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News vom
01. - 03. April 2016
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Zitat
des Monats:
Der Geburtenrückgang in Deutschland wurde in erster Linie durch
den Rückgang von Frauen mit drei und mehr Kindern verursacht
"Deutschland
ist durch die Kombination aus
hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil
Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs
kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des
Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären
(Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte:
Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen
Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war
später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die
Kinderlosigkeit der dominierende Faktor".
(Martin Bujard & Detlev Lück
"Kinderlosigkeit und Kinderreichtum", 2015, S.41)
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WAGNER, Gert G.
(2016): Die Mär von der bröckelnden Mittelschicht.
Immer mehr Menschen werden in
prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt, heißt es. Das Horrorszenario hat
nur einen Haken: Die Statistik gibt das schlicht nicht her,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.04.
Gert G. WAGNER beginnt mit einer
ungewöhnlichen Darstellung von Ulrich BECKs
Risikogesellschaft. Diese interpretiert er nicht wie üblich
als zunehmende
Individualisierung, sondern als Verschwinden der
gesellschaftlichen Mitte.
WAGNER baut also einen Popanz auf,
dem zwar kein realer Ansatz der soziologischen Ungleichheitsforschung
entspricht (WAGNER nennt deshalb auch keinen einzigen Soziologen, dem
er diesen Ansatz unterstellt! Wem auch?), den er dann aber umso besser
bekämpfen kann.
Es wird aber noch absurder: Die
gesellschaftliche Mitte wird nicht über die Einkommensverteilung oder
Schichten bzw. Milieus definiert, sondern durch den Sammelbegriff
"Arbeitnehmer", den WAGNER zudem nicht erläutert. Werden dadurch also
auch ungelernte Arbeiter zur Mitte dazugezählt, was zwar dem Begriff
"Arbeitnehmer", aber nicht dem Begriff "Mitte" oder gar
"Mittelschicht" entspräche?
Die Zunahme prekärer
Beschäftigungsverhältnisse wird durch Umdefinition des
NORMALarbeitsverhältnisses (das in der Nachkriegszeit sowieso meist
nur der männlichen Erwerbstätigkeit entsprach) in
VollZEITarbeitsverhältnisse wegdefiniert:
"Um diese Frage zu beantworten,
muss man die Erwerbstätigen auf alle Erwerbsfähigen beziehen. Nur wenn
der Anteil der Vollzeiterwerbstätigen an allen potentiell
erwerbstätigen Menschen geringer wurde, kann man von einer Verdrängung
der normalen Arbeit durch andere Beschäftigungsformen sprechen."
Die potentiell Erwerbstätigen
definiert WAGNER als 18- bis 67-Jährige, obwohl die Rente mit 67 erst
nach der Jahrtausendwende eingeführt wurde. Betrachtet wird dagegen
der Zeitraum von 1984 - 2013. Der Anfangszeitraum ist durch die
Datenbasis (SOEP) vorgegeben und muss deshalb nicht theoretisch
hergeleitet werden, was WAGNER in Erklärungsnöte bringen würde.
Die danach versprochene nähere
Betrachtung fällt dann ausgesprochen vage aus:
"seit 1984 (lebt) in der Gruppe der
erwerbsfähigen Haushalte (einschließlich derer Kindern) zu etwa 70
Prozent mindestens ein Arbeitnehmer in einem normalen
Beschäftigungsverhältnis".
Weder wird der Begriff
"Arbeitnehmer" (siehe oben) noch der Begriff "normales
Beschäftigungsverhältnis" definiert. Hinzu kommt, dass durch den
Anstieg der Einpersonenhaushalte, in denen weit öfters Erwerbstätige
zu finden sind als in anderen Haushalten, die Sichtweise noch weiter
verzerrt wird. Das war jedoch nicht der Absurditäten Ende. Es kommt
noch schlimmer:
"Es stimmt zwar (...), dass die
realen Brutto- und Nettoeinkommen der breiten »Arbeitnehmermitte«
(...) seit Beginn der 90er Jahre bis in die jüngste Zeit stagnieren.
Diese Stagnation ist aber eine andere Geschichte."
Mit diesen Taschenspielertricks
führt WAGNER die Ungleichheitsforschung elegant ad absurdum. Ein
Lehrbeispiel aus dem Kapitel Glaube keiner Statistik, die du nicht
selbst gefälscht hast!
Wer behauptet eigentlich das
Verschwinden der Mittelschicht? Das macht nicht einmal die
Schlagzeile, die von "bröckelnder Mittelschicht" spricht! Hätte sich
WAGNER mit real existierenden soziologischen Ansätzen
auseinandersetzen müssen, wären diese Taschenspielertricks sofort
aufgeflogen.
Lehrreich ist dieser Artikel auf
alle Fälle, denn er zeigt, dass es in der Wissenschaft immer auf die
verwendeten Begriffe bzw. Operationalisierungen, den betrachteten
Zeitraum und die Indikatoren ankommt.
Wie aber kommt Gert G. WAGNER zu
diesen absurden Behauptungen? Dazu muss man das Gutachten
Zur anhaltend prägenden Rolle des Normalarbeitsverhältnisses auf dem
deutschen Arbeitsmarkt von WAGNER u.a. für die IG Bergbau,
Chemie, Energie heranziehen. In Gutachten geht es nicht um seriöse
Wissenschaft sondern um Politik, weshalb dies auch nicht im Namen des
DIW geschieht, sondern nur dessen Consulting-Unternehmen. Dies wird im
FAS-Artikel wohlweislich verschwiegen. Zur Stoßrichtung der
Kritik heißt es in dem Gutachten:
"Folgt man dem politischen
Feuilleton, so stirbt die Mittelschicht aus und die prekäre
Beschäftigung wird mehr und mehr zur Norm. Dieser »empirische Befund«
beruht auf der Erfindung der »Risikogesellschaft« durch den Soziologen
Ulrich Beck (1986). Er glaubte in den 80er Jahren diagnostizieren zu
müssen, dass mit dem Ende der Vorherrschaft industrieller Produktion,
die für den Einzelnen durch Sozialstaat und Gewerkschaften geformten
geordneten ökonomischen Rahmenbedingungen immer mehr an Bedeutung
verlieren und zu einer Risikogesellschaft geführt hätten. Der Prozess
schien naturgesetzlich vorgezeichnet zu sein (o. V. 2007, 2008)."
Gert G. WAGNER zitiert also nicht
wie im FAS-Artikel suggeriert, Ulrich BECKs These von der
Risikogesellschaft, sondern die Sichtweise aus nicht namentlich
gezeichneten Beiträgen. Schaut man sich das Literaturverzeichnis an,
dann stellt man erstaunt fest, dass sich WAGNER hier auf zwei Artikel
der FAZ bezieht: Die Mittelschicht rutscht nicht ab (FAZ
04.03.2007) und eine AP-Meldung McKinsey warnt vor Verfall
der Mittelschicht (FAZ 04.05.2008).
Haben wir es hier also mit einem
zeitungsinternen Machtkampf zwischen Wirtschaftsteil und dem
politischen Feuilleton der FAS/Z, das in besagter Zeit von
Frank SCHIRRMACHER geleitet wurde, zu tun?
