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Medienrundschau:
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News vom 16.
- 30. November 2001
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- KOHSE, Petra (2001):
Mandate fürs Puppenhaus.
Biedermeier-Alarm:
Der neue Staatsbürger und seine Liebe zur
Dekoration
in: Frankfurter Rundschau
v. 30.11.
- Kommentar:
Petra KOHSE widmet
sich dem trendigen Cocooning. Im
Gegensatz zu dem üblichen
11.September-Geplapper, weist sie auf
einen Aspekt hin, der langfristiger
angelegt ist: den "Umbau" des
Sozialstaats:
"Es
ist kein Zufall, dass Schöner
Wohnen, die
sprichwörtliche Zeitschrift für
Wohnkultur in Deutschland, in jüngster
Zeit Konkurrenz bekommen hat:
Häuslichkeit sells, und Magazine wie das
im Webdesign gestaltete H.O.M.E.
oder das familienorientierte Living
at home versorgen
alle, die bisher im nackten Loft im
Eisenbett schliefen oder nur bei Ikea
kauften, mit Ideen für das neue
Jahrtausend. Im Augenblick des Umschlags
vom Sozialstaat in eine neue
Klassengesellschaft ist es nicht mehr
egal, ob und wenn ja, welche Gardinen an
den Fenstern hängen. Schließlich sollen
die anderen nicht mehr reinschauen
können, aber eben doch wissen, wie es
drinnen aussieht."
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- SCHNEIDER, Wolfgang
(2001): Die Generation X des Biedermeier.
Das Private als
Zeitgeschichte: Eine Magdeburger Tagung zu Karl
Immermann,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 30.11.
- Inhalt:
Auch die FAZ widmet
sich dem Cocooning, aber dem
Original-Zeitalter:
"Biedermeier". Karl IMMERMANN
(1796 - 1840) beschrieb nach SCHNEIDER
die "Umbrucherfahrungen einer ganzen
Generation, die früh durch die
Freiheitskriege gegen Napoleon geprägt
worden war und sich dann in der
Restaurationszeit einrichten mußte. Die
'Memorabilien' können als Ursprung eines
Denkens in Generationsmodellen gelten,
das inzwischen zu einem Hauptmittel
kollektiver Identitätsfindung geworden
ist."
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- LAU,
Mariam (2001): Carl Djerassi, Erfinder der Pille,
setzt sich nicht zur Ruhe.
Der
Chemiker Djerassi wollte ein Mittel gegen
Arthritis entwickeln und entdeckte einen Stoff,
der die Welt revolutionierte,
in: Welt v. 30.11.
- Kommentar:
Mariam LAU widmet
sich einem Lieblingsmythos der 68er
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- GASCHKE,
Susanne (2001): Familie haben heißt verzichten.
Naiv
ist die Vorstellung, mehr Geld vom Staat brächte
automatisch mehr Zufriedenheit,
in: Die ZEIT Nr.49 v.
29.11.
- Kommentar:
Susanne
GASCHKE betätigt sich als
Theoretikerin einer unverblümt
neoliberalen Familienpolitik für die
individualisierte Familie der Berliner
Republik.
Ihre
Zielgruppe sind die Yuppies der "Generation
Kombi". GASCHKEs
Ansatz setzt die Individualisierungsrhetorik
der 90er Jahre ebenso
voraus wie den Anti-Single-Gesellschafts-Diskurs der
Sozialpolitiker.
Vor diesem
Hintergrund fordert GASCHKE nun einen
Paradigmenwechsel:
Die Familie soll in
den Medien nicht mehr defizitär, sondern
als positives Leitbild dargestellt
werden. Dazu gilt es u.a. die verstaubte
Fernsehfamilie "Hesselbach"
für die Generation
Golf zeitgemäss
aufzumotzen.
Hierzu
passt, was Bernd ULRICH kürzlich zu
Thomas MANN geschrieben hat ("In
spaßiger Hoffnungslosigkeit", Neue
Rundschau Heft3, 2001):
"Als
sich 1965 der Todestag Thomas Manns zum
zehnten Male jährte, wartete ein
Kritiker mit einer bemerkenswerten
Analogie auf. Er verglich die Familie des
Schriftstellers in ihrer Gesamtheit mit
den »Hesselbachs«, einer damals
berühmten Fernsehfamilie. Deren
hessisch-mundartlich geprägte häusliche
Idylle - gruppiert um den »Babba« - kam
ihm wie die zeitgemäße, nämlich
kleinbürgerliche Umsetzung des
großbürgerlich agierenden
Familienverbandes der Manns vor."
Der
vollindividualisierte Mensch ist für
GASCHKE nicht der Single, sondern der
Familienmensch!
Dieser Erfolgsmensch
steht im Gegensatz zur
"Benachteiligungsdiskussion"
der Sozialstaats-Familienpolitiker im
Mittelpunkt von GASCHKEs
Individualisierungsthese, die im Einklang
mit Helmut
SCHELSKYs 50er
Jahre-Individualsierungsthese von der "nivellierten
Mittelstandsgesellschaft" steht.
Wer als
Familie arm ist, der ist selbst schuld!
Individuelle, "zurechenbar
herbeigeführte Armut" entsteht
gemäss GASCHKE durch unterhaltssäumige
Väter oder durch "leichtfertig sich
trennende Eltern".
GASCHKEs
Prototyp ist die gutsituierte
Erbengeneration, die nicht erst auf die
Zuteilungsreife des Bausparvertrags
warten muss, um sich das Eigenheim fürs
Kind leisten zu können.
Deshalb ist
GASCHKEs Ideal nicht die
"Vollkasko-Familie" der
Sozialstaats-Familienpolitiker, sondern
die neoliberale, individualisierte
Familie. Diese biedermeierliche Familie
fürchtet nichts mehr als den
Staatseingriff, der gleichbedeutend mit
zunehmender
"Qualitätskontrolle" ist:
"Dürfte
eine Familienkasse der Zukunft das
»Erziehungsgehalt«, das
»Familiengeld« oder wie auch immer der
fragliche Transfer schließlich hieße,
kürzen, wenn die Eltern ihre Kinder
schlagen, fehlernähren, nächtelang
Horrorvideos anschauen lassen?"
GASCHKE
geht es im besonderen um die Normalisierung
der Normalfamilie:
"Mehr als alles Geld braucht die
Familie die anerkannte Überzeugung, dass
sie in diesem Land der erstrebenswerte
Normalfall ist."
