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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 01. - 03. Juni 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der demografische Wandel ist kein gutes Argument zugunsten der Kapitaldeckung

"Nicolas Barr von der London School of Economics (...) erklärt: »Aus wirtschaftlicher Sicht ist der demografische Wandel kein gutes Argument zugunsten kapitalgedeckter Systeme.« Besser seien ein über Steuern und Abgaben finanzierter Sozialstaat und Investitionen in Bildung, damit künftige Generationen mittels einer hohen Produktivität das Geld für die Versorgung der Rentner und Kranken erwirtschaften können."
(Daniel Baumann & Stephan Hebel "Gute Macht-Geschichten", 2016, S.99)

 
       
       
   

ROTH, Johanna (2016): Wer schwanger wird, hat Pech.
Gleichstellung: Mit dem ersten Gedanken an Kinder kommen Verwerfungen zwischen den Geschlechtern zum Vorschein, die man lange vorbei glaubte,
in:
TAZ v. 03.06.

 
   

HAERDER, Max (2016): Kassensturz.
Blickpunkte: Sind wir im Alter alle arm? Ist Riester gescheitert? Arbeiten wir bald bis zum Umfällen? Politiker schüren in der Rentenpolitik Ängste, malen zu schwarz und wecken teure Sehnsüchte. Zeit für nüchterne Zahlen und bessere Ideen,
in:
Wirtschaftswoche Nr.23 v. 03.06.

Martin GREIVE hat in der Welt gerade den Rentenwahlkampf beerdigt und dafür einen Steuersenkungswahlkampf eröffnet. Nun fährt ihm Max HAERDER in die Parade und eröffnet erneut den Rentenwahlkampf.

Die Wirtschaftswoche stellt uns die 73-jährige Frau Mustermann vor, die so etwas wie die arbeitende Mitte Deutschlands repräsentiert. Ein Zufall, dass das IW Köln gerade die Notwendigkeit eines Renteneintrittsalter von 73 Jahren errechnet hat?

HAERDER rechnet uns nun vor, dass Deutschland gerade ein "stilles Senioren-Wirtschaftswunder" erlebt. Wird uns nicht landauf landauf vorgejammert, dass die Rente ab 63 alles zunichte gemacht hat, was die Agenda 2010 mühsam an Errungenschaften auf dem Gebiet der Rente erreicht hatte? Damit das Seniorenwirtschaftswunder nicht mehr still bleibt, posaunt uns nun HAERDER die Ohren voll:

"Im Jahr 2000 gingen Frauen und Männer im Schnitt mit 62,3 Jahren in Rente, 2014 lag die Grenze bereits bei 64,1 Jahren. Zur Jahrtausendwende hatten von den damals 60- bis 64-Jährigen nur 20 Prozent einen Job. 15 Jahre später sind es deutlich mehr als doppelt so viele: 53 Prozent. Selbst unter den über 65-Jährigen steigt die Zahl derer, die arbeiten gehen, seit Jahren kontinuierlich an."

Widersprüche und Halbwahrheiten erblickt HAERDER lediglich in der Politik, aber nicht in den neoliberalen Mainstreammedien. Deshalb stellt er uns den Ökonomen Reinhold SCHNABEL vor, denn der hält sich an Zahlen, die nicht lügen, statt an Menschen, die fühlen. Dumm nur, dass uns gleichzeitig eine Wirtschaftswoche-Serie vorführt, dass Zahlen sehr wohl lügen können.

SCHNABEL soll uns neue Erkenntnisse ermöglichen, verkündigt uns vollmundig HAERDER. SCHABEL hat jedoch die Rechnungen seiner Kollegen nur ergänzt  - weshalb das Ergebnis keine neue Erkenntnis ist, sondern lediglich alter Wein in neuen Schläuchen.

Während andere Ökonomen einfach nur z.B. eine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente bei 47,7 Prozent annahmen und dann den Beitragssatz steigen ließen, geht SCHNABEL her und hält den Beitragssatz bei 22 Prozent stabil, d.h. dann müsste der Bundeszuschuss entsprechend steigen. Im Jahr 2030 würden dafür 136 Milliarden Euro benötigt werden. Offenbar sollen die Leser angesichts dieser Zahl einen Schock bekommen, weil sie selber nicht einmal den Bruchteil dieses Betrags je im eigenen Geldbeutel hatten und deshalb gar nicht abschätzen können, was dieser Betrag im Rahmen des Bundeshaushaltes überhaupt bedeutet. HAERDER jedenfalls, erzählt uns etwas ganz vollkommen Unsinniges:

"Um das Stabilitätsversprechen zu erfüllen, müsste der allgemeine Bundeszuschuss aus Steuern an die Rentenkasse bis 2030 von heute 64 Milliarden Euro auf dann 136 Milliarden mehr als verdoppelt werden. Wohlgemerkt: pro Jahr."

Zum einen wird uns nicht gesagt, auf welchen Annahmen diese Berechnungen beruhen, was unseriöser Journalismus ist. Die meisten Berechnungen orientieren sich jedoch an den Annahmen des Rentenversicherungsberichts 2015. Dieser nennt folgende Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung:

"Die Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung orientieren sich an der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, der die Ergebnisse des Zensus 2011 zugrunde gelegt wurden. Ferner wurde die Veränderung der Lebenserwartung angepasst und die tatsächlichen Wanderungssalden der letzten Jahre berücksichtigt. Die mittlere fernere Lebenserwartung von 65-jährigen Frauen wird von heute bis zum Jahr 2030 um rund 1,3 Jahre auf 22,5 Jahre ansteigen. Bei Männern wird ein Anstieg von 1,3 Jahren auf dann 19,1 Jahre erwartet. Die zusammengefasste Geburtenziffer bleibt annahmegemäß langfristig auf dem gegenwärtigen Niveau von rund 1,4. Darüber hinaus wird langfristig von einer jährlichen Nettozuwanderung von 200 000 Personen jährlich ausgegangen."

Die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes war bereits bei Erscheinen im April 2015 wegen der viel höheren Zuwanderung und der gestiegenen Geburtenrate überholt. Eine aktuelle Prognose des IW Köln kommt dagegen zu viel höheren Erwerbstätigenzahlen, sodass die Entwicklung des Verhältnisses von Beitragszahlern und Rentenempfängern als zu pessimistisch eingeschätzt werden muss.

Im Mai hatte uns Jochen PIMPERTZ im Auftrag der Unternehmenslobby INSM vorgerechnet, dass die Mehrkosten bis 2030 lediglich 28 Milliarden Euro betragen würden. Mit welchen Rechentricks kommt also SCHNABEL auf seine mehr als doppelt so hohe Summe?

Fazit: Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast. Solange also die Annahmen von SCHNABEL nicht offen gelegt sind, sollten wir uns nicht mit solchen unseriösen Zahlenangaben abspeisen lassen. Also: Zahlen auf den Tisch!

