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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 08. - 16. Oktober 2014

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Optimierungswahn führt zur genetischen (Klassen)gesellschaft

"Den »Geburtenfatalismus«, von dem Peter Sloterdijk einmal gesprochen hat, wird in absehbarer Zeit eine Zuchtwahl auf wissenschaftlicher Basis ersetzen.
Diese Vision beflügelt die äußerst profitablen Reproduktionszentren. Auch wenn die Befruchtungen mit wachsender Routine preiswerter werden, so lässt sich doch voraussehen, dass die optimierte Menschenherstellung den gebildeten und gut situierten Schichten vorbehalten bleibt, während sich das Volk am Boden auf hergebrachte Weise fortpflanzt. (...).
Die Optimierungsvision, die zugleich ein Optimierungswahn ist, fügt sich gut in die herrschende Ideologie der Selbstertüchtigung um jeden Preis. Lediglich altmodische Christen und wertkonservative Bildungsbürger erheben ihre Stimme."
(Ulrich Greiner in der Zeit Nr. 40 v. 25.09.2014)

 
       
       
   

Die Empörung in den deutschen Medien ist fast einhellig - aber auch  vorhersehbar. Die Debatte um das "Social Freezing" glänzt jedoch durch Verlogenheit, denn auf der einen Seite wird eine aktive Bevölkerungspolitik gefordert (Fixierung von Familienpolitik auf die Steigerung der Geburtenrate), die von besser gebildeten Frauen mindestens 2 (besser 3 und mehr) Kinder um jeden Preis verlangt. Kinderlosigkeit wird bereits in der Pflegeversicherung bestraft (nach dieser Norm hat man mit 25 Jahren Mutter zu sein) und die Forderungen nach weit reichenderen Bestrafungen (z.B. Rente nach Kinderzahl) werden mit einer noch so geringen Zunahme der Kinderlosigkeit immer lauter.

Auf der anderen Seite werden Kinderlose (ob alleinstehend oder als Paar)  als gewollt Kinderlose dargestellt, wenn sie nicht die Hilfe der Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen und sich noch so aussichtslosen oder gar gefährlichen Behandlungsmethoden unterziehen. Bereits in der Definition der ungewollten Kinderlosigkeit, bei der sowieso nur Paare und nicht auch "Alleinstehende" zählen, wird diese reproduktionsmedizinisch verkürzte Sicht deutlich.

Solange also die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht als "ungewollte Kinderlosigkeit" gilt, sondern Kinderlosen generell egoistisches Karrierestreben und Hedonismus unterstellt wird, solange ist diese moralisierte Mediendebatte verlogen. Der Begriff gewollte Kinderlosigkeit sollte für Frauen reserviert bleiben, die sich jenseits beruflicher Zwänge für eine lebenslange Kinderlosigkeit entscheiden können.

Und hiervor sind wir - nicht zuletzt wegen den verlogenen Mediendebatten  - weit entfernt.

REST, Jonas (2014): Das Projekt iZelle.
Facebook und Apple zahlen Einfrieren von Eizellen,
in:
Berliner Zeitung v. 16.10.

BRÜNING, Anne (2014): Belastend, teuer und nur selten sinnvoll.
Das Einfrieren von Eizellen ist in Sonderfällen sinnvoll. Für das Kind ist es aber ein riskantes Verfahren,
in:
Berliner Zeitung v. 16.10.

SEYBOLDT, Franziska (2014): Jetzt vorbestellen: die iZelle.
Fruchtbar: Apple und Facebook zahlen Mitarbeiterinnen die Entnahme und das Einfrieren ihrer Eizellen. So kann Frau Karriere machen und der Konzern die Quote steigern,
in:
TAZ v. 16.10.

NUTT, Harry (2014): Social Freezing.
Ein Apple und ein Ei,
in:
Frankfurter Rundschau v. 16.10.