Dies ist
gleichbedeutend mit einer Kampfansage an
die "Pluralisierung der
Lebensformen".
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- SCHEPP, Matthias
(2001): "Sie hat sich für das Land
geopfert".
Endlich! Ein Baby für
Japans Thronfolgerpaar - und ein Lichtblick für
die weltgewandte Prinzessin Masako, die sich seit
acht Jahren den strengen Regeln des Kaiserhofes
unterordnet,
in: Stern Nr.49 v. 29.11.
- Kommentar:
So stellen sich Monarchisten die
Disziplinierung der Karrierefrau vor...
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- SCHNEIDER, Florian
(2001): Privat ist öffentlich ist privat.
Intime Tagebücher als Hype
- Eine Passage durch Websites und Mailinglists,
in: Süddeutsche Zeitung v.
29.11.
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- AP (2001): Vor der
Trennung fliegen Tassen.
Studie: Gewalt bei Paaren
geht oft von Frauen aus,
in: Frankfurter Rundschau
v. 29.11.
- Inhalt:
Bericht über die Väterstudie
an der FH Nürnberg
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- HENTSCHEL,
Stefanie (2001): Frauen allein zu Haus.
Keinen
Mann fürs Leben, aber jede Menge Sex:
Großstadt-Singles sind die neuen Lieblinge der
Popkultur. Wieso eigentlich?
in: Brigitte Nr.25 v.
28.11.
- Kommentar:
HENTSCHEL kann
zwischen Bridget
Jones, Ally McBeal, Cora
Hübsch ("Mondscheintarif") und
Carrie Bradshaw ("Sex
and the City") keinen
Unterschied sehen, sondern nur eine
Gemeinsamkeit:
"Sie
haben Männer. Nicht den einen, den sie
unbedingt wollen, den zum Kinderkriegen
und Über-den-Feiertag-Wegfahren. Aber
jede Menge andere". HENTSCHEL
wundert sich über den Rückfall ins
Single-Dasein, nachdem vor kurzem erst
Heiratsfilme "in" gewesen sind
und fragt sich, deshalb warum diese
Single-Serien so erfolgreich sind.
Ihre
Analyse beginnt sie mit dem Satz:
"Denkbar wäre natürlich, dass die
13,8 Millionen Singles in Deutschland,
oder zumindest deren weibliche Hälfte,
in den Büchern, Serien und Filmen Trost
und Bestätigung finden."
Es ist
immer noch nicht bis zu HENTSCHEL
durchgedrungen, dass Menschen, die einen
Einpersonenhaushalt führen, nicht
identisch sind mit Partnerlosen im
mittleren Lebensalter! Weibliche
Partnerlose zwischen 30 und 40 Jahren
sind eine Minderheit . Die meisten
Frauen, die einen Einpersonenhaushalt
führen, sind ältere Witwen und im
mittleren Lebensalter dominieren die
Männer. Der Umstand, dass
Berichterstatter in den Medien
überproportional zu dieser Minderheit
gehören, verleiht dieser zwar eine
überdeutliche Stimme, nichtsdestotrotz
sind diese Medien-Yuppies zahlenmässig
irrelevant!
Von daher
ist HENTSCHELs zweite These auch ohne
Umweg über den "Mythos Single"
glaubwürdiger:
"Wahrscheinlicher
ist, dass gerade Nicht-Singles diese
Erzeugnisse brauchen." Single-Serien
dienen also der Identitätsstabilisierung
von unzufriedenen Paarfrauen und
Müttern:
"Wäre
Single bleiben nicht auch ganz dufte
gewesen? Aber dann lesen sie, wie Bridget
Jones ihr Gewichts-Tagebuch führt, und
freuen sich, dass sie (...) jemanden
haben, der sie nicht gleich wegen der
kleinen Speckrolle unterm Bauchnabel
verlassen wird. Und dann ist alles gut,
und alle sind glücklich."
Aber
vielleicht liegt HENTSCHEL doch nicht
ganz so richtig, wenn sie keinen
Unterschied zwischen den genannten Serien
macht. Im Gegensatz zu Bridget Jones,
Ally McBeal oder Cora Frost hat "Sex
and the City" mehr zu
bieten als pure Identitätsstabilisierung
für Paarfrauen und Mütter...
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- SAD
(2001): Pille gegen Schüchternheit,
in:
Hamburger Abendblatt v. 27.11.
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- HILGERS, Micha (2001):
Zwischen Himmel und Hölle.
Verliebtheit
ist ein Aufbruch der Seele zu einer
Wunschfantasie, mit der der reale Partner nur
selten übereinstimmt / FR-Serie (11).
in: Frankfurter Rundschau
v. 27.11.
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- SPIEGEL (2001):
Flirten mit Fernbedienung,
in: Spiegel Nr.48 v. 26.11.
- Inhalt:
Die Szene-Bar
"Remote Lounge" in East
Village, New York, wird vorgestellt. Dort
geschieht die Kontaktaufnahme per
Computer oder Telefon. Das Objekt des
Begehrens wird über das Kamerasystem
ausgesucht.
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- BREDOW, Rafaela von
(2001): Kleben gegen Leben.
In den USA ist ein neues
Mittel zur Empfängnisverhütung zugelassen
worden: das Antibaby-Pflaster. Es wirkt wie die
Pille - nur besser,
in: Spiegel Nr.48 v. 26.11.
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- SPIEGEL (2001): Ein
leasender Verleger.
Die österreichische Schriftstellerin Margit
Schreiner, 47, über ihre Situation nach dem
Konkurs ihres langjährigen Zürcher Verlegers
Gerd Haffmans,
in: Spiegel Nr.48 v. 26.11.
- Inhalt:
u.a. wird berichtet,
dass ihr neuestes Buch
"Haus, Frauen, Sex" in der
letzten Sendung des Literarischen
Quartetts vorgestellt wird.
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- SCHMOLL, Heike (2001):
Kinder brauchen Wurzeln.
Ein Kongreß von Erziehern
und Psychiatern sieht Kinder auf der Suche nach
Orientierung,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 26.11.
- Kommentar:
SCHMOLL sieht die "autistische
Gesellschaft" nahen:
"Kinder,
die ohne emotionale Bindungen groß
werden, entwickeln keine Wurzeln, die sie
in der Gemeinschaft verankern (...). Sie
bleiben in hohem Maße abhängig von
fremden Einschätzungen und damit
manipulierbar (...). Dramatisch wird
diese Entwicklung für eine Gesellschaft
dann, wenn immer mehr Erwachsene selbst
keine Orientierung mehr haben. Denn sie
sind auch nicht in der Lage, gemeinsame
Ziele und Sinngebungen an die Kinder
weiterzugeben. So kann eine ganze
Gesellschaft in die
Orientierungslosigkeit stürzen."