Als nächstes stellt uns HAERDER einen ehemaligen Bankberater vor, der aufgrund der Glaubwürdigkeitskrise von Bankberatern jetzt als "unabhängiger" Berater arbeitet. Mehr als die üblichen Floskeln ist hier nicht zu vernehmen. Wer zur privaten Altersvorsorge berät, der muss natürlich die gesetzliche Rente schlecht reden, weshalb diese zur "Wette auf die gesellschaftliche Produktivität" stilisiert wird. Wette soll Glücksspiel oder Spekulation bedeuten. Unser ehemaliger Bankberater muss es ja wissen!

"Diese Umlage wäre schon heute ein ziemlich dürres Gestellt, würde es nicht an allen Enden durch Steuermilliarden gestützt",

raunt uns HAERDER zu. Ein dürres Gestell? Die Rentenversicherung wurde schon für vieles missbraucht, z.B. zum Lastesel der Wiedervereinigung, zur Entlastung von Unternehmen (Frührente!) oder zur Aufbesserung der Altersversorgung von Müttern (Erziehungszeiten). Dies aus Steuermitteln zu bezahlen wäre mehr als gerecht - wurde aber meist nur von den Beitragszahlern geschultert. Also wo ist das Problem?

Nach unserem Bankberater wird uns Thomas SCHÄFER mit seiner Deutschlandrente gepriesen. Diese soll der privaten Altersvorsorge auf die Beine helfen, weil diese ansonsten zu unlukrativ ist. Sanfter Zwang ist dafür notwendig.

"Schließlich bleiben gerade noch gut zehn Jahre, bis die ersten Babyboomer dem Berufsleben den Rücken kehren. Spätestens in 15 Jahren wird aus einer ganzen Generation meist gut verdienender Leistungsträger eine riesige Zahl an Leistungsempfängern geworden sein",

jammert uns HAERDER die Ohren voll. Wenn uns stattdessen die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bzw. in den Universitäten vor Augen geführt werden soll, werden aus den vielen Leistungsträgern vorwiegend Trottel, denen man nur unter größten Mühen überhaupt das Nötigste beibringen kann. Und warum waren dann in den 1990er Jahren und Anfang des Jahrtausends so viele dieser supertollen Leistungsträger arbeitslos? Werden uns die Generationen gerade so präsentiert, dass wir unseren Journalisten ihre Jammerarien abkaufen? Offenbar werden wir Leser als dement betrachtet, die heute nicht mehr wissen, was vor 10, 20 oder 30 Jahren Sache war.

HAERDER spielt Möchtegern-Spiegel-Autor, wenn er uns Nikolausgeschichten erzählt, als ob wir bei den Erfindern der Deutschlandrente zu Hause gewesen wären. Mehr Fakten wären nützlicher als solche Homestory-Allüren.

Zuletzt wird uns Axel BÖRSCH-SUPAN als Papa des Nachhaltigkeitsfaktors vorgestellt. Mit seinen Beratertätigkeiten sollen wir uns beeindruckt fühlen. Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung, die uns in der Rentendebatte auch schon Wolfgang SCHÄUBLE um die Ohren gehauen hat, ist auch so eine Idee des neoliberalen Ökonomen, den uns die FAZ als Nachfolger von Bert RÜRUP aufgeschwatzt hat, weil der sich nahtlos ins neoliberale Portfolio der Wirtschaftsweisen eingereiht hätte. Statt Rente mit 70 wie bei SCHÄUBLE sollen wir nach BÖRSCH-SUPANs Vorstellungen erst im Jahr 2055 die Rente mit 69 nötig haben. Der Ökonom erscheint angesichts von Drohungen mit der Rente mit 73 als richtiger Humanist.

"In den Siebzigerjahren hatte ein 65-jähriger Mann nun einmal noch etwa elf Jahre zu leben. Heute sind dem durchschnittlichen Rentner sechs weitere Jahre geschenkt. Bei den Frauen sind aus 13 Jahren Rente schon mehr als 21 Jahre geworden. Ein wundervoller Sieg der Medizin",

lullt uns HAERDER ein. Wir sollen nämlich gar nicht zum Nachdenken kommen, denn sonst könnten wir feststellen, dass die 65-Jährigen der 70er Jahre in den Jahren 1905 - 1914 geboren worden sind. Waren da nicht etwa zwei Weltkriege dazwischen? Und die Wunder der Medizin schrumpfen schnell zusammen auf das Fehlen von Bombenangriffen und Tod auf den Schlachtfeldern des Vaterlandes. Deshalb taugen Präventionsoffensiven und eine bessere Gesundheitsvorsorge nur sehr bedingt. Frieden und gute Arbeitsbedingungen sowie hohe Lebensqualität sind wesentlich ausschlaggebender als die gepriesenen Wunder der Medizin.

Fazit: Auf die Präsentation nüchterner Zahlen warten wir nach dem Ende des Artikels immer noch. Besoffene Zahlen haben wir stattdessen reichlich präsentiert bekommen, wenn man darunter Zahlen versteht, die nicht nachvollziehbar sind. Also wo bleiben die transparenten Zahlen, mit denen wir uns selber ein Bild machen können? Stattdessen soll das Fehlen von Fakten durch Home-Story-Elemente, Musterfrauen und zur Wahrheit aufgeblasenen Berechnungen verschleiert werden (bitte beim Kollegen HOYER nachlesen!).

 
   

HOYER, Niklas (2016): Das Geheimnis von Dietzhölztal.
Serie Die Tücken der Statistik (4): Mittelwerte suggerieren unumstößliche Wahrheit. Dabei lässt sich mit ihnen eine gewünschte Aussage herbeizaubern,
in:
Wirtschaftswoche Nr.23 v. 03.06.

Niklas HOYER erklärt uns u.a. am Beispiel der hessischen Gemeinde Dietzhölztal den Unterschied zwischen dem arithmetischen Mittel (Durchschnittseinkommen) und dem Medianeinkommen, dessen Berechnung im Falle der relativen Armut oftmals als lächerlich abgetan wird, hier jedoch auf der Gemeindeebene wird es uns als dem Durchschnittseinkommen überlegen präsentiert, weil es den verzerrenden Einfluss von Spitzenverdienern beseitigt. Auch zur ökonomischen Definition von Schichtgrenzen wird es herangezogen (z.B. hier).

 
   

Das bedingungslose Grundeinkommen in der Debatte

GÖBEL, Heike (2016): Ewig lockt das Grundeinkommen.
Kommentar: Dieses Angebot könnte eine Dynamik in Gang setzen, die zu einer Mangelgesellschaft führt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.06.

Heike GÖBEL fragt angesichts der Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen, ob sich das Subsidaritätsprinzip der christlichen Soziallehre überlebt hat. Eine rhetorische Frage, die nur mit nein beantwortet werden kann. GÖBEL sieht im bedingungslosen Grundeinkommen eine "Hängematte", die mit einer "Steuerkeule" einhergeht und unweigerlich in eine "sozialistische Mangelgesellschaft" mündet.

GÖBEL sieht beim Sozialstaat dennoch Verbesserungsbedarf, denn das Geld komme oftmals nicht dort an, wo es am dringendsten benötigt würde.

THEILE, Charlotte (2016): 2300 Euro netto - ganz ohne Arbeit,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.06.