Es wird jedoch noch viel
vertrackter: In dem FAZ-Artikel
Die Mittelschicht rutscht nicht ab wird über eine Studie der
Herbert-Quandt-Stiftung berichtet, die von dem Historiker Paul NOLTE
und dem Ökonom Martin WERDING durchgeführt wurde - beides also keine
Soziologen und der Begriff "Risikogesellschaft" findet sich ebenfalls
nicht in dem Artikel. Der Artikel bezieht sich auf die Studie
Zwischen Erosion und Erneuerung vom März 2007, in der sich der
Begriff "Risikogesellschaft" nur im Literaturverzeichnis findet. In
der Studie wird an folgenden Stellen auf das Buch
Risikogesellschaft von Ulrich BECK eingegangen:
"Die »Individualisierung« der
westlichen Gesellschaften, nicht zuletzt auch der Bundesrepublik
Deutschland, ist seit den 1980er Jahren zu einem populären Schlagwort
der Soziologie geworden" (2007, S.71)
"Mit dieser Tendenz zur
Selbstverwirklichung rückt für den Soziologen Ulrich Beck die
Individualisierung, also das »Selbstgestaltungspotenzial, das
individuelle Tun« in den Vordergrund. Denn Massenwohlstand,
Bildungsexpansion, zunehmende Mobilität und der Ausbau des
Sozialstaates hatten insgesamt bessere Lebensbedingungen für die
Menschen mit sich gebracht. Dies führte nach Ulrich Beck dazu, dass
sich die Einzelnen aus der bisherigen Einbindung in Familie, Gemeinde
und soziale Schicht mehr und mehr lösten. (...). Die soziale
Einbindung erfolge zunehmend über neue nicht-familiale und
nicht-institutionalisierte Vergesellschaftungsformen wie persönliche
Netzwerke und soziale Bewegungen. Die Zugehörigkeit zu diesen
Gruppierungen dauere nicht länger lebenslang, sondern nur noch
zeitweilig und sei revidierbar, genauso wie der Lebensstil. Dies
vermehre die individuelle Freiheit, aber auch die Risiken des
Scheiterns. (2007, S.197)
Wie eingangs bereits festgestellt:
Das Buch Risikogesellschaft wird mit Individualisierung, aber
nicht mit dem Verschwinden der Mittelschicht in Verbindung gebracht.
Das Verschwinden der Mittelschicht wäre eine empirische Frage und
keine zwangläufige Folge der Individualisierung wie WAGNER suggeriert.
Betrachtet man den zweiten von
WAGNER zitierten Artikel
McKinsey warnt vor Verfall der Mittelschicht, dann
findet man auch dort nicht den Begriff "Risikogesellschaft", sondern
einen Hinweis auf die Studie Deutschland 2020 der
Unternehmensberatung McKinsey, die sich nicht auf die Vergangenheit,
sondern auf die zukünftige Arbeitsmarktentwicklung bezieht. Am Schluss
der Meldung wird jedoch auf eine Studie des DIW - also WAGNERs
Arbeitgeber - hingewiesen, die eine Schrumpfung der Mittelschicht
konstatiert! Es waren also Ökonomen und nicht Soziologen, die WAGNER
hier angreift. Auch hier bestätigt sich also, dass WAGNER einen Popanz
aufgebaut hat, der gar nicht in der beschriebenen Weise existiert.
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FAS (2016): Das Wörterbuch der neuesten Rechten.
Es ist etwas in Bewegung geraten in
der deutschen Diskurslandschaft. Begriffe laden sich neu auf,
Bedeutungen verschieben sich, aus harmlosen Wörtern werden
Kampfbegriffe. Das Bedürfnis nach klaren Abgrenzungen führt zu
verstärkten Einsätzen in der semantischen Kampfzone. Wenn Publizisten
und Politiker im rechten Milieu und an dessen Rändern Begriff
umcodieren, ist das kein akademisches Sprachspiel. Es geht dabei um
Deutungshoheit. Wir haben deshalb Begriffe gesammelt, die im rechten
Diskurs eine prominente Rolle spielen. Einige haben klaren
Signalcharakter, manche wirken unverfänglich, andere wieder schillern
vieldeutig. Nicht jeder, der einen dieser Begriffe verwendet, ist
automatisch "rechts". Es ist sehr viel komplizierter. Und genau das
sorgt für Verwirrung. Ein Klärungsversuch,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.04.
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WELT
AM SONNTAG-Titelgeschichte: Warum Perfektion die Beziehung
ruiniert.
Alle sehnen sich nach einer stabilen Partnerschaft. Doch immer
weniger Menschen gelingt das. Schuld ist der fatale Trend zur
Selbstoptimierung |
JIMENÉZ, Fanny
(2016): Bedingt beziehungsfähig.
Eine ganze Generation sehnt sich
heute nach einer engen, stabilen Bindung. Aber den meisten fällt es
schwer sich auf einen Partner einzulassen. Denn der muss das eigene
Ich beflügeln, zunehmend perfekt sein und ins Lebenskonzept passen.
Ist die Liebe noch zu retten?
in:
Welt am Sonntag v. 03.04.
Fanny JIMENÉZ versucht den Erfolg
des Buches Generation beziehungsunfähig von Michael NAST zu
erklären, das insbesondere die Sicht der Frauen widerspiegelt.
Ausgehend von der küchenpsychologischen Sicht des Autors und der
Projektionen der Leserschaft:
"Extrem viele Leute halten
sich oder ihr Umfeld für beziehungsunfähig"
vertritt der Artikel die
zeitgeistige These vom Optimierungswahn, die inzwischen in den
Medien die Individualisierungsthese als Hauptperspektive verdrängt
hat.
JIMENÉZ stellt die Sicht des
Persönlichkeitspsychologen
Franz NEYER dar, der das Etikett "Single-Gesellschaft" ablehnt
und stattdessen das Single-Dasein lediglich als Lebensphase, aber
nicht als dauerhaften Lebensstil betrachtet. Die Bindungstheorie,
die auf den Kinderpsychiater John BOWLBY zurückgeht, wird anhand
einer simplen Vierfelder-Typologie der Bindungsstile von Kim
BARTHOLOMEW & Leonard M. HOROWITZ vorgestellt. Dieser Ansatz geht
von der grundsätzlichen Bindungsfähigkeit aus, weshalb die
Schlagzeile des Artikels Bedingt beziehungsfähig statt
beziehungsunfähig lautet. Erst schlechte Erfahrungen in der
Kindheit (z.B. durch einen falschen Erziehungstil) führen zu
Abweichungen vom ideal angesehenen sicheren Bindungsstil.
Küchenpsychologisch wird der Begriff beziehungsunfähig
gerne als Synonym für Narzissmus oder Angst vor Nähe gebraucht. Im
Schaubild der Vierfelder-Typologie würde das dem abweisenden bzw.
ängstlichen Bindungsstil entsprechen.
Mit Hinweis auf die
Psychoanalytikerin Benigna GERISCH wird ein gesellschaftlicher
Wandel beschrieben, wonach das trostlose Geliebtendasein in
unserer Scheidungsgesellschaft vom depressiven Mann abgelöst
wurde, den man sich als
typische HOUELLEBECQsche Romanfigur vorstellen kann:
ausgetauscht durch einen reicheren und schöneren Mann in der
Winner-takes-it-all-Gesellschaft.
