden! Ganz so drastisch formulieren es
unsere neoliberalen Mainstreamjournalisten natürlich nicht, denn
dann wäre die Empörung groß, weshalb sie gerne zu verschleiernden
Formulierungen greifen.
Neoliberale wie Sebastian
FISCHER oder Detlef ESSLINGER begrüßen es deshalb, dass ihre
Definition von Armut in Deutschlands Mainstreammedien die
Meinungsführerschaft hat.
ESSLINGER, Detlef (2017): Worum es wirklich geht.
Kommentar zum Armutsbericht,
in:
Süddeutsch Zeitung v. 03.03.
"Nicht nur die Industrie
verfügt über Lobbyisten, sondern auch der ärmere Teil der
Bevölkerung",
erklärt uns Detlef ESSLINGER.
Wer jedoch z.B. bei der SZ, FAZ oder Welt die Berichte liest, der
stellt schnell fest: Der Lobbyismusbegriff ist in diesen
wirtschaftsfreundlichen Zeitungen fast ausschließlich für die
Sozialverbände und Gewerkschaften reserviert. Im Zusammenhang mit
Wirtschaftsinteressen spricht man dagegen verschleiernd von
Experten oder Beratern. Das zeigt bereits die Verlogenheit des
Satzes von ESSLINGER. Für ESSLINGER beschreibt der relative
Armutsbegriff nur soziale Ungleichheit, aber nicht Armut. Die
Chance zur Teilhabe hängt für ESSLINGER nicht vom relativen
Prozentanteil, sondern vom "absoluten Betrag" ab. Diesen
verschweigt uns ESSLINGER wohlweislich.
CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Wohlfahrtsverband beklagt Armut,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.03.
Dietrich CREUTZBURG schreibt das gestiegene Armutsrisiko in
Deutschland allein der gestiegenen Zahl der Asylbewerber zu, was
wohl heißen soll: Armut, die nur Asylbewerber betrifft kann
vernachlässigt werden.
GÖBEL, Heike (2017): Marktschreier der Armut.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.03.
SAUER, Stefan (2017): Armut so groß wie noch nie.
Wohlfahrtsverband schlägt Alarm,
in:
Frankfurter Rundschau v. 03.03.
SAUER, Stefan (2017): Gruppen mit hohem Risiko.
Alleinerziehende, Kinder und
Rentner besonders von Armut betroffen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 03.03.
SAUER, Stefan (2017): Abseits von Hunger.
Kommentar: Politik muss dringend
handeln,
in:
Frankfurter Rundschau v. 03.03.
Stefan SAUER kommt uns mit einer hemdsärmlichen Definition von
Armut:
"Menschen hier und heute
(sind) arm, wenn sie nicht mehr an kleinen Freuden des Alltags
teilhaben können."
DRIBBUSCH, Barbara (2017): Arbeit schützt nicht immer vor Armut.
Lebenslagen: Immer mehr Menschen
können nicht von ihrer Arbeit leben, beklagen Wohlfahrtsverbände.
Auch die Einführung des Mindestlohns helfe da wenig, da er die
Menschen oft nicht über die Armutsgrenze hieve,
in: TAZ
v. 03.03.
DRIBBUSCH, Barbara (2017): Schulz, übernehmen Sie!
Kommentar: Über Armut, Arbeit und
gefühlte Ungerechtigkeit,
in: TAZ
v. 03.03.
LEHMANN, Anna (2017): Politischer Sprengstoff: soziale Lage
Bericht: Der offizielle Armuts- und
Reichtumsbericht der Bundesregierung soll im Frühjahr erscheinen,
in: TAZ
v. 03.03.
GERNHARDT, Grit (2017): Noch nicht arm genug?
Ein Bericht der Sozialverbände
zeigt bundesweit steigende Armut - die umgehend angezweifelt wird,
in: Neues
Deutschland
v. 03.03.
GERNHARDT, Grit (2017): Hilfe statt Statistikerstreit.
Kommentar zu weiter steigenden
Armutszahlen in einem reichen Land,
in: Neues
Deutschland
v. 03.03.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
SCHÖCHLI, Hansueli (2017):
Scherbenhaufen als kleineres Übel.
Die Rentenreform soll die AHV
sanieren, doch die Vorlange des Ständerats bringt sogar eine
Kostensteigerung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 03.03.
Hansueli SCHÖCHLI knüpft wieder an sein
Generationekrieger-Mantra vom September an, das den
Klassenkampf von oben verschleiern soll.
FORSTER, Christof (2017):
Blockierte Rentenreform.
Gespräche zwischen den Spitzen
von FDP und CVP zeigen nur minimalen Spieltraum für Kompromisse,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 03.03.