GEYER, Christian (2014): Gefrorene Zeit.
Der kaltgestellte Kinderwunsch: Das Einfrieren von Eizellen ermöglicht wesentlich spätere Schwangerschaften. Facebook und Apple finanzieren das "Social Freezing" für weibliche Angestellte - aus kapitalistischem Eigeninteresse,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.10.

MÜLLER, Reinhard (2014): Kalte neue Welt.
Amerikanische Internet-Giganten bieten ihren Mitarbeiterinnen an, das Einfrieren von Eizellen zu bezahlen. Im Kampf um Talente erwecken sie die Illusion, Herr über das Leben zu sein. Dagegen wirkt die "Familienpolitik" der DDR geradezu human. Ein Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.10.

REIMANN, Anna (2014): Warum ich den Eizellen-Plan von Apple und Facebook pervers finde.
Facebook und Apple wollen ihren Mitarbeiterinnen in Amerika die Kosten für das Einfrieren von Eizellen erstatten - damit sie vor dem Kinderkriegen Karriere machen können. Das Angebot ist verlogen,
in:
Spiegel Online v. 16.10.

BECKER, Birgid (2014): Sicher kein Massenphänomen.
Eizellen einfrieren zu lassen kann einzelnen Frauen eine Perspektive geben. Und wenn nun Konzerne erkennen, dass ihre Mitarbeiterinnen in einer bestimmten Lebensphase in einem existentiellen Dilemma stecken, dann ist das begrüßenswert,
in:
DeutschlandRadio v. 16.10.

 
   

SZ-Tagesthema: Erst Karriere, dann Kinder

BORCHARDT, Alexandra (2014): Im Tal der auf Eis gelegten Gefühle.
Apple und Facebook wollen sich in die Lebensplanung ihrer Mitarbeiterinnen einmischen. Die Folgen sind risikant,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

Alexandra BORCHARDT sieht in den für die High-Tech-Konzerne unvorteilhaften Diversity-Berichten einen Auslöser für das jetzige Angebot von Apple und Facebook, wobei sie in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gar nicht das Diversity-Problem sieht, denn es beträfe nicht nur Frauen, sondern auch männliche Asiaten oder Schwarze. Ihr Fazit:

"Das Anforderungsprofil der Zukunfts-Macher ist klar: jung, getrieben, kinderlos. Dem Profil der Gesellschaft entspricht das nicht."

BORCHARDT weist aber auch auf Unterschiede zwischen den USA und Deutschland hin. Während in den USA das Social Freezing-Verfahren teuer ist und deshalb ein solches Firmen-Angebot lukrativ ist, besteht in Deutschland weniger die Gefahr, dass Social Freezing zum Teil der Unternehmenskultur werden könne, weil es kostengünstiger ist und deshalb nicht nur von Spitzenkräften selber finanziert werden könnte.    

BERNDT, Christina (2014): Forever young.
Wer früh Eizellen einfriert, kann später leichter schwanger werden,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

"Rund 1500 Babys sind bereits weltweit nach Egg Freezing geboren worden, an ihnen ist nichts auffällig",

berichtet Christina BERNDT über die Praxisreife des Verfahrens. Das Verfahren wirft jedoch zwei Fragen auf: In welchem Alter sollte eine Frau ihre Eizellen einfrieren lassen und sollte es für eine solche Schwangerschaft eine Obergrenze geben?  

WILHELM, Hannah (2014): In den schwierigsten Jahren.
Apple und Facebook bieten Mitarbeiterinnen finanzielle Unterstützung an, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen möchten. Warum nicht - es ist es nur eine zusätzliche Option bei einer schwierigen Entscheidung,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

 
   

Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise - Eine Bibliografie der Debatte um Geburtenrückgang und ungewollte Kinderlosigkeit

FREITAG, Line (2014): Investiert lieber in familienfreundliche Arbeitsmodelle!
20.000 Dollar Prämie für Frauen, damit die ihren Kinderwunsch nach hinten verschieben? Der völlig falsche Ansatz,
in:
Wirtschaftswoche Online v. 15.10.