Zuletzt kommt die soziologische
Dimension hinzu. Mit Vera KING, die zusammen mit GERISCH und
Hartmut ROSA das dieses Jahr auslaufende Forschungsprojekt
Aporien
der Perfektionierung in der beschleunigten Moderne. Gegenwärtiger
kultureller Wandel von Selbstentwürfen, Beziehungsgestaltungen und
Körperpraktiken leitet, stellt JIMENÉZ den Zusammenhang
zwischen Biografie und gesellschaftlicher Umwelt her:
"Anpassungsbereit bis zu
Erschöpfung sind (...) jene, die schon immer mit angelnder
Anerkennung zu kämpfen hatten oder die schon als Kind die
Erfahrung gemacht haben, immer gut funktionieren zu müssen."
wird die Soziologin zitiert.
Die Soziologin Cornelia KOPPETSCH differenziert dagegen in ihrem
Buch
Die Wiederkehr der Konformität diese allzu simple
Sichtweise, die lediglich entwicklungspsychologische und
modernitätstheoretische Aspekte abbildet. Optimierungswahn bzw.
besser: der
Optimierungszwang betrifft nicht die gesamte Gesellschaft im
gleichen Ausmaß, sondern insbesondere das moderne Kleinbürgertum
("digitale Boheme", Kreative usw.), das sich im Gegensatz zur
oberen Mittelschicht nicht auf ein Erbe verlassen kann, sich aber
im Gegensatz zur abstiegsgefährdeten, unteren Mittelschicht noch
Aufstiegschancen verspricht.
Auch das böse Internet darf bei
einem Print-Medium nicht fehlen. Das Internet, dem schon Sven
HILLENKAMP unterstellt hat, das
Ende der Liebe zu befördern, kommt auch im psychologischen
Investment-Modell von Caryl RUSBULT schlecht weg, weil es die
Verbindlichkeit von Partnerschaften untergräbt. Diese Sichtweise
vernachlässigt jedoch z.B. gesellschaftliche Mobilitätszwänge, die
bereits die Gründung eines gemeinsamen Haushalts (Investition!)
erschweren. Dieses Problem besteht insbesondere in
strukturschwachen Gebieten bzw. bei Beschäftigten in -
modernitätstheoretisch gesprochen - rückständigen Branchen oder im
modernen Dienstleistungsproletariat.
Sind diese Ausblendungen
vielleicht der Tatsache geschuldet, dass die WamS-Leserschaft
bzw. Zielgruppe das moderne Kleinbürgertum ist?
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BREYTON, Ricarda
(2016): Heim ins Hotel.
Fast jeder zweite junge Deutsche
über 18 lebt noch bei den Eltern. Manche, die auszogen, kehren sogar
wieder zurück. Das hat praktische Gründe,
in:
Welt am Sonntag v. 03.04.
Statistik ist Glückssache -
zumindest, jene die uns die selbsternannten Qualitätszeitungen
liefern. Aus "Jeder zweite 23-jährige Mann wohnt noch bei den
Eltern", so die Schlagzeile der
Pressemeldung
des Statistischen Bundesamtes wird bei der WamS: "Fast
jeder zweite junge Deutsche über 18 lebt noch bei den Eltern" oder:
"Wie das Statistische Bundesamt
mitteilte, lebten 2014 rund 42 Prozent der jungen Erwachsenen
zwischen 18 und 29 Jahren im Elternhaus."
Die Statistik will partout nicht
zur Recherche eines Journalisten passen? Kein Problem! Dann wird
eben die Statistik falsch dargestellt! Man spricht eben von "jungen
Menschen" statt von Männern/Frauen.
Ricarda BREYTON porträtiert 3
weibliche Nesthocker: Laura (26), Mona (22) und Madeleine (25). Dumm
nur, dass zwar mit 23 Jahren noch 52 % der Männer Nesthocker sind,
während es bei den Frauen nur 35 % sind. Mit 30 Jahren sind es sogar
mehr als doppelt so viele Männer als Frauen, die bei den Eltern
wohnen.
BREYTON will die Nesthocker
rehabilitieren. Dumm nur, dass diese gar nicht repräsentativ sind.
Mehr als das Stereotyp des
unselbständigen Nesthockers ein wenig zu relativieren, weil es
durchaus gute Gründe gibt für einen kurzzeitigen Zwischenstopp im
Elternhaus (im Gegensatz zum Langzeit-Nesthocker), kann der Artikel
nicht erreichen.
Statistiken wie der Mikrozensus,
auf dem die Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes basiert,
liefern sowieso keine Daten über die Dauer der Nesthockerphase,
weshalb der Bezug auf die Pressemeldung ohne Hinweis auf diese
Limitierung der Statistik nicht gerade für die Qualität des Artikels
spricht. Die Pressemeldung dient also lediglich als Aufhänger für
eine magere Story und nicht dem besseren Verständnis der Statistik
und der Einordnung des Nesthockertums.
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GERSEMANN, Olaf & Martin GREIVE
(2016): "Ich muss entschieden widersprechen".
Mit seiner These vom Ende des
"Wohlstands für alle" hat DIW-Chef Marcel Fratzscher eine Debatte über
Ungleichheit in Deutschland entfacht. Clemens Fuest, Präsident des ifo
Instituts, hält dagegen,
in:
Welt am Sonntag v. 03.04.
Auch
bei der Welt ist Marcel FRATZSCHER nicht der Lieblingsökonom!
Auf zwei Seiten wird ein zum "Kampf der Titanen" stilisiertes
Geplänkel präsentiert.
Am Ende fragt man sich höchstens:
Wodurch unterschieden sich eigentlich die Positionen der beiden
Ökonomen? Man könnte es folgendermaßen formulieren: Während Clemens
FUEST - und darin tritt er in die Fußstapfen seines Vorgänger
Hans-Werner SINN - die Veränderung der Sozialstruktur für die nur
anscheinend größere Ungleichheit verantwortlich macht, geht
FRATZSCHER von einer größeren Ungleichheit aus.
Für FUEST ist die gestiegene
Ungleichheit lediglich eine Fehlinterpretation. Oder anders gesagt:
Wäre z.B. in Deutschland der Anteil der Einpersonenhaushalte gleich
geblieben, dann wäre auch die Ungleichheit gleich geblieben. Das
kann man dann auch mit Alleinerziehenden und Rentnern
durchexerzieren. FRATZSCHER dagegen führt die Ungleichheit auf
Faktoren jenseits der sozialstrukturellen Veränderungen zurück, z.B.
Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau oder Steuern wie das
Ehegattensplitting.
Der Titel des Buches von Marcel
FRATZSCHER Verteilungskampf könnte zur Fehlannahme führen,
dass FRATZSCHER mehr Umverteilung fordert. Dies ist falsch, oder wie
es FRATZSCHER formuliert:
"Wir brauchen nicht mehr Staat
und mehr Steuern, sondern mehr Chancen und mehr Marktwirtschaft
und Wettbewerb".
Ist das Buch also ein
Etikettenschwindel, der Versuch den angeblich linken Zeitgeist zu
vereinnahmen? Oder ist das Interview lediglich eine Anbiederung an
die wirtschaftsliberale Welt-Leserschaft? Da hilft nur eines:
Das Buch selber lesen!
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GASCHKE, Susanne
(2016): Schöne neue Zukunft.
Längst werten Forscher Romane aus,
wenn sie wissen wollen, was auf uns zukommt. Die Prognosen fallen eher
düster aus,
in:
Welt am Sonntag v. 03.04.
