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Medienrundschau:
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News vom 01.
- 15. März 2002
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- FEHR,
Marianne (2002): Allein bin ich stark.
Freche
Töchter, beleidigte Mütter: Eine neue
Frauengeneration nimmt sich alles und sagt
niemandem danke. Doch die Grenzen sind noch immer
dieselben, mit denen sich schon die lila Mütter
schwer taten. Auch heute werden hoffnungsvolle
Karrieren abrupt unterbrochen, wenn die toughen
Frauen Kinder kriegen, Teilzeitstellen sind wenig
attraktiv, Tagesschulen dünn gesät. Die
Irritationen kommen mit dreissig,
in: Weltwoche Nr.11 v.
15.03.
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- ÖHLER,
Andreas (2002): Ich gönn' dir nix!
Die
Liste mit den 100 reichsten Deutschen ist noch
druckfrisch, der Druck auf Langzeitarbeitslose
auch. Und immer ist die berühmte Todsünde im
Spiel. Warum ist Neid so wichtig? Und warum hat
es Amerika mal wieder besser?
in: Rheinischer Merkur
Nr.11 v. 15.03.
- FLORIN,
Christiane (2002): Ich gönn' dir nix!
in: Rheinischer Merkur Nr.11 v. 15.03.
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- OÖN
(2002): Heuer noch weniger Geburten.
Bringt
Kindergeld mehr Babys?
in: Oberösterreichische
Nachrichten v. 15.03.
- BOCK
(2002): Weiterer Rückgang der Geburten droht in
Oberösterreich,
in:
Oberösterreichische Nachrichten v. 15.03.
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- GASCHKE, Susanne (2002):
Sterbenslangweilig.
Frauen
um die 35,
in: Die ZEIT Nr.12 v.
14.03.
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- BROST,
Marc (2002): Konjunktur ohne Kinder.
Wie
die Babyboomer für Wachstum sorgen,
in: Die ZEIT Nr.12 v.
14.03.
- Kommentar:
"Sie sind jung?
Sind verheiratet und haben keine Kinder?
Schämen Sie sich!
Längst ist es zum Schimpfwort geworden,
ein Dink zu sein: double
income, no kids,"
so beginnt BROST seine Verteidigung der
Marketingzielgruppe "DINK".
Die
Volkswirte der Investmentbank UBS Warburg
haben dieses Phantom der Sozialpolitiker
angeblich studiert. Der Autor liefert
jedoch keinerlei demografische Daten,
sondern schliesst aus der zahlenmässigen
Stärke der 30- 49jährigen, dass sich in
dieser Gruppe besonders viele DINKS
tummeln müssen. Falls dies zuträfe,
dann ergäbe sich folgender positive
Effekt:
"Viele Dinks bedeuten (...) hohe
Produktivität und hohe Wachstumsraten,
sagen die Investmentbanker. Und weil die
Rente unweigerlich näher rückt und weil
die Dinks das wissen, sparen sie
verhältnismäßig viel - und hohe
Sparquoten drücken die Inflation."
Die DINKs
sind jedoch ein Phantom, das sich
einerseits aus der Differenz zwischen
Haushaltsstatistik und
Verheiratetenziffern und andererseits aus
der Ausblendung der Lebenslaufperspektive
ergibt.
Per
Haushaltsstatistik werden Eltern in
Kinderlose umdefiniert, d.h. die älteren
DINKs sind mehrheitlich Doppelverdiener,
deren Kinder nicht mehr in der
elterlichen Wohnung leben.
Bei den
jüngeren DINKs handelt es sich dagegen
mehrheitlich um Paare vor der
Familiengründung.
Lebenslang
Kinderlose sind - entgegen dem Gerede der
Sozialstaatsgegner - weiterhin eine
Minderheit, die garantiert keinen
Wachstumsschub auslösen wird.
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- BERG,
Sibylle (2002): Komisch,das.
Glückliche
Paare in Hongkong. Sie fassen sich an den Händen
und gehen zu Bett,
in: Die ZEIT. Reisebeilage
Nr.12 v. 14.03.
- Kommentar:
Die Welt der
Sozialstaatsdichterin Sibylle BERG ist
simpel. Das Sozialstaats-Märchen muss
die Welt schwarzweiss malen. Schwarz -
das ist Deutschland. Weiss - das ist
Nicht-Deutschland, z.B. Hongkong. In
Deutschland sind Paare unglücklich und
Familien erst recht. In Nicht-Deutschland
sind Paare glücklich und Familien erst
recht. Deutschland ist scheisshuman und
wohlhabend, aber unglücklich.
Nicht-Deutschland ist inhuman und arm,
aber glücklich. Bescheidenheit ist keine
Zier, sondern die Voraussetzung des
BERG'schen Glücksversprechen. Wer den
Fernseher ausschaltet, die Zeitung
beiseite legt, das Buch zuklappt und
stattdessen vor die eigene Haustür geht,
der kann die glücklichen Paare und
Familien ebenfalls sehen. Denn
Nicht-Deutschland ist kein geografischer
Ort, sondern die Rückseite der
öffentlichen Sozialstaatsdebatte!
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- ERPENBECK,
Jenny (2002): Ich mit mir allein.
Was
anfangen mit drei freien Tagen? In den Wölzer
Tauern Granate sammeln, Tanzen und Jodeln,
in: Die ZEIT. Reisebeilage
Nr.12 v. 14.03.
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- SCHMITT,
Uwe (2002): Mama liebt mich, papa vermiss' ich.
Das
Elend allein erziehender Mütter rührt
amerikanische Hip-Hopper und George W. Bush. Der
will nun die Ehe fördern,
in: Welt v. 14.03.
- Kommentar:
Die Popmoderne ist
mittlerweile zum Schauplatz des
"Kriegs der Lebensstile"
geworden. SCHMITT berichtet über den
US-amerikanischen Kampf gegen
Alleinerziehende, der im
Zeichen der "Familie als
Leistungsträger" auch auf
Deutschland übergreift.
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- DÜCKERS,
Tanja (2002): Stil und Styling.
