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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 01.-15. April 2002

 
       
     
     
     
   
Spruch des Monats:
"Die wachsende Überalterung des deutschen Volkes steigt andauernd (...). Heute stehen 67 Prozent der Bevölkerung im produktiven Alter (...). Diese Zusammensetzung der Bevölkerung ändert sich stetig zuungunsten des Prozentsatzes der im produktiven Alter Stehenden, weil die Langlebigkeit wächst und die Geburtenzahl abnimmt."
(Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung vom 20.10.1953, zitiert nach Spiegel vom 15.09.1954, S.10)
 
       
   
  • TIME-Titelstory "Babies vs. Career"

    • GIBBS, Nancy (2002): Making Time for a Baby.
      For years, women have been told they could wait until 40 or later to have babies. But a new book argues that's way too late,
      in: Time Nr.15 v. 15.04.
      • Inhalt:
        Anlass der Coverstory ist das Erscheinen von "Creating a Life: Professional Women and the Quest for Children", das neuste Buch der "Antifeministin" Sylvia Ann HEWLETT.
             
        HEWLETT stellt die Gefahren der späten Mutterschaft in den Mittelpunkt. Ihr Buch ist ein Plädoyer dafür, zuerst an das Gebären und dann erst - wenn überhaupt - an eine Karriere zu denken.
             
        Obwohl die USA die höchste Geburtenrate unter den westlichen Industriestaaten hat, stehen die kinderlosen Karrierefrauen weiterhin im Brennpunkt des s öffentlichen Interesses.
             
        Stand in den 80ern und 90ern noch das Thema "Heiratschancen" im Vordergrund, so steht nun seit einiger Zeit das Thema "Gebärchancen" auf der Tagesordnung. Kampagnen (Motto: "Advancing age decreases your ability to have Children") sollen Karrierefrauen ihre geringen Gebärchancen vor Augen führen.
             
        Karrierefrauen sollen aufgrund von Medienberichten über die Erfolge der Reproduktionsmedizin unrealistische Vorstellungen über ihre Fruchtbarkeit haben.
              
        Auch bei dieser Kampagne ist die Statistik ein wichtiges Instrumentarium, um den Karrierefrauen ihr Dilemma zu verdeutlichen:
             
        "Recent Census data support Hewlett's research: childlessness has doubled in the past 20 years, so that 1 in 5 women between ages 40 and 44 is childless. For women that age and younger with graduate and professional degrees, the figure is 47%."
             
        Die statistischen Zahlen sagen jedoch nichts über die Freiwilligkeit der Kinderlosigkeit aus. Während Feministinnen durch die Kampagnen die Wahlfreiheit von Frauen eingeschränkt sehen, gehen die Kampagnenbefürworter dagegen davon aus, dass Frauen aufgrund mangelndem Wissen über die Gebärchancen ihren Kinderwunsch so lange hinausschieben, dass sie den Zeitpunkt für ein Kind verpassen und damit ungewollt kinderlos bleiben:
             
        "a couple that imagines fertility is no problem until age 40 and tries to get pregnant for 30 months before seeing a doctor is facing very long odds of ever becoming parents. "
    • PONIEWOZIK, James (2002): The Cost of Starting Families.
      For those who choose to have children early in life, the trade-off may involve more than just money,
      in: Time Nr.15 v. 15.04.
      • Inhalt:
        PONIEWOZIK stellt junge Mütter mit ihren Problemen vor. Am Ende werden nochmals die Vorteile der frühen Entscheidung zum Kind herausgestrichen:
             
        "They have greater energy to keep up with young kids and can look forward to a longer empty-nest life. In addition to the reduced risk of running into fertility problems, some moms say they're glad they took the physical beating of pregnancy and labor while still in their more resilient 20s."
 
     
   
  • SAUERBORN, Werner (2002): Das Geschlechterverhältnis bleibt unangetastet.
    Klassische Frauenpolitik hat ihre selbst gesteckten Ziele nicht erreicht und ist in einer tiefen Krise, die sie kaum reflektiert,
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.04.
    • Kommentar:
      Der Gewerkschaftssekretär SAUERBORN fordert eine Neuorientierung der Frauenpolitik.
           
      Waren die Gewerkschaften bislang Garanten des alten patriarchalen Familienideals aus den 50er Jahren, das im Mann den Familienernährer sieht, so soll sich dies nun ändern.
           
      Der Verdi-Funktionär kritisiert jedoch nicht diese gewerkschaftliche Traditionslinie, sondern attackiert zeitgeistgemäss - im Einklang mit dem Postfeminismus der Generation Golf und der postfeministischen Männerbewegung - die betriebliche Frauenpolitik, die sich im System der Frauenbeauftragten manifestiert hat.
      Vereinfacht ausgedrückt: Statt Frauenpolitik für Kinderlose und kinderreiche Frauen im Niedriglohnsektor soll nun Politik für die Mütterelite der Neuen Mitte betrieben werden.
      Mit dem modischen Begriff der "Geschlechterdemokratie" umschreibt SAUERBORN die Anforderungen an eine neue Geschlechterpolitik. Dazu gehört die Modernisierung des Ehegattensplittings, Rentenrechts, Elternurlaubs und der öffentlichen Kinderbetreuung.
 
   
  • HENSCHEID, Eckhard (2002): Vom Ende der Spassgesellschaft.
    Oder: Ist alles gar nicht wahr?
    in: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag v. 14.04.
    • Inhalt:
      "Gemeint war und ist mit der Spassgesellschaft eine Art dämonischer Neohedonismus spätheinesch-postnietzscheanischer Dionysität, kurz, die Durchgeknalltheit sämtlicher dazu entschlossener Deppen," bringt HENSCHEID den Begriff auf eine langatmige Formel, um am Schluss zu fordern:
           
      "Stoppt Scholl-Latour!
      Mit Ausnahme mancher Durststrecken des Hochmittelalters war die Spassgesellschaft wohl stets dominant."
 
   
  • ALBERS, Markus (2002). "Bastelclubs statt Pflichtjahr".
    Er beriet Schröder und Stoiber: Nun fordert Deutschlands führender Soziologe Ulrich Beck Alternativen zur Dienstpflicht und kritisiert mutlose Politiker,
    in: Welt am Sonntag v. 14.04.
 
   
  • SZ-Thema "Ausgehen in München"

    • Kommentar:
      Selbst die singlefeindliche SZ hat rechtzeitig zur Frühjahrssaison ihr Herz für die Singles entdeckt und bietet Ausgehtips - nicht nur für Paarungswillige.
    • MAYER, Christian (2002): "Enge kommt den Singles zugute".
      Wo geht was? Eine Psychologin über Bühnen, Blicke und Begegnungen
      in: Süddeutsche Zeitung v. 13.04.
      • Inhalt:
        Bummel durch Münchner Bars ("Centrale", "Schumann's", "Pacha") mit der Psychologin Christiane TRAMITZ
    • MAYER, Christian (2002): Stenz, Desperado, Häppchenjäger.
      Orte mit Reizklima: Lokale, in denen man gut flirten kann – ein Ratgeber für unterschiedliche Flirt-Typen
      in: Süddeutsche Zeitung v. 13.04.
      • Inhalt:
        MAYER hat die Flirt-Typen gemäss dem bevorzugten Flirtort in Arbeitstiere (After Business bzw. Work -Anhänger), Desperados (Flirt-Partys), Häppchenjäger (Restaurants), Schöngeister (Bistros), Teenie-Schwarm (Szene-Treffs) und Stenze (eigentlich überall zu Hause) eingeteilt.
 
   
  • BURGHARDT, Peter (2002): Das Boot ist oll.
    Was passiert, wenn die Pyramide kippt? In Madrid ging die zweite UN–Konferenz zum Thema Altern zu Ende,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.04.
    • Kommentar:
      BURGHARDT hat einen typischen klischeehaften SZ-Artikel mit den üblichen Schuldigen verfasst:
           
      "Das Problem der Jahrgänge betrifft ja längst nicht mehr hauptsächlich die reichen Nationen, wo verwöhnte Ehepaare lieber in die Karibik reisen, statt auf die Kleinen aufzupassen, oder Singles ihr Cabrio den Windeln vorziehen. Sie belastet trotz Bevölkerungsexplosion auch zunehmend den Süden".
 
