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News vom
01. - 06. Mai 2016
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Zitat
des Monats:
Die Zuwanderung macht viele Prognosen zum demografischen Wandel
obsolet
"Zu
erwarten ist, dass jährlich bis zu einer Million oder sogar noch
mehr Flüchtlinge kommen. (...) Sie werden das Schrumpfen der
Bevölkerung für lange Zeit verhindern und später verzögern.
Damit aber werden viele Prognosen zum demografischen Wandel -
insbesondere die Schrumpfungsszenarien - schlicht Makulatur
werden."
(Thomas Straubhaar
"Der
Untergang ist abgesagt", 2016, S.16)
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GRABKA, Markus/GOEBEL, Jan/SCHRÖDER, Carsten/SCHUPP, Jürgen
(2016): Schrumpfender Anteil an BezieherInnen mittlerer Einkommen in
den USA und Deutschland,
in:
DIW-Wochenbericht Nr.18 v. 06.05.
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WIRTSCHAFTSWOCHE-Titelgeschichte:
Das Schwinden der Mittelschicht.
Exklusiv-Studie: Unsere
Gesellschaft verliert ihr ökonomisches Gleichgewicht |
FISCHER, Konrad u.a.
(2016): Nur jeder Zweite gehört zur Mittelschicht.
Wohlstand: Eine dominante Mittelschicht prägt Bild und
Selbstverständnis der deutschen Gesellschaft. Jetzt bestätigt eine
DIW-Studie: Die Mitte schrumpft,
in:
Wirtschaftswoche Nr.19
v. 06.05.
Eine Exklusiv-Studie verspricht uns das Titelblatt - dabei handelt
es sich nur um eine heute vom DIW
veröffentlichte Studie, die man im Original im aktuellen
DIW-Wochenbericht lesen kann.
Die Definition der
Mittelschicht orientiert sich an der US-amerikanischen PEW-Studie
aus dem Jahr 2015, deren Erregungspotenzial die Autoren zum Anlass
genommen haben, um in Deutschland die gleiche Wirkung zu erzielen.
Die Mittelschicht wird deshalb wie in der US-Studie mit
Einkommensgrenzen zwischen 67 und 200 Prozent des mittleren
Einkommens (Median) definiert.
FISCHER u.a. erklären uns nun,
dass die deutsche Rentendebatte nur ein Vorgeschmack auf die
kommenden Konflikte "gewesen sein könnte". Sie konstruieren zudem
einen Zusammenhang zwischen dem Debatten-Flop um das Buch
Verteilungskampf von Marcel FRATZSCHER. Das soll "Anfang
des Jahres" gewesen sein, war jedoch erst im März, also kurz bevor
die Rentendebatte in Deutschland an Fahrt aufnahm.
"5,4 Millionen Menschen wären
heute noch Teil der Mittelschicht in Deutschland, wenn die
Verhältnisse noch so wären wie im Jahr 1983"
erklären uns die Autoren den
Rückgang von 8 % bis 2013. Verschwiegen wird jedoch, dass sich die
Zahlen bis 1991 nur auf Westdeutschland beziehen. Hier wird also
die Sicht der Westdeutschen als gesamtdeutsche Entwicklung
ausgegeben. Sieger schreiben eben die Geschichte! Die
Mittelschicht ist dagegen zwischen 1991 und 2013 um 6 %
zurückgegangen. Der stärkste Rückgang fiel auf die Jahre 2001 bis
2011: vier Prozent. (vgl. DIW-Wochenbericht Nr.19, 2016,
Grafik S.396)
Als Beispiel für die
"arbeitende Mitte" wird uns eine 48jährige selbständige Hebamme
vorgestellt, die als "Working Poor" bezeichnet wird, obwohl ihr
Jahreseinkommen mit ca. 40.000 Euro angegeben wird. Warum Hebamme?
Seit einiger Zeit kommt diesem Berufsstand ein erhöhtes
Erregungspotenzial zu: zum einen weil in Deutschland jede Geburt
hysterisch beäugt wird, weil wir angeblich aussterben, und zum
anderen, weil es eine starke Hebammenlobby gibt, die deren
Arbeitsbedingungen seit Jahren skandalisiert.
Hinzu kommt, dass Altersgruppen
zu Generationen stilisiert werden, wodurch die Jungen zu den
Verlierern gezählt werden können, obwohl deren weitere
Einkommensentwicklung keineswegs vorgezeichnet ist. Trompetete
z.B. die FAZ noch vor gar nicht so langer Zeit die
Vollbeschäftigungshymne, so bläst sie nun die Ende der
Arbeit-Posaune. Man darf sich nun das heraussuchen, was einem
interessenpolitisch gerade am Besten passt.
"In der Gruppe der
30-44-Jährigen gibt es eine extreme Polarisierung",
dröhnt es uns entgegen. Die
Schwäche der Gewerkschaften wird dafür verantwortlich gemacht.
Hieß nicht etwa das Credo unserer neoliberalen Wirtschaftsblätter,
zu denen die Wirtschaftswoche gehört: die Macht der
Gewerkschaften muss zerschlagen werden? Bemerkt man jetzt etwa,
dass man den Ast schon fast abgesägt hat, auf dem man bisher als
Redaktion eines Wirtschaftsblatts bequem gesessen war? Oder
begegnet uns hier nur eine neue Form der Distinktion?
"Der Übergang von Minijob zu
Tariflohn ist heute schwieriger als der Einstieg in den
Arbeitsmarkt. Zugleich sind die Aufstiegsmöglichkeiten zwischen
Mittel- und Oberschicht (...) verhältnismäßig intakt",
interpretieren die Autoren
Gerhard BOSCH, Direktor des Instituts für Arbeit und Qualifikation
an der Universität Duisburg-Essen. Man könnte das auch
dahingehend, dass die Mittelschichtdefinition der Studie nicht in
der Lage ist Mittel- und Oberschicht abzugrenzen. Zudem wird die
Durchlässigkeit innerhalb der Mittelschicht nicht berücksichtigt.
Uns wird eine homogene Mittelschicht suggeriert, die es nicht
gibt.
Wenn die Autoren zudem immer
wieder auf Helmut SCHELSKYs Konzept der "nivellierten
Mittelstandsgesellschaft" zurückgreifen, dann werden die
Unterschiede eines ökonomischen und eines soziologischen Blicks
auf die Mittelschicht verwischt. Während soziologische
Mitte-Begriffe das soziale und kulturelle Kapital berücksichtigen,
verschleiert der Blick auf die Einkommensverhältnisse diesen
Aspekt.
Zum Schluss wird dann die
DIW-Studie problematisiert: Der Soziologe Holger LENGFELD dient
den Autoren dazu, die Abstiegsängste zu betrachten. Diese hätten
bis 2007 "massiv" zugenommen und seitdem "drastisch" abgenommen.
Hier wird also ein Entwicklung suggeriert, die eine homogene
Mittelschicht voraussetzen würde. Danach wird der Ökonom Christian
ARNDT zitiert, der die Studie
Zwischen Stabilität und Fragilität (2012) im Auftrag der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung verfasst hat:
"Misst man vor Steuern und
Sozialtransfers, dann ist der Anteil der Mittelschicht an der
gesamten Bevölkerung in Deutschland nur vier Prozentpunkte
größer als in den USA - nach Umverteilung sind es mehr als 15
Prozentpunkte".
Zu deutsch: Die Mittelschicht
in Deutschland schrumpft? Kein Problem, denn brauchen wir
überhaupt eine so große Mittelschicht? stellen die Autoren die
rhetorische Frage. Einzig ein Erstarken der politischen Ränder
fürchtet unsere Elite. Muss also erst die AfD an die Macht kommen?
Und wäre das für unsere Elite überhaupt ein Problem, solange diese
neoliberale Grundsätze vertritt? Einkommensspreizung?
Polarisierung? Kein Problem solange die Wirtschaft floriert und
die Profite stimmen.
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BAUMANN, Daniel
(2016): Sieben Mythen über die Rente.
FR-Tagesthema: Die Diskussion hat begonnen: Was aufgeklärte Bürger nun
über die Altersvorsorge wissen müssen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 06.05.
Daniel BAUMANN erläutert uns, was Wirtschaftslobbyisten wie
Axel BÖRSCH-SUPAN verschweigen.
Mit Verweis auf den Statistiker Gerd BOSBACH werden die angeblich
hohen Kosten im Vergleich zur Wirtschaftsleistung (BIP) relativiert:
"»Der Anteil der gesetzlichen
Rentenversicherung am Bruttoinlandsprodukt war 2014 so niedrig wie
seit 1992 nicht mehr.« Den Berechnungen von Bosbach zufolge lag er
bei 9,28 Prozent. Den höchsten Anteil hatten die Rentenausgaben
2003 mit 10,73 Prozent erreicht, seither ging es um 1,45 Punkte
runter."