Der
Literaturbetrieb fördert und fordert den
narzisstischen Autor. Was passiert mit all den
Jungschriftstellern, wenn das
Young-and-Pretty-Image bröckelt?,
in: Jungle World Nr.12 v. 13.03.
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- LISCHKA,
Konrad (2002): Aus Angst geboren.
Die
Reichen und ihre Wächter: Bald werden elf
Millionen Amerikaner in umzäunten Wohnsiedlungen
mit bewachten Einfahrten leben. Privilegierte
soziale Gruppen verabschieden sich damit aus der
Gesellschaft. Hauptsache, man ist unter sich und
nicht Teil der heterogenen, nivellierten Masse,
in: TAZ v. 13.03.
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- WEIGEND,
David (2002): Tanz der Termine.
Die Macher von
Gratis-Magazinen erproben sich selbst, ihre Leser
greifen gerne zu - so setzt sich ein
Großstadttrend durch,
in: Süddeutsche Zeitung v.
12.03.
- Inhalt:
WEIGEND stellt
Münchner Stadtmagazine als notwendige
Infrastruktur der städtischen Erlebnis-
und Spassgesellschaft vor. Das
Spektrum reicht von "Curt"
(expandiert gerade von Nürnberg nach
München) über "Clash",
"Partysan" (Flyer für die
Techno-Raver), "go",
"s.e.p.p." bis zum
"Universalüberblick in-münchen" und
dem deutschlandweiten "Prinz", der jetzt
mit Extraheft "Flirtguide" die
Partnerlosen gezielter ansprechen
möchte.
- Einen
Überblick über Stadtmagazine in
Bayern bietet der Media-Index
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- ZYLKA, Regina
(2002): "Kinderpolitik wird für uns oberste
Priorität haben".
Grünen-Chef Kuhn fordert
bis zu sieben Milliarden Euro für Kindergärten
und Ganztagsschulen,
in: Berliner Zeitung v.
12.03.
- Kommentar:
ZYLKA hat den
Grünen Fritz KUHN wohl
zwischen zwei Ausschusssitzungen
interviewt und KUHN nutzte die
Gelegenheit um einen zitatverdächtigen
Satz zum Besten zu geben:
"Ich
will in einem Land wohnen, in dem
lebensfeindliche Spießer, die gegen
Kinderlärm klagen, ausgelacht werden.
Eine solche Kultur gibt es bislang
nicht."
Widerrede
wird da sicher gar nicht erst aufkommen
(siehe GRUNER
"Frauen und Kinder zuerst"), aber die
Hoheit über die Stammtische lässt sich
mit solch einem Satz mühelos erreichen.
Mitte der
60er Jahre hiess es hierzulande auf
Schildern: "Auf dem Rasen spielen
verboten!" Dennoch wuchsen damals
die geburtenstarken Jahrgänge heran. Die
Argumente, mit denen heute die
"kinderfeindliche Gesellschaft"
beklagt wird, finden sich bereits in der
familienpolitischen Debatte Anfang der
60er Jahre, z.B. in dem Buch
"Gebrannte Kinder" von
Richard KAUFMANN.
Seit
dieser Zeit ist der haushaltstechnische Begriff
"Kinderloser" noch
weiter von den familialen
Lebensverhältnissen entfernt als damals.
Das
gemeinsame Sorgerecht macht so manchen
Elternteil zum Teilzeit-Kinderlosen. Und
schwangere Frauen vor ihrer ersten Geburt
sind zwar gemäss der Diktion von Herrn
KUHN Kinderlose, aber ihr Alltag dürfte
kinderfixierter sein als jener vom
Teilzeit-Vater KUHN, der sich in
schallgeschütze, kinderfreie
Ausschusssitzungssäle verabschieden
kann.
Es ist
zwar "hip to be square", aber
lebensfeindliche Spießer sind immer nur
die anderen - schönen Gruss an die
lebensfreundlichen Spießer...
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- EILERT, Bernd (2002):
Was Menschen verbindet.
Der Neid ist nicht alles,
aber sehr viel: Rolf Haubl untersucht ein starkes
Gefühl,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 12.03.
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- SCHÖNHERR-MANN,
Hans-Martin (2002): Norbert Elias: Die
Gesellschaft der Individuen,
in:
Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v.
11.03.
- Kommentar:
"Nach dem 11.
September verschärfte sich das gängige
Lamento, wir würden heute in einer
Gesellschaft von Ichlingen, Singles und
Egoisten leben, denen jeder allgemeine
Lebenssinn abhanden gekommen sei.
Währenddessen führe Mohammed Atta vor,
zu welcher Opferbereitschaft gläubige
Menschen fähig seien. Dagegen verteidigt
der Münchner Soziologe Ulrich Beck solche
Individualisierungsprozesse durchaus als
Eröffnung von Lebenschancen. Er sieht in
ihnen keineswegs bloß negativen Sinn-
und Werteverlust", leitet der Autor
die Sendung ein, um dem die Auffassung
von Norbert
ELIAS entgegenzusetzen:
"Anders als Beck
betont Elias dabei eher die negativen
Effekte von Individualisierungsprozessen,
eben den Verlust traditioneller Bindungen
und die Vereinsamung".
ELIAS wird
hier als
"Atomisierungstheoretiker"
dargestellt. Dies greift zu kurz, denn
ELIAS-Konjunkturen sind Zeitenwenden im
Sinne der "Verschiebungen von der
Ich- zur Wir-Balance", d.h. Zeiten
in denen die "Wir-Identität"
grossgeschrieben wird. Nach 1968, 1977
usw. - immer wenn der Sicherheitsstaat
gefordert wird, dann ist ELIAS wieder
gefragt.
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- OESTREICH,
Heide (2002): "Ich bin hundert Prozent
Feminismus, ey".
Alice
Schwarzer trifft Aziza A: Oma erzählt vom Krieg.
Eine Imageberatung im Gegenzug lehnt die
Generation "Lila" ab,
in: TAZ 11.03.