   
  • WUTTKE, Claudia (2002): Drei Männer im Netz.
    Im Park oder auf der Straße liegt er leider nicht herum: der Traummann, ledig, unkonventionell, tageslichttauglich und anschmiegsam. Vielleicht findet er sich im Internet,
    in: Frankfurter Rundschau v. 13.04.
    • Inhalt:
      WUTTKE testet den Internet-Singletreff www.datingcafe.de. Und zum Schluss bleibt nur einer übrig:
           
      "Sven hat sich nicht abschrecken lassen. Er hat angerufen, einen Tag, bevor ich mich im Internet-Treff abgemeldet habe. Inzwischen haben wir uns zweimal gesehen. Er ist wirklich ein klasse Mann: charmant, gut aussehend, witzig und seit 18 Jahren glücklich gebunden. Er hatte sich im Internet-Treff angemeldet, um eine Reportage zu recherchieren. Aber ich war die einzige, die ihm gern Auskunft erteilt hätte."
 
   
  • RUTSCHKY, Michael (2002): Alles noch offen.
    Jugend als Roman und Utopie
    in: Frankfurter Rundschau v. 13.04.
    • Kommentar:
      Der Chronist des Alltags altert. Woran erkennt Mann das? Mann schwadroniert dann bevorzugt über den Jugendwahn der Gesellschaft. Mann möchte dann das gute alte psychoanalytische Konzept der Reife wiedereinführen, das den eigenen gesellschaftlichen Status im Reigen der Lebensalter wieder in sein Recht setzt.
           
      Angesichts der Tatsache, dass die Tochter einer Bekannten dieses Jahr ihr Abi absolvierte, fühlt sich RUTSCHKY zum Vergleich mit den 70er Jahren genötigt. Damals schwadronierte man noch nicht über Individualisierung, Orientierungslosigkeit oder Wahlfreiheit (Konzepte, die angesichts der damaligen Erfahrungen erst wiederentdeckt wurden!):
           
      "Damals hätte die Entscheidung für eine alternative Biografie schwere Zerstörungen der laufenden Biografie hervorgerufen (...). Damals (...) wollte man einen Roman schreiben (statt in den Schuldienst einzutreten), und das Losreißen aus dem gewohnten Leben machte die alternative Lebensmöglichkeit zu einer Art Prüfung. Bei der man meist durchfiel. Statt viele Möglichkeiten offen zu halten, suchte man den einzig richtigen Weg, und der konnte sich unmöglich auftun."
           
      Darüber hat RUTSCHKY das Buch "Erfahrungshunger" geschrieben (Dabei hätte er es belassen sollen!). Ein Buch über linke Mythen in linken Milieus der nunmehr zur Neuen Mitte bekehrten Modernisierungsgewinner.
           
      Damals war auch das Heiraten - zwar in einigen Kreisen immer weniger praktiziert - erster Schritt des Erwachsenwerdens. Vor dem Hintergrund dieses Reife-Konzepts kritisiert RUTSCHKY die gegenwärtige, infantile und deshalb kinderarme Gesellschaft, wenn er schreibt:
           
      "Das Unverheiratetsein erspart dem Paar, so scheint es, insbesondere die klare Vorstellung vom eigenen Lebensalter; man wird nie Vati oder Mutti, was für den jüngeren Menschen der Inbegriff des Älteren ist (...). Früher endete die Jugend mit 25 Jahren - aber das ist angesichts des Habitus und der Lebensweise vieler 35-Jähriger (aus den Mittelschichten, um das nicht zu vergessen) Unfug. Bei diesen Kadern endet die Jugend mit 40.
      Als Indiz für die Ausweitung des Lebensalters, erzählt an dieser Stelle unser Literaturwissenschaftler, wird immer wieder ein berühmter Roman von Balzac zitiert,
      Die Frau von dreißig Jahren, das ist 1834, als der Roman erscheint, die Frau, die ihren Abstieg beginnt als erotisches Wesen, ein Gedanke, den uns in der Gegenwart keine Frau von 30 Jahren eingibt (es sei denn, sie kommt aus den unteren Schichten). 1834 ist die Frau von 30 Jahren, was heute die Frau von 50 Jahren ist."

           
      RUTSCHKYs Essay zeichnet sozusagen das Sittenbild seines beschränkten Milieus aus der Perspektive der 50er-Jahre-Ideologie. Jugend war von jeher verdächtig und je mehr Jugend zur Minderheit wird, desto mehr scheint Jugendlichkeit zum Problem einer alternden Gesellschaft zu werden.
 
   
  • BERTRAM, Hans (2002): Kinderbetreuung ist nicht alles.
    Was ist die Familie wert? (3): Eltern brauchen Zeit für die Arbeit und Zeit für ihre Kinder. Dies zu gewährleisten, ist eine zentrale Aufgabe von Unternehmen und Gewerkschaften,
    in: TAZ v. 13.04.
    • Inhalt:
      Der Soziologe Hans Bertram fordert eine Kommunalisierung der Familienpolitik, weil sich in Stadt und Land das Problemfeld Familie genauso unterschiedlich darstellt wie für alte und neue Bundesländer oder Nord- und Süddeutschland.
           Im Gegensatz zu den Familienrhetorikern kann BERTRAM keine zunehmende Atomisierung feststellen.
      Vielmehr stellt er fest:
           
      "In der alten Bundesrepublik meinte man mit Familie fast durchweg: Vater, Mutter, Kinder. Und das war statistisch auch korrekt. Im Durchschnitt hatte sich von Ende der Fünfzigerjahre bis 1990 weder die Zahl der Familien (10,6 Mio.) noch der unterschiedlichen Familienformen wesentlich geändert."
           Erst durch die Wiedervereinigung avancierte nach BERTRAM die Familie zum Krisenphänomen:
           Im Jahr der deutschen Vereinigung wurden 'nur' 1,5 Millionen Alleinerziehende gezählt.
      Ein Jahr später sind daraus 2,1 Millionen geworden. Der plötzliche Anstieg 1991 kam zustande, da seit diesem Jahr auch die neuen Bundesländer mit einem hohen Anteil an Alleinerziehenden statistisch erfasst werden. Erst dadurch wurde ein Phänomen überdeutlich, das in den Jahren zuvor kaum eine Rolle gespielt hatte".
      BERTRAUM fordert desweiteren eine Neuausrichtung des Bildungssystems, denn die langen Ausbildungszeiten und der damit verbundene späte Berufseinstieg würden mit der Familiengründung kollidieren.
 
   
  • HARTMANN, Michael (2002): Bürgerkind sucht Bürgerkind.
    Nicht Leistung allein bestimmt beruflichen Erfolg, sondern viel wichtiger ist die soziale Herkunft,
    in: Welt v. 13.04.
    • Inhalt:
      Der Soziologe Michael HARTMANN hat die "Optionsgesellschaft" (Peter GROSS) unter die Lupe genommen und den Kern der Leistungsideologie auf seinen Wirklichkeitsgehalt überprüft. Sein ernüchterndes Ergebnis:
           "Besonders benachteiligt sind (...) Arbeiterkinder, die es mit viel Mühe und Anstrengung bis zum Doktortitel geschafft haben. In den 400 Spitzenunternehmen hat gerade einmal jeder 200ste von ihnen eine Topposition erreicht. In den anderen großen Firmen war es insgesamt auch nur jeder siebzehnte. Während der letzten vier Jahrzehnte hat sich dieser Unterschied nicht etwa verringert, wie man angesichts der Bildungsexpansion und der von früheren SPD-Regierungen verkündeten Formel von der Chancengleichheit hätte annehmen können, sondern vertieft. Die Aussichten auf eine Topposition sind für die Sprösslinge des gehobenen Bürgertums bis auf das Zweieinhalbfache gestiegen, für die des Großbürgertums sogar bis auf das Fünffache."
           HARTMANN erklärt dieses Ergebnis folgendermassen:
           "Die erheblich besseren Karriereaussichten für Bürgerkinder (...) resultieren im Kern aus der Tatsache, dass die Personen, die an der Spitze der Unternehmen stehen und damit über die Besetzung der Toppositionen entscheiden, für diese Positionen jemanden suchen, der ihnen im Habitus gleicht oder zumindest ähnelt: Bürgerkinder suchen Bürgerkinder. Die entscheidenden Besetzungskriterien: intime Kenntnis der Benimmcodes, breite Allgemeinbildung, unternehmerisches Denken sowie vor allem persönliche Souveränität begünstigen".
 