In den 50er
Jahren war diese Vorstellung ebenso weit
verbreitet wie heutzutage. Filme wie Don
SIEGELs"Die
Dämonischen" waren
Ausdruck dieser diffusen Angst.
Man kann
diesen Beitrag auch als Plädoyer für
die "deutsche
Mutter" lesen und
somit als Absage an eine
Effizienzrevolution wie sie FREEMAN &
SCHETTKAT
vorschwebt.
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- JACOBI,
Claus (2001): Die unheilige Familie als Sinnbild
unserer Zeit.
Wie
Schildkröten kennen viele deutsche Kinder ihre
Väter nicht,
in: Welt am Sonntag v.
25.11.
- Kommentar:
Der Apokalyptiker
JACOBI kennt zwei Konstruktionen:
"Immer mehr" und "Immer
weniger". Und beide Aussagen weisen
logischerweise in die gleiche Richtung:
Untergang der Familie.
Mit welchen
Zahlen der Autor operiert, ist nicht
ersichtlich. Die angegebenen Geburtenzahlen liegen
jedenfalls unter jenen Zahlen, die das
Statistische Bundesamt für die alten
Bundesländer ausweist.
Die Angaben
der absoluten Zahlen bei den Scheidungen
sind wenig aussagekräftig.
Diese sind
einerseits abhängig von der
Bevölkerungsstruktur und andererseits
von den Mehrfachscheidungen. In den 80er
Jahren sind die geburtenstarken
Jahrgänge ins Heiratsalter gekommen.
Gleichbleibende Scheidungszahlen müssten
deshalb bereits als ein Rückgang der
Scheidungen interpretiert werden.
Hinter dem
"immer mehr" könnte sich also
auch ein "immer weniger"
verbergen, wenn man damit die Anzahl der
Personen meint, die sich scheiden lassen.
Auch eine niedrige Scheidungsquote sagt
nichts über die Lebensverhältnisse der
Menschen aus. Sie könnten auch
verheiratet sein, aber getrennt leben.
Die amtliche Statistik ist unzureichend,
wenn Aussagen über den Wandel der
Lebensformen in Deutschland ausgesagt
werden soll.
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- FREEMAN,
Richard B. & SCHETTKAT (2001): Verschenkte
Zeit.
Deutsche
Frauen leisten mehr Hausarbeit als
Amerikanerinnen - und schaden so der Wirtschaft,
in: Tagesspiegel v. 24.11.
- Kommentar:
Die beiden Autoren
haben die Dienstleistungsgesellschaft
vermessen und Deutschland im Vergleich zu
Amerika für schlecht befunden. Ihr
Credo:
"Eine deutsche
Mutter mit Kindern unter
sechs Jahren verwendet etwa 20 Stunden
pro Woche auf die Kinderbetreuung; eine
amerikanische Mutter dagegen nur elf
Stunden pro Woche - rund neun Stunden
weniger. Aber gleichzeitig ist die
Geburtenrate in den Vereinigten Staaten
höher als in Deutschland.
Amerikanerinnen nutzen in höherem Maße
kommerzielle, nicht kommerzielle und
gemeinschaftlich organisierte
Kindertagesstätten, und sie nutzen den
Fernseher als 'Babysitter'."
Neill
POSTMAN und die Erziehungsnotständler dürften
beim letzten Punkt auf die Barrikaden
gehen. Der Bericht ist ansonsten im
typischen Ökonomistenslang verfasst.
Wohl noch
nie etwas von Zeitwohlstand oder "working
poors" gehört!
Am wichtigsten jedoch: Wie wurde das
Zeitbudget erhoben? Mit Stoppuhr oder
Fragebogen? Bitte bei Erving GOFFMAN
nachlesen, denn "Wir spielen alle
Theater"!
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- Neu:
WACKWITZ,
Stephan (2001): Im Zaubermantel der Verneinung.
Fünfzig
Jahre "Minima Moralia", fünfzig Jahre
"Fänger im Roggen": Ein Plädoyer
dafür, Adornos Kulturkritikbuch als Zwilling von
Salingers Roman zu begreifen. Zugleich ein
Rückblick auf die Siebzigerjahre, als das Ganze
noch das Unwahre war
in: TAZ v. 24.11.
- Kommentar:
WACKWITZ outet
sich als "zu dünner, tolpatschiger,
pickliger und bebrillter
Erstsemester", der er Anfang der
70er Jahre war. Heute würde man dies
kurz als "nerdisch" (abgeleitet
von "Nerd")
bezeichnen.
Damals
las WACKWITZ die Bibel der moralischen
Individualisten und kompensierte damit
den Frust, dass er bei einer
uschiobermeierhaften (Angehörige der
Generation Golf können hier
veronafeldbuschhaften einsetzen)
Kommiliton in nicht ankam.
Damals
las er die "Minima
Moralia" von ADORNO am
Germanistischen Seminar (Angehörige der
Generation Golf setzen hier das
wirtschaftswissenschaftliche Institut und
"Elementarteilchen"
von Michel HOUELLEBECQ ein).
Für WACKWITZ ist Adorno der "J. D.
Salinger der Philosophie" und die
Komentarstimme der "Minima
Moralia" der "Holden Caulfield
der Kritischen Theorie". Er
kritisiert beide als Verführer
unglücklicher Jugendlichee und ärgert
sich, dass er stattdessen keine
Benimmbücher gelesen hat, in dem ihm
beigebracht worden wäre, wie er diese
Angebete rumgekriegt hätte. Leben statt
Politik ist seine jetzige Devise und
deshalb beneidet er die Generation Golf:
"Und
wenn ich viele junge Leute des Jahres
2001 kennen lerne - ihre unbefangene
Zutraulichkeit, ihr entspannter Umgang
mit gesellschaftlichen Anforderungen,
ihre Freundinnen und oft sogar schon
Ehefrauen -, dann bin ich einfach
neidisch. Nicht nur, weil ich älter
werde und alle Älteren auf alle Jungen
in gewisser Weise neidisch sind. Sondern
ich bewundere und neide ihnen ein
bisschen eine Jugend ohne unsere
Vorbilder."