- Inhalt:
OESTREICH berichtet
von einer Diskussion zum Thema "Lila
trifft Handy" auf Einladung der
Friedrich-Ebert-Stiftung. OESTREICH
findet die postfeministische
"Generation Handy"
sympathischer als die "Generation
Lila" der 70er Jahre Feministinnen
à la Alice
SCHWARZER & Co.
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- SPIEGEL
(2002): Wendige Nomaden.
Die
Einsätze im Ausland formen einen neuen
Soldatentypus bei der Bundeswehr. Möglichst
bindungslos und mobil sollen die Uniformierten
sein - zu Hause schafft das Probleme,
in:
Spiegel Nr.11 v. 11.03.
- Kommentar:
Bislang galten die
bösen Yetties als
Prototyp des flexiblen
Menschen (SENNETT), doch nach
dem 11. September ist der gute Soldat zum
Sinnbild des modernen Nomaden geworden.
Im Gegensatz zum karrieregeilen Jobnomaden, geht es
nun um unsere heroischen Helden (siehe
FOCUS-Titelstory vom 25.02.2002).
Mobilität kann nun endlich zu einem
positiven Wert werden.
Schliesslich lässt selbst Edmund STOIBER
für den Kampf an der Berliner Front
seine Plakat-Familie in Bayern im Stich
und nimmt für Deutschland ein Opfer auf
sich. Für den Kanzlerposten wird auch
STOIBER zum Single. Wenn die Pflicht
ruft, dann klingt das besser als wenn es
um die schnöde Karriere geht...
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- ZILM, Kerstin
(2002): Horst W. Opaschowski: Wir werden es
erleben. Zehn Zukunftstrends für unser Leben von
morgen,
in: BuchTipp. Eine Sendung des DeutschlandRadio
v. 10.03.
- Kommentar:
Der Obertan OPASCHOWSKI verkündet
seinen Untertanen was sie wollen sollen.
Nach Meinung des Freizeitpädagogen soll
die Zukunftsforschung (gemeint ist Matthias
HORX und Konsorten)
nicht danach fragen, was kommt,
stattdessen seien Visionen (gemeint sind
natürlich wertkonservative und keine
neoliberalen) gefragt. Das ist das
Metier, in dem sich Obertanen richtig
wohl fühlen. Ausser der Rezensentin ist
deshalb wohl keiner überrascht, dass der
Hoffnungsschimmer bei OPASCHOWSKI immer
noch "Zurück zur Familie"
heisst. Wenn man die Welt schwarz-weiss
malt, dürfen Lösungen eben auch keine
Graustufen enthalten.
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- HARRIEHAUSEN,
Christiane (2002): Wohnen, arbeiten und die
Freizeit genießen.
Am
"Deutschherrenufer" in Frankfurt am
Main entsteht ein neues Quartier mitten in der
Stadt,
in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 10.03.
- Kommentar:
Hochwertiger
"Wohnraum in der Stadt ist
Mangelware. Banker und Börsianer zieht
es nicht mehr ausschließlich in den
Vordertaunus. Viele schätzen das urbane
Leben. Wie in anderen Metropolen sind
dabei die Standorte in unmittelbarer
Wasserlage besonders beliebt",
schreibt HARRIEHAUSEN.
Die Stadtsoziologin
Monika ALISCH hat Anfang
der 90er Jahre die
"Family-Gentrifier" als neue
kaufkräftige Gruppe auf dem städtischen
Wohnungsmarkt prophezeit. Diese Gruppe
konkurriert mit alleinstehenden Yuppies
und mobilen
Wochenendpapas der
"Spagatfamilie" um den
hochwertigen Wohnraum der
Dienstleistungsmetropolen der Welt.
Autoren
wie MÜLLER-BIALON versuchen diesen
Konkurrenzkampf zwischen diesen
wohlhabenden Gruppen für die allgemeine
Kontroverse Familien contra Singles zu
instrumentalisieren (siehe hierzu FR vom
09.03.2002). Die
Ausweitung dieser Kampfzone als
Gleichsetzung von Singles mit Yuppies ist nicht
gerechtfertigt, sondern ein
singlefeindlicher Beitrag.
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- LAUTERWEIN,
Andréa (2002): "Ich bin für die
Unsterblichkeit. Dann muss man keine Kinder mehr
zeugen".
Skandal-Autor
Michel Houellebecq über Sadomasochismus, Furcht
erregende Schweizer und den Hüftschwung von
Elvis,
in: Sonntagszeitung Nr.11
v. 10.03.
- Inhalt:
Interview mit
Überlänge, in dem Michel
HOUELLBECQ solche
Sätze sagt wie:
"Ich
schätze die Deutschen, weil sie die
Fähigkeit haben, Schuldgefühle zu
entwickeln.(...) Die Deutschen haben
einen Hang zur Selbstauslöschung. Die
Juden sind allerdings noch interessanter,
denn sie sind noch extremer: Sie fühlen
sich schuldig, jüdisch zu sein - und
sind dennoch stolz. Ich empfinde
Sympathie für Leute, die sich dafür
hassen, was sie sind. Die Amerikaner
hingegen mag ich nicht, denn sie haben
keine Schuldgefühle. Und ohne
Schuldgefühle ist keine Moral
möglich."
Oder:
"Sexualität ist von Natur aus ein
Wettkampf. Sie ist fundamental mit
Fortpflanzung verbunden. Diese Einsicht
war einer der grössten Schocks meines
intellektuellen Lebens. Das Überleben
des Stärksten ist Quatsch. Es geht um
das Überleben desjenigen, der am meisten
Nachfahren hat. Und diese biologische
Voraussetzung beeinflusst die Psychologie
des Beischlafs."
Oder:
"Tagebuch
schreiben ist ein
gutes Mittel. Es führt dazu, dass einem
die eigenen Probleme ankotzen. Nachher
kann man sich Neuem zuwenden."
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- HILLGRUBER,
Katrin (2002): Die Agentur ist ein Blumenhaus.
Alles
wunderbar: Rainer Merkels Debütroman erzählt
aus der Angestelltenwelt
in: Tagesspiegel v. 10.03.
