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Medienrundschau:
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Zitat
des Monats:
Facetten der
Einsamkeit
"Einsam ist der Teenager in der Kleinstadt, der das Gefühl
hat, irgendwie anders zu sein als alle, die er hier kennt.
Einsam ist der Mann, der von seiner Frau verlassen wurde und mit
keinem über seinen Kummer redet, sondern sich stattdessen in
One-Night-Stands flüchtet. Einsam ist die Frau, die realisiert,
dass sie zwar mit ihrem Partner noch zusammen lebt, aber er sein
Leben schon seit Jahre nicht mit ihr teilt. Einsam ist der Mann,
der denkt: »Die anderen sind sowieso nur Idioten, ich
brauche gar keinen davon« - und nur manchmal nachts, ganz leise,
in sich spürt, dass das vielleicht nicht seine hundertprozentige
Wahrheit ist."
(aus: Sonja Niemann
"Niemand da"
in der Zeitschrift Brigitte Nr.8 v. 29.03.2017, S.105)
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23.04.2017
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WIESMANN, Bettina M. (2017):
Lob der Familie.
Standpunkt: Eltern leisten
Gewaltiges und ziehen auch künftige Beitragszahler groß,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.04.
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22.04.2017
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KAISER, Tobias
(2017): Die Zukunft der Betriebsrente steht auf der Kippe.
Angesichts von Nullzinsen und des
sinkenden Niveaus der gesetzlichen Rente will die Bundesregierung die
betriebliche Altersvorsorge stärken. Doch kurz vor der Ziellinie gibt
es plötzlich Streit um das Projekt,
in:
Welt v. 22.04.
Der Artikel von Tobias KAISER
bleibt inhaltlich
auf der Linie des Spiegels und geht auch nicht über den
Handelsblatt-Bericht hinaus,
außer dass er neue zeitliche Rahmen für den weiteren
Gesetzgebungsprozess präsentiert:
"Jetzt soll der Bundestag am
19. Mai über den Gesetzentwurf abstimmen. Am Mittwoch treffen
sich aber zunächst die Verhandlungsführer der Unionsparteien und
der SPD, um einen Kompromiss zu finden."
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SEGAL, Emily & Douglas COUPLAND (2017): X Y Z.
Einst war Kulturkritik cool und
subversiv, dann wurde sie vom Marketing und jetzt sogar von der Neuen
Rechten entdeckt. Zeit für eine Revision! Emily Segal ist die hippe
Theoretikerin der Generation Y, Douglas Coupland der philosophische
Erfinder der Generation X. Ein Dialog über die Zeichen der Zeit,
in:
Welt v. 22.04.
Gespräch mit Douglas COUPLAND ("Generation X") und Normcore-Erfinderin
Emily SEGAL über das Phänomen "Generation", das heutzutage von der
Neuen Rechte und ihrer Lust auf Apokalypse besetzt wird ("The Fourth
Turning").
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LEHNARTZ, Sascha (2017): Paris. Statt der Liebe.
Bis vor zwei Jahren war Sascha
Lehnartz Korrespondent der "Welt" in der französischen Hauptstadt.
Wenn er sich heute in den vertrauten Vierteln umschaut, wundert er
sich: Kurz vor der Wahl scheint sich die Stadt beharrlich zu weigern,
den Ernst der Lage zu erkennen,
in:
Welt v. 22.04.
Den Ernst der Lage zu erkennen, das meinte Sascha LEHNARTZ bereits
Anfang des Jahrtausends, als er sich
gemeinsam mit anderen seiner Journalisten-Generation beleidigt
fühlte, weil er abserviert werden sollte. Bei der FAS
organisierte er deswegen einen
Rentneraufstand, deren Flaggschiff der Pensionär Arnulf BARING
war. Nach diesem
Flop ging er unter die Buchautoren.
Global Players war der Versuch, dem eigenen Scheitern einen
neuen Sinn zu geben. Sein Popper-Manifest trieb im seichten
Fahrwasser von Ulf POSCHARDT und versuchte sich in einer
neokonservativen Umdeutung der Popkultur.
Nun also ist LEHNARTZ dem Ernst
der Lage in Frankreich auf der Spur:
"Bis vor zwei Jahren habe ich
drei Häuser neben dem Bataclan gewohnt",
erklärt uns der Hipster LEHNARTZ,
der Abschied nimmt von seiner Karriere als Gentrifier im angesagten
Pariser Viertel. Den Ernst der Lage erkennt er jedoch nicht, denn
der lässt sich in solchen schicken Vierteln nicht wirklich erfahren!
BOPP, Lena
(2017): Ein Akt politischer Notwehr.
Wie konnte der Front National in
Frankreich gerade in der Arbeiterklasse so stark werden? Die Antwort
führt weit in die Familiengeschichten zurück, wie drei aktuelle Bücher
von Didier Eribon, Aurélie Filippetti und Edouard Louis zeigen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.04.
Lena BOPP stutzt die Bücher von Didier ERIBON, Jahrgang 1953
("Rückkehr nach Reims"), Aurélie FILIPPETTI, Jahrgang 1973 ("Das Ende
der Arbeiterklasse"), und Edouard Louis, Jahrgang 1992 ("Das Ende von
Eddy"), so zusammen, dass daraus ein Bild der französischen
Arbeiterklasse entsteht:
"Ihre Mütter waren Hausfrauen, ihre
Väter arbeiteten in »der Fabrik« oder fuhren als Bergarbeiter in die
Mine. Eine höhere Schulbildung hat kein Familienmitglied jemals
genossen. Im Gegenteil besuchte ein jeder nur so lange die Schule, wie
es Kindergeld dafür gab, und verließ sie sofort, um seinerseits in die
Fabrik und die Mine zu gehen, sobald das möglich war."
Das mag der bürgerlichen
Familienidylle entsprechen, aber nicht der französischen Realität: Die
Frauen der Arbeiterklasse mussten dort vielfach auch in der Fabrik
schuften,
was bei Didier ERIBON anklingt. Ohne das Geld, das seine Mutter in
der Fabrik verdiente, hätte er gar nicht erst studieren können.
FILIPETTI war keineswegs ein
schlichtes Arbeiterkind wie uns BOPP weismachen möchte, sondern ihr
Vater war Bürgermeister einer lothringischen Kleinstadt, was mit den
Verhältnissen in denen ERIBON oder LOUIS aufwuchsen kaum zu
vergleichen ist. Ihr Familienroman Les Derniers Jours de la Classe
ouvrière ist bereits 2003, also lange vor dem Buch von ERIBON
erschienen, aber erst 2014 in Deutschland erschienen. Das Buch En
finir avec Eddy Bellegueule erschien erst 2014 und wurde bereits
ein Jahr später in Deutschland veröffentlicht. Allein schon diese
Daten zeigen, dass das Thema Rechtspopulismus in Verbindung mit der
Arbeiterklasse in Deutschland erst sehr spät aufgegriffen wurde. Zudem
spielt in den Büchern der beiden Franzosen die Homosexualität und
deren Anfeindung im Arbeitermilieu eine zentrale Rolle, die bei BOPP
und anderen ausgeblendet oder unterbelichtet wird. Ihre Homosexualität
mach sowohl ERIBON als auch LOUIS zu Außenseitern in ihrem eigenen
Milieu - eine Tatsache, die bei der ganzen Diskussion um die soziale
Frage ausgeblendet wird. Damit wird auch die historische Dimension der
Debatte vernachlässigt, denn
die Gelegenheitsstrukturen für soziale Aufsteiger sind dem
gesellschaftlichen Wandel unterworfen. Dieser Wandel bleibt in
allen Berichten unberücksichtigt. Die politische Debatte bleibt hinter
der Dynamik der Realität zurück, wenn dieser Aspekt ausgeblendet wird.
SCHUBERT, Christian
(2017):
Das tiefe Frankreich.
Gräben ziehen sich durch die
Republik, die am Sonntag wählt. Die Start-up-Unternehmen erblühen,
doch abseits der Städte verwelken die Regionen. Sie kämpfen gegen das
Vergessenwerden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.04.
Christian SCHUBERTs Frankreichbild
kennt drei Facetten: das ländliche Frankreich ("France profonde"), das
anhand der Kleinstadt Guéret (Geschäftsschließungen im Stadtzentrum)
skizziert wird, die Großstadt
Amiens
(Werksschließungen) im Norden Frankreichs und die Metropole Paris (Start-up-Unternehmen).
Anhand ersterer wird der Niedergang der Sozialistischen Partei und der
Aufstieg des Links- und Rechtspopulismus veranschaulicht, Amiens
demonstriert den Niedergang der Republikaner und Paris wiederum soll
den Hoffmungsträger Emamanuel MACRON verkörpern.
QUATREMER, Jean
(2017): Nur ein Stern im Viergestirn.
Frankreich:
Europa ist das eigentliche Thema dieser
Wahlen: Von den vier Favoriten hat allein Emmanuel Macron die
richtige Einstellung dazu,
in:
TAZ v. 22.04.
TULL, Claire-Lise
(2017): Denken für die nationale Sache.
Paris: Rechtsruck und reaktionärer
Diskurs unter Intellektuellen: der Zeitgeist in Frankreich,
in:
TAZ v. 22.04.
"Manche Publizisten, die früher
links einzuordnen waren, fordern den Schutz der nationalen Identität
oder prangern die linksliberale Elite an. Alain Finkielkraut, Pascal
Bruckner und Michael Onfray gehören dazu",
erklärt uns Claire-Lise TULL.