Angst ist das Treibmittel des
flexiblen Kapitalismus. In diesem Sinne ist der Artikel von Susanne
GASCHKE konsequent, denn er schreibt die bekannten Angstszenarien in
die Zukunft weiter (neudeutsch: Dystopien). Nachdem sich die Empirie
für Prognosen untauglich erwiesen hat, wird nun das Heil von den
Schriftstellern erwartet.
Dieses Umdenken hat
seit Anfang des Jahrtausends mit Michel HOUELLEBECQs Romanen
Ausweitung der Kampfzone und Elementarteilchen begonnen.
Während es damals noch um Gegenwartsdiagnosen ging, soll uns nun
sogar die Zukunft von Schriftstellern weisgesagt werden.
Science-Fiction soll nun retten, wobei die Wissenschaft versagt hat.
Aber warum sind Dystopien und
nicht Utopien gefragt? Hat das nicht viel mehr mit unserem
gegenwärtigen Zeitgeist zu tun? GASCHKE unterscheidet vier
thematische Cluster, denen die Dystopien fröhnen: digitale Zukunft,
Pathologien des Kapitalismus, ökologische und sonstige
Endzeitszenarien, Zerfall des Westens im Kampf der Kulturen. Dazu
werden eine Reihe von Romanen vorgestellt.
In 50 Jahren wird man wohl kaum
mehr einen dieser vorgestellten Romane kennen. Von den vielen
Fehleinschätzungen bleiben im Rückblick nur diejenigen übrig,
in die man so etwas wie Hellsicht hineinprojizieren kann. Bekannt
sind z.B. 1984 von George ORWELL oder Schöne neue Welt
von Aldous HOUXLEY. Letzterer dient insbesondere, wenn es um die
Reproduktionsmedizin geht, der Abwehr von Neuerungen.
Die Beschäftigung mit
Science-Fiction hat also einen anderen Grund als die Prognose von
Zukunft. Darauf weist z.B. das Interesse der Industrie an
Science-Fiction hin, die ihre neuen Produkte so vermarkten möchte,
dass ihnen gerade kursierende Dystopien nicht den Markt verderben.
Produkte, die Angst machen, dürften kaum Absatzchancen haben.
Wenn der Zeitgeist auf Dystopien
setzt, dann liegt die Zukunft in Utopien! Überlassen wir die
Vorbereitung auf eine Endzeit den Preppern. Wir hatten in den
1970er, 1980er und 1990er Jahren bereits so viele
Endzeitprophezeiungen überstanden, dass wir immun sind gegen simple
Fortschreibungen von Ängsten. Inzwischen gibt es so viele Angebote
an zukünftigen Ausnahmezuständen, dass eine Vorbereitung darauf
schon wieder sinnlos ist. Wir sollten uns dagegen Gedanken machen,
wie wir die Gegenwart gestalten wollen. Angst ist der schlechteste
Ratgeber!
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KELLER, Maren
(2016): #Superbraut.
Beziehungen: Während die Ehe immer
unwichtiger wird, werden die Hochzeiten immer aufwendiger. Die
Verlobten überlassen, 500 Tage vor der Trauung, nichts dem Zufall,
in:
Der Spiegel Nr.14 v. 02.04.
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BYLOW, Christina
(2016): Is' was, Mutter?
Von Glück ist nur noch selten die
Rede, wenn es um Kinder geht. Dafür um so mehr von den Lasten und
Härten des Mutterseins. Ein kritischer Blick auf die neue Wut der
Frauen,
in:
Berliner Zeitung v. 02.04.
Christina BYLOW kommt über einen mutterverachtenden
Cabriolet-Fahrer, eine Prenzlauer Berg-Mutter, die nicht dort
stillen durfte wo sie wollte zu gegensätzlichen Mutterbildern und
den dazugehörigen Büchern. Ausgiebig würdigt sie das Buch Die
Abschaffung der Mutter von Alina BRONSKY & Denise WILK. Sie
stimmt ihnen bei der Diagnose einer Entmündigung und
Marginalisierung der Mütter zu, sieht einen Wandel des Mutterbildes
zwischen ihrer eigenen Generation und der jüngeren Generation:
"Als ich Mutter wurde, im Jahr
1999, gab es kein Elterngeld als Nahezu-Lohnersatz, kein
Elterngeld plus (...), keinen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz
für unter dreijährige Kinder (...). Damals gab es keinen
Beschäftigungsboom. Der Arbeitsmarkt brauchte und wollte die
Mütter nicht, jedenfalls nicht in Vollzeit-Jobs. Heute sind sie
gefragt. Aber ich glaube sie wollen nicht."
Beim Blick auf die
Familienpolitik ergibt sich jedoch ein Dissens:
"Bündnisse entstehen so nicht,
stattdessen werden falsche Feindbilder aufgebaut, die eine
pragmatische Zusammenarbeit über ideologische Grenzen hinweg
verhindern."
BYLOW beklagt den Rückzug der
jungen Frauen aus der Arbeitswelt und die Ausblendung der
wirtschaftlichen Abhängigkeit, die damit verbunden ist. Insbesondere
die Ignoranz gegenüber den Problemen der Alleinerziehenden beklagt
BYLOW, die dazu mehrere Bücher geschrieben hat:
"Die Vereinbarkeitsprobleme in
Doppelverdiener-Haushalten sind verglichen mit denen
Alleinerziehender sicher überschaubar",
wendet BYLOW mit Blick auf die
"Rushhour-Eltern" der Mittelschicht, deren Probleme im Buch Die
Alles-ist-möglich-Lüge von GARSOFFKY & SEMBACH beschrieben
werden.
Die deutschen Bücher zu
bereuenden Müttern ignoriert BYLOW ganz und arbeitet sich
stattdessen an dem Buch der israelischen Soziologin Orna DONATH ab.
Dies Art der Kritik konnte man bereits in der FAZ lesen:
"Gerade einmal 23 israelische
Mütter hat sie befragt, eine schmale Basis für eine »Studie«, wie
sie ihre Arbeit nennt",
giftet BYLOW. Dabei sind im
Bereich der qualitativen Sozialforschung Interviews mit 23 Befragten
oder sogar weniger durchaus üblich, gerade dann wenn es um
explorative Forschungen handelt, d.h. Studien, die Neuland betreten,
was für bereuende Mütter sicher zutrifft.
"Kinder sind im Zeitalter der
Verhütung Folgen einer Entscheidung. Es ist meist ein schlechter,
ganz und gar banaler Grund: Konformismus."
meint BYLOW. Gerade ist ein
Artikel von Thorsten SCHNEIDER über
Geburten aus geplanten und ungeplanten Schwangerschaften in
der renommierten Kölner Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie erschienen. Offenbar ist unser Wissen über die
Planung bzw. Nicht-Planung von Schwangerschaften mangelhaft.
Konformismus als Ursache falscher Entscheidungen zu unterstellen,
macht es sich jedenfalls entschieden zu einfach, zumal BYLOW
lediglich die israelische und nicht auch die deutsche Situation
betrachtet. BYLOW scheint zudem davon auszugehen, dass die
Entscheidung für ein Kind allein von der Mutter getroffen wird, denn
sonst müsste sie berücksichtigen, dass es auch Dissens zwischen
werdender Mutter und werdendem Vater geben kann. Das wird jedoch
weggewischt, denn BYLOW ist die ganze Debatte suspekt. Nicht die
Frage der Familiengründung und deren Umstände interessieren BYLOW,
sondern nur die Bedingungen der Mutterschaft ab der Schwangerschaft.