Erstmals räumt Christof FORSTER ein, dass es bei der Rentenreform
auch um Lobbyismus von Seiten der Lebensversicherer geht, die vor
allem in der Klientelpartei FDP einen parlamentarischen Handlanger
finden:
"So legen die
Lebensversicherer den Parlamentariern nahe, die Reform trotz dem
AHV-Zuschlag zu schlucken. Ihr Hauptanliegen ist die Senkung des
Mindestumwandlungssatzes. Die FDP-Fraktion wird erst noch
festlegen, ob die Vorlage in der entscheidenden Abstimmung immer
noch als strategisches Geschäft gilt."
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02.03.2017
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HEIßMANN, Nicole
(2017): Die Formel für ein langes Leben.
Titel: Die Menschen auf unseren
Fotos sind alle 50. Doch die Zeit hat in jedem Gesicht ganz eigene
Spuren hinterlassen. Die Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn
erforscht, warum Menschen unterschiedlich altern. Und wie wir es
schaffen, dem Leben möglichst viele gesunden Jahre abzugewinnen,
in:
Stern Nr.10 v. 02.03.
Nicole HEIßMANN fasst die
Ergebnisse der Telomerforschung von Nobelpreisträgerin Elizabeth
BLACKBURN und der Psychologin Elissa EPEL ("Die Entschlüsselung des
Altern") zu einem Rezept des langen, gesunden Lebens zusammen, das 7
Bestandteile hat:
- gute Stressbewältigung
- Behandlung psychischer Leiden
- gesunde und ausgewogene Ernährung
- Sport
- soziale Unterstützung und Netzwerke
- täglich mindestens 7 Stunden schlafen
- weitgehende Vermeidung von Nikotin und Schadstoffen
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Die
"Altersstudie 2017" von Generali in den Medien
SOMMERFELDT, Nando & Holger
TSCHÄPITZ
(2017): Das viele Geld macht deutsche Rentner nicht glücklich.
Eine Umfrage offenbart, dass die
teuren Rentenerhöhungen zwar ankommen. Doch sie verfehlen ihren
Zweck,
in:
Welt v. 02.03.
In den Mainstreamzeitungen haben die Wirtschaftslobbyisten die
Deutungshoheit über die Lebenssituation der Rentner. Ganz dreist
missbrauchen SOMMERFELDT & TSCHÄPITZ die Studie, um gegen
Rentenerhöhungen zu polemisieren. Sie suggerieren einen direkten
Zusammenhang zwischen einem minimalen Rückgang der
durchschnittlichen Lebenszufriedenheit zur Erhebung im Jahr 2012
und dem Anstieg des Renteneinkommens. Dagegen heißt es in der
Studie:
"Der Grad der
Lebenszufriedenheit ist eng verknüpft mit dem Gesundheitszustand
und der eigenen wirtschaftlichen Lage. So sind 65- bis
85-Jährige mit niedrigem Haushaltseinkommen deutlich
unzufriedener mit dem eigenen Leben als Personen mit hohem
Haushaltseinkommen." (2017,
S.10)
Rentenerhöhungen sollen
verhindern, dass die Kluft zwischen dem Einkommen der
Erwerbstätigen und Rentnern nicht noch weiter auseinanderklafft
als es jetzt schon ist. Ihr Zweck liegt nicht in der Steigerung
der Lebenszufriedenheit wie uns die Autoren weismachen wollen.
Angesichts der immensen Einkommensunterschiede der
Rentnerhaushalte, denen eine Einteilung der Älteren in 3
Einkommensgruppen (unter 1.750 Euro; 1.750 - 3.000 Euro; über
3.000 Euro) in keiner Weise gerecht wird, können Rentenerhöhungen
die generelle Lebenssituation der Einkommensgruppen kaum
entscheidend ändern.
Der Kriterium Lebenszufriedenheit von
SOMMERFELDT & TSCHÄPITZ ist also völlig ungeeignet, um etwas über
deren Relevanz für die Rentner auszusagen.
ÖCHSNER, Thomas
(2017): Alt und zufrieden.
Den meisten 65- bis 85-Jährigen
reicht das Geld,
in:
Süddeutsch Zeitung v. 02.03.
Auch Thomas ÖCHSNER missbraucht die Zahlen der Altersstudie, um
die herrschende Alterspolitik zu untermauern, die sich an der
oberen Mittelschicht und deren Befindlichkeit orientiert. So nutzt
er Durchschnittszahlen zur Erwerbstätigkeit von Rentnern zur
Behauptung, dass die Älteren wegen dem Spaß und nicht etwa wegen
des Geldes weiterarbeiten. Die enormen Unterschiede zwischen den
Rentnergruppen bleiben dabei ausgeblendet.
CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Die große Mehrheit der Senioren ist glücklich.