Charlotte THEILE nennt jeweils vier Vor- und Nachteile. Zuletzt kommt das Totschlagargument:

"Eine Idee, die nur auf nationaler Ebene Sinn ergibt, kann keine Idee der Zukunft sein."

TUMA, Thomas (2016): Alte Idee, neue Freunde.
Leidartikel: Abrechnung mit der bizarr bunten Fan-Schar des Grundeinkommens,
in:
Handelsblatt v. 03.06.

Für Thomas TUMA ist das bedingungslose Grundeinkommen lediglich eine Art "Luxus-Hartz ohne Druck der Arbeitsagentur". Und die Tragfähigkeit des Konzepts sei sowieso längst ausdiskutiert, weshalb die Debatte lediglich eine

"bizarre Mischung aus ultraliberaler Staatsferne und Herz-Jesu-Sozialismus"

ist, aber keine Antwort auf die Industrie 4.0.

 
   

HERGERT, Stefanie (2016): Im Blech Valley.
Prognos Zukunftsatlas: Eine Grenzregion der Superlative: Die beiden Landkreise rund um Friedrichshafen und Lindau profitieren von einer starken Industrie. Doch das weiß kaum jemand - vor allem viele Fachkräfte nicht, die von den Firmen dringend gesucht werden,
in:
Handelsblatt v. 03.06.

 
   

REUTERS (2016): Die ungeliebte Lebensversicherung.
Der Druck auf die Konzerne zum Verkauf ihrer Altbestände wird größer,
in:
Handelsblatt v. 03.06.

 
   

BALCEROWIAK, Rainer (2016): Wohnen nur für Gutverdiener.
In vielen deutschen Städten wird der Wohnungsmarkt immer angespannter,
in:
Neues Deutschland v. 03.06.

Rainer BALCEROWIAK berichtet über eine Analyse der Wohnsituation in 20 Großstädten über 300.000 Einwohner, die von Dörte NITT-DRIEßELMANN im Auftrag des HWWI und einer Privatbank durchgeführt wurde. Die Analyse ist jedoch oberflächlich, denn es wird lediglich die Haushaltsgröße mit der Zimmeranzahl korreliert. Dieser Ansatz ist unzureichend, denn Single ist nicht gleich Single:

"Das Angebot an 1-Zimmer-Wohnungen in den größten Städten Deutschlands ist im Vergleich zu der Anzahl der Single-Haushalte so gering, dass in Essen rein rechnerisch 13 Single-Haushalte auf eine 1-Zimmer-Wohnung kommen. Und selbst in München, der Stadt mit dem höchsten Anteil an 1-Zimmer-Wohnungen im Vergleich, liegt das Verhältnis bei 4 zu 1",

rechnet NITT-DRIEßELMANN vor. Dabei wird vernachlässigt, dass viele Studenten in Wohngemeinschaften statt in einem 1-Zimmer-Appartement wohnen. Sie belegen dann 3-4 Zimmer-Wohnungen und konkurrieren mit jungen Familien. Dies gilt insbesondere für große Universitätsstädte. Es wäre also zumindest eine Analyse der Altersverteilung der Einpersonenhaushalte notwendig gewesen, um ein realistisches Bild zu erhalten. Auch Witwen/Witwer wohnen oftmals in größeren Wohnungen und nicht im 1-Zimmer-Apartment. Nicht berücksichtigt wird auch, dass die Wohnbedürfnisse von Paaren ohne gemeinsamen Haushalt nicht unbedingt mit denjenigen von Partnerlosen identisch sind, ganz davon abgesehen, dass gerade unverheiratet zusammenlebende Paare in Statistiken vielfach als zwei Singles gezählt werden.

Solche Korrelationsstudien sind zudem ungeeignet über die Wohnwünsche verschiedener Haushalte Aussagen zu treffen. Studenten, Berufsanfänger, Partnerlose, Paare ohne gemeinsamen Haushalt, getrennt wirtschaftende Paare, Witwen/Witwer werden in Haushaltsstatistiken als "Singles" klassifiziert als ob deren Lebenssituation nicht vollkommen verschieden wären und entsprechend auch die Wohnwünsche breit gefächert sind.

Fazit: Fehleinschätzungen aufgrund unzureichender Analysen sorgen dafür, dass das Wohnungsangebot und der weitere Bedarf selten den Wünschen der Mieter entspricht. Analysen, die neben der Haushaltsgröße weder das Alter, das Einkommen, noch die Lebenssituation berücksichtigen, sind höchstens interessengeleitete PR, aber keine seriöse Analyse.     

 
   

CHZ (2016): Vom Krisengebiet zum Szeneviertel.
Der Leipziger Osten hat ein ganz schlechtes Image. Doch genau dort liefern sich Bauträger Bieterwettkämpfe um unsanierte Mehrfamilienhäuser, und die Mieten steigen stärker als anderswo - eine völlig unerwartete Entwicklung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.06.

Der Artikel berichtet von Bauträgern in Leipzig, die sich auf die Sanierung von maroden denkmalgeschützten Wohnhäusern spezialisiert haben, weil aufgrund der guten Abschreibungsmöglichkeiten solche Häuser mit hohem Profit an Kapitalanleger weiterverkauft werden können. Da in Leipzig die innenstadtnahen Viertel bereits gentrifiziert sind, wird nun auf Ortsteile im Leipziger Osten, speziell Volkmarsdorf, zurückgegriffen, die aufgrund ihrer Bausubstanz aus der Gründerzeit noch Profite versprechen. Zielgruppe sind nicht Einheimische sondern zugezogene Yuppies, die sich um den ehemals schlechten Ruf nicht kümmern, sondern hohe Mieten für Komfortwohnungen zahlen.

 
   

WELTER, Patrick (2016): Japan verschiebt die höhere Mehrwertsteuer.
Die Regierung hat Angst vor einem Rückfall in die Deflation und sieht deshalb von ihrem Zeitplan für die Steuererhöhung ab. Stattdessen will der Regierungschef seine umstrittene Abenomics beschleunigen. Kritiker warnen vor den Folgen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.06.

WELTER, Patrick (2016): Offenbarungseid in Japan.
Leidartikel: Wieder verschiebt Abe die Steuererhöhung. Das ist richtig und falsch zugleich,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.06.

 
   

SCHIERITZ, Mark (2016): Tod eines Dogmas.
Staat und Markt: Ausgerechnet der Internationale Währungsform ruft das Ende des Neoliberalismus aus - und was kommt jetzt,
in:
Die ZEIT Nr.24 v. 02.06.

Mark SCHIERITZ verteidigt den Neoliberalismus gegen seine Verächter. Lediglich in den USA sieht er keinen weiteren Bedarf mehr dafür, dagegen sei in Frankreich noch reichlich Bedarf an Neoliberalismus.

In Sachen Deutschland verweist er lediglich auf Angela MERKEL, die als Wohltäterin dargestellt wird.