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PRANTL, Heribert
(2016): Der gordische Knoten.
Die politischen Parteien in
Deutschland müssen gerade lernen, einen neuen Umgang miteinander zu
finden, um überhaupt noch mehrheitsfähig zu sein. Ein Hoch auf den
Kompromiss,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.04.
Konsens galt den Eliten bislang als Schimpfwort und
Distinktionsmerkmal auf Basis der Massenverachtung. Nun wird Konsens
zumindest als Elitenkompromiss wieder gesellschaftsfähig. Bewirkt
hat das der Aufstieg einer neuen Elite. Heißt das, dass nun mehr
Demokratie gewagt wird oder werden dadurch eher postdemokratische
Tendenzen gestärkt?
"Wer vom Überfluss abgeben
soll, kann sich Kompromisse besser leisten als derjenige, der vom
Mangel noch abgeben soll. Dass das nicht beachtet wurde, ist das
Odium, das der Agenda 2010 des Kanzlers Gerhard Schröder bis heute
anhängt und der SPD bis heute nachhängt",
meint Heribert PRANTL und stellt
dann 5 abstrakte Regeln für einen guten Kompromiss auf.
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HAUSER, Jan
(2016): Ist Ungleichheit unverzichtbar?
Der DDR-Forscher Klaus Schroeder
beklagt die Stoßrichtung der Debatte über die Ungleichheit. Ihm fehlen
wichtige Punkte,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
02.04.
Jan HAUSER verteidigt mit Klaus SCHROEDER (der plagt sich mit seinen
unwissenden Studenten genauso herum wie die FAZ mit ihren
unwissenden Lesern) die soziale Ungleichheit. Dabei dient HAUSER das
Buch Verteilungskampf von Marcel FRATZSCHER lediglich als
Aufhänger um die bekannten FAZ-Kritikpunkte ein weiteres Mal
präsentieren zu können - diesmal als SCHROEDER-Zitate.
Die gefühlte Übermacht der Unwissenden ist immens hoch, nimmt man
die Anzahl der Artikel zum Thema Ungleichheit, die von der FAZ
bereits weit im Vorfeld der Buchveröffentlichung von FRATZSCHER
lanciert wurden und nun immer noch veröffentlicht werden. Für die
FAZ ist es ein Ärgernis, dass FRATZSCHER mit "linken Themen"
punkten kann und nach dem Abgang des Ifo-Chefs Hans-Werner SINN nun
der Wettkampf um die Nachfolge entbrannt ist. FRATZSCHER jedenfalls
ist nicht der Liebling des FAZ/S-Wirtschaftsteils.
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GESTERKAMP, Thomas
(2016): Betreuung rund um die Uhr.
24-Stunden-Kitas gibt es nicht nur
im Osten. Die Politik lobt die Idee als Angebot für Schichtarbeiter
und Alleinerziehende, doch es gibt auch Bedenken und Kritik,
in:
Neues Deutschland v. 02.04.
Angesichts des vom
Familienministerium geplanten "Kita-Plus"-Programm mit dem bis 2018
der Ausbau der Kinderbetreuung in den Randzeiten vorangetrieben
werden soll, stellt sich die Frage, ob sich die Eltern nach den
familienfeindlichen Arbeitszeitangeboten der Arbeitgeber richten
sollen oder ob nicht die Begrenzung der familienfeindlichen
Arbeitszeiten auf das unbedingt Notwendige die bessere Variante der
Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist.
Thomas GESTERKAMP berichtet von
Beispielen der Rundumbetreuung in der strukturschwachen
brandenburgischen Industriestadt Schwedt und einem Vorort von
Hamburg sowie von einem Streit um den Ausbau der Betreuung im
ostdeutschen Rostock.
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GENNBURG, Katalin & Jonathan
DIESSELHORST
(2016): Das Recht auf die Stadt.
Der Widerstand gegen eine Bebauung
des Tempelhofer Feldes in Berlin ist der Versuch, Städtebau- und
Wohnungspolitik wieder zu vergesellschaften,
in:
Neues Deutschland v. 02.04.
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MÜNKLER, Herfried
(2016): Freiwilliger Knecht.
Wenn sich das Wahlvolk abgehängt
fühlt: Die Demokratie und die Sehnsucht nach starker Führung,
in:
Tagesspiegel v. 02.04.
Herfried MÜNKLER macht zuerst einen ideengeschichtlichen Ausflug in
die Demokratietheorie, um dann die bürgerliche Zivilgesellschaft
gegen die Anspruchsbürger des Sozialstaats auszuspielen. Die
tugendhaften Tagesspiegel-Leser dürfen sich geschmeichelt
fühlen und in ihrer Abgrenzung gegenüber den Pegida-Anhängern
gestärkt fühlen. Ein typischer Wohlfühlartikel also für diejenigen,
die sich als neue Bürgerlichkeit begreifen.
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GRÄBER, Berrit
(2016): Ganz unromantisch.
Die Hochzeitssaison läuft auf
Hochtouren. Brautpaare sollten aber nicht nur die Feier bis ins Detail
planen. Auch der Alltag gehört gut vorbereitet - sonst geht Geld
verloren,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.
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SZ-Tagesthema: Bezahlbarer Wohnraum wird knapp.
Weil in den vergangenen Jahren kaum noch Sozialwohnungen gebaut
wurden, rutschen viele Menschen in die Obdachlosigkeit ab. Die Lage
wird sich noch verschärfen, warnen Experten. Architekten suchen nach
Möglichkeiten, mit einfachen Mitteln neue Unterkünfte zu schaffen.
Doch da sind noch die deutschen Vorschriften
KASTNER, Bernd
(2016): Auf engstem Raum.
Bei der Suche nach Unterkünften
treffen Flüchtlinge und Obdachlose aufeinander. Der Platz wird
knapp,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.
BAUCHMÜLLER, M. & B. MÜLLER
(2016): Über den Dächern.
Wie bestehende Häuser aufgestockt
werden könnten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.
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BIGALKE, Silke
(2016): Die Wohnung kündigen? Nie im Leben!
SZ-Serie Auf Wohnungssuche -
Stockholm (16): Wer in Stockholm einmal eine Unterkunft gefunden hat,
gibt sie nicht mehr her. Ist sie zu klein geworden, wird getauscht -
der Handel mit Mietverträgen boomt. Einen normalen Mietmarkt gibt es
nicht, was bleibt, ist der Kauf von Immobilien. Aber auch das läuft
anders als in anderen europäischen Städten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.
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Alina Bronsky & Denise Wilk - Die Abschaffung der
Mutter
TEUTSCH, Katharina (2016): Keine Spur mehr von Natürlichkeit.
Im Fahrwasser von Dämonisierungen:
Alina Bronsky und Denise Wilk sehen deutsche Mütter von allen Seiten
bedroht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.
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HEBEL, Stephan
(2016): AfD plant Partnervermittlung.
Vorstoß der "Jungen Alternative".
"Ausbau des deutschen Volkes",
in:
Frankfurter Rundschau v.
01.04.
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ETTE, Andreas & Frank SWIACZNY
(2016): Migration von Flüchtlingen.