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- PFÜTZE,
Sebastian (2002): "Dann sollte man
zupacken".
Die
Autorin Alexa Hennig von Lange hat am Samstag in
Prenzlauer Berg geheiratet,
in: Tagesspiegel v. 10.03.
- Kommentar:
Der Tagesspiegel
setzt sich für die Institution Ehe ein.
Jeden Sonntag wird der Heirat eine eigene
Rubrik gewidmet. Heute berichtet PFÜTZE
über die Popliteratenhochzeit von Alexa HENNIG
VON LANGE mit Joachim BESSING. Ob aus
der Vereinigung von "Tristesse
Royale" und "Relax" jedoch
"Relax Royal" wird - wie
PFÜTZE meint - das wird die BUNTE
Republik sicherlich weiter verfolgen
dürfen.
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- PEITZ,
Christiane (2002): Wir sind nicht die neuen
Hofnarren.
Geheimtreffen
beim Bundeskanzler: Junge Künstler und
Intellektuelle wollen die Generation Grass
ablösen,
in: Tagesspiegel v. 09.03.
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- Singlefeindlicher Beitrag:
MÜLLER-BIALON,
Martin (2002): "Viele Eltern mit kleinen
Kindern stehen hier ganz allein".
Expertinnen fordern den Einsatz
der Politik für mehr Familienfreundlichkeit in
der Stadt der Singles,
in: Frankfurter Rundschau
v. 09.03.
- Kommentar:
"Für die
Leiterin des Kinderbüros, das zum
Jugendamt gehört, ist es zu begrüßen,
dass die Familien nun von der Politik neu
entdeckt würden. Allerdings liegt die
Notwendigkeit auch auf der Hand:
In
Frankfurt sind inzwischen 75 Prozent der
Haushalte Ein-Personen-Haushalte," behauptet
MÜLLER-BIALON.
Dies hatte
zwar der Soziologe Ulrich BECK bereits
Anfang der 90er Jahre für deutsche
Grossstädte prophezeit, aber bis
heute ist dies nicht eingetroffen.
Frauke HAß
schrieb dagegen in der FR vom
07.01.2002, dass nach
den neuesten Angaben des Statistischen
Jahrbuches in Frankfurt 50,6 %
Einpersonenhaushalte existieren.
Keine 30 % der
Frankfurter führen damit einen
Einpersonenhaushalt.
Darunter befinden
sich vor allem ältere Witwen und junge
Studenten.
Auch
Wochenendpapas und -mamas werden
statistisch als Single geführt,
wenn sie aus
beruflichen Gründen einen Zweitwohnsitz
gründen. Bei Frauke HAß kann man
auch nachlesen, dass es in Frankfurt
einen kleinen "Babyboom" gab.
Die
Stadtsoziologin Monika
ALISCH hat bereits 1993
auf die
kaufkraftstarken
"Family-Gentrifier"
hingewiesen, die
zukünftig die alteingesessenen,
einkommensschwachen Bewohner der
beliebten Stadtteile verdrängen
könnten. Die Städte haben ein Interesse
daran, dass diese wohlhabenden Familien
in die Innenstädte ziehen, statt wie
bislang ihr Steueraufkommen den
Umlandsgemeinden zu gute kommen zu
lassen.
Die 80er
und 90er Jahre waren durch eine
zunehmende Suburbanisierung geprägt. Familien
zogen ins suburbane Reihenhaus, während
einkommensschwache Singles (Studenten,
ältere Witwen und Ausländer) in den
innerstädtischen Quartieren
zurückblieben.
Die "Generation
Golf" und mehr
noch die "Generation
Ally" hat
dagegen andere Präferenzen. Sie möchte
Beruf und Familie im städtischen Rahmen
der Erlebnis-
bzw. Spassgesellschaft
vereinbaren.
MÜLLER-BIALON
vertritt die Interessen dieser
kaufkraftstarken Klientel und spielt sie
gegen einkommensschwache Singles aus
(Verweis auf die hohe Zahl der
Einpersonenhaushalte in der Gesamtstadt,
statt jene umkämpften Stadtteile in den
Blick zu rücken, um die es im Grunde
geht), die im Gegensatz zu den
"vergleichsweise wenigen"
Yuppies des Banken- und
Dienstleistungszentrums, die
nicht-organisationsfähige Mehrheit der
alleinstehenden Frankfurter darstellen.
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- HÖRISCH,
Jochen (2002): Kinder sind Medien.
Norbert Krons Débutroman
"Autopilot"
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 09.03.
- Inhalt:
"«Autopilot» führt die
Medien-, die Gen- und die
Demographie-Diskussion elegant
zusammen", lobt der
Medienwissenschaftler HÖRISCH
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- STAHL, Eric
(2002): Nie mehr allein!
"Ally McBeal" und
die Folgen: Immer mehr Sendungen zielen auf
Singles ab. Jüngstes Beispiel ist
"Alicia!"
in: TV Today Nr.6 v. 09.03.
- Inhalt:
STAHL interpretiert
den Single-Begriff psychologisch und
nicht statistisch. Damit kommt er der
Zielgruppe näher, die sich von den
Single-Serien angesprochen fühlen.
"Sex
and the City" und "Ally
McBeal" werden
"natürlich nicht nur Partnerlose
vor die Glotze ziehen: Die Erfahrung des
Autors zeigt, dass auch zahlreiche fest
verkuppelte Zeitgenossen auf die
Dienstagswonnen nicht verzichten wollen -
weil sie nämlich daran erinnert werden,
dass es doch irgendwie ganz cool war,
Single zu sein."
STAHL
berichtet über zwei neue Serien: zum
einen über "Alicia!" auf Pro
Sieben und zum anderen über "Die
Couchcowboys" auf Sat1. Letztere ist
eine Adaption der britischen Comedyserie
"Men Behaving Badly" und wendet
sich an den vernachlässigten
Chauvinisten.
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- Kommentar:
Was ist der
Unterschied zwischen dem Internationalen
Frauentag und dem Muttertag?
