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Medienrundschau:
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Zitat
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Die Beweisnot der Kinderlosen
"Mutwillig Kinderlosen (oder jenen, die über ihre wiederholten
Besuche in der Kinderwunschklinik nicht sprechen und denen man
die Mutwilligkeit nur unterstellt) wird hinter vorgehaltener
Hand vorgeworfen, nicht erwachsen zu werden, hedonistisch zu
sein oder sich in albernen Befindlichkeiten (»Generation
Beziehungsunfähigkeit«) zu verlieren. Kinder zu kriegen
scheint hier wie eine natürliche Pflicht und die Entscheidung
gegen sie wie ein Zeichen fehlender Opferbereitschaft, die sich
am Ende rächen wird.
Vorauseilend werden Kinderlose um ein einsames Leben im Alter
bemitleidet. Seid ihr wirklich glücklich?, unter
dieser Beweisnot stehen Menschen ohne Kinder, deren Handlungen
nur mehr als Kompensationsversuch für die Kinderlosigkeit
gewertet werden."
(aus: Nina Pauer
"Ihr
wolltet es so"
in der Zeit Nr.15 v. 06.04.2017)
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12.05.2017
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Der Wahlkampf
um Nordrhein-Westfalen
BIELICKI, Jan (2017): Zahlkampf.
Ist Nordrhein-Westfalen sicherer
geworden oder blüht die Kriminalität? Ist das Land bei der Bildung
Schlusslicht oder vorne mit dabei? Wenige Tage vor der Wahl geht es um
die Bilanz von sieben Jahren Rot-Grün,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.05.
Im Krieg um die Wählergunst stirbt die Wahrheit zuerst. Das Gegenteil
möchte uns Jan BIELICKI weismachen, der der CDU-Schlusslichtkampagne
mit Korrekturen am NRW-Bild zu Leibe rücken will.
Wenn mit empirischen Belegen gearbeitet wird, dann ist die Wahl des
Indikators die entscheidende Frage, um jeweils das richtige Ergebnis
zu erhalten, das der eigenen Sicht entspricht. Dagegen sollte es um
die Frage gehen, welcher Indikator überhaupt das misst, was er zu
messen verspricht. Das aber bleibt in den Mainstreammedien außen vor:
Da steht Indikator gegen Indikator und der Leser darf sich denjenigen
heraussuchen, der am besten zu seiner Weltsicht passt.
WEIERMANN, Sebastian
(2017): Geklaute Gerechtigkeit.
ND-Tagesthema: Vor der Landtagswahl in NRW: Im Wahlkampf verdrängte
die innere Sicherheit soziale Themen,
in:
Neues Deutschland v. 12.05.
RIEL, Aert von (2017): Linke kann sich Duldung von Rot-Grün
vorstellen.
ND-Tagesthema: Vor der Landtagswahl in NRW: NRW wurde bereits 2010
bis 2012 von einer Minderheitsregierung geführt. Diese Episode
endete für die Linkspartei mit einem Desaster,
in:
Neues Deutschland v. 12.05.
FISCHER, Konrad & Katharina MATHEIS (2017):
Guter Pott, schlechter Pott.
NRW-Wahl: Hohe Arbeitslosigkeit,
schlecht integrierte Migranten, verarmte Städte. Das Ruhrgebiet ist
der einzig verbleibende Krisenherd im Wachstumsland Deutschland. Aber
ist im tiefen Westen wirklich alles so elend,
in:
Wirtschaftswoche Nr.20
v. 12.05.
Katharina MATHEIS ist für die Minuspunkte und Konrad FISCHER für die
Pluspunkte in puncto Arbeitsmarkt, Bildung, Wohlstand und Demografie
zuständig.
1. Arbeitsmarkt: Während MATHEIS
den Arbeitsplatzabbau anhand von Bochum beschreibt, erwidert FISCHER:
"Mitten im nördlichen Ruhrgebiet,
da wo die Probleme am größten sind, liegt Bottrop: 2006 betrug die
Arbeitslosenquote hier 12,8 Prozent, im vergangenen Jahr waren es 7,6
Prozent. Das sind satte 40 Prozent weniger. (...). Und auch in
Dortmund und Mühlheim ist die Arbeitslosenquote seit 2006 um mehr als
30 Prozent gesunken. So ist die Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet nur
eine Frage der Perspektive. Neben der Vollbeschäftigung in Oberbayern
sieht die Gelsenkirchener Arbeitslosenquote von 14 Prozent nach
Rustbelt aus - im Vergleich zu den 20,1 Prozent 2006 nach Hoffnung."
2. Bildung: MATHEIS greift sich das
Beispiel Duisburg für die Malaise der Bildungspolitik heraus, während
FISCHER die Erfolge bei der Integration von Migranten herausstreicht:
"Auch wenn in der Region die
Akademikerquote mit 12 Prozent deutlich unter dem Bundesschnitt (18
Prozent) liegt und der Anteil von Kindern, die in armen Familien
aufwachsen (25 Prozent), deutlich über dem Bundesschnitt (15 Prozent),
gilt(:)(...) »Besonders beim Bildungsniveau von Migranten hat das
Ruhrgebiet in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche
Fortschritte gemacht«"
Dabei verweist FISCHER auf die hohe
Zahl von privaten Bildungsinitiativen:
"So verlassen in Bottrop nur noch
3,6 Prozent aller Schüler die Schule ohne Abschluss, auch Oberhausen
oder Mühlheim haben im bundesweiten Vergleich unterdurchschnittliche
Quoten.
3. Wohlstand: MATHEIS berichtet
über die Essener Tafel und das Armutselend in NRW:
"33 Prozent der Revier-Kinder leben
in Familien, deren Eltern Hartz IV beziehen - mehr als doppelt so
viele wie im Rest von Deutschland. Rund 20 Prozent der Menschen sind
verschuldet. (...) Die Steuerkraft liegt bei 80 Prozent des Niveaus
von Gesamtdeutschland. (...). Die SPD (...) hat das durch einen
Umverteilungsplan zwischen armen und reichen Kommunen im Bundesland zu
verändern versucht. Wie so viele Rettungsmaßnahmen (...) löste das
aber wenig Grundsätzliches."
Demgegenüber verweist FISCHER auf
den boomenden Dortmunder Villen-Stadtteil Hörde und die Kaufkraft:
"Die Kaufkraft pro Kopf beträgt in
Duisburg 85 Prozent des Bundesdurchschnitts, es ist der niedrigste
Wert unter den 25 einwohnerstärksten deutschen Kreisen. In Essen,
Bottrop, Recklinghausen oder Bochum liegt die Kaufkraft derweil im
Bundesschnitt, im Ennepe-Ruhr-Kreis am südöstlichsten Rand des
Ruhrgebiets und in Mülheim gar fast zehnt Prozent drüber."
Die Herausforderung sieht FISCHER
deshalb darin, dass das Geld "am selben Orte ausgegeben wie verdient
werden kann". Dahinter steht die Vorstellung, dass sich Kaufkraft und
Lebenshaltungskosten sozusagen gegenseitig in Sachen Wohlstand
aufheben: Wo eine geringe Kaufkraft besteht, müssen entsprechend
geringere Lebenshaltungskosten entstehen, um das gleiche
Wohlstandsniveau zu erreichen wie in Regionen mit hoher Kaufkraft und
hohen Lebenshaltungskosten. Die Realität hält sich jedoch nicht
unbedingt an solche ökonomische Vorstellungen.
4. Demografie: MATHEIS greift sich
die Stadt Essen für die demografischen Probleme des Ruhrgebiets
heraus:
"das Ruhrgebiet wird alt. Und zwar
älter als andere Gebiete Deutschlands. Während in Berlin rund 15 oder
in Hamburg 17 Prozent der Bevölkerung älter als 65 sind, ist in Essen
jeder Fünfte im Rentenalter. Und trotz des Aufschwungs in der
Einwohnerzahl, lässt sich nicht ausblenden: Seit Anfang der
Sechzigerjahre hat die Stadt 20 Prozent ihrer Einwohner verloren. In
den Nachbarschaften sieht es ähnlich aus. Damit sind die Kommunen im
Ruhrgebiet zu groß für ihre Bevölkerung. Die Leerstände sind hoch, die
Mieten niedrig, vieles wir unsaniert zurückgelassen."
Darauf erwidert FISCHER, dass im
nördlichen Rand des Ruhrgebiets (z.B. in
Dorsten,
Marl,
Herne)
die Logistikbranche, d.h. der Niedriglohnbereich, gerade boomt und
nicht nur deshalb die Region weniger demografische Probleme bekommt
als noch vor 15 Jahren vorausgesagt:
"Die Bevölkerung wächst zumindest
an machen Orten wieder, nach zwei Jahrzehnten der Schrumpfung. So
leben in Dortmund heute mehr als 600.000 Menschen - dabei hatte man
vor 15 Jahren nur noch mit 530.000 Menschen für das Jahr 2015
gerechnet. In Essen sind es mehr als 590.000 statt 526.000. Auch in
Bochum steigt die Einwohnerzahl bereits seit 2014 wieder, lange vor
der Flüchtlingskrise.
Zwar gelten auch im Ruhrgebiet die gleichen Gesetze wie im Rest des
Landes, aufwärts geht es vor allem da, wo die Universitäten und die
hochbezahlten Jobs sind. Doch nun tut sich sogar etwas am nördlichen
Rand der Region."
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Die Studie
Kinderarmut und Reichtum in Deutschland in den Medien
GERNHARDT, Grit (2017): Systemfehler Kinderarmut.
Familien-
und steuerpolitische Entscheidungen verschärfen die Probleme der
Schwächsten,
in:
Neues Deutschland v. 12.05.
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ND/DPA (2017): Arbeitsmarkt im Osten driftet auseinander.
Während
einzelne Regionen boomen, sehen sich ganze Landstriche immer mehr
abgehängt,
in:
Neues Deutschland v. 12.05.
Die Agenturmeldung berichtet über Regionen mit hoher/niedriger
Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern im April 2017.
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BRAUNBERGER, Gerald
(2017): Die Demografie drückt den Zins erheblich.
Auch der Anstieg der Häuserpreise
wird durch die Alterung stark beeinflusst,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.05.
Der Babyboomer Gerald BRAUNBERGER, Jahrgang 1960, berichtet über
einen britischen Bankbericht, der Munition für Neoliberale gegen den
Sozialstaat gesammelt hat. Der Artikel liefert deshalb auch lediglich
Ergebnisse, aber keine Belege für diese Aussagen.
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GROSSARTH, Jan
(2017): Am Ende rechts.
Rolf Peter Sieferle war ein
poetischer Freigeist und großer Wirtschaftshistoriker. Als die
Flüchtlinge kamen, schrieb er giftige, rechtsradikale Bücher. Dann
nahm er sich das Leben. Die Geschichte einer spätbürgerlichen
Verbitterung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.05.
Jan GROSSARTH stilisiert Rolf Peter SIEFERLE zum dominanten Typus
des Alt-68ers und stellt deshalb seine Biografie in den Mittelpunkt
seines Porträts des Historikers:
"Dass Alt-Achtundsechziger sich
nach rechts wenden, kommt hier nicht zum ersten Mal vor, es gibt
viele Beispiele. »Wir drehen derzeit fast alle nach rechts«, sagt
ein Freund Sieferles.
Man muss in die Lebensgeschichte Sieferles eintauchen, um
Antworten auf die Frage zu finden, was mit ihm geschehen ist -
vielleicht auch, was mit anderen seiner Generation passiert",
erklärt GROSSART seine
Zielsetzung. Was uns der FAZ-Journalist erzählt, lässt jedoch
Zweifel daran aufkommen, dass SIEFERLE überhaupt ein Linker war.
Lediglich, dass er kurz im Heidelberger SDS als Funktionär tätig
war, macht aus ihm keinen Linken, zumal sein Thema die Ökologie war.
Nachhaltigkeit ist aber kein linkes Thema, sondern hat mehr mit
rechtem Gedankengut zu tun, was bereits die Frühgeschichte der
ökologischen Bewegung und der Entstehungsgeschichte der Grünen
zeigt. Im Kursbuch Zumutungen an die Grünen vom Dezember 1983
wird die Ökologie als Heilslehre beschrieben. Sie nahm im Denken der
Ökologiebewegung jenen Stellenwert ein, die heutzutage die
Demografie übernommen hat. Nachhaltigkeit ist die Klammer beider
Ideologien, die die Gegenwart an eine scheinbare Zukunft verrät, als
ob die Zukunft vorherbestimmt und nicht offen sei. Ein Einblick in
die ökologische Denkweise von SIEFERLE gibt das Gutachten
Lehren der Vergangenheit aus dem Jahr 2010. Mit seiner
Umwelt- und Energiegeschichtlichen Werken der 1980er Jahre war
SIEFERLE längst kein Linker mehr. Früher als die Grünen rückte er
nach Rechts.
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DELHAES, Daniel/GAUTO, Anna/GREIVE, Martin/MÜNCHRATH, Jens/RICKENS,
Christian/WERMKE, Christian/WITSCH, Kathrin
(2017): Der Republik den Puls gefühlt.
HB-Titelgeschichte So tickt
Deutschland: Eine Allensbach-Umfrage im Auftrag des Handelsblatts
zeigt: Die Bundesbürger haben einen ebenso realistischen wie
differenzierten Blick auf die Lage ihres Landes. Sie unterstützen den
Freihandel, aber fürchten die Folgen der Flüchtlingskrise. Was
bedeutet das für die Bundestagswahl?
in:
Handelsblatt v. 12.05.
Das Wochenendthema ist eine ganz
dünne Story, die den Wahlkampf auf das Thema innere Sicherheit
einengen möchte. Soziale Gerechtigkeit interessiere die Menschen
dagegen nicht. Außerdem wird eine Polarisierung zwischen Weltoffenen
und Abschottern konstatiert. Dagegen dominiert in Wirklichkeit
Ambivalenz. Es gibt angeblich eine Wechselstimmung, aber nur wenn
die SPD die Sehnsucht nach Sicherheit stillen kann.
Am aufschlussreichsten sind die
Vorstellungen wie die Volksparteien mittels "Big Data" das Wahlvolk
mobilisieren wollen. