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Medienrundschau:
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News vom 04. -
08. Juni 2016
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Zitat
des Monats:
Der
demografische Wandel ist kein gutes Argument zugunsten der
Kapitaldeckung
"Nicolas
Barr von der London School of Economics (...) erklärt: »Aus
wirtschaftlicher Sicht ist der demografische Wandel kein gutes
Argument zugunsten kapitalgedeckter Systeme.« Besser seien ein
über Steuern und Abgaben finanzierter Sozialstaat und
Investitionen in Bildung, damit künftige Generationen mittels
einer hohen Produktivität das Geld für die Versorgung der
Rentner und Kranken erwirtschaften können."
(Daniel Baumann & Stephan Hebel
"Gute
Macht-Geschichten", 2016, S.99)
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Der
Alterssurvey 2014 in den Medien
Die Medien
wurden gestern vom Bundesfamilienministerium mit
Interpretationen zum Alterssurvey 2014 versorgt, die sie nun
wiedergeben. Wer sich ein eigenes Bild machen will, der hält sich am
besten an den
Tabellenanhang zur Langfassung.
CREUTZBURG, Dietrich
(2016): Deutsche legen die Scheu vor einem späten Ruhestand ab.
Ältere Beschäftigte sind
zufrieden, einige gar unterfordert,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.06.
Deutsche verlieren die Scheu vor einem späten
Ruhestand? Ein Vergleich des durchschnittlichen
Erwerbsaustrittsalters
von 1996 mit 2014 zeigt, dass
dieses für Männer in Deutschland identisch ist: 60,1 Jahre,
während es für Frauen 0,2 % höher liegt (54,7 Jahre) (vgl.
Tabellenanhang 2016, Tabelle A 4-1, S.5). Das Renteneintrittsalter
ist für Männer um 0,1 % (62,5 %) und für Frauen sogar um 0,4 %
(62,1 %) gestiegen (vgl. Tabellenanhang 2016, Tabelle A 4-2, S.5)
Fazit: Die Dauer vom
Erwerbsaustritt zum Renteneintritt hat sich erhöht: Für Männer von
1,5 Jahren (1996) auf 1,6 Jahre im Jahr 2014. Für Frauen sogar von
7,2 Jahren (1996) auf 7,4 Jahre im Jahr 2014. Dies wird uns als
Fortschritt präsentiert. ENGSTLER & GORDO schreiben dazu:
"(Der) Anteil derer, die vor
dem Ruhestand arbeitslos werden (wächst). Zwischen 1996 und 2014
hat sich dieser Übergangspfad auf 15,5 Prozent vervierfacht
(...). Die Entlassung in die Arbeitslosigkeit am Ende des
Erwerbslebens löst damit teilweise die Ausgliederung über
Vorruhestandsregelungen ab. Über den Vorruhestand wechseln im
Jahr 2014 nur noch 3,0 Prozent in die Altersrente, 1996 waren es
noch 10,1 Prozent gewesen."
(Heribert Engstler & Laura Romeu Gordo "Der Übergang in den
Ruhestand: Alter, Pfade und Ausstiegspläne", in: Langfassung
2016, S.67)
ENGSTLER & GORDO sehen
insbesondere ostdeutsche Frauen und Geringverdiener als Verlierer
dieser Entwicklung:
"Besonders betroffen davon
waren ostdeutsche Frauen, bei denen es im Beobachtungszeitraum
zwischen 1996 und 2014 zu einem massiven Umbruch der
Übergangspfade in den Ruhestand weg vom Arbeiten bis zur Rente
hin zur mehrjährigen Arbeitslosigkeit vor dem Renteneintritt
kam. Auch Beschäftigte mit niedrigerem Bildungs- und
Qualifikationsniveau beenden ihr Erwerbsleben vergleichsweise
häufig mit Arbeitslosigkeit. Personen mit hohem Bildungsniveau
gelingt es hingegen überdurchschnittlich oft, entweder bis zum
Rentenbeginn aktiv erwerbstätig zu bleiben oder aus der gut
abgesicherten Position der Altersteilzeit in den Ruhestand
wechseln"
(2016, S.74f.)
Durch die Rente ab 63, die im
Jahr 2014 in Kraft trat und ca. 150.000 Personen betraf, wurde
diese Polarisierung zusätzlich verschärft.
MENKENS, Sabine
(2016): Deutsche verlieren die Angst vor dem Älterwerden.
Generation Ü 40 ist aktiver und
gesünder als noch vor 20 Jahren. Besonders die Gebildeten haben im
Alter Spaß. Und auch wenn die Bedeutung der Ehe sinkt: Die Familie
bleibt die größte Stütze,
in:
Welt v. 08.06.
STÜRMER, Michael (2016): Altern will gekonnt
sein.
Kommentar,
in:
Welt v. 08.06.
EISENREICH, Ruth
(2016): Frauen arbeiten und Frauen waschen.
Studie zur Zufriedenheit im Alter
zeigt geringe Fortschritte bei fairer Aufgabenteilung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.06.
REINSCH, Melanie
(2016): Länger aktiver.
Langzeitstudie: Menschen in der
zweiten Lebenshälfte sehen zuversichtlicher in die Zukunft als
früher,
in:
Frankfurter
Rundschau v. 08.06.
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FEDDERSEN, Jan (2016): Zurück in die falschen
Fuffziger.
Europa: Homo-Ehe, Abtreibung,
Akzeptanz. Mehrere osteuropäische Länder arbeiten an der Abwicklung
demokratischer Errungenschaften,
in:
TAZ v. 08.06.
Jan FEDDERSEN, Angehöriger der kulturellen Linken, der es um
soziale Anerkennung statt um Umverteilung (soziale Linke) geht,
betrachtet aus diesem eingeschränkten Blickwinkel die derzeitige
Lage in Osteuropa:
"Es ist (...) ein gigantisches
Abwicklungsprojekt von allem, was seit den frühen sechziger Jahren
das politische Differenzprojekt war. Wir benennen es gewöhnlich
mit der Chiffre »68« - sie barg viel weniger Sozialismusutopie als
vielmehr die Vorstellung von einer zivilisierten und
zivilisierenden Anerkennung des anderen schlechthin."
Die kulturelle Linke wird in
dieser Situation zum Verteidiger eines neoliberalen Europas gegen
den neuen Nationalkonservatismus und deren Identitätspolitik als
Gegenspieler der Identitätspolitik der Kulturlinken. Eine solche
antiquierte Position ist kaum in der Lage den neuen
Herausforderungen etwas Adäquates entgegenzusetzen, wie bereits
vor über einem Jahrzehnt Robert MISIK erkannt hat. Ist die
Kulturlinke überhaupt noch lernfähig?
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ECKERT, Daniel (2016):
Musterknabe Deutschland - das ist eine Illusion.
Finanzminister Schäuble inszeniert
sich gern als Sparmeister. Doch die "schwarze Null" ist ein Trick. Der
Bund profitiert nur von Einmaleffekten,
in:
Welt v. 08.06.
Nachdem der IWF als neoliberales Rückgrat
weggebrochen ist, wurde der Welt vom neoliberalen Hort des
Deutschen Steuerzahlerinstituts (DSI) ein Papier zugespielt, um
Deutschland zum kranken Mann zu stilisieren. Daniel ECKERT benutzt
das Papier um die Rentendebatte in Misskredit zu bringen.
Personalkosten werden nicht als Investitionen in
die Zukunft beschrieben. Wozu brauchen wir Lehrer, Erzieher oder
Pfleger? Reichen nicht neue Schulgebäude, Kindertagesstätten und
Altenheime? will uns ECKERT sagen. Steine können jedoch noch kein
Wissen vermitteln. Vielleicht übernehmen das ja einmal Roboter, die
sind nicht konsumtiv, sondern pure Investition.
Solange unsere Ökonomen solche Rechnungen
aufmachen, darf man sich nicht wundern über den Niedergang.
Weichenstellungen im Sinne der Zukunftsfähigkeit? Für ECKERT und
seine neoliberalen Mitstreiter zählt Humankapital nichts, wenn es
nicht zukünftiges Humankapital ist. Schließlich sind konsumtive
Künstler auch dann erst richtig profitabel, wenn sie gestorben sind,
also zu Investitionen werden.
Merkwürdig auch, wenn eine
jahrelange Niedrigzinsphase als Einmaleffekt bezeichnet wird. Wie
viele Jahre dürfen Einmaleffekte eigentlich wirken?
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PETERSDORFF, Winand von (2016): Neoliberalismus?
War nur so eine Idee.
Kommentar: Der Währungsfonds
stellt seine Konzepte in Frage. Überzeugende neue hat er nicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.06.
Winand von PETERSDORFF fühlt sich
vom IWF im Stich gelassen bei seinem
Kampf gegen die Staatsverschuldung in Deutschland. Dabei hat die
"Schwarze Null"-Politik nach Meinung von PETERSDORFF die
finanziellen Ressourcen zur Bewältigung der Flüchtlingskrisen und
der Erhöhung der Militärausgaben bereit gestellt.
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KROHN, Philipp (2016): Die Zahl der Riester-Verträge sinkt erstmals.
Nur noch zwei Drittel der
Geförderten setzen auf Versicherungspolicen. Trägt die Rentendebatte
dazu bei?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.06.