Früher, das ist sehr, sehr lange her.
Alain FINKIELKRAUT und
Pascal BRUCKNER gehören zu den neuen Philosophen, die in den
1980er Jahren die neoliberale und neokonservative Wende einleiteten.
Kulturpessimismus will TULL erst in deren letzten Bücher entdeckt
haben, obwohl die Philosophen schon seit Jahrzehnten neubürgerlichen
Distinktionsmüll produzieren.
TULL hält den Rechtsruck der
"französischen Geisteselite" für belanglos, denn der Front National
rekrutiere seine Wähler unten denjenigen "mit niedrigem
Bildungsniveau". Diese Arroganz des neubürgerlichen Milieus könnte
sich bald auch in Deutschland als Problem erweisen.
"2002 veröffentlichte der Essayist
Daniel Lindenberg ein Pamphlet unter dem Titel
»Der Ordnungsruf. Eine Studie über die neuen Reaktionären«. Wenige
Monate zuvor stand Jean-Marie Le Pen überraschend in der Stichwahl zum
Amt des Staatschefs gegen Jacques Chirac. 2016 wurde Lindenbergs Buch
neu aufgelegt - mit dem Hinweis des Verlegers »eine Vorwarnung«",
erklärt uns TULL, verschweigt dabei
jedoch wohlweislich, dass in diesem Buch BRUCKNER und FINKIELKRAUT zu
den neuen Reaktionären gezählt wurden, weshalb sie von "Pamphlet"
spricht. Auch Michel HOUELLEBECQ wird zu Recht diesen neuen
Reaktionären zugeordnet.
Wie kurzsichtig TULL argumentiert,
wird klar, wenn sie schreibt:
"Überwindung des
Links-rechts-Schemas (...) - ein Leitmotiv rechter und neoreaktionärer
Intellektueller."
Jenseits von Links und Rechts war
in den 1980er Jahre der Slogan der neuen Sozialdemokratie und der
Individualisierungsthese von Ulrich BECK, mit dem sich die neue Mitte
endgültig der Arbeiterklasse entledigte. Und es zeigt auch, dass Neue
Rechte und Neue Mitte mehr gemeinsam haben als selbsternannte Linke
glauben.
Unter Anthony GIDDENS wurde das als Dritter Weg propagiert. Man
darf sich also sehr über die Geschichtsvergessenheit von TULL wundern.
JOFFRIN, Laurent
(2017): Es ist das Ende einer Epoche.
Revue: Laurent Joffrin,
Chefredakteur der "Liberation" blickt zurück auf den merkwürdigsten
Wahlkampf, den heute lebende Franzosen je erlebt haben. Und der den
Beginn einer neuen Revolte markiert,
in:
TAZ v. 22.04.
Laurent JOFFRIN, Chefredakteur des
neoliberalen Mitte-Blatt mit einst großer Vergangenheit, erklärt uns,
was aus Sicht des neubürgerlichen Milieus Sache ist:
"Die beiden Antisystemkandidaten -
Le Pen und Mélenchon - sammeln in den Umfragen genauso viele Stimmen
wie Fillon und Macron, die Vertreter einer sogenannten
vernunftbasierten Politik",
zürnt JOFFRIN, der in den
Sozialisten die wahre Linke sieht, der sich die restliche Linke
unterzuordnen habe, stattdessen:
"Zerrissen zwischen Macron, Hamon
und Méllenchon droht Sektierertum".
Vor diesem Hintergrund malt JOFFRIN
eine düstere Zukunft:
"Wie in Italien und Spanien wird
die französische Sozialdemokratie eine lange Finsternis erleben,
obwohl sie die einzige Kraft ist, die die Linke in der politischen
Landschaft vereinigen kann."
Die Sozialisten haben seit Anfang
der 1980er Jahre ihren Frieden mit dem Neoliberalismus gemacht und so
zu den heutigen Verhältnissen beigetragen. Wie soll eine solche Partei
noch die Linke repräsentieren können? Selbstkritik? Fehlanzeige!
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21.04.2017
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SAUER, Stefan (2017): "Die Pläne sind zutiefst unsozial".
Rentenexpertin Buntenbach über die
Ideen der AfD zur Familienpolitik,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.04.
Annelie BUNTENBACH, die in der
Rentenversicherung die Gewerkschaftsinteressen vertritt, erklärt uns,
dass die AfD das gesetzliche Renteneintrittsalter ganz abschaffen
will. An die Stelle soll stattdessen die abschlagsfreie Rente nach 45
Jahren Lebensarbeitszeit treten. Gemäß BUNTENBACH würde das für die
Mehrheit der Bevölkerung bedeuten, dass sie 67 oder gar 70 Jahre
arbeiten müssten.
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HÄRING, Norbert (2017): Begründungsloses Dingseinkommen.
Die Utopie, jedem Bürger ein
staatliches Gehalt zu garantieren, hat viele Anhänger. Doch zwei neue
Bücher zeigen, wie unausgegoren die Idee ist,
in:
Handelsblatt v. 21.04.
Norbert HÄRING bespricht die Bücher Radikal gerecht des
neoliberalen Ökonomen Thomas STRAUBHAAR und Sonst knallt's von
Matthias WELK, Götz WERNER und Marc FRIEDRICH, bei denen es um
Plädoyers für das bedingungslose Grundeinkommen geht.
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WIKTORIN, Anne (2017): Die Luft wird dünner.
Wohnungsmarkt: Viele Jahre konnten
Wohnungskäufer in Berlin kaum etwas falsch machen. Das ändert sich
gerade,
in:
Handelsblatt v. 21.04.
Anne WIKTORIN stellt der pessimistischen Sicht von Harald SIMONS (Empirica)
und Matthias PINK (Savills) die optimistische Sicht von Henrik
BAUMUNK (CBRE) entgegen. Die Bevölkerungsentwicklung von Berlin und
deren Prognosen bis 2030 werden als Pluspunkt verbucht, die
Wirtschaftsentwicklung als mögliche Gefahr.
"Die Lagen zwischen Alex und dem
künftigen Berliner Flughafen" werden uns als lukrativ angepriesen.
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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Wirtschaftsthema: Pflege in Deutschland.
Wie die
Digitalisierung dem Fachkräftemangel begegnet
BECKER, Kim Björn (2017): Schreckensszenario.
Im Jahr 2030 könnten einer Studie
zufolge bis zu 490.000 Vollzeitpfleger fehlen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.04.
Kim Björn BECKER verheißt Schreckensszenarien, als ob wir uns noch
schrecken lassen könnten. Es gibt wohl keine einzige Prognose, die
nicht längst schon vor Jahren verbreitet worden wäre. Horrorszenarien
sind schließlich Normalität geworden, seit Neoliberale unser Gehirn
mit fernen Zukünften malträtieren, die niemals Realität werden.
Fürchten müssten wir uns eher vor jenen Szenarien, die keiner auf dem
Schirm hat.
Greifen wir uns den
Pflegereport 2016 der Barmer Ersatzkasse vom November 2016
heraus, der nicht von neoliberalen Lobbygruppen wie der Bertelsmann
Privatstiftung oder dem IW Köln erstellt wurde, sondern von einer
privaten Krankenkasse, die ebenfalls eindeutige Interessen
hinsichtlich der Pflege vertritt und uns von BECKER als diejenige mit
dem höchsten Horrorpotential gepriesen wird:
"Noch gravierender Fällt die
Prognose des Statistischen Bundesamtes aus, die im »Pflegereport« der
Krankenkasse Barmer veröffentlicht wurde: Der Studie zufolge könnten
im Jahr 2050 sogar fast 4,5 Millionen Menschen im Land pflegebedürftig
sein."
Davon ist wenig wahr, denn die
Autoren des Pflegereports greifen lediglich auf eine Variante der 13.
koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung zurück und gehen zudem
davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Längerlebenden nicht
bessert, sondern auf dem heutigen Niveau bleibt - eine Annahme, die
der Statistiker Gerd BOSBACH zu Recht kritisiert. Im Pflegereport
heißt es:
"Die Projektionen beruhen auf der
13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung sowie auf den
altersspezifischen Pflegeprävalenzen der entsprechenden Bundesländer
(die über den gesamten Beobachtungszeitraum konstant gehalten werden)"
(2016, S.84)
In einer Fußnote wird uns die
Variante G1-L1-W1 (Beim Statistischen Bundesamt als Variante 1
Kontinuität bei schwächerer Zuwanderung bezeichnet) genannt, die vom
Statistischen Bundesamt selber gar nicht mehr verwendet wird, weil sie
längst überholt ist. Sowohl die Geburtenrate als auch die Zuwanderung
ist zu niedrig ausgewiesen. Folglich würde die Zahl der
Pflegebedürftigen nach der aktualisierten Variante höher liegen. Die
4,6 Millionen Pflegebedürftigen wären nicht etwa die Obergrenze wie
BECKER behauptet, sondern eine Untergrenze. Anders formuliert: Es geht
immer noch schlimmer! Was uns verschwiegen wird: Diese 4,6 Millionen
wären mit fast 2,9 Millionen überwiegend pflegebedürftige Frauen.
Nicht einmal 1,7 Millionen Männer erreichen ein Alter, in denen ihnen
Pflegebedürftigkeit droht.
Noch mehr Horror gefällig? Im
Pflegereport 2010 wurden uns für 2060 dramatische 2,8
Millionen Pflegebedürftige angedroht. Diese Zahl wird im aktuellen
Pflegereport allein schon für die Frauen im Jahr 2050 erreicht.