Statt Altersarmut prägen steigende
Einkommen und Lebenszufriedenheit das Bild,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.03.
SAUER, Stefan
(2017): Studie: Die deutschen Senioren sind zufrieden.
Studie: Die deutschen Senioren sind
zufrieden mit ihrem Leben - vor allem, wenn sie genügend Geld haben,
in:
Frankfurter Rundschau v. 02.03.
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BRÜSS, Manfred (2017): Regierung besteht auf Garantieausschluss.
Gegenäußerung zu
Betriebsrentenstärkungsgesetz-Wünschen des Bundesrates,
in:
lbav.de v. 02.03.
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SIEMS,
Dorothea
(2017): Wer wirklich arm ist.
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz
führt eine Gerechtigkeitsdebatte, die an den sozialen Problemen völlig
vorbei geht. Stattneuer Wohltaten braucht es Chancen für
Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende und Migranten,
in:
Welt v. 02.03.
Dorothea SIEMS glorifiziert das Aktivierungsparadigma. Nicht etwa
schlechte Arbeitsbedingungen und Niedriglöhne sind das Problem,
sondern üppige Sozialtransfers. In dieser Sicht sollen die
Arbeitskräfte stärker staatlich subventioniert werden, damit die
Arbeitgeber höhere Profite erzielen können. Das heißt dann
"finanzielle Anreize" zur Arbeitsaufnahme setzen. Die wirklich Armen
(wenn man einen solch unbrauchbaren Begriff überhaupt verwenden
will), also Obdachlose und Heimbewohner, sind SIEMS egal, weil sie
für den Arbeitsmarkt und damit die Interessen der Arbeitgeber
nutzlos sind. Der Begriff "Aktivierung" ist im Grunde ein
Euphemismus, denn es geht um Ausbeutung.
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FREITAG (2017): A-Z Waschen.
Lexikon der Woche,
in:
Freitag Nr.9 v. 02.03.
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TULL, Claire-Lise (2017): Quer zu den Fronten.
Frankreich: Jean-Claude Michéa
mischt marxistische Analyse mit der Feier des einfachen,
unverfälschten Lebens. Das kommt gut an,
in:
Freitag Nr.9 v. 02.03.
Claire-Lise TULL stellt uns Jean-Claude MICHÉA als Philosoph der
Stunde vor, nur weil der in reaktionären Blättern wie dem Figaro
gepriesen wird und eine Mixtur à la Michel HOUELLEBECQ bietet, der
als erster linke und rechte Versatzstücke zu einem ungenießbaren
Cocktail zusammenrührte. Linken-Bashing ist en vogue und erfreut die
neoliberale Mitte, die ihre
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme ungehindert weiter
betreiben kann. Die von MICHÉA konstatierte Schnittstelle zwischen
Neoliberalismus
und linksliberalen Strömungen
wurde auf dieser Webseite schon seit über 10 Jahren aufgezeigt.
Hayek = Foucault? Diese Formel ist bereits die Folge reaktionärer
Umdeutungen, z.B. des Foucaultschen Konzeptes der Selbstsorge im
Zeichen des aktivierenden Sozialstaates. Darauf wurde hier schon vor
10 Jahren im Zusammenhang mit dem
neuen Ethos der Einsamen hingewiesen.
Viel wichtiger wäre es die neoliberalen Argumente zum Einsturz zu
bringen statt sich an der zersplitterten Linke abzuarbeiten. Die
SPD oder die Grünen den Linken zuzuordnen wäre zuviel Ehre. Sie sind
längst nur noch Mitte-Parteien und der FDP/CDU/CSU näher als z.B.
der Partei Die Linke. Daran ändert auch ein Worthülsen-Akrobat wie
Martin SCHULZ nichts.
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BUCHTER, Heike
(2017): Kollaps im Hinterland.
Heute geborene Amerikaner werden
voraussichtlich knapp 79 Jahre alt. Die Lebenserwartung der US-Bürger,
eine Messlatte für Fortschritt, sinkt. Warum?
in:
Die ZEIT Nr.10 v. 02.03.
"Kinder, die in Gadsden zur Welt kommen, können statistisch
gesehen erwarten 73,3 Jahre alt zu werden. Damit haben Gadsdens
Einwohner dieselbe Lebenserwartung wie die Einwohner von El
Salvador, einem Land, das zu den ärmsten Staaten der Welt gehört.