   
  • FREUND, Wieland (2002): Schön war die Zeit.
    ...aber jetzt wird es wieder ernst: "Empire", die Wendung der Postmoderne ins Soziale und warum Schriftsteller die Gesellschaft wieder von unten betrachten
    in: Welt v. 13.04.
    • Inhalt:
      Angesichts des Theoriebestsellers "Empire" von NEGRI & HARDT wagt FREUND erneut die These vom "Social Turn" in der Literatur.
           NEGRI/HARDT haben die "Postmoderne ins Soziale" gewendet und damit die Synthese zwischen euphorischen Jasagern (HORX) und nostalgischen Neinsagern (Die ewiggestrigen 68er) geschafft, behauptet FREUND und fügt hinzu:
           "Für die Theorie mag das neu sein, für die Praxis der Literatur ist es das nicht. Denn mit dem Erfolg von »Empire« einher gehen in der Literatur die Abwendung vom Spielcharakter der Postmoderne, die Verurteilung der Ironie als Strategie der zynischen Affirmation und die Hinwendung zur kleinen Erzählung der sozialen Gegenwart. Die Beispiele dafür sind zahlreich. Sie reichen von Georg M. Oswalds Roman »Alles, was zählt« bis zu Jonathan Franzens US-Bestseller »The Corrections« und sind Teil jenes nicht nur, aber besonders gern nach dem 11. September beschworenen neuen Ernsts der Literatur."
 
   
  • SCHÜTTE, Gisela (2002): Wohnungen am Fleet sollen Innenstadt beleben.
    Architekt Fuksas baut nach historischem Vorbild - Zielgruppen sind junge Singles und ältere Paare,
    in: Welt v. 13.04.
 
   
  • NZZ-Zeitfragen "Deponieren und fördern"

    • PETROWSKAJA, Katja (2002): Rückschau auf die sowjetische Didaktik für die Kleinsten.
      Lenin plus Klavier - Grundausstatt der Kindertagsstätten,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 13.04.
    • ARNDT, Mareile (2002): Ideologie der Kleinkinderbetreuung.
      Mehr weltanschauliche als pädagogische Argumente einer alten Diskussion,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 13.04.
    • GEISEL, Sieglinde (2002): Verantwortung für den «Arbeitsplatz Kind»
      Fremdbetreuung im Vorschulalter zwischen Ideologie und Konjunktur

      in: Neue Zürcher Zeitung v. 13.04.
 
   
  • BERG, Sibylle (2002): So muss es in der Hölle sein.
    Neuerdings gibt es Liebesschmerzkongresse, Vereine für Liebeskranke und eine Produktelinie für Verlassene. Alles Unsinn. Bei Liebeskummer helfen weder Ratgeber noch Selbsthilfegruppen. Was uns verrückt macht sind gestorbene Träume. Eigentlich wollen wir zurück in die Zeit, als wir eins mit der Mutter waren. Bedingungslosigkeit wollen wir, danach suchen wir und werden immer enttäuscht werden.
    in: Weltwoche Nr.15 v. 12.04.
 
   
  • RITZENHOFEN, Medard (2002): Diesmal ein stille Revolution.
    Beinahe unbemerkt setzte sich die Grande Nation an die Spitze des europäischen Fortschritts,
    in: Rheinischer Merkur Nr.15 v. 11.04.
    • Kommentar:
      RITZENHOFEN präsentiert das katholische Frankreich als europäischen Musterknaben:
           
      "Mit allseits Staunen erregenden Wachstumsraten profilierte sich das Land zwischen dem Sommer 1998 und Frühjahr 2001 als europäische Konjunkturlokomotive. Gleichzeitig führte die Linkskoalition die 35-Stunden-Woche ein, die seit Beginn dieses Jahres für alle Betriebe gesetzliche Gültigkeit hat."
      Spassgesellschaft und Babyboom sind aufgrund der 35-Stunden Woche in Frankreich vereinbar:
           "Verlängerte Wochenenden laden zu Kurzreisen ein.
      Restaurants, Kinos und
      Fitnessstudios melden verstärkte Umsätze. Die neu gewonnene freie Zeit belebt nicht nur die Freizeitindustrie, sondern kommt auch den Familien zugute. Berufstätige Eltern kümmern sich mehr um ihre Kinder."
           
      RITZENHOFEN knüpft an die Tradition des deutsch-französischen Geburtenwettlaufs (siehe GUILLEBAUD) an, wenn er ammerkt:
      "Da (...) der Alterungsprozess der Gesellschaft weniger stark ausgeprägt ist als in Deutschland könnte Frankreich - laut langfristiger Kalkulationen - im Jahr 2040 oder 2050 mehr Einwohner zählen als Deutschland."

           
      Die Behauptung von RITZENHOFEN, dass dies die Franzosen - trotz weniger Zuwanderung vollbracht haben - ist eine Mogelpackung. Dieter OBERNDÖRFER hat darauf hingewiesen, dass in Frankreich Menschen, die bei uns als Zuwanderer gezählt werden würden, als Franzosen in die Statistik eingehen (siehe FR vom 21.02.2002).
 
   
  • GALL, Insa (2002): St. Georg: Zwischen Agonie und Aufbruch.
    Bürgermeister informierte sich vor Ort über die Probleme. Von Beust will mehr Wohnraum schaffen
    in: Welt v. 11.04.
    • Kommentar:
      Der Hamburger Stadtteil St. Georg soll weiter aufgewertet werden.
           
      Die Grünen waren bei der Bürgerschaftswahl im September 2001 nach der SPD (37,2 %) die zweitstärkste Partei (20,4 %).
           
      Jugendstilgebäuden, city- und alsternahe Lage sind ideale Voraussetzungen einer Yuppisierung. Doormen sollen die Sicherheit erhöhen und mit einem Apartment-Hotel sollen Geschäftsreisende angelockt werden.
           
      Nur die Drogen- und Prostituiertenszene stört die Inbesitznahme des Quartiers durch die Family-Gentrifier.
 
   
  • BRONFEN, Elisabeth (2002): Geharnischte Glucken.
    Im Hollywood-Kino blasen die Müttermonster zum Angriff,
    in: Die ZEIT Nr.16 v. 11.04.
    • Kommentar:
      BRONFEN hat im amerikanischen Kino die beiden Mütterbilder "American Mom" und "Momism" in neueren Produktionen unter die Lupe genommen. Ihr Fazit zur mütterlichen Kampfzone:
           
      "Einerseits suchen all diese Filme über Mütter, die auf ihrem symbolischen Mandat beharren, eine Antwort auf den zeitgenössischen Zusammenbruch der Familie. Zum anderen deckt sich der Rückzug auf aktionistisch verkaufte Familienwerte natürlich mit den konservativen moralischen Aufgaben, die die Bush-Regierung und ihr geistig-moralischer Überbau den Amerikanerinnen wieder zuschreiben möchte."
 
   
  • SCHMIDT, Thomas E. (2002): Die neue Bürgerlichkeit.
    Mehr Lebensstil als Besitz, mehr Ehrgeiz als Herkunft: Die Deutschen suchen das Bourgeoise,
    in: Die ZEIT Nr.16 v. 11.04.
    • Kommentar:
      SCHMIDT skizziert das Wiederaufleben der bürgerlichen Attitüde nach dem Ende des Bürgertums.
           
      Dabei streift SCHMIDT so gut wie jedes modische Thema von der Angst vor dem Aussterben bis zum übermächtigen Wunsch der Eliten nach Führung (SCHMIDT nennt das als Angehöriger eben dieser Elite im Wartestand natürlich Wunsch nach Orientierung!).
           
      Eigentlich geht es SCHMIDT auch nur um die Verbürgerlichung der linken Milieus. Dazu holt er zu einer oberflächlichen Typisierung der einzelnen Milieus in den alten Bundesländern aus, um am Schluss bei der Erbengeneration zu landen.
           
      Die Krux dieser Generation ist, das sie zum einen die "eiserne bundesrepublikanische Klammer zwischen Wohlstand und Meriten" - also das Leistungsprinzip - auflöst und anderseits dadurch auf den Sozialstaat nicht angewiesen ist bzw. ihn als Klotz am Bein empfindet.
           
      SCHMIDT malt die schöne Erbenwelt, in der die Erben der Angstelltenwelt entfliehen, sich Freiberufler trotz Familie über Wasser halten können und der Gegensatz zwischen Individualismus und Gemeinwohlorientierung verdampft, in rosafarbenen Tönen.
           
      Die schöne Erbenwelt hat nur einen KLEINEN Haken! Die Erbengeneration ist gespalten in viele Nicht bzw. Gering-Erbende und wenige Viel-Erbende. Die Konsequenzen skizziert SCHMIDT folgendermassen:
           
      "Die Jüngeren werden sich nicht an den Alten reiben, weil die ihre Aufstiegs- und Versorgungschancen zunichte machen. Die Bruchlinie wird vielmehr zwischen jenen verlaufen, die ihr Leben in Selbstbestimmung und Selbstverantwortung organisieren können, und jenen, die mehr denn je auf staatliche Politik und staatliche Förderung angewiesen sind."
           