Fazit: Zahlen für 2050 oder gar
2060 sind reine Kaffeesatzleserei!
BECKER, Kim Björn (2017): Betreuer aus dem Netz.
In der ambulanten Pflege tummeln
sich inzwischen etliche Start-ups. Sie profitieren von Fördertöpfen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.04.
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Das Rentenvorbild Österreich in der Debatte
PIPER, Nikolaus (2017): Von Österreich lernen.
Pipers Welt: Viele Wahlkämpfer
sehen im Rentensystem des Nachbarlandes ein Vorbild und ein Beispiel
dafür, dass private Vorsorge nicht nötig ist. Wer genau hinschaut,
stellt fest: Das System ist nicht nachhaltig,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.04.
Die einen sprechen von
Generationengerechtigkeit, die anderen von Nachhaltigkeit - beides
neoliberale Kampfbegriffe. Letzteres hat Anklänge an die ursprüngliche
Bedeutung einer Ökologisierung gesellschaftlicher Probleme, die nun im
Gewande des Sachzwangs "Demografie" daherkommt. Nachhaltigkeit setzt
eine vorhersagbare Zukunft voraus, was bekanntlich nicht der Fall ist.
Die Zukunft ist offen und daran ändert auch keine Demografie etwas.
Davon abgesehen sollte Nikolaus PIPER sein Demografiewissen auf den
aktuellen Stand bringen, denn
er verbreitet immer noch die Geburtenzahlen des Jahres 2014,
obwohl längst die Zahlen des Jahres 2015 vorliegen. Auch die
Geburtenrate von Österreich liegt nicht bei 1,44, sondern 2015 bei
1,49. Ein Blick auf die Website von
Statistik Austria
hätte genügt!
PIPER präsentiert uns eine
"Rangliste der verslässlichsten Rentensysteme", die ausgerechnet von
einem Beratungsunternehmen stammt, dessen Geschäftsfeld die
kapitalgedeckte Altersvorsorge ist. Wer wie PIPER den Bock zum Gärtner
macht, der darf sich nicht wundern, dass die Glaubwürdigkeit der
Mainstreampresse rapide zurückgeht.
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GÖBEL, Heike
(2017): Die Liberalen und der Wohlfahrtsstaat.
Die Ordnung der Wirtschaft:
Liberale gelten oft als sozialpolitische Spielverderber. Sie begegnen
dem Ausbau des Sozialstaats mit viel Kritik und Skepsis. Das heißt
nicht, dass sie gegen jede Form der Absicherung durch den Staat sind.
Aber welchen Sozialstaat wünschen sich Liberale?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.04.
Heike GÖBEL beschreibt die
neokonservative Variante des Neoliberalismus als Ideal:
"Liberale wollen das Fundament
jeder sozialen Sicherung schützen: Markt, Wettbewerb und
Arbeitsplätze. Das ist ihre oberste Priorität."
Daraus ergibt sich für GÖBEL das
Feindbild des Sozialstaats, das mit Umverteilung ("soziale
Gerechtigkeit") und Zwang ("Eingriff in die Eigentumsrechte",
Sozialbürokratie) gleichgesetzt wird. Darunter fällt alles, was über
die "reine Armutsbekämpfung" hinausgeht. Die Gewährsmänner (Frauen
fehlen!) sind Wilhelm RÖPKE, Friedrich von HAYERK und Milton
FRIEDMAN). Daraus ergibt sich die defensive Haltung des
Neoliberalismus:
"Unzweifelhaft ist dies nicht mehr
die Zeit, in der der moderne Wohlfahrtsstaat unserer Hilfe bedarf. Die
Wahrscheinlichkeit nämlich, dass das unerlässliche Minimum an
staatlich organisierter Sicherheit zu kurz kommen könnte, ist in
unserer Epoche der Massendemokratie, der handfesten Sozialmächte, des
entfesselten Gleichheitsstrebens, und des fast zur Gewohnheit
gewordenen »Raubs durch den Stimmzettel« gleich null. Es sind die
Grenzen und Gefahren des Wohlfahrtstaates, (...) die uns kritisch zu
beschäftigen haben",
zitiert GÖBEL den Ordoliberalen
RÖPKE, um zu demonstrieren, dass 1957 heute ist, denn der Text ist 60
Jahre alt und immer noch das Credo der Liberalen, speziell der FDP.
Die Wirklichkeit hat mit dem
gepriesenen Konstrukten "Markt", "Wettbewerb" und "Leistung" wenig zu
tun, nicht etwa wegen dem Sozialstaat, sondern umgekehrt, weil die
heutige Wirtschaftsordnung auf Größe, Erfolg und Wirtschaftslobbyismus
setzt.
Das Grundeinkommen ist GÖBEL ein
Greuel, weil es den Leistungswillen zersetzt - ein Argument, das
häufig zur Sozialstaatskritik missbraucht wird. Ganz verlogen wird
des, wenn uns "Kosten-Nutzen-Kalküle" als Ideal gepriesen werden. Von
Nutzen ist auf den Wirtschaftsseiten der FAZ jedoch nie die
Rede, wenn es um Sozialpolitik geht, sondern immer nur um Kosten. Das
liegt daran, dass es nicht um Nutzen geht, sondern um Prinzipien:
"Kriterien für eine wirtschafts-
und freiheitsverträgliche Sozialpolitik (...) gezielte Hilfe statt
allgemeiner Nivellierung, Subsidiarität, Effizienz, Transparenz,
Freiheit vor Sicherheit, Generationengerechtigkeit, Subjekthilfe statt
Objekthilfe".
Der Sozialstaat wird nicht als
Ausgleichsmechanismus zwischen Unten und Oben, sondern als
Armenfürsorge definiert. Eigenbeteiligung, Sanktionen und Sparen
sollen die Profite der Wirtschaft steigern, weshalb Ausbeutung statt
Mindestlohn die Richtschnur ist.
Fazit: Die Defensivtaktik des
FDP-Neoliberalismus, den uns GÖBEL hier vorschwärmt, richtet sich
gegen Verbesserungen der Lebensbedingungen von Arbeitnehmern, um die
Profite der Privatwirtschaft als oberster Priorität zu steigern.
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LEUBSCHER, Marcel
(2017): Kinder? Evet!
Türkinnen in Deutschland haben mehr
Nachwuchs als Mütter in der alten Heimat,
in:
Welt v. 21.04.
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KEROLA, Paivi (2017): Die Flüchtlingskrise, die keiner kennt.
In Finnland stieg die Zahl der
Flüchtlinge um 822 Prozent. Migration ist dort ein relativ neues
Phänomen. So neu, dass die Rechtspopulisten es erst jetzt entdecken,
in:
Welt v. 21.04.
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KLINGSIECK, Ralf
(2017): "Maul zu, Frau Merkel".
ND-Tagesthema Frankreich vor der
Wahl: Jean-Luc Mélenchon scheut vor harscher Kritik an Deutschland
und seiner neoliberalen Sparpolitik nicht zurück,
in:
Neues Deutschland v. 21.04.
PFEIFFER, Hermannus
(2017): Kranker Mann Europas?
ND-Tagesthema Frankreich vor der
Wahl: Banken und Investoren warnen vor Mélenchon und Le Pen,
in:
Neues Deutschland v. 21.04.
SCHMID, Bernard
(2017): Wahlen als Sprungbrett.
ND-Tagesthema Frankreich vor der
Wahl: Radikale Linke in Frankreich orientieren sich stärker auf
künftige soziale Kämpfe. Ihr KandidatInnen haben ohnehin keine
realistische Chance,
in:
Neues Deutschland v. 21.04.
Bernard SCHMID fasst unter dem
Begriff der "radikalen Linken" die trotzkistische Aktivistenpartei
Lutte Ouvrière (LO; Kandidatin: Nathalie ARTHAUD) und die Neue
Antikapitalistische Partei (NPA; Kandidat: Philippe POUTOU), ehemals
LCR (Ligue Communiste Révolutionnaire) zusammen.
EPSTEIN, Renaud
(2017): Die Missachtung der Banlieus.
Frankreich: Um die Großsiedlungen
hat sich Hollande nur wenig gekümmert. Auch die aktuellen
Präsidentschaftskandidaten haben für sie keine Rezepte,
in:
TAZ v. 21.04.
Der Politikwissenschaftler Renaud EPSTEIN stellt uns Alnay-sous-Bois
als typische Pariser Vorstadt vor. In Deutschland würde man von einem
sozialen Brennpunkt sprechen. In der so genannten Banlieue sitzen aber
auch die Wohlhabenden, z.B. in
Neuilly-sur-Seine. Nicht die Banlieues sind das Problem, sondern
die Segregation, was verdeckt wird, wenn EPSTEIN einfach nur
Durchschnittswerte (Arbeitslosigkeit, Armut) der Banlieues den anderen
Gebieten gegenüberstellt.
Den hohen Anteil von Nichtwählern
in den Banlieues erklärt EPSTEIN mit deren sozioökonomischen Status:
"Vor allem, weil dort eben viele
Zuwanderer leben, die kein Wahlrecht besitzen, ebenso wie prekäre
Bevölkerungsgruppen, die von diesem Recht weniger Gebrauch machen als
andere (...). Aber auch weil die linken Kandidaten nicht mehr gehört
werden. Man erinnert sich in den Siedlungen nur zu gut an die
gebrochenen Versprechungen von François Mitterand und François
Hollande."