Gadsden im Bundesstaat Alabama ist das Schlusslicht einer
Statistik, die Experten alarmiert",
erklärt uns Heike BUCHTER. Das
Warum spielt für BUCHTER nicht die wichtigste Rolle, sondern sie
konstruiert einen Zusammenhang zwischen dem Sieg von Donald TRUMP
und dem Rückgang der Lebenserwartung der weißen US-Amerikaner:
"Auch in Gadsden, wo die
Bewohner mehrheitlich weiß sind, wählten ihn 74 Prozent. Die
Gründe für ihren Protest mit dem Stimmzettel finden sich nicht
zuletzt in den Statistiken der Gesundheitsbehörden. (...). (E)s
war vor allem eine Zunahme der Sterberate bei weißen Frauen und
Männern, die für den jüngsten Rückgang bei der US-Lebenserwartung
verantwortlich ist."
Da stellt sich zuerst eine Frage,
die für unsere Mainstreamzeitungen eher peinlich sein sollte. Würde
diese Meldung jemanden interessieren, wenn TRUMP nicht gewonnen
hätte und nur die Lebenserwartung der nicht-weißen Bevölkerung
zurückgegangen wäre? Und was bedeutet das für den Zustand dieser
Republik, dass gesellschaftliche Probleme erst dann beachtet werden,
wenn sie politische Folgen zeigen? Müssen unsere Eliten erst einen
Denkzettel bekommen, bevor sie registrieren, was in unserem Land
schief läuft? Offenbar ist das so.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
FORSTER, Christof (2017):
Konfrontationskurs bei Rentenreform.
Klare Differenzen zwischen
National- und Ständerat,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.03.
GMÜR, Heidi (2017):
Starre Fronten bei der Rentenreform.
Der Nationalrat hält unverändert
an seinen Positionen fest - ein Überblick über die wichtigsten
Differenzen zum Ständerat,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.03.
FORSTER, Christof (2017):
Einmal dafür, dann dagegen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.03.
GMÜR, Heidi (2017):
Der Fahrplan bis zur Volksabstimmung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.03.
STALDER, Helmut (2017):
Keine Angst vor dem Volk.
Kommentar zur Rentenreform,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.03.
Helmut STALDER spielt heute den neoliberalen Einpeitscher, der auf
die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 dringt. Das soll
über einen Interventionsmechanismus erreicht werden, der das
Renteneintrittsalter über die Hintertür einführen würde. Um ihn
durchzusetzen bzw. zumindest als Verhandlungsmasse benutzen zu
können, soll er aus der Reform ausgelagert werden. Denn ein
Scheitern der Reform, das wäre selbst für die neoliberalen
Hardliner ein zu hoher Preis.
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01.03.2017
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THELEN, Peter & Martin GREIVE
(2017): Befreiungsschlag für die Riester-Rente.
Der CDU-Wirtschaftsflügel will die
Riester-Rente von bürokratischen Ballast befreien und die Zentrale
Zulagenstelle für die Genehmigung der staatlichen Förderung
abschaffen,
in:
Handelsblatt
v. 01.03.
Bereits am 25. Februar berichtete
Philipp KROHN über die Forderungen des Lobbyistenverbandes des
Finanzvertriebs DVAG zur Entbürokratisierung der Riester-Rente. Nun
berichten THELEN & GREIVE, dass sich Carsten LINNEMANN von der
CDU-Mittelstandsvereinigung ebenfalls Teile der Forderungen der DVAG
zu eigen macht. Statt der der Zulagenstelle soll das Finanzamt die
Zulagen verwalten.
Auch die Lockerung der gesetzlichen Garantien hatte
KROHN bereits in seinem Kommentar
gefordert, was sich mit den Forderungen der Lobbyisten der
Investmentbranche deckt, wie der Bericht von THELEN & GREIVE nun
offenbart.
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MENZEL, Stefan
(2017): Das Ende der üppigen Renten.
Volkswagen,
in:
Handelsblatt
v. 01.03.
"Wer demnächst in das Führungsgremium des Autokonzerns einzieht,
dem werden nur noch 40 Prozent des jährlichen Grundgehalts als
Beitrag zur Altersversorgung an den
»Volkswagen Pension Trust« überwiesen. In der
bislang gültigen älteren Regelung waren es noch 50 Prozent",
berichtet Stefan MENZEL. Die FAZ hatte noch
am Montag behauptet, dass die Pensionen
nicht angetastet worden seien und dies
erst
gestern klammheimlich in einem weiteren Bericht korrigiert.
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Das Gutachten
Einkommensungleichheit und soziale Mobilität in den Medien
SIEMS, Dorothea (2017): Schäubles Berater kontra
SPD-Kanzlerkandidat.
Streit um Gerechtigkeitsthese von
Martin Schulz,
in:
Welt
v. 01.03.
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GERSEMANN, Olaf (2017): Sieben Millionen Zuwanderer bis 2040?
Europäische Statistiker haben neue
Bevölkerungsprognosen vorgelegt. Demnach kommen deutlich mehr
Einwanderer nach Deutschland als erwartet,
in:
Welt
v. 01.03.