Auch, dass die Rente mit 70
notwendig sei, wird von BAUMANN bestritten, denn entscheidend seit
die Produktivitätsentwicklung:
"2014 haben die Bundesbürger in
Stunden gemessen nur 0,6 Prozent mehr gearbeitet als noch 1995.
Und das, obwohl das Bruttoinlandsprodukt enorm gestiegen ist. Das
zeigt, wie wichtig die steigende Produktivität ist. Sie erklärt
mit Blick in die Vergangenheit auch, warum die Sozialsysteme sogar
ausgebaut werden konnten, obwohl im Jahr 1900 noch 12,4
Erwerbsfähige für eine alte Person gearbeitet haben, während es im
Jahr 2000 schon so viele Alte gab, dass nur noch 4,1 Erwerbsfähige
auf einen Rentner kamen."
Selbst bei einem leichten
Rückgang der Produktivität im Vergleich zur Vergangenheit, was
aufgrund des noch nicht ausgeschöpften Potenzials der
Digitalisierung und Roboterisierung eher unwahrscheinlich ist, wäre
das gemäß von Berechnungen von BOSBACH nicht schlimm.
Nicht die Lasten der
Sozialausgaben sind für Jüngere das Problem, sondern die Löhne, die
hinter der Vermögensentwicklung zurückbleiben:
"Die Lohnquote sank von 71,9
Prozent im Jahr 2000 auf 68,1 Prozent im vergangenen Jahr, wobei
sie zwischenzeitlich sogar bei nur noch 63,6 Prozent gelegen
hatte."
Nicht Generationengerechtigkeit
und darauf zurückzuführende Generationenkonflikte sind unser
Problem, sondern die niedrigen Löhne in Deutschland.
Den einzigen Vorteil der privaten
Altersvorsorge sieht BAUMANN in den größeren Streuungsmöglichkeiten
im Gegensatz zur gesetzlichen Rente, aber auch das muss nicht sein,
wie mit Verweis auf den Ökonomen Nicholas BARR von der London School
of Economics erläutert wird. Auch bei den Steuer- und Abgabenlasten
und den Lohnnebenkosten als angeblicher Wettbewerbsnachteil sieht
BAUMANN keine Probleme für Deutschland.
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BÖRSCH-SUPAN, Axel
(2016): Wie Manna vom Himmel fiel.
Die Ordnung der Wirtschaft: Höhere Renten für alle? Union und
Sozialdemokraten locken mit neuen Versprechen und tun so, als spiele
Geld keine Rolle. Doch die Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat,
sind vorbei. Die Demographie schafft auf Erden Fakten, und die
Rechnung zahlt nicht der liebe Gott,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.05.
Axel BÖRSCH-SUPAN erzählt uns Märchen über den demografischen
Wandel. Ein Schlagwort, das uns immer nur dann um die Ohren gehauen
wird, wenn es zur Rechtfertigung von Kürzungen im Sozialhaushalt
geht. Nun erzählt uns BÖRSCH-SUPAN eine Sicht von der
Jahrtausendwende, die längst widerlegt ist, weil der demografische
Wandel sich nicht an die Prognosen gehalten hat:
"Um die Jahrhundertwende
1999/2000 war es um die Rentenversicherung Deutschlands schlecht
bestellt. Das Finanzierungsdefizit wuchs aufgrund der schlechten
Beschäftigungslage und Besserung war wegen des demographischen
Wandels nicht in Sicht, im Gegenteil. Da Deutschland in den
vergangenen Jahrzehnten weit weniger Geburten hatte, als zur
Bestandserhaltung nötig gewesen wären, fehlten zur
Rentenfinanzierung (...) Menschen. Die Vorhersage über die Anzahl
der jungen Menschen, die in den nächsten 20 Jahren die Rente
finanzieren muss, ist auch keine mit großer Unsicherheit behaftete
Prognose, denn diese Menschen sind schon geboren."
Nach den Prognosen, die uns
BÖRSCH-SUPAN hier ans Herz legt, hätte Deutschland inzwischen längst
schrumpfen müssen. Im Jahr 2000 lag erst die
9. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen
Bundesamtes vor. In der Variante 1 wäre die Bevölkerung von ca.
82 Millionen Menschen im Jahr 2000 auf 80,1 im Jahr 2015 gesunken.
Bei der Variante 2 wäre die Bevölkerung nur auf 81,3 Millionen
Menschen gesunken (vgl.
2000, S.25, Tabelle 5). Stattdessen lebten im Jahr 2000 in
Deutschland 82,3 Millionen Menschen. Aufgrund des Zensus 2011 wurde
die Bevölkerungszahl um ca.1,5 Millionen Menschen, weshalb zu den
nun ausgewiesenen Personen diese hinzugezählt werden müssen. Im
September 2015 lebten zensusbereinigt 81,8 Millionen Menschen in
Deutschland - ohne Zensus also 83,3 Millionen. Die 9. koordinierte
Bevölkerungsvorausberechnung unterschätzte also die derzeitige
Bevölkerung um 3,2 Millionen (Variante 1) bzw. 2 Millionen Menschen
(Variante 2) - und dies nach 15 Jahren.
Woher kommt die gravierende
Fehleinschätzung im Jahr 2000? Zu allererst ist die Zuwanderung zu
nennen. Denn nicht die in Deutschland geborenen Menschen sind
entscheidend, sondern die irgendwo auf der Welt geborenen Menschen.
Wer sich nur auf die Geburten beruft, der vernachlässigt die
Zuwanderung. Dies weiß auch BÖRSCH-SUPAN. Auch die Entwicklung in
den nächsten 20 Jahren ist also keineswegs vorherbestimmt, wie der
Autor suggeriert. Bis 2035 - also 20 Jahre im Voraus - will uns
BÖRSCH-SUPAN unsere Entwicklung vorhersehen. Dabei scheitern
Ökonomen schon dabei das Bruttoinlandsprodukt eines einzigen Jahres
zu prognostizieren.
Die Rentenreformen der Jahre 2001
(Riester-Rente) und 2007 (Rente mit 67) sollen die
Beschäftigungslage verbessert haben? Wir erinnern uns vielleicht
nicht mehr, aber von 2002 bis 2010 ist die Bevölkerung um fast
800.000 Menschen geschrumpft, bevor sie seit 6 Jahren wieder
gewachsen ist. Diese Schwankung spielt bei BÖRSCH-SUPAN überhaupt
keine Rolle, wo doch angeblich die Demographie unser Schicksal ist!
BÖRSCH-SUPAN zerlegt die
Rentenreformen der Jahre 2001 bis 2007 in vier Elemente: den
Nachhaltigkeitsfaktor, die Erhöhung des Renteneintrittsalter auf 67
Jahre, die Riester-Rente und die Grundsicherung im Alter. Das soll
angeblich nur der Generationengerechtigkeit dienen. Tatsächlich
dient es in erster Linie der Profitsteigerung der Unternehmen, da
die Arbeitgeberanteile an den Sozialabgaben - zuallererst bei der
privaten Altersvorsorge - auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden. Wir
haben es also nicht mit Generationengerechtigkeit zu tun, sondern
mit Entsolidarisierung auf Arbeitgeberseite. Die jüngere Generation
muss nicht in stärkerem Maße die Älteren finanzieren, sondern sie
soll die Unternehmen entlasten und gleichzeitig höhere Beiträge für
ihre eigene Rente zahlen.
Im übrigen fehlt ein fünftes
Element: das Alterseinkünftegesetz, d.h. die Jüngeren müssen - im
Gegensatz zu früheren Generationen - ihre Renten versteuern, was
einer Rentenkürzung gleichkommt. Warum verschweigt uns BÖRSCH-SUPAN
diese Umstellung von der vorgelagerten Beitragsbesteuerung auf die
nachgelagerte Rentenbesteuerung, bei der es auch zur
Doppelbesteuerung kommen kann?
"Am gefährlichsten ist die
euphemistisch als »Stabilisierung des Renteniveaus« angedachte
Abschaffung des Nachhaltigkeitsfaktors",
erklärt uns dann BÖRSCH-SUPAN, um
nachzuschieben:
"Der Beitragsatz im Jahr 2040
läge rund 4 Prozentpunkte höher, und die jüngere Generation müsste
die gesamte demographische Last tragen."
Dies setzt zu allererst voraus,
dass die Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung an die Prognosen
hält. Das hat sie weder in der Vergangenheit, noch wird das in der
Zukunft so sein. Die "gesamte demographische Last" müsste die
mittlere Generation immer tragen. Umstritten ist jedoch durchaus die
Höhe. Der Beitragssatz könnte gleich bleiben, wenn der
Bundeszuschuss entsprechend geändert bzw. die Entsolidarisierung der
Unternehmen rückgängig bzw. die Anzahl der Beitragszahler erhöht
würde. Optionen, die BÖRSCH-SUPAN außer Acht lässt, um allein die
Rente mit 70 bzw. die Flexi-Rente als Alternative vorzustellen.
Ganz unseriös wird es, wenn
BÖRSCH-SUPAN auf vergangene Entwicklungen verweist, die auch für die
Zukunft gelten sollen, obwohl sich historische und zukünftige
Situationen nie gleichen, weil sich die Rahmenbedingungen verändern.
Der demographische Wandel ist kein linearer Prozess, sondern dessen
Komponenten Geburten, Sterbefälle und Wanderungen können sich
unabhängig von einander verändern und sogar ihre Richtung ändern.
Dies wird in keinen Prognosen ausreichend berücksichtigt.
Die private Altersvorsorge -
insbesondere die Riester-Rente wird von BÖRSCH-SUPAN schöngeredet.
Sie sei nicht gescheitert, sondern lediglich deren Mängel ("Intransparenz",
"Anlagevorschriften") müssten beseitigt werden. Die Schuld dafür
wird der Regierung ("Fehlregulation") und der Finanzwirtschaft
("Marktmacht der Anbieter") angelastet. Außerdem werden
Wissensdefizite in der Bevölkerung ausgemacht. Bei der Betriebsrente
wird eine "Zersplitterung" konstatiert.
Zuletzt wendet sich BÖRSCH-SUPAN
der zukünftig steigenden Altersarmut zu, indem nochmals die
umstrittenen WDR-Berechnungen widerlegt werden. Dabei greift der
Autor auf eigene Berechnungen zurück, was nicht deutlich wird, wenn
man nicht weiß, dass BÖRSCH-SUPAN federführend für das Gutachten zur
Altersarmut des wissenschaftlichen Beirats beim
Bundeswirtschaftsministerium zuständig war:
"Der wissenschaftliche Beirat
beim Bundeswirtschaftsministerium prognostiziert in seinem
pessimistischen Szenario sogar fast eine Verdopplung der
Grundsicherungsempfänger von derzeit 3 Prozent auf 5,4 Prozent."
Fazit: BÖRSCH-SUPAN spielt die
Arbeitnehmer gegeneinander aus ("Generationengerechtigkeit") und
blendet die Entsolidarisierung der Unternehmen aus, die durch die
Schwächung der gesetzlichen Rente zugunsten der privaten
Altersvorsorge erfolgt ist.
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CREUTZBURG, Dietrich
(2016): Beamte müssen keine Altersarmut fürchten.
Der Durchschnittspensionär hat ein Ruhegehalt von 2730 Euro und ein
Haushaltseinkommen von 5173 Euro. Das liegt deutlich über dem
Durchschnitt der restlichen Bevölkerung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.05.
Dietrich CREUTZBURG geht ausführlich auf die Unterschiede bei der
gesetzlichen Rente und der Beamtenversorgung ein.
"536.000 Senioren in Deutschland
beziehen staatliche Grundsicherung im Alter, weil ihr eigenes
Einkommen nicht fürs Leben reicht. Das sind 3,1 Prozent der Bürger
über 65 Jahren. Vier Fünftel der Betroffenen waren zuvor gesetzlich
rentenversicherte Arbeitnehmer, ein Fünftel waren zuvor als
Selbständige tätig. Das lässt sich dem Alterssicherungsbericht der
Bundesregierung entnehmen, der über den Stand der Vorsorge für alle
gesellschaftlichen Gruppen informiert",
erklärt uns CREUTZBURG.
Der aktuelle Alterssicherungsbericht stammt aus dem Jahr 2012, im
Gegensatz zum jährlich erscheinenden Rentenversicherungsbericht wird
er nur einmal pro Wahlperiode veröffentlicht. Dort wird eine
Armutsquote von 2,5 % für 2011 angegeben. Der neue
Alterssicherungsbericht 2016 soll erst mit dem
Rentenversicherungsbericht 2016 veröffentlicht werden. Derzeit liegt
nur der
Rentenversicherungsbericht 2015 vor.
CREUTZBURG lügt uns also an. Woher stammen diese Angaben also
tatsächlich? Die Zahl der 536.000 Senioren stammt aus einer
Pressemitteilung
des Statistischen Bundesamtes vom 19. April dieses Jahres. Die
Zahl von 3,1 % entstammen einer
Schätzung von
CREUTZBURG vom 20. April.
Eine Gruppe fehlt, erklärt uns
CREUTZBURG: die Beamten. Der Autor setzt uns jede Menge Zahlen vor,
deren Herkunft und Erhebungszeitpunkt nicht nachvollziehbar sind. Am
Schluss erklärt er uns dann, dass zur Beamtenversorgung eine eigene
Grundsicherung im Alter gehöre, weshalb Beamte bei der obigen
Armutsquote nicht enthalten sind:
"Laut Bundesinnenministerium
beziehen rund 12 Prozent der Ruhestandsbeamten eine solche."
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Das Single-Dasein in der Schweiz
RITTER, Johannes
(2016): Geld für alle.
Die Schweizer stimmen bald über ein Grundeinkommen ab, eine Idee
voller Tücken,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.05.
Johannes RITTER berichtet über die Schweizer Volksabstimmung am 5.
Juni, bei der es um die Einführung eines bedingungslosen
Grundeinkommens geht. Dies wird immer einmal wieder auch in
Deutschland diskutiert, z.B. wenn es darum geht das Rentensystem zu
kippen. Die Vor- und Nachteile sind hinlänglich diskutiert (mehr
hier). Weitere Anlässe sind Thesen wie das Ende der Arbeit. Dieses
droht gegenwärtig durch Digitalisierung und Roboterisierung der
Arbeitswelt. Mit einem Sieg der Befürworter rechnen weder RITTER noch
ALICH.
ALICH, Holger
(2016): Die nächste soziale Revolution.
Schweiz stimmt über bedingungsloses Grundeinkommen ab,
in:
Handelsblatt
v. 06.05.
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taz-Schwerpunkt: Rente.
Wer in Deutschland weniger als
2.000 Euro brutto verdient, muss im Alter aufstocken. Welches
Rentenkonzept schützt uns vor Armut?
DRIBBUSCH, Barbara (2016): Die Sorge der Vorsorge.
Frust: Sind Sie auch regelmäßig
ernüchtert, wenn Sie Ihre jährliche Renteninformation bekommen? Eins
ist sicher: Als Geringverdiener droht Ihnen später Altersarmut,
in:
TAZ v. 04.05.
Barbara DRIBBUSCH stellt den Fall einer
53jährigen Altenpflegehelferin vor, die nach einem abgebrochenen
Tiermedizinstudium erst mit über 30 Jahren in die Rente eingezahlt
hat und deshalb einen Anspruch auf Aufstockung der Rente auf das
Niveau der Grundsicherung im Alter hätte. Dies bezeichnet
DRIBBUSCH als heikel, weil auch jemand, der nie in die Rentenkasse
eingezahlt hätte ("die besten Jahre in der Südsee verbrachte")
Anspruch auf die Grundsicherung im Alter hätte.
DRIBBUSCH berichtet darüber,
dass die Grünen nun wie schon zuvor Union und SPD die Einbeziehung
der Selbständigen in die gesetzliche Rente fordern. Die
betriebliche Rente solle nicht oder nur noch teilweise auf die
Grundsicherung angerechnet werden. Die Lebensleistungsrente sieht
DRIBBUSCH kritisch.
DRIBBUSCH, Barbara (2016): Rente, Rent, Ren, Re,
R, ...
Test:
Halsbruch oder ruhige Nächte? Welcher Rententyp sind Sie?
in:
TAZ v. 04.05.
Barbara DRIBBUSCH stellt vier Rentnerstereotypen
vor, die den Rentendiskurs beherrschen: die beneidete
Gymnasiallehrerin, die mit 35 Jahren in Pension gehen kann (in der
taz-Variante muss sie aber ihren gescheiterten
Freiberufler-Ehemann mitversorgen; den Lebenskünstler
("Kreative"), der sein Erbe nicht wie Reiche in Steueroasen
versteckt, sondern bei der Verwandtschaft; die
Kleinrentnerin: geschiedene
Verkäuferin, die wegen ihrer Kindern in Teilzeit gearbeitet hat
und sich deshalb im Alter etwas dazuverdienen muss; der
Geht-schon-Rentner: der Facharbeiter mit Dazuverdienst-Ehefrau,
der mit 63 beruhigt in Rente gehen kann, weil er noch eine
Betriebsrente bekommt und seine Eigentumswohnung abbezahlt ist.
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KRÜGER, Anja (2016): Wirtschaft macht Schule.
Baden-Württemberg: Ab 2017 lernen
die SchülerInnen im neuen Fach Wirtschaft, wie Handel funktioniert
oder welche Versicherung gut ist. Die Industrie freut sich. Kritiker
fürchten jedoch einen einseitigen Unterricht,
in:
TAZ v. 04.05.
Anja KRÜGER berichtet über die Kritik von Dirk
LANGE, Vorsitzender des Fachverbandes für politische Bildung, an dem
wirtschaftsfreundlichen Schulfach, das ab 2017 in Baden-Württemberg
gelehrt werden soll. Kritik wird insbesondere an von Firmen kostenlos
verteilten Unterrichtsmaterialien geübt.
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CREUTZBURG,
Dietrich
(2016): Rentenniveau stabiler als erwartet.
DIW-Gutachten für die Grünen-Bundestagsfraktion,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.05.
Daniel
CREUTZBURG berichtet über ein
Gutachten des DIW im Auftrag der Bundestagsfranktion Bündnis
90/Die Grünen. CREUTZBURG bereichtet zwar über die Veränderung von
Beitragssatz und Rentenniveau bis 2040, aber verschweigt dabei, dass
die Annahmen der Prognose auf der 13. koordinierten
Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes vom April
2015 basieren. Sowohl die Annahmen zur Zuwanderung
(Wanderungsüberschuss von 200.000 pro Jahr) als auch zur
Geburtenrate (TFR = 1,4 Geburten pro Frau) sind unrealistisch.
Mit dem Gutachten soll eine
Debatte über die Entwicklung des Rentenniveaus und des
Beitragssatzes nach 2030 vor Veröffentlichung des neuen
Rentenversicherungsberichts angestoßen werden. CREUTZBURG vergleicht
deshalb die Berechnungen nur mit einer Studie der Prognos AG im
Auftrag der Versicherungswirtschaft. Die Berechnungen des
Rentenniveaus vom DIW liegen um ca. 3 Prozent über dem der Prognos
AG.
"Das DIW rechnet nun mit einem
Rentenniveau von 45 % im Jahr 2030. Auf der anderen Seite steigt
der Rentenbeitragssatz von heute 18,7 Prozent laut DIW auf 21,9
Prozent im Jahr 2030."
Eine Untergrenze des
Rentenniveaus von 45 % wurde
vor
kurzem von Karl SCHIEWERLING in die Debatte eingebracht, was auf
dieser Website als Verabreichung eines Placebo bezeichnet wurde. Die
Berechnungen des DIW würden dies bestätigen. Auf der anderen Seite
sind solche Prognosen aber Kaffeesatzleserei, weil Prognosen zur
Arbeitsmarktentwicklung sehr unsicher sind.
Zum Schluss geht CREUTZBURG auf
die Positionen der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Kerstin
ANDREAE und von Matthias KURTH ("Rentenpolitiker") ein. CREUTZBURG
fasst die
Position der Grünen dahingehend zusammen, dass sie zum einen
Selbständige in die gesetzliche Rente einbeziehen wollen und zum
anderen auf eine Erhöhung der Erwerbstätigkeit von Frauen setzen, um
den Anstieg des Beitragssatzes zu bremsen.
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SPECHT,
Frank
(2016): Die Bremse für sinkendes Rentenniveau,
in:
Handelsblatt
v. 04.05.
Frank SPECHT berichtet zuerst darüber, dass der DGB-Bundesvorstand am
Dienstag ihre Kampagne gegen das sinkende Rentenniveau beschlossen
hat.
Das Rentenniveau soll demnach auf
dem jetzigen Stand stabilisiert und langfristig wieder angehoben
werden.
Die Position von Bündnis90/Die
Grünen wird als Stabilisierung des Rentenniveaus bei 46 Prozent -
also ein
Prozent über dem CDU-Vorschlag von Karl SCHIEWERLING -
beschrieben. Dazu soll die Mütterrente aus Steuermitteln finanziert
werden und die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Zuwanderern erhöht
werden. Der Beitrag einer Einbeziehung von Selbständigen in die
Rentenversicherung wird von SPECHT als gering bezeichnet (0,9 Prozent
Beitragssatzsenkung), wie eine DIW-Studie im Auftrag der Grünen zeigen
würde.
"Laut DIW würde eine Anhebung des
Beitragssatzes um einen Prozentpunkt und die damit verbundene Erhöhung
der Lohnnebenkosten 60.000 bis 80.000 Jobs kosten",
erklärt uns SPECHT, der lediglich
die Interessen der Unternehmen im Blick hat, während das DIW-Gutachten
Zum Zusammenhang von Beschäftigung und Beitragssatz zu den
Sozialversicherungen vom Februar 2016 sowohl die Auswirkungen
auf Arbeitnehmer als auch auf Arbeitgeber betrachtet. Dabei werden
unterschiedliche Szenarien berücksichtigt, die zu ganz
unterschiedlichen Auswirkungen der Beitragssatzsteigerung führen.
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SIEMS, Dorothea
(2016): Grüne rechnen die Rente schön.
Selbständige als neue Beitragszahler und Vollzeitjobs für alle Frauen
sollen die Finanzierung der Alterssicherung stabilisieren. Und für
Geringverdiener gibt es noch eine großzügige Garantie,
in: Welt
v. 04.05.
Dorothea SIEMS berichtet über die
Position von Bündnis90/Die Grünen, wobei in erster Linie Kerstin
ANDREAE ("Wirtschaftspolitikerin") und erst in zweiter Linie Markus
KURTH ("Sozialpolitiker") zitiert wird.
Auch SIEMS stellt
wie SPECHT die Unternehmensinteressen
("Lohnnebenkosten", "Arbeitsplatzverluste") in den Vordergrund.
Ansonsten müssten die Effekte der Rentenerhöhung auf die Erhöhung der
Wirtschaftsleistung (Konsumindustrie) und Steuermehreinnahmen des
Staates - z.B. durch das
Alterseinkünftegesetz - ebenfalls ausgewiesen werden. Außerdem
dürfte die Lohnentwicklung nicht ausgeblendet werden.
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SEIBT, Gustav
(2016): Sprengstoff.
Die AfD beruft sich unentwegt auf
Volk und Volkeswille: Ihr weltanschaulicher Kern ist ein radikaler
Antiliberalismus,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.05.
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STREECK, Wolfgang (2016): Merkels neue
Kleider.
Es ist
Wahnsinn. Aber hat es auch Methode? Angela Merkel stützt sich auf eine
Öffentlichkeit, die Sprunghaftigkeit und Kitsch hinnimmt. Anmerkungen
zu einem immer befremdlicher werdenden Regierungsstil,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.05.
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KUNZ, Anne (2016): Endgültige Bankrotterklärung der
Lebensversicherung.
Klassische Altersvorsorge steht vor dem Aus: Der Gesetzgeber will den
Garantiezins unter ein Prozent senken. Neukunden wären gekniffen,
in:
Welt v. 03.05.
Anne KUNZ berichtet über einen
Vorschlag des Bundesfinanzministeriums zur Senkung des
Garantiezinses zum 01.01.2017 auf 0,9 Prozent (derzeit 1,25 %). Auf
Seite 1 verkündet das Titelbild deshalb das Ende der
Lebensversicherung. Sofern der Gesamtverband der Deutschen
Versicherungswirtschaft (GDV) darauf Einfluss nehmen kann, wird sich
das Vorhaben möglicherweise nicht realisieren lassen - was die Welt
jedoch wenig interessiert. Stattdessen sieht KUNZ in der geplanten
Senkung einen "erzieherischen" Akt, weil er zur besseren
Vermögensbildung der Deutschen beitragen könnte. Als Alternative
nennt KUNZ Fondssparpläne.
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MOLL, Sebastian
(2016): Wohnen auf winzigem Raum.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: New York geht mit dem Bau von
Mikro-Apartments neue Wege, um der städtischen Raumnot Herr zu werden,
in:
Frankfurter Rundschau v. 03.05.
Sebastian MOLL schwärmt uns von einem New Yorker Pilotprojekt vor,
das der für die Hypergentrifizierung verantwortliche
Ex-Bürgermeister Michael BLOOMBERG als Lösung für die Verlierer
dieser Stadtpolitik vorgesehen hat:
"23 Quadratmeter sind die
kleinsten der Einzimmerstudios, 30 die größten."
Diese waren in New York nur
möglich, weil die Mindeststandards für Wohnraum von 37 Quadratmeter
gesenkt wurden. Bei uns sind solche Studentenbuden jedoch bereits
üblich, d.h. Mikroapartments in Deutschland müssten eine Art
Käfighaltung für Menschen - statt für Hühner - sein.
New York wird uns als eine Stadt
beschrieben, die sich von einer "Familien- in eine Singlestadt
verwandelt". Welch Unsinn! New York war das erste Singlezentrum in
den USA überhaupt - und das schon seit den 1950er Jahren. Die
Zahlen, die MOLL über die Bevölkerung verbreitet sind jedoch
trotzdem falsch, weil er Familienhaushalte und Familien
durcheinander bringt. Und wiefern soll New York eine Single-Stadt
sein? Weil viele Menschen unverheiratet sind oder weil sie in einem
eigenen Haushalt leben? Der Begriff Single gehört auf den Müll, denn
er ist ein Produkt der Lifestyle-Soziologie, die sich längst
überlebt hat. Und wie sehen die New Yorker das?
"Der Siegeszug der
Mikro-Einheiten lässt jedoch noch auf sich warten. Das Haus am
Carmel Place steht noch immer halb leer. Weitere Projekte sind
vorerst nicht geplant. Die Akzeptanz für die neue Lebens- und
Wohnform braucht offenbar Zeit",
meint MOLL, der offenbar darauf
hofft, dass mit der weiteren Zunahme der Wohnungsnot sich auch die
Wohnwünsche anpassen.
In Deutschland wurden seit den
1980er Jahren von der Gentrificationsforschung der Bau von
Yuppie-Luxusapartments - statt der bis dahin üblichen Kleinwohnungen
für Singles - gefordert. Man wollte die gering verdienenden und
alten Singles aus den innenstadtnahen Wohngebieten vertreiben und
die Städte dadurch für die Young Urban Professionals lukrativer
machen. Dies geschah gleichzeitig mit einer Kritik der
Single-Gesellschaft, die mit dem Yuppie-Klischee arbeitete und auf
die Yuppie-Familien (Family-Gentrification) abzielte. Wir hatten es
also mit einer Doppelzüngigkeit der Gentrificationsforschung zu tun,
die einerseits Yuppie-Luxusapartments propagierte und anderseits
mehr Family-Gentrifiers wollte. Der Sozialstrukturforscher Stefan
HRADIL hat die damalige Philosophie in dem Gutachten für das
Bundeskanzleramt, das als Buch unter dem Titel Die
"Single-Gesellschaft" folgendermaßen zusammengefasst:
"Lösungsvorschläge, die auf den
Bau von mehr Kleinwohnungen für Singles zielen, oder auf die
Wiederentdeckung verdichteter Wohnformen, das heißt auf die
Bedürfnisse von Singles zugeschnittener Hochhäuser mit allen dazu
passenden Serviceeinrichtungen (...) gehen nachweislich an den
Zielvorstellungen von Singles vorbei. Diese ziehen allemal eine
große Wohnung im Randbereich der Innenstadt vor (idealerweise eine
Altbauwohnung mit Stuckdecke) und drängen auf den dortigen
Teilwohnungsmarkt. (Droht/Dangschat 1985)" (1995, S.151)
Von HRADIL werden hier die
Yuppie-Interessen zum Ausgangspunkt einer Wohnungsgrößen-Politik
gemacht. Jetzt - gerade einmal 20 Jahre später -zeigt sich, dass die
alleinige Ausrichtung auf Yuppie-Interessen geradewegs in die
Wohnungsnot geführt hat. Dass erst im Zuge der "Flüchtlingskrise"
die Interessen gering verdienender Singles wieder entdeckt werden,
zeigt das Versagen kommunaler Wohnungsbaupolitik nur umso
deutlicher.
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HEINE, Claudia
(2016): Reform der Reform.
Aktuelle Stunde: Die Rente gehört
auf den Prüfstand. Zumindest darin herrschte Einigkeit,
in:
Das Parlament Nr.18-19 v. 02.05.
Claudia HEINE berichtet über eine Aktuelle Stunde auf Antrag der
Linkspartei, in der es um die Armut im Alter ging. HEINE zitiert die
Positionen von Sabine ZIMMERMANN (Die Linke), Karl SCHIEWERLING
(CDU), Markus KURTH (Bündnis 90/Die Grünen) und Martin ROSEMANN
(SPD).
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JAHBERG, Heike
(2016): 10 Dinge, die Sie schon immer über die Rente wissen wollten.
Altersvorsorge - Fragen der Leser: Was bringen die Beiträge,
kann ich auch mehr einzahlen, muss ich mit 65 in Rente?,
in:
Tagesspiegel v. 02.05.
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RULAND, Franz
(2016): Stoppt den Unfug!
Forum: Eine Lebensleistungsrente
wäre ungerecht. Außerdem würde damit die Bereitschaft, vorzusorgen
untergraben,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.05.
Franz RULAND kritisiert die
geplante Lebensleistungsrente als "Sozialhilfe de luxe".
"Wer mit einer Unzumutbarkeit
der Sozialhilfe argumentiert, wertet mit der Sozialhilfe auch
diejenigen ab, die von ihr Leistungen beziehen",
kritisiert RULAND diejenigen, die
mit "verschämter Armut" argumentieren. Außerdem müssten die
"meisten" dennoch zum Sozialamt, wenn sie ergänzend auf Sozialhilfe
angewiesen seien:
"Das ist der Fall, wenn ihnen
wegen besonderer Umstände ein Mehrbedarf zusteht, etwa weil sie
behindert, krank oder alt sind, weil einmalige Erfordernisse (...)
abzudecken sind, weil sie in Regionen mit hohen Wohnungskosten
leben oder weil in ihrem Haushalt Personen leben, die trotz ihrer
Bedürftigkeit keinen Anspruch auf die Lebensleistungsrente haben,
etwa die Ehefrau."
Mit Daten aus dem Jahr 2014
kritisiert RULAND die hohen Kosten im Vergleich zum Kreis der
Adressaten:
"2014 wären es laut
Bundesregierung 66.000 Personen gewesen, die nach 35
Beitragsjahren weniger als 880 Euro Rente erhalten. Ab 2023 sollen
40 Beitragsjahre vorausgesetzt werden, die Zahl der Berechtigten
würde auf 40.000 absinken, danach aber ansteigen."
RULAND sieht das Problem der
Altersarmut dagegen bei speziellen Risikogruppen, die von der
Lebensleistung nicht profitieren würden:
"Langzeitarbeitslose, Personen,
die abwechselnd selbständig tätig und abhängig beschäftigt waren,
Frauen, die viele Kinder erzogen haben, oder Geringverdiener, die
nicht zusätzlich privat vorgesorgt haben."
RULAND kritisiert außerdem, dass
durch die Lebensleistungsrente der Anreiz zur Vorsorge untergraben
würde. Sie Steuerfinanzierung würde aufgrund zu hoher Kosten
scheitern und eine Beitragsfinanzierung würde die Beitragszahler
benachteiligen.
Die Begründung, dass die
Lebensleistungsrente vor allem Vollzeitbeschäftigten zugute kommen
soll, wird als Scheinargument abgetan, weil sich dies mit Daten der
Rentenversicherung gar nicht belegen lässt.
Am Ende plädiert RULAND für
Vorsorgefreibeträge bei der Grundsicherung als weniger
problematische Alternativen.
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PLICKERT, Philip (2016): Ein Volk von
Ökonomie-Analphabeten.
Der
Volkswirt: Forscher schlagen Alarm. Die Mehrheit der Bevölkerung hat
große Wissensdefizite über Ökonomie und Finanzen. Mehr Bildung wäre
nötig. Doch die Schulpolitik bewegt sich quälend langsam,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.05.
Die FAZ macht Eigenwerbung:
Wer Zeitungen liest sei gegenüber Fernsehzuschauern und
Internetnutzern in finanziellen Fragen gebildeter. Ansonsten werden
unverdächtige Fragen zum Faktenwissen der Leser mit einem Plädoyer für
das Schulfach Wirtschaft verbunden, das je nach Schulart in komplexere
wirtschaftliche Zusammenhänge einführt, die nicht immer frei von
Interessenpolitik sind.
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HEßLER, Martina (2016): Zur Persistenz der Argumente im
Automatisierungsdiskurs,
in:
Aus Politik und Zeitgeschichte
Nr.18-19 v. 02.05.
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WELT
AM SONNTAG-Titelgeschichte: Die Neuerfindung der Familie.
Moderne Formen des Zusammenlebens lösen das klassische
Familienmodell zusehends ab. Wie weit wird das noch gehen? Diese
Debatte wird heftiger denn je geführt |
PETERS, Freia
(2016): Welche Familie soll's denn sein?
Ehe: Familie ist ein weites Feld,
auf dem mehr blüht als die Patchworkfamilie. Der Multimillionär
Nicolas Berggruen, zurzeit Single, etwa ließ sich gerade von zwei
Leihmüttern je ein Kind austragen - und sieht sich als "ihr Vater
und ihre Mutter". Und das ist erst der Anfang,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 01.05.
Freia PETERS
berichtet über geplante Änderungen der deutschen Gesetze, die
bislang noch die Anwendung von reproduktionsmedizinischen
Verfahren in Deutschland verhindern.
Während die Embryonenspende und
die Eizellspende erlaubt werden könnte, soll die Leihmutterschaft
in Deutschland zwar weiterhin verboten bleiben, aber aufgrund
eines BGH-Urteils könnten Männer, die ihre Kinder im Ausland von
Leihmüttern austragen lassen, hierzulande als Vater anerkannt
werden.
PETERS zitiert zwei Experten
zum Thema: Tobias HELMS und Christiane WOOPEN, die beiden Mitglied
im Arbeitskreis des Justizministeriums sind, das sich mit Fragen
einer Lockerung der deutschen Gesetze beschäftigt. HELMS geht
aufgrund des BGH-Urteils davon aus, dass der
"Leihmutterschaftstourismus" nach den USA, Indien und Osteuropa
zunehmen wird.
BERNER, Sanna-Sofia/KAMANN, Matthias/LEHNARTZ,
Sascha (2016): Mutter, Vater, Kind.
... und sie ist eine züchtige
Hausfrau. Das ist das Ideal, das die AfD auf ihrem Parteitag
vertritt. Die böse Genderforschung soll verschwinden,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 01.05.
Es ist noch
nicht lange her, da vertrat die Welt das gleiche Weltbild,
das nun bei der AfD kritisiert wird. Dafür stehen Seitenwechsler
wie Karl ADAM. Davon liest man in dem Artikel jedoch nichts.
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GREIVE, Martin & Holger ZSCHÄPITZ (2016): Nicht mal die Betriebsrente
ist sicher.
Altersarmut: Die Arbeitsministerin
präsentiert eine neue Idee zur betrieblichen Vorsorge. Doch das
Grundproblem wird die Nahles-Rente nicht lösen,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 01.05.
Eine Debatte über die Reform der
betrieblichen Altersversorgung ist den Neoliberalen bequem, denn es
legt den Fokus auf die private Altersvorsorge und stärkt auf keinen
Fall die gesetzliche Rente.
"Der Ruf der Rente ist so schlecht
wie nie. Den gesetzlichen Zweig nimmt seit Jahren niemand mehr ernst",
erklären uns GREIVE & ZSCHÄPITZ.
Hat nicht Karsten SEIBEL in der Welt schon
im Februar das
Comeback der gesetzlichen Rente gefeiert, weil deren Renditen jene der
privaten Altersvorsorge um Längen schlagen? Und von welcher Mehrheit
sprechen die Autoren, wenn sie die gesetzliche Rente schlecht reden?
Von der Meinungshoheit der Neoliberalen in der veröffentlichten
Meinung?
"Schon heute ist die betriebliche
Altersvorsorge (BAV) eine wichtige Stütze des Systems. In Deutschland
gibt es rund 15 Millionen Verträge. Seit der Reform von 2002, die
jedem Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf betriebliche
Altersvorsorge brachte, hat sich die Zahl fast verdoppelt. Jeder
zweite Angestellte in der Privatwirtschaft bekommt im Alter seine
gesetzliche Rente durch Geld seines ehemaligen Arbeitgebers
aufgebessert",
erklären uns GREIVE & ZSCHÄPITZ.
Was verstehen die Autoren unter "durch Geld seines ehemaligen
Arbeitgebers aufgebessert"? Verpflichtet ist seit 2002 der Arbeitgeber
nur zur Entgeltumwandlung. Dies als Aufbesserung durch den Arbeitgeber
zu bezeichnen wäre eine Frechheit. Thomas ÖCHSNER schreibt dazu in der
gestrigen SZ:
"Arbeitgeber sind (...) seit 2002
verpflichtet, vier Prozent des sozialversicherungspflichtigen Gehalts
(oder derzeit 2976 Euro im Jahr) in eine Anwartschaft auf eine
betriebliche Altersvorsorge umzuwandeln, wenn dies der Mitarbeiter
wünscht."
Die Folgen einer solchen
Entgeltumwandlung sind jedoch, dass der Arbeitgeber dadurch
Sozialabgaben und Steuern spart, was die spätere Rente mindert, weil
weniger Beiträge in die Rentenkasse fließen. Matthias W. BIRKWALD von
der Linkspartei kritisiert deshalb die betriebliche Altersvorsorge.
ÖCHSNER schreibt dazu:
"Um diesen Nachteil auszugleichen,
sollte der Arbeitgeber zumindest die Beiträge, die er bei diesem
Verfahren spart, in die Altersvorsorge des Arbeitnehmers stecken."
Das jedoch tut nicht jeder
Arbeitgeber freiwillig. GREIVE & ZSCHÄPITZ unterschlagen in diesem
Zusammenhang diesen Aspekt, der eine Schwächung der gesetzlichen Rente
darstellt. Erst im Zusammenhang mit der geplanten Reform der
betrieblichen Altersversorgung wird deutlich, dass die Arbeitgeber
möglichst sparen wollen:
"Ein verpflichtender
Arbeitgeberzuschuss soll die Attraktivität erhöhen. Der müsste noch
nicht mal höhere Kosten mit sich bringen. Die Rentenbeiträge nehmen
die Beschäftigen aus dem Bruttogehalt, es fallen auch keine Beiträge
für die Sozialversicherungen an. Davon profitieren auch die
Arbeitgeber, die diesen Vorteil an die Beschäftigten weitergeben
können."
Daraus wird klar, was weiter oben
mit "Aufbesserung" gemeint ist: allein die Entgeltumwandlung zu Lasten
der Arbeitnehmer und der gesetzlichen Rente. Zahlen wie viele
Arbeitgeber bislang einen freiwilligen Zuschuss leisten, bleiben die
Autoren - wie auch ÖCHSNER - schuldig.
Fazit: Die Debatte um die
Betriebsrente wird in erster Linie unter interessenpolitischen
Gesichtspunkten der Unternehmer und der Umsteuerung auf die
Kapitaldeckung geführt. Mittels Verpflichtung bzw. Opt out-Modell
("sanfter Zwang") soll die Verbreitung der privaten Altersvorsorge
erhöht werden. Ob dies zur Verbesserung der Rentensituation der
Arbeitnehmer führt, spielt dagegen so gut wie gar keine Rolle. Dies
spiegelt auch die
Sichtweise
des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministeriums
wieder: Schuld sind nicht die Rentenreformen, sondern die
Beschäftigten, die nur unzureichend sparen.
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STELTZNER,
Holger (2016): Alt gegen Jung.
Mit
falschen Zahlen und fragwürdigen Behauptungen heizen Politiker den
Generationenkonflikt an. Kann der SPD-Vorsitzende mit einem Wahlkampf
Alte gegen Junge den Niedergang der Sozialdemokratien stoppen?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.05.
Holger STELTZNER empfiehlt der SPD die Agenda 2010 zu lieben, statt
auf Umverteilung zu setzen. Ansonsten ist das eher ein Leitartikel,
der nicht als solcher gekennzeichnet ist. Mit Schlagwörtern wie
"demographische Falle" oder "Generationengerechtigkeit" soll eine
offene Zukunft als vorherbestimmt skizziert werden. Statt einer
Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, von der
sowieso keiner weiß, ob sie wahr ist, plädiert STELTZNER für die
Flexi-Rente und das Capuccino-Modell.
Wie schon von anderen in der
FAZ und der Welt wird eine Berechnung des IVFP zur
Schönrechnung der Riester-Rente zitiert. Während
die Welt von einer geplanten Senkung des
Garantiezinses auf 0,9 Prozent spricht, weist STELTZNER auf die
Rendite von Altverträgen hin. Altersarmut sei ein Phantom, das erst
für die nachwachsende GenerationEN von Bedeutung sei:
"Generationen, die zu einer Zeit in
Rente gehen werden, in der auf einen Ruheständler nur noch zwei
Beitragszahler kommen statt heute drei."
Wann dies sein wird, verrät uns
STELTZNER nicht. Vielleicht sollte man die FAZ der letzten
Jahrzehnte durchforsten, um herauszubekommen, für welches Jahr dies
prophezeit war. Möglicherweise für das Jahr 2000?
Wie schon
Dietrich CREUTZBURG greift STELTZNER auf den
Rentenversicherungsbericht 2015 zurück, um die Angst vor Altersarmut
als unbegründet erscheinen zu lassen.
STELZNER zeichnet das Bild einer
Rentnerdemokratie bzw. Gerontokratie, um den Rentenwahlkampf zu
erklären:
"Die 68er sind schon im Ruhestand,
bald folgen die Babyboomer. Zur Bundestagswahl im nächsten Jahr
könnten mehr als 20 Millionen Rentner ihre Wünsche addieren, die
Jüngere finanzieren sollen."
Aber vielleicht setzen ja gerade
die Jüngeren auf eine höhere gesetzliche Rente, was angesichts der
Rendite der privaten Altersvorsorge durchaus verständlich wäre. Statt
jedoch die gesetzliche Rente zu stärken, setzt STELTZNER auf die
Schwächung, indem er Einheimische gegen Zuwanderer ausspielt:
"Natürlich gibt es vom Staat die
Grundsicherung als Mindestrente. Doch diese steht allen Bedürftigen
zu, etwa auch Einwanderern, die nie ins Sozialsystem eingezahlt haben.
Wer gearbeitet und Sozialbeiträge bezahlt hat und dann trotzdem nicht
mehr bekommt, hält das nicht für fair."
Mit diesem Argument, aber mit
anderer Klientel argumentiert die taz
gegen Grundsicherung im Alter. STELTZNER will dagegen die private
Altersvorsorge (ob Riester-Rente oder Betriebsrente) stärken, wobei er
hauptsächlich die Unternehmen im Blick hat: Die Garantiekosten sollen
weg.
"Es ist kein Zufall, dass
Sozialpolitiker ein aus Beiträgen finanziertes Rentensystem erst mit
versicherungsfremden Leistungen überfrachtet haben, um danach einen
guten Teil der gesetzlichen Rente aus Steuermitteln zu finanzieren.
Politisch betrachtet haben sie damit so etwas wie ein
Selbstbedienungssystem geschaffen, in dem sie nach Belieben Rente
gegen Kita, Pflege gegen Bildung oder Alt gegen Jung ausspielen
können",
erklärt uns STELTZNER die
Interessen der Politiker. Wer aber erklärt uns die Interessen der
Unternehmer?
Zum Schluss polemisiert STELTZNER
gegen Beamte und ihre Pensionen.
Vergisst aber
seinen hochgelobten Pensionärsclub. Ob er dem auch die Pensionen
kürzen würde? Außerdem hat er zwar weiter oben
aus SCHÄFERS
Artikel die Klage über die "Versteinerung" des Bundeshaushalts
zitiert, aber offenbar nicht die Passagen zur Beamtenversorgung
gelesen. Hier heißt es also Nachsitzen!
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BOLLMANN, Ralph & Rainer HANK (2016): Herr Schäuble
erzählt vom Aufstieg.
"Mir war
klar, dass es einen Abstand zu den Reichen gibt", sagt Wolfgang
Schäuble und mokiert sich über die Luxussorgen der Mittelschicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.05.
Zuerst wird Wolfgang SCHÄUBLE zum Aufsteiger
stilisiert. Dass er aus einer Politikerfamilie stammt wird dabei
jedoch unterschlagen. Hinsichtlich des Armutsbegriffs plappert
SCHÄUBLE genau das nach, was man schon die ganze Zeit in der FAZ
lesen konnte (oder ist es umgekehrt?), d.h. der relative Armutsbegriff
wird kritisiert und nur die absolute Armut ist "wahre" Armut.
SCHÄUBLE kritisiert "Exzesse in der
Außendarstellung". Bereits der Soziologe Thorstein VEBLEN hat um 1900
solche Exzesse den Neureichen zugeschrieben und kritisiert. In dieser
Sicht ist nicht das hohe Einkommen das Problem, sondern nur dessen
Sichtbarkeit.
SCHÄUBLE schreibt die steigende
Lebenserwartung allein dem medizinischen Fortschritt zu, während
Sozialwissenschaftler im milieuspezifischen Lebensstil den Hauptfaktor
sehen.
Bei den Renten beklagt SCHÄUBLE
lediglich den fehlenden Abstand zwischen der Grundsicherung im Alter,
die jedem zusteht und jenen, die durch Kindererziehung und Arbeit eine
Gegenleistung erbracht hat. Nicht bei den Jungen, sondern bei den
gegenwärtigen Rentnern sieht SCHÄUBLE ein Gerechtigkeitsproblem
bestehen:
"Das Problem besteht doch darin,
dass heute vor allem viele Frauen im Alter eine niedrige Rente haben,
auch wegen veränderter Familienstrukturen: Wenn eine Frau nur von
ihren eigenen Beiträgen ihre Rente bestreiten muss, dann reicht das
oft nicht sehr weit gerade bei der Generation, die jetzt schon in
Rente ist."
Die Niedrigzinsphase sei kein
Problem, erklärt uns SCHÄUBLE, weil es auch früher schon Phasen gab,
in denen der hohe Zins von der hohen Inflation neutralisiert wurde.
Wie schon der Soziologe Heinz BUDE
in seinem aktuellen Buch erklärt uns SCHÄUBLE die Stimmungsdemokratie,
in der nicht Fakten, sondern subjektives Empfinden zählen.
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DOSSI, Piroschka & Rober K. WEIZSÄCKER (2016):
Parade der Ungleichheit.
Wie
ungleich es zugeht, mehr man erst, wenn man Geld in Körpergröße
übersetzt. Eine phantastische Erzählung,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.05.
NIENHAUS, Lisa (2016): Ganz oben, ganz unten.
Im
Hochhaus leben alle Schichten der Gesellschaft zusammen: oben der
Millionär, unten der Habenichts. Ein Ortstermin in Köln,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.05.
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LEMBKE, Judith (2016): Das Land von übermorgen.
Wie die
Deutschen in 30 Jahren wohnen, weiß keiner. Aber man kann ja mal
darüber spekulieren,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.05.
Man stelle sich vor, wie uns unsere
Zukunftsforscher an die Wand gefahren hätten, die 1980 für das Jahr
2020 geplant hätten! Nun stellt uns Judith LEMBKE die Zukunftsvisionen
des Jahres 2050 vor, die auf dem Projekt Baukulturatlas Deutschland
2030/2050 beruhen. Drei Szenarien hat man sich dort ausgedacht: das
geschrumpfte Netzland mit 65 Millionen Einwohnern, das
energiegebeutelte Wattland und das auf 85 Millionen gewachsene
Integralland, das LEMBKE als "Öko-Diktatur der Gutmenschen" abwertet.
LEMBKE erklärt uns, dass sich zwar
die Bevölkerung einmal in 40 Jahren austauscht, aber die gebaute
Umwelt länger stehen bleibt. Die Demografie dagegen erklärt uns, dass
uns die Bevölkerung länger erhalten bleibt und deshalb die Zukunft
heute schon feststeht. Egal mit welcher Zukunft wir uns befassen. Sie
ist immer die Zukunft unserer Gegenwart, die linear fortgeschrieben
wird. Das Projekt, soll dafür sorgen, dass Kommunen heute schon die
Weichen stellen können für morgen. Kommunen können jedoch noch nicht
einmal die Weichen fürs nächste Jahr richtig stellen. Das zeigt nicht
nur die Flüchtlingskrise, sondern Bankenkrise, Ölpreisentwicklung oder
der Bedarf an Kitas. Will man also mittels Zukunftsforschung vor dem
eigenen Versagen in der Gegenwart flüchten?
LEMBKE erklärt uns deshalb die
Ziele auch nur an jenem Beispiel, das uns im letzten Jahrzehnt als
unsere darwinistische bzw. neoliberale Zukunft ausgemalt worden ist:
"in einer schrumpfenden
Gesellschaft nicht zu den demographischen Verlierern zu gehören,
sondern im Wettbewerb um Fachkräfte möglichst vorne mitzuspielen."
Schon der Begriff Gesellschaft ist
in diesem Kontext falsch, denn lediglich Bevölkerungen können
schrumpfen. Es zeigt jedoch bis in die Wortwahl hinein wie weit uns
die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme bereits zur
unhinterfragten Selbstverständlichkeit geworden ist, wenn uns dies
nicht mehr auffällt.
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EUL, Alexandra (2016): Sie ist wieder da!
Die Hausfrau. Die Volltagsmutter.
Die Stillende
in:
Emma,
Mai/Juni
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OXI (2016): Rente zum Leben. Rente zum Überleben.
Drei Schlaglichter.
Die Renten 1: Kurswechsel wegen
Negativzinsen; Die Renten 2: Was die Jungen wollen und die Manager
kriegen; Die Renten 3: Wie die Finanzindustrie Riester schuf,
in:
OXI,
Mai
OXI nennt sich eine Monatszeitung, die Wirtschaft
für Gesellschaft verspricht und uns das
oxiblog
empfiehlt. Zum Thema Rente findet sich dort nur ein einziger
Artikel vom 2. Mai. Die Zeitung will gemäß Editorial
"über ökonomische Zusammenhänge
aufklären, die herrschenden Erzählungen infrage stellen und über
Alternativen informieren."
Werden dem die Schlaglichter zur
Rente gerecht?
"Wenn die Riester-Rente kippt
oder es nun einen Kurswechsel der regierenden Politik zugunsten
der gesetzlichen Rente gibt, dann ist das den Negativzinsen zu
verdanken. Die verleihen der bisher weitgehend erfolglosen Kritik
am Rentensystem seit einigen Wochen Flügel. Weil bei Null- oder
gar Negativzinsen jeder merken muss, dass private Vorsorge, wenn
überhaupt, dann nur als Schönwetterveranstaltung funktioniert",
wird uns Hoffnung auf eine
Stärkung der gesetzlichen Rente gemacht. Tatsächlich gibt es jedoch
nur eine einzige gewichtige Ökonomen-Stimme, die das fordert:
Peter BOFINGER. Dass die Negativzinsen der Kritik an der
privaten Altersvorsorge Flügel verleiht, kann keine Rede sein. Die
Mainstream-Presse ist sich ziemlich einig: die Stärkung der
gesetzlichen Rente muss unter allen Umständen verhindert werden.
"Es gibt heute etwa 16,5
Millionen Rister-Verträge. Der Steuerzahler hat sie seit 2002 mit
rund 25 Milliarden Euro gefördert",
wird kritisiert. Dieses Argument
ist noch in keiner einzigen Mainstream-Zeitung als Gegenargument
genannt worden.
"Die IG Metall hat das Institut
TNS Infratest eine repräsentative Umfrage machen lassen. Das
Ergebnis: 48 Prozent der befragten 18 bis 34-Jährigen glauben
nicht, dass sie von ihrer »gesetzlichen Rente später gut leben
können«. Und deshalb stimmen über 70 Prozent der Aussage zu: »Für
eine höhere gesetzliche Rente wäre ich mit höheren Beiträgen
einverstanden«",
heißt es unter Renten 2.
In den Mainstream-Zeitungen werden dagegen nur Umfragen der
Finanzdienstleister zitiert, die auf eine Stärkung der privaten
Altersvorsorge abzielen. Es reicht also nicht einfach nur andere
Studien zu zitieren. Analyse würde bedeuten, die in den
Mainstream-Zeitungen kursierenden Zahlen auseinander zu nehmen und
die Interessengebundenheit aufzuzeigen.
"Michael Hartmann,
Reichtumforscher, geht in seinem Buch
»Soziale Ungleichheit - Kein Thema für die Eliten?« davon aus,
dass die 30 Dax-Konzerne für die Pensionen ihrer Vorstände, Stand
2013, etwa 580 Millionen Euro zur Seite gelegt haben",
wird uns weiter erzählt. Was dies
bedeutet wird uns nicht erklärt, offenbar hält man uns für
Überzeugte, die nur nach Bestätigung verlangen, aber nicht
aufgeklärt werden wollen.
Unter Renten 3 wird uns
das Buch
Lobbyismus und Rentenreform von Diana WEHLAU aus dem Jahr
2009 empfohlen, das sich mit der Durchsetzung der Riester-Reform
beschäftigt. Für die aktuelle Rentendebatte gibt es jedoch keinen
Buchtipp, sondern man muss bis zur Seite 20 blättern, um weitere
Buchtipps zu finden, die hier weiterführen. Dort wird das Buch
Sprache der Geldelite von John LANCHESTER, das Buch
Gute-Macht-Geschichten von Daniel BAUMANN & Stephan HEBEL
sowie das Blog des Ökonomen Heiner FLASSBECK empfohlen.
Fazit: Insgesamt eher mager, was
die Rentendebatte betrifft. Diese ernsthafte Alternative ist erst im
Aufbau begriffen. Bis diese jedoch entstehen und Wirkung entfalten
kann, sind möglicherweise schon Fakten geschaffen, die sich nicht
mehr rückgängig machen lassen. Jede weitere Stärkung der privaten
Altersvorsorge schwächt die gesetzliche Rente!
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HOHENSEE, Thomas & Renate GEORGY (2016):
Geschiedene Leute.
Wenn eine Beziehung endet, ist das
eine der stressreichsten Situationen im Leben eines Paares. Dennoch
schaffen es manche, ohne großes Drama auseinanderzugehen. Was machen
sie anders?
in:
Psychologie Heute,
Mai
Auszug aus dem Buch Zufrieden geschieden von
HOHENSEE & GEORGY.
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SAUM-ALDEHOFF, Thomas (2016): Ich finde mich prima.
Sie stellen sich selbst in den
Mittelpunkt und haben kein Ohr und kein Herz für die anderen: Extreme
Narzissten sind eine Plage. Doch zu einem gewissen Grad sind wir fast
alle narzisstisch. Wir sind von uns eingenommen, halten uns für
besser, als wir tatsächlich sind. Und das ist gut so!
in:
Psychologie Heute,
Mai
Im Jahr 1979 erschien das Buch
The Culture of Narcissm von Christopher LASCH (auf deutsch als
Das Zeitalter des Narzissmus erschienen). Eine Generation
später ist nun der Wandel des Wertewandels vollzogen: aus einer als
abweichende Persönlichkeit eingestufte Verhaltensweise ist längst der
Mainstream einer neoliberalen Persönlichkeit geworden. Thomas
SAUM-ALDEHOFF stellt uns diesen neuen Blick auf den Narzissmus vor.
Die vom Neoliberalismus geforderte Selbstvermarktung erscheint in
dieser psychologisierenden Sicht als "gesundes Selbstwertgefühl". Die
Frage was Tests überhaupt messen, stellt sich in dieser Sicht gar
nicht. Selbstdarstellung wird mit Persönlichkeitsmerkmal bzw.
Charaktereigenschaft gleichgesetzt. Aber ist Selbstdarstellung
gleichzusetzen mit Selbstüberschätzung? Und wie ist beides voneinander
zu trennen?
Wurde Ende der 1970er Jahre
Narzissmus als pathologische Entwicklung eingeschätzt, wird heutzutage
der Mangel an Narzissmus pathologisiert:
"Mangel an Narzissmus. Malkin nennt
Personen dieses Typus »Echoisten«, benannt nach der scheuen Bergnymphe
Echo (...). Sie kann nur nachplappern, was andere sagen."
Wer Selbstvermarktung und
Selbstdarstellung damit verwechselt, eine eigene Meinung zu haben, der
muss zwangsläufig in introvertierten bzw. schüchternen Menschen nur
den Mitläufer sehen. Eine solche Sichtweise sagt aber viel über den
heutigen neoliberalen Zeitgeist aus. Die Frage stellt sich angesichts
von Finanz- , Euro- und noch kommenden Krisen, inwiefern dieses
neoliberale bzw. narzisstische Zeitalter seinen Zenit längst
überschritten hat und ein erneuter Wandel des Wertewandels längst
begonnen hat.
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ZEPTER, Nicole (2016):
Editorial,
in: Neon, Mai
Die Zeitschrift Neon steckt
tief in der Krise! Bereits die zweite Layoutänderung in kurzer Zeit.
Vielleicht sollte man die Zeitschrift begraben, bevor sie ein
unrühmliches Ende nimmt.
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BUCHHOLZ, Jenny (2016): Ehrliche Kontaktanzeigen,
in: Neon, Mai
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 25. -
30.
April 2016
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Bitte beachten Sie:
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[ Homepage ] |
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