Oder anders formuliert: Weil die
Wählerschaft in den Banlieues nach Meinung von Politik, Wissenschaft
und Medien nicht wahlentscheidend ist, werden diese Gruppen
vernachlässigt, was wiederum diesen politischen Trend verstärkt.
BAHNERS, Patrick (2017): Wählt Deutschland?
Verblüffung über ein Orakel: Didier
Eribon in München,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.04.
Patrick BAHNERS erregt sich über eine Veranstaltung mit Didier ERIBON,
weil sich die Deutschen erdreisten würden den Franzosen
vorzuschreiben, wen sie zu wählen hätten:
"Wenn
Macron siege, könne Le Pen Präsidentin werden - in fünf Jahren.
Verblüfft schließen die Zuhörer Bekanntschaft mit einem politischen
Interessenkalkül, für das »Europa«, die Chiffre für den Status quo,
keinen alternativlosen Höchstwert darstellt."
FINKENZELLER, Karin (2017): Im Tal der traurigen Engel.
Frankreich: Arbeiter haben Marine
Le Pen groß gemacht. Sie stimmen nicht länger für die Sozialisten oder
Kommunisten, sie sind stramm rechts. Wie kam es dazu?
in:
Wirtschaftswoche Nr.17 v. 21.04.
Karin FINKENZELLER berichtet über Orte in Lothringen wie Uckange oder
Hayange, wo mit dem Niedergang von Eisen- und Stahlindustrie der Front
National gestärkt wird. Bei den Wählern kommt es an, dass der FN gegen
Einwanderer polemisiert, die die Sozialkassen plündern. Einen Vorwurf,
den in Deutschland auch die FAZ und die Welt verbreiten,
was deutlich macht, dass Neoliberalismus und Nationalkonservatismus
den Boden für den Rechtspopulismus fruchtbar gemacht haben.
TZERMIAS, Nikos
(2017): Raue Sitten bei den "Schwarzfüssen"..
Der Front national schürt Ängste
und hat an der Côte d'Azür Erfolg damit - auch wegen der kolonialen
Vergangenheit in Algerien,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 21.04.
"Im Unterschied zu den traditionell
»roten« Regionen in dem von einer massiven Deindustrialisierung
geplagten Norden grub der Front national im Süden nicht in erster
Linie der Linken, sondern der traditionellen Rechten das Wasser",
erklärt uns Nikos TZERMIAS, der das
südfranzösische Frejus mit seinen rund 53.000 Einwohnern als
Vorzeigestadt des Front National beschreibt:
"Fréjus gilt als ein Schaufenster
des Front national, hier will die Partei demonstrieren, dass sie
regierungsfähig ist. Nach dem 7. Arrondissement von Marseille ist
Fréjus die zweitgrösste der 12 Stadtgemeinden, die vom Front national
regiert werden".
Als Grundlage der Herrschaft des FN
in Südfrankreich sieht TZERMIAS die so genannten Pieds-Noirs, also die
rund eine Million Algerienfranzosen, die nach dem Algerienkrieg nach
Frankreich flüchteten, und ihre Nachfahren.
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MÜHLBAUER, Peter (2017): Keine Angst vor "Überalterung".
Der Mathematiker Hansjörg Walther
widerlegt Medienvorstellungen, die auf Oswald Spengler und Arthur
Moeller van den Bruck zurückgehen,
in:
Telepolit v. 21.04.
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20.04.2017
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SCHWARZ, Carolina
(2017): Die ideologische Uhr.
Lebensplanung: Karriere, Familie,
Biologie - Die Entscheidung, ob und wann frau Mutter wird, ist
knifflig. Auch die Debatten zum Thema helfen leider selten. Denn sie
stigmatisieren, statt aufzuklären,
in:
TAZ v. 20.04.
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HEISTERHAGEN, Nils & Dirk JÖRKE
(2017): Moralismus hilft nicht weiter.
Rechtspopulismus: Wer die
Errungenschaften linker Politik verteidigen will, muss auch die
soziale Frage wieder stellen. Ende unserer taz-Debattenreihe,
in:
TAZ v. 20.04.
An einem FAZ-Artikel von HEISTERHAGEN & JÖRKE entzündete sich
eine taz-Debatte um Rechtspopulismus. Die beiden Autoren fassen zum
einen die Kritik von Christian VOLK, Franziska MÜLLER, Arman ZIAI,
Heike MAUER, Winfried THAA, Ingolfur BLÜHDORN und Felix Butzlaff an
ihrem Ansatz zusammen, nur um die Kritik zurückzuweisen.
"Wer die
Antidiskriminierungspolitik (...) retten will, muss auch wieder
die soziale Frage stellen: Das ist unsere These."
HEISTERHAGEN & JÖRKE basteln sich einen Linksautoritären zusammen,
den die SPD mit Martin SCHULZ wieder zu den Linken zurückholen soll:
"Menschen, die in kulturellen
Fragen autoritäre Werte vertreten (...), wirtschafts- und
sozialpolitisch aber klassisch linken Positionen zuneigen",
definieren sie die Zielgruppe,
die mit einem "perspektivischen Dualismus" (Nancy Fraser)
angesprochen werden soll. Den Spagat, die Gewinner und Verlierer,
gleichzeitig anzusprechen, wird schiefgehen. Martin SCHULZ steht für
den Neoliberalismus der Sozialdemokratie. Dieses Stigma wird er
nicht loswerden. Und schon gar nicht, wenn der Wahlkampfrhetorik ein
Weiter-so-wie-bisher folgt. Man kann jetzt schon prophezeien, dass
dies die SPD nur umso tiefer in den Abgrund stürzen wird! Den
Rechtspopulisten und den Nationalkonservativen spielt das geradezu
in die Hände.
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BAUREITHEL, Ulrike
(2017): Keine Liebe ohne Zweck.
Wahlkampf: Alle Parteien buhlen um
die Gunst der Familien und versprechen Entlastungen und Subventionen,
in:
Freitag Nr.16 v. 20.04.
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Gebietsreformen in der
Debatte
HAAK, Sebastian
(2017): Und plötzlich waren's vier.
Thüringens rot-rot-grüne Regierung
nimmt beim Plan zur umstrittenen Gebietsreform gravierende
Korrekturen vor,
in:
Neues Deutschland v. 20.04.
Sebastian HAAK berichtet über
eine Revision der Gebietsreform, die Thüringens Innenminister Holger
POPPENHÄFER (SPD) am Mittwoch vorgestellt hat. Danach sollen Weimar
und Gera doch kreisfreie Städte bleiben. HAAK zählt nochmals die
Gründe auf, die gegen eine solche Kreisfreiheit sprechen. Die
Gebietsreform wird von HAAK zum "Kernprojekt der rot-rot-grünen
Koalition" stilisiert, an dem keine Abstriche gemacht werden dürfen.
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HAGELÜKEN, Alexander
(2017): Einfach die Löhne erhöhen? Das allein hilft nicht.
Forscher rechnen vor, wie sich die
Schieflage verändern lässt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.04.
Alexander HAGELÜKEN berichtet über die unterschiedlichen Standpunkte
der Ökonomen Gustav HORN (IMK) und Clemens FUEST (Ifo-Institut) zur
Reduzierung der Leistungsbilanzüberschüsse in Deutschland. Während
HORN in höheren Löhnen und mehr öffentlichen Investitionen eine Lösung
sieht, will der Neoliberale FUEST nur die Rahmenbedingungen für
private Investitionen verbessern.
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HAGEN, Patrick
(2017): Milliarden für Abwickler.
Firma will in großem Stil
Lebensversicherungen aufkaufen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.04.
Patrick HAGEN berichtet darüber wie ausländische Investoren sich den
Lebensversicherungskuchen in Deutschland unter den Nagel reißen
wollen.
"Das Unternehmen Athene mit
Sitz auf Bermuda hat sich jetzt 2,2 Milliarden Euro an frischem
Kapital gesichert, um über seine Wiesbadener Tochter in
Deutschland und Europa Lebensversicherungsbestände zu kaufen.
(...). Das Unternehmen hat 2015 bereits die deutsche Tochter des
niederländischen Lebensversicherers Delta Lloyd übernommen."
Athene ist nur eines von vielen
Run-off-Plattformen, die in den Besitzern klassischer
Rentenversicherungen mit Garantien, ein lukratives Geschäft wittern.
HAGEN nennt Viridium (britischer Investor Cinven), die Frankfurter
Leben (chinesischer Investor Fosun) und My Life (Luxemburger Augur
Capital) als weitere Abwickler.
Die Abwickler warten darauf, dass
das Geschäft jetzt in Deutschland richtig los geht. Die Politik
spielt ihnen gewissermaßen mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz und
seinem geplanten Garantieverbot in die Hände.
Der schlechte Ruf der
Abwicklungsplattformen sei Vergangenheit, erklärt uns HAGEN. Das
seien lediglich Anlaufprobleme in Großbritannien gewesen. So ganz
kann das jedoch nicht stimmen, denn:
"Die Abwickler hoffen jetzt
darauf, dass die Nöte der Lebensversicherer bald so groß sind,
dass der Verkauf von Policenbeständen zu einem normalen Vorgang
wird."
Bei diesem Geschäft verlieren in
erster Linien die Versicherten. Auf diese werden immer mehr Risiken
abgewälzt. Ob die versprochenen Effizienzvorteile der Abwickler
überhaupt entstehen und ob diese dann auch den Kunden zugute kommen,
das steht auf einem ganz anderen Blatt.