Olaf GERSEMANN ist entsetzt über die neuen
Bevölkerungsvorausberechnungen, weil den Neoliberalen plötzlich die
Argumente wegbrechen. Seit Jahrzehnten wird das neoliberale Mantra
heruntergebetet, dass der Sozialstaat wegen dem demografischen
Wandel nicht tragbar sei. Nun klagt GERSEMANN:
"Wenn sich in Deutschland und
anderen EU-Ländern die demografischen Herausforderungen
relativeren, dann verlieren jene ein wichtiges Argument, die für
eine Sanierung der Staatsfinanzen werben."
Bereits der
Anfang Februar veröffentlichte Demografiebericht der Bundesregierung
wies die neue Richtung, was die Springer-Presse einfach totschwieg.
Nun geht das nicht mehr:
"Das Statistische Bundesamt und
auch die europäische Statistikbehörde operieren seit dieser Woche
mit Daten, denen zufolge die schleichende Verzwergung ausbleibt.
In Deutschland würden demnach noch über Jahrzehnte hinweg
annähernd 80 Millionen Menschen leben.
Besonders kühn ist die Eurostat-Prognose, die das Amt am
Montagnachmittag in seine frei zugängliche Online-Dabenbak
eingestellt hat. Ihr zufolge werden sogar mehr als 84 Millionen
Menschen in der Bundesrepublik leben - und das über einen langen
Zeitraum hinweg, nämlich von 2022 bis 2041."
Dabei ist das was uns GERSEMANN
eröffnet, kalter Kaffee, denn das Statistische Bundesamt hat zwar
eine Variante seiner Bevölkerungsvorausberechnung aktualisiert,
die jedoch weiterhin hinter den Annahmen des Demografieberichts
zurückbleibt. Dass sich die Behörde nun überhaupt zu einer
Veröffentlichung entschlossen hat, weist darauf hin, dass die Kritik
an der Bevölkerungsvorausberechnung nicht mehr weiter ignoriert
werden konnte.
Fazit: GERSEMANNs Bericht bleibt
weit hinter den
Annahmen des Demografieberichts der Bundesregierung zur
Bevölkerungsentwicklung zurück. Das ganze Ausmaß der
Fehleinschätzung wird weiterhin geleugnet, weil dies den
neoliberalen Interessen entgegenlaufen würde. Man darf also gespannt
sein wie lange diese Leugnung noch durchzuhalten sein wird, denn die
EUROSTAT-Zahlen, die vehement angegriffen werden, stimmen eher mit
den Annahmen des Demografieberichts überein als mit den Zahlen des
Statistischen Bundesamtes, das immer noch defensiv agiert.
Eine Online-Version des Artikels
findet sich
hier.
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DOLL, Nikolaus & Philipp VETTER (2017): VW führt bei Vorstandsrenten
ein Drei-Klassen-System ein.
Konzernvorstände, die neu berufen
werden, erhalten geringere Pensionen. Für einen Teil der Topmanager
fällt die Altersvorsorge höher aus,
in:
Welt
v. 01.03.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
ENZ, Werner (2017):
Vorhang auf für die Rentenreform.
Absehbare Defizite in der AHV und
Umverteilung im BVG zwingen zum Handeln,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.03.
Auf Seite 1 bläst Werner ENZ
die Fanfare für die Lobbyisten von der Versicherungswirtschaft
anlässlich des Debattenbeginns um die Altersvorsorge 2020 im
Nationalrat. Wie in Deutschland versucht auch die
Versicherungswirtschaft in der Schweiz jegliche Stärkung der
Umlagefinanzierung (AHV) zu verhindern und stattdessen die
Kapitaldeckung auszubauen, um ihre Profite steigern zu können.
ENZ, Werner (2017):
Die harte Nuss Altersvorsorge.
AHV-Defizite und Umverteilung in
der zweiten Säule rufen nach Korrekturen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.03.
Werner ENZ ist für die
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme zuständig. Dazu
präsentiert er uns mit Martin ELING einen Lobbyisten der
Versicherungswirtschaft, der auf einem von der
Schweizer Versicherungswirtschaft geförderten Lehrstuhl sitzt,
um deren Interessen mit wissenschaftlichen Weihen zu schmücken.
Wissenschaftslobbying nennt sich diese Art der Vertretung von
Wirtschaftsinteressen, die auch in Deutschland immer weiter
verbreitet ist.
Es verwundert deshalb kaum,
dass die AHV aus dieser Sicht schlecht geredet wird und
Umverteilung als Teufelszeug gilt.