Aktuelle Entwicklungen in
Deutschland im historischen und internationalen Vergleich,
in:
Geographische Rundschau,
April
ETTE & SWIACZNY, Mitarbeiter des
Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung befassen sich mit
Flüchtlingen als Teil des Migrationsgeschehens in Deutschland. Dazu
grenzen die Forscher den Flüchtlingsbegriff gegen einen weiten
sozialwissenschaftlichen Begriff ab:
"Aus sozialwissenschaftlicher Sicht
werden Flüchtlinge meist mit all jenen Personen gleichgesetzt, deren
Migration durch Zwang ausgelöst wurde. Dazu zählen neben der
internationalen Migration von Flüchtlingen auch die Gruppe der
Binnenvertriebenen und zwar ganz unabhängig davon, ob die Vertreibung
durch politische Konflikte, Naturkatastrophen, Hungersnöte oder andere
Ursachen ausgelöst wurde."
Ihren engen Flüchtlingsbegriff
leiten sie dagegen aus einem politisch-rechtswissenschaftlichen
Kontext ab. Sie beziehen sich dabei auf die Genfer
Flüchtlingskonvention aus dem Jahre 1951, wonach Flüchtlinge als
"individuell verfolgte Personen" definiert werden. in diesem engen
Sinne gilt für Deutschland, dass
"Personen als Asylbewerber
bezeichnet (werden), die einen Antrag auf Asyl gestellt haben, über
den noch nicht entschieden wurde."
ETTE & SWIACZNY betrachten deshalb
nur Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge. Sie unterscheiden
zwischen 4 Phasen der Zuwanderung von Asylbewerbern:
1) Rund 4.400 Asylbewerber in den 1950er und 1960er Jahren, die
hauptsächlich aus dem Ostblock stammen
2) 1979 bis 1983: 266.000 Asylbewerber aus Schwellen- und
Entwicklungsländern
3) 1989 bis 1993: Rund 1,3 Millionen Asylbewerber, hauptsächlich aus
Polen, Jugoslawien und Rumänien
4) 2011 bis heute
Die Alters- und Geschlechtsstruktur
ist gemäß den Forschern weitgehend unverändert geblieben. Hinsichtlich
der regionalen Verteilung der Asylbewerber verweisen die Autoren auf
den Königsteiner Schlüssel, der die Verteilung auf die einzelnen
Bundesländer aufgrund der Steuereinnahmen und Bevölkerungsgröße
regelt, während die einzelnen Länder dann die weitere Verteilung auf
die Kreise individuell vornehmen. Lediglich aufgrund von
Landeserstaufnahmeeinrichtungen gibt es Ballungen von Asylbewerbern.
Die Autoren sehen jedoch keine Präferenz für Großstädte bei
Asylbewerbern.
ETTE & SWIACZNY empfehlen die
Mitberücksichtigung der Arbeitsmarktlage bei der räumlichen
Verteilung.
Zur Situation in Europa kritisieren
die Forscher, dass gemäß dem Dublin-System die Länder mit einer
EU-Außengrenze (vor allem Griechenland und Italien) zu sehr belastet
werden. Hinsichtlich der globalen Wanderungsströme sehen ETTE &
SWIACZNY aufgrund von UNHCR-Statistiken Deutschland nicht als
Hauptzielgebiet von Asylsuchenden, sondern eher Entwicklungsländer in
der Nachbarschaft. Die Forscher sehen deshalb in der Beseitigung von
Fluchtursachen eine wichtige Aufgabe der Flüchtlingshilfe.
Zum Abschluss gehen ETTE & SWIACZNY
auf die Auswirkungen der Zuwanderung von Geflüchteten auf die Alterung
und den Arbeitsmarkt und die Herausforderung der Integration ein. Die
Forscher beziehen sich u.a. auf die 13. koordinierte
Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, die durch
die aktuellen Entwicklungen überholt sind. ETTE & SWIACZNY sehen im
Anschluss an die Sichtweise des Statistischen Bundesamtes Auswirkungen
auf den Arbeitsmarkt erst nach 2025 relevant werden, während die
Auswirkungen auf die Alterung als unbedeutend eingestuft werden.
"Konkrete Prognosen zu den
Konsequenzen der aktuellen Flüchtlingszuwanderung für den Arbeitsmarkt
sind sehr schwierig, da sie von zahlreichen Annahmen abhängen (z.B.
Verfahrensdauer, Schutzquote, Familiennachzug, Altersstruktur,
Geschlechterproportion)",
schränken die Forscher jedoch
hinsichtlich der Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ein. Hinsichtlich
der Integrierbarkeit von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt präsentieren
die Forscher kontroverse Sichtweisen, um dann mit der OECD die
Konzentration der Integrationbemühen auf "Asylbewerber mit hoher
Bleibeperspektive" und die bessere Anerkennung ausländischer
Qualifikationen zu fordern.
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NOLTE, Paul (2016): In der Zeitenwende.
Der Aufstand der Frustrierten und
die Krise des Modells Merkel,
in:
Cicero,
April
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MEYER, Frank A.
(2016): Oben und unten.
In Deutschland hat sich eine elitäre
Schicht eingerichtet, die für die Menschen im Lande vor allem
erzieherische Ratschläge parat hat,
in:
Cicero,
April
Frank A. MEYER zeigt mit seinem
Artikel, dass sich die Eliten in Deutschland neu zu sortieren
beginnen, wenn er Miriam MECKEL ("Wirtschaftswoche") und Ulf POSCHARDT
("Welt") ein erzieherisches Wir zuschreibt, Dirk KURBJUWEIT
("Spiegel") Einmischung des Journalismus in das Geschäft der Politik
und dem Stern die Trennung der Deutschen in gute und schlechte
Bürger. MEYER verteidigt die Demokratie gegen die "absolutistische
Geste" der Kanzlerin, um sich zum Schluss zum Anwalt der
Benachteiligten zu stilisieren:
"Erwachsene in prekären Arbeits-
und Wohnverhältnissen, Kinder in überfremdeten Schulklassen".
Der Begriff "überfremdete
Schulklassen" erklärt den Dissens, denn es geht nicht um
Benachteiligung, die Rehabilitierung des "Volkeswillen" oder gar die
Verteidigung der Demokratie gegen ihre Verächter, sondern um die
richtige Politik, d.h. um die Einmischung eines Journalisten in das
Geschäft der Politik - nur dass sich MEYER auf der richtigen Seite
wähnt.
Ulf POSCHARDT ist aber nicht erst
seit heute ein Verächter der Massen. Wenn MEYER schreibt, dass die
Eliten nun das Volk entdecken, dann ist MEYER Teil dieses Problems und
nicht die Lösung. Hatten sich die Eliten nicht als Opfer des
Volkeswillen gefühlt und sich mit der
Agenda 2010 die neue Klassengesellschaft gegönnt? Erst mit der
Bankenkrise und ihren Folgen droht nun der Elitenkonsens zu langsam zu
bröckeln. Die Flüchtlingskrise ist keineswegs der Auslöser der
Elitendämmerung, sondern nur ein winziges Mosaiksteinchen im
zerbröselnden Elitenkonsens.
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HERZ, Wilfried (2016): Ein neues Monstrum.