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RÜHLE, Alex (2017): Aufstieg ausgeschlossen.
Der französische Schriftsteller
Édouard Louis spricht über die Scham der Armen und die Blindheit der
Reichen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.04.
Alex RÜHLE interviewt den französischen Bestsellerautor Éduard LOUIS,
dessen Buch Das Ende von Eddy zum Buch der Stunde erklärt wird.
Im Gegensatz zu Didier ERIBON vertritt er die Meinung, dass Marine Le
PEN gewählt werden könnte, wenn Emmanuel MACRON der Gegenkandidat
wäre. Scham ist für LOUIS ein Problem, weil sie Arme ihre Armut
verleugnen lässt und so die Verhältnisse zementiert würden. Er
kritisiert die "Mystifizierung der Armut" in den Filmen von Jean
GENET, Pier Paolo PASOLINI oder Ken LOACH. Von "authentischer" Armut
will er nichts wissen, schließlich musste er in seinem Armutsmilieu
seine Homosexualität verleugnen. Er beschreibt, dass sein Buch von
einem angesehenen Verlag abgelehnt wurde, weil das Bild der Armen seit
Emile ZOLA ein anderes sei:
"Die Ausgeschlossenen kommen in
Büchern und Filmen so wenig vor, dass dieser hochgebildete Mann reinen
Herzens glaubte, dass es diese Menschen schlichtweg nicht gibt. Und
diese sehen, dass der Prix Goncourt jedes Jahr an einen bourgeoisen
Autor geht, der über die Probleme der Bourgeoisie schreibt. Also
wissen sie, dass Literatur sie einfach nicht angeht".
Man fühlt sich an den deutschen
Literaturbetrieb aus dem Jahr 2014 erinnert, als eine Debatte der
Literaturbetriebsangehörigen zum Schluss kam, dass es ganz in Ordnung
sei, dass der Literaturbetrieb mit der Gesellschaftsrealität nichts zu
tun hat und die Türsteher der reinen Literatur alles verbannte, was
literaturfremd war. LOUIS sieht sich als Teil einer neuen
Kulturbewegung:
"Die Texte von Geoffroy de
Lagasnerie. Die Texte von Sophie Calle. Die Filme von Xavier Dolan.
Wir inspirieren uns und versuchen, eine neue linke Debatte
mitzuentwerfen."
Es wird sich zeigen müssen,
inwiefern dies tatsächlich eine Erneuerungsbewegung ist. Die Rechte
von Minderheiten sollten genauso Ernst genommen werden wie die soziale
Frage. Aber was das konkret bedeutet, dafür bleiben die Aktivisten
dieser Sichtweise bislang die Antwort schuldig.
HANIMANN, Joseph (2017): Demokratien sind in der Mitte eher lau.
Ist der Hass einfach nur auf Abwege
geraten? Frankreich streitet vor der Wahl über die Notwendigkeit eines
Linkspopulismus,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.04.
Joseph HANIMAN ist wenig informativ. Im Vordergrund steht, welcher
Prominente oder Intellektuelle welchen Präsidentschaftskandidaten
unterstützt. Etwas für Leute, die keinen eigenen Standpunkt besitzen.
VEIEL, Axel
(2017): Rechts oder gar nicht.
Wie im Örtchen Vendoeuvres geht es
vielen Menschen in der französischen Provinz: Sie fühlen sich vom
Fortschritt abgehängt und wollen von der Politik aus Paris nichts mehr
wissen. Bei der Präsidentschaftswahlen werden sie die Rechtspopulisten
Marine Le Pen wählen - oder gleich zu Hause bleiben,
in:
Frankfurter Rundschau v. 20.04.
Axel VEIEL berichtet über den 1.200 Einwohner zählenden Ort
Vendoeuvres im Department Indre. Im Gegensatz zu den meisten Artikeln,
die derzeit über den ländlichen Raum in Frankreich geschrieben werden,
ist das wirklich tiefste Provinz, über die nicht einmal das deutsche
Wikipedia viel zu berichten weiß. Für VEIEL hat das Dorf noch, was
anderen
Orten des zentralfranzösischen
Departments bereits fehlt:
"ein Postamt, eine Arztpraxis, zwei
Metzgereien, einen Bäcker, ein Café, das zugleich auch Bar ist."
Die Betonung liegt jedoch auf noch,
weshalb uns VEIEL mit einem Meinungsforscher vorrechnet, dass der
Front National von Geschäftsschließungen profitiert:
"Wenn sich die Post zurückziehe,
trage das dem FN ein Plus von durchschnittlich 3,4 Prozentpunkten ein.
Mache ein Lebensmittelgeschäft dicht, seien es 2,5, im Fall einer Bank
2,3 und eines Restaurants 2,1 Prozentpunkte."
Man darf solch schlichte Rechnungen
getrost für Seemannsgarn halten, denn ländlicher Raum ist nicht gleich
ländlicher Raum. So hat z.B. eine Studie des berüchtigten Berlin
Institut für Bevölkerung und Entwicklung über die
Zukunft der Dörfer für Deutschland ergeben, dass die
Zufriedenheit von Dorfbewohnern nicht allein von der Infrastruktur
eines Ortes abhängt, sondern von dessen Einbindung in die
Infrastruktur der umliegenden Orte. So sind z.B. die Orte des
westdeutsche Vogelbergkreis. den Orten im ostdeutschen Kreis Greiz in
dieser Hinsicht unterlegen, obwohl beide Regionen ähnlich schlecht
dastehen. Wichtig ist jedoch, dass Verluste kompensiert werden können.
Politik, die das nicht berücksichtigt, wird scheitern.
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OTT, Karl-Heinz
(2017): Auf einmal will man die Wahrheit zurück.
Die schöne postmoderne Beliebigkeit
hat den Härtetest nicht bestanden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 20.04.
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PABST, Volker (2017): Hochhäuser wachsen aus den Slums.
Indiens wirtschaftlicher Aufschwung
lässt die gesellschaftlichen Gräben nicht verschwinden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 20.04.
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19.04.2017
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MOHN, Dorothea
(2017): Mehr Geld im Alter.
Gastwirtschaft: Non-Profit-Produkte
bringen mehr Ertrag,
in:
Frankfurter Rundschau v. 19.04.
Dorothea MOHN von der staatlich
finanzierten Verbraucherzentrale plädiert für eine staatliche
subventionierte Unterstützung der Finanzdienstleister, denn nichts
anderes ist das angebliche "Non-Profit-Produkt". Den Fondsgedanken
kennen wir schon vom scharz-grünen Projekt Deutschlandsrente. Nach
den Vorstellungen von MOHN soll der Staat die Kostenstruktur der
Altersvorsorge verbessern, damit dann "private Gesellschaften die
Gelder effizient" anlegen können. Die Finanzdienstleister sparen
sich dadurch teure Vertriebs- und Marketingkosten.
Warum also nicht gleich die
Finanzbranche außen vor lassen, d.h. die gesetzliche
Rentenversicherung stärken? Dies wäre die kostengünstigste Lösung.
Dass die Finanzbranche das Geld effizient anlegt, kann niemand
garantieren, sondern ist eine Art Lotto mit staatlicher
Unterstützung. Geködert werden sollen wir mit angeblich höherer
Rendite. Man darf sich ruhig an die Teilprivatisierung des
Rentensystems Anfang des Jahrtausends erinnert fühlen, als wir mit
vollmundigen Renditeversprechungen geködert wurden,
denen sich die Versicherungswirtschaft nun
gerne auf Kosten der Versicherten entledigen würde.
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DPA (2017): Nichts wie weg - Lebensversicherungen
suchen nach Auswegen.
Anbieter leiden unter niedrigen
Zinsen und wollen schnell teuere Altverträge loswerden. Kritiker sehen
aber Risiken für die Kunden,
in:
Welt v. 19.04.
Agenturmeldung, die mehr oder
weniger reine PR der Versicherungswirtschaft ist: Es werden uns
6 Vertreter der Versicherungswirtschaft vorgestellt: Ein
Zweitvermarkter, ein Betreiber einer Abwicklungsplattform, ein
freier Versicherungsmathematiker, zwei Vertreter der
Beratungsbranche und ein Vertreter der Lebensversicherungsbranche.
Die einzige Kritik richtet sich gegen zu geringe
Überschussbeteiligungen abgewickelter Versicherungskunden, was durch
den Aufbau des Artikels verharmlos wird. Kritik an dem System der
Altersvorsorge bleibt dagegen ganz außen vor.
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BECKER, Lisa (2017): Auch der Kindergarten darf etwas kosten.
Leidartikel: Keine Gebühren für
Kitas, Meister und Unis? Das ist ein zweifelhaftes
Wahlkampfversprechen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
Lisa BECKER kritisiert die Wahlkampfrhetorik von Martin SCHULZ in
Sachen Gebührenfreiheit von Bildung. Sie wärmt wieder die
Bildungsgutscheindebatte der FDP auf und macht sich für eine
kompensatorische Bildung stark. Merkwürdig nur, dass Bildung zwar hoch
gelobt wird, wenn es jedoch um Taten geht, wird es plötzlich ganz
still - zuallererst in der FAZ/FAS!. Mittelschichteltern -
insbesondere konservative - haben bekanntlich nichts übrig für
kompensatorische Bildung, denn dies ginge gegen ihre ureigensten
Interessen. Das weiß natürlich auch BECKER.