Wenn man die
heutigen Tageszeitungen durchliest, dann
kommt man zu den Schluss: es gibt keinen
mehr!
Zur
Einstimmung hat die Süddeutsche Zeitung
(07.03.) den Frauensenator Gregor GYSI
befragt und dazu getitelt: "Ich
beneide die Frauen ums
Kinderkriegen". Alle Zeitungen haben
begierig den neuesten
"Vorstoß" der grünen
Kinderpolitiker
aufgegriffen. Der TAGESSPIEGEL hat den
bevölkerungspolitischen Imperativ gleich
mehrfach auf die Agenda gesetzt und Ursula
MÄRZ (Frankfurter
Rundschau) hat die Frau um 40 zur neuen
Symbolfigur geadelt, um die
"fortschreitende Kultur der
Entbiologisierung" geisseln zu
können, denn: "Die einzig
biografisch wirklich unaufschiebbare
Frage, die sie beschäftigen muss (...),
ist die, ob sie noch ein Kind
bekommt."
Kurz vor
der Abschaffung der Frau als
Gebärmaschine - wenn man Jeremy RIFKIN glauben
darf - wird sie noch einmal auf eine
Gebärmaschine reduziert.
- MÄRZ,
Ursula (2002): Älter
als Heike Makatsch und jünger als Senta
Berger.
Dieses erfahrene, karriere-
und noch strandtaugliche weibliche Wesen:
Der neueste Biografiekult um die Frau um
die 40. Eine Bestandsaufnahme,
in: Frankfurter Rundschau v.
08.03.
- SAH/ADE/VS
(2002): Kinder, Krippe, Karriere.
In
Europa gibt es dort viele Geburten, wo
der Staat für Betreuung sorgt - und so
Berufschancen für Mütter bestehen
in: Tagesspiegel v. 08.03.
- ULRICH,
Bernd (2002): Hehre Worte, leere Wiege.
Warum die
Familienpolitik schlecht ist für das
Kinderkriegen,
in: Tagesspiegel v. 08.03.
- Kommentar:
Die
Kinderpolitiker blicken nach
Frankreich, so wie Frankreich vor
100 Jahren nach Deutschland
geblickt hat!
Der französische
Journalist Jean-Claude GUILLEBAUD
hat in seinem Buch "Die
Tyrannei der Lust" den
Geburtenwettlauf der beiden
Nationen vom psychologischen
Trauma der Franzosen ("der
demokratische Schrecken")
nach dem Krieg von 1870 bis zur
"heiligen Union der
Kinderfreunde" jenseits von
Rechts und Links beschrieben.
Während die Kirchen
"Fruchtbarkeitsplädoyers"
wie "Les Berceaux
vides" ("Die leeren
Wiegen") beisteuerte, schlug
"der medizinische Diskurs
apokalyptische Töne an".
Während
damals jedoch Arbeiter und Soldat
benötigt wurden, möchte ULRICH
heutzutage die
bevölkerungspolitische Offensive
mit dem volkswirtschaftlichen
Schaden des demografischen
Wandels salonfähig machen. Eine
solche Kostenrechnung ist jedoch
hochspekulativ un unseriös. Der
"demografische Wandel"
soll sozusagen zum Synomym für
das politische Problem an sich
werden. Damit wird die Demografie
aber zum "Mittel der
sozialpolitischen Demagogie"
(Christoph BUTTERWEGGE).
ULRICH möchte
das Problem der Arbeitslosigkeit
wegdefinieren.
Denn eines ist
offensichtlich: wenn man nicht
die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie, sondern den Zusammenhang
zwischen Arbeitslosigkeit und
Familiengründung betrachtet,
dann wird die Abhängigkeit der
Geburtenentwicklung von der
Wirtschaftspolitik sichtbar. Wer
keine Arbeit findet, von der sich
eine Familie ernähren lässt,
dem nützt auch die beste
Vereinbarkeitslösung nichts.
Dies zeigt am besten der deutsche
Osten: Es ist kein Zufall, dass
dort die Geburtenrate in den 90er
Jahren weltweit die Niedrigste
war, obgleich es dort eine
wesentlich bessere Infrastruktur
für Kinderbetreuung gab.
Stattdessen redet man lieber
moralisch korrekt vom westlichen
Hedonismus.
Statt vom
Zusammenhang zwischen
Erwerbsquote und Geburtenrate,
sollte über den Zusammenhang von
Arbeitslosenquote und
Geburtenrate geredet werden.
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- PRANGE,
Astrid (2002): Wo ist mein Freibetrag?
Das Verfassungsgericht
macht's möglich: mehr Steuerprivilegien für
Eltern und höheres Kindergeld. Gutverdiener
profitieren am meisten,
in: Rheinischer Merkur
Nr.11 v. 08.03.
- Inhalt:
PRANGE vergleicht
die Familienförderung hierzulande mit
der chinesischen Ein-Kind-Politik und
kommt damit zu einem Ergebnis, das
Familienrhetoriker wie Jürgen
BORCHERT auf die
Palme bringen dürfte:
"Kinder sind Luxus - jedenfalls in
Schanghai. Dort wird eine Strafgebühr in
Höhe von 13800 Euro fällig, wenn die
Familie stärker wächst, als es die
Regierung in Peking erlaubt. Mithilfe
eines neuen Gesetzes, das es den Kommunen
ermöglicht, ihre eigenen Regeln für
Familienplanung zu erlassen, will die
chinesische Wirtschaftsmetropole nun die
strikte Ein-Kind-Politik auflockern und
zugleich ihre Kassen füllen. Der
finanzielle Aderlass für Eltern ist
enorm, denn die Strafgebühr entspricht
drei Jahresgehältern einer
Durchschnittsfamilie.
Im Gegensatz dazu ergießt sich
hierzulande ein wahrer Geldsegen über
kinderreiche Paare."
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- KESSLER,
Helga (2002): Schön alt werden.
Zwischen
dem Traum von der ewigen Jugend und dem Alptraum
des langen Alters vermittelt neu das Antiaging,
in: Facts Nr.10 v. 07.03.