Politiker von CDU und Grünen preisen
die Deutschlandrente als Lösung für die Altersvorsorge und locken
wieder einmal mit falschen Versprechungen,
in:
Cicero,
April
Wilfried HERZ kritisiert den unausgegorenen Plan
der Deutschlandrente, der nicht auf eine Verbesserung der gesetzlichen
Rente abzielt, sondern lediglich eine neue Variante der Betriebsrente
sei, die zudem auf riskantere Anlageformen setzt und damit dem Auf und
Ab der Kapitalmärkte noch mehr ausgeliefert ist. HERZ will stattdessen
die gesetzliche Rente zur Bürgerversicherung ausbauen. Im Gegensatz zu
den üblichen Horrorszenarien sieht HERZ goldene Zeiten beim
Produktivitätsfortschritt in Deutschland. Außerdem könnten die
Flüchtlinge die Sozialversicherung stabilisieren helfen.
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BYLOW, Christina (2016): Kontrolliert, manipuliert,
abkassiert.
Für die Schriftstellerin Alina
Bronsky fassen diese drei Begriffe den Umgang mit Müttern in
Deutschland am treffendsten zusammen. In ihrem neuen Buch sieht sie
Mütter regelrecht in ihrer Existenz bedroht. Darüber lässt sich
streiten, findet die Schriftstellerin Tanja Dückers,
in:
Nido,
April
Die Schriftstellerinnen
Tanja DÜCKERS und
Alina BRONSKY, deren privilegierte Arbeitswelt nicht
gerade typisch ist für die Mehrzahl der Mütter, diskutieren über
Kitazwang, Familienarbeitszeit, Ehegattensplitting und die Rolle des
Vaters. Während DÜCKERS dem Vater mehr Rechte zugestehen will,
verteidigt BRONSKY die angestammten Rechte der Mutter.
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SLAUGHTER, Anne-Marie (2016): Der Preis der
Mutterschaft.
Warum so wenige Frauen ganz oben und
viel zu viele ganz unten sind,
in:
Blätter für deutsche und internationale Politik,
April
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PSYCHOLOGIE
HEUTE-Titelgeschichte: Mitten im Leben.
Was es heute bedeutet, erwachsen zu
sein |
FRITZSCH, Sibylle (2016): Mitten im Leben.
Was es heute bedeutet, erwachsen zu
sein: Schluss mit lustig! Sobald man erwachsen ist, gibt es nur noch
Pflichten und Verantwortung, die unbeschwerten Zeiten sind vorbei.
Woher kommt dieses Negativbild? Und warum werden die Vorzüge des
Erwachsenseins so wenig gesehen?
in:
Psychologie Heute,
April
ERNST, Heiko (2016): Erwachsenwerden - ein
Langzeitprojekt.
Sechs Aufgaben gilt es zu
bewältigen, um sich im besten Sinne erwachsen zu fühlen,
in:
Psychologie Heute,
April
MAHR, Albrecht (2016): Vom Glück, kein Kind mehr zu
sein.
Selbstverantwortlich leben. Sich dem
Leben gewachsen fühlen. Besseres kann uns nicht widerfahren. Doch
richtig genießen werden wir das Erwachsensein nur, wenn es uns
gelingt, uns von Fesseln der Kindheit zu lösen,
in:
Psychologie Heute,
April
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NOLTE, Anke (2016): Von klein auf verbunden.
6 Gründe, warum es gut ist,
Geschwister zu haben,
in:
Psychologie Heute,
April
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SCHÖNBERGER, Birgit (2016): Späte Scheidung.
Lange ging man davon aus: Alte Liebe
rostet nicht. Paare, die seit vielen Jahren zusammen sind, trennen
sich nicht. Doch diese Gewissheit stimmt nicht mehr,
in:
Psychologie Heute,
April
"Dass Paare sich auch nach der Silberhochzeit und
neuerdings sogar auch noch nach fünfzig gemeinsamen Jahren trennen -
wie jüngst als prominentes Beispiel Lothar Späth, der ehemalige
Ministerpräsident von Baden-Württemberg -, ist ein relativ neues
Phänomen. Von 1975 bis 2005 hat sich der Zahl der Trennungen nach mehr
als 26 Jahren Ehe mehr als verdoppelt und steigt seitdem weiter an. In
der deutschen Scheidungsstatistik wird vom zweiten späten
Scheidungsgipfel gesprochen. Die erste große Trennungswelle in
deutschen Großstädten kommt nach vier Ehejahren, die zweite nach
fünfundzwanzig und die dritte nach der goldenen Hochzeit. Die Rate der
»späten Scheidungen« steuert auf eine Größenordnung von einem Fünftel
aller Scheidungen zu",
berichtet Birgit SCHÖNBERGER
anlässlich einer Scheidungs-Studie von Insa FOOKEN u.a., die zwischen
drei unterschiedlichen Gründen unterscheidet: 1) abrupter Konsensbruch
2) trügerische Konsensillusion und 3) langjähriger Dissenz.
SCHÖNBERGER, Birgit (2016): "Eine Partnerschaft ist
keine Wohngemeinschaft".
Auch in langjährigen Beziehungen
sollte es seine "Sehnsuchtsspannung" geben, sagt der Berliner
Paartherapeut Wolfgang Krüger. Fehlt sie, ist das Zusammenleben
schwierig,
in:
Psychologie Heute,
April
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METZGER, Jochen (2016): "Leben wir vielleicht zu
lange?"
Kann man mit 90 Jahren überhaupt
noch glücklich sein? Man kann! Doch wenn der Tod naherückt, wird es
oft trüb in der Seele. Der Heidelberger Alternsforscher Hans-Werner
Wahl hat ermutigende, aber auch nachdenklich stimmende Erkenntnisse
über die letzte Phase des Lebens gewonnen,
in:
Psychologie Heute,
April
Hans-Werner WAHL spricht über Ergebnisse einer
Längsschnittstudie mit 80- bis 89-jährigen Menschen. Es geht um die
Set point-Theorie des Wohlbefindens (Ed DIENER) und die Distance to
death-Forschung, also wissenschaftliche Forschungen zu Änderungen des
Wohlbefindens im Angesicht des Todes.
"Viele können nach dem Ausstieg aus
dem Erwerbsleben noch mit 20 guten Jahren rechnen - das ist ein sehr
langer Zeitraum, fast ein Viertel der gesamten mittleren Lebenszeit.
Ich halte es deshalb für möglich, dass wir eine Gesellschaft sehen, in
der auch spät im Leben sehr positive, gar nicht mit Alter verbundene
Vorstellungen gelegt werden. Ich habe das einmal fortgeschrittenes
Erwachsenleben genannt",
meint WAHL zu jenem
Lebensabschnitt, der für uns von Ökonomen und Politikern gerne
verplant wird. Als junge Alte statt als Erwachsene werden wir dann
angesprochen.
WAHL nennt 4 Punkte, die uns länger jung sein
lassen: 1) kognitives Training 2) physische Aktivität 3)
Psychotherapie und 4) eine positive Einstellung zum Älterwerden.
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REINHARDT, Susie (2016): In die Zukunft schauen?