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CREUTZBURG, Dietrich (2017): Sinkendes Armutsrisiko für deutsche
Kinder,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
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SCHÄFERS, Manfred
(2017): IW: Einem Single mit 1940 Euro lässt der Staat 1044 Euro,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
Manfred SCHÄFERS schickt den
"Single" an die Front, um maximale Empörung gegen den Sozialstaat zu
generieren. Die Anzahl der Singles, die den Spitzensteuersatz zahlen,
wird uns verschwiegen:
"Während nach der Untersuchung etwa
4,2 Millionen Personen vom Spitzensteuersatz in Höhe von 42 Prozent
betroffen sind, zahlen 2,7 Millionen Erwerbstätige keine
Einkommensteuer, da ihr Arbeitsverdienst zu gering ist",
jammert uns SCHÄFER angesichts
einer
Studie der Arbeitgeberlobby IW Köln vor. Verschwiegen wird uns
auch, dass 46,2 Millionen Menschen in Deutschland Einkommenssteuer
zahlen. Lediglich 25 Prozent sind "Singles" im Einpersonenhaushalt.
Rund 4 Millionen Singles zahlen keinerlei Einkommenssteuer (vgl.
BEZNOSKA & HENTZE 2017, S.106, Abb.2)
Jan SCHMIDBAUER dementiert zudem in
der heutigen SZ diese Zahlen von SCHÄFERS:
"Auf die Zahl 4,2 Millionen kommt
man nur, wenn Ehepaare, die eigentlich gemeinsam veranlagt werden, als
zwei Steuerfälle zählen. Ohne Doppelzählung sind es 3,1 Millionen, die
den Spitzensteuersatz zahlen, darin enthalten sind private Haushalte,
Selbständige und Unternehmer."
Betrachtet man nur die
Arbeitnehmer, so kommt man auf nur 2,4 Millionen Arbeitnehmer - und
auch das ist falsch, denn:
"Eine Ausnahme gibt es für Reiche:
Ab einem Einkommen von mehr als 256.300 Euro werden 45 Prozent Steuern
fällig",
erklärt uns SCHMIDBAUER, wobei uns
die Zahl derjenigen verschwiegen wird, die diesen "Reichensteuersatz"
zahlen.
SCHMIDBAUER, Jan (2017): Spitzensatz für Normalverdiener.
2,4 Millionen Arbeitnehmer fallen
in die höchste Kategorie,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.04.
HAGELÜKEN, Alexander (2017): Mehr für die Mehrheit.
Kommentar zur Steuerreform: Manche
Liberale wollen den Staat in der Badewanne ertränken,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.04.
Alexander HAGELÜKEN dämmert es inzwischen, dass seine bisherigen
Steuersenkungsparolen zu sehr nach FDP und Neoliberalismus klangen,
weshalb er nun die Reißleine zieht:
"Eine große Reform kann breite
Schichten entlasten, ohne die wichtigen Aufgaben des Staates zu
gefährden - wenn sie richtig angegangen werden",
verspricht uns HAGELÜKEN nun. Dumm
nur dass die Sache einen gewaltigen Haken hat: Wer bestimmt, was
"wichtige" und "unwichtige" Aufgaben sind? Dazu schweigt HAGELÜKEN.
Auch wer "Hochverdiener" und wer "Geringverdiener" ist, definiert
HAGELÜKEN nicht, weshalb sich der Leser sicher nicht als Hochverdiener
angesprochen fühlen wird. Die Vorschläge sind zudem so vage, dass sich
jeder sein eigenes Lieblingssteuersenkungsprojekt zusammenbastelt
kann.
Fazit: Heiße Luft statt
Information!
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FICHTER, Alina (2017): Die Alten kommen.
Silicon Valley: Das Silicon Valley
sortierte bislang ältere Mitarbeiter aus. Das könnte sich nun ändern.
Denn Start-ups entdecken die Generation der Babyboomer als neue Kunden
für technische Produkte,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.04.
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HASSEL, Florian (2017): Schwimmen gehen, Obst essen, ans Meer fahren.
Polens nationalkonservative Pis hat
mit einem großen Versprechen die Wahl gewonnen: Kindergeld. Nun zahlt
sie tatsächlich 115 Euro pro Junge oder Mädchen. Viele arme Familien
können sich nun etwas leisten, was für andere selbstverständlich ist,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.04.
Florian HASEL berichtet aus neoliberaler Perspektive über die
Kindergelderhöhung in Polen, die im April 2016 umgesetzt wurde. Zuvor
machte die nationalkonservative PIS-Partei mit dem Motto "Familie
500+" Wahlkampf.
"Was aber bringt 500+
gesellschaftlich? Die Regierung kostet das Kindergeldprogramm jährlich
umgerechnet gut fünf Milliarden Euro - nicht wenig bei einem
Staatshaushalt von umgerechnet gerade 83 Milliarden Euro. Familien-
und Arbeitsministerin Elzbieta Rafalska zufolge beziehen die Eltern
von 3,87 Millionen polnischen Kindern 500+ - gut die Hälfte aller
polnischen Kinder unter 18."
HASEL kritisiert - was wir aus
Deutschland in Sachen Hartz IV bereits kennen, dass Sozialmissbrauch
und "Arbeitsverweigerung" von Müttern durch das Kindergeld Vorschub
geleistet wird:
"Während 73,6 Prozent der deutschen
Frauen arbeiten gehen und gar 78 Prozent der Schwedinnen, haben nur
knapp 61 Prozent der Polinnen einen Job, so Zahlen der
EU-Statistikbehörde Eurostat",
erklärt uns HASEL. Merkwürdig nur,
dass in Deutschland ganz anders argumentiert wird, nämlich dass
deutsche Mütter zu wenig arbeiten. Bei den Zahlen wird unter den Tisch
gekehrt, dass sie nicht vergleichbar sind, weil die
Wochenarbeitszeiten von Müttern in den einzelnen EU-Ländern stark
differieren.
"Einmal an der Regierung strich die
Pis das Kindergeld für Ein-Kind-Familien mit wenigen Ausnahmen und
spart so jährlich einige Milliarden",
kritisiert HASEL, wenngleich auch
hierzulande gerne die Förderung der kinderreichen Familien gefordert
wird - aber eben nur für Akademikerinnen.
"Erste Zahlen aus
Wöchnerinnenstationen deuten an, dass das Programm in Polen auch die
Geburtenrate - bisher eine der niedrigsten in Europa - steigen lässt."
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WERNICKE, Christian
(2017): Front normal.
Um Frankreichs Hauptstadt legt sich
ein Gürtel trister Kleinstädte. Wer hier lebt, hat oft keinen Job,
dafür aber große Wut auf eigentlich alles. Es ist das Terrain der
Verlierer, das Terrain der Marine Le Pen. Vom Wahlkampf in
Villers-Cotterêts,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.04.
"Seit
April 2014 regiert im Rathaus von Villers-Cotterêts ein Parteifreund
von Marine Le Pen, der Front-National-Chefin. Die 10.000 Einwohner
große Stadt im Nordosten von Paris war damals eine von landesweit elf
Gemeinden, in denen der FN die Macht erobert hat",
berichtet Christian WERNICKE über
die Stadt, die zum suburbanen Gürtel um die Hauptstadt Paris gehört.
"Soziologen nennen die Kleinstädte
und Siedlungen im Umkreis von 40 bis 80 Kilometern um die
französischen Metropolen herum das »periurbane Frankreich«. In diesem
Frankreich bauen sich die kleinen Leute ihre Fluchtburgen, ein kleines
Reihenhaus mit Garten, eine billige Mietwohnung. Hier leben die »petite
Blancs«, die angelernten Arbeiter und die einfachen Angestellten. Die
wählen mehr als andere Le Pen. Im periurbanen Gürtel kommt der FN
meist über 30 Prozent, manchmal sogar über 40",
erklärt uns WERNICKE diese
No-go-Area für anständige Wohlstandsbürger. Das Frankreichbild unserer
Mainstreammedien zu den politischen Verhältnissen ist schlicht: Die
Guten wohnen in den Großstädten, die
Bedürftigen in den Banlieues (Vororten) und die Bösen im
ländlichen Raum oder in suburbanen Gemeinden. Die Realität sieht
anders aus: In allen Gebieten gibt es Gewinner und Verlierer des
globalen Finanzkapitalismus und die Segregation führt nicht nur in
Frankreich dazu, dass die geografischen Ungleichheiten noch verstärkt
werden.
"Rentner, ein Bauch wie eine Kugel,
roter Trainingsanzug - sagt: »wir wählen Front National«",
liefert uns WERNICKE auch gleich
noch das Medienbild eines Rentners im Unterschichtenlook, von dem sich
der anständige Bourgeois abhebt. Oder wie Kristof SCHREUF in dem Song
Bourgeois with guitar singt:
"Es ist mir egal für wen Ihr mich
haltet, Hauptsache für dünn"
OERTEL, Barbara (2017): Die Stadt, sie schläft und stirbt.
Albi ist ein Traum in Backstein.
Sehr lebenswert findet Florian Jourdain, der deswegen hierherzog. Doch
der Stadtregierung ist es "scheißegal", dass das historische Herz
ausblutet, sagt Jourdain und organisiert Widerstand,
in:
TAZ v. 19.04.
Die taz, die längst zum linksliberalen Mainstream gehört,
beschäftigt sich anlässlich des französischen
Präsidentschaftswahlkampfes in einer mehrteiligen Reportageserie mit
Frankreich. Heute geht es um Albi:
"Hauptstadt des
südfranzösischen Départements Tarn in der Region Okzitanien mit
rund 49.000 Einwohnern."