Dies ist
zwar besser als die Position
jener, die sich hinter dem
"Narzissmus-Vorwurf"
verschanzen, aber dann
doch zu einfach, wenn politisches
Engagement auf den Ausdruck pubertären
Unglücks verkürzt wird.
Der Erfolg
von Michel
HOUELLEBECQ bzw. von Christian
KRACHT zeigt, dass
WACKWITZ die heutige Jugend durch die
rosarote Brille des Alters sieht.
Wahrscheinlich
gehörte er Ende der 70er Jahre zu jenen,
die Jochen
SCHIMMANGs "Der schöne Vogel
Phönix"
verschlungen haben, denn die Bilanz
ähnelt frappant jener von SCHIMMANG.
Der von
WACKWITZ genannte "Meister
RUTSCHKY" hat nicht
nur 1984 seine Leseerfahrung der
"Minima Moralia"
niedergeschrieben, sondern auch in der
Welt vom 17.11.2001 seine neueste Bilanz
veröffentlicht.
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- ULLMANN,
Gerhard (2001): Das Schöne und das Private.
Urdeutsches
Rückzugsgebiet. Zur Restaurierung der ersten
deutschen Gartenstadt "Marga" im
brandenburgischen Brieske,
in: Freitag Nr.48 v. 23.11.
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- Singlefeindlicher
Bericht:
GASCHKE,
Susanne (2001): Gleichberechtigung allein ist
nicht die Lösung.
Sozialdemokraten
und Union entdecken die Familienpolitik als
Wahlkampfthema. Es wird auch höchste Zeit für
neue Ideen,
in: Die ZEIT Nr.48 v.
22.11.
- Kommentar:
"Die
Geburtenrate ist von 2,02 Kindern pro
Frau im Jahr 1970 auf 1,37 Kinder in den
Neunzigern gesunken. Und die Gesellschaft
fängt an zu ahnen, was das
bedeutet", schreibt GASCHKE.
Sie
verschweigt aber, dass in den Jahren 1978
und 1979 die Geburtenrate bei 1,38
Kindern lag (aus: Peter MARSCHALCK "Bevölkerungsgeschichte
Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert",
1984), Mitte der 80er Jahre sogar noch
tiefer.
Der
gravierendste Einschnitt erfolgte jedoch
durch die Wiedervereinigung.
Die Geburtenrate in den alten
Bundesländern liegt weit höher als in
den neuen Bundesländern, obgleich dort
die Betreuungsangebote besser sind.
Anfang der
90er Jahre fiel die Geburtenrate in den
neuen Bundesländern sogar unter 1,0.
Herwig BIRG schreibt
in seinem neu erschienenen Buch "Die
demographische Zeitenwende":
"Die Zahl der Lebendgeborenen pro
Frau betrug 1998 in den neuen
Bundesländern 1,09, in den alten 1,41
und in Deutschland insgesamt 1,36."
GASCHKE
versucht mit ihrer Darstellung einen
kontinuierlichen Geburtenrückgang seit
1970 zu konstruieren, obwohl das
Geburtenniveau seit Ende der 70er Jahre
mehr oder weniger konstant geblieben ist.
Es handelt sich also um einen Versuch der
zusätzlichen Dramatisierung.
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- GREFE,
Christiane (2001): Von wegen Privatsache.
Kinder,
Alte und Beruf: Die Familie ist zu klein geworden
für immer größere Aufgaben,
in: Die ZEIT Nr.48 v.
22.11.
- Kommentar:
GREFE stellt das
Mütterzentrum in Salzgitter als Modell
für eine familienfreundlichere
Gesellschaft vor.
Sie
kritisiert, "dass viele Politiker
und Publizisten die Lösungen der
Probleme immer wieder an diese
überforderte Kleinfamilie delegieren -
statt mehr städtische Dörfer wie das
Mütterzentrum zu schaffen."
Eine
Ursache sieht GREFE in dem Mütterbild,
das Barbara
VINKEN als "deutsche
Mutter" bezeichnet. Sie beklagt,
dass, "vor allem
Mittelschichtsmütter gar nicht mehr auf
die Idee kommen, ihre Kinder 'Dritten'
anzuvertrauen: Auf die öffentliche
Missachtung ihrer Aufgabe haben sie mit
deren Professionalisierung reagiert.
Erziehung ist ihr Beruf, das Kind ihr
Projekt - und wer weiß, was die Tante
ihm beibringt!"
GREFE geht
es letztendlich um die Zurückverlagerung
von privaten Aufgaben auf die
Zivilgesellschaft: "Von
unmittelbarer Öffentlichkeit
profitierten neben den Frauen vor allem
die Alten, erzählt Hildegard Schooß:
'Sie sind wieder Teil von etwas. Sie
erfahren nicht nur Berichte von außen,
sie erleben selbst - zum Beispiel, wenn
sie nach einem langen Leben ohne Kinder
mit Enkeln spielen.'"
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- MEISTER, Martina
(2001): Le Porno chic.
Frankreichs
neue erotische Literatur ist wie die Nouvelle
Cuisine: Weniger Sauce und am Ende bleibt man
hungrig
in: Frankfurter Rundchau v.
22.11.
- Kommentar:
MEISTER kämpft mit
Existenzialismus, SENNETTs "Tyrannei
der Intimität" und Michel
HOUELLEBECQs "Plateforme" gegen die
neue "Emanzenliteratur" von
Cathrine MILLET & Co.
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- PESSL,
Fritz (2001): Beim Flirt der Landwirte ist nichts
Zufall.
Management-Methoden
für Einsame - Stilberatung, dann Hüttenabend,
in: Salzburger Nachrichten
v. 22.11.
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- wichtige Single-Studie:
KLAUS,
Birgit (2001): Lust oder Frust mit dem
Single-Dasein?
in:
SWR1 LIVE. Sendung des Südwestrundfunk v. 20.11.
- Kommentar:
Moderatorin KLAUS
war auf der Suche nach dem Mythos Single.
Gibt es ihn überhaupt, den
"Swinging Singles"?
Wahrscheinlich war er jedoch gerade auf
der Pirsch, denn die Sendung lief erst ab
22 Uhr.
Interessanter war da
schon das Gespräch mit Beate KÜPPER,
die letztes Jahr eine Dissertation zum
Thema "Sind Singles anders als die
anderen? Ein Vergleich von Singles und
Paaren" an der Bochumer
Ruhr-Universität vorgelegt hat.
Die 370seitige
Studie ist als PDF-Datei downloadbar (fast 1 MB).