FIRLUS-EMMRICH, Thorsten (2014): Einfrieren gehört zum guten Service.
Apple und Facebook zahlen Mitarbeiterinnen auf Wunsch demnächst 20.000 Dollar, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen. Die Konzerne haben ihre Rolle richtig erkannt,
in:
Wirtschaftswoche Online v. 15.10.

 
   

BECK, Ulrich (2014): Sinn und Wahnsinn der Moderne.
Ehrung: Überzeugt, dass die Welt zu einem besseren Ort werden kann: Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie zeichnet Zygmunt Bauman für sein Lebenswerk aus. Eine Laudatio von Ulrich Beck auf den großen polnischen Soziologen und Philosophen,
in:
TAZ v. 14.10.

 
   

BUJARD, Martin (2014): Elterngeld.
Wie Agenda Setting und neue Interessenkoalitionen den familienpolitischen Paradigmenwechsel ermöglichten,
in:
regierungsforschung.de

Für Martin BUJARD beginnt die Durchsetzung des Elterngeldes mit der Berufung der Sachverständigenkommission des Siebten Familienberichts durch die Familienministerin Renate SCHMIDT am 20. Februar 2003. Das eigentliche Agenda-Setting beginnt mit dem Beschluss zur Einführung des Elterngeldes am 5. September 2004 und endet mit der Bundestagswahl am 18. September 2005. Die Formulierungs- und Entscheidungsphase beginnt dann mit den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD am 17.10.2005 und endet mit der Ausfertigung des Bundeselterngeldgesetzes am 5. Dezember 2006. Danach beginnt für BUJARD die Umsetzungsphase und die fortlaufende Erfolgskontrolle.

 
   

STROHMAIER, Brenda (2014): "Ich schwitze stark beim Essen".
25 Wege, ein Date zu vermasseln. Was man an einem Abend mit potenziellen Liebespartnern besser nicht sagt, tut oder anzieht,
in: Welt am Sonntag v. 12.10.

 
   
SZ-Wochenendthema: Ein unerfüllter Traum

BERNDT, Christina (2014): Baby gesetzlos.
In Deutschland gelten besonders strenge Regeln fürs Kindermachen. Doch Ärzte und Paare wissen die Lücken immer besser zu nutzen - legal, illegal und halblegal,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

Christina BERNDT berichtet über die Aufweichung des veralteten Embryonenschutzgesetztes, wodurch ethische Bedenken gegenüber den Eigeninteressen der Reproduktionsmedizin und der ungewollt Kinderlosen in den Hintergrund getreten sind:

"Das Embryonenschutzgesetz gibt es nach wie vor. Aber es wird nun in vielen, sehr praktischen Aspekten anders ausgelegt - zu Gunsten jener Eltern, die sich ein Kind wünschen, zu Ungunsten der Ethik, wie Kritiker meinen, und mitunter der entstehenden Kinder, die ohne soziale Identität in völlig verwirrenden Familienkonstellationen hineinwachsen.
So ist inzwischen die lang umkämpfte Präimplantationsdiagnostik (PID) unter Auflagen möglich. (...).
Auch die Dreier-Regel, wonach bei einer künstlichen Befruchtung angeblich nicht mehr als drei Embryonen in der Kulturschale hergestellt werden dürfen, ist in dieser Form hinfällig. Ihre strikte Anwendung hatte die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung drastisch sinken lassen: Während in Deutschland die
»Baby take home«-Rate lange Zeit nur bei 25 Prozent lag, konnten ausländische Kliniken Raten von bis zu 35 Prozent vorweisen.
Neuerdings gibt es sogar die Möglichkeit zur Embryonenspende. In diesen Tagen wird das erste Kind geboren (...).
Alle drei Techniken galten lange als illegal (...) bis die Kieler Strafrechtsprofessorin Monika Frommel kam. (...). Das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung treibe sie an, sagt sie (...).
So hat sie das Netzwerk Embryonenspende mitbegründet und den Berliner Mediziner Matthias Bloechle vertreten.
Bei den Themen Leihmutterschaft und Eizellspende spricht das Gesetz hingegen eine eindeutige Sprache und die sagt: Verbot."
 