Im Mittelpunkt steht die Kritik
von Florian JOURDAIN, die bereits im März in der New York Times
zu lesen war und
in Frankreich für Empörung sorgte. Nichts davon lesen wir in dem
sehr einseitigen Artikel von Barbara OERTEL. Die taz hängst sich
stolz an die einst glorreiche Zeitung Libération, die von
Didier ERIBON ("Rückkehr
nach Reims") zur Reaktion in Frankreich gezählt wird, die er für
den Rechtsruck verantwortlich macht:
"Libération,
einer aus dem Geist von 68 und mit der Unterstützung Sartres und
Foucaults gegründeten Zeitung. (...).
Ich blieb nicht lange bei
dieser Zeitung, die sich schon bald in einen der wichtigsten
Vektoren der in diesem Buch mehrfach beschriebenen konservativen
Revolution verwandeln sollte." (2016, S.224)"
Was die Libération für
Frankreich, ist die taz für Deutschland: Ein Hort der
neubürgerlichen Wende, wo ein akademisches Milieu (das sich auch aus
sozialen Aufsteigern rekrutiert, die ihre Herkunft als Makel
betrachten) verachtend auf die Arbeiterklasse herabblickt, weil ihr
Bild immer noch von der Nachkriegszeit geprägt ist.
JOURDAIN und seine Mitstreiter
werden zu Robin Hoods der Stadtentwicklung verklärt. Diese Art der
Ökologisierung gesellschaftlicher Probleme interessiert sich nicht
für die soziale Frage, sondern ist Interessenpolitik der
französischen Bobos, d.h. der akademischen Mittelschicht, die für
die Gentrifizierung der innenstadtnahen Wohngebiete verantwortlich
ist. Es ist deshalb nicht ohne Ironie, wenn sich diese Kämpfer gegen
das Ausbluten der Innenstädte einsetzen und die Suburbanisierung
beklagen. Sie sind jedoch Teil des Problems, statt deren Lösung!
Während
die
Welt gerade den Wut-Rentner entdeckt hat, heißt es in der
taz:
"Viele Anwohner seien Rentner,
die nicht mehr die Kraft hätten, sich aufzulehnen."
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HERMANN, Rudolf
(2017): Zorn in Schwedens hohem Norden.
Urbanisierung und Modernisierung
vergrössern das ohnehin markante Stadt-Land-Gefälle,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.04.
In Deutschland wütet Reiner KLINGHOLZ und sein Privatinstitut gegen
Dörfer, die weniger als 500 Einwohner bzw. eine Dichte von 150
Einwohner pro Quadratkilometer haben. Was würde KLINGHOLZ wohl
angesichts der Dimensionen in Schweden sagen?
"Norrbotten
(...) nimmt mit 105.000 Quadratkilometern fast ein Viertel der
schwedischen Gesamtfläche ein, bringt es aber bloss auf rund 250.000
Einwohner. Von den 14 Grossgemeinden, in die sich die Region
gliedert, ist die nördlichste,
Kiruna, flächenmässig so gross wie die halbe Schweiz. Und in
Arjeplog, einer Gemeinde an der Grenze zu Norwegen, erfasst man die
Bevölkerungsdichte nicht in Personen pro Quadratkilometer, sondern
zählt, wie viele Quadratkilometer auf jeden der knapp 3.000
registierten Einwohner entfallen - es sind mehr als vier",
berichtet Rudolf HERMANN über die
Dimensionen des ländlichen Raums in Schweden. Die deutsche Debatte
um die Zukunft der Dörfer scheint angesichts der Verhältnisse in
Schweden eine Luxusdebatte zu sein.
Rudolf HERMANN beschreibt jedoch
nur die Sorgen jener ländlichen Gemeinden abseits der großen
Ballungsräume Stockholm, Göteborg und Malmö/Lund, die noch relativ
gut dastehen. Innerhalb der Grossgemeinden gibt es genauso wie in
Deutschland Differenzen zwischen Hauptort und kleineren
Ansiedlungen. So schreibt HERMANN über die Gemeinde
Arvidsjaur:
"(V)on den rund 6.500 Einwohnern
der Grossgemeinde (wohnen) zwei Drittel im Städtchen selbst, schon
in den zwei nächstgrösseren Siedlungen auf Gemeindegebiet jedoch nur
noch rund je 250. Das Gemeindegebiet ist dabei mit etwas über 6.000
Quadratkilometern Fläche mehr als dreimal so gross wie der Kanton
Zürich."
In Deutschland entspricht das in
etwa dem Landkreis
Mecklenburgische Seenplatte, dem flächenmäßig größten Kreis in
Deutschland, der größer ist als das Bundesland Saarland, aber rund
40 mal so viele Einwohner hat als die schwedische Großgemeinde.
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18.04.2017
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THELEN, Peter
(2017): Gerangel um die garantierte Rente.
Betriebliche Altersversorgung:
Arbeitsministerin Nahles will mehr Rendite und keine Garantie mehr.
Die Wirtschaft findet keine gemeinsame Position dazu,
in:
Handelsblatt v. 18.04.
Peter THELEN berichtet über die
Konfliktlinien im Gesetzgebungsprozess um die Reform der
betrieblichen Altersvorsorge. Auf der einen Seite steht die
Versicherungswirtschaft (GDV, BDA) mit ihrer Verteidigung von
Garantien als Alleinstellungsmerkmal, auf der anderen Seite die
Investmentbranche und die Verfechter der Chemie- und Metallrente.
THELEN berichtet nun über Verschiebungen der
Interessenkonstellationen zwischen Bundesratsempfehlung, Anhörung
der Experten und der Tagung des Sozialausschusses des Bundestages.
Die Interessenskonflikte haben dazu geführt, dass die Reform nicht
wie geplant am 28. April verabschiedet werden kann. Der schwarze
Peter für diese Verzögerung wird von THELEN der
Versicherungswirtschaft ("Vertreter der Munich Re") und der CSU
zugeschoben.
Der Spiegel hat bereits
am Samstag
unter einem anderen Blickwinkel über die Verschiebung der
Verabschiedung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes berichtet.
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PLICKERT, Philip (2017): Bremst die
Überalterung das Wirtschaftswachstum?
Ökonomen warnen vor Stagnation -
doch eine neue Studie sieht einen Ausweg durch Automatisierung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.04.
Philip PLICKERT verspricht Aufklärung über die Sicht der Ökonomen auf
den demografischen Wandel, ein Thema, das die Welt bereits
am Samstag einseitig in dramatisierender
Absicht präsentiert hat.
"Bundesbankpräsident Jens Waldmann
hat vor einiger Zeit den Satz des Demographen Herwig Birg zitiert, die
Gesellschaft gleiche immer mehr einem Ruderboot mit einer
schrumpfenden Zahl an Ruderern und immer mehr Passagieren. Viele
langfristige Prognosen gehen von künftig weniger Wachstum aus, weil
die demographische Basis ungünstiger wird."
Schon die Ruderboot-Metapher ist
mehr als albern. Seit wann sind das Passagierschiffe? Richtiger wäre
es von einer Galeere zu sprechen, denn bei der Demografisierung
gesellschaftlicher Probleme geht es um Krieg und Ausbeutung.
"(Das) Schlagwort »säkulare
Stagnation« (ist) schon fast 70 Jahre alt. Geprägt hat es der
Keynesianer Alvin Hansen 1938 in seiner Rede als Präsident der
American Economic Association (AEA)",
erklärt uns PLICKERT die
Begriffsherkunft. Bekanntlich ist der Keynesianismus das Gegenteil vom
Neoliberalismus, was nicht verhindern konnte, dass das Schlagwort die
Seiten gewechselt hat.
"In den kommenden Jahren gehen die
Babyboomer in Rente. Das könnte die Wirtschaft ausbremsen, so die
Pessimisten. Doch eine
neue
Studie des MIT-Ökonomen Daron Acemoglu und seines Kollegen Pascual
Restrepo von der Boston University stellt diese These radikal in
Zweifel. Die empirischen Daten aus einer großen Zahl von Ländern
zeigten überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Alterung und
Wirtschaftswachstum pro Kopf",
erklärt uns PLICKERT die
optimistische Sicht auf den demografischen Wandel. Als Ursache wird
die Kompensation des demografischen Wandels durch die Automatisierung
genannt. Zum Schluss revidiert PLICKERT diese Sicht wieder durch eine
andere Studie:
"Eine
2016 veröffentlichte Studie von Nicole Maestas (Harvard Medical
School) sowie Kathleen Mullen und David Powell (beide Rand
Corporation) kam zu einem anderen Ergebnis."
Im Gegensatz zur Welt kann
sich hier der Leser ein eigenes Bild machen, denn was die Auswirkungen
betrifft, wird der demografische Wandel gerne ideologisch vereinnahmt.
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DPA (2017): Jedes Jahr 2 Prozent mehr Rente.
Rentenpräsidentin Roßbach
zuversichtlich. Bsirske warnt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.04.
ND/Agenturen
(2017): Im Schnitt gibt es mehr.
Rentenversicherung verbreitet
Optimismus, doch der kommt nicht so richtig an,
in:
Neues Deutschland v. 18.04.
DRIBBUSCH,
Barbara (2017): Bloß keine Modernisierung.
Alter: Die Renten steigen weiter.
Doch ihr Verhältnis zum Lohnniveau verschlechtert sich. Höhere
Wohnkosten und der Tod des Partners sind Verarmungsrisiken,
in:
TAZ v. 18.04.
Barbara DRIBBUSCH setzt der Warnung vor Altersarmut von Frank
BSIRSKE die Zahlen zum Rückgang der Altersarmut im Jahr 2016
entgegen und suggeriert, dass die Zunahme von
Doppelverdienerhaushalte ein Beitrag zur Verringerung der
Altersarmut wäre:
"Eine boomende Wirtschaft und
viele Doppelverdienerhaushalte beispielsweise steigern die Zahl der
Erwerbstätigen - und damit die Renten."
Das ist aber keineswegs sicher,
denn in der Rentenformel zählt keineswegs die Zahl der
Beitragszahler und Rentner, sondern die
Zahl der Äquivalenzrentner und -beitragszahler, d.h. die Zunahme
der Geringverdiener - trotz boomender Wirtschaft - führt nicht zu
Rentensteigerungen. Die Spannbreite der prognostizierten Altersarmut
gibt DRIBBUSCH mit 6 - 10 Prozent an, wobei jedoch eine Jahresangabe
fehlt!
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SCHMOLLACK, Simone (2017): Heirat wegen Steuer und Krankenkasse.
Familie: Die Parteien tun sich auch
im kommenden Wahlkampf schwer mit dem Abschaffen des
Ehegattensplittings. Denn viele Paare mit ungleichem Einkommen
profitieren von dieser Steuergestaltung,
in:
TAZ v. 18.04.
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GÖBEL, Andreas
(2017): "Sie verlassen den sanierten Sektor".
In Thüringen stehen bereits 45.000
Gebäude leer - für Kommunen wachsen die Probleme,
in:
Neues Deutschland v. 18.04.
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ECKERT, Daniel
(2017): Strapaziertes Sozialsystem.
Welche langfristigen Folgen die
Zuwanderung hat, ist umstritten. So langsam aber wird das Ausmaß
deutlich,
in:
Welt v. 18.04.
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HALLMANN, Barbara
(2017): Mit den Kindern geht auch das Dorfleben.
In Sachsen-Anhalt organisieren sich
Eltern und Pädagogen gegen Schulschliessungen - von der Politik wird
das nicht gern gesehen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 18.04.
Es ist erstaunlich, dass die NZZ
über eine geplante Schule im sachsen-anhaltinischen Dorf
Kamern berichtet. Weniger erstaunlich ist es jedoch, wenn man
weiß, dass es um ein Privatschule geht. Eine staatliche Schule hätte
Barbara HALLMANN dagegen nicht interessiert. Der Artikel zeigt
jedoch wie unsinnig die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme
ist, denn die Schulplanung und -förderung ist von
Bevölkerungsvorausberechnungen und politischen Gemeindestrukturen
abhängig, was fatale Folgen zeitigt. So wird in der Politik nicht
etwa die aktuelle Bevölkerungsvorausberechnung, sondern eine
überholte Berechnung aus dem Jahr 2010 unterstellt, weil die EU den
nationalen Statistiken immer einen Schritt zurückliegt. Es darf also
keinen wundern, dass das Ansehen der EU gering ist.
HALLMANN geht es jedoch nicht um
solche Missstände, sondern nur um die Kontroverse Privat- vs.
Staatsschule, wobei erstere aus neoliberaler Sicht zu bevorzugen
ist. So kritisiert HALLMANN die weiten Schulwege der staatlichen
Schulen, nur um begeistert davon zu schreiben, dass die geplante
Privatschule einen großen Einzugsbereich hat:
"Nur wenige Anmeldungen für ihr
Schulprojekt kämen direkt aus dem Ort, sondern aus der Umgebung und
auch aus dem knapp 30 Kilometer entfernten Rathenow."
Der Klientel der Privatschule ist
die Entfernung jedoch egal, denn ihre Kinder müssen nicht mit dem
Schulbus fahren, sondern werden von ihren begüterten Eltern oder
ihrem Hauspersonal im Auto chauffiert.
Dass klamme ostdeutsche Gemeinde
durch die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme (vgl. die
neoliberale Propaganda des Privatinstituts von Reiner KLINGHOLZ)
zu unsinnigen Mitteln greifen, ist ein generelles politisches
Problem, das unter dem Begriff der
Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland
diskutiert wird und seltsame Blüten treibt.
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16.04.2017
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MECK, Georg & Jenni THIER (2017): Deutschland,
deine Reichen.
Wir wissen viel über die Armen,
aber wenig über die Reichen: Zeit für einen Osterausflug zur deutschen
Oberschicht. Und wo ballt sich mehr Wohlstand als am Tegernsee,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.04.
MECK & THIER stellen uns Prominente, statt Reiche
vor. Wie der Ex-CDU-Mopedrocker Friedrich MERZ auf diese Liste kommt,
das hätte man gerne gewusst.
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SCHERFF, Dyrk (2017): Der Charme der eigenen
Immobilie.
Wer sich eine Wohnung kauft, sollte
sie auch selbst bewohnen. Das lohnt sich viel mehr, als sie zu
vermieten,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.04.
"In der Debatte über eine ungleiche Verteilung von
Einkommen und Vermögen in Deutschland würden die Einkommen von
Immobilienbesitzern systematisch um (die)(...) Mietersparnis zu
niedrig angesetzt. Die Ungleichheit ist dadurch größer, als die
üblichen Rechnungen ergeben, schließlich lebe rund die Hälfte der
Bevölkerung in der eigenen Immobilie",
zitiert
Dyrk SCHERFF den früheren Unternehmensberater und
heutigen Ludwigshafener Finanzwissenschaftler Gösta JASMIN. Der
Immobilienkauf solle deshalb durch die Abschaffung der
Grunderwerbssteuer erleichtert werden.
Warum nicht Abschaffung der Grunderwerbssteuer für
Eigennutzung und Erhöhung der Grunderwerbssteuer für Investoren und
Spekulanten? Das wäre die bessere Lösung, um Schlechterverdiener den
Immobilienkauf zu erleichtern. Die grundsätzliche Abschaffung dient
dagegen in erster Linie nur den
Vermögenden.
Neben diesem Wahlkampfthema wird
die Grundsatzfrage von Mietern erörtert:
"Sollen sie in die neu gekaufte
Wohnung einziehen oder sie lieber vermieten?"
Neben rein finanziellen Aspekten
("Miethöhe, Zinsniveau, Immobilienpreisentwicklung und Steuersätze")
stellen sich hier auch Fragen der Lebenssituation wie Erreichbarkeit
und Größe der erschwinglichen Immobilie oder die
Arbeitsplatzunsicherheit und Familienplanung usw.
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ERIBON, Didier (2017): Ein neuer Geist von '68.
Warum die Präsidentschaftswahl in
Frankreich uns vor Augen führt, in welcher Krise sich das linke Denken
befindet. Und wie wir es erneuern können,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.04.
Didier ERIBON ("Rückkehr nach
Reims") kritisiert in dem Artikel den sozialistischen
Präsidentschaftskandidaten Emanuel MACRON als neoliberalen Technokrat
und Jean-Luc MÈLANCHON als linken Populisten, die beide keine
Alternativen zu Marine Le PEN seien. Es wird uns jedoch kein Ausweg
aus dem Dilemma genannt, sondern lediglich eine linke Utopie, die für
den jetzigen Präsidentschaftswahlkampf irrelevant ist, weil sie keinem
Kandidaten zuordenbar ist. ERIBON ist in diesem Sinne Teil des
Problems der Linken und wohl deshalb so populär bei den deutschen
Mainstreammedien.
STROHSCHNEIDER, Tom (2017): Der Eribon-Effekt, Identitätspolitik und
die Linken.
Falsche Selbstbezichtigung, soziale
Frage: Anmerkungen zur Rezeption von »Rückkehr nach Reims« eine Woche
vor der Frankreich-Wahl,
in:
Neues Deutschland Online v. 16.04.
Tom STROHSCHNEIDER bezeichnet den
FAS-Text von Didier ERIBON zu Recht als ein "Dokument der
Ratlosigkeit". Das dies ganz in Ordnung sei, zeigt das ganze Ausmaß
der desolaten Lage der Linken in Deutschland. STROHSCHNEIDER
kritisiert außerdem die
FAZ-Artikel
zu einem Sammelband über Michel FOUCAULT und die
Kritik von Nancy FRASER am "progressiven Neoliberalismus". Weigert
sich aber Position zur linken Politik zu beziehen. Angriff ist nicht
immer die beste Verteidigung, sondern zeigt nur die eigenen Defizite
umso mehr. Von anderen zu fordern, dass sie Roß und Reiter nennen
sollen, dies aber selber nicht zu tun, ist nicht weiterführend. Die
Linke wird mit ihrer Verweigerungshaltung scheitern. Wer soll eine
Linke wählen, die gar nicht weiß was sie will, sondern nur was sie
nicht will? Die Verteidigung der Identitätspolitik ist fadenscheinig,
wenn sie mit Beispielen aus anderen Ländern operiert, denn wie
STROHSCHNEIDER richtig sieht: Frankreich oder die USA sind nicht
Deutschland. Nur dahinter verstecken reicht nicht. Es heißt für die
Linke Farbe zu bekennen, statt sich in Ausflüchte retten zu wollen:
Ich bin gar nicht gemeint, sondern die anderen Linken (wer das ist,
das weiß ich doch nicht!) sind die Übeltäter.
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Zu den News vom 09. -
15.
April 2017
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