Der Neoliberalismus also am Ende? Keineswegs! Lediglich die neoliberale Rhetorik wird derzeit an die Stimmungslage angepasst. Die Ziele bleiben weiterhin neoliberal. Dies zeigt sich an der Rentendebatte: Stärkung der gesetzlichen Rente? Fehlanzeige! Selbst die Gewerkschaften als Arbeitnehmervertreter setzen lieber auf die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge.

 
   
FREITAG-Wochenthema: Hopp, Schwiiz!
Unsere Nachbarn stimmen über ein Grundeinkommen ab

REUTER, Timo (2016): Marathonlauf in die Zukunft.
Etappe: Am kommenden Sonntag stimmt die Schweiz als erstes Land über ein bedingungsloses Grundeinkommen ab. Ein Besuch beim Vordenker der Initiative,
in:
Freitag Nr.22 v. 02.06.

VONTOBEL, Werner (2016): Schluss mit dem Sesseltanz!
Vision: Bei der Frage nach dem Grundeinkommen geht es letztlich um einen neuen Gesellschaftsvertrag. Der wäre dringend notwendig,
in:
Freitag Nr.22 v. 02.06.

BUTTERWEGGE, Christoph (2016): Das Lebensmodell eines Lottogewinners.
Kritik: Wenn eine Utopie die Suche nach realistischen Alternativen ablenkt, schadet sie mehr, als sie nützt. Ein Verriss,
in:
Freitag Nr.22 v. 02.06.

 
   

FÜLLER, Christian (2016): Falsche Gleichungen.
Bildung: Die Zahl der Abiturienten und Studierenden wächst - das soziale Gefälle aber auch. Ein Buch erklärt, warum,
in:
Freitag Nr.22 v. 02.06.

Christian FÜLLER stellt das Buch Die Abstiegsgesellschaft von Oliver NACHTWEY als Erklärungsalternative zum Buch Du bleibst, was du bist von Marco MAURER gegenüber. Angeblich ist der Aufstieg von Arbeiterkindern kein Problem mehr:

"Der Aufstieg aus Migranten- und Arbeiterfamilien in die Hochschulen war noch nie so einfach wie heute."

Der Begriff Aufstieg ist hier jedoch völlig fehl am Platz, denn den gibt es höchstens auf dem Arbeitsmarkt. Tatsächlich ist die Fixierung der Debatten um Chancengleichheit im Bildungssystem eine verkürzte Sicht auf die soziale Mobilität. Andererseits neigt FÜLLER wiederum dazu den Zusammenhang von Bildung und Arbeitsmarkt ins andere Extrem der Unabhängigkeit von sozialer Herkunft aufzulösen. Keineswegs sind Akademikerkinder im gleichen Maße vom Abstieg bzw. von fehlenden beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten bedroht wie Nicht-Akademikerkinder. Die Probleme von High Potentials mit denen anderer Arbeiter gleichzusetzen ist doch wohl eher einer elitären Sicht geschuldet, die Individualisierung nicht als neoliberales Versprechen, sondern als gesellschaftliche Realität auffasst. Oliver NACHTWEY spiegelt die Sicht einer solchen elitären gesellschaftlichen Gruppe folgendermaßen wieder:

"Erzählt die Literatur von der sozialen Gegenwart, schildert sie Geschichten des Scheiterns, der Unsicherheit, Abstiege und Abstürze. In dem Tatsachenroman Möbelhaus (2015) rekapituliert ein unter dem Pseudonym Robert Kisch schreibender ehemaliger Journalist seinen eigenen sozialen Abstieg von der Edelfeder zum Möbelverkäufer. Es ist die Geschichte eines langen Abrutschens, in dieser Form vielleicht einzigartig. Aber sie zeugt auch vom Wandel einer ganzen Branche, die noch vor wenigen Jahren berufliches Prestige, selbstbestimmte Tätigkeiten und gute Einkommen versprach. Diese Welt des Journalismus gibt es so nicht mehr – oder allenfalls noch für wenige" (NACHTWEY 2016, S.9)

Von der Edelfeder zum schlichten Verkäufer? Das ist die Umkehr des Tellerwäscher-Mythos. Solche Einzelfälle werden gerne zu Massenschicksalen verallgemeinert.

"Ich kenne viele Journalisten, die schon seit Langem keine Texte geschrieben haben, weil sie nicht mehr gefragt sind",

wird diese Edelfeder in einem Spiegel-Artikel zitiert. Nähme man statt des Journalisten aber die Putzfrau, dann könnte man in der FAS lesen, dass zwischen Empirie und gefühlter Realität Welten liegen. In drei Teilen zum Thema Die netten Jahre sind vorbei wurden ähnliche Absturz-Geschichten von Frank HERTEL ("Knochenarbeit") und von Katja KULLMANN ("Echtleben") vorgestellt.

Aber ist die Geschichte vom Absturz einer Edelfeder zum Möbelverkäufer tatsächliche eine wahre Geschichte oder nur die Neuerfindung eines Kreativen in der Schaffenskrise, der sich als Buchautor eine neue Existenz aufgebaut? Inzwischen ist bereits der zweite Roman dieser Edelfeder erschienen, die eigentlich Guido ECKERT heißt, und dem Babyboomer-Jahrgang 1964 angehört. Welcher schlichte Möbelverkäufer hätte aber eine solche Möglichkeit besessen? Es ist eindeutig: das soziale und kulturelle Kapital ("Habitus") macht den Unterschied aus. Es ist die Antwort auf die Frage: Bin ich noch Bohème oder schon Unterschicht, die Christiane RÖSINGER vor einigen Jahren bereits stellte. Aber wer aus den Wolken des Journalismus fällt, der darf von seinen ehemaligen, immer noch weich wattierten Kollegen nicht unbedingt Verständnis erwarten, sondern Distinktion:

"Die prekären Verhältnisse sind das eine. Der Verlust kultureller Codes, die den Abstand zur Normalwelt des Kleinbürgertums sicherten, ist das andere. Wer gestern glänzende Reportagen schrieb und heute als Verkäufer im Möbelhaus steht, hat sich nicht nur auf der Stufenleiter der Gehaltsklassen nach unten bewegt. Er hat in der undefinierten Kastenordnung der deutschen Gesellschaft einen Wechsel vollzogen, der aus ihm einen anderen Menschen macht. (...). In seiner Karriere gab es ein paar Unfälle, vermutlich auch ein paar ungeschickte Entscheidungen. (...). (E)r arbeitet an vorderster Front des Kapitalismus, wo dessen Kampfgesetze nicht in die Watte feuilletonistischer Betrachtungen gehüllt, sondern schier körperlich spürbar sind. Noch härter ist allenfalls die Arbeit im Callcenter, dieser tödlichen Endstation für überzählige Medien- und Kulturleutchen" (Ursula MÄRZ in der Zeit v. 29.04.2015)    

NACHTWEY konstruiert gemäß FÜLLER in Absehung solcher gesellschaftlicher Distinktionsverhältnisse eine Art Multitude  - ein Sammelbecken der "Frustrierten", die angeblich ein gleiches Schicksal teilt. Deshalb wird am Schluss von FÜLLER auch die Frage nach der Politisierungsmöglichkeit dieser "frustrierten" Masse gestellt. Mehr als eine Absage an Klassenkampf und Rechtspopulismus ist bei FÜLLER deshalb auch nicht zu finden. Aber hat FÜLLER den Soziologen NACHTWEY überhaupt richtig verstanden? Der schreibt nämlich:

"Was die Chancengleichheit betrifft, ist es keine neue Nachricht, dass Kinder aus Arbeiterfamilien ebenhäufig nicht dieselben Bildungschancen haben. Im gesellschaftlichen Wettkampf um Chancen bleiben trotz der formalen Gleichheit am Ende doch diejenigen mit dem geringeren kulturellen Kapital auf der Strecke, während die von vornherein Bessergestellten zuweilen auch ohne besondere eigene Leistungen Erfolge erzielen." (2016, S.12)

Die Studien des Elitenforschers Michael HARTMANN über den Selektionsmechanismus Habitus auf dem Arbeitsmarkt sind in dieser Hinsicht aufschlussreich. Bildung ist keine hinreichende, sondern lediglich eine notwendige Bedingung von sozialem Aufstieg. Auch in einer Abstiegsgesellschaft (lediglich eine simple Umkehrung der BECKschen Fahrstuhlmetapher!) sind nicht alle gleich betroffen, sondern das soziale Milieu mit seinen spezifischen Habitusmustern dienen auf dem Arbeitsmarkt als Selektionskriterium, wenn die Bildung keinen Ansatzpunkt mehr dafür bietet. Gleich und gleich gesellt sich gern - nicht nur auf dem Heiratsmarkt!

 
   

THELEN, Peter (2016): Mehr Betriebsrenten per Tarifvertrag.
IG-Metall-Chef Hofmann stellt Bedingungen: "Wir wollen Einfluss nehmen auf Leistungsangebot und Anlagepolitik,
in:
Handelsblatt v. 02.06.

"Mit dem 2001 gegründeten Versorgungswerk Metallrente ist die IG Metall heute schon Vorreiter beim Ausbau der betrieblichen Altersversorgungen. Von der Metallindustrie bis zum Textilhandwerk reichen inzwischen die Branchen, die die attraktiven Konditionen nutzen, die die Versicherungswirtschaft Metallrente wegen der Mengenvorteile von Gruppenverträgen bietet",

berichtet Peter THELEN über die Einbindung der Gewerkschaften in das System der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland. Vor diesem Hintergrund muss gefragt werden, ob das Eintreten des DGB, d.h. der Dachorganisation der Gewerkschaften für eine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente eher nur halbherzig betrieben wird - nur aus einem Grund, um sich höhere Profite durch die Stärkung der betrieblichen Altersversorgung zu sichern.

Fazit: Bei den Gewerkschaften gibt es einen internen Interessenkonflikt zwischen eigenen Profitinteressen und der Vertretung der Interessen der Arbeitnehmer. Der Neue Heimat-Skandal hat in der Vergangenheit gezeigt, dass eine solche Interessenverquickung sehr gefährlich ist.

Hinzu kommt, dass inzwischen auch die betriebliche Altersversorgung von der Niedrigzinsphase beeinträchtigt wird, wie die Senkung des Garantiezinses bei der NLP zeigt.

Mit Forderungen nach einer Enthaftung der Arbeitgeber (Wer trägt dann das Risiko einer Insolvenz? Die Arbeitnehmer?), der Ersetzung von Versicherungsmaklern durch einen sanften Zwang (Opt-out-Modell), wollen sich die Gewerkschaften konkurrenzlose Profite sichern (Partnerschaften von Gewerkschaft und Versicherungswirtschaft zu Lasten der gesetzlichen Rente?), die auch noch durch staatliche Förderung flankiert werden sollen. Der Wegfall der Beiträge zu den Kranken- und Pflegeversicherung sollen die Betriebsrente außerdem lukrativer machen.

Die IG Metall fordert deshalb im Einklang mit der Lobby der bei den Betriebsrenten involvierten Finanzdienstleister die Abschaffung der Anrechnung auf die Grundsicherung im Alter. Einziger Dissens zu den Unternehmenslobbyisten:

"Arbeitgeber (sollen) gesetzlich verpflichtet werden, die Kostenvorteile, die sie durch die Sozialabgabenfreiheit der Einzahlungen in eine Betriebsrente haben, an die Arbeitnehmer weiter(zu)geben."

THELEN weist darauf hin, dass diese Gewerkschaftsforderungen auch durch zwei Gutachten für das Finanz- und das Arbeitsministerium unterstützt werden.

 
   

MÖTHE, Alexander (2016): Gründerstolz und Vorurteil.
Prognos Zukunftsatlas: In Chemnitz hat sich abseits der Ost-Metropolen wie Leipzig eine lebhafte Start-up- und Technologieszene entwickelt. De Prognos Zukunftsatlas bescheinigt dem ehemaligen Karl-Marx-Stadt eine höchst kapitalistische Dynamik,
in:
Handelsblatt v. 02.06.

 
   

RASCH, Michael (2016): Auferstanden aus Ruinen.
Starke Belegung des deutschen Immobilienmarktes - Übertreibungen und Überhitzungen in Metropolen und grossen Städten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.06.

"Nachdem der Markt vor 2010 zum Teil für über ein Dezenium im Dornröschenschlaf gewesen war, ist er nun erwacht",

freut sich Michael RASCH über den Immobilienmarkt in Deutschland. Bei Krediten und der Verschuldung sieht RASCH noch Luft nach oben.

 
   

NEUES DEUTSCHLAND-Tagesthema: Internationaler Kindertag.
Kinderarmut in der Bundesrepublik bleibt ein Massenphänomen. Auch in Zeiten einer stabilen Konjunktur gehen die Zahlen nicht zurück. Sozialverbände fordern nun eine Kinderpauschale

LAMBECK, Fabian (2016): Die Armut der Eltern trifft den Nachwuchs.
Zahl der Betroffenen 2015 leicht gestiegen,
in:
Neues Deutschland v. 01.06.

POELCHAU, Simon (2016): Jedes Kind soll gleich viel wert sein.
Verbände fordern Pauschale von 250 bis 300 Euro,
in:
Neues Deutschland v. 01.06.

JUNG, Hagen (2016): Wo Armut zur Abtreibung drängt.
Finanzielle Sorgen bewegen in Mecklenburg-Vorpommern viele Frauen zum Schwangerschaftsabbruch,
in:
Neues Deutschland v. 01.06.

Hagen JUNG erklärt uns anlässlich eines Fachkongresses Schwanger in Mecklenburg-Vorpommern, dass zwar 2015 im reichen Bayern fast 12.000 Abtreibungen vorgenommen worden sind und im armen Meckenlenburg-Vorpommern nur ca. 2600. Wenn man dies jedoch auf die jeweilige Bevölkerung umrechnet, dann gibt es in Mecklenburg-Vorpommern prozentual mehr Frauen, die abgetrieben haben als in Bayern. Nicht die Religiosität oder andere Ursachen, sondern die Einkommensverhältnisse sind dafür gemäß JUNG schuld. Dies belegt er mittels Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und den darin veröffentlichten Armutsquoten, die er mit den Schwangerschaftsabbruchquoten vergleicht. Bremen belegt bei diesen Vergleich sowohl bei Armut als auch beim Schwangerschaftsabbruch Platz 1. Obwohl jedoch Mecklenburg-Vorpommern (Platz 2) ärmer ist als Berlin (Platz 3), liegt Berlin bei den Schwangerschaftsabbrüchen vorne. Offenbar ist der Zusammenhang hier doch nicht ganz so eindeutig und lässt sich am ehesten bei den Extremen belegen.

 
   

JOSWIG, Gareth (2016): Jedes siebte Kind ist von Armut bedroht.
Geld: Die Zahl der Kinder, die von Hartz IV abhängig sind, steigt. Insbesondere alleinerziehende Mütter leiden unter Armut. Linkspartei-Chefin Katja Kipping fordert nun eine Grundsicherung für unter 15-Jährige,
in:
TAZ v. 01.06.

Gareth JOSWIG berichtet - in einem Mini-Tagesthema - über eine Berechnung von Sabine ZIMMERMANN (Linkspartei), die für 2015 einen Anstieg der Hartz IV-Empfänger unter 15-Jahren gefunden hat - trotz Rückgang der Arbeitslosigkeit. Ausschlaggebend seien dafür die Alleinerziehenden, die ein hohes Armutsrisiko hätten.

Dazu gibt es einen Wohlfühlkommentar (trugen nicht auch die Grünen die Hartz-Reformen mit?) und einen Erlebnisbericht der Schriftstellerin Kirsten FUCHS.

 
   

SZ-Tagesthema: Kinderarmut in Deutschland

HEIDENREICH, Ulrike (2016): Kindheit ohne Aussicht.
Ihre Zähne sind schlechter, sie treiben weniger Sport. Sie können nicht so gut rechnen, sie fühlen sich ausgegrenzt. Bei jungen Menschen macht Armut früh viel kaputt. Vor allem aber fehlt ihnen etwas, was sicht mit Geld nicht wieder aufwiegen lässt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.06.

Kinderarmut ist ein doppeldeutiger Begriff, deren zwei Bedeutungen in neoliberaler Manier gerne getrennt behandelt werden: Kinderarmut bedeutet zum einen die geringe Zahl an Nachwuchs und ist damit bevölkerungspolitisch zu lösen, zum anderen wird Kinderarmut als ein Problem sozialer Ungleichheit betrachtet, das dann sozialpolitisch zu lösen ist.

Beide Dimensionen der Kinderarmut stehen in Deutschland im Widerspruch. Die Bevölkerungspolitik setzt auf mehr Kinder von Gebildeten. Dies ist Ziel der nachhaltigen Familienpolitik, dessen Zentralelement das 2007 eingeführte Elterngeld ist. Kinder sind im Rahmen dieser Politik nicht gleich viel Wert. Das Motto lautet: Wer hat, dem wird gegeben.

Der Kollateralschaden einer solchen Elitenpolitik ist die Zunahme sozialer Ungleichheit, die dann sozialpolitisch - mit steigenden Kosten - repariert werden muss. Diese Rahmenbedingungen werden in den Artikeln von Ulrike HEIDENREICH und Thomas ÖCHSNER ausgeblendet. Um die Einwanderung in die Sozialsysteme zu verringern und dafür zu sorgen, dass Sozialhilfemütter das Kinderkriegen als Geldquelle missbrauchen, wurden die Sozialleistungen drastisch gekürzt. Die Verfechter eines aktivierenden Sozialstaates sehen sowie nicht das Hauptproblem im finanziellen Bereich, sondern im Missbrauch von Sozialleistungen.

Ulrike HEIDENREICH kümmert sich deshalb auch nicht um die aktuellen Daten zur materiellen Armut ("Mal sind es 0,7 Prozent mehr, mal zwei Prozent weniger, es ist regional immer unterschiedlich"), sondern greift in die Mottenkiste, um genehme Studien hervorzukramen, die den Bedarf an Aktivierung aufzeigen - ohne dies explizit zu nennen. Der Leser denkt sich seinen Teil sowieso dazu. Das Aktivierungsmantra dröhnt inzwischen in jedem Kopf.

ÖCHSNER, Thomas (2016): Verirrt im Förderdschungel.
Es gibt Hilfe. Nur kommt sie nicht dort an, wo sie am nötigsten ist,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.06.

Thomas ÖCHSNER stellt zuerst die Forderungen eines Bündnisses von Sozialverbänden vor, die eine Kinderpauschale fordern, um sie dann mit einem Zitat der Bundesarbeitsministerin Andrea NAHLES ("Frau, gläubig, links"?) als unsinnig abzuspeisen:

"Die Verbesserung von Transferleistungen führt nicht dazu, dass strukturell das Problem wirklich gelöst wird."

Nur die Eltern in Arbeit zu bringen, wäre eine Lösung. Fordern statt Fördern könnte man auch diese Variante des aktivierenden Sozialstaats nennen.

 
   

FROMME, Herbert (2016): Erste Pensionskasse senkt Betriebsrenten.
Eine Talanx-Tochter reduziert den Garantiezins. Betroffen sind 80.000 Mitarbeiter in kleinen Betrieben,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.06.

Herbert FROMME berichtet über die Senkung des Garantiezinses von 3,25 auf 1,25 Prozent bei der Neue Leben Pensionskasse (NLP). Davon sind ca. 80.000 Mitarbeiter bei rund 10.000 Arbeitgebern betroffen, denn die Senkung betrifft auch Altverträge. Die Pensionskasse hat sich genauso wie die Arbeitgeber Hintertürchen offen gelassen, um eine solche Senkung unter Duldung durch die Finanzaufsicht (Bafin) möglich zu machen. Aufgrund spezieller Unternehmenskonstruktionen bei der Talanx-Tochter können die Profite unangetastet bleiben - die Versicherten zahlen dagegen die Zeche.

Das Beispiel zeigt, was auf jene zukommt, die blauäugig auf die betriebliche Altersversorgung setzen. Angesichts der Euphorie unserer Mainstreammedien, die sich insbesondere für die Stärkung der betrieblichen Altersversorgung bei der anstehenden Rentenreform einsetzen, um die gesetzliche Rente weiter zu schwächen, sollte dies hellhörig machen. Wer auf die private (dazu gehört auch die betriebliche) statt auf die gesetzliche Altersversorgung setzt, der könnte ein böses Erwachen erleben. Die Kapitaldeckung ist dem Umlageverfahren keinesfalls überlegen, auch wenn deren Profiteure und ihre Handlanger bei den Medien uns das einreden wollen.    

 
   

MEISTER, Martina (2016): Endspiel um Frankreich.
Leidartikel: Im aktuellen Arbeitskampf wird sich entscheiden, ob unser Nachbarland noch reformierbar ist oder ob Populisten vom rechten und linken Rand sein Schicksal bestimmen - mit allen Konsequenzen für die Europäische Union,
in:
Welt v. 01.06.