- Inhalt:
Bericht über die
Anti-Aging-Bewegung in der Schweiz. Im
Bericht wird die Hormonbehandlung
kritisch gesehen und als Königsweg zum
Altwerden ein gesundheitsbewusster
Lebensstil empfohlen. Der Soziologe François
HÖPFLINGER wird zum
Thema interviewt.
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- DETTLING,
Warnfried (2002): Lauter letzte Warnungen,
in:
Die ZEIT Nr.11 v. 07.03.
- Kommentar:
DETTLING lobt das Buch
"Die deformierte Gesellschaft" des
konservativen Revolutionärs Meinhard
MIEGEL. Der 68er versucht
mit seiner
"Niedergangsprophetie" die
Notwendigkeit eines Abbaus des
Sozialstaats als unabdingbaren Sachzwang
darzulegen.
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- KUTTER,
Kaija (2002): Hamburger Frauen fertig beraten.
Die
Hansestadt fällt frauenpolitisch um Jahrzehnte
zurück: Die neue Frauensenatorin
Schnieber-Jastram will nur noch
"Vater-Mutter-Kind"-Familien fördern.
Alle Beratungsprojekte büßen Mittel ein. Wer
geht morgen zum 8.-März-Empfang ins Rathaus?
in: TAZ v. 07.03.
- Kommentar:
KUTTER berichtet aus
Hamburg, wo der konservative Senat das
umsetzt, was in den USA bereits seit der
Clinton-Ära Normalität ist:
alleinstehende Mütter werden als
leistungsunfähige, unvollständige
Familien attackiert.
Katja
GELINSKY hat diese konservative Doktrin
in der FAZ vom 06.03. so
zusammengefasst: "staatliche
Einflußnahme und Kontrolle des
Privatlebens erzwängen jene, die
Sozialhilfe, Jugendämter und Gerichte in
Anspruch nähmen, weil sie kein
geordnetes Familienleben führten. Wer
vom Staat in Ruhe gelassen werden wolle,
dem sei vor allem eines zu empfehlen:
heiraten und verheiratet bleiben."
Mit der
Formel von der "Familie als
Leistungsträger der Gesellschaft"
wird die Durchökonomisierung der Familie
im Einklang mit den neoliberalen
Forderungen nun auch auf die Familie
selbst angewandt. Nach dem Markt wird
damit das angeblich "letzte Bollwerk
gegen den Kapitalismus" (HOUELLEBECQ) ebenfalls
marktförmig modernisiert.
Wenn also
die organisierten alleinstehenden Mütter
mit der Aktion
"Ich bin kein Single" ihr Heil
in der Abgrenzung gegen Kinderlose
suchen, dann zeugt das von einer gewissen
Kurzsichtigkeit.
Susanne
GASCHKE, eine Angehörige
der Generation
Berlin, hat die
US-amerikanische Rhetorik bereits in der
ZEIT vom 29.11. 2002 auf Deutschland
übertragen und wenn man KUTTER glauben
darf, dann setzt die
CDU-Familiensenatorin Birgit
SCHNIEBER-JASTRAM diese Linie bereits in
Hamburg um.
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- KRÖNCKE,
Gerd (2002): Paris: Wie, wie oft, mit wem?
Manche nennen es Liebe,
in: Süddeutsche Zeitung v.
07.03.
- Kommentar:
KRÖNCKE hat die
Coverstory "Enquête sur la vie
sexuelle en France" im
französischen Nachrichtenmagazin
L'Express vom 28.02.2002 gelesen und
berichtet darüber ohne die Quelle zu
nennen. Er zitiert u.a. aus dem Interview
mit der französischen Soziologin Janine
MOSSUZ-LAVAU, deren
Studie demnächst als Buch erscheint
("Les Lois de l'amour").
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- MASCHER,
Dietmar (2002): "Da kann ich gleich
Wettergegner sein".
Trendforscher
Matthias Horx über Markenkult und
Globalisierung,
in: Oberösterreichische
Nachrichten v. 07.03.
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- DOTZAUER,
Gregor (2002): Macht Arbeit glücklich, Monsieur
Houellebecq?
in:
Tagesspiegel v. 06.03.
- Kommentar:
Michel
HOUELLEBECQ liest aus
seinem neuen Roman "Plattform"
im Herzen der Berliner Republik.
Uwe
WITTSTOCK (Welt
v. 28.02. 2002) sieht im
Typus des Skandalautors vom Schlage eines
HOUELLEBECQ das Schriftstellermodell der
Zukunft: "Von Literatur ist (...)
selten die Rede. Selbst milde Kritiker
bezeichnen den neuen Houellebcq als
ästhetisch 'ungelenk' (...) - aber im
Grunde geht es schon längst nicht mehr
um (...) Texte, sondern um (...) Autoren
als Lieferanten von öffentlichem
Diskussions- und Erregungsstoff."
Aus diesem
Grunde wirbt Jörg
PLATH im TAGESSPIEGEL vom 04.03.2002 für die
Berliner Lesung mit der Person des
Autors:
"Schwitzen ist eine
unkontrollierbare und daher vielsagende
Reaktion des Körpers. Interessierte
Leser kann es nicht kaltlassen, bei
welchen Stellen seines Buches ein Autor
sie zeigt - zumal, wenn es sich um Michel
Houellebecq handelt. Da das Literarische
Colloquium am 6.3. (20 Uhr) überfüllt
sein dürfte, dünsten die Zuhörer
gleich mit ihm mit: Ausweitung der
Schwitzzone."
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- FALCKE, Eberhard
(2002): Uralte Zeiten.
Annegret Held erzählt von
einer rheinischen Landkommune,
in: Süddeutsche Zeitung v.
06.03.
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- PLATEN,
Heide (2002): Brötchen mit Adorno.
Ulrike
Heider erinnert sich an ein ausgeflipptes Leben.
Ihr biografischer Entwicklungsroman ist ein
schmerzhaftes und authentisches Dokument der
wilden Jahre in der Frankfurter Sponti-Szene,
in: TAZ v. 05.03.
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- FILSER,
Hubert (2002): Wir sind wieder mehr
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.03.
