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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 01. - 13. November 2014

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Kinderlose sind solidarischer als Eltern

Statt "sich in die Familie zurückzuziehen, schaffen viele Kinderlose neue Formen des solidarischen Zusammenlebens, die unsere alternde Gesellschaft dringend braucht. Viele meiner Interviewpartnerinnen basteln an Wohnprojekten, Mehrgenerationenhäusern und Landkommunen; und sie versuchen, Themen wie drohende Altersarmut und Pflege darin zu integrieren.
Sie machen so auch die Unzufriedenheit über die herkömmlichen Familienkonzepte und Geschlechterverhältnisse nach außen hin deutlich, denn sie schaffen Alternativen abseits der gewohnten Kleinfamilie, die dann auch wieder das Zusammenleben mit Kindern ermöglichen - es müssen ja nicht immer zwingend die biologisch eigenen sein."

(Sarah Diehl "Bin ich denn ein Freak?", Brigitte Nr.23 v. 22.10.2014)

 
       
       
   

KLIMKE, Barbara (2014): Warum Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen.
Kaum eine Entscheidung im Leben ist so folgenreich wie die für ein Kind. Wer ist der richtige Partner? Was ist das richtige Alter? Die Methode des Social Freezing gewährt einen Zeitaufschub. Zwei Frauen, die sie gewählt haben, erzählen von ihren Beweggründen,
in:
Berliner Zeitung Online v. 13.11.

 
   
zitty BERLIN-Titelgeschichte: Glücklich ohne Kind.
Schluss mit der Hysterie! Vom zufriedenen Leben abseits der Kleinfamilie

LUIG, Judith (2014): Kinderlos glücklich.
Sie gelten wahlweise als Karrieristen, Egoisten oder Hedonisten, die das Aussterben einer Nation auf dem Gewissen haben: die Kinderlosen. Fünf Berliner erzählen, wie ein gutes Leben auch ohne Nachwuchs geht - und warum es manchmal schwierig ist, mit Eltern befreundet zu sein,
in:
zitty Berlin Nr.24 v. 13.11.

Der Artikel über Kinderlose wird von Zahlen garniert, die weniger über die Kinderlosigkeit in Berlin aussagen als suggeriert wird. Mehr hier.

Sarah Diehl - Die Uhr, die nicht tickt

BRAKEBUSCH, Lydia (2014): "Mutter-Vater-Kind ist nicht das einzig Wahre".
Die Berliner Autorin und Dokumentarfilmerin Sarah Diehl, 36, wollte nie Kinder und hat aus ihrer Wut über das Kinderlosen-Bashing ein Buch gemacht,
in:
zitty Berlin Nr.24 v. 13.11.

 
   

Clarisse Thorn - Fiese Kerle?

OESTREICH, Heide (2014): Dating-Tipps unter der Gürtellinie.
Sexismus: Anleitung zum Anbaggern - oder zur Vergewaltigung? Gegen die Seminare sogenannter Pick Up Artists wie Julien Blanc formiert sich weltweiter Protest im Netz. Inzwischen wird auch in Deutschland überlegt, wie man ihnen das Handwerk legen kann,
in:
TAZ v. 12.11.

 
   

ASMUTH, Gereon (2014): Die fröhliche Blockade nach dem Jawort.
Reclaim the Streets: Hupende Hochzeitskorsos stoppen für ein kurzes Tänzchen mitten auf der Straße,
in:
TAZ v. 11.11.

 
   

WENZEL, Uwe Justus (2014): Spiegelkabinett der Ängste.
Heinz Bude erkundet Seelenräume der Gegenwart,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.11.

 
   

Die Single-Industrie und die Bedeutung der Single-Kultur in der paar- und familienorientierten Gesellschaft

HAPPEL, Stephan (2014): Die Macht der Singles: Der Trend zum Alleinsein verändert den Einkauf.
Der Handel stellt sich auf eine neue Macht ein: Ein-Personen-Haushalte. Viele Geschäfte spüren die Dominanz der Alleinlebenden - nicht nur Verkäufer von Tiefkühlpizza und Dosenravioli,
in:
Wirtschaftswoche Online v. 10.11.

Haben Alleinlebende die Macht die Konsumgesellschaft zu verändern? Dies ist ein Mythos, auf den nur Menschen hereinfallen, die Haushaltsstatistiken nicht richtig lesen können. Lediglich ca. 20 % der Bevölkerung lebt allein. Davon gehören die Wenigsten zu jener mythischen Gruppe der kaufstarken Alleinlebenden ("Yuppies") an. Dies steht im Artikel ganz unten:

"Für die Singles ohne Kaufkraft, die ihre Produkte ohnehin nicht wechseln wollen, lohnt aufwendiges Marketing kaum.
Industrie und Handel konzentrieren sich deshalb vor allem auf die junge, aufstrebende und kaufkräftige Single-Kundschaft."

Was sich dagegen verändert hat, das ist das Konsumverhalten von Familien. Damit verbunden ist der Aufstieg des Alleinessers. Und nur in diesem übertragenen Sinne kann man auch von Single-Gesellschaft sprechen.   

 
   

KÜVELER, Jan (2014): Ja Nein Vielleicht.
Braucht jede Liebe einen Vertrag? Heißt ja immer ja und nein immer nein? Und gibt es überhaupt Verführung ohne Übergriffe? Notizen zum aktuellen Chaos um die Sexualität,
in:
Welt am Sonntag v. 09.11.

 
   

SCHAAF, Julia (2014): Wenn Wege sich trennen.
Wer eine Beziehung beendet, macht Schluss. Wem der Job nicht mehr passt, kündigt. Wie aber sagt man sich wenn von Freunden los? Und wieso?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.11.

 
   

WEINGARTNER, Maximilian (2014): "Ich habe eine Mentorenrolle".
Kürzlich berichteten wir über Sugarbabys. Dann meldete sich ein Sugardaddy,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.11.

 
   

BERNAU, Patrick (2014): Das Glück der großen Geschwister.
Der Sonntagsökonom: Erstgeborene sind intelligenter und erfolgreicher als ihre Brüder und Schwestern. Warum?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.11.

 
   

KLOEPFER, Inge (2014): Schluss mit der Zwangsverrentung.
In Deutschland werden Arbeitnehmer mit 65 Jahren in Rente geschickt. Dabei fühlen sich viele fit und würden gerne länger arbeiten. Dann lasst sie doch,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.11.

Schluss mit der Spätverrentung! Viele fühlen sich mit 65 Jahren nicht mehr fit und würden gerne kürzer arbeiten. Dann lasst sie doch! Diese Contra-Position sucht man bei der FAS vergeblich.

 
   

LENZEN-SCHULTE, Martina (2014): Der Fetisch mit den Frischzellen.
Social Freezing ist keine soziale Wohltat, sondern ein medizinisches Experiment. Wir unterschätzen die Komplikationen später Schwangerschaften und haben nicht einmal diskutiert, welche positiven Effekte eine frühe Mutterschaft mit sich bringt. Wer die Arbeitskraft der Frauen will, muss sie auch als Mütter anerkennen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.11.

Martina LENZEN-SCHULTE, entschiedene Gegnerin später Mutterschaft, die jedoch den Kaiserschnitt - und nicht die natürliche Geburt - als Königsweg sieht, breitet eine geballte Ladung an Negativmeldungen zur späten Mutterschaft und künstlicher Befruchtung aus. Für Frauen, die nicht früh Mutter werden, hat LENZEN-SCHULTE nichts übrig:

"Das Einfrieren mag Eizellen jung halten, die Gebärmutter, der Uterus, jedoch altert mit der Frau. Wenn die Frauen mit vierzig in den Spiegel schauen, müssen sie sich klarmachen, dass ihre inneren Organe und ihre Blutgefäße ebenso der Zeit ihren Tribut haben zollen müssen wie Haut und Haar. Was sich äußerlich allenfalls als unerwünschte, aber dennoch harmlose Falten, Rötungen und Pigmentflecken zeigt, bedeutet in den hochaktiven Organgeweben schlechtere Durchblutung, Verkalkung und einen Stoffwechsel, der viel früher am Limit ist als noch ein Jahrzehnt zuvor."

Noch vor kurzem konnte man nach der ersten geglückten Gebärmuttertransplantation lesen, dass eine alte Gebärmutter kein Problem für eine Schwangerschaft sei. Dem widerspricht LENZEN-SCHULTE nun.

Und sie wird geradezu pathetisch, wenn sie die neurophysiologischen Vorteile einer frühen Mutterschaft preist:

"Im Licht der Neurowissenschaften ist das aktuelle Ansinnen für Social Freezing (...) geradezu kontraproduktiv. Statt Müttern (und wohl auch Vätern) den vollen Nutzen - Wissenschaftler sprechen vom Booster-Effekt - der Elternschaft schon früh im Erwachsenenleben zu gönnen und ihn auskosten zu lassen, will man sie zum langjährigen Verzicht animieren."

Und weil das Social Freezing offenbar bei der anvisierte Zielgruppe derart beliebt ist, reicht das LENZEN-SCHULTE nicht, sondern zum Schluss muss das Leid der kinderlosen Karrierefrau, der ihr sehnlichster Kinderwunsch versagt bleibt, herhalten um die späte Mutterschaft bzw. den Aufschub der Mutterschaft zu diskreditieren.

Man fragt sich angesichts dieser geradezu panisch anmutenden Argumentation, ob das Social Freezing wirklich derart attraktiv ist, wie das diese einseitige Darstellung nahe legt. Führt diese permanente Diskreditierung nicht eher dazu, das Social Freezing erst richtig populär zu machen? Bewirken solche Artikel also nicht eher das genaue Gegenteil dessen, was sie erreichen wollen?      

 
   

SÜDWEST PRESSE-Tagesthema: Erst die Karriere, dann der Nachwuchs?
Den passenden Mann noch nicht gefunden? Immer mehr Frauen entscheiden sich aus diesen oder anderen sozialen Gründen, ihre Eizellen einfrieren zu lassen?

GUYTON, Patrick (2014): Besuch bei einem Pionier der Eizellenentnahme in Deutschland.
Kinder aus dem Eisschrank: Der Münchner Reproduktionsmediziner Jörg Puchta hat mehr als 10 000 weibliche Eizellen eingefroren. "Social Freezing" betrachtet er als letzten Schritt zur vollen Emanzipation der Frau,
in: Südwest Presse v. 07.11.

SOSALLA, Ulrike (2014): Auszeit für die biologische Uhr.
Jetzt also Eizellen. Mit einer gewissen Obsession debattiert unsere Wohlstandsgesellschaft immer wieder über Fortpflanzung. Wer bekommt wann Kinder, und wenn nicht, warum nicht? Soll man nachhelfen, und wenn ja, bis zu welcher Grenze?
in: Südwest Presse v. 07.11.

BECKER, Ulrich (2014): Karrieredruck statt Freiheit für die Frauen.
Als Mann begibt man sich beim Thema "Social freezing" auf vermintes Gelände: Ihr habt gut reden, halten einem die meisten Frauen entgegen. Wir, so die Kritik, könnten uns den Kinderwunsch auch mit 50 oder 60 Jahren noch erfüllen,
in: Südwest Presse v. 07.11.

 
   

FREITAG-Wochenthema: Egg Freezing.
Wir müssen alles dafür tun, dass Frauen eher früher als später Kinder bekommen

RÜFFER, Lisa (2014): Mein liebes Kind.
Social Egg Freezing: Unsere Autorin findet, Frauen sollten eher früher als später Mütter werden. Ein Brief an ihre Tochter und also an die Zukunft,
in:
Freitag Nr.45 v. 06.11.

Lisa RÜFFER fühlt sich als junge Mutter, da sie schon mit 29 schwanger gewesen sei. Ob das stimmt, müsste am Jahrgang 1981 überprüft werden und am Wohnort, denn ost- und westdeutsche Mütter sind bei der ersten Geburt unterschiedlich alt. Im Jahr 2012 waren westdeutsche Mütter beim ersten Kind im Durchschnitt 29,4 Jahre alt. Aus dieser Sicht wäre RÜFFER keineswegs eine junge Mutter, sie wäre jedoch auch keine Spätgebärende.

Stolz verweist RÜFFER jedoch auf ihren hohen Bildungsstand, sodass sie sich doch als junge Mutter fühlen dürfe. Aber auch das ist falsch. Entscheidend ist der Studiengang. Als Journalistin gehört RÜFFER jener Berufsgruppe an, der mithin die höchste Kinderlosigkeit zugeschrieben wird. Und nur unter diesem Aspekt, darf sich RÜFFER (noch) als Avantgarde der Frühgebärenden sehen.

Individualisierung heißt: Das Ich als Besonderheit zu pflegen, das tut RÜFFER indem sie sich zur Nonkonformistin stilisiert:

"Man sagt den Frauen, es ist in Ordnung, wenn ihr die Entscheidung, ob ihr Mutter werden wollt oder nicht, vertagt, denn das wird euch die Karriere erleichtern. Dieser Satz wird gerade zum Konsens. Ich sehe das anders."

Nichts ist der Individualisierung mehr zuwider als zum Konsens zu werden, weswegen wir im Zeitalter der Konformisten des Anderssein leben.

Eine sozialpolitische Grundüberzeugung heißt: Weil es zu wenige Festanstellungen gibt und deshalb die Unsicherheit überhand nimmt, führt das zur Vermeidung der Mutterschaft. RÜFFER dagegen schreibt:

"Das Kind ist der Grund, warum ich mich auf keine Festanstellung einlassen will, warum ich lieber nachts arbeite und nachmittags ins Schwimmbad gehe.

Das Gegenteil zur Freude der Frühgebärenden ist das Leid der einsamen Karrierefrau, deren Kinderwunsch aufgrund des Alters unerfüllt bleiben muss. Journalistinnen , die in ihrem Freundeskreis so jemanden nicht aufweisen können, erhalten offenbar keinen Auftrag für solch eine Lebensstilreportage.

Im Grunde hat man ja nichts gegen das Social Freezing (Bekenntnis zur Wahlfreiheit!), sondern lediglich das politische Ethos verbietet es oder der frühe Verfall des weiblichen Körpers:

"Wenn Du einmal 30 bist, wirst du sehen, wie dein Körper sich verändert. Nicht nur mit deinen Eizellen geht es bergab."

Und immer geht es ums große Ganze, z.B. um die Neuerfindung des Feminismus:

"Bekomme Kinder, wenn du es für richtig hältst, nicht die anderen! Darin liegt heute die Aufgabe des Feminismus".

Was aber, wenn man es für richtig hält, Mutter erst nach den Wechseljahren werden zu wollen?

"Auf dir lastet großer Druck. Ich möchte sehr gerne einmal Oma werden. Du bist mein einziges Kind und das wird wohl auch so bleiben. Dein Papa und ich wollen kein zweites".

PFAFF, Jan (2014): "Die Kultur der Vorsorge hat auch eine Kehrseite".
Im Gespräch: Die neuen Reproduktionstechniken stärken die Idee der Familie, sagt Kulturwissenschaftler Andreas Bernard,
in:
Freitag Nr.45 v. 06.11.

 
   

WINDHEUSER, Daniel (2014): Weg in die Kita.
Familienpolitik: Die Ganztagsbetreuung von Kindern wird immer weiter ausgebaut. Rainer Stadler fragt nach Ursachen und Folgen dieser Entwicklung,
in:
Freitag Nr.45 v. 06.11.

Daniel WINDHAUSER stellt das Buch Vater Mutter Staat von Rainer STADLER vor, der den Eltern nicht zutraut, dass Eltern sich freiwillig für die "Fremdbetreuung" von unter 3-Jährigen entscheiden. Er sieht sie stattdessen als Opfer einer wirtschaftsfreundlichen Familienpolitik.

Gegner der "Fremdbetreuung" wie STADLER berufen sich auf das Kindeswohl, während Befürworter das Elternwohl, d.h. die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Vordergrund stellen.

Jene, die eine aktive Bevölkerungspolitik befürworten, sehen in diesem ideologischen Kampf einen Hauptgrund dafür, dass die Geburtenrate in Deutschland so niedrig ist. Wobei sie die Kinderlosigkeit, statt das westdeutsche 2-Kind-Ideal (bzw. ostdeutsche 1-Kind-Ideal) als Problem sehen.   

STADLER, Rainer (2014): Drinnen und draußen.
Leseprobe: Was mit Kindern passiert, die die meiste Zeit nicht zu Hause, sondern in einer Tagesstätte verbringen. Zur Lage der Familien und zum aktuellen Stand der Forschung,
in:
Freitag Nr.45 v. 06.11.

 
   

DIEHL, Sarah (2014): Die Angst vor der kühlen Weiblichkeit.
Das Einfrieren von Eizellen kann Frauen entspannter leben lassen,
in: Jungle World Nr.45 v. 06.11.

 
   

WUTTKE, Merle (2014): Die neue F-Klasse.
Quote, Sexismus-Debatte, neue Rollenbilder in den Familien: Wenn sich in der Gesellschaft etwas bewegt, dann, weil Frauen es anstoßen. Der Feminismus ist die neue Triebfeder der Veränderung und so populär wie nie. Aber was ist das eigentlich genau: Feminismus heute?
in: Brigitte Nr.24 v. 05.11.

 
   

SPOERR, Kathrin (2014): Margot Käßmann - vielleicht sind ja SIE verrückt.
Die Theologin kritisiert "Social Freezing". Unsere Autorin antwortet ihr,
in: Welt v. 04.11.

 
   

Die Alleinreisenden - Eine erste Bestandsaufnahme zu einem vernachlässigten Thema

SCHWINN, Michaela (2014): Single-Reisen: Adieu, Katzentisch!
Singles bekommen kleine, aber teure Zimmer und werden am Tisch neben der Küchentür abgefertigt. Extra Angebote für Alleinreisende werden deshalb immer beliebter - dafür muss man noch nicht einmal Single sein,
in: sueddeutsche.de v. 03.11.

 
   

Das Single-Dasein in Österreich

LINSINGER, Eva (2014): Eiertänze.
Das Fortpflanzungsgesetz ist hoffnungslos veraltet, realitätsfremd und verlogen,
in:
Profil Nr.45 v. 03.11.

"Der deutsche Bundestag hat vorexerziert, wie Politiker mit medizinisch-ethischen Fragen umgehen können. Ausdrücklich ohne Fraktionszwang wurde quer über die Parteigrenzen sensibel diskutiert und abgestimmt, was erlaubt und was verboten sein soll. In Österreich scheuen Politiker die überfällige Debatte und überlassen grundlegende Fragen der Bioethik lieber den Höchstgerichten",

lobt Eva LINSINGER die deutschen Verhältnisse, während der deutsche Focus erst vor kurzem die österreichischen Verhältnisse lobte:

"In ihrer Verzweifelung begann Anna Stahr nach Alternativen zu suchen. Sie stieß auf Nicolas Zech. Der Reproduktionsmedizin im österreichischen Bregenz wirbt gezielt um deutsche Patientinnen - mit dem Versprechen, bei ungewollter Kinderlosigkeit besser helfen zu können als seine deutschen Kollegen. (...).
Der Reproduktionsexperte profitiert davon, dass hierzulande die Gesetze zur künstlichen Befruchtung im Vergleich zu Österreich und dem Rest Europas am restriktivsten sind."

Und die Moral von der Geschichte? Nationale Zeitungen oder Magazine sind gestrig! Sie sind an einer Leserschaft ausgerichtet, die noch nationale Grenzen kennt, statt sich grenzüberschreitend zu informieren. Solidarität mit einem Journalismus, der so engstirnig ist?

 
   

HUMMEL, Katrin (2014): Naiv, verliebt, betrogen.
Sie ist einsam, er umwirbt sie. Dann braucht er viel Geld, sie überweist es ihm. Warum funktioniert die Masche immer wieder? In Zeiten des Internets ist der Liebesbetrug so verbreitet, wie nie zuvor,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.11.

 
   

MECK, Georg (2014): Gebt Eltern das Kommando.
Der Staat lässt nicht nach in seinem Eifer, Krippen zu bauen. Die Wirtschaft ist glücklich, die Babys fragt niemand,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.11.

Vor dem "Krippen-Gipfel" am Donnerstag macht Georg MECK Front gegen den Krippenausbau. Mit neuen Büchern von Herbert RENZ-POLSTER ("Die Kindheit ist unantastbar") und Rainer STADLER ("Vater Mutter Kind") empört sich MECK über die Fremdbetreuung. Die Gegner des Krippenausbaus berufen sich gerne aufs Kindeswohl, in erster Linie geht es ihnen aber um das Wohl der Alleinverdienerfamilie als Hort einer idealisierten Kindheit. Der ideologische Kampf um das EINZIG richtige Familienmodell geht in Deutschland also in die nächste Runde. 

 
   

BOLL, Christina (2014): Die Kinderfrage, humankapitalistisch betrachtet.
Unternehmen sollten nicht den Frauen das "Social Freezing" anraten, sondern jungen Angestellten eine frühe Elternschaft erleichtern. Das rechnet sich nämlich mehr als das Aufschieben der Kinderfrage,
in: Welt Online v. 02.11.

Die Welt verbreitetet eine Pressemitteilung des Hamburgischen WeltWirtschaftsinstitut vom 28. Oktober 2014 als Debattenbeitrag ohne dies in irgendeiner Form kenntlich zu machen. Brauchen wir einen solchen Pseudo-Journalismus?

 
   

KÄMMERLINGS, Richard (2014): "Was in meinem Kopf vorgeht, ist ungewöhnlich".
Haruki Murakami fände sein Leben langweilig – wenn ihm nicht ständig diese rätselhaften Geschichten einfielen. Der "Welt"-Literaturpreisträger über Probleme beim Tagebuchführen, das Schreiben für ein globales Millionenpublikum und seine regelmäßigen Besuche in der anderen Welt,
in:
Welt am Sonntag v. 02.11.

 
   
GEOGRAPHISCHE RUNDSCHAU-Thema: Multi- und Translokalität

DIDERO, Maike & Carmella PFAFFENBACH (2014): Multilokalität und Translokalität.
Konzepte und Perspektiven eines Forschungsfelds,
in: Geographische Rundschau,
November

DIDERO & PFAFFENBACH beschreiben Multilokalität als ein Konzept europäischer Mobilitätsforschung, was insbesondere für die soziologische Forschung zu kurz gegriffen ist. So stützte sich die soziologische Multilokalitätsforschung der 1990er Jahre und selbst noch Anfang des Jahrtausends auf nationale Erhebungen, sodass staatenübergreifende Paar- und Elternbeziehungen unberücksichtigt blieben. Der Beitrag geht den Ursachen der Multilokalität nach, wobei es zum Unterschiede zwischen erzwungenen und freiwilligen Formen der Multilokalität gibt, was die Autorinnen in dem Kapitel Multilokale Lebensarrangements zwischen Beruf und Lebensstil beschreiben. Dabei machen es sich die Autorinnen zu einfach, wenn sie zwischen dem globalen Norden und Süden dahingehend unterscheiden, dass in ersterem Multilokalität ein Wohlstandsindikator sei, während sie im globalen Süden erzwungen sei. Mit dem Anwachsen der sozialen Ungleichheit innerhalb der Länder des globalen Norden und dem Aufstieg der Mittelschichten jenseits der westlichen Industrienationen, ist diese Zweiteilung zu simpel. Gerade Deutschland ist mit seiner Hartz-Gesetzgebung ein Beispiel für die Zunahme erzwungener Multilokalitä. (Darja REUSCHKE sieht insbesondere das Ost-West-Pendeln als erzwungene Multilokalität. Das mag für Länder, in denen der internationale Tourismus ein großer Wirtschaftsfaktor ist, anders sein:

"Oftmals ist Multilokalität auch ein Wohlstandsindikator oder Ausdruck eines sozialen »Prestige- und Aufstiegsbedürfnisses« (Rolshoven 2006, S.192), denn jeder Freizeitwohnsitz im In- oder Ausland, der regelmäßig aufgesucht wird, ist ebenfalls ein Indikator für Multilokalität. In manchen Ländern wie der Schweiz und Österreich sind es sogar häufiger freizeitbezogene als berufsbezogene Aspekte, die zu multilokalen Lebensformen führen". (2014, S.5)

Unberücksichtigt bleibt in dem Beitrag vor allem, dass die Forschung zur Multilokalität eine andere Perspektive auf die Einpersonenhaushalte ermöglicht, wobei dieser Aspekt unterbelichtet ist. Aus Sicht der Multilokalitätsforschung kann dann nicht mehr einfach von "Single-Gesellschaft" gesprochen werden, sondern die "Paar-Gesellschaft" wird sichtbarer. Eine solche Sichtweise könnte den grassierenden Sozialpopulismus relativieren, der sozial- bzw. bevölkerungspolitisch motiviert ist. 