      SCHMIDT ist jedoch unverbesserlicher Optimist, denn die Spassgesellschaft ist nicht der Untergang der solidarischen Gesellschaft, sondern ihre Fortsetzung mit anderen Mitteln. Das Zauberwort heisst: individuelle Moral:
           
      "Entgegen der Vermutung droht Moralität keineswegs zu verdampfen. Nur muss sich die Person das normative Gerüst selbst zimmern, in dessen Rahmen sie leben will. Darin steckt auch Rebellion".
 
   
  • DILLOO, Rüdiger (2002): Erben für eine bessere Welt.
    Sie haben viel Geld von ihren Eltern. Aber das reicht ihnen nicht. Mit einer Stiftung finanzieren sie Protest und gesellschaftliches Engagement,
    in: Die ZEIT Nr.16 v. 11.04.
 
   
  • FACTS-Coverstory:
    BRÜDERLEIN, Ruth und Nina MERLI (2002): Du bist mein.
    Ein bisschen Eifersucht wird als Liebesbeweis fast erwartet. Wird sie jedoch zu stark, zerstört sie die Liebe. Gefeit ist davor niemand,
    in: Facts Nr.15 v. 11.04.
 
   
  • MAX-Coverstory: "Der Traum vom Kind".
    Neue Modelle für die junge Familie. Wir wir alles besser machen als unsere Eltern,
    in: MAX Nr.9 v. 11.04.

    • SIEGERT, Almut (2002): Generation Fruchtzwerg.
      Es gibt so viele Wege wie nie, Kinder, Karriere, Lifestyle und Freunde miteinander zu verbinden. JUNGE ELTERN machen es vor. Lässig integrieren sie die Kleinen in ihr Leben und wollen vor allem eines: Spaß,
      in: MAX Nr.9 v. 11.04.
    • WILKE, Stefanie (2002): Single mit Kind.
      Eine neue Generation von ALLEIN ERZIEHENDEN macht mobil: Das Modell der Ein-Eltern-Familie ist für immer mehr junge Mütter und Väter ganz normal. Jetzt muss nur noch die Politik ihr Herz für Kinder entdecken,
      in: MAX Nr.9 v. 11.04.
    • MAX (2002): Panne im Gesetz.
      Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) mischt sich erfolgreich in die Steuergesetzgebung ein,
      in: MAX Nr.9 v. 11.04.
    • WILKE, Stefanie (2002): Der Mutter-Gau.
      Gute Vorsätze sind etwas Schönes. Leider kann man sich nicht immer an sie halten: MAX-Redakteurin Stefanie Wilke über den bislang größten Störfall in ihrer Karriere als Super-Mami,
      in: MAX Nr.9 v. 11.04.
 
   
  • BAUM, David & Anne PHILIPPI (2002): Das Rätsel Houellebecq.
    Ist der französische Starautor Michel Houellebecq ein echtes literarisches Genie oder bloß ein rechter Provokateur? MAX machte den Text - und zog mit ihm eine Nacht lang durch Berliner Clubs,
    in: MAX Nr.9 v. 11.04.
    • Kommentar:
      Wenn HOUELLEBECQ eines Tages nur noch kindliches Lallen von sich geben würde, es würde sicher gedruckt und seitenlang interpretiert!
           
      Zwei Sätze von HOUELLEBECQ sind der Schlüssel zum Text: "Der Hauptvorwurf an mich ist nicht, dass ich rechts wäre, sondern dass ich indifferent bin." Und: "Ich habe das nur gesagt, weil es der Interviewer hören wollte."
           
      Das Wichtigste für ein People-Magazin: Das Interview fand bei einer Berliner Clubtour statt, begann im Restaurant "Borchardt" und endete in der "Greenwich-Bar". In ersterer muss man Holzfäller-Hemden tragen, um als VIP eingeordnet zu werden!
 
   
  • GOTHE, Karin (2002): Zu elft ans Ende der Tage.
    Sie fingen in ihren späten Jahren ein neues Leben an, sie sind der Stolz eines Göttinger Wohnprojekts - wie Frauen in der Gemeinschaft alt werden,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.04.
    • Inhalt:
      GOTHE berichtet über ein Göttinger Prestigeprojekt: eine Alten-Wohngemeinschaft in einer Jugendstilvilla im schönen Göttinger Ostviertel.
           
      Dort dürfen elf Pioniere des Seniorenlebens die Zukunft proben. Das Spektrum der Frauen reicht von der 72jährigen Wen-Do-Trainerin, die per Handkantenschlag Betten zertrümmert, um die Empowerment-Theorie ("Jeder Mensch kann durch Herausforderungen lernen und wachsen - egal wie alt er ist") zu demonstrieren, über die Psychotherapeutin, Werbekauffrau ("Ich lass mich in Scheiben schneiden , für einen Professor"), Waldorflehrerin bis zur Dreigroschenoper-schmetternden Ostpreußin.
           
      Männer sind erwünscht, wenn sie sich vom "bekocht oder bebügelt werden" verabschiedet haben. In dieser Altersgruppe offenbar noch nicht zu finden.
 
   
  • RAU, Milo (2002): Erniedrigte und Beleidigte.
    Michel Houellebecqs neuer Roman "Plattform",
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 10.04.
    • Inhalt:
      RAU beschreibt HOUELLEBECQ als desillusionierten "materialistischen Moralisten", der zur "Symbolfigur des wiederauferstandenen kritischen Gesellschaftsroman" geworden sei und vergleicht ihn mit Emmanuel BOVE:
           
      "Mit leichter Hand schliesst Houellebecq (...) im vorliegenden Roman die Notausgänge der spätbürgerlichen Lebensumstände: Während bei Emmanuel Bove, einem andern grossen Vertreter der französischen Einzelgängerliteratur, dem Menschen sein Scheitern an der Welt immerhin im dichten Fangnetz einer präzise notierten Wirklichkeit widerfährt, ist Houellebecqs Michel wirklich nur ein frei fliegendes Elementarteilchen, nichts weiter (...). Houellebecqs Stil hat die gleichmässige Färbung eines depressiven Positivismus, der unterschiedslos hinnimmt, was geschieht (...). Die Verzweiflung übers schlechte Leben verwandelt sich so in Selbsthass: «Im Badezimmerspiegel betrachtete ich mich mit Abscheu: Mein verkrampftes Bürokratengesicht stand in krassem Gegensatz zu meiner Aufmachung. Ich glich letztlich genau dem, was ich war.» Ich ist kein Anderer, das Projekt der Moderne ist gescheitert.
      Hatte Houellebecq in
      «Elementarteilchen» die Rettung des Menschen in der Radikalisierung dieser Tendenz zur Unterschieds- und Charakterlosigkeit gesucht - nämlich in seiner Klonung, in der endgültigen Auslöschung des Individuums -, öffnet er in «Plattform» einen neuen, überraschenden Fluchtweg: die Liebe.
           
      Die Stärke HOUELLEBECQs als negativen Moralisten beschreibt RAU folgendermassen:
      "Die Figur des Michel ist uninteressant und unscharf, sobald er glücklich ist, jenes kurze, schwebende Moment zwischen Geschlechtsakt und postkoitaler Leere ist Houellebecqs Sache nicht." Stattdessen wird "gerade im letzten Teil von «Plattform», der einer Feinanalyse der Depression im Stadium ihrer Vollendung gewidmet ist, (...) jener existenzielle «Verlust» spürbar, den zu beschreiben und zu beklagen Houellebecq eine unvergleichliche Sprache gefunden hat."

       Abiturienten in Baden-Württemberg
      konnten sich in der Abitursklausur Deutsch Leistungskurs mit dem Franzosen anderweitig auseinandersetzen:
           
      "Erörterung ausgehend von Michel Houellebecqs These: »Da die gesamte Gesellschaft größten Wert auf angenehme Gefühle legt, ist es gut, das Unangenehme zu betonen. Eines der Rechte der Literatur ist das Recht auf Unklarheit, darauf, eben nicht Spaß zu machen. Die Literatur ist eine Gegenkraft.« (Eßlinger Zeitung, 10.04.2002)
 
   
  • Thema "Second World Assembly on ageing"

    • BAUER, Friederike (2002): Ein demographisches Beben.
      Die Weltkonferenz zu Fragen des Alterns,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.04.
      • Kommentar:
        Bereits Begriffe wie "Überalterung" sind nicht wertfrei, sondern implizieren, dass die Bevölkerung ZU SEHR altert.
             
        Tatsache ist jedoch, dass die Deutschen bei der Lebenserwartung keineswegs führend sind. Die Rede von der "Alterslast" definiert das Alter ebenfalls als defizitär. Altersforscher weisen dagegen darauf hin, dass das Alter auch als Chance begriffen werden muss und ein neuer Markt entstehen wird, dessen Potenziale heutzutage nicht genügend erkannt werden.
             