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- MISSFELDER,
Philipp (2002): Die "Generation Smart"
und der Ernst des Lebens.
Die
1980er benutzen den Spaßfaktor, um die kürzer
werdende Kindheit in einer veränderten Welt ein
bisschen zu verlängern,
in: Welt v. 04.03.
- Inhalt:
MISSFELDER, 1980
geboren und jüngstes Mitglied des
CDU-Bundesvorstandes, lehnt
Generationenlabels wie "Generation
@" oder
"Generation Fun" ab und
definiert sich in der Tradition von
Florian ILLIES' "Generation
Golf" als
"Generation Smart".
Was
Soziologen wie Ulrich BECK bisher nur
mit Individualisierung
bezeichnete, aber noch nicht
gesellschaftliche Realität geworden ist,
das sieht MISSFELDER für seine
Generation Wirklichkeit werden:
"lebenslanges Lernen statt vierzig
Jahre lang denselben Beruf ausüben, sich
durchsetzen auf einem
grenzüberschreitend umkämpften
Arbeitsmarkt, Existenzgründung statt
Beamtentum, schnellere Wirtschafts- und
Arbeitsabläufe, Unwägbarkeiten im
Gesundheitssystem und bei der
Altersvorsorge. Alles große
Herausforderungen, die verständlich
machen, warum die 'Smarties' heute mit
dem Faktor Spaß versuchen, ihre immer
kürzer werdende Kindheit ein bisschen zu
verlängern."
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- KECK,
Annette (2002): Kuscheln oder Coaching.
Akademisches
Heldenleben: Auf dem Beratungs-Trip,
in: Berliner Zeitung v.
04.03.
- Kommentar:
Annette KECK hat
einen Bewerbungs-Workshop besucht und
wurde mit der für sie schockierenden
Sichtweise des Trainees konfrontiert:
"Um die anderen zu beruhigen, lenkt
Daniel ein. Viele Unternehmen hätten
inzwischen begriffen, 'dass ein
glücklicher Familienvater, der auch Zeit
mit seiner Frau und seinen Kindern
verbringen kann, ein besserer Mitarbeiter
ist als einer der depressiven Singles,
die irgendwann Selbstmord begehen'".
Eine
solche Sichtweise ist jedoch keineswegs
neu. Die Rede von der Single-Gesellschaft
täuscht darüber hinweg, dass im
Topmanagement immer noch der
Familienvater mit traditioneller Ehe
dominiert.
- FUCHS,
Claudia (2002): Null Drei Null.
Zeit
für Depressionen,
in: Berliner Zeitung v.
04.03.
- Inhalt:
Claudia FUCHS
beneidet die Partnerlosen, denn sie haben
im Gegensatz zu den Paaren ihr ganzes
Glück noch vor sich.
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- DIPPEL,
Dennis (2002): Von der schnellen Mark ins soziale
Aus.
Nur ein
Prozent der Haushaltshilfen sind angemeldet ·
Bußgelder und sozialer Abstieg als Folgen von
Schwarzarbeit,
in:
Oberhessische Presse v. 04.03.
- Inhalt:
DIPPEL berichtet
über die Entstehung von
Dienstleistungszentren, über die Haushaltshilfen bequem
gebucht werden können.
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- MUMELTER,
Gerhard (2002): "Die Wiegen sind leer".
Italiens Gemeinden locken
mit Finanzhilfen die Frauen zum Kinderkriegen,
in: Der Standard v. 02.03.
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- WEGMANN, Karl
(2002): Von Katzen und Menschen.
Eine
Studie untersucht den Flirtfaktor von Haustieren,
in:
Berliner Zeitung v. 02.03.
- Inhalt:
Der Forschungskreis
Heimtiere in der Gesellschaft
hat beim Kölner Rheingold-Institut eine
Studie über Haustiere als
"Partnervermittler" in Auftrag
gegeben und WEGMANN hat den dortigen
Diplom Psychologen Jens LÖNNECKER
befragt. "Das Ergebnis: Jeder zehnte
Mann und jede 20. Frau gab an, dass sich
aus einem ersten Kontakt über einen Hund
schon einmal eine feste Beziehung
entwickelt hat." Katzen als das von
Singles bevorzugte Haustier haben nach
Meinung des Psychologen den
"Flirtfaktor Null".
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- HABERMANN, Gerd (2002):
Neidökonomie der Familie,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.03.
- HABERMANN,
Gerd (2002): "Ökonomie des Neides" im
Wohlfahrtsstaat.
Zermürbende Wirkung auf die
unternehmerische Elite,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 02.03.
- Kommentar:
HABERMANN ist ein
Vertreter des apologetischen
Liberalismus, sozusagen jener Typus des
Liberalen, den der Sozialrichter Jürgen
BORCHERT im Blick
hat, wenn er die Ausbeutung der Familie
beklagt.
HABERMANN
verteidigt den Yuppie gegen den
gefrässigen Sozialstaat. Seine simple
Neidökonomie behauptet, dass die
Marktgesellschaft produktiven Neid
(Konkurrenz) und der Sozialstaat
destruktiven Neid erzeugt. Seine
Neidrhetorik ist identisch mit jener von Konrad ADAM, nur dass
ADAM die Familie als Beute des Staates
thematisiert, während HABERMANN den
Yuppie als Beute des Staates sieht.
Während
Adam SMITH noch im Egoismus das edelste
Motiv des Menschen sah, heisst dies
neudeutsch bei HABERMANN
Selbstverwirklichung.
HABERMANN
und BORCHERT sind Gegenspieler, deren
Argumentationen jeweils den anderen als
Feindbild benötigen. Heisst BORCHERTs
Schlachtruf "Die Kosten der Familie
werden privatisiert", so ist
HABERMANN's Replik: "die Kosten der
Familie werden sozialisiert". Beide
können ihre Positionen jedoch nur
behaupten und nicht belegen.