"Prognosen zum
AHV-Finanzsaldo (seien) mit relativ geringer Unsicherheit
behaftet (...), denn die Demografie sei gesetzt: man kennt die
Zahl der Anspruchsberechtigten und ihr Rücktrittsalter recht
genau. Die Babyboomer (Jahrgänge 1950 bis zum Pillenknick 1969)
werden das in den Jahren 2014 und 2015 (...) noch geringe
Defizit stark anwachsen lassen."
Weder wird uns das
Erhebungsdatum, noch die Quelle der von ENZ präsentierten Daten
genannt, was unseriöser Journalismus ist. Glaubwürdigkeit ist
nicht die Sache von ENZ.
Wie wir aus Deutschland wissen,
sind solche Prognosen das Papier nicht wert, auf dem sie
geschrieben sind. Durchschnittlich alle 3 Jahren müssen die
Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung korrigiert werden, damit sie
nicht völlig aus dem Ruder laufen. Die
aktuelle Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen
Bundesamtes war sogar schon bei ihrer Veröffentlichung
hoffnungslos überholt und wurde erst kürzlich von der
Bundesregierung in ihrem
aktuellen Demografiebericht gründlich korrigiert. Den Medien
war dies -
bis
auf die FAZ - keine Meldung wert, weil es sich nicht
für Wirtschaftsinteressen instrumentalisieren ließ, sondern im
Gegenteil viele Lobbyisten dumm aussehen ließe!
EHLING kritisiert die
Berechnungen des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV), weil
sie aus Sicht der Versicherungswirtschaft die AHV zu gut dastehen
lassen.
Das kennt man auch aus Deutschland vom arbeitgeberfinanzierten IW
Köln, das genauso wie ELING Prognosen nach Gutsherrrenart
präsentiert.
Fazit: Mit wertlosen Prognosen
soll Umverteilung von oben nach unten verhindert werden, denn
Umverteilung gilt Neoliberalen aller Länder als Teufelszeug, weil
sie den Interessen der Besser- und Spitzenverdiener entgegenläuft.
Dreist wird dieses Interesse der besseren Kreise mit dem Argument
der Generationengerechtigkeit verschleiert.
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KLAMMER, Ute (2017):
Die Rente ist sicher ... aber für wen?
in:
WSI-Mitteilungen, Heft 2, S.88
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BECKER, Irene (2017):
Kritik am Konzept relativer Armut berechtigt oder irreführend?
in:
WSI-Mitteilungen, Heft 2,
S.98-107
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BELINA, Bernd (2017):
Zur Geographie der Abstiegsgesellschaft.
Der Aufstieg der Rechten -
Anmerkungen zu Oliver Nachtwey und Didier Eribon,
in:
Prokla Nr.186, Heft 1, März
Bernd BELINA sieht ein Verständnis für die Geographien der
Abstiegsgesellschaft als Voraussetzung eines erfolgreichen Kampf
gegen den Aufstieg der Rechten. Dazu sieht er bei Didier ERIBON mehr
Ansatzpunkte als bei Oliver NACHTWEY, der lediglich auf die Debatte
der radikalen Geographen um David HARVEY verweist.
BELINA liefert jedoch keine Belege, sondern nur theoretische
Bruchstücke einer solchen Geografie, wobei er einen
identitätstheoretischen Ansatz in den Mittelpunkt rückt. Solche
Konzepte wie Ortsidentität oder Ortsverbundenheit sollen für eine
Analyse fruchtbar gemacht werden. Dabei greift er auf die
Vorstellungen von Doreen MASSEY zurück, die ein "progressives" dem
"reaktionären" Ortsverständnis gegenüberstellt.
Konkreter sind dagegen die
Vorstellungen darüber wie den Wählern der AfD zu Leibe gerückt
werden soll:
"Um (...) räumlichen
Differenzierungen auf die Spur zu kommen, kann die Darstellung von
Daten und Statistiken aufschlussreich sein und zur
Hypothesengenerierung genutzt werden (...). Solche Karten werden
nach den jeweiligen Wahlen und Referenden in Online-Medien
regelmäßig bereitsgestellt (...). So wie sie zeigen, dass der Brexit
insbesondere im altindustriellen östlichen Mittelengland
mehrheitsfähig war, dass Trump v.a. im Rust Belt und Hofer besonders
in ländlichen Gegenden punkten konnten, so schreien die AfD-blauen
Einfärbungen am nord- und südöstlichen Rand Berlins oder jene im
Osten Mecklenburg-Vorpommerns förmlich nach Klärung der spezifischen
Verhältnisse vor Ort.
Diese Differenzierungen wären auf Zusammenhänge mit
sozialenstrukturellen Merkmalen zu prüfen, die sich in räumlich
ungleicher Entwicklung materialisieren."
Als Indikatoren für regionale
Unterschiede schlägt BELINA z.B. Niederiglohnquoten, Kaufkraft und
die Verschuldungsquote vor.