Martina MEISTER predigte uns in der Frankfurter Rundschau Frankreich als Vorbild, nun - nach dem Wechsel zur Welt, predigt MEISTER den Franzosen das Vorbild Deutschland und hält die Franzosen für Sozialromantiker. Als Mutter hat MEISTER jedoch gerne von der französischen Sozialromantik profitiert. Jetzt verordnet sie den Franzosen harte Einschnitte à la Agenda 2010:

"Die deutschen Erfahrungen mit der Agenda-Politik belegen es. Dafür jedoch sind eben Schnitte nötig, und nun wird darum gerungen, wie tief sie gehen müssen."

In der für jüngere Leser konzipierten Welt kompakt wurde der Begriff "Agenda" weggelassen. Und wenn Frankreich so tolle demografische Daten hat, wie uns Deutschen immer erklärt wurde, warum soll Frankreich dann Reformen nötig haben? Ist also der demografische Wandel gar kein Problem, sondern nur Ausrede?

In der taz berichtet heute Guillaume PAOLI über französische Zustände wie in Russland, die in Deutschland ignoriert werden, weil unsere Eliten die Agenda 2010 als Exportschlager für Europa betrachten. Der Artikel von MEISTER belegt dies eindrucksvoll. Man wundert sich höchstens, dass die Überschrift nicht: Endkampf in Frankreich lautet - so deutlich wollte man es selbst bei Springer wohl nicht sagen. Endspiel klingt dagegen verharmlosend, oder ist es ein Hinweis, dass darauf, dass die Europameisterschaft im Chaos versinken könnte?

"Neuerdings wird jedoch auf Panikmodus umgeschaltet, aber nur deshalb, weil die Fußball-EM im Streikchaos zu versinken droht",

schreibt PAOLI.

 
   

STAIGER, Martin (2016): Wie die Rente sicher bleibt,
in: Blätter für deutsche und internationale Politik Nr.6, Juni

Martin STAIGER fordert eine substanzielle Reform der gesetzlichen Alterssicherung und damit eine Abkehr von privater bzw. betrieblicher Altersversorgung wie sie derzeit vom neoliberalen Mainstream forciert wird.

Angeblich stehen dem hohe Kosten in Form von massiven Beitragssatzerhöhungen entgegen. STAIGER widerlegt den Mythos einer demographischen Katastrophe, die uns in Form der Babyboomer heimsucht.

Denn wer schon den demografischen Wandel für ökonomische Probleme verantwortlich mache, der solle nicht nur die Nachteile für die Sozialversicherungen, sondern auch die Vorteile auf dem Arbeitsmarkt berücksichtigen. Nach dem Motto wer A sagt, muss auch B sagen, besichtigt STAIGER den Rückgang der Arbeitslosigkeit, der eben nicht auf die Agenda 2010, sondern auf die verbesserte demografische Lage auf dem Arbeitsmarkt zurückgeht. Fazit dieser Sichtweise: die zukünftigen Belastungen durch die Neurentner können durch die verbesserte Situation auf dem Arbeitsmarkt mehr als aufgefangen werden.

Sein Vorschlag: Wegfall des Nachhaltigkeitsfaktors in der Rentenformel und stattdessen entsprechend des Verhältnisses von Beitragszahlern und Rentenempfängern eine Mischfinanzierung zwischen Beiträgen und Steuern. In dem Maße wie sich das Verhältnis verschlechtern würde, müsste die Steuerfinanzierung steigen und umgekehrt.

Dafür gibt es keine Spielräume? Auch dieses Argument lässt STAIGER nicht gelten. Bereits die Berechnungen des IW Köln, die keineswegs eine Rente mit 73 notwendig machen - wie das in den Medien gerne unkritisch wiedergegeben wird, zeigen im Gegenteil die Potenziale jenseits von Beitragssatzerhöhungen auf. Das setzt voraus, dass man wie STAIGER auch die "unregistierten" Arbeitslosen und die unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten mitberücksichtigt.

Und die Belastungen für die junge Generation? Auch das ist lediglich eine Mär, denn selbst die sozialstaatskritische FAS gibt zu, dass bei sinkenden Bevölkerungszahlen das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf größer wird. Wenn bei stagnierender oder sinkender Bevölkerungszahl die Produktivität steigt und aufgrund besserer Arbeitsbedingungen die Löhne auf dem Arbeitsmarkt steigen, dann kann auch eine zahlenmäßig kleinere Generation (ganz abgesehen davon, dass hier die Zuwanderung noch unberücksichtigt ist) die Kosten der Rentenversicherung, von deren Ausbau sie ja auch selber profitieren würde, tragen ohne überfordert zu werden.

Aber was ist mit dem Ende der Arbeit? Es ist auffällig, dass die Debatte um das Ende der Arbeit (Industrie 4.0) gerade in jenem Moment forciert wurde, als die unerwünschte Debatte um die Stärkung der gesetzlichen Rente anhob. Vorher wurde in den Mainstreammedien die drohende Vollbeschäftigung verkündet und den jungen Generationen paradiesische Zustände auf dem Arbeitsmarkt prophezeit. Kaum ist die Debatte um die Stärkung der gesetzlichen Rente abgeflaut, finden sich dagegen wieder Stimmen, die das Ende der Arbeit als Unsinn bezeichnen.

Fazit: Der Beitrag von STAIGER zeigt, dass der demografische Wandel keineswegs einseitig als Problem betrachtet werden darf. Nur wer die einzelnen Effekte isoliert betrachtet, wie das Neoliberale gerne tun, der lenkt von der Gesamtschau ab, die offenlegt, dass die Demografie keineswegs eine Katastrophe ist, sondern ein Begleitumstand, der jede Gesellschaft bzw. Wirtschaft betrifft. STAIGER zeigt mit seinem Beitrag dankenswerterweise die Einseitigkeit der neoliberalen Sichtweise auf den demografischen Wandel auf.

 
   

LUCKE, Albrecht von (2016): Gegen '68 - Grün-Schwarz und der Kulturkampf der AfD,
in: Blätter für deutsche und internationale Politik Nr.6, Juni

Albrecht von LUCKE sieht die Grünen angesichts der grün-schwarzen Koalition in Baden-Württemberg ins konservative Lage gewechselt. Dies sei alternativlos aufgrund der Schwäche von Rot-Rot-Grün. Deshalb sei nun die neue Frage, was Konservatismus vom Reaktionären trennt. LUCKE fordert eine Neubestimmung des Verhältnisses von Nationalstaat und EU. Einer Entgegensetzung von Nationalstaat und Zivilgesellschaft der staatsfernen Linken kann er deshalb genauso wenig abgewinnen wie einer reinen Renationalisierung. In HABERMAS' Verfassungspatriotismus sieht er den zeitgemäßen aufgeklärten Konservatismus. Einen solchermaßen gesinnungsethisch verstandenen Wertkonservatismus verbindet LUCKE mit einer ökologisch begründeten Kritik an der westlichen Konsumgesellschaft. Ob mit einem solch elitären Programm jedoch der AfD die Wähler abspenstig gemacht werden kann, darf bezweifelt werden.