Die Studie
zeichnet sich durch ihren
sozialpsychologischen Zugang aus. Im
Gegensatz zu den üblichen
sozialstaatlich oder frauenpolitisch
motivierten Single-Studien, die den
Einpersonenhaushalt in den Mittelpunkt
stellen, ist für diese Arbeit eine
Beziehungsdefinition kennzeichnend:
Singles werden als "Personen im
beziehungsfähigen Alter ohne feste
Partnerschaft" (S.16) definiert.
Obwohl viel über Partnerlose geredet
wird, besteht ein eklatantes
Empirie-Defizit. Plausible Vorurteile
ersetzen die Forschung in diesem Bereich.
Dieses
Defizit wird besonders deutlich, wenn
KÜPPER die zahlenmässige Verbreitung
der Partnerlosigkeit in Deutschland zu
bestimmen versucht. Dies scheitert
kläglich! Ihr Fazit:
"Alles
in allem schwankt die Zahl der
geschätzten Singles von ca. 3 % bis 30 %
je nach gewählter Definition und
Bezugsgröße. Genaueres kann leider
aufgrund fehlender Datengrundlage zu
diesem Zeitpunkt nicht über die
Häufigkeit von Singles im hier
definierten Sinne als Partnerlose im
mittleren Erwachsenenalter gesagt werden.
Zu vermuten ist auf jeden Fall, daß die
Angaben der amtlichen Statistik über
Alleinstehende und Alleinwohnende die
Zahl der partnerlosen Singles
überschätzt."(S.27f).
KÜPPER
hätte die Daten des Familiensurvey
selber entsprechend ihrer Definition
auswerten müssen, um exaktere Angaben
machen zu können. Stattdessen hat sie
nur die vorhandenen Daten zitiert, ohne
sie übersichtlich zu strukturieren oder
das Problem anhand eines Schaubildes
plakativ sichtbar zu machen. Dies wäre
eine Herausforderung für das Buch, das
nächstes Jahr erscheinen soll. Die Daten
beziehen sich zudem auf die Situation
Mitte der 90er Jahre. Da die quantitative
Bestimmung nicht unbedingt im Zentrum der
Arbeit stand und auch so mancher
Soziologe an einer exakteren Bestimmung
scheitern würde, da die
Sozialstatistik sich nicht für
Partnerlose interessiert, ist
dieses Manko hinzunehmen.
Partnerlose haben keine Lobby, sondern
sind in erster Linie die Zielgruppe von
Geschäftemachern. Das Geschäft mit der
Einsamkeit gehört zu den profitabelsten
Wirtschaftsbereichen unserer
"Paargesellschaft".
Studien,
die den Beziehungsaspekt in den
Vordergrund rücken, sind sehr selten.
Noch seltener sind Studien, die sich
kritisch mit der vorherrschenden Sicht
auseinandersetzen. Deshalb ist diese
Studie umso wichtiger.
Es wird auf
die "Symbol-Funktion" der
Single im Rahmen der Mediendebatte und
ihren apokalytischen Visionen vom
Untergang der Familie oder der
atomisierten Gesellschaft eingegangen.
Der Single wird von KÜPPER als
Gegenentwurf zur Normalfamilie
thematisiert.
Der
Standardsatz "Es gibt immer mehr
Singles" wird kritisch hinterfragt,
denn diese so leichtfertig in den
verschiedensten Kontexten verwendete
Phrase - die gebetsmühlenartig von
diversen Kritikern oder gierigen
Profiteuren verbreitet wird, muss
keineswegs richtig sein.
Ganz
offensichtlich wird das Defizit der
Forschung, wenn es um eine
Sozialgeschichte der Partnerlosigkeit
geht. Nicht die Erforschung abweichenden
Verhaltens, sondern die Herausarbeitung
der jeweiligen historischen Normen, d.h.
das Normale, steht im Zentrum der
historischen Familienforschung. Die
Pluralität der Lebensformen ist der
historische Normalfall. Die Debatten
legen Zeugnis vom Kampf um die Definition
der Normalfamilie ab, nicht jedoch über
die Lebensverhältnisse derjenigen, die
jenseits dieser Konventionen leben
mussten.
"Insgesamt
scheint es eine durch die systematische
Ausblendung bestimmter
Gesellschaftsschichten bei der
Geschichtsschreibung bedingte,
verbreitete Simplifizierung zu sein, die
Vergangenheit als homogene Einheit zu
behandeln, in der alle Menschen die
weitgehend, strikt festgelegte Lebensform
der Ehe und Familie tatsächlich über
viele Jahrhunderte hinweg lebten",
resümiert deshalb KÜPPER.
Heutzutage
ist der Single als Gegenentwurf zum
Normalen eine "Projektionsfläche
für alles (...), was an utopischen oder
apokalyptischen Zukunftsentwürfen von
Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung
des Individuums in einer gerechten Welt
inklusive feministischer Befreiungsideale
und Sinnsuche 'umherspukt'. (S.60).
Eine solche Sichtweise hebt sich
wohltuend vom Zeitgeistgeschnatter ab,
das die Mediendebatten und oftmals leider
auch die wissenschaftliche Forschung
selber beherrscht.
Wichtig ist
auch die Erwähnung der Mediendebatte.
KÜPPER schreibt dazu, dass sich die
Singles nur schwer dem medial
vermittelten Bild entziehen könnten.
Das
sozialstaatlich und
bevölkerungspolitisch motivierte Feindbild
"Single" zwingt
Singles ein Fremdbild auf. Sie müssen
sich selbst ablehnen, resignierend den
Rückzug antreten oder offensiv ein
positives Stereotyp dagegen setzen. Diese
Funktion hatte der "Swinging
Single" in den 60er Jahren. Für die
gegenwärtige Situation fehlt ein solches
Gegenbild zur dominierenden Debatte.
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- Singlefeindlicher
Bericht:
KREBS, Andrea (2001): Familie ist da, wo Kinder
leben.
Ein erster Bericht.
Zukunftswerkstätten sollen bis zum Sommer
Antworten finden
in: Neue Ruhr Zeitung v.
20.11.
- Kommentar
KREBS berichtet über die Vorstellung des
ersten kommunalen Familienbericht von
Düsseldorf.
Um dem
Bericht Nachdruck zu verleihen zitiert
sie den Sozialdezernenten Göbel,
"dass Düsseldorf die Hauptstadt der
Alleinerziehenden und Singles ist".
Danach liefert sie statistische Daten,
die das belegen sollen:
"Von
den 480 001 Frauen und Männern über 18
Jahren sind 227 626 Singles. Mit 47,9
Prozent besteht fast die Hälfte aller
Haushalte aus einer Person, im
Bundesdurchschnitt sind das nur 35,7
Prozent."
Ein
Vergleich
mit den Daten des Statistischen Amtes
ergibt
folgendes: Am 31.12.1999 lebten 480.001
über 18Jährige in Düsseldorf. Davon
führten 147.023 einen
Einpersonenhaushalt und werden deshalb
als Singles bezeichnet.
Dies
sind zwar 47,9 Prozent der Haushalte,
aber nur knapp über 30 Prozent Singles.
KREBS nennt
eine um 80.000 erhöhte Zahl (ca. 17 %).
Würde man die Zahlen ernst nehmen, dann
würde Düsseldort statt der 570.000 nur
396.000 Einwohner haben. Kein Wunder
also, dass die Deutschen Angst vor
dem Aussterben haben,
wenn Journalisten derart falsche Zahlen
verbreiten.
Desweiteren
wird nicht nach dem Alter der
"Singles" unterschieden. Eine
alleinwohnende Witwe wird genauso dazu
gezählt wie ein Student in einer
Wohngemeinschaft. Aus der Altersstruktur
von Düsseldorf ergibt sich, dass die
grösste Zahl von "Singles"
alleinwohnende Witwen sein dürften.
Ausserdem
sollte sich eine Stadt wie Düsseldorf
mit anderen Grossstädten messen und
nicht mit einem Bundesdurchschnitt ihre
angebliche Ausnahmesituation hervorheben.
Städte zeichnen sich generell durch eine
andere Bevölkerungsstruktur als
Umlandgemeinden oder ländliche Gegenden
aus.
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- OBERMAUER,
Ralph (2001): Enkel an die Macht!
Jonathan
Franzen wollte nur für Eingeweihte schreiben.
Und hat mit "The Corrections" den
US-Hit der Saison gelandet. Ein Porträt
in: Tagesspiegel v. 20.11.
- Kommentar:
Im Jahre 1991
erschien in Amerika das Buch
"Embattled Paradise" der
kalifornischen Psychologin Arlene
SKOLNICK. Sie beschrieb darin die Familie
als "umkämpftes Paradies". Das
zentrale Thema war die Romantisierung der
50er-Jahre-Kleinfamilie.
Die von
SKOLNICK kritisierte nostalgische
Sichtweise hat nun 10 Jahre später mit Jonathan
FRANZEN ihren
popliterarischen Ausdruck gefunden.
Nachdem Bret Easton
ELLIS ebenso wie Michel
HOUELLEBECQ die
sexuelle Befreiung und ihre Folgen
kritisiert haben, führt FRANZEN nun
deren Werk fort, indem er zur
Rehabilitierung der 50er-Jahre-Familie
beiträgt.
Diese Sicht
wird nahegelegt, weil er das äusserlich
gelungene Leben der Eltern den
Lebenskrisen der Kinder gegenüberstellt.
In diesem unfairen Vergleich liegt das
Geheimnis der romantischen Verklärung.
Auch das
Gegenteil ist eben wahr: gescheiterte
Leben in den 50ern und erfolgreiche
Lebensentwürfe danach!
FRANZEN ist
auf jeden Fall die konsequente
Weiterführung der Themen von ELLIS und
HOUELLEBECQ gelungen. Die Familien der
Neuen Mitte werden ihn hierzulande ebenso
begeistert aufnehmen wie die Amerikaner.
Bis zum nächsten Herbst müssen sie
jedoch noch auf dieses "Coming home
for Christmas" warten.
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- DEGEN,
Rolf (2001): Karriere ist nicht die Barriere.
Kinderlose
Frauen gelten als "Karrieretypen" -
aber gerade sie träumen von der
Frühpensionierung,
in: Tagesspiegel v. 20.11.
- Kommentar:
Rolf DEGEN versucht
das sozialpolitisch motivierte Stereotyp
von der kinderlosen Karrierefrau zu
entkräften.
Er zitiert
hierzu die beiden
Sozialwissenschaftlerinnen Fiona
MCALLISTER und Lynda CLARKE vom Family
Policy Studies Center in London, die 176
freiwillig kinderlose Frauen zwischen 33
und 49 Jahren befragt haben. Über die
Repräsentativität der Studie sagt DEGEN
leider nichts aus. Ausserdem muss bedacht
werden, dass die Ergebnisse nur für
Grossbritannien aussagekräftig sind und
nicht umstandslos auf deutsche
Verhältnisse übertragen werden dürfen.
Offenbar
bezieht sich DEGEN auf die bereits im
Juli 1998 publizierte Studie
"Choosing childlessness: a study of
childlessness in Britain".
Keineswegs
aussergewöhnlich ist das Ergebnis, dass
sich die befragten Kinderlosen nicht
selbst durchgängig als
karriere-orientiert betrachten. Die
angebliche Neuheit dieser Tatsache ist
das Ergebnis einer selektiven Wahrnehmung
der deutschen Studien zu diesem Thema.
Es stellt sich
deshalb die Frage, warum gerade jetzt das
Stereotyp der Karrierefrau einer Revision
unterzogen werden soll.
Die Gründe
hierfür müssen in erster Linie im
Kontext der veränderten
sozialpolitischen Debatte gesehen werden.
Mit dem
beabsichtigten
Paradigmenwechsel von Welfare zu Workfare
und damit von der
"sozialen Hängematte" zum
"Trampolin" einerseits (siehe auch heutige
FAZ) und der
bevölkerungspolitisch motivierten
Debatte um die Verlängerung der
Lebensarbeitszeit andererseits, gerät
die "Frühpensionierung" (der
Begriff verweist weniger auf die
britischen als auf die deutschen
Verhältnisse) zum zentralen Kritikpunkt.
DEGEN geht
es also weniger um eine
Entstigmatisierung von kinderlosen
Berufstätigen, sondern um eine Anpassung
des Stereotyps an die gegenwärtige
sozialpolitische Faulenzer-Debatte.
Wenig
überraschend ist auch der Befund von
Sonja Bischoff, BWL-Professorin an der
Hochschule für Wirtschaft und Politik in
Hamburg:
"Sie
hat 1998 zum dritten Mal - nach 1986 und
1991 - jeweils 1000 Männer und Frauen in
Führungspositionen in Deutschland
befragt. Der Anteil der kinderlosen
Frauen ging zurück. Frauen auf der
ersten Führungsebene haben heute zu 60
Prozent Kinder und in der zweiten und
dritten Ebene noch zu 45 Prozent."