"Erstmals seit Beginn der
Förderung im Jahr 2001 war die Zahl der beendeten Verträge somit
größer als die der neu abgeschlossenen",
schreibt Philipp KROHN anlässlich
der Veröffentlichung der Zahlen für das 1. Quartal 2016 durch das
Bundesarbeitsministerium. KROHN zitiert Peter SCHWARK vom Lobbyverband
der Versicherungsbranche (GDV), der die Rentendebatte als schädlich
für die private Altersvorsorge hält.
"In seltenen Fällen könnten
Kunden (...) sogar eine jährliche Rendite auf ihre Beiträge von 8
Prozent erzielen",
wird vollmundig ein Mitarbeiter des
Finanzvertriebs DVAG.
Fazit: Der Bericht sieht nicht in
der Abschaffung der privaten Altersvorsorge, sondern in der Stärkung
derselben die Lösung der Alterssicherungspolitik.
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Das Konzept-Papier "Rente 4.0 - Das Konzept der dynamischen Rente für die Arbeitswelt der
Zukunft" in den Medien
THELEN, Peter
(2016): Versicherungspflicht für Selbständige.
Vorstoß der CDU-Rentenexperten
verärgert Wirtschaftsflügel,
in:
Handelsblatt v. 08.06.
Peter THELEN meint mit dem Wirtschaftsflügel der
CDU
den
CDU-nahen Wirtschaftsrat e.V. und die Mittelstandsvereinigung,
die sich jedoch hinsichtlich der Behandlung von Selbständigen bei
der Altersvorsorge keineswegs einig sind. Während Wolfgang STEIGER
die Eingliederung von Selbständigen ohne Versorgung in die
gesetzliche Rentenversicherung ganz ablehnt, fordert Carsten
LINNEMANN die freie Wahl der Altersvorsorge und eine Karenzzeit
für die Gründungsphase.
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WAGENER, Benjamin
(2016): Versteckte Stärken.
Prognos Zukunftsatlas: Lange lag
Kassel im Schatten des Eisernen Vorhangs, dann vertraute die Stadt
vergeblich auf die Versprechungen der Wendezeit. Jetzt endlich boomt
Nordhessen,
in:
Handelsblatt v. 08.06.
Benjamin WAGENER hält sich nicht an politische Grenzen, sondern
fasst die Stadt Kassel und den Landkreis Kassel in seinem Porträt
zusammen, was nicht unbedingt ein Nachteil ist.
"Noch 2003 hatte die Stadt
Kassel die höchste Zahl an Sozialhilfeempfängern, die
Arbeitslosigkeit betrug 20 Prozent. Heute liegt sie in Kassel bei
8,5 und im Landkreis bei nur 4,4 Prozent",
erzählt uns WAGENER. Steffen
MARETZKE zeigte in einem
Artikel aus dem Jahr 2006 wie die Auswahl von Indikatoren zur
Arbeitsmarktsituation Einfluss auf das Regionenranking nimmt.
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KROHN, Philipp & Christian SIEDENBIEDEL (2016):
Anstieg der Immobilienpreise verliert an Dynamik.
Die Immobilienpreise steigen
weiter - aber langsamer. Mieter können aufatmen. Für eine Gruppe von
Investoren sind Immobilien indes fast alternativlos,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.06.
Bericht über den aktuellen F+B
Wohn-Index Deutschland.
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Die Studie
Demografischer Wandel stützt Konsum und mittelständisches Wachstum
in den Medien
KANNING, Tim (2016): Die alternde Gesellschaft
ist ein gutes Geschäft.
Vermögende Senioren könnten für
den Mittelstand zum Wachstumstreiber werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.06.
Tim KANNING berichtet über eine Untersuchung der
staatlichen Förderbank KfW, die der FAZ exklusiv zugespielt wurde.
Danach sei die alternde Bevölkerung eine wichtige Wachstumsstütze
des Mittelstands. Als Gewinner werden Pflegedienste,
Medizintechnikunternehmen und Bauunternehmen (altersgerechter
Umbau von Wohnungen) genannt.
"(Der) Anstieg der privaten
Konsumausgaben in den vergangenen zehnt Jahren (ist) fast
vollständig auf die Haushalte mit älteren Bewohnern
zurückzuführen",
berichtet KANNING. Der
Studienautor Michael SCHWARTZ beschreibt 6 Strategien der
Demographie-Verlierer unter den Unternehmen, um auf die
Herausforderungen des demografischen Wandels zu reagieren:
1) Anpassung des Marketings
2) Anpassung bestehender Produkte / Dienstleistungen
3) Gezielte Entwicklung neuer Produkte / Dienstleistungen
4) Anpassung der Vertriebswege
5) Ausdehnung des Absatzgebietes in Deutschland
6) Ausdehnung des Absatzgebietes in ausländische Märkte
(vgl. 2016, S.4)
RIDDER, Olaf (2016): Demografie sei Dank.
Alternde Bevölkerung kurbelt
Wachstum an,
in:
Frankfurter
Rundschau v. 08.06.
"Private Fernsehsender
verweisen gerne auf die Einschaltquoten, die sie bei den 19- bis
49-Jährigen erzielen, um ihre Werbeplätze zu vermarkten. Diese
Altersgruppe, so die Botschaft, habe das nötige Geld in der Tasche
und sei auch besonders konsumfreudig. Ältere Leute kauften dagegen
so wenig, dass sie mit Werbung nicht erreicht würden. Doch
offenbar ist diese Sichtweise falsch", meint Olaf RIDDER
angesichts der KfW-Studie.
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ETTEL, Anja & Holger ZSCHÄPITZ (2016): Tod eines Feindbilds.
Der IWF hat Kritik am
Neoliberalismus geübt. Am Ende ist die Idee trotzdem noch nicht,
in:
Welt v. 07.06.
Nach Mark SCHIERITZ
in der Zeit
nehmen nun auch ETTEL & ZSCHÄPITZ den Neoliberalismus in Schutz.
Anlass ist der Artikel
Neoliberalism: Oversold? ("Neoliberalismus: Überschätzt?")
von Jonathan D. OSTRY, Prakash LOUNGANI und Davide FURCERIIN ("drei
Top Ökonomen des IWF") in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift
Finance & Development ("Spitzenpublikation" des IWF)
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BERLINER
ZEITUNG-Wochenthema:
Das Berliner Nachtleben.
Heute: Wie die
Berliner das Nachtleben entdeckten
TKALEC, Maritta (2016): Neuestes! Allerneuestes!
Die Vergnügungskultur half den
Berlinern, Großstädter zu werden und Identität zu finden. Im
Gedränge übten sie das Ertragen Fremder, die Bühnen lieferten Mode-
und Rollenvorbilder,
in:
Berliner Zeitung v. 06.06.
Maritta TKALEC
beginnt mit der
"Neuen Frau" und den kurzen Goldenen 1920er Jahren von 1926
bis 1929, um dann den
Aufstieg Berlins zur Vergnügungsmetropole als Teil der
Großstadtwerdung zu beschreiben:
"1871 hatte Berlin rund
800.000 Einwohner, 1910 waren es zwei Millionen. Die Neuen kamen
aus der Provinz. Der Berliner ist Schlesier, sagte man
seinerzeit."
TKALEC bezieht sich mit ihren
Ausführungen auf das gerade erschienene Buch
Weltstadtvergnügen. Berlin 1980-1930 von Daniel MORAT u.a.
WEINGÄRTNER, Marcus (2016): Ausgehlust an der
Spree.
Das Thema,
in:
Berliner Zeitung v. 06.06.
DAUM, Julian (2016): Die Club Commission.
Der Verein,
in:
Berliner Zeitung v. 06.06.
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Das Konzept-Papier
"Rente 4.0 - Das Konzept der dynamischen Rente für die Arbeitswelt der
Zukunft" in den Medien
ÖCHSNER, Thomas (2016): Rente 4.0.
Nicht abgesicherte Selbständige
sollen in die Kasse einzahlen. CDU-Fachleute leben Konzept gegen
Altersarmut vor,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.06.
Thomas ÖCHSNER berichtet über
das Konzeptpapier Rente 4.0 von
Peter WEIß ("Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für
Rentenpolitik") und Eva WELSKOP-DEFFAA ("Chefin der Arbeitsgruppe
Rente in der CDU"), die auch Mitglied im Bundesvorstand von Verdi
ist. ÖCHSNER greift folgende Punkte aus dem Papier auf:
- Mindestrenteniveaugarantie bis 2070, das höher ist als die
derzeitig bis 2030 garantierten 43 Prozent.
- Drittelparität von Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Bund beim
Beitrag zur Rentenversicherung:
"Der Zuschuss des Bundes, der
sich bereits auf etwa 30 Prozent oder mehr als 60 Milliarden
Euro beläuft, soll zukünftig bis zur Beitragsbemessungsgrenze in
gleicher Höhe fließen wie die Arbeitnehmerbeiträge"
Eine zweite
Beitragsbemessungsgrenze bei etwa 9.000 Euro soll diese
Drittelparität jedoch begrenzen.
- Selbständige, die nicht über ein berufsständiges Versorgungswerk
abgesichert sind, sollen künftig in die gesetzliche
Rentenversicherung einzahlen.
- Die Rentenreserve soll ausreichender bemessen sein
Der letzte Punkt trifft sich
mit dem Abschlussbericht der Grünen
Rentenkommission zur eigenständigen Alterssicherung der Frau:
"In der Regel werden bei
Scheidungen die in der Ehe erworbenen Rentenansprüche geteilt.
Die CDU-Experten sprechen sich nun dafür aus, mit Beginn der Ehe
die Rentenansprüche gleich zu splitten - jeder sieht so, woran
sie oder er ist. Zugleich soll es die Chance geben, die Beiträge
freiwillig aufzustocken, um für eine Scheidung besser
abgesichert zu sein."
Dieser Punkt gilt spätestens
seit dem Individualisierungstheoretischen Bestseller von Ulrich
BECK & Elisabeth BECK/GERNSHEIM ("Das ganz normale Chaos der
Liebe") zum populärsoziologischen Allgemeingut.
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GRÄBER, Berrit (2016): Zahlen statt verzichten!
Die meisten Mini-Jobber wollen
keinen Cent in die Rentenversicherung investieren. Sie lassen sich von
ihrer Beitragspflicht befreien. Dabei kann es sich richtig lohnen, vor
allem für Studenten und Mütter,
in:
Welt v. 06.06.
"Über 82 Prozent der fast 6,7
Millionen Mini-Jobber in Deutschland lassen sich von der
Zahlungspflicht befreien. Was aber wohl nicht immer klar ist: Mit
dem Verzicht schlagen sie handfeste Vorteile in den Wind. Vor
allem für Studenten und Mütter kann es sich rechnen, auch im
Minijob in die Rentenkasse einzuzahlen",
wirbt Berrit GRÄBER für
Beitragszahlungen in der gesetzlichen Rentenversicherung
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HEILMANN, Dirk (2016): Alleinerziehende tragen die
größte Last.
Leidartikel: Die Diskussion über
Kinder- und Altersarmut setzt falsche Akzente,
in:
Handelsblatt v. 06.06.
Dirk HEILMANN beschäftigt sich mit den
Forderungen eines Bündnisse von 30 Sozialverbänden ohne diese
darzustellen (ganz zu schweigen von einer
abgewendeten Gesetzesänderung zur Kürzung von Sozialleistungen
alleinerziehender Hartz IV-Empfängerinnen), sondern greift sich
jene Punkt heraus, die zum Konzept des aktivierenden Sozialstaats
passen: Bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten für Hartz IV-Empfänger
und bessere staatlichen Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
Adressat dieser Politik ist die
alleinerziehende Mutter, die als Hauptrisikogruppe beschrieben wird:
"Unter Haushalten mit
Alleinerziehenden beziehen (...) 37,5 Prozent Sozialleistungen. Je
mehr Kinder in ihnen leben, desto höher steigt die Quote.
Bei drei und mehr Kindern beträgt sie 68 Prozent. Von
Alleinerziehenden, die Sozialleistungen in Anspruch nehmen, sind
79 Prozent Langzeitbezieher. Da liegt das eigentliche Problem.
Dass für jeden
siebten unter 15-Jährigen Hartz-IV-Leistungen gezahlt werden,
ist eine Folge der Bedürftigkeit von Alleinerziehenden."
Die hohen Prozentzahlen täuschen
darüber hinweg, dass Alleinerziehende mit 3 und mehr Kinder eher
selten sind unter alleinerziehenden Müttern sind. Typisch ist
stattdessen die
kleinste Familie der Welt.
Gemäß Datenreport 2016 lebten
2014 ca. 1,6 Millionen Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren.
Rund 90 % der Alleinerziehenden sind weiblich. Die meisten Mütter
sind ledig, etwas weniger sind geschieden (38 %). Die meisten
Alleinerziehen lebten 2014 nur mit einem einzigen minderjährigen
Kind im Haushalt (42 %). 39 % lebten mit zwei minderjährigen Kindern
im Haushalt. Lediglich 19 % lebten mit 3 und mehr Kindern im
Haushalt zusammen. Mit Kindern unter 6 Jahren lebten lediglich 24 %
der Alleinerziehenden zusammen. Vor allem diese würden von einer
besseren Kinderbetreuung profitieren wie sie HEILMANN fordert.
"Bei ihnen (Anm.:
Alleinerziehenden) ist unter allen Haushaltstypen der Anteil der
Vollzeit-Erwerbstätigen am niedrigsten und der Anteil derer, die
nur zwischen zehn und 20 Stunden in der Woche arbeiten, am
höchsten",
behauptet HEILMANN. Der
Datenreport 2016 stützt dies jedoch nicht. Dort heißt es
stattdessen:
"Nur 24 % der Ehefrauen übten
ihre Erwerbstätigkeit in Vollzeit aus. Deutlich höher waren die
Vollzeitquoten der alleinerziehenden Mütter (39 %) und der
Lebenspartnerinnen (40 %)." (2016, S.56)
Es stellt sich daher die Frage,
wie viele dieser Vollzeiterwerbstätigen Alleinerziehenden trotzdem
zu den Hartz IV-Empfängerinnen gehörten, die HEILMANN ausblendet. In
dieser Frage lässt uns auch der Datenreport 2016 im Stich.
Ökonomen kritisieren gerne den
relativen Armutsbegriff, der sich am Medianeinkommen orientiert.
HEILMANN kritisiert, dass hierbei die regionalen
Lebenshaltungskosten nicht mitberücksichtigt werden. Sollen also
Arme dorthin ziehen, wo die Lebenshaltungskosten niedrig sind, damit
die Armut in Deutschland verschwindet? Hier zeigen sich jedoch die
Widersprüche ökonomischer Denkweisen. Arbeitslose Arme sollen
nämlich dorthin ziehen, wo die Arbeitslosenquote niedrig ist,
schreibt Winand von PETERSDORF in der
FAS. Dummerweise korrelieren in der Regel niedrige
Arbeitslosenquoten mit hohen Lebenshaltungskosten. Was in der
Armutsdebatte also als Lösung angesehen wird, das erscheint in der
Mobilitätsdebatte gerade als Problem. Die Fragmentierung diverser
Diskurse verhindert, dass die Widersprüche sichtbar werden.
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ANGER, Heike & Donata RIEDER
(2016): Wahlkampf um die Steuern.
Die Parteien laufen sich warm für
ihre Programme. SPD-Konvent klammert strittige Fragen aus,
in:
Handelsblatt v. 06.06.
Nach der Welt und
der FAS eröffnet nun auch das Handelsblatt den
Steuersenkungswahlkampf. Hier ist die Welt noch in Ordnung: Links
heißt Erhöhung, Rechts heißt Senkung - was Steuern dagegen bedeuten
und warum sie gebracht werden, das steht nicht zur Debatte. Es geht
stattdessen nur um Steuern als Belastung. 12 Milliarden Euro hat
Finanzminister Wolfgang SCHÄUBLE in diesen Verteilungskampf
eingebracht, während er bei den Renten höchstens die
Versicherungswirtschaft fördern will.
Der "Mittelstandsbauch" soll abgespeckt werden -
zumindest rhetorisch. Auch "arbeitende Mitte" als Zielgruppe klingt
gut (besser als "oberste Einkommen"). Ähnlich vage bleibt es, wenn
von "Beziehern kleiner und mittlerer Einkommen" gesprochen wird. Da
können sich sehr viele Menschen angesprochen fühlen, selbst wenn sie
gar nicht gemeint sind!
Das Handelsblatt stellt
uns die Parteipositionen
bildlich per Daumen nach oben, unten oder seitlich dar. Mit der AfD
rechnet man genauso wenig wie mit der Piratenpartei (SCHIRRMACHER
ist ja bekanntlich tot) nicht, sondern nur mit CDU/CSU, SPD, Grüne,
FDP und Linke. Man kann dabei auch gleich die möglichen
Koalitionsmöglichkeiten und Kompromissbereitschaften ablesen.
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MÜNCH, Vera
(2016): Heimlicher Digitalstar.
Prognos Zukunftsatlas: Kaum jemand
vermutet, dass in Hannover digitale Pionierarbeit geleistet wird. Auch
dank Co-Working wächst die IT in der Region sehr stark,
in:
Handelsblatt v. 06.06.
Das Beispiel Hannover zeigt die
Probleme eines solchen Rankings, denn Hannover besteht aus der
ehemaligen kreisfreien Stadt Hannover und des ehemaligen Landkreises
Hannover, die nun in der Region Hannover mit 1,13 Millionen
Einwohnern (2014) zusammengefasst wurden. Vergleiche über längere
Zeiträume sind deshalb nicht mehr so einfach möglich. Die
Kreisreform wird nun von Vera MÜNCH als Vorreiter vermarktet:
"Die Region ist deutschlandweit
die einzige Großstadtregion mit Landeshauptstadt, die nicht
zwischen Städten und den Kommunen drumherum trennt. Alle 21 Städte
und Gemeinden stimmten 2001 trotz unterschiedlichster politischer
Mehrheiten für die Bildung dieses Kommunalverbundes."
Dies ist jedoch falsch, denn mit
Saarbrücken existiert ein weiterer Kommunalverbund mit
Landeshauptstadt.
Die Region Hannover hat offenbar
nicht wirklich viel vorzuweisen, wenn man die spärlichen Fakten
betrachtet, die uns MÜNCH liefert:
"Die Region hat mit 15,6
Prozent einen überdurchschnittlich hohen Anteil an
hochqualifizierten Sozialversicherungsbeschäftigten und darf sich
mit einem Binneneinwanderungssaldo von 0,51 über einen Zuzug von
jungen Menschen freuen."
Die Fragwürdigkeit solcher
Rankings zeigt sich z.B. anhand der Kriminalitätsrate, für die alle
polizeilich gemeldeten Fälle je 100.000 Einwohner zusammenfasst
wurden. Welch Unsinn! Ein Mord wird gleich gewichtet wie ein
Handtaschenraub? Ein anderer Indikator ist die Anzahl der
Konzernsitze der 500 umsatzstärksten Unternehmen. Viel
aussagekräftiger wären dagegen die Steuereinnahmen durch alle
Unternehmen in der Region.
Nur Rang 82 für eine solcherart
gepriesene Region! Heimlicher Digitalstar ist in erster Linie eine
Wette auf eine goldene Zukunft.
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RITTER, Johannes (2016): Schweizer lehnen Grundeinkommen ab.
2500 Franken für jeden Bürger: Doch
das "Geld für Jedermann" wollen die Eidgenossen nicht. Die Befürworten
fühlen sich trotzdem als Sieger,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.06.
RITTER, Johannes (2016): Keine Experimente.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.06.
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ALBRECHT, Jörg (2016): Und Opa ist an allem schuld.
Epigenetik heißt das neue
Zauberwort. Der Lebensstil soll darüber entscheiden, wie unsere Enkel
zurechtkommen. Ist das wirklich wahr?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.06.
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AUTHALER, Theresa (2016): Lieber Kreuzfahrt als Kurpark.
Ausgerechnet die traditionellen
Kurorte verpassen den Boom in der Gesundheitsbranche. Sie sind in der
Krise, seit immer weniger Aufenthalte von den Kassen bezahlt werden.
Bad Pyrmont setzt jetzt auf Schulungen gegen Burn-out statt auf
Moorbäder und Klassikkonzerte,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.06.
"Heute kann es selbst an einem warmen Frühlingstag passieren, dass
Besucher die Hauptallee für sich alleine haben. Statt Prinzessinnen
flanieren dort nur noch Senioren in Gesundheitsschuhen, junge Menschen
sind kaum unterwegs. Sie reisen seltener in Kurorte wie Bad Pyrmont,
seit es schwieriger geworden ist, eine Kur bezahlt zu bekommen. Für
die Heilbäder bedeutet das: Es reicht nicht mehr, nur auf die Kranken
zu setzen. Doch um die Gesunden, die Erholungssuchenden, konkurrieren
Kurorte mit Wellness-Tempeln auf der grünen Wiese und mit Anbietern
von Bergurlauben und Kreuzfahrten",
klagt uns Theresa AUTHALER über
Kurorte, die uns vor einem Jahrzehnt noch als Prototypen von
Deutschlands Zukunft verkauft wurden. Ganz Deutschland sehe im Jahr
2030 so aus wie Bad XYZ. Nun also werden uns Kurorte als bedrohte
Gemeinden dargestellt.
Bad Pyrmont wird uns als Blaupause
einer neoliberalen Zukunftsvision vorgestellt, die auf eine verkürzte
Form des allseits gepredigten aktivierenden Sozialstaats
(Fordern statt fördern!) setzt: Resilienz ist dessen Zauberwort:
"»Die Menschen werden in ihren
Berufen immer mehr gefordert«, sagt er. Das könne man nicht ändern.
»Aber man kann die eigenen Ressourcen stärken«.",
wird der Kurdirektor im Sinne der
"Schönheit schwarzer Zahlen" zitiert. Der neoliberal verordnete
"Sachzwang" wird hier als alternativ los dargestellt. Statt auf
Krankenkassenleistungen setzt man nun vermehrt auf "betriebliches
Gesundheitsmanagement" (BGM), das durch ein dieses Jahr in Kraft
getretenes "Präventionsgesetz" gestärkt werden soll.
Aus Sicht des Neoliberalismus sind
Kurorte lediglich eine besondere Form von Betrieben. Auf solche
Betriebe namens Kurort hat sich das Beratungsunternehmen
Project M
(beschreibt seinen Beratungsbereich jedoch umfangreicher als
"Tourismus und Freizeit") seit 15 Jahren spezialisiert. AUTHALER
stellt den Branchenreport Kurorte und Heilbäder mit dem Titel
Innovativer Gesundheitstourismus in Deutschland aus dem Jahr
2011 vor, eine Auftragsarbeit für das Bundeswirtschaftsministerium.
Der hat jedoch wenig mit betrieblichem Gesundheitsmanagement, sondern
viel mit Gesundheitstourismus zu tun. AUTHALER stellt uns 3 Gruppen
von Kurorten vor, die den künftigen Herausforderungen im
Gesundheitstourismus unterschiedlich gewachsen sind:
"Ein Teil der Orte sei für die
neuen Herausforderungen im Gesundheitstourismus bereits gut gewappnet.
Eine zweite Gruppe sei touristisch allgemein gut aufgestellt, etwa
durch die Lage am Meer oder im Gebirge. In einer dritten Gruppe
beschreibt der Bericht die Orte, die seit der Krise immer noch
straucheln. Sie liegen weder am Meer noch im Gebirge, haben Probleme
mit der Infrastruktur und dem Service für ihre Gäste."
Als Folgen der Krise kann der
Verlust des Prädikats drohen, z.B. wie beim niedersächsischen Bad
Fallingbostel. Zur Zeit wird an der Rettung des Prädikat Moorbad von
Bad Freienwalde in Brandenburg gearbeitet.
Besorgt zeigt sich die FAS
lediglich hinsichtlich der Kurkonzerte (Klassik!), aber auch hier wird
Entwarnung gegeben, dank "evidenzbasiertem Ansatz". Das Bad Pyrmont
der Zukunft wird uns deshalb als Kurbad für die "Betagten und
Betuchten" sowie "Geschäftsleute" präsentiert.
AUTHALER, Theresa (2016): "Wir setzen nicht auf Yoga, nur weil es
zeitgeistig ist".
Bad Aibling hat sich aus der Krise
geackert. Kurdirektor Thomas Jahn sagt, das sei mit Mut und dem Sinn
für Identität gelungen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.06.
Schlagzeilendichter und
Textlieferanten widersprechen sich, während die Schlagzeile Yoga als
Zeitgeist ausweist, wird im Text Ayurveda zum Zeitgeist erklärt.
Der Kurdirektor von Bad Aibling
sieht in der Zielgruppendefinition anhand des Alters (Junge contra
Renter) keinen Sinn, wichtiger sei die jeweilige gemeinsame
Lebenslage. So würden Thermen, die als Spaßbäder konzipiert seien mit
den Anforderungen an Wellness- bzw. Gesundheitstourismus in Konflikt
geraten. Bad Tölz wird als Beispiel für einen solchen falschen Ansatz
genannt.
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SCHAAF, Julia (2016): Das verschwundene Buch.
Seit drei Jahren wird ein Buch
angekündigt, in dem Sigmar Gabriel über seine Herkunft sprechen will,
über seinen Nazi-Vater, seine Jugend und die SPD. Das Buch wird wohl
nie erscheinen. Was symptomatisch ist für den Berliner Politikbetrieb,
der nichts so sehr fürchtet wie Kontur, Charakter, Ambivalenzen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.06.
Die Verzweifelung in der Neuen Mitte ist groß. Julia SCHAAF wird an
die Front geschickt, um Sigmar GABRIEL zur menschlichen Waffe gegen
die AfD zu stilisieren. Ein
drei Jahre altes ZEIT-Interview von Bernd ULRICH mit
Sigmar GABRIEL ist für SCHAAF der Ausgangspunkt für Überlegungen,
wie GABRIEL zum identitätspolitischen Aushängeschild der Neuen Mitte
vermarktet werden könnte:
"Man muss sich nur mal
vorstellen, was für Gespräche möglich wären, wenn Gabriel die
Geschichte seines Vaters, seine Auseinandersetzung mit dem
Revanchismus und den Ressentiments dieses Mannes mit der Analyse
einer Partei wie der AfD und der rechtspopulistischen Bewegungen
überall in Europa in Beziehung setzte. Wenn er Themen der
Familien- oder Jugendpolitik mit der Glaubwürdigkeit eigener
Erfahrungen angehen würde (...). Durch seine Geschichte würde, was
er sagte, unverwechselbar werden und, weil er sich in der
Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit so beeindruckend klug
und selbstreflektiert gezeigt hat, unbedingt interessant sein."
Was aber wenn diese Art der
Identitätspolitik nicht zündet? Wenn GABRIEL stattdessen nur als
zweiter SCHRÖDER gesehen wird? Als Verräter an seinem eigenen
Milieu? Dies ist allemal wahrscheinlicher als dieser plumpe
Anbiederungsversuch, den SCHAAF hier präsentiert.
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HANK, Rainer (2016): Ran an die Steuern.
Steuerentlastung für die
Leistungsträger? Oder Zugriff auf das Vermögen der Reichen? Politiker
bringen sich in Stellung. Endlich bewegt sich etwas,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.06.
Die Welt
hat den Steuerentlastungswahlkampf längst eröffnet, nun schließt
sich der Marktradikale Rainer HANK an. Er hofft auf einen
Steuersenkungswahlkampf als Konkurrenzprodukt zum Rentenwahlkampf.
Die Mehr Netto vom Brutto-FDP hat sich von ihrer "Höchststrafe der
Verbannung aus dem Bundestag" offenbar noch nicht ganz erholt -
"schwer traumatisiert" charakterisiert sie jedenfalls HANK, der den
"tüchtigen" (wohlgemerkt nicht: besserverdienenden) Facharbeiter als
Menetekel für die SPD hervorkramt.
Rainer HANK präsentiert uns
wieder nur den Bierdeckelprofessor (Cicero),
dem
MERKELs Niederlage im Bundestagswahlkampf 2005 angelastet wird.
Offenbar denkt sich die FAS, dass Deutschland nun erneut
bereit sei für eine Umverteilung von unten nach oben und lässt dem
Bierdeckelprofessor Platz, Steuervereinfachungskonzept erneut
vorzutragen.
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PETERSDORFF, Winand von (2016): Die
Amerikaner werden sesshaft.
Der Sonntagsökonom: Keiner zog so
häufig um wie die Amerikaner. Darauf haben sie nun keine Lust mehr.
Warum nur?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.06.
Mobilität wird von Ökonomen als
Indikator dafür gesehen, dass Menschen sich dem Arbeitsmarkt
anpassen. Soziale und geografische Mobilität wird dabei selten
getrennt betrachtet, sondern in normativer Sicht dient
geografische Mobilität der sozialen Mobilität nach oben. In dieser
simplen Sicht präsentiert uns Winand von PETERSDORF das
Sesshaftwerden der US-Amerikaner als Bedrohung der Ökonomie:
"Eigentlich müssten Leute aus
dem bitterarmen Mississippi in Scharen nach New Hampshire ziehen,
wo die Arbeitslosenquote unter drei Prozent liegt. Das passiert
aber nicht",
klagt uns PETERSDORF. Die
Alterung der Bevölkerung wird als Erklärung für diese Entwicklung
ausgeschlossen (Ältere ziehen nach dieser Sicht seltener um als
Jüngere), weil vor allem Jüngere immobiler geworden sind. Diese
sollen eine Familie gründen (was sie nicht tun), denn dann würden
sie sich dem Arbeitsmarkt besser anpassen.
Mobilität nennen die Ökonomen
oder auch
Lifestyle-Soziologen den Berufswechsel - egal ob er mit sozialer
Mobilität einhergeht oder nicht. Berufswechsel sind in der Ökonomie
neben dem Umzug Indikatoren für den Anpassungszwang des
Arbeitsmarktes. Wenn sowohl Umzug als auch Berufswechsel
zurückgehen, dann ist das eine Art Super Gau des Arbeitsmarktes.
Aus vulgärneoliberaler Sicht gibt
es dafür nur eine einzige arbeitsmarktinterne Erklärung: Der
Arbeitsmarkt ist überreguliert und muss deshalb dereguliert werden.
Als arbeitsmarktendogene Faktoren
der Immobilität werden dagegen Hausbesitz, Zunahme der
Doppelverdiener-Paare (Pendeln statt Umzug) oder hohe
Immobilienpreise in Gebieten mit geringer Arbeitslosigkeit genannt.
Ganz zum Schluss wird die
schlechtere Entlohnung eines Umzugs genannt sowie die
kulturpessimistische Sicht: Die Amerikaner werden so behäbig wie wir
Europäer nach Meinung unserer Ökonomen längst sind.
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RAAB, Klaus (2016): Die kleine Kneipe in unserer Mitte.
Prosit: Vielleicht gibt es keinen
besseren Ort, um dem Wandel unserer Gesellschaft nachzuspüren, als
Gitti's Bierbar in Berlin-Mitte. Deutsche Normalität. Aber was ist
noch "normal"?
in:
TAZ v. 04.06.
Der eine
schaut Talkshows mit Putzfrauen, der andere geht in die Kiezkneipe,
um uns den wahren kleinen Mann vorzustellen. Der kleine Mann ist
für Klaus RAAB einer, der in eine
Kiezkneipe (wahlweise auch Arbeiterkneipe) geht. Dort braucht
man nur drei Dinge: Fußball, Rauch und den Stammtisch - fertig ist
die deutsche Normalität. Und Normalität ist natürlich das Gegenteil
vom Sehnsuchtsort Berlin-Mitte oder gar von der politischen Mitte.
Mitte sei eine Kategorie der Ausgrenzung hat nun RAAB in Zeiten der
AfD entdeckt. Die goldenen Zeiten als die Mitte noch neu hieß und
unverbraucht war, sind eben lange vorbei. Damals durfte die taz
Regierungsmitmachzeitung sein, jetzt muss sie wieder Opposition
lernen und zwar fundamental. Aber wer wie RAAB mit Folklore gegen
die AfD antreten will, der darf sich nicht wundern, wenn er Spott
erntet.
"Wem es gelingt, zu definieren,
was politisch »normal« ist, der hat die Mitte, die politische Mitte
besetzt. Deshalb ist die Mitte auch kein unschuldiger Nullpunkt, wo
die Gesellschaft als einheitliche zu sich kommt. Sie ist vielmehr
ein weißer Fleck, der erobert wird", meint Isolde CHARIM zu diesem
Thema
in der Wiener Zeitung.
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ROTHER, Richard (2016): Kalt gestellt.
Kühl: Oft ist der Kühlschrank zu
Hause eher halb leer statt halb voll. Auf ihn verzichten können wir
trotzdem nicht,
in:
TAZ v. 04.06.
Der französische Soziologe
Jean-Claude KAUFMANN hat in seinem vor 10 Jahren erschienenen Buch
Kochende Leidenschaft die Kühlschrankkultur für den Aufstieg
des Alleinessers verantwortlich gemacht. Nun fragt Richard ROTHER,
ob nicht die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten zur Rückverlagerung
der Lebensmittelhaltung auf den Einzelhandel geführt hat. Der
Vorratskauf werde mehr und mehr vom "Just-in-time-Einkauf" abgelöst.
Und wer ist dafür verantwortlich? Richtig! Der mobile Single.
AKRAP, Doris & André WUNSTORF (2016): Zeit mir deinen Kühlschrank
und ich sage dir, wer du bist.
Küchenpsychologie: Kaffeesatz,
Handlinien, Couch - Menschen tun so einiges, um sich analysieren zu
lassen. Aber bringen Sie mal Leute dazu ihren Kühlschrank zu öffnen. 6
taz-Mitarbeiter lassen tief blicken,
in:
TAZ v. 04.06.
Sechs Typen von Kühlschranknutzerinnen präsentieren uns die Autoren:
1) Der Nudger. Der Begriff ist in den letzten Monaten zum deutschen
Trendwort des Jahres avanciert. Man findet ihn in der Rentendebatte,
bei Jugendstudien und nun auch hier, wo man ihn am wenigsten
vermutet hätte. Als sanfter Zwang wird der Begriff gerne übersetzt.
Während er in der Rentendebatte als Opt-Out-Modell die Verbreitung
unlukrativer Altersvorsorgeprodukte vergrößern soll, wollen
Jugendliche zu diesen Produkten selber gezwungen werden (meint
jedenfalls eine Jugendstudie im Auftrag eines
Altersvorsorgeproduktanbieters) und Kühlschranknutzer wollen sich
per Nudging sozusagen selber zum gesünderen Essen überreden.
2) Der Hedonist mit Handbremse (Dahinter verbirgt sich hier eine
Familienfrau!)
3) Der Adornit (merkwürdigerweise eine Frau, die mit einem Partner
zusammenlebt - obwohl Adorno doch eher ein Männerding ist)
4) Der Foodbomber
5) Der Beauty-Fooder (will sich nicht outen)
6) Der Law-and-Orderer (eine alleinlebende Frau mit Fernbeziehung)
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ROTHHAAS, Julia (2016): Schluss, aus.
Wenn es nicht anders geht, sollten
Eltern sich trennen. Denn Kinder leiden oft mehr, wenn es ständig zu
Hause kracht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.06.
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ROTHHAAS, Julia (2016): Unser Dorf soll leben.
Immer mehr Menschen drängt es in die
Städte, während kleinere Orte langsam aussterben. Wie kann man das
verhindern? Manchmal hilft ein Kino oder ein Hochseilgarten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.06.
Unsere Städte sterben aus! Immer mehr Städter drängt es aufs Land!
Schafft die Pendlerpauschale ab! Hieß lange Zeit das Credo der
urbanen SZ.
Nun entdeckt die SZ scheinbar ihre Liebe zum Dorf.
Landlust statt Landflucht? Eher nicht, denn wer lediglich Reiner
KLINGHOLZ als angeblich unabhängigen Experten hofiert, der schreibt
das Land bedenkenlos ab.
Dabei gäbe es alternative Experten.
HILDENBRAND, Kathleen (2016): "Raum für Experimente".
Interview mit Reiner Klingholz,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.06.
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Der
Abschlussbericht der Grünen Rentenkommission in den Medien
ÖCHSNER, Thomas (2016): 900 Euro Garantierente.
Langjährig Versicherte sollen mehr
bekommen als die Grundsicherung, fordern die Grünen. Sie warnen aber
vor einem "Überbietungswettbewerb",
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.06.
Thomas ÖCHSNER referiert nochmals die unterschiedlichen Positionen
zu einer Rente "langjährig" Versicherter und zur Stabilisierung
des Niveaus der gesetzlichen Rente. Die Formulierungskünstler der
Grünen Rentenkommission schreiben in ihrem gestern vorgestellten Abschlussbericht dazu:
"Richtgröße muss sein, dass
ebenso wie heute der Eckrentner bzw. die Eckrentnerin auch über
das Jahr 2025 hinaus mindestens eine Rente erhält, die 50%
oberhalb der Grundsicherung im Alter liegt."
ÖCHSNER übersetzt das mit einem
Rentenniveau von 46 %, was in der Nähe des
Vorschlags von Karl SCHIEWERLING läge. Also eine Art Signal für Schwarz-Grün auf
Bundesebene?
Der Abschlussbericht der Rentenkommission stellt lediglich eine
Diskussionsgrundlage für die parteiinterne Weiterentwicklung ihres
Rentenkonzeptes dar. Dazu heißt es im Abschlussbericht:
"Es war die Aufgabe der durch
den Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen eingerichteten
Rentenkommission, Antworten zu formulieren und so eine Grundlage
für weitergehende Diskussionen in den verschiedenen
Arbeitszusammenhängen und gruppen der Grünen Partei auf den
unterschiedlichen Ebenen Bund, Ländern und Kommunen zu schaffen,
auch mit Blick auf die Bundestagswahl 2017."
Auch die Themen des zu
erarbeitenden Rentenkonzeptes waren mehr oder weniger bereits
vorgegeben:
"Arbeitsgrundlage für die
konkreten Fragestellungen ist der sozialpolitische Beschluss der
Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) von 2012 in Hannover. Darin heißt
es: »Die noch offenen Fragen wie die konkrete Ausgestaltung der
BürgerInnenversicherung, der Balance zwischen Rentenniveau und
Beitragsstabilität, der Regelungen für einen flexiblen Übergang in
die Rente, darunter auch die Frage der abschlagfreien Rente ab 45
Versicherungsjahren, der eigenständigen Alterssicherung, werden in
der nächsten Wahlperiode in der Partei weiter entwickelt und
konkretisiert.«"
Insofern ist der
Abschlussbericht keineswegs eine reine Reaktion auf die aktuelle
Rentendebatte wie die Medienberichte das nun darzustellen
versuchen.
SIEMS, Dorothea (2016): Wie die Grünen bei der Rente die Jungen im
Stich lassen.
Die Ökopartei buhlt mit großzügigen
Leistungen für Geringverdiener und einem höheren Sicherungsniveau
für alle um die Gunst der Alten,
in:
Welt v. 04.06.
"Dass die Grünen beim Rententhema nun ebenso wie die
Volksparteien Leistungsausweitungen den Vorzug geben vor einer
Beitragsstabilisierung, ist dennoch erstaunlich. Weil auch die
Linkspartei mit großzügigen Leistungen lockt, gibt es im
Bundestag nun gar keine Partei, die sich bei der Reform der
Alterssicherung noch auf die Seite der Jungen schlägt.
Somit dürfte die Rückabwicklung der Rentenreformen der
vergangenen 15 Jahre weitergehen",
kritisiert
Dorothea SIEMENS, die einen Gegensatz zwischen Jungen und Alten
konstruiert, der in dieser Form nicht existiert, denn auch die
Jungen wollen ein höheres Niveau der gesetzlichen Rente.
Hinzu kommt, dass SIEMS
lediglich die "frühzeitige Teilrente" beim Flexi-Rentenmodell der
Grünen hervorhebt und damit das Arbeiten über die gesetzliche
Altersgrenze hinaus nur ganz am Rande erwähnt. Die entscheidende
Frage ist ja, wer sich die Rente ab 60 und die damit verbundenen
Abschläge überhaupt leisten kann - darüber steht jedoch nichts im
Beitrag. Der Abschlussbericht formuliert dazu vage:
"Wir halten es (...) für
gerechtfertigt, die Möglichkeit zum Bezug einer
Alters(teil)rente mit entsprechenden Abschlägen bereits ab dem
60. Lebensjahr zu eröffnen. Uns ist allerdings bewusst, dass
diese Variante mit Abschlagshöhen von bis zu 25 Prozent nur für
solche Personen interessant ist, die es sich leisten können."
LEITHÄUSER, Johannes (2016): Kein Systemwechsel.
Grüne stellen Vorschläge zur
Rentenreform vor,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.06.
Johannes LEITHÄUSER vergleicht den Abschlussbericht der Grünen
Rentenkommission mit sozialpolitischen Programmpapieren vor
vergangenen Bundestagswahlen und stellt eine Abwendung von der
Radikalopposition zur Machbarkeit hin fest, d.h. den Grünen geht es
um eine Regierungsbeteiligung, weshalb ihre Rentenvorschläge auch
kaum noch von denen der anderen Parteien abweichen. LEITHÄUSER weist
darauf hin, dass die Rentenkommission "strömungsübergreifend"
besetzt war. Unter diesen Gesichtspunkten ist das Rentenpapier im
Vergleich zu früheren Positionspapieren auch weniger konkret
geworden.
CREUTZBURG, Dietrich & Henrike ROßBACH (2016): Grüne wollen die
Riester-Rente abwickeln.
Die Partei hat ein neues
Rentenkonzept. Es enthält eine Garantierente, höhere Leistungen für
Frauen und eine gestutzte Privatvorsorge,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.06.
Im Gegensatz zu
Dorothea SIEMS heben CREUTZBURG & ROßBACH
am grünen Flexi-Rentenmodell nicht die "Frühverrentungsmöglichkeit"
hervor, sondern schreiben:
"An der Rente mit 67 halten die
Grünen fest. Eine »starre Altersgrenze« aber lehnen sie ab: Mit
Abschlägen soll man schon mit 60 in Altersteilzeit gehen können; für
Rentner wiederum soll es sich mehr lohnen, doch noch mal ins
Arbeitsleben zu starten."
CREUTZBURG & ROßBACH beschreiben
den geplanten Einstieg in eine eigenständige Alterssicherung der
Frau folgendermaßen:
"Für Frauen, die wegen der
Kindererziehung häufig Lücken im Erwerbsleben haben und deshalb oft
deutlich weniger Rente bekommen als Männer, schwebt den Grünen eine
»eigenständige Alterssicherung« durch ein »obligatorisches
Splitting« vor. Die Idee: Paare sollen ihre Rentenanwartschaften
künftig teilen, unabhängig davon, wie sie »Erwerbs- und
Fürsorgearbeit« aufgeteilt haben."
Warum setzen die Grünen auf eine
eigenständige Alterssicherung der Frau? Das erläutern sie genauer im
Kapitel III des Abschlussberichtes:
"Deutschlandweit nimmt die
gesetzliche Rente für Frauen einen größeren Stellenwert als für
Männer ein, da Frauen nicht in gleicher Weise privat bzw.
betrieblich vorsorgen konnten.
Die gesetzliche Rentenversicherung sieht zwar eine Vielzahl an
familienpolitischen Leistungen vor, um Erwerbsunterbrechungen bzw.
die Verringerung von Arbeitszeit auf Grund von Fürsorgearbeit
anzuerkennen und teilweise auszugleichen. Exemplarisch sind hier die
Kindererziehungszeiten (sogenannte Mütterrente),
Kinderberücksichtigungszeiten, die Rente nach Mindestentgeltpunkten
für Zeiten vor 1992 oder die Pflegezeiten zu nennen. Diese
Leistungen sind wichtig für die Alterssicherung von Frauen und
sorgen zumindest in den neuen Bundesländern für eine echte
Kompensation gegenüber kinderlosen Frauen. Doch auch diese in
der Summe hohen Leistungen (allein ein Entgeltpunkt bei der sog.
Mütterrente kostet 6,7 Mrd. Euro im Jahr) vermögen es nicht
annähernd, die geringere Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt
auszugleichen."
Wollen die Grünen die
Riester-Rente abwickeln? Offenbar gibt es in diesem Punkt keine
Einigkeit. Im Abschlussbericht heißt es lediglich, dass sie in der
bisherigen Form gescheitert sei. Dies schließt eine
Weiterentwicklung nicht aus. CREUTZBURG & ROßBACH schreiben deshalb:
"Die Riester-Rente wiederum soll
nach dem Willen der Grünen in ein »einfaches, kostengünstiges und
sicheres Basisprodukt« verwandelt und öffentlich verwaltet werden.
Uneinig sind sich die Kommissionsmitglieder in Sachen staatlicher
Förderung. Einige wollen die Förderung beenden, andere wollen weiter
Zulagen zahlen, aber nur noch an Geringverdiener."
Hier finden sich also Anklänge an
den schwarz-grünen Vorschlag einer Deutschlandrente.
Die Garantierente kann als
Konkurrenzprodukt zur von der Koalition geplanten
Lebensleistungsrente verstanden werden.
ROßBACH, Henrike (2016): Grüne Rentenvorlage.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.06.
"Die Garantierente trägt kein
Preisschild, zur Not scheuen die Grünen vor Beitragserhöhungen
nicht zurück, und die »eigenständige Alterssicherung für Frauen«
ist ein reichlich großes Wort für das, was dahinter steckt", meint
Henrike ROßBACH zum Abschlussbericht der Grünen Rentenkommission.
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REIERMANN, Christian
(2016): Begradigung des Bauches.
Steuern: Finanzminister Schäuble
will die Bürger in der nächsten Wahlperiode um zwölf Milliarden Euro
entlasten. Tatsächlich ist sein Spielraum viel größer,
in: Spiegel
Nr.23 v. 04.06.
"Schäubles Rechnung geht so:
Bei seinem Amtsantritt im Finanzressort habe die Steuerquote, also
der Anteil der Steuereinnahmen an der Wirtschaftsleistung (BIP),
bei 22,4 Prozent gelegen. Jetzt belaufe sich der Wert auf 22,8
Prozent. Macht also einen Entlastungsspielraum von 0,4
Prozentpunkten. In absoluter Höhe: rund zwölf Milliarden Euro",
erläutert uns Christian REIERMANN
die Position von Wolfgang SCHÄUBLE, um dann die eigene Rechnung
aufzumachen:
"Im Jahr 2010 zum Beispiel, ein
Jahr nach Schäubles Amtsantritt, lag die Steuerquote bei nur 21,4
Prozent, als der Staat während der Finanzkrise zum vorerst letzten
Mal kräftig die Steuern senkte, um die Konjunktur anzuschieben.
Seitdem steigt die Quote steil an."
Hinzu kommt, dass die
Steuereinnahmen aufgrund des progressiven Steuertarifs und der guten
Konjunktur sprudeln. So kommt REIERMANN auf einen Spielraum von 48
Milliarden Euro:
"In Wirklichkeit könnte der
Staat, politischer Wille vorausgesetzt, auf Einnahmen in Höhe von
1,6 Prozent des BIP verzichten - viermal so viel wie von Schäuble in
Aussicht gestellt."
Wenn also ein
Umverteilungsspielraum von 48 Milliarden Euro besteht, wie uns
REIERMANN vorrechnet. Warum die obere Mittelschicht, die zu den
Gewinnern der neoliberalen Reformen zählt, durch Steuersenkungen
noch stärker vom Rest der Gesellschaft abzukoppeln? Stattdessen
könnte die gesetzliche Rentenversicherung gestärkt werden, um die
Altersarmut der nachkommenden Generationen zu verringern. Nicht
Steuersenkungen, sondern die Erhöhung des Bundeszuschusses bei den
Renten steht an.
Erstaunlicherweise kommt uns nun
der Spiegel mit den Singles, für die ansonsten entweder nur
Häme übrig ist oder eine Bestrafung ihres kinderlosen Lebensstils
angedroht wird:
"(Der) Spitzensteuersatz von 42
Prozent (...) setzt für Singles bei einem Jahreseinkommen von rund
53.000 Euro ein, wie vor Jahrzehnten schon. Solch ein Gehalt ist
heute kein Spitzensalär mehr. Es liegt noch nicht einmal beim
Doppelten des Durchschnittslohns."
Als im Mai der Spiegel die
Falschberechnung des DIW unter die Leser brachte, zeigte sich,
dass sich der Spiegel nicht etwa um die untere und mittlere,
sondern nur um die obere Mittelschicht sorgt. Auch wenn wie hier der
Spitzensteuersatz kritisiert wird, geht es nur um die obere
Mittelschicht.
Das DIW verortete die
Mittelschicht bei Einkommen zwischen 67 % und 200 % des
Medianeinkommens und nicht etwa des Durchschnittseinkommens, das
REIERMANN im Focus hat. Das Medianeinkommen liegt unterhalb des
Durchschnittseinkommens, weil es nicht die Superreichen
miteinberechnet und somit die Einkommensverhältnisse verzerrt.
Das Statistische Bundesamt weist
für 2015 ein Durchschnittseinkommen von monatlich 3.612 Euro (43.344
Euro im Jahr) für Vollzeitbeschäftigte aus, d.h. in diesem
Durchschnittseinkommen sind weder Teilzeitbeschäftigte noch
Minijobber berücksichtigt. Während z.B. Bankmanager mit
Millionengehälter den Durchschnitt nach oben hin verfälschen. Was
also ist hier ein Spitzensalär? Das DIW errechnete beim korrigierten
Medianeinkommen für 2013 ein Bruttojahreseinkommen von 53.500 Euro
(zuvor wurde es fälschlicherweise bei 29.500 Euro festgesetzt - und
in der Spiegel-Story auch ohne Bedenken übernommen)
Im Gegensatz zu REIERMANN, der
lediglich das Einkommen eines Alleinstehenden (fälschlicherweise als
Single bezeichnet) betrachtet, beziehen sich die Durchschnitts- bzw.
Medianeinkommen auf Haushalte, wodurch die Steuersituation in
Deutschland krass verfälscht wird.
Seriöser Journalismus müsste uns
mitteilen, wie viel Prozent der Deutschen den Spitzensteuersatz von
42 % überhaupt bezahlen, statt sich willkürlich eine bestimmte
Gruppe herauszugreifen und diese auch noch zum typischen
Mittelschichtler stilisiert. Der Spiegel-Artikel zielt jedoch darauf
ab, dass wir uns alle vom Steuerstaat als ungerecht behandelt
fühlen. Wer aber profitiert von dieser Emotionalisierung der
Steuerdebatte? Wirklich die untere und mittlere Mittelschicht? Oder
nicht nur die obere Mittelschicht? Einzig, dass REIERMANN sich als
Anwalt der nicht näher bestimmten Mittelschicht aufspielt, sollte zu
denken geben.
Der Bezug auf relative Zahlen,
statt auf absolute Zahlen, den REIERMANN - außer bei den Singles -
verwendet, verschleiert, wer überhaupt gemeint ist. REIMERMANN holt
sich auch noch die Unternehmen ins Boot, wenn er schreibt:
"(Die) Einkommenssteuer (stellt)
für über 80 Prozent der Firmen in Deutschland die Unternehmenssteuer
(...)(dar). Auch deren Steuerlast steigt."
Was versteht REIERMANN aber unter
der Begradigung des "Mittelstandsbrauchs", dessen Beseitigung 25
Milliarden Euro kosten würde?:
"also jenes Tarifverlaufs, in dem
die Steuersätze besonders stark steigen (siehe Grafik)."
Mit dem Verweis auf die Grafik
entzieht sich REIERMANN konkreter Angaben, wer Teil des
Mittelstandsbauchs ist. Die Grafik zeigt uns, dass die
Grenzsteuerbelastung (der Durchschnittssteuersatz wird weggelassen!)
bei 14 % oder 8.653 Euro Jahreseinkommen beginnt, dann auf 24 % bei
13.670 Euro steil ansteigt, um dann flacher bis zu 42 % also 53.666
Euro anzusteigen. 42 % wird im Text als Spitzensteuersatz
bezeichnet, ist das jedoch nicht, denn der liegt gemäß Grafik bei 45
% ab einem Einkommen von 254.447 Euro.
Nimmt man die Grafik, dann
suggeriert diese, den steilsten Anstieg zwischen 8.653 und 13.670
Euro Bruttojahreseinkommen. 721 Euro Brutto pro Monat zählt jedoch
nicht zur Mittelschicht, sondern liegt sogar unterhalb des
Mindestlohns eines Vollzeitbeschäftigten. Auch 1139 Euro pro Monat
entspricht nicht einem Mittelschichtverdienst. Die Redewendung von
der "Begradigung des Mittelstandsbauchs" ist also ein Euphemismus,
denn er beschönigt die Tatsache, dass insbesondere Geringverdiener
jenseits der Mittelschicht am stärksten von der Steuerprogression
betroffen sind.
Am Schluss bezeichnet REIERMANN
mit Verweis auf Olaf SCHOLZ die Länder als Hemmnis bezüglich
Steuererleichterungen, denn die werden aufgrund der neoliberalen
Austeritätspolitik ab 2019 durch die Schuldenbremse in ihrer
Haushaltspolitik eingeschränkt. Der IWF als
Vorreiter neoliberaler Politik hat gerade die rigide
Austeritätspolitik der Deutschen kritisiert, was zu einem
Aufschrei bei den neoliberalen Mainstreammedien geführt hat.
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SAUGA, Michael/BRINKBÄUMER, Klaus/KNAUP, Horand
(2016): "Wer sagt, dass er nicht will?"
Gespräch: SPD-Vize Olaf Scholz, 57,
entwirft ein Regierungsprogramm für die Sozialdemokratie. Die Partei
muss für Weltoffenheit stehen und Angebote für die bedrängte
Mittelschicht machen,
in: Spiegel
Nr.23 v. 04.06.
Olaf SCHOLZ positioniert die SPD -
vorrangig mit Plattitüden - an der Schnittstelle zwischen neoliberalem
Weiter-So-Agenda-Kurs und Anbiederung an die den "kleinen Mann" (Der
Mindestlohn hätte gleichzeitig zur Agenda eingeführt werden müssen,
obwohl er gerade die Beschäftigungswirkung der Agenda hochgelobt
hatte). Mittelschicht und Unterschicht sitzen nach dieser Sicht im
gleichen Boot. SCHOLZ erteilt der Vermögenssteuer genauso eine Absage
wie Steuersenkungswünschen und begründet dies mit der Flüchtlingskrise
und der Schuldenbremse. Parteipolitisch grenzt sich SCHOLZ
insbesondere gegen die Linkspartei ab und damit gegen eine
rot-rot-grüne Koalition.
Hinsichtlich der Rentendebatte
weist SCHOLZ den Spiegel darauf hin, dass sich dieser im Sinne
des Neoliberalismus für die Senkung des Niveaus der gesetzlichen Rente
stark machte. Vor diesem Hintergrund preist SCHOLZ den neoliberalen
Agendakurs der SPD als alternativlos. Altersarmut interessiert SCHOLZ
nur im Hinblick auf Invalidität:
"Mich treibt zum Beispiel das
Schicksal jenes Facharbeiters um, der mit Anfang fünfzig einen Unfall
hat, der ihn aus dem Betrieb katapultiert,"
erwidert SCHOLZ auf die Frage nach
der Altersarmut der Putzfrau. SCHOLZ stellt sich also in der
arbeitsgesellschaftlichen Hackordnung auf die Seite der klassischen
SPD-Facharbeiter-Klientel, um die Ansprüche von Geringverdienern auf
eine bessere Alterssicherung abzuwehren.
"1,5 Millionen Flüchtlinge sind
kein Problem für die EU mit 500 Millionen Einwohnern - wohl aber für
einen einzelnen Staat, selbst wenn er so stark ist wie Deutschland",
erklärt uns SCHOLZ die
Zuwanderungsfrage mit Blick auf das Erstarken des Rechtspopulismus in
Deutschland.
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DPA/ND (2016): Eine Verschärfung von Hartz
gekippt.
Warnung von Sozialverbänden
verhindert Geldkürzung für Kinder,
in:
Neues Deutschland v. 04.06.
Die Agenturmeldung berichtet über die Rücknahme einer geplanten
Gesetzesänderung des Bundsarbeitsministeriums zu
"Rechtsvereinfachungen bei Hartz IV" aufgrund einer
Bundestagsanhörung. Namentlich genannt werden nur der
Sozialwissenschaftler Stefan SELL und Katja KIPPLING von der
Linkspartei.
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LAMBECK,
Fabian
(2016): Ostrentner bleiben benachteiligt.
Große Koalition zeigt wenig
Interesse an Korrekturen,
in:
Neues Deutschland v. 04.06.
Fabian LAMBECK berichtet über
Aspekte der Überleitung von DDR-Rentenansprüchen ins Westsystem, die
am Freitag im Bundestag behandelt wurden und die zeigen, dass die
Linkspartei auch eine Klientelpartei der Ostdeutschen ist. In den
Mainstreammedien findet man zu diesen speziellen Detailproblemen,
die nur bestimmte Berufsgruppen (z.B. Krankenschwestern oder
Beschäftigte in der Braunkohleveredelung) betreffen, nichts. Auch
die von der Linkspartei geforderten Korrekturen bei der Mütterrente
werden nicht thematisiert. Einzig Probleme der generellen
Angleichung von Ost-West-Renten, die ein Anliegen der ostdeutschen
Ministerpräsidenten sind, finden Eingang in die Mainstreammedien,
insbesondere der FAZ (mehr
hier und
hier).
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SCHULZ, Josephine (2016): Die vielen Gegner
des Feminismus.
Angst vor dem "Genderwahnsinn"
verbindet die Mitte mit dem rechten Rand,
in:
Neues Deutschland v. 04.06.
Es ist wohl das unrühmliche
Verdienst des Aufstiegs der AfD, dass nun endlich auch den letzten
Linken zu dämmern beginnt, dass Antifeminismus eine
bevölkerungspolitische Stoßrichtung hat - bis dies jedoch auch
Folgen für ihre Strategie hat, scheint es jedoch noch zu dauern.
Die kulturelle Linke verleugnet
diesen Aspekt, weil er nicht in ihr identitätspolitisches Konzept
passt. Wobei es wohl eine Ironie des Schicksals ist, dass nun mit
der AfD ein identitätspolitisches Konkurrenzprodukt entstanden ist,
das wesentlich erfolgreicher ist als es die linke Identitätspolitik
je war.
Der Artikel befasst sich deshalb
auch nur mit Aspekten, die linke Identitätspolitik berühren, aber
kaum mit einem Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Dies zeigt
sich, wenn Antifeminismus und Fremdenfeindlichkeit lediglich als
zwei Seiten einer Medaille betrachtet werden. Hier zeigt sich der
verzweifelte feministische Abwehrkampf, der lediglich Reaktion, aber
keine fortschrittliche Utopie mehr verkörpert.
"Familienpolitik bedeutet für
sie (Anm.: gemeint ist die AfD) vor allem selektive
Bevölkerungspolitik. Deutsche Frauen sollen möglichst viele Kinder
bekommen".
Es ist bezeichnend, dass hier
keine Verbindung zur neuen Mitte gesehen wird, die ja gerade mit dem
Elterngeld eine selektive Bevölkerungspolitik betreibt - aber eben
mit Segen des elitären Feminismus. Dieser blinde Fleck linker
Identitätspolitik wird weiterhin verdrängt. Selektive
Bevölkerungspolitik kennzeichnet sowohl linke als auch rechte
Identitätspolitik. Eine Strategie, die das ausblendet, muss
zwangsweise Scheitern.
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MATTHEIS,
Hilde/BARTHEL, Klaus/BÜLOW, Marco
(2016): Wir können soziale Gerechtigkeit.
Gastbeitrag: In einer Welt voller
Ungleichheit wird die SPD dringend gebraucht. Doch sie muss ihr
soziales Profil schärfen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 04.06.
Nachdem der
Internationale Währungsfonds -
Inbegriff des Neoliberalismus - ebendiesen totgesagt hat, hängen
sich 3 SPDler nun im Vorfeld eines Parteikonvents an diese
rhetorische Wende des IWF an:
"die europäische
Sozialdemokratie (hatte sich) zu sehr dem Neoliberalismus
angenähert und die Alternativen zu wenig deutlich gemacht",
lullen uns die SPDler mit
Phrasendrescherei ein. Neoliberale Phrasen wie "das Land
zukunftsfest machen" deuten jedoch darauf hin, dass die Parole
weiter so heißt. Auch sonst findet sich nichts, was nicht bereits
irgendwo gesagt worden wäre:
"In der Rentenpolitik muss die
SPD die umlagefinanzierte, solidarische Rente (GRV) wieder zur
Hauptsäule der Altersvorsorge machen. Das Rentenniveau ist
deutlich oberhalb von 50 Prozent zu stabilisieren. Es darf nicht
sein, dass man immer länger arbeiten muss, um der Armut im Alter
zu entgehen."
Man darf bezweifeln, dass davon
am Ende mehr bleibt, als schöne Worte. Die SPD wird so ihre Agenda
2010 nicht los. Wie wäre es mit einer neuen Partei, die nicht die
Bürde einer neoliberalen Partei mit sich herumschleppen muss?
Verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen ist weit schwieriger als
gewonnenes Vertrauen zu zerstören. Ob die SPD das noch kapiert?
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BUDE, Heinz (2016): Kritik des Lächelns.
Wir leben in einer Epoche des
ironischen Dauerlächelns. Aber was ist aus der unbändigen Kraft des
Lachens geworden?
in:
Welt
v. 04.06.
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Das Single-Dasein in Frankreich
MEISTER, Martina (2016): "Die französische
Linke ist tot".
Das Buch "Erdbeben" von Michel
Wieviorka zeichnet eine düstere Vision: Marine Le Pen ist Frankreichs
Präsidentin, das Land paktiert mit Putin. Verhindern könnte das nur
François Hollande. Doch der will nicht,
in:
Welt v. 04.06.
Michaela MEISTER präsentiert das
Buch Séisme des kritischen polnisch-jüdisch stämmigen
französischen Soziologen Michel WIEVIORKA, wobei selektiv jene
Passagen herausgestellt werden, die der neoliberalen Weltsicht
entgegenkommen: der Sieg des Rechtspopulismus. Neoliberale haben die
Vorstellung, dass Horrorszenarien gut seien, um die Wähler zur Raison
zu bringen. Warum wird jedoch ein linker Kritiker, der kein gutes Haar
an
François
HOLLANDE lässt, dennoch derart hofiert?
"Vor zehn Jahren, als in den
Vororten die Autos brannten und die Jugend Straßensperren baute, sagte
er voraus, was jetzt geschieht: dass die Gewalt nicht hinter den
Stadtgrenzen bleiben wird, dass sie vielmehr aus den Vororten ins
Zentrum schwappen wird, dass sie sich gegen Presseorgane, gegen
Bibliotheken richten wird. An Konzerthäuser hatte er damals nicht
gedacht."
Man kann VIEVIORKA also nicht ohne
Glaubwürdigkeitsverlust ignorieren. Abgesehen davon, hoffen
Neoliberale auf eine Wiederwahl von HOLLANDE - notfalls sogar über
einen Ausnahmezustand und weitere Einschränkungen der demokratischen
Rechte in Frankreich? Kann nur ein Linker in Frankreich neoliberale
Agenda-Reformen durchsetzen? Und wird allein deshalb HOLLANDE zum
neoliberalen Hoffnungsträger? Und das gegen jeglichen Widerstand?
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Zu den News vom 01. -
03.
Juni 2016
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