 
   

SAUM-ALDEHOFF, Thomas (2016): In Liebe verschränkt.
Wie müssen zwei Liebespartner beschaffen sein, damit ihre Beziehung gedeiht? Franz Neyer und Christine Finn haben erforscht, welche Persönlichkeitszüge zu einer glücklichen Partnerschaft beitragen und wie das Zusammenleben die beiden reifen lassen,
in:
Psychologie Heute, Juni

Die Psychologen Franz J. NEYER & Christine FINN erklären uns wie Partnerschaft funktioniert:

"Gute Voraussetzungen haben (...) Menschen, die nicht zu Ängstlichkeit oder Depressivität neigen und ein hohes Selbstwertgefühl haben".

Aber auch für selbstunsichere Menschen ist nicht alles verloren:

"Man kann Selbstunsicherheit kompensieren mit einvernehmenden Eigenschaften wie Zugewandtheit, Umgänglichkeit, Zuverlässigkeit."

Partnerschaften tragen gemäß NEYER zur Persönlichkeitsreifung bei. Was aber, wenn junge Erwachsene keinen Partner finden. Sind diese gegenüber Gebundenen etwa entwicklungsmäßig benachteiligt? Auf 7-8 % der Bevölkerung schätzt NEYER den Bevölkerungsanteil an Personen ohne Partnerschaftserfahrung bzw. mit Kurzzeitbeziehungen. Männer definieren sich stärker über ihren Wert auf dem Partnermarkt als Frauen und empfinden deshalb ihr Single-Dasein stärker als persönliche Niederlage, meint NEYER, der zwei Ursachen für fehlende Partnerschaftserfahrung nennt: entweder psychische Probleme oder Schüchternheit. Schüchterne bräuchten jedoch nur mehr Zeit als andere einen Partner zu finden.

SAUM-ALDEHOFF, Thomas (2016): Wenn Nähe unzufrieden macht.
Menschen mit einem hohen Bedürfnis nach Autonomie brauchen Distanz zum Partner,
in:
Psychologie Heute, Juni

Thomas SAUM-ALDEHOFF berichtet über eine Untersuchung von Birk HAGEMEYER u.a. mit zusammenwohnenden Paaren und Living apart together Paaren (LAT), also Paaren ohne gemeinsame Wohnung, die gewollt und nicht wegen ihrer beruflichen Situation getrennt wohnen. Die Lebensform des living apart togehter kommt jenen Paare zugute, die mehr Autonomie als Nähe benötigen. Zusammenwohnen ist für solche Paare nicht zuträglich. Was aber, wenn der eine mehr Nähe oder Autonomie braucht als der Partner? Dazu liefert der Artikel keine Strategie.

 
   

SAUM-ALDEHOFF, Thomas (2016): "Ja, was hat er denn?".
Zu betagten Menschen spricht man am besten wie zu Kindern - und 6 weitere Mythen rund um das Alter,
in:
Psychologie Heute, Juni

Thomas SAUM-ALDEHOFF hat aus 32 Mythen des Alters aus dem Buch Great myths of aging von Joan T. ERBER & Lenore T. SZUCHMANN sieben ausgesucht, die er kurz vorstellt.

 
   

TULL, Claire-Lise (2016): Die späten Jahre.
Drei Bücher beleuchten die Frage: Wie kann man mit Würde und Freude älter werden, wenn in der Gesellschaft die "Ideologie ewiger Jugendlichkeit" herrscht?
in:
Psychologie Heute, Juni

Claire-Lise TULL stellt drei Bücher über das Altern in Zeiten des Jugendkultes dar: Ewige Jugend von Robert Pogue HARRISON ist ein kulturpessimistisches Pamphlet, Julia ONKENs Im Garten der neuen Freiheiten klagt darüber, dass es Frauen im Alter schwerer hätten als Männer (die dann sowieso meist schon gestorben sind) und Kerstin SCHWEIGHÖFER stellt uns in 100 Jahre Leben Porträts von weiblichen Methusalems vor, die eher abschreckendes Beispiel sind:

"Es zeigt, dass viele Frauen tatsächlich ihr Leben mehr auf die Partnersuche ausgerichtet haben als Männer und dabei auch in finanzielle Abhängigkeit geraten."

Fazit: Männer haben gemäß weiblicher Autorinnen keine Probleme mit dem Alter, denn sie müssen nicht um ihre Schönheit bangen, wenn sie überhaupt alt werden. Männer schreiben im Gegensatz zu Frauen lieber kulturpessimistische Pamphlete. Kein Wunder also, dass Männer lieber keine Bücher lesen!      

 
   

NIEBERDING, Mareike & Marco MAURER (2016): Ich liebe dich, aber freu dich nicht zu früh.
Zwei Menschen lernen sich neu kennen und verlieben sich ineinander. Doch recht schnell begreifen sie: Jeder hat seine Eigenheiten. Und nicht alle sind einem sympathisch. Was soll man tun - sie aushalten oder sie kritisieren?
in: Neon, Juni

 
   

BRENNER-BECKER, Katrin (2016): Wie können Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ihre Liebe bewahren?
Sagen Sie mal, Frau Katerle,
in: Neon, Juni

Täglich wurde uns in den Nuller Jahren erklärt, dass der Kinderwunsch in Deutschland keine Selbstverständlichkeit mehr ist, sondern eine Kultur der Kinderlosigkeit entstanden sei. Nun erklärt uns Stephanie KATERLE, Autorin von Wir ohne dich. Wie Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ihre Liebe bewahren:

"Schwangerschaft und Geburt gelten in vielen Köpfen als Selbstverständlichkeiten, die »natürlich« abzulaufen haben."

Kann Kinderhaben für die einen eine Selbstverständlichkeit sein und für andere nicht? Oder ist nur die Frage des Kinderkriegens keine Selbstverständlichkeit mehr, während die körperlichen Vorgänge von Schwangerschaft und Geburt immer noch eine Selbstverständlichkeit sind - und dies in einer Zeit, in der die Reproduktionsmedizin medial allgegenwärtig ist? Oder rühren die Probleme heutzutage daher, dass uns ständig eingeredet wird, dass wir nicht dem heutigen Schwangeren- und Elternideal entsprechen? Wir sind zu alt, um Kinder zu kriegen - oder zu jung. Wir sind zu arm (die kriegen sowieso zu viele Kinder) oder nicht reich genug (die kriegen nicht genug Kinder). Wir sind zu dick oder zu dünn. Wir sind zu krank oder zu gesund (dann machen wir alles mögliche, aber keine Kinder).

Solange Frauen in Deutschland nicht die bevölkerungspolitisch ideale Kinderzahl bekommen, werden wir eher von unerfüllten Kinderwünschen lesen als von Schwangerschaftsabbrüchen, die Frauen vornehmen müssen, weil sie offenbar fruchtbarer waren als sie dachten...

 
   

BUCHHOLZ, Jenny (2016): Ehrliche Kontaktanzeigen,
in: Neon, Juni

 
       
 

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Zu den News vom 28. - 31. Mai 2016
 

   
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[email protected] Stand: 07. Juni 2016