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- SCHELKLE,
Waltraud (2001): Das große Sparschwein des Robin
Hood.
Die
Rezession setzt den Wohlfahrtsstaat unter Druck:
Welchen Leitbildern soll die soziale Hilfe
folgen?
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 20.11.
- Kommentar:
SCHELKLE befasst
sich weniger mit der Frage, die in der
Schlagzeile suggeriert wird. Stattdessen
stellt sie das angelsächsische Modell
vor, das die Umstellung von
"Welfare" auf
"Workfare" als Lösung des
Problems propagiert.
Ziel ist
die Kopplung von staatlichen Leistungen
an individuelle Gegenleistungen, sowie
die Einschränkung des Sozialstaats auf
eine Grundsicherung. Dies soll einerseits
die Zahlungsbereitschaft der
Besserverdienenden und andererseits die
Legitimität des Bezugs von
Staatsleistungen erhöhen. Ob dies die Debatte um
die Neidgesellschaft
verhindert, scheint jedoch mehr als
fraglich. Zentraler als diese
Pseudobegründungen ist das Problem der "Working
poors" in der
Dienstleistungsgesellschaft.
Den
britischen Verfechter dieses Modells - Anthony
GIDDENS - erwähnt SCHELKLE
nicht, sondern nur die US-amerikanischen
Verfechter.
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- BAYER, Gudrun
(2001): Mehr Spaß durch Gewalt?,
in: Nürnberger Nachrichten v. 19.11.
- Kommentar:
BAYER interviewt
Norbert MERZ, den Vorsitzenden der
Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher
Mitarbeiter im Strafvollzug. In seiner
Argumentation treffen sich die
Ressentiments gegen die
Gegenwartsgesellschaft, die abwertend als
Spaßgesellschaft bezeichnet
wird, mit der romantischen Verklärung
der bislang quantitativ unbedeutenden
Großfamilie:
"In
der Spaßgesellschaft ist leider eine
Portion Gewalt programmiert. Man handelt
aus lauter Egoismus und schädigt andere
dabei (...). Wir müssen bei den Kindern
ansetzen. Wenn wir von Anfang an keine
Zeit für die Kinder haben, lernen die
doch nicht, wo die Richtschnur ist. In
der Schule ist es schon fast zu spät.
Die ersten drei oder vier Jahre sind
wichtig. Der Hautkontakt; das Umfeld, in
dem das Kind Vertrauen schöpfen kann. In
der Hinsicht bedauere ich es auch, dass
es keine Großfamilien mehr gibt. Die
konnten das ausgleichen. Wir leben in
Hochhäusern direkt nebeneinander und
haben doch die größten Entfernungen.
Wir merken nicht einmal, wenn nur
getrennt durch zwölf Zentimeter Wand
einer stirbt."
Angesichts
der gängigen Großfamilienfolklore
sollte man sich Hermann HESSEs
Beschreibung der bürgerlichen Familie
Anfang des 20. Jahrhunderts ins
Gedächtnis rufen:
"Zwei
Welten liefen dort durcheinander, von
zwei Polen her kamen Tag und Nacht.
Die eine Welt war das Vaterhaus, aber sie
war sogar noch enger, sie umfaßte
eigentlich nur meine Eltern. Diese Welt
(...) hieß Liebe und Strenge, Vorbild
und Schule. Zu dieser Welt gehörte
milder Glanz, Klarheit und Sauberkeit,
hier waren sanfte freundliche Reden,
gewaschene Hände, reine Kleider, gute
Sitten daheim (...).
Die andere Welt indessen begann schon
mitten in unserem eigenen Hause und war
völlig anders, roch anders, sprach
anders, versprach und forderte anderes.
In dieser zweiten Welt gab es
Dienstmägde und Handwerksburschen,
Geistergeschichten und Skandalgerüchte,
es gab da eine Flut von ungeheuren,
lockenden, furchtbaren, rätselhaften
Dingen, (...) Erzählungen von
Einbrüchen, Totschlägen,
Selbstmorden" (aus: Hermann HESSE
"Demian", 1919).
Hermann
HESSE beschreibt im Demian
die Tristesse
Royale der
"Spaßgesellschaft am Vorabend des
1. Weltkrieg" aus der Sicht des
Bürgersohns Emil Sinclair.
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- RED (2001):
Für die Besserstellung von Familien.
KKV-Diözesanverbandstag
verabschiedete "Wiesbadener Erklärung,
in: Wiesbadener Kurier v.
19.11.
- Kommentar:
Der Sozialrichter
Jürgen BORCHERT, der sich
gerne als DER Hauptakteur
der Kontroverse "Familien versus
Singles" sieht, hat
den Stand der Kontroverse im Sinne meines
Essays vom
"Ende der Spaßgesellschaft" upgedated:
"Kinderlose
lebten in der 'Spaß-Gesellschaft' auf
Kosten der Familien ein
'unsoziales Verhalten des Gesetzgebers'
mache dies möglich", wird er
zitiert.
BORCHERT
schätzt die Arbeit von single-dasein.de,
auch wenn er natürlich nicht die hier
vertretene Position teilen kann.
Im
Gegensatz zu sogenannten
Zukunftsforschern wie Matthias
HORX, die Altbekanntes
in trendige Worte fassen, widmet sich
single-dasein.de den jeweils aktuellen
gesellschaftlichen Entwicklungen und
ihren Folgen für Singles. Ein solches
Informationsangebot dürfte im
deutschsprachigen Bereich alternativlos
sein.
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- BALDINGER,
Inge (2001): Die Rückkehr des Risikos.
Sicherheitsboom,
Krisenvöllerei und "ehrliche"
Produkte: Wie die Zukunftsforschung die
Wirtschaft in Zeiten des Terrorkrieges sieht
in: Salzburger Nachrichten v. 19.11.
- Kommentar:
Matthias
HORX möchte zu den
Terrorgewinnlern gehören und hat schnell
seine Begrifflichkeiten dem neuen (alten)
Zeitgeist angepasst.
"Das
(Un)Sicherheits-Zeitalter - Der
Terrorkrieg und die Auswirkungen auf
Wirtschaft, Politik und
Gesellschaft" heisst diese schnelle
Neuverwertung.
Statt "Entschleunigung" heisst es
horxianisch "Slowness-Kultur".