SCHRÖDER, Vera (2014): "»Entspannt euch« ist kein guter Rat".
Die psychologische Belastung bei unerfülltem Kinderwunsch ist enorm hoch. Wie können Außenstehende helfen? Gespräch mit der Paar- und Sexualtherapeutin Elvira Holl,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

SCHRÖDER, Vera (2014): "Wir wollten die PID und kein Pech mehr" (35jährige Frau),
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

SCHRÖDER, Vera (2014): "Und plötzlich fuhr ich zur Eizellspende" (46jährige Frau),
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

BERNDT, Christina (2014): "Als schwules Paar werden wir Eltern!" (48jähriger Mann),
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

BERNDT, Christina (2014): "Kinder entstehen, die keine Chance hatten" (Hans-Peter Eiden, Netzwerk Embryonenspende),
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

 
   

HAARHOFF, Heike (2014): Magie des Alters.
Oldies: 100-Jährige heute sind agiler als 100-Jährige vor 100 Jahren. Und sie werden immer mehr. Aber warum? Die Erforschung eines schillernden Fisches könnte das Rätsel lösen,
in:
TAZ v. 11.10.

Heike HAARHOFF berichtet über die Zunahme der Hundertjährigen und Älteren in Deutschland:

"»Die Kinder, die heute auf den Geburtsstationen liegen, sind bereits die Bürgerinnen und Bürger einer Gesellschaft der Hundertjährigen«, prognostiziert James Vaupel, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock. Laut dem Datenreport des Statistischen Bundesamtes zu Bevölkerung und Demografie 2013, hat ein 2010 in Deutschland geborenes Baby eine Chance von 50 Prozent, hundert Jahre alt zu werden.
Schon jetzt ist die Geschwindigkeit, mit der die Zahl der Hundertjährigen in Deutschland wächst, frappierend: Zwischen 2000 und 2010 stieg sie nach Angaben der Human Mortality Database von 5.937 auf 13.198, das entspricht einer Zunahme von 122 Prozent.
Und ähnlich rasant geht es weiter: Pro Dekade erhöht sich ihre Zahl um mehr als das Doppelte. Für Deutschland heißt das: Die Zahl der Hundertjährigen wird zwischen 2010 und 2040 von damals 13.000 auf rund 140.000 gestiegen sein.
Interessant ist dabei vor allem, wie der Zugewinn an Lebensjahren heute zustande kommt: Bis 1920 nahm die Lebenserwartung vor allem zu, weil die Sterblichkeit von Kindern und Jugendlichen beträchtlich sank. Inzwischen geht die Verlängerung des Lebens dagegen zu fast 80 Prozent auf das Konto einer sinkenden Sterblichkeit in der Klasse der über 65-Jährigen, erklärt der Rostocker Demograf Rembrandt Scholz."

Als einzige wissenschaftliche Studie zur Situation der Hundertjährigen und Älteren in Deutschland existiert jedoch bislang nur eine Heidelberger Studie. Hundertjährige und Ältere sollen  sich vor allem auf Sardinien, in Kalifornien oder auf der japanischen Insel Okinawa finden. Auch innerhalb von Deutschland sind Hundertjährige ungleich verteilt.

Da die Anzahl der Hundertjährigen und Älteren vergleichsweise klein ist und auch im Jahr 2040 gerade einmal 0,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland so alt sein wird (bei einer Bevölkerungszahl von ca. 70 Mill. Menschen), ist der Beitrag von HAARHOFF in erster Linie der Magie der Zahl 100 geschuldet. Stimmen die Prognosen von James VAUPEL, dann wird erst im 22. Jahrhundert den Hundertjährigen für die heute geborenen Kinder eine Bedeutung zukommen wie sie heutzutage etwa die 80-Jährigen und Älteren haben - vorausgesetzt die Lebensbedingungen und der Gesundheitszustand der Hochaltrigen ändern sich in diesem langen Zeitraum nicht entscheidend.