        Das Motto der Konferenz ist deshalb positiv formuliert: "Eine Gesellschaft für alle Lebensalter".
    • EHRENSTEIN, Claudia (2002): 2050 sind zwei Milliarden Menschen über 60 Jahre alt.
      UN-Konferenz in Madrid beschäftigt sich mit den Folgen der alternden Weltbevölkerung. Neue Systeme zur Altersversorgung,
      in: Welt v. 09.04.
 
   
  • TEERLING, Marit (2002): Zu jung fürs Kind.
    Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bei Minderjährigen ist in Deutschland um 20 Prozent gestiegen,
    in: Tagesspiegel v. 09.04.
    • Kommentar:
      Das Presseamt des Statistischen Bundesamt in Wiesbaden hat am 08.04.2002 gemeldet: "Zahl der Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2001 fast unverändert".
            
      Dies war dem Tagesspiegel zu wenig reisserisch, also hat sie sich dem Teilaspekt der Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen von Minderjährigen gewidmet. Leider sagen diese Zahlen erst einmal nicht viel. Wenn sich die Zahl der Minderjährigen in dieser Altersgruppe auch um 20 % geändert hätte, dann ergäbe sich relativ gesehen keine Veränderung. Aber diese wichtige Zahl, die dem Leser ermöglicht die Veränderung selbst zu beurteilen, wird weder in der Pressemeldung des Bundesamtes noch im Tagesspiegel-Bericht erwähnt.
            
      Von der Zunahme von Abtreibungen schliesst die Autorin weiterhin auf die
      Zunahme von Teenagerschwangerschaften
      und fragt deshalb, ob Deutschland englische Zustände drohen. Dort versucht man mit Kampagnen wie "Es ist okay, Jungfrau zu sein" dem Trend entgegenzuwirken.
            
      Die Autorin macht den immer früheren Sexualverkehr für das Phänomen verantwortlich, aber Teenagerschwangerschaften sind immer auch die unerwünschten Nebenfolgen einer Aufwertung des Kinderhabens.
            
      KAUFMANN listet z.B. für das Jahr 1957 die Zahl von Geburten der unter 20jährigen für die BRD auf. Danach wurden damals 19.624 Kinder von unter 18jährigen Mädchen geboren. Im Jahre 1999 waren es gemäß TEERLING nur noch 10.082, wobei insgesamt über 200.000 weniger Kinder geboren wurden. Obwohl die Geburtenzahlen sich nur um ca. 25 % verringert haben, haben sich die Teenagerschwangerschaften fast halbiert. Dies sollte das Ausmass der heutigen Probleme in diesem Bereich relativieren.
 
   
  • PÖTTER, Bernhard (2002): Auch Arschlöcher haben Kinder.
    Traurig, aber wahr: Wenn man Nachwuchs aufzieht, wird man nicht unbedingt zu einem besseren Menschen,
    in: TAZ v. 09.04.
    • Kommentar:
      Die GASCHKEs dieser Welt würden PÖTTER als Antiautoritären beschimpfen, während sich der Autor selbst als Liberaler gegen die sozialschwachen Eltern abgrenzt, die ihren Kindern gleich eine Ohrfeige verpassen, wenn sie nicht folgen.
            
      Nichtsdestotrotz: Die Politik erfordert von einem Politikaktivisten strategische Allianzen auch mit jenen Eltern, die man partout nicht ausstehen kann. Man prügelt da lieber öffentlich auf die Singles ein, selbst wenn der beste Freund einer wäre.
            
      Dies ist die normale Alltagsschizophrenie der Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit. Liberal anstatt alternativ eben...
 
   
  • OHLAND, Angelika (2002): Maik war einfach nicht naiv genug.
    Die schönen Ideen von damals und der Haufen Scheiße, der aus ihnen geworden ist: Bodo Morshäuser beschreibt die Sektenszene der 70er-Jahre. Der Roman "In seinen Armen das Kind" enthält Sätze wie: "Für freie Liebe taten sie alles",
    in: TAZ v. 09.04.
    • Kommentar:
      OHLAND stört es, dass MORSHÄUSERs Roman "In seinen Armen das Kind" die Verfehlungen einer sektiererischen Minderheit für das Porträt einer ganzen Generation ausgibt:
            
      "Im Einzelnen ist dieser Roman über »Unzucht und Ordnung« sehr genau und dabei passagenweise spannend. Als solider Unterhaltungsroman mit zeitgeschichtlichem Hintergrund und einigen netten satirischen Schlenkern verdiente dieses Buch Lob - wenn es nur nicht dauernd mehr sein wollte."
 
   
  • EHLING, Holger (2002): Der Familienmensch.
    Nach der Kirch-Pleite kann es nicht schaden, sich Rupert Murdoch genauer anzuschauen. Bei ihm heißen Kinder Expansion - vor kurzem ist er wieder Vater geworden,
    in: Welt v. 09.04.
    • Kommentar:
      EHLING hat ein potentes männliches Exemplar gefunden, das seine These beweisen soll, dass Kinderzeugen und beruflicher Erfolg Hand in Hand gehen. Wie erklärt Herr Ehling die Tatsache, dass sowohl in der Oberschicht als auch in der Unterschicht die Kinderzahl am grössten ist? Offenbar ist der Zusammenhang doch nicht so simpel wie der Darwinist das gerne hätte!
 
   
  • RAMELSBERGER, Annette (2002): Wo Altersheime die Zukunft sind.
    In Grimmen wandern ganz Schulklassen in den Westen ab,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.04.
    • Kommentar:
      RAMELSBERGER war im Osten, dort wo es zwar eine kinderfreundliche Infrastruktur gibt, aber kaum Menschen mehr, die dort eine Familie gründen möchten.
 
   
  • THIMM, Katja (2002): Lust im Land der Liebe.
    Sind die Franzosen wirklich so triebfixiert, wie es die Skandalautoren der Grande Nation derzeit verkünden? Eine Großstudie enthüllte nun das wahre Sexualleben der Franzosen,
    in: Spiegel Nr.15 v. 08.04.
    • Kommentar:
      Was der Untertitel verspricht, das kann die Studie nicht halten.
            
      MOSSUZ-LAVAU hat eine nicht-repräsentative Interviewstudie ("La vie sexuelle en France") durchgeführt und dazu 140 Gespräche mit 17-72 jährigen Franzosen geführt. Dadurch wird es zwar möglich die Bandbreite des sexuellen Verhaltens zu erfassen, aber über das Vorhandensein oder auch Nicht-Vorhandensein von Normen kann diese Studie keine Aussagen machen.
            
      Eine sexuelle Misere - wie sie von Michel HOUELLBECQ beschrieben wird - gibt es nach Ansicht von MOSSUZ-LAVAU nicht. Dies ist mit ihrer Studie jedoch letztlich nicht zu beweisen. Ausserdem gilt immer noch, dass auch die Romane von HOUELLEBECQ Fiktion sind, obgleich sie authentisch daherkommen.
            
      Das Beste ist deshalb die Anekdote, die THIMM dem Bericht vorangestellt hat.
 
   
  • FR-Thema "Zweite UN-Weltversammlung zu Fragen des Alterns"

    • VEIEL, Axel (2002): Der Gipfel der Kooperation.
      Globale Aufgabe: In Madrid beginnt heute die Weltversammlung über das Altern,
      in: Frankfurter Rundschau v. 08.04.
    • DESAI, Nitin (2002): Wie wir alt werden.
      Über die gesellschaftliche Herausforderung eines langen Lebens,
      in: Frankfurter Rundschau v. 08.04.
    • LINK, Christoph (2002): Warten auf die letzten Tage.
      Das Bild vom starken afrikanischen Clan, der sich um die Alten kümmert, stimmt längst nicht mehr,
      in: Frankfurter Rundschau v. 08.04.
    • SCHWARZACHER, Lukas (2002): High Tech statt Familie.
      Japan hält den Weltrekord des Alterns,
      in: Frankfurter Rundschau v. 08.04.
 
   
  • BARNSTEINER, Catrin & Sandra GARBERS (2002): Sex and the City.
    Sarah Jessica Parker, Hauptdarstellerin der Single-Serie "Sex and the City", hat ihren Fans das Schlimmste angetan: Sie ist schwanger. Eine politisch unkorrekte Betrachtung,
    in: Welt v. 08.04.
 
     
   
  • WADHWA, Soma (2002): Faster, Lower, Frailer.
    Young urban Indians are paying a heavy price for their obsession with upward mobility - their bodies are becoming unwitting homes to crippling and fatal lifestyle diseases,
    in: Outlook India vom 08.04.
    • Inhalt:
      Bericht über Yuppies in Indien
 
   
  • MECK, Georg (2002): Im Porträt: Dietrich Mateschitz.
    Der Milliardär mit der Dose,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.04.
    • Inhalt:
      MECK porträtiert den österreichischen Red Bull-Erfinder und bekennenden Single Dietrich MATESCHITZ:
            
      "Eines Tages, Anfang der achtziger Jahre, sahe Mateschitz den Hersteller von einem der 'Energy drinks' ganz oben auf der Liste der größten Steuerzahler - die Chance für den Ausbruch aus dem Leben in der 'Business Class'. 'Wichtige Männer in grauen Anzügen. Das kann nicht alles gewesen sein', dachte er sich. Wenig Frauen, wenig Charme. Und keine Chance, reich und berühmt zu werden."
 
   
  • LODERER, Benedikt (2002): Der Einzug der Urbaniten.
    Die Familienwohnung ist tot. Und auch die Normalwohnung ist gestorben. Überlebt hat die Spezialwohnung, die von Erfindungsgabe geformt ist,
    in: SonntagsZeitung v. 07.04.
    • Kommentar:
      Es scheint ein ehernes Gesetz der Wohnungspolitik zu sein, dass sie immer eine Generation zu spät kommt!
            
      In den 50er Jahren plante man Wohnungen für die Vorortfamilie der Alleinverdiener. Ende der 50er Jahre war dagegen das Doppelverdienerehepaar Standard.
            
      In den 70er Jahren plante man Wohnungen für die Doppelverdienerfamilien und es kamen stattdessen die Singles.
            
      Inzwischen hat die Wohnungspolitik die Singles entdeckt und die Family-Gentrifier der Generation Golf kommen stattdessen.
            
      LODERER hat gerade die Yuppies und das Loft-Living entdeckt!
 
     
   
  • GERSTENBERG, Nina (2002): "Die Bilder stimmen nicht mehr".
    Renate Schmidt fordert Mentalitätswechsel in der Familienpolitik,
    in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage der Berliner Morgenpost v. 07.04.
 
   
  • DAHRENDORF, Ralf (2002): Liberale Ordnung.
    Ein Plädoyer für Tätigkeit,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.04.
    • Inhalt:
      Globalisierung ist für Ralf DAHRENDORF gleichbedeutend mit Entdemokratisierung. Dies heisst für ihn jedoch nicht das Ende der Demokratie, sondern das Vorantreiben einer "Reihe von zweitbesten Anwendungen der Prinzipien der Demokratie".
            
      Auf internationaler Ebene geht es dabei um die weitere Internationalisierung des Rechts, wobei "der Nationalstaat und die parlamentarische Demokratie klassischen Zuschnitts Rückgrat der Verfassung der Freiheit" sein soll. Die Verabschiedung des Nationalstaats hält DAHRENDORF für verfrüht:
            
      "Tatsächlich ist nach wie vor die für die Lebenschancen einzelner ausschlaggebende Politik nationalstaatlich verfaßt. Das gilt für die gesamte Sozialpolitik; es gilt auch für die Bildungspolitik, überhaupt die Kulturpolitik."
            
      DAHRENDORF verurteilt die Tendenz, dass der "Dritte Sektor" (auch Bürger- bzw. Zivilgesellschaft genannt) zu stark vom Staat vereinnahmt wird:
            
      "Nichtregierungsorganisationen verlieren so ihre notwendig Unabhängigkeit und damit die Kraft, den autoritären Tendenzen der Zeit wirksamen Widerpart zu geben."
            
      DAHRENDORF plädiert für eine staatsferne Tätigkeitsgesellschaft, die er den Tendenzen eines "neuen Autoritarismus" einerseits und den passiven couch potatoes der Zuschauerdemokraten andererseits, gegenüberstellt.
 
   
  • BERTHOLD, Norbert (2002): Ein gefesselter Riese am Boden.
    In der institutionellen Verflechtungsfalle Deutschland hat sich eine Mehrheit behaglich eingerichtet,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.04.
    • Inhalt:
      Norbert BERTHOLD, ein Finanzwissenschaftler der Universität Würzburg, möchte den Sozialstaat abbauen, damit sich auch Arbeit im Niedriglohnsektor wieder lohnt. Seine Reformvorstellungen beziehen sich auf die Arbeitslosenversicherung und die Sozialhilfe:
            
      "Ein zu geringer Abstand zum möglichen Arbeitseinkommen raubt vor allem Empfängern von Sozialhilfe mit Familie und steigender Zahl von Kindern fast alle Anreize, eine reguläre Arbeit aufzunehmen".
 
   
  • KAMANN, Matthias (2002). "Eine der wichtigsten Städte der Welt".
    Richard Sennett und Saskia Sassen über Berlin, die Zukunft der Metropolen und den Sozialstaat,
    in: Welt v. 06.04.
    • Inhalt:
      Die amerikanischen Soziologen Richard SENNETT und Saskia SASSEN verteidigen den deutschen Sozialstaat:
            
      "Sennett: Was jene Reformen betrifft: In den USA und in Großbritannien, wo sie vollzogen wurden, funktionieren sie nicht. Dort schaut man voller Neid auf die leistungsfähigen Sozial- und Verkehrssysteme in Deutschland (...).
      Sassen: (...) Warum sollen diese wahrhaft demokratisierenden Errungenschaften plötzlich untragbar sein? Wer sie loswerden will, bekommt ein Desaster wie bei der Privatisierung der britischen Eisenbahnen. Vielmehr muss man fragen: Wie kann man die öffentlichen Finanzen so reformieren, dass man diese wunderbaren Dinge erhalten kann?
      Sennett: Es mag ja sein, dass die Deutschen zuweilen Recht haben mit dem Gefühl, das manches nicht mehr so weitergehen kann. Aber zu denken, dass die angelsächsischen Länder ein Modell für die Zukunft seien, ist grundfalsch. Die USA sind ein rückwärtsgerichtetes Land, ein Zukunftsmodell aus der Vergangenheit. Die Krise des Systems ist in Großbritannien und den USA wesentlich gravierender als in Deutschland."
 
   
  • DRIBBUSCH, Barbara (2002): Netzwerk der Liebe.
    Was ist die Familie wert? (2): Alle Parteien reden heute von Familie und Kinderkriegen - und setzen damit vor allem auf die Sehnsucht der Wähler nach sozialer Zugehörigkeit
    in: TAZ v. 06.04.
    • Kommentar:
      Erstaunliches muss man lesen! Galt Bindungslosigkeit bei Familienrhetorikern bisher als Ausdruck von Hedonismus und damit als eine sozialunverträgliche Form des Lustprinzips, so wird daraus in der Perspektive der neuen Kinderpolitiksdoktrin eine "Furcht der Menschen vor der eigenen Bindungslosigkeit". Und Elternschaft wird zur "narzistischen Entlastung" umdefiniert.
            
      In den 50er Jahren reichte es aus, auf das Konzept der Reife zu verweisen, um die Optionslosigkeit (In den USA nannte man dies damals Konformität) der Eltern attraktiv zu machen.
            
      Im Zeitalter der Selbstverwirklichung muss dagegen die Elternschaft als Selbstverwirklichung und Wahl vermarktet werden, um sie sexy zu machen. Wie Stefan REINECKE in der TAZ vom 04.04.2002 bereits schrieb: Wenn es um "Kids für die Rente" geht, ist auch so etwas legitim!
 
   
  • HEINSOHN, Gunnar (2002): Zu viele Söhne.
    "Die Zeit ist nicht auf unserer Seite": Demografische Analysen werfen ein ungewohntes Licht auf den 11. September und seine Folgen,
    in: TAZ v. 06.04.
    • Kommentar:
      Traditionell war es die Militärpolitik, die bevölkerungspolitische Debatten bestimmte. In seinem Buch "Die Tyrannei der Lust" hat z.B. der Journalist Jean-Claude GUILLEBAU in dem Kapitel "Die 'Gefahr der Entvölkerung'" den deutsch-französischen Geburtenwettlauf nach dem Krieg von 1870 beschrieben. An diesen militaristischen Argumentationsstrang wird jezt von HEINSOHN wieder im Rahmen des "Clash of Civilisations" angeknüpft.
 
   
  • SOMMER, Jürg H. & David S. GERBER (2002): Altersvorsorge mit freier Pensionskassenwahl.
    Das BVG-Korsett verursacht Wohlfahrtsverluste,
    in: Neue Zürcher Zeitung vom 06.04.
    • Kommentar:
      Das Schweizer Modell der Altersvorsorge wird vor allem wegen seinem Kapitaldeckungsverfahren als vorbildlich angesehen. Die beiden Ökonomen finden das System jedoch reformbedürftig. Es hat in der Vergangenheit vor allem die Ungleichheit weiter vergrössert. Von einem wirtschaftsliberalen Standpunkt aus betrachtet ist die Lösung klar: noch mehr Wettbewerb unter den Pensionskassen lautet das Rezept.
 
   
  • LOERZER, Sven (2002): Engagement neben dem Job.
    Immer mehr Berufstätige melden sich zum Ehrenamt,
    in: Süddeutsche Zeitung vom 05.04.
    • Kommentar:
      LOERZER berichtet über die Freiwilligenagentur www.tatendrang.de, die Probleme mit der Spassgesellschaft hat. Arbeit soll Spass machen und erst recht jene, die freiwillig und kostenlos geleistet wird. Die Agentur bietet jedoch hauptsächlich personenbezogene Dienstleistungen, für die sich keine Spassarbeiter finden: "Große Nachfrage nach Helfern dagegen besteht vor allem in Gemeinschaftsunterkünften, etwa zur Hausaufgaben- und Familienbetreuung, sowie für Besuchsdienste in Altenheimen."
 
   
  • MEYER, Iwona (2002): Generation Pippi,
    in: Neue Luzerner Zeitung vom 05.04.
    • Inhalt:
      MEYER ist die Selbstmitleidsmasche à la Generation Ally leid. Ally McBeal ist für sie keine Identifikationsfigur wie Astrid LINDGRENs Pippi Langstrumpf, die zwar den Girlies als Leitfigur dienen konnte, aber für das Erwachsensein keine Orientierung mehr bietet: "Deshalb lieber Gott: Schick uns doch ein Vorbild, für das wir uns nicht zu schämen brauchen." Eine Pippi für erwachsene Frauen eben!
 
   
  • OX (2002): Besonders Singles stehen Schlange.
    Immer mehr Menschen bewerben sich in Frankfurt für eine Sozialwohnung. Besonders hoch ist dabei der Anteil der allein Stehenden. Am stärksten ist unter den Bewerbern insgesamt die Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen vertreten.
    in: Frankfurter Rundschau vom 04.04.
    • Kommentar:
      "Bemerkenswert ist der hohe Anteil von Singles unter den 7289 Antragstellern. Sie bilden mit einem Anteil von 45,5 Prozent die mit Abstand größte Gruppe (...). Mit 58,1 Prozent sind unter den Singles die Männer besonders stark vertreten. Erstaunlich ist auch die Altersstruktur der Bewerber für eine Sozialwohnung. Die größte Gruppe macht die der 31- bis 35-Jährigen mit 1108 aus. Es folgen die 36- bis 40-Jährigen (1027) und die 26- bis 30-Jährigen (979). Mit 884 liegen die 21- bis 25-Jährigen auf dem vierten Platz", schreibt der Autor erstaunt.
            
      Erstaunt sind jedoch nur jene, die Singles mit Yuppies verwechseln.
      In der neuen "Future Living"-Studie des Zukunftsinstitut
      von Matthias HORX wird diese Gruppe lapidar als männliche "Frust-Singles" bezeichnet: "Schlecht ausgebildete 30- bis 45-Jährige, die von anspruchsvollen Frauen nicht «abgeholt» werden."
            
      Der Ungleichheitsforscher Stefan HRADIL hat bereits Mitte der 90er Jahre auf die männlichen Geringverdiener als wachsende Gruppe der Problemsingles aufmerksam gemacht.
      In den Medien wird dieser Tatbestand tabuisiert. Weder Feministinnen noch Familienrhetoriker - jene Gruppen, die seit den 80er Jahren in den Massenmedien das Thema Single erfolgreich besetzen - haben ein Interesse diesen Sachverhalt zu thematisieren.
 
   
  • RB (2002): Institut fordert Abbau des Ehegatten-Splittings
    in: Frankfurter Rundschau vom 04.04.
    • Kommentar:
      Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Gewerkschaften fordert einen moderaten Abbau des Ehegatten-Splittings. Als Vorbild dient nicht das System der vollindividualisierten Familie (Schweden oder Großbritannien), sondern der österreichische Sozialstaat, dessen Umbau in Österreich genauso umkämpft ist wie der deutsche Sozialstaat. Dies mag daran liegen, dass sich beide Systeme - und damit auch deren Probleme - recht ähnlich sind.
 
   
  • REINECKE, Stefan (2002): Freedom and demography.
    Was ist die Familie wert? (Teil 1): Die Deutschen werden immer weniger. Das ist gut so. Denn der Bevölkerungsrückgang wird der Gleichberechtigung der Geschlechter nutzen
    in: TAZ vom 04.04.
    • Kommentar:
      In der linksalternativen Nische träumt REINECKE davon, dass Hedonismus, Emanzipation und Familienpolitik eine stabile Allianz eingehen könnten:
            
      "Der demografische Zwang kann gewissermaßen zu einem Feminismus durch die Hintertür führen. Die Farbe Lila könnte wieder in Mode kommen."
            
      Ein Blick in die USA, das europäische Ausland und nach Hamburg würde jedoch genügen, um sich vom Gegenteil überzeugen zu können. Überall sind rechtspopulistische Parteien im Aufwind, die einen antifeministischen Kurs verfolgen und den Alleinerziehenden & "Kinderlosen" den Kampf angesagt haben.
            
      Am 26.03.2002 gab der Freizeitforscher - und neuerdings als "Zukunftsforscher" titulierte - Pädagoge Horst W. OPASCHOWSKI der Salzburger Nachrichten ein Interview, in dem er ausspricht, was in deutschen Zeitungen nicht gedruckt werden würde:
            
      "Die Frauen sind im Moment die stille Reservearmee, bis die Zuwanderer kommen. Sie werden hofiert werden, alle werden von Ganztagsbetreuungen reden, von Ganztagesschulen und Kinderhorten, weil man weiß, dass sie hoch qualifiziert sind und eben oft in Haushalt und Familie verschwinden. Man möchte mehr aus den Frauen herausholen, und das geht nur, wenn man die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schafft."
 
   
  • ALTENBURG, Matthias (2002): Jetzt geht's wieder los.
    Frühling ist wie Pop: Man kann ihm kaum entkommen. Eine Abrechnung mit einer penetranten Jahreszeit,
    in: Die ZEIT Nr.15 vom 04.04.
    • Kommentar:
      Matthias ALTENBURG hat sich die Rezension von Johanna ADORJÁN in der FAZ vom 08.03.2002 zu Herzen genommen:
            
      "weil ich sowieso EINER GEGEN ALLES bin, sage ich einfach, wie Molly Bloom am Ende ihres langen Monologs: Ja, ich will, ja. Frühlingniedermachen. Immer. Gerne." Und warum? "Der Frühling macht die Einsamen einsamer und die Trauernden trauriger."
 
   
  • SCHLINDWEIN, Simone (2002): Neue Erkenntnisse über echte und falsche Singles,
    in: Berliner Morgenpost vom 04.04.
 
   
  • DPA (2002): Der Mythos der Single-Gesellschaft verblasst.
    90 Prozent der Deutschen wollen in Partnerschaft leben,
    in: Mannheimer Morgen vom 03.04.
    • Kommentar:
      Der Mythos Single ist endlich auch in den Medien angekommen!
            
      "Viele große Medienstorys haben über Jahrzehnte am Mythos von der Single-Gesellschaft, von einsamen Gestalten mit Mini-Menüs aus der Mikrowelle, gestrickt.
      Jetzt allerdings mehren sich Studien, die ein ganz anderes Bild von künftigen Lebensformen zeichnen: das von der bunten Paar-, Familien- und Freundesgesellschaft," heisst es in dem Beitrag.

            
      Dass erst jetzt Studien ein anderes Bild zeichnen, ist jedoch falsch. Bereits 1990 veröffentlichte Dorothea KRÜGER eine Studie mit dem programmatischen Titel "Alleinleben in einer paarorientierten Gesellschaft".
            
      "Als zentrale Fehlerquelle vieler Berichte über den Single-Boom gilt die Statistik selbst: Gezählt wird meist die Zahl der Ein- Personen-Haushalte. Diese wuchs tatsächlich nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln von 33,6 Prozent 1991 auf 36,1 Prozent 2000. Haushalt ist aber nicht gleich Person. Und der Schluss, jeder Dritte sei partner- und kinderlos, ist unzulässig. Man denke nur an die Job-Pendler, die neben der Einsiedlerwohnung für die Arbeitstage auch ein Haus fürs Familienwochenende besitzen," heisst es weiter.
            