Die
Prämissen von HABERMANNs Neidökonomik
hat der Chronist der Neidgesellschaft Sighard
NECKEL in seinem
KURSBUCH-Artikel "Deutschlands gelbe
Galle" ausführlich beschrieben und
auf die dahinterstehenden
interessenpolitischen Motive
zurückgeführt.
Eine
grundlegende Kritik des apologetischen
Liberalismus ist bei Jens BECKERT
nachzulesen (KURSBUCH 135 "Die
Erbengesellschaft" vom März 1999).
Dort zeigt BECKERT die Dilemmata
liberalen Denkens und deren jeweils
einseitigen Lösungen auf, die er als
apologetischer, konfiskatorischer und
gemeinschaftlicher Liberalismus
bezeichnet.
Aber auch
die Position von BORCHERT hat ihre blinden
Flecken. SCHUMACHER (SZ vom
01.03.2002) bringt eines der Probleme der
Kontroverse auf den Punkt:
"Gerne bezichtigen Eltern Singles
und Paare ohne Nachwuchs, auf ihre Kosten
der Spaßgesellschaft zu
frönen. Die Kinderlosen wiederum
beklagen ihre exorbitante Steuer- und
Abgabenlast und sehen die Nachkommen
fremder Leute als Ursache beträchtlichen
Konsumverzichts. Jeder vermag ihm genehme
Zahlen zu präsentieren, womit das Übel
beginnt: Selbst Wirtschaftsweise,
Ministerialbeamte oder Sozialpolitiker
vermögen nicht präzise zu beziffern,
wie viel Geld der Staat unter dem Strich
für die Familien ausgibt. Das System ist
total intransparent".
Die
Intransparenz ist zum Teil aber die Folge
der Begriffspolitik, die
Familienrhetoriker wie BORCHERT
betreiben. Die Umdefinition
von Eltern in Kinderlose, die von
der amtlichen Haushaltsstatistik
unterstützt wird, vergrössert die an
sich schon bestehende Intransparenz der
Transferleistungen.
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- BUTTERWEGGE,
Christoph (2002): Der Staat greift an.
Haushaltskonsolidierung
auf Kosten der Beschäftigten, Bedürftigen und
sozial Benachteiligten. Bilanz der Sozialpolitik
von SPD und Grünen seit 1998 (Teil II und
Schluß),
in: Junge Welt v. 01.03.
- Inhalt:
Christoph
BUTTERWEGGE kritisiert
das Konzept der Nachhaltigkeit und das
damit verbundene Konzept der
Generationengerechtigkeit. Seine These
ist, dass die Themen
"demographischer Wandel" und
der Verweis auf die Interessen der Kinder
und künftiger Generationen nur dazu
dient von der intragenerationellen
Schieflage abzulenken:
"Das
verkrampfte Bemühen um »mehr
Generationengerechtigkeit«, der noch nie
so große Beachtung zuteil wurde wie
heute, lenkt in erster Linie von der
dramatisch wachsenden sozialen
Ungleichheit innerhalb sämtlicher
Generationen ab."
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- SCHUMACHER,
Oliver (2002): Die Entdeckung der Kinder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.03.
- SCHUMACHER,
Oliver & Nico FRIED (2002): "Wir müssen
Eltern aus der Schmuddelecke holen".
SZ-Interview mit Katrin
Göring-Eckardt. Die Grünen-Politikerin über
die Initiative ihrer Partei für Familien,
bessere Kinderbetreuung - und die Kosten,
in: Süddeutsche Zeitung v.
01.03.
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- OTT, Ursula
(2002): Mutter, Kind und Vater Staat.
Nicht alle Alleinerziehenden
sind wirklich solo: Modernes Beziehungspatchwork
und Vier-Eltern-Familie überfordern die deutsche
Finanzbürokratie
in: Die Woche Nr.10 v.
01.03.
- Kommentar:
Ein lesenswerter
Artikel, der sich den Problemen der
Alleinerziehenden von der begrifflichen
Ebene nähert.
Ausgangspunkt der Problembeschreibung ist
für OTT die Definition
der Alleinerziehenden durch das
Statistische Bundesamt. Die
familienhaushaltszentrierte Statistik
interessiert sich nicht für die
Partnerschaftsverhältnisse derjenigen,
die Alleinerziehende genannt werden.
Konservative Staatsrechtler wie Paul
KIRCHHOFF haben
diesen Umstand genutzt, um im
Bundesverfassungsgerichtsurteil den
Missbrauch zum Ausgangspunkt ihrer Revision
(Streichung der Steuerklasse II für
Alleinerziehende) zu machen.
OTT nennt die verschiedenen
Möglichkeiten, die Alleinerziehende
besitzen, um sich Vorteile gegenüber
Ehepaaren zu verschaffen:
"Viele gut verdienende
Mittelschichtler haben in den vergangenen
Jahren ganz bewusst auf den Gang zum
Standesamt verzichtet. Nicht weil sie die
Ehe spießig finden, sondern weil der
Alleinerziehenden-Status eine Menge
Vorteile bringt: Man rückt auf der
Warteliste für die Kinderkrippe nach
oben, man bezahlt weniger
Kindergartenbeitrag. Und bis vor kurzem
bezahlte man auch weniger Steuern, weil
man vom 'Haushaltsfreibetrag'
profitierte."
Während
also unverheiratete Paare mit Kind zu den
Gewinnern der bisherigen Gesetzeslage
gehörten, sind die alleinerziehenden
Partnerlosen die Verlierer der
Neuordnung.
Zwischen
den Yuppie-Moms unter den
Alleinerziehenden (z.B. Stella
BETTERMANN) und den
"Welfare-Families" liegen
Welten, die bei OTT jedoch nur
ungenügend berücksichtigt werden.
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- FREUND,
Wieland (2002): "Trapezkünstler brauchen
ein Netz".
Der
Philosoph Zygmunt Bauman über das Ende des
Sozialstaats
in: Welt v. 01.03.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 15. - 28. Februar
2002
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Bitte beachten Sie:
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©
2000-2002
Bernd Kittlaus |
[email protected] |
Stand:
15. Mai 2002 |
|
Zugriffe
seit
dem 14.Juni 2000 |
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