Man lese
nochmals "Das Wörterbuch der 90er
Jahre. Ein Gesellschaftspanorama"
aus dem Jahre 1991. Unter dem Stichwort
"Biedermeier" findet man alles,
was HORX jetzt wieder predigt.
Damals
reagierte HORX auf die Wiedervereinigung,
für HORX sozusagen die damalige Fassung
des Terrors: "In den nächsten
Jahren erwartet uns auf breiter Front die
Rückkehr des Gartenzwerges. 16 Millionen
DDR-Bürger werden schaffen, was die
Allianz aus Bayernkurier
und Bild
seit 1968 nicht vermochte: die
Renaissance der alten, spießigen
Wirtschaftswunder-Werte".
Für die
"Rückkehr des Gartenzwerges"
muss man nur den Begriff
"Cocooning" einsetzen und schon
ist das Update fast fertig.
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- CORSTEN,
Volker (2001): Tragödienstoff im Wartestand.
Reality-TV
mit Herz: Eine Dokumentation begleitet kinderlose
Paare bei ihren Versuchen, dem Glück
nachzuhelfen,
in: Welt am Sonntag v. 18.11.
- Kommentar:
"Ungewollte
Kinderlosigkeit" ist im Zeitalter
von Reproduktionsmedizin und
Bevölkerungspolitik das Topthema. RTL2
zeigt die Serie "Wunschkinder",
in der das Thema zeitgeistmässig
aufgegriffen wird. "Glücklichsein
ohne Kind", das darf
in der heutigen Zeit nicht sein!
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- LAMPRECHT,
Peter (2001): Neue Visionen vom Eigenheim.
Ein
Wettbewerb zeigt, wie sich angehende
NRW-Architekten das citynahe Wohnen der Zukunft
vorstellen,
in: Welt am Sonntag v. 18.11.
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- LORENTZ,
Frank (2001): Workout um Mitternacht.
Einige
Fitness-Studios im Land sind rund um die Uhr
geöffnet. Was sind das für Menschen, die zu
nachtschlafender Zeit trainieren? Ein Besuch,
in: Welt am Sonntag v. 18.11.
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- LAU, Mariam
(2001): Der neue Mensch als Bote des Eros.
Folgen und Spätfolgen der
sexuellen Revolution,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 17.11.
- Kommentar:
Mariam LAU befasst
sich mit den Folgen der sexuellen
Revolution. Sie grenzt ihre Position
gegen Michel
HOUELLEBECQ ab, um
danach die sexuelle Befreiung als
Überforderung anzuprangern.
Die Folie
für diese Sichtweise ist die BECKsche
Individualierungsthese, die als
Wahlfreiheitspostulat des "Anything
goes" interpretiert wird:
"Wo
weder die Kirche noch ökonomischer Zwang
noch der Druck sozialer Kasten dem
Einzelnen oder der Paarbindung etwas
vorgeben, wo Familien nicht mehr
staatstragend sind, wo Differenzen
zwischen den Partnern, was die Motivation
der Eheschliessung angeht, immer mehr
abnehmen - wo all dies der Fall ist, da
muss man sich völlig neu erfinden."
Angesichts
der bevölkerungspolitischen Debatte um
die Kinderlosigkeit und die Tatsache,
dass die Heiratsmuster seit Jahrzehnten
stabiler sind als dies die Debatte
vermuten liesse, erscheint LAUs Credo der
Missachtung der strukturellen
Kontinuitäten und der Verschleierung der
gegenwärtigen Ausgrenzungsversuche gegen
Singles geschuldet zu sein.
Misstrauisch
macht auch die Tatsache, dass LAU die
Debatte der 80er Jahre in den Mittelpunkt
rückt, während heutzutage der
Postfeminismus der Generation Golf die
Debatte bestimmt. Nicht Alice SCHWARZER,
sondern Verona FELDBUSCH prägt das Bild
der Frau in der Berliner Republik. LAU
kämpft wie SCHWARZER die Kämpfe der
Vergangenheit.
LAU beruft
sich wie Susanne
GASCHKE auf den Systemtheoretiker
Niklas LUHMANN ("Liebe
als Passion").
Der
Unterschied zwischen beiden besteht nur
darin, dass LAU noch die
Problemdefinition
"Liebesheirat" zum Thema macht,
während GASCHKE mit der "Revolution
im Reihenhaus" bereits die Lösung
des Problems anbietet. Gemeinsam ist
ihnen also die Arbeit an der Baustelle
"Familie der Neuen Mitte".
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- MESSMER,
Matthias (2001): Die Rückkehr der Konkubinen.
Die sexuelle Revolution ist
nun auch in China angekommen,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 17.11.
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- STELZER,
Tanja (2001): Neurosen zum Dessert.
Mit
ihren Romanen trifft sie den Nerv von
Hunderttausenden von Frauen. Sie weiß: Schwäche
zeigen kommt gut an. Ein Abendessen bei Ildikó
von Kürthy.
in: Tagesspiegel v. 17.11.
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- SLOTERDIJK,
Peter (2001): Von Terror und von Genen.
Ein Plädoyer für die
Enthysterisierung zweier Selbsterregungskampagnen
in: Frankfurter Rundschau
v. 17.11.
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- SCHÄFER,
Thomas (2001): Das Erbe der Romantik.
Soll
man sich nun selbst finden oder erfinden? Und
überhaupt: Ist Selbstverwirklichung ein Zwang?
Diesen Fragen geht Undine Eberleins Studie über
"Einzigartigkeit" nach
in: TAZ v. 17.11.
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- JANSSEN,
Susanne (2001): Altenhilfe am Bedarf orientieren.
Wie
wird die Altenhilfe in 20 Jahren aussehen? Der
Paritätische Wohlfahrtsverband hat Leitlinien
für den zukünftigen Bedarf entwickelt. Denn die
Ansprüche der jetzt 40- bis 50-Jährigen werden
sich nach Ansicht des Verbandes stark verändern.
in: Stuttgarter Zeitung v.
17.11.
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- Abschied von
der Ich-AG
Im RM-Gespräch erklärt der
Freizeitforscher Horst Opaschowski, warum die
Kirchen als moralische Sinnstifter künftig
stärker gefordert sein werden,
in: Rheinischer Merkur
Nr.46 v. 16.11.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01.-15. November
2001
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©
2000-2002
Bernd Kittlaus |
[email protected] |
Stand:
08. April 2002 |
|
Zugriffe
seit
dem 14.Juni 2000 |
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