 
   

WAGNER, David & Jochen SCHMIDT (2014): Nachbarsjungen.
Wechsel: Der Autor Jochen Schmidt wuchs in Ostberlin auf und wusste alles über den Westen. Sein Kollege David Wagner wuchs bei Bonn auf und wusste fast nichts von der DDR. Zwei Blicke auf die andere Seite,
in:
TAZ v. 11.10.

 
   

KNIPPHALS, Dirk (2014): Nicht falsch, aber auch nicht wichtig.
Kommentar zum Literaturnobelpreis,
in:
TAZ v. 10.10.

"Der Literaturnobelpreis könnte deutlichere Zeichen setzen. Wenn schon Überraschung und wenn schon Frankreich, warum dann nicht zum Beispiel Michel Houellebecq? Mon Dieu, hätte das zu Debatten und Kontroversen geführt!" meint Dirk KNIPPHALS.

 
   

GROH-KONTIO, Carina (2014): "Du bist was du denkst: fit oder fertig".
Überalterte Gesellschaft? Demographie-Panik? Altersarmut? Was mit alternden Autoren geschieht, wenn sie die erste Werbung für Senioren im Briefkasten finden, zeigt Lothar Seiwert etwas unfreiwillig in seinem neuen Buch,
in:
Handelsblatt Online v. 09.10.

"Kennen Sie »Das Methusalem-Komplott«, dann kennen Sie »Das neue Zeit-Alter«; es sei Ihnen selbst überlassen, ob Sie sich Seiwerts Werk nun auch noch ins Regal stellen.
Und genauso wie bei Schirrmacher auch liegt die Lösung für Lothar Seiwert im zweiten Teil seines Buches in einer Art Gegenangriff gegen Jugendwahn und Altersdiskriminierung", meint Carina GROH-KONTIO.

 
   

GENIES (2014): Im Dienste der Biologisierung.
Die Legalisierung von Leihmutterschaft und Eizelltransfer käme einer neoliberalen Deregulierung gleich. Daher ist es sinnvoll, an Verboten festzuhalten,
in:
Jungle World Nr.41 v. 09.10.

Eine Gruppe, die sich im Gen-ethischen Netzwerk organisiert, mahnt eine herrschaftskritische Position in Sachen Reproduktionsmedizin an, die auf drei Ebenen ansetzt:

"Eine herrschaftskritische Perspektive sollte auf drei Ebenen artikuliert werden. Erstens gegenüber wertkonservativen Positionen der »Lebensschützer«, die den als isoliert verstandenen, mit Menschenwürde behafteten Embryo verteidigen, um Frauenrechte einzuschränken und die Norm der heterosexuellen Kleinfamilie als »naturgegeben« zu propagieren. Zweitens gegenüber den reproduktionsmedizinischen Versprechen eines qualitativ hochwertigen »eigenen« Wunschkindes, das eine genetisch-biologische Genealogie zum Ausgangspunkt von Bindungen zwischen Menschen macht und die Praxis der Selektion in Gang setzt. Schließlich gegenüber der expansiven kapitalistischen Dynamik der Verdinglichung und Inwertsetzung von Körpermaterialien, Körperprozessen und Körperprodukten, die deren Marktförmigkeit überhaupt erst ermöglicht."

Die Gruppe wendet sich gegen die Eigeninteressen von Reproduktionsmedizin und ungewollt Kinderlosen und setzt mit dieser defensiven Strategie auf den Staat, der die Legalisierung von Leihmutterschaft und Eizellspende verhindern soll. Eine solche Strategie erscheint angesichts der Demografisierung sozialer Probleme mehr als aussichtslos.

 
       
 

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[email protected] Stand: 18. Dezember 2014