SCHIER, Michaela (2014): Multilokalität von Familie in Deutschland,
in: Geographische Rundschau,
November

Michaela SCHIER grenzt den Begriff der Multilokalität von Familien gegen den Begriff der "multilokalen Mehrgenerationenfamilie" des Soziologen Hans BERTRAM ab:

"Der Begriff »multilokale Mehrgenerationenfamilie« (Bertram 2002) bezieht sich auf das getrennte Wohnen von Eltern und ihren erwachsenen Kindern. »Multilokalität von Familie in frühen Familienphasen« (Schier 2013) meint hingegen eine familiale Lebensführung, bei der Eltern und ihre minderjährigen Kinder periodisch voneinander getrennt leben und mindestens ein Mitglied der Familie im Wechsel mehrere Behausungen bewohnt." (2014, S.10)

SCHIER unterscheidet zwei Typen solcher multilokalen Familien:

"Familien nach Trennung und Scheidung sowie erwerbsbedingt multilokale Familien." (2014, S.10)

SCHIER verwendet einen sehr weiten Begriff von Multilokalität, wenn sie solche Familien definiert als

"Familien, bei denen ein Elternteil mindestens 15 Mal im letzten Jahr beruflich bedingt auswärts übernachtet hat". (2014, S.11)

In ihrem Beitrag widmet sich SCHIER drei Typen eines multilokalen Familienalltags:

1) Intrakommunal multilokale Familien
2) Transregional multilokale Familien
3) Transnational multilokale Familien

Die Fälle entsprechen sorgerechtlich gesehen dem Wechselmodell bei Nachtrennungs- bzw. scheidungsfamilien, wobei in ersterem Fall die getrennten Eltern innerhalb einer Gemeinde wohnen, während sie im zweiten Fall in unterschiedlichen deutschen Gemeinden (im Beispiel sind es Gemeinden in unterschiedlichen Bundesländern) wohnen. Im letzten Fall leben die Eltern in unterschiedlichen Staaten.

SCHIER unterscheidet 5 Anforderungen an eine multilokale familiale Lebensführung:

1) Gestaltung des gemeinsamen Alltags
2) Gestaltung der Übergänge zwischen An- und Abwesenheiten
3) Gestaltung des getrennten Alltags
4) Gestaltung der wiederkehrenden räumlichen Mobilität
5) Aneignung der verschiedenen Lebensorte

 
   

NANDI, Jacinta (2014): Ihr seid echt kinderfeindlich!
Jacinta Nand lebt am Prenzlauer Berg. Und sie fragt sich, warum da nur Kinder und Mütter als störend empfunden werden - aber niemand was gegen lärmende Männer hat,
in: Emma,
November/Dezember

"»Das ist Gentrifizierung! Du bist keine Berlinerin, verstehst das nicht. Sie treiben die Gentrifizierung an. Sie sind alle mit Bank-Managern und Stock-Brokern verheiratet! Dann werden sie schwanger, hören auf zu arbeiten und fangen an, Chai Lattes zu trinken! Irgendwann mal muss stopp sein!«",

zitiert Jacinta NANDI ein typisches Stereotyp über Prenzlauer Berg-Mütter, das hier einem Mann zugeschrieben wird. Im Mütterkrieg stehen sich Rabenmütter-Gescholtene und Heimchen am Herd-Gescholtene gegenüber. Das Mittelschicht-Heimchen steht jedoch nicht mehr am Herd, sondern sitzt im Café.

 
   

HAAF, Meredith (2014): Lass uns Freunde sein.
Du liebst deinen Partner? Warum bist du dann eigentlich so verdammt gemein zu ihm? Über eine Selbstverständlichkeit, die keine ist. Leider,
in: Neon,
November

 
   

BUCHHOLZ, Jenny (2014): "Meine Verpeiltheit ist legendär".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon,
November

 
   

EIDEN-OFFE, Patrick (2014): Hipster-Biedermeier und Vormärz-Eckensteher (und immer wieder Berlin),
in:
Merkur Nr.786, November

 
   

MEYER, Ingo (2014): Niedergang des Romans?
Sondierungen im Bezugsrahmen eines Topos,
in:
Merkur Nr.786, November

 
       
 

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Bernd Kittlaus
[email protected] Stand: 01. Februar 2015