      Seit Mitte der 90er Jahre ist bekannt, dass die Haushaltsstatistik die Anzahl der Partnerlosen und Kinderlosen überschätzt. Dies hat der Familiensurvey des Deutschen Jugendinstitut (DJI) belegt. Bis heute ist dies jedoch für die Berichterstattung folgenlos geblieben! Immer dann, wenn die Familienpolitiker das Wort ergreifen, wird dieser Sachverhalt ignoriert.
            
      Auch die Komsumindustrie bedient nicht in erster Linie den jungen Partnerlosen, sondern die individualisierte Familie oder die alleinlebende Witwe:
            
      "Die von der Lebensmittel-Industrie konzipierten Single-Kleinpackungen landeten meist im Familienkühlschrank, um die Sonderwünsche der Einzelnen zu erfüllen". Auch darauf hat single-dasein.de schon des öfteren hingewiesen.
  • DPA (2002): Eine Typologie der Alleinlebenden: Frust- und Fun-Singles,
    in: Mannheimer Morgen vom 03.04.
    • Kommentar:
      Das Zukunftsinstitut von Matthias HORX teilt die Alleinlebenden in 9 Single-Gruppen ein. Die Typologie zeichnet sich in erster Linie durch prägnante Begrifflichkeiten wie "Fun-Single", "Frust-Single" und "Panik-Singles" aus. Ansonsten bleibt die Kategorienbildung und Beschreibung oberflächlich. Unterschieden wird nach den üblichen Kriterien wie Alter, Geschlecht, Bildung, Netzwerktypen (Partner, Kinder), Freiwilligkeit und Kaufkraft.
  • DPA (2002): Individualität ja, aber keine Single-Gesellschaft,
    in: Mannheimer Morgen vom 03.04.
    • Kommentar:
      In dem Dpa-Interview mit Dirk KAESLER wird von dem Marburger Soziologen das Paar als bestimmende Lebensform der Zukunft bezeichnet. Bereits im Kommentar zum Tagesspiegel-Artikel vom 18.03.2002 über HORX habe ich auf diesen Trend hingewiesen.
 
   
  • ORF (2002): Die erfundene Single-Gesellschaft.
    "Es gibt keinen Trend zur Single-Gesellschaft", meinen Trendforscher,
    in: ORF Online vom 03.04.
 
   
  • DPA (2002): Nur wenige "Einzelgänger".
    Der Mythos der Single-Gesellschaft verblasst
    Singles gelten als Lifestyle-Vorreiter. Jetzt mehren sich Studien, die ein anderes Bild zeichnen: das von der bunten Paar-, Familien- und Freundesgesellschaft.
    in: Handelsblatt vom 03.04.
 
   
  • WEBER, Julian (2002): Feuilletongerechte No Future.
    Jürgen Teipel weckt alte Punk-Geister,
    in: Jungle World Nr.15 vom 03.04.
    • Kommentar:
      WEBER hat anlässlich der bevorstehenden Lesereise von Jürgen TEIPEL die Feuilletonbeiträge der Neue Mitte-Zeitungen studiert und nach Erklärungen gesucht, warum Punk nun salonfähig geworden ist:
            
      "Statt die Medien zu kritisieren, wie Savage, wird die Definitionsmacht der Presse in Verschwende Deine Jugend nicht hinterfragt.
      Die Reaktionen auf Verschwende Deine Jugend waren vielleicht auch darum recht einhellig: »Ein herrliches Auskunftsbüro« (Zeit), »ein stolzes Buch« (Süddeutsche Zeitung) oder »eine Art Punk-Familienroman« (FAZ). Nach der Lektüre von Verschwende Deine Jugend bräuchte ihr kein Punk mehr mit »Haste-ma-ne-Maak« zu kommen, befand die Rezensentin im Modemagazin Tussi Deluxe."

            
      An der Erklärung stört nur, dass auch "England Dreaming" von Jon SAVAGE in den Neue Mitte-Zeitungen breit erörtert wurde. Viel eher gilt: Gab es in den 80ern noch einen inszenierbaren Gegensatz von Punks und Hippies, so dominieren heute die PUPPIES die Feuilletonlandschaft.
 
   
  • SUCHSLAND, Rüdiger (2002): Fahrradliebe.
    Wang Xiaoshuais "Beijing Bicycle" porträtiert das zeitgenössische China mit dem Blick des Neorealismus,
    in: Frankfurter Rundschau v. 03.04.
 
   
  • LAU, Mariam (2002): Der unternehmerische Einzelne als Leitbild der Berliner Republik.
    Jenseits von "Tunix" und Sozialstaat: Im kommenden Tarifstreit geht es auch um eine neue Vorstellung von Arbeit,
    in: Welt vom 03.04.
    • Kommentar:
      Mariam LAU möchte den Sozialstaat still und leise abbauen. LAU spielt Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslose gegeneinander aus und auch die übliche 68er-Schelte fehlt nicht. Einzig die Ökolibertären und ihr Nachfolgemodell des Leitbildes vom "unternehmerischen Einzelnen", das Heinz BUDE der Generation Berlin auf den Weg gegeben hat, findet Gnade: Freiheit statt Gleichheit!
 
   
  • CORINO, Eva (2002): Verzweifelter Spott.
    Katja Kullmann macht sich auf die Suche nach einer halben Generation,
    in: Berliner Zeitung vom 02.04.
 
   
  • TAGESSPIEGEL-Tagesthema "Familienpolitik"

    • SIRLESCHTOV, Antje & Hans MONATH (2002): Kinder, Kinder.
      Sie versprechen viel: Die Union will Familiengeld einführen, die SPD mehr Betreuungsplätze und höheres Kindergeld. Auch damit wollen beide die Wahl gewinnen. Eines aber haben die Kontrahenten Edmund Stoiber und Gerhard Schröder noch vergessen – sie sagen nicht genau, wie sie ihre Ideen finanzieren wollen,
      in: Tagesspiegel vom 02.04.
    • MONATH, Hans (2002): "Als Unternehmer gebe ich lieber Zuschüsse für kommunale Kindergärten".
      Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, über Familienförderung und die Verantwortung der Wirtschaft,
      in: Tagesspiegel vom 02.04.
    • MONATH, Hans (2002): Wahlfreiheit.
      Was die kleinen Parteien anbieten,
      in: Tagesspiegel vom 02.04.
 
   
  • BURGER, Reiner (2002): Der zweite Umbruch.
    Ostdeutsche Schulpolitik in Zeiten von Geburtenrückgang und Abwanderung,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02.04.
 
   
  • VORWÄRTS "Brennpunkt Familie"

    • DOHRN, Susanne (2002): Zwei Jobs: Full-Time.
      Beruf, Kind, Haushalt - das schafft kein Mann. Wer hilft einer Frau, die weiterarbeiten will, weil ihr die Arbeit Spaß macht? Weil die Familie das Geld braucht? Wo gibt es Kinderbetreuung - ganztags - zu vernünften Preisen? Verständnisvolle Arbeitgeber? Nicht in Deutschland,
      in: Vorwärts, April
    • DOHRN, Susanne (2002): "Die Familie hat für mich absoluten Vorrang".
      Wie vereinbart ein Bundeskanzler Familie und Beruf? Was will die SPD? Interview mit Gerhard Schröder über Fernsehabende zu Hause, neue Familienformen, die Zukunft des Ehegattensplittings, die Leistungen der Regierung und die Pläne der SPD für die Zeit nach der Wahl,
      in: Vorwärts, April
    • Vorwärts (2002): Die Entdeckung der Mütter,
      in:
      Vorwärts, April
 
   
  • KREUTZ, Daniel (2002): Neue Mitte im Wettbewerbsstaat.
    Zur sozialpolitischen Bilanz von Rot-Grün,
    in: Blätter für deutsche und internationale Politik , April
 
   
  • KRUMPHOLZ-REICHEL, Anja (2002): Kaum da, schon wieder weg!
    Die einen nehmen täglich lange Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz auf sich, andere leben unter der Woche wie Singles und werden nur am Wochenende wieder zu Familienmenschen. Berufliche Mobile und ihre Partner leben mit vielen Strapazen, nur um sich einen Umzug in eine fremde Stadt zu ersparen. Damit wählen sie den schwersten Weg, wie eine aktuelle Studie belegt,
    in: Psychologie Heute, April
  • KRUMPHOLZ-REICHEL, Anja (2002): "Die negativen Folgen der Mobilität dürfen nicht länger übersehen werden".
    Ein Gespräch mit Norbert F. Schneider, Professor für Soziologie an der Universität Mainz und Projektleiter der Studie Berufsmobilität und Lebensform,
    in: Psychologie Heute, April
 
       
       
   

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Zu den News vom 16. - 31. März 2002

 
       
   
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