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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 16. - 31. Dezember 2001

 
       
     
     
     
       
   
 
       
   
  • BRAUN, Walter (2002): Verlängerte Jugend.
    Junge Leute werden heute frühestens mit 35 erwachsen,
    in: Psychologie Heute, Januar
    • Kommentar:
      Walter BRAUN berichtet über das "Hotel Mama". BRAUN spricht von einer Tendenz, "dass Kinder immer länger zu Hause wohnen, sich versorgen lassen, keine Miete zahlen und auch bei der Hausarbeit nicht mithelfen. Kurz gesagt: sich weigern, für ihr Leben Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden."
      Er zitiert die britischen Psychologen Stephen RICHARDSON und Helen HASTE, die für die späten "Reifeprozesse" die hohen Mietkosten bzw. lange Bildungswege verantwortlich machen.
      Auch in Japan sind Nesthocker ein weit verbreitetes Phänomen. Dort werden die weiblichen Nesthocker von Professor Michiko Miyamoto, die an der Chiba Universität lehrt, als "parasitäre Singles" bezeichnet.
      In Deutschland gerät diese Gruppe aufgrund der Sozialstaatsoptik nicht in den Blickpunkt.
 
   
  • BRAUN, Walter (2002): Ich kaufe, also bin ich (etwas wert)
    in: Psychologie Heute, Januar
    • Kommentar:
      BRAUN zitiert den britischen Konsumpsychologen Paul BUCKLEY, für den demonstrativer Konsum Ausdruck von geringem Selbstwertgefühl ist.
            
      Eine Studie im Auftrag des britischen Wirtschaftsministeriums hat die Ursachen steigender privater Zahlungsunfähigkeiten untersucht:
            
      "Waren in den 60er Jahren Bankrotts ausschließlich Männern vorbehalten, machen Privatpleiten von Frauen heute bereits ein Viertel aller Fälle aus."
            
      Angesichts der Tatsache, dass Ehefrauen in den 60er Jahren keine Verfügungsgewalt über Bankkonten hatten und auch die Berufstätigkeit weit geringer war, ist diese Entwicklung verständlich. Man muss sich deshalb wohl eher fragen, warum so viele Männer nicht mit Geld umgehen können. Darüber verliert BRAUN jedoch kein einziges Wort.
            
      Nach einer Typologie von Schuldnerinnen werden 3 Gruppen unterschieden:
      1) "Junge Singles, die ihren beruflichen Erfolg durch Kleider und Luxusartikeln sichtbar machen."
      2) "Gelangweilte Hausfrauen" und
      3) "Frauen, deren Kinder das Haus verlassen haben."(Empty-Nest).
 
   
  • Neu:
    RIEDLER, Claudia (2001): Singles auf der Suche.
    "Man muss viele Frösche küssen...",
    in: Oberösterreichische Nachrichten v. 31.12.
 
   
  • JEI (2001): Das sollen wir sein?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.12.
    • Inhalt:
      Ein Beitrag zur Werbekampagne der Bundesregierung "Familie Deutschland". Der Autor findet die Plakataktion nicht gelungen:
            
      "Man sieht eine dunkelhaarige hochschwangere Frau breitbeinig in Stretchhose auf einem Sofa sitzen. Sie schaut dem Betrachter direkt in die Augen (...). Dann fällt unser Blick auf den jungen Mann, der auf dem Fußboden vor dem Sofa kauert, den Blick gesenkt. Worüber mag er grübeln, welche Welt schaut er? Wir wissen nicht, was das Ensemble sagen soll - eine Werbung für die Familie ist es jedenfalls nicht (...). Schwer vorstellbar, daß die Plakatszene jemanden zu der Idee inspirieren könnte, eine Familie zu gründen."
 
   
  • STÜRMER, Michael (2001): Ade, Generation Golf.
    Ein einziger Tag hat den Serienglück-Seelen das Bild des irdisch Unvollkommenen eingebrannt,
    in: Welt v. 31.12.
    • Kommentar:
      "Das Recht auf die Suche nach dem Glück ist seit der europäischen Aufklärung Wurzel und Inbegriff individueller Freiheit. Aber nicht Glück bestimmt die Grunderlebnisse der Generationen, sondern die Verwundungen und Traumata.
      Die Vergleichsreihen der Allensbacher Wertestudien erweisen, dass nirgendwo im Westen die Generationenkluft so tief ist wie bei uns. Das hat Gründe in den Generationserlebnissen, die inkompatibel sind," meint Michael STÜRMER und stürmt durch die Generationengeschichte, die - obgleich enorm verkürzt - doch nicht so recht seine "Generationentheorie" zu stützen vermag.

           
      "Ein Trauma war dies alles nicht", fasst er deshalb die Schicksale der Nachkriegsgenerationen zusammen, um das Ausbleiben eines Traumas zum einheitsstiftenden Generationenerlebnis zu erklären. Ist das nicht Glück?
           
      Die "Generation Golf" sei nun in der "Realität" angekommen, offenbar für STÜRMER ein Synonym für "Trauma".
 
     
   
  • FAS-Thema "Kinderlose contra Familien."
    Der Konflikt ist voll entbrannt und spaltet die Gesellschaft: Wer wird vom Staat besser bedient? Zwei Plädoyers in polemischer Absicht.

    • GERMIS, Carsten (2001): Eure Kinder kosten uns Milliarden.
      Die Kinderlosen zahlen schon heute einen Großteil des Aufwands für Erziehung und Ausbildung,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.
    • KLOEPFER, Inge (2001): Wir Eltern zahlen doppelt.
      Die Familien finanzieren die Ausbildung der Kinder und zahlen die Renten der Singles,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.
    • INK (2001): Der Verteilungsstreit: Die Antwort der Ökonomen,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.
      • Kommentar:
        Der Würzburger Professor für Volkswirtschaftslehre Norbert BERTHOLD ist die wissenschaftliche Instanz, die die obige Pseudokontroverse von GERMIS und KLOEPFER noch einmal wissenschaftlich absegnet:
              
        "Die Politik sollte nach Meinung des Ökonomen davon absehen, die finanziellen Leistungen an die Familien zu erhöhen. 'Statt dessen müssen deutlich mehr staatliche Mittel für Kinderkrippen, Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen umgeleitet werden', sagt er."
    • KLOEPFER, Inge & Carsten GERMIS (2001): "Die Kommunen müssen mehr Krippen einrichten".
      Familienministerin Bergmann (SPD) will die Väter stärker in die Verantwortung nehmen,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.
      • Kommentar:
        Ein Interview mit der Familienministerin, die ihre altbekannten Positionen herunterbetet.
              
        Sie weist u.a. auf die bessere Versorgung der neuen Bundesländer mit Betreuungsangeboten hin. Merkwürdig nur, dass die Geburtenrate in den neuen Bundesländern weit unter denen der alten Bundesländern liegt, wie das Schaubild "Immer weniger Kinder - ein innerdeutscher Vergleich" beweist.
 
   
  • HOUELLEBECQ, Michel (2001): Der neue Houellebecq.
    Ein Mann von vierzig Jahren, nicht nett, nicht fröhlich, aber Beerdigungen sind sein Ding: Das erste Kapitel aus dem Roman "Plattform",
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.
    • Kommentar:
      Die FAS hat das erste Kapitel von HOUELLEBECQs umstrittenen Roman "Plateforme" abgedruckt, der ab Februar auch in Deutschland erscheinen soll. Der DuMont Verlag hat das Erscheinen so vorverlegt, dass das Medienspektakel um den angekündigten Gerichtsprozess gegen HOUELLEBECQ verkaufswirksam genutzt werden kann.
            
      Das Bild vom Single wird gleich im ersten Kapitel sozialpolitisch korrekt dargestellt:
            
      "Ich habe auch nicht geheiratet. Gelegenheit dazu bot sich mir mehrfach; aber ich habe jedesmal abgelehnt. Dabei mag ich Frauen sehr. Daß ich ledig geblieben bin, ist eines der Dinge, die ich im Leben ein wenig bedaure. Vor allem im Urlaub wirkt sich das störend aus. Im Urlaub bringen die Leute unverheirateten Männern ab einem gewissen Alter ziemliches Mißtrauen entgegen: Sie vermuten bei ihnen einen starken Egoismus und wohl auch einen gewissen Hang zum Laster; ich kann ihnen nur recht geben."
 
   
  • DIEZ, Georg (2001): Was bleibt: Narzißmus,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.
    • Kommentar:
      Georg DIEZ informiert über den Zusammenhang zwischen Ironie und Verzweiflung. Die Epoche des Pop sei vorbei, aber in einem anderem Sinne als es die Verächter der Spassgesellschaft verkünden, meint DIEZ und vermeldet eine gute Nachricht:
            
      "Nach Nabelschau und Bauchlandung, nach Start-up-Taumel, Körperkult und Biographiegebastel, nach dem Ende der Stars, nach dem Ende des Konsums, nach dem Ende der Schönheit, nach dem Egoismus, endlich der Blick auf das, was bleibt. Der Narzißmus."
            
      Die Verabschieder der Spassgesellschaft schreiben derweil Bücher. DIEZ droht das Erscheinen von "Das Ende der Egomanie" aus der Feder von Horst-Eberhard RICHTER für Februar 2002 an und singt stattdessen das Loblied auf den Narzißten:
            
      "Der Narzißmus ist das, was übrigbleibt, wenn man die Oberflächensymptome der letzten Jahre wegräumt: Er ist die Kombination von Egoismus und Schönheit, die Antwort auf kommende Unschärfe, die aggressiv vorgetragene Variante dessen, was sich bislang in verschwiemelten Privatismen versteckten. Der Narzißmus ist Selbstbezüglichkeit ohne schlechtes Gewissen. Der Narzißmus ist eine Absage daran, daß wir die Zeit zurückdrehen können (...). Und weiterhin gilt: The sky is the limit."
 
   
  • FAS-Thema "Wird sich die Atmosphäre 2002 erwärmen?"
    Soziologische Klimaforschungen weisen auf ein Abschmelzen der Coolness und einen Anstieg der Gefühlstemperaturen hin

    • HÜSTER, Wiebke (2001): Unter Null. Coolness, kein Kinderspiel.
      Der Normaleuropäer wird immer jünger,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.
      • Kommentar:
        HÜSTER zitiert aus dem Buch "Cool Rules. Anatomy of an Attitude" von Dick POUNTAIN und David ROBINS, das dieses Jahr in England erschienen ist. Die beiden Autoren haben eine Geschichte des Cool geschrieben, an der sich in Deutschland Ulf POSCHARDT bereits ein Jahr zuvor versucht hat.
              
        Die Briten behaupten in ihrem Buch, dass sich das Coolsein als emotionaler Stil von einem Jugendphänomen zu einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen verallgemeinert hat. Sie sehen zwischen Hippies, Punks, Yuppies, Hip-Hoppern und Ravern nicht deren Unterschiede, sondern die grundlegende Gemeinsamkeit: das Streben nach Coolsein.
              
        HÜSTER zweifelt daran und vertritt stattdessen die kulturpessimistische These von der Infantilisierung der Gesellschaft.
    • VOSS, Julia (2001): 37,3 Grad: Gut geheizte Oberstube.
      Emotionale Intelligenz: Gesellschaft als Kamingespräch,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.
      • Kommentar:
        VOSS verteidigt den "Märchenerzähler" Daniel GOLEMAN und sein "Bestsellermärchen" über die Emotionale Intelligenz gegen den Konflikttheoretiker Rolf DEGEN, den sie einen "Aesop der Psychologie" nennt.
              
        Offenbar möchte VOSS die These von HÜSTER mit ihrem Artikel gleich beweisen, denn die biedermeierlichen Märchen à la GOLEMAN sind in jeder Hinsicht kindgerecht.
 
     
   
  • OBERT, Mark (2001): Lang soll er leben.
    An der Nase eines Mannes erkennt man seinen Hannes, dichtet der Volksmund und hat - wie immer - Unrecht. Wie groß ist groß genug? Wie klein ist zu klein? Das hängt davon ab, ob ein Mann in die Sauna geht und neidisch auf das Gemächt des Nachbarn starrt. Dagegen hilft nur eins: Statistik.
    in: Frankfurter Rundschau v. 29.12.
 
   
  • SAFRANSKI, Rüdiger (2001): Der erkaltete Eros.
    Über Liebe und belebende Gedanken über Liebe,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 29.12.
    • Inhalt:
      SAFRANSKI berichtet über die Entzauberung der Liebe durch Wissenschaften wie die Endokrinologie, die Zusammenhänge zwischen körperlichen Vorgängen und Gefühlen herstellt.
 
   
  • BROOCKMANN, Karsten & Kristian STEMMLER (2001): St. Georg ist Single-Hochburg.
    In fast der Hälfte aller Hamburger Haushalte lebt nur noch eine Person. Überzeugte Singles bevorzugen citynahe Stadtteile.
    in: Hamburger Abendblatt v. 28.12.
    • Kommentar:
      An Hamburg lässt sich die soziale Spaltung der Single-Haushalte sozialräumlich ablesen: Während in St. Georg, St. Pauli und Rotherbaum junge Studenten und Yuppies leben, sind Barmbek, Hamm-Nord und Dulsberg die weniger attraktiven RentnerInnenhochburgen.
            
      In den begehrten Vierteln leben auch die "Yappies", d.h. junge, wohlhabende Eltern mit überwiegend einem Kind. Diese Angehörigen der Generation Golf sind auch die umworbene Zielgruppe der Familienpolitiker.
 
     
   
  • HENARD, Jacqueline (2001): Vater unser.
    Warum überaltert unsere Gesellschaft? Wegen allgemeiner Zukunftsunsicherheit und weil Frauen Karriere machen wollen, so sagt man. Aber wie denken eigentlich Männer über Kinder?
    in: Die ZEIT Nr.01 v. 27.12.
    • Kommentar:
      Während Alice SCHWARZER den Geburtenrückgang als Resultat eines "Gebärstreiks" der Mittelschichtfrauen vermarktet, ist für HENARD der "Zeugungsstreik" der Männer mitverantwortlich für die Misere. Überhaupt die Männer! Kinderlose Männer und ihre Motive sind nach Meinung von HENARD ein vernachlässigtes Forschungsthema.
            
      HENARD unterstellt den Männern politisch korrekte Antworten bei Meinungsumfragen. Wissenschaftler nennen dies soziale Erwünschtheit von Antwortverhalten. Auch Frauen antworten politisch korrekt. Dieser blinde Fleck der feministischen Forschung bleibt unerwähnt.
            
      Die Autorin zitiert u.a. aus den Untersuchungen von Wassilios FTHENAKIS und Christine CASTELAIN-MEUNIER. Die Pariser Soziologin hat die Leserschaft der französischen Männerzeitschriften untersucht:
            
      "Im Vordergrund stehen Gesundheit (!), Sex- und Ernährungstipps. Die klassischen Männerthemen - Politik, dicke Autos, nackte Mädchen und Gehaltsvergleiche - sind an den Rand gedrängt." Moniert wird, dass Väter und Vaterschaft kein zentrales Thema sind. Aber dann müssten sie wohl auch Väter- und nicht Männerzeitschriften heissen!
            
      Für HENARD liegt das Übel im Zerfall der Vaterschaft seit den Zeiten des Patriarchen. Besonders erwähnt werden die Jahreszahlen 1968 und 1789:
            
      "Die Revolution holte Ehe und Familie aus den Höhen des Pakts vor Gott in die irdische Vertragswirklichkeit herunter, indem sie die standesamtliche Trauung einführte. Die Entheiligung der Ehe ermöglichte einen neuen Blick auf die Kinder und die (Wieder-)Begründung der sozialen Vaterschaft. Kinder konnten nun adoptiert werden."
            
      HENARD ist jedoch davon überzeugt, dass die zukünftige Familienpolitik die Väter wieder vermehrt in den Blick bekommt. "Work-Life-Balance" ist hierfür das Zauberwort. Frankreich erscheint in dieser Sicht vorbildhaft:
            
      "Frankreich, wo knapp die Hälfte aller Kinder außerehelich geboren wird, will als vorbeugende Maßnahme im kommenden Jahr einen »Vaterschaftspass« einführen. Er soll werdenden Vätern ihre Pflichten vor Augen führen - und auch ihre Rechte gegen weibliche Allmachtsansprüche. Außerdem tritt ein bezahlter Vaterschaftsurlaub (elf zusätzliche Tage in den ersten vier Lebensmonaten) nach skandinavischem Modell in Kraft.
      Den Einwand, dass 14 Tage bezahlter Urlaub volkswirtschaftlich teuer seien, wischt die französische Familienministerin schlicht vom Tisch: Teuer sei es für eine Gesellschaft vor allem, wenn sie nicht genügend Kinder hätte und die Väter keine ausreichend tiefe Bindung zu ihrem Nachwuchs entwickelten."

            
      Im internationalen Vergleich stehen die Deutschen nach Meinung von HENARD schlecht da.
            
      In solchen Vergleichen wird aber grundsätzlich nicht auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der verschiedenen Länder eingegangen: weder findet die historisch gewordene Altersstruktur Erwähnung, noch die unterschiedlichen Bevölkerungsstrukturen (agrarisch orientierte, industrielle oder postindustrielle Gesellschaften) oder die Bevölkerungsdichte. Stattdessen wird suggeriert, dass das Verhalten einer Generation ausschlaggebend für die demografische Entwicklung sei. Wer die Geburtenraten isoliert betrachtet, der muss zwangsläufig enttäuscht werden, wenn Familienpolitik oder Bevölkerungspolitik keine Änderungen bewirkt.
 
   
  • AFHELDT, Heik (2001): Die Bombe tickt...
    ... doch die Politiker wollen nicht hören. Die überalterte Gesellschaft sprengt die Sozialsysteme,
    in: Die ZEIT Nr.01 v. 27.12.
    • Kommentar:
      AFHELDT macht Produktwerbung in eigener Sache. Er hat an einem Positionspapier des SPD-Managerkreises mitgearbeitet, das er nun vorstellt. Seine Lieblingsvokabeln sind "dramatisch", "bedrohlich", "erschreckend". Man ahnt: es geht um die Erzeugung von Handlungsdruck.
            
      Angeblich lässt sich der "drohende Bevölkerungsschwund (...) für die nächsten 30 Jahre ziemlich exakt vorausberechnen". Man muss jedoch nur die Prognosen der Bevölkerungswissenschaftler vor 1965 mit jenen danach vergleichen, um festzustellen, dass die Prognosefähigkeit der Demografen arg zu wünschen übrig lässt! Das weiss auch AFHELDT: "bei den unteren, den jungen Schichten der Alterspyramide sind Verhaltensänderungen möglich".
            
      Die steigende Staatsquote durch die Überalterung sind das zentrale Thema. Man liest deshalb von der "Alterslast", statt von der "Belastungsquote".
            
      Die Belastungsquote setzt sich aus den noch nicht Erwerbstätigen (Kinder und Jugendliche) und den nicht mehr Erwerbstätigen (Rentner und Pensionäre) zusammen und bezieht sich auf die Zahl der potentiellen Erwerbstätigen.
            
      Das Eintrittsalter in den Arbeitsmarkt und das Austrittsalter sind jene Variablen, die die Belastungsquote entscheidend ändern können.
 
   
  • NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG (2001): Protest: Ich bin kein Single,
    in: Neue Osnabrücker Zeitung v. 27.12.
    • Inhalt:
      Bericht über die Protestaktion vom Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) gegen das Zweite Gesetz zur Familienförderung.
 
   
  • TÖNNIES, Sibylle (2001): Lob der Weihnachtsgeschichte.
    Einmal im Jahr rückt das Christentum Mutter und Baby ins Zentrum des Interesses - eigentlich keine schlechte Idee. Wir können davon etwas lernen - auch heute noch,
    in: TAZ v. 24.12.
    • Inhalt:
      "In früheren Zeiten, in denen Kinder innerhalb von Ehen gezeugt wurden, ging es um das Schicksal der Witwen und Waisen. Sie stellten das soziale Problem dar, an dem sich die Gutherzigkeit bewähren sollte."
            
      Das ist nach Sibylle TÖNNIES heutzutage anders:
      "Es soll für Frauen ohne festen Mann kein Anreiz geschaffen werden, sich fortzupflanzen."
 
   
  • SEIFERT, Ruth (2001): Helden und Heulsusen.
    Im Krieg verfestigen sich die traditionellen Geschlechterbilder. Frauen verschwinden als Handelnde vom Bildschirm - und tauchen als Opfer wieder auf,
    in: TAZ v. 24.12.
    • Inhalt:
      SEIFERT geht der Frage nach, ob die (traditionellen) Männer Kriegsgewinnler sind.
 
   
  • TAZ-Thema: "Weihnachten - das Fest der Familie".
    Versuchen Sie, an Weihnachten der Familie zu entfliehen! Sie werden sehen: Es geht nicht, egal wie gut oder schlecht Ihre Erinnerungen sind. Denn Weihnachten ist ein Programm, ein inneres. Man kann nur versuchen, jedes Jahr ein bisschen an der Software herumzubasteln

    • DRIBBUSCH, Barbara (2001): Weihnachten? Reine Nervensache.
      Weihnachten für die Familie: Sorgsam und sensibel gestalten die Eltern das Fest für die Kinder. Man hat ja seine Erfahrungen,
      in: TAZ v. 24.12.
      • Kommentar:
        DRIBBUSCH stellt den "Kinderbesitzern" drei Typen von Kinderlosen gegenüber:
              
        "Da gibt es die Bulthauptküchenfraktion, gut verdienende Paare, die zum viergängigen Dinner ins designte Dachgeschoss einladen, dann die Fernreisenflüchtlinge (...) und schließlich die Singles, die zu den alten Eltern nach Hause fahren."
              
        Mehr hat die betagte Familien-TAZ nicht anzubieten...
    • MERKER, Miriam (2001): Weihnachten? Reine Nervensache.
      Weihnachten gegen die Familie: Nichts wie weg von den Eltern an den Festtagen! Man hat ja seine Erfahrungen. Bloß: wohnin?,
      in: TAZ v. 24.12.
      • Kommentar:
        Auch bei MERKER sieht Weihnachten wenig tröstlich aus. MERKER wohnt zwar "alternativ" in der "Wohngemeinschaft", statt mit dem Partner zusammen zu leben, aber ansonsten ist vom "alternativ" nichts mehr übrig, es bleiben die üblichen Paarsorgen. Die Gattung "Single" ist bei der Generation TAZ ausgestorben...
    • DRIBBUSCH, Barbara (2001): Tipps für Weihnachtsmuffel.
      Sie schaffen die Feiertage - mit unserer Hilfe,
      in: TAZ v. 24.12.
    • KUHLBRODT, Detlef (2001): Schweigen mit Nihil Baxter.
      Nach Hause fahren zum Fest der Liebe,
      in: TAZ v. 24.12.
 
   
  • METZGER, Daniel (2001): Das Wohnbüro.
    Digitalisierung und Elektronisierung von Büro wie Wohnung schreiten unaufhaltsam voran - und verwischen Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit,
    in: SonntagsZeitung v. 23.12.
    • Inhalt:
      Der Soziologe Hans GESER von der Universität Zürich stellt zwischen der Haushaltstechnisierung und der Individualisierung einen Zusammenhang her:
            
      "«Die technischen Mittel erlauben es jeder Person, sich zu jedem gewünschten Zeitpunkt in eine eigene Welt zurückzuziehen - auch innerhalb der eigenen Famile.» Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren verstärken werde. Doch nicht die Technik ist laut Geser schuld, dass dies geschehe, im Gegenteil: «Die neuen Technologien sind deshalb so erfolgreich, weil sie einem bereits bestehenden Bedürfnis entsprechen.»"
 
   
  • HENKEL, Regina-C. & Nike WEISS (2001): "Das tradtionelle Rollenbild aufbrechen".
    Bundesministerin Christine Bergmann über Karriere-Väter, Teilzeit-Mütter und den Standortfaktor Familie
    in: Tagesspiegel v. 23.12.
 
   
  • ALBERS, Markus & Ulf POSCHARDT (2001): Die normale Frau von morgen.
    Rebellische Pose, aber eigentlich ziemlich brav: Mit diesem Rezept wurde die amerikanische Sängerin Gwen Stefanie zur neuen Königin der Popmusik,
    in: Welt am Sonntag v. 23.12.
    • Kommentar:
      Wie der Popadel für die Bevölkerungspolitik dienstbar gemacht werden soll, davon zeugt der Artikel von ALBERS und POSCHARDT:
            
      "Wer, wenn nicht Popstars, sollte dafür sorgen, dass ein Ruck durch unsere jungen Leute geht, wie das der ehemalige Bundespräsident Herzog so richtig forderte."
            
      Heiraten und Familiengründen, das ist das bevölkerungspolitische Programm der bürgerlichen Popmusik für die Generation Golf.
 
   
  • DÜFFEL, John von (2001): DIE Jahreszeiten des Körpers.
    Wie vertragen sich Adventsstimmung und Ego-Gesellschaft? Der Bestsellerautor John von Düffel schrieb für die Welt am Sonntag eine Weihnachtsgeschichte zwischen Spekulatiusduft und Fitness-Studio,
    in: Welt am Sonntag v. 23.12.
 
   
  • WEIGUNY, Bettina (2001): Wenn der Schnuller die Wahrheit verrät.
    Vaterschaft mit Brief und Siegel: Biotech-Unternehmen entdecken jeden Seitensprung,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.12.
 
     
   
  • KALS, Ursula (2001): Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam.
    Das Leben in Ordensgemeinschaften erfordert starke Persönlichkeiten. Suche nach Kontemplation,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.12.
 
   
  • DATH, Dietmar (2001): Ist denn gar nichts mehr heilig?
    Im Schlafzimmer der Verdinglichung: Die Liebe der Zukunft wird eine Liebe zu Puppen sein,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.12.
    • Kommentar:
      Der Kulturpessimist Dietmar DATH ist den Absonderlichkeiten der "Single-Gesellschaft" nachgegangen. Seine Gewährsmänner sind Michel HOUELLEBECQ und Bret Easton ELLIS. Im Mittelpunkt stehen deshalb die "emotional geschädigten, kontaktgehemmten mittelständischen Sexual-Autisten unserer Großstädte", die Partnervermittlungen wie "Coincidence Design" beauftragen oder in "Hausgemeinschaften mit Real Dolls" leben.
 
   
  • BERG, Sibylle (2001): Erbmasse.
    Sibylle Berg macht sich Gedanken über das Altern,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.12.
    • Inhalt:
      Eine traurige Geschichte von Sibylle BERG über eine alte Dame, die sich nicht mit ihrem Heim-Dasein abfinden kann:
            
      "Sie hatte (...) gedacht, sie wäre bestimmt nicht allein im Alter, es würde schon noch eine große Liebe kommen, eine Familie, oder zumindest zöge sie mit vielen Freunde in ein prima Haus am Meer. Die Freunde waren tot (...). Die große Liebe war nie gekommen. Über Nacht hatten alle Männer ihres Alters junge Stewardessen als Freundin und (...) dann war sie irgendwann immer hingefallen, konnte nicht mehr arbeiten und nun stand sie hier, am Fenster in diesem Heim."
 
     
   
  • HECHT, Martin (2001): Verblasster Mythos: Die Stille
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.12.
    • Kommentar:
      Der "Heimatdichter" HECHT findet seine neue Heimat - die Stille - im Mittelalter, denn dort war die Welt noch in Ordnung: sprich - es gab noch keine Autoritätskrise:
            
      "Das Getöse verrät eine Autoritätskrise. Mit der neuzeitlichen Legitimationskrise des mittelalterlichen Glaubenssystems zerbricht die Autorität Stück für Stück, mit ihr das Schweigegebot vor Gott."
            
      Das Mittelalter hat Hochkonjunktur! Auch Gaby SCHWEIZER widmet sich in der SonntagsZeitung vom 23.12.2001 dieser Zeit, die der englische Historiker Nicholas ORME rehabilitieren möchte. Das Leben der Knaben und Mädchen soll nicht wesentlich anders gewesen sein als heutzutage.
            
      Nur: "Überlieferte Elternliebe und Kinderreime ändern nichts daran, dass rund die Hälfte der Kinder das zehnte Altersjahr nicht erreichte und bloss eine Minderheit der Knaben zur Schule ging."
            
      Die Mehrzahl der Menschen im mittelalterlichen Europa war mit dem Überleben beschäftigt und hatte deshalb kaum die Muse zur Stille...
 
   
  • GERBERT, Frank (2001): Keine Lust auf nirgendwo.
    Die Deutschen werden zu Job-Nomaden mit wechselnden Wohnsitzen - und pfeifen auf Heimat. Die These klingt einleuchtend, ist aber falsch
    in: Focus Nr.52 v. 21.12.
    • Kommentar:
      GERBERT stellt einen falschen Gegensatz zwischen Heimat und Ortswechseln her, um zu beweisen, dass Heimat Konjunktur hat in Deutschland.
            
      Während der empirische Begriff "Ortswechsel" eine objektive Kategorie ist, wird mit Heimat ein subjektives Gefühl angesprochen. Wäre GERBERT konsequent, dann müsste er zwischen erzwungenen und gewünschten Ortswechseln sowie erzwungener und erwünschter Immobilität unterscheiden. Stattdessen unterliegt dem Text der undifferenzierte Mobilitätsbegriff der Individualisierungsthese von Ulrich BECK.
            
      Unberücksichtigt bleiben desweiteren die Rahmenbedingungen von hoher Arbeitslosigkeit versus Vollbeschäftigung, die Einfluss auf die Wahrnehmung von Mobilität haben.
            
      Unerwähnt bleibt auch die Tatsache, dass moderne Verkehrsmittel in zunehmendem Masse Multilokalität ermöglichen und somit die Entscheidung Umzug oder Zweitwohnsitz eine historische Veränderung erfahren haben.
            
      Erwähnt wird stattdessen der "Heimatdichter" Martin HECHT, während der Bezugstext des Artikels nicht genannt wird: das vor kurzem erschienene Buch "Jobnomaden" von Gundula ENGLISCH.
      Wenn zwei Stereotypen aufeinanderprallen, dann entsteht kein Bild von der Wirklichkeit, sondern eine Scheindebatte.
 
   
  • LORD, Claudia (2001): Yo-Yo, das interaktive Rendezvous via Fernbedienung.
    Britischer Sender eröffnet ersten TV-Flirt-Kanal
    in: Welt v. 20.12.
 
   
  • HILLENKAMP, Sven (2001): Ein Prophet sucht nach Worten,
    in: Die ZEIT Nr.52 v. 20.12.
    • Kommentar:
      Ein Loblied auf den Soziologen Ulrich BECK. Der Kosmopolit aus der 68er-Generation durfte seine Individualisierungsthese vor der russischen Duma vortragen.
            
      HILLENKAMP hält BECK für jemanden, der die Chancen der Individualisierung hervorhebt. Das scheint eher ein typisches Missverständnis zu sein. Die Individualisierungsthese ist so dehnbar, dass sie jedem Zeitgeist gerecht wird, denn nach BECK kann immer auch das Gegenteil wahr sein. Je nach Situation lassen sich die Nachteile oder die Vorteile der Individualisierung betonen. Die These ist also genauso flexibel wie die Gesellschaft, für die sie gedacht ist!
 
   
  • HILLENKAMP, Sven (2001): Ein Prophet sucht nach Worten,
    in: Die ZEIT Nr.52 v. 20.12.
    • Inhalt:
      HILLENKAMP porträtiert den Soziologen Ulrich BECK anlässlich seiner Rede vor dem russischen Parlament.
 
   
  • SPIEWAK, Martin (2001): Leiden an der guten Hoffnung.
    Die Zahl der künstlichen Befruchtungen steigt rapide. Doch die psychische Belastung ist für viele Paare schwer zu ertragen,
    in: Die ZEIT Nr.52 v. 20.12.
 
   
  • DPA (2001): Werte werden wichtiger als Waren.
    Forscher prognostizieren für 2002 neuen Zeitgeist,
    in: Mannheimer Morgen v. 20.12.
 
   
  • GALA (2001): Die 50 begehrtesten Singles.
    Sie sind prominent, schön - oder wenigstens reich. Und sie sind so allein... GALA präsentiert die besten Partien. Und verrät, wo man sie trifft. Flirt-Tipps inklusive,
    in: Gala Nr.52 v. 19.12.
    • Kommentar:
      Das People-Magazin GALA möchte auch an Singles verdienen...
 
   
  • SG (2001): "Freiwilligenarbeit soll auch jenen dienen, die sie leisten.
    Vom Nutzen des Sozialzeitausweises bei der Stellensuche,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 19.12.
 
   
  • HANFELD, Michael (2001): Being Mr. Big.
    Frauenphantasien? "Sex and the City" ist ein Film für Männer!,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.12.
    • Kommentar:
      Was ist das Gute an "Sex and the City"?
            Alle können damit zufrieden sein, selbst Machos! Denn jeder kann aus der Serie das herausziehen, was seinem Ego das nötige Selbstwertgefühl verleiht.
            
      HANFELD tut das stellvertretend für alle Machos, die den Slogan "Auslaufmodell Mann" fälschlicherweise auf sich und nicht auf den Neuen Mann beziehen.
            
      Dieses Weichei, das früher "Softie" und heute "Neuer Mann" genannt wird, ist mittlerweile von zwei Seiten unter Beschuss geraten.
            
      Zum einen wird der Softie von Postfeministinnen verspottet, die einen Mann nur zum Kinderkriegen und als Ernährer benötigen.
            
      Andererseits ist er die Zielscheibe von Möchtegern-Machos, die sich vor Frauen ängstigen und deshalb starke Sprüche wie "Softies haben gute Gespräche und Machos derweilen Sex" als Identitätskrücke benötigen.
            
      HANFELD hat deshalb "Sex and the City" für diese "armen Machos" unter die Lupe genommen. Nach dieser Sichtweise, sehnen sich die weiblichen Akteure nach nichts anderem als dem starken Mann. Mr. Right heisst deshalb folgerichtig Mr. Big.
            
      Psychoanalytikerinnen wie Maja STORCH schreiben darüber sogar Bücher wie "Die Sehnsucht der starken Frau nach dem starken Mann".
            
      Solche Machos interessiert an SatC - neben den flotten Dialogen - nur die Frage, ob Carrie ihren Mr. Big wiedersieht, denn beide sind wie geschaffen füreinander. Die Hoffnung auf eine dauerhafte Paarbeziehung, die Konsequenzen hat, macht die Serie für diese Männer erträglich.
            
      HANFELD klammert sich deshalb an den Satz von Chris NOTH, der Mr. Big spielt und im richtigen Leben 46 Jahre geworden ist - ohne jemals geheiratet zu haben: "Wir können nicht ewig damit weitermachen, ins und aus dem Bett zu hüpfen, ohne Konsequenzen".
            
      Was es mit den Konsequenzen auf sich hat, das zeigt das Foto zum Artikel: Chris NOTH mit einem Baby auf dem Arm! HANFELD hofft auf das Wunder vom 11. September und darauf, dass dadurch alles anders wird - auch bei SatC. Aber SatC wäre dann nicht mehr SatC, sondern Buddenbrocks für die Generation Biedermeier.
            
      Noch ein Nachtrag zu den Softies. Wenn die Biologen Steven W. GANGESTADT und Randy THORNHILL mit ihrer These Recht hätten, dass sich die Vorlieben von Frauen je nach fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tagen ändern, dann wären
      Softies die geborenen Swinging Singles,
      denn Frauen interessieren sich nur an den unfruchtbaren Tagen für Softies. Sex ohne Folgen und das ohne auf Verhütung achten zu müssen. Ein Jungmännertraum würde endlich wahr! Aber verlassen sollte man sich darauf besser nicht, denn Theorien stellen sich des öfteren im Nachhinein als falsch heraus und bisher hat noch niemand einen Forscher erfolgreich auf Unterhalt verklagt. (siehe Heidi NIEMANN in der Frankfurter Rundschau vom 17.12.2001 "Mal ist der sanfte Versorger, mal der Macho mit starken Genen gefragt")
 
   
  • DPA (2001): Einsame Singles unterm Weihnachtsbaum sind Irrglaube.
    Laut Uni Mainz wird an Wochenenden Alleinsein schlimmer empfunden,
    in: Mannheimer Morgen v. 19.12.
  • DPA (2001): Alleinlebende sind am Wochenende einsamer als zu Weihnachten,
    in: Dolomiten v. 19.12.
    • Kommentar:
      Singles meint hier alleinwohnende Partnerlose und diese haben nach Stefan HRADIL die Wahl zwischen der Weihnachtsfeier mit den Eltern oder teuren Veranstaltungen speziell für jene, die davor genauso viel Horror haben wie vor einem Wochenende allein zu Hause.
 
     
   
  • Jubiläum: 25 Jahre Alice SCHWARZERs "Emma"

    • KOHSE, Petra (2001): Die Alpha-Frau.
      Nach 25 Emma-Jahren begibt sich Alice Schwarzer unter Zigarrenraucher und gründet vorerst keine Partei,
      in: Frankfurter Rundschau v. 19.12.
      • Inhalt:
        Petra KOHSE liefert einen bissigen Bericht über die Pressekonferenz von und mit Alice SCHWARZER, die ihr "gusseisernes Lächeln" lächelte.
              
        Mit "Ulbricht-Rhetorik" und "Jubelumfrage" wird der Stil von SCHWARZER gekennzeichnet, der bei KOHSE auf Ablehnung stösst, auch wenn sie die Verkörperung des Feminismus für fachlich kompetent hält. Sie kann sich z.B. mit Floskeln wie dem "'wortlosen Gebärstreik' der akademisch gebildeten Mittdreißigerinnen" identifizieren und hält den Anspruch junger Frauen auf Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft für unrealistisch.
              
        Das Unzeitgemässe der Grande Dame des Feminismus bringt der letzte Absatz von KOHSEs Bericht auf den Punkt:
              
        "Als nach einer kurzen Fragerunde in der Paris Bar das Buffet eröffnet wurde, ergab es sich, dass direkt über dem Tellerstapel die Zeichnung eines erigierten Schwanzes prangte. Alice Schwarzer hat das nicht bemerkt. Sie gab Einzelinterviews. Zum Essen hatte sie keine Zeit."
    • STELZER, Tanja (2001): Jetzt mach' mal einen Punkt.
      Nach 25 Jahren trifft Alice Schwarzers Zeitschrift "Emma" noch immer den Zeitgeist, aber nicht mehr den Ton,
      in: Tagesspiegel v. 19.12.
    • BINDER, Elisabeth (2001): Der neue Glamour,
      in: Tagesspiegel v. 19.12.
    • BINDER, Elisabeth (2001): Hinter den Linden.
      Alice im Kanzleramt,
      in: Tagesspiegel v. 18.12.
    • HEY (2001): Falsche Frauen.
      Wie "Emma" ihr Jubiläum feiert,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.12.
    • KOK, Elmar (2001): Jeder Fünfte würde "Emma" wählen.
      Zum 25. Geburtstag von "Emma" präsentiert Alice Schwarzer eine schmeichelhafte Studie über sich und ihre Zeitschrift
      in: TAZ v. 18.12.
    • KLEIN, Nina (2001): Männer machen Kriege - Alice Schwarzer for President.
      Das Monatsmagazin "Emma" feiert seinen 25. Geburtstag,
      in: Welt v. 18.12.
 
   
  • HERRMANN, Ulrike (2001): Scheiß auf die Typen.
    Schon 400 Jahre vor "Sex and the City" wusste Moderata Fonte, dass Männer einfach niederträchtig sind - und das mit zwei Ausrufezeichen
    in: TAZ v. 18.12.
    • Kommentar:
      HERRMANN stellt das Buch "Das Verdienst der Frauen" von Moderata FONTE vor.
            
      Das Buch wurde bereits 1592 publiziert und spielt im "Manhattan der Renaissance": Venedig.
            
      HERRMANN sieht die Fernsehserie "Sex and the City" in der Tradition des Frauengesprächs, das als literarische Gattung bereits vor über 400 Jahren von Moderata FONTE erfunden worden ist. Allerdings sind die damalige Verhältnisse kaum mit denen von heute zu vergleichen:
            
      "Ledige Frauen werden nicht toleriert und als »Bräute Christi« mit Jesus zwangsvereint. 1581 lebten über die Hälfte der Patrizierinnen in den fast fünfzig venezianischen Klöstern, 1642 waren es sogar über 80 Prozent. Denn ihre männlichen Verwandten hatten nicht die Neigung oder nicht die Mittel, die hohen Mitgiften aufzubringen. Da kam die »Nonnenhölle« billiger, falls man sich nicht entschloss, die unverheiratete Schwester im eigenen Haushalt auszubeuten".
            
      Anerkannt ist das Alleinsein auch heute noch nicht - selbst in Manhattan. "Alleinsein ist wie Aussatz", formuliert das drastisch HERRMANN, aber die finanzielle Abhängigigkeit ist für viele Singles heute weggefallen.
            
      Während heutzutage auch Single-Frauen die Muse zum "Frauengespräch" haben, war dies zu Zeiten der Renaissance das Privileg der reichen Ehefrauen oder reichen Witwen. Eine solche reiche Witwe ist auch die Hauptperson des Buches "Das Verdienst der Frauen". Es handelt von sieben "Gentildonne", die sich regelmässig in einem venezianischen Palastgarten treffen, um - modern gesprochen - über die Männerwelt herzuziehen.
            
      Obwohl diese Frauen "den männlichen Machtmissbrauch kritisieren und das Recht auf Bildung und Selbstbestimmung einfordern - ihre Rolle als Hausfrau und Mutter hinterfragen sie nicht", moniert HERRMANN.
 
   
  • Zum Ende der ersten Staffel der Fernsehserie "Sex and the City":

    • ELFENBEIN, Stefan (2001): Wenn die Wimpern klimpern.
      Eine Bustour in New York führt "Sex and the City"-Fans an die Original-Schauplätze der Serie,
      in: Berliner Zeitung v. 18.12.
    • KAHLWEIT, Cathrin (2001): Wo ist Mr. Big?
      Die amerikanische Erfolgsserie "Sex and the City" findet auch in Deutschland weibliche Fans, die dreckig über Männer reden,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 18.12.
    • ALANYALI, Iris (2001): Wie wär's mit dir, mir und deiner Freundin?
      Zum Ende der ersten Staffel: Warum "Sex and the city" besser ist als andere Comedy-Serien und erfolgreicher,
      in: Welt v. 18.12.
      • Inhalt:
        ALANYALI ("»Sex and the City« ist das postfeministische »Frühstück bei Tiffany«") ist mit der Quote der ersten Staffel zufrieden ist:
              
        "Die absolute Freiheit bei gleichzeitiger Sehnsucht nach fester Bindung macht auch den Erfolg der SaC-Frauen aus - wer Single ist, sieht viel mehr fern. Bis zu drei Millionen schalteten wöchentlich die zwei Folgen auf Pro 7 ein."
              
        Für KAHLWEIT (»Sex and the City« "spart das Durchblättern von Cosmopolitain, Brigitte und Vogue") ist dagegen die Quote im Vergleich mit den USA unbefriedigend: "In den USA ist sie neben Ally McBeal nach wie vor der absolute Renner bei Party-Gesprächen. In Deutschland steigt die Quote nur langsam an; zuletzt lag sie bei 15 Prozent."
              
        KAHLWEIT sucht deshalb zum einen nach kulturellen Unterschieden und zum anderen nach innerdeutschen Ursachen, die dies erklären.
              
        Sie hat eine nicht repräsentative Umfrage im privaten Umfeld gestartet, um dem typischen SatC-Fan auf die Spur zu kommen. Ihr Ergebnis sind 4 Fangruppen:
              
        "junge Mädchen, die gern zuschauen, wie erfahrene Frauen es machen. Männer, die auf schnelle Dialoge und schöne Beine stehen. Frauen jenseits der 30, die den Mann fürs Leben gefunden haben und mit einer gewissen Abgeklärtheit daran erinnert werden wollen, wie es einst war. Und Frauen um die 30, die das Wort Torschlusspanik für eine Erfindung von Gynäkologen und Hochzeitsausstattern halten, die auf Afterworkpartys tanzen, Sonntage im Fitness-Club verbringen und gern auch mal einen Abend vor der Glotze verbringen."
 
   
  • HOFF, Hans (2001): Alice im Frauenland.
    "Emma" wird 25 Jahre alt und sucht jetzt den Humor,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.12.
    • Kommentar:
      HOFF berichtet über das Jubliläum von "Emma", einer Zeitschrift von und mit Alice SCHWARZER, die "manche eingestelllt wähnten, die aber noch so um die 55000 Exemplare verkauft und dabei auf 30000 Abonnentinnen und 1437 Frauen in 92 Emma-Clubs vertrauen kann. All diese Frauen bekommen inzwischen ein erwachsenes Blatt mit mehrheitlich ordentlichen Beiträgen, passablen Porträts und vielen Übernahmen aus Qualitätszeitungen."
 
   
  • NIEMANN, Heidi (2001): Mal ist der sanfte Versorger, mal der Macho mit starken Genen gefragt.
    Tagung: Das Paarungsverhalten des Menschen wird immer noch von Reflexen aus der Evolutionsgeschichte bestimmt
    in: Frankfurter Rundschau v. 17.12.
 
   
  • SCHMELZ, Gabriele (2001): Ach, wie viel die Liebe kostet.
    Von der Moral zum Marktgesetz: Dieter Wellershoff skizziert eine Geschichte des Eros in der Literatur
    in: Tagesspiegel v. 16.12.
    • Inhalt:
      SCHMELZ stellt das Buch "Der verstörte Eros. Zur Literatur des Begehrens" von Dieter WELLERSHOFF vor.
            
      Der Bogen der Literatur des Begehrens reicht von GOETHE bis zu HOUELLEBECQ:
            
      "Wenn Houellebecq die Befreiung der Sexualität als einen Absturz in darwinistische Barbarei beschreibt, so ist das heute ein Tabubruch, eine Umwertung der modernen emanzipatorischen Werte: Das Glücks- und Erfolgsprogramm der herrschenden Kultur hat sich gegen die traditionelle bürgerliche Verzichtsmoral des 19.Jahrhunderts durchgesetzt. In Houellebecqs Gedanken kehren alte Ängste vor der zerstörerischen Macht der Sexualität zurück."
 
       
       
   

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Zu den News vom 01.-15. Dezember 2001

 
       
   
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