"Ein »Bindeglied« zwischen im
Raum materialisierten sozialen Verhältnissen und der Zustimmung zu
rechten Positionen stellt vermutlich das mehr oder weniger
»reaktionäre« bzw. »progressive« individuelle oder hegemoniale
Ortsverständnis dar",
meint BELINA, der ein Defizit in
der Forschung sieht:
"Forschungsarbeiten zu Klein- und
Mittelstädten (...) scheinen »eine aussterbende Spezies« (Bürk
2012:59) zu sein. Ein systematisches Verständnis der Geografie der
Abstiegsgesellschaft aber macht es notwendig, auch Vor-, Klein-,
Mittelstädte und ländliche Regionen in den Blick zu nehmen, in denen
nach wie vor die große Mehrheit der Bevölkerung lebt."
Zumindest die Mainstreammedien
haben seit einiger Zeit die Mittelstädte und den ländlichen Raum als
Thema entdeckt und rüsten hier ideologisch und rhetorisch auf. Man
sollte hier auch darauf hinweisen, dass Pamphlete wie
Die Zukunft der Dörfer noch vor einigen Jahren
unverfroren den Kahlschlag im ländlichen Raum propagierten.
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LESSENICH, Stephan
(2017):
Probleme der Klassenanalyse,
in:
Prokla Nr.186, Heft 1, März
Stephan LESSENICH kritisiert die allzu schönfärberische Sicht der
PROKLA-Redatkion auf die Arbeiterklasse. Er will die Misere nicht
allein bei den Herrschenden sehen, sondern sieht eine Mitschuld der
Beherrschten in Deutschland an der gegenwärtigen Weltlage. LESSENICH
spricht nicht von den "Abgehängten", sondern von "Subalternen", die
er von "materiellen und ideelen Interessen geleitet" sieht.
"Dass sich ein beständig
wachsendes wirtschaftliches Mehrprodukt nur mithilfe durchgreifender
und (natürlich immer nur für die Anderen) »schmerzhafter« Reformen
des keynesianischen Sozialstaats werde erarbeiten lassen, aber
dass es sich eben bei gesellschaftlicher Akzeptanz eines
veränderten arbeits- und sozialpolitischen Steuerungsregimes werde
erwirtschaften lassen: dies war die zentrale Botschaft neoliberaler
Politik, in Deutschland wie in den anderen kapitalistischen Zentren
der Welt. (...). Wer arbeitet, der wird auch essen, und wer noch
mehr, länger und härter arbeitet, wird am Tisch der Reichen Platz
nehmen können: dieses Credo war bemerkenswert anschlussfähig für die
subalternen AlltagskritikerInnen des Neoliberalismus",
erklärt uns LESSENICH. Dass dies
allgemeiner Konsens war und ist, das darf jedoch bezweifelt werden.
Das mag die Ideologie des Neoliberalismus sein, aber keinesfalls das
Alltagsbewusstsein aller Deutschen. Dahinter steht jedoch eine Art
Neomalthusianismus - ein weltumspannendes Nullsummenspiel, bei dem
die Gewinne der einen, die Verluste der anderen bedeuten. LESSENICH
geht wie die Neoliberalen von einem Knappheitsproblem aus statt von
einem Ungerechtigkeitsproblem. Nur aus dieser Sicht lassen sich die
Zustände im "globalen Süden" eins zu eins als die Ausgeburten des
"globalen Nordens" moralisieren. Was der Neoliberalismus mit seiner
Ideologie als Lösung der Weltprobleme betrachtet, das wird bei
LESSENICH zum Ausgang aller Weltprobleme gemacht. Die
Herrschaftsstrukturen im "globalen Süden" sind dann lediglich eine
Funktion der Herrschaftsstrukturen im "globalen Norden". Was
LESSENICH der PROKLA-Redaktion im Kleinen vorwirft, das praktiziert
er sozusagen im Weltmaßstab. Sein Kosmopolitismus ist nichts anderes
als ein Weltnationalstaat, dessen Staaten sozusagen Bundesländern
bzw. Bundesstaaten ähneln. Statt eines Bruttoinlandsprodukts haben
wir es mit einem Bruttoweltprodukt zu tun. Was die einen
konsumieren, das fehlt den anderen und umgekehrt. LESSENICH
behauptet nichts weniger als dass er weiß wie die Welt funktioniert.
Diese Welterklärungsmethode fällt in sich zusammen, wenn das
Welterklärungsmodell nicht der Wirklichkeit entspricht.