Was kommt morgen, was in einem
Monat, in einem Jahr? Schwierige Frage. Selbst das Wetter können wir
nur für wenige Tage vorhersagen. Umso überraschender: Laien sind in
der Lage, verblüffend genaue Prognosen zu erstellen,
in:
Psychologie Heute,
April
Susie REINHARDT berichtet über die Forschungen des
US-amerikanischen Psychologieprofessors Philip TETLOCK, der seit den
1980er Jahren zur Aussagekraft von Prognosen forscht. Die Erkenntnisse
sind eher banal:
"Demnach sind insbesondere
langfristige Prophezeiungen von Spezialisten oft nicht besser als die
von jemanden, der rät."
Das Geschäft von Langfristprognosen betreiben in erster Linie
Demografen. Darüber schreibt REINHARDT jedoch nicht, sondern nur
über die "Zukunftsforschung". TETLOCK hat einige Prognoseregeln
gefunden, die einen "Superprognostiker" kennzeichnen. Auch diese
kommen über Banalitäten nicht hinaus:
"Die Erkenntnisse von Tetlock sind
eine Ermunterung zum selbständigen Denken. Seine Superprognostiker
(...) waren eher akribisch arbeitende fleißige Bienchen, die
unvoreingenommen Fakten sammelten und daraus immer wieder neue
Berechnungen anstellten".
Gegen diesen Grundsatz verstoßen
z.B. die Statistiker des Statistischen Bundesamtes bei ihren
Bevölkerungsvorausberechnungen von jeher, da ihre Berechnungen von der
Politik abhängig sind. Unvoreingenommenheit gibt es hier also nicht,
sondern nur politische Interessengeleitetheit. Auch darüber ist nichts
bei REINHARDT zu lesen.
Ein Interview mit dem
Risikoforscher Ortwin RENN geht - auch nur am Rande - der Frage nach,
warum die Zunahme der Flüchtlinge nicht vorhergesehen wurde:
"Was den Flüchtlingsstrom angeht,
gab es viele ernst zu nehmende Mahnungen von Politikwissenschaftlern
(...). Da es aber nur wenige Anzeichen für eine solche Wanderung gab,
wurden diese Warnungen in den Wind geschlagen."
Die interessante Frage, nach
welchen Anzeichen gesucht worden waren, beantwortet RENN leider nicht
und REINHARDT fragt auch nicht danach. Also auch hier nur
oberflächliches Gelaber statt brauchbare Informationen.
Der nationalkonservative
Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG hat in seinem
gehypten Buch
Die demographische Zeitenwende lapidar vom
"Einwanderungsdruck" geschrieben:
"Durch das starke
Bevölkerungswachstum in den südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers
steigt der Einwanderungsdruck in die Länder der EU allein schon
demographisch bedingt stark an. Hinzu kommt die magnetische
Anziehungskraft des hohen Lebensstandards in Europa, der in Verbindung
mit Rechtssicherheit, geordneten Lebensbedingungen, vergleichsweise
geringer Kriminalität und einer das Existenzminimum garantierenden
staatlichen Sozialhilfe eine um so größere Wirkung entfaltet, je
perspektivloser die Entwicklung in den Herkunftsländern der
potenziellen Einwanderer ist."
(2001, S.123)
Zu den südlichen Anrainerstaaten
des Mittelmeeres zählt BIRG Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen,
Ägypten, Israel, Libanon, Syrien und die Türkei. BIRG weist darauf
hin, dass Bevölkerungsvorausberechnungen sich nicht am
"Einwanderungsdruck" orientieren, sondern an der
"Integrationsfähigkeit":
"Trotz der Unsicherheit über die
konkrete Ausgestaltung der künftigen Einwanderungspolitik können die
Einwanderungsannahmen in Bevölkerungsprojektionen nicht beliebig
gesetzt werden, denn jede Politik wird sich an der - nicht
unbegrenzten - Integrationsfähigkeit des betreffenden Landes
orientieren müssen."
(2001, S.125)
Oder anders formuliert: Prognosen
orientieren sich nicht unvoreingenommen an den Fakten, sondern am
politischen Willen. Was nicht sein darf, darauf können wir uns jedoch
auch nicht vorbereiten. Die Annahmen zur Zuwanderung in
Bevölkerungsvorausberechnungen haben also in erster Linie mit
politischen Vorgaben ("Integrationsfähigkeit") zu tun und wenig mit
dem, was uns tatsächlich erwarten könnte. Deshalb hat uns der jetzige
Flüchtlingsstrom auch vollkommen überrollt.
BIRG nennt mit dem
Bevölkerungswachstum einen Indikator, der jedoch für den jetzigen
Flüchtlingsstrom nicht ausschlaggebend war, aber typisch ist für die
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme. Entscheidender sind die
nicht-demographischen Faktoren wie die "Perspektivlosigkeit" im
eigenen Land, die mit Bevölkerungsentwicklungen erst einmal gar nichts
zu tun haben. Die Anzeichen waren also durchaus vorhanden. Aber haben
nicht sehr viel konkreter erst MERKELs Reden die konkreten
Flüchtlingsströme ausgelöst? Und warum hatte kaum jemand die
Konsequenzen im Blick?
Die Debatten um die "Einwanderung
in die Sozialsysteme" und die Maßnahmen zur Eindämmung lassen sich
ebenfalls aus dem obigen nationalkonservativen Credo von BIRG
herleiten, nach dem im Grunde die Lebensbedingungen in Europa nur
derart verschlechtert werden müssen, dass die oben genannten
Wanderungsgründe entfallen. Sollte also Europa genauso unsicher und
wenig lebenswert gemacht werden wie Afrika? Ist das letztlich das Ziel
nationalkonservativer Elitenpolitik? Dazu würden auch die anderen
nationalkonservativen Thesen von BIRG (so z.B. auch Meinhard MIEGEL)
passen, dass nämlich die niedrigen Geburtenraten in Europa lediglich
das Resultat des zu hohen Wohlstands in Europa seien.
Wollen wir also tatsächlich einen
Siegeszug des Nationalkonservatismus in Europa und damit die
Angleichung Europas an Afrika?
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REINHARDT, Nora
(2016):
Die netteste Erpressung der Welt.
Der Satz "Ich liebe dich" gilt als
Startschuss für eine Beziehung, als eine Art Maßeinheit für eine gute
Partnerschaft. Der Satz kann glücklich machen und unglücklich. Zeit
also, ihn mal näher zu untersuchen,
in: Neon,
April
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GÖBEL, Esther u.a. (2016): Was tun auf der Welt?
Neon-Liste: Warum es sich lohnen
kann, allein zu verreisen, sich das Herz brechen zu lassen oder ein
Jahr lang auf Emoticons zu verzichten. 33 Ratschläge für ein gutes,
wildes Leben,
in: Neon,
April
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KHAYYER, Jina
(2016): "Ich bin glücklich. Angekommen bin ich nicht.
Plötzlich ist der Moment da, in dem
klar wird: Ich bin nicht mehr jung. Was folgt daraus? Und was bringt
es, schon in der Lebensmitte, mit 35 oder 40, Bilanz zu ziehen? Die
Autorin hat darüber ein Buch geschrieben ("Älter als Jesus"). Für uns
hat sie sich mit ihren alten Freunden aus München getroffen, die den
schwierigen Moment des Nicht-mehr-jung-Seins gerade hinter sich haben.
Was können wir daraus lernen?
in: Neon, April
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BUCHHOLZ, Jenny (2016):
"Ich nehme jeden
Morgen ein Bad".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als
die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und
erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon,
April
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 13. -
31.
März 2016
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Bitte beachten Sie:
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[ Homepage ] |
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