Was bei Ulrich BECK, seinen
Vorgänger, die Vollkaskomentalität war, mit der der Sozialstaat
diffamiert wurde, das ist bei LESSENICH der
"Wohlstandschauvinismus", den er als "kleinste(n) gemeinsame(n) -
Klassen übergreifenden - Nenner der
Wachstumsstagnationsgesellschaften" bezeichnet. Der Begriff
"Wachstumsstagnationsgesellschaften" will sagen, dass der Dreiklang
"Wachstum, Wohlstand, Wohlfahrt" nicht mehr haltbar sei. Befinden
wir uns jedoch in einer solchen Gesellschaft oder wird das Wachstum
nur falsch gemessen? Sind die Indikatoren dem herrschenden
Finanzkapitalismus überhaupt noch angemessen? Solche Fragen sucht
man bei LESSENICH vergebens. Genauso fehlt ein Inventarium, um die
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme zum Ausgangspunkt einer
Kritik zu machen.
Was würde passieren, wenn sich
die Wissensgesellschaft als Seifenblase erwiese? Was, wenn die
Professorenschaft und ihre angeblichen Verdienste überschätzt wären?
Der britische Publizist David GOODHART hat darauf aufmerksam
gemacht, dass unsere Eliten blind sind für ihre eigenen Privilegien.
Sie predigen Wasser, um selber weiterhin Wein trinken zu können!
Sollten die deutschen linksliberalen Eliten nicht umdenken, könnte
in Deutschland blühen, was in Großbritannien, den USA oder Polen
bereits der Fall ist.
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SCHUTZBACH, Franziska (2017):
Jetzt erst recht: Wider die bequeme Weltuntergangsstimmung,
in:
Blätter für deutsche und
internationale Politik, Heft 3, S.89-94
Franziska SCHUTZBACH ist der Meinung, dass uns die Erkenntnisse von
Etty HILLESUMs Tagebücher und Sebastian HAFFNERs Geschichte eines
Deutschen etwas für die heutige Zeit lehren könnten. Zum einen
geht es um die Möglichkeiten des inneren Widerstandes und zum anderen
darum, dass Pessimismus letztlich Kollaboration mit dem Feind
bedeutet. Wichtiger als die Durchsetzung der eigenen Interessen, sei
die Verteidigung der Demokratie gegen ihre Feinde, so der Tenor des
Artikels. Die wichtigste Arbeit der Unterworfenen sei es, die
Zustimmung zur Unterwerfung innerlich aufzukündigen, damit die äußeren
Zwänge nicht das Innere auffressen. Oder anders formuliert: Es gibt
ein richtiges Leben im Falschen! SCHUTZBACH sagt uns sogar noch,
welche Parteien wählbar sind: "Sozialdemokraten, Grüne, Linke, FDP,
CDU".
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VOGEL, Steffen (2017):
National versus global.
Das Dilemma der europäischen
Sozialdemokratie,
in:
Blätter für deutsche und
internationale Politik, Heft 3, S.95-102
Steffen VOGEL möchte dem SPD-Kanzlerkandidat ein Image verordnen,
das sich an dem US-amerikanischen Demokraten Bernie SANDERS
orientiert:
"Den Wütenden bietet er einen (utopisch-)oppositionellen
Gegenentwurf, den Moderaten einen Orientierungsrahmen für eine
realistische Reformpolitik. Beide können ihre Hoffnungen mit
demselben Konzept verbinden."
Linke Politik umschreibt er mit
abstrakten Werten als "universalistisch, europäisch und ökologisch
zugleich". Für ihn sind politische Erzählungen ein
"Deutungsrahmen, innerhalb
dessen die Fakten noch stärker wirken, weil sie Hoffnung und
Leidenschaft wecken können."
Mit Elisabeth WEHLING kann man
auch von politischem Framing sprechen. Aber lassen sich heutzutage
die Wütenden noch mit Utopien abspeisen, d.h. auf den Sankt
Nimmerleinstag vertrösten? Bei solchen Politikstrategien besteht die
Gefahr, dass uneingehaltene Versprechen erst recht zur
Radikalisierung führen.
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PAUS, Lisa & Chris KÜHN (2017):
Das Geschäft mit der Wohnungsnot,
in:
Blätter für deutsche und
internationale Politik, Heft 3, S.103-108
PAUS & KÜHN berichten wie Investoren die Steuerlücken in Deutschland
ausnutzen und damit zum einen dem Staat Einnahmeverluste zufügen und
zum anderen die Wohnungspreise in die Höhe treiben (z.B. durch
profitable Wiederverkäufe, Monopolisierungstendenzen,
Geschäftsmodelle mit Sozialtransferempfängern, Handel mit
Baugenehmigungen und Share Deals). Sie plädieren deshalb für
steuerrechtliche Eindämmung von Spekulationen und die Besserstellung
gemeinnütziger Organisationen.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 18. -
28.
Februar 2017
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[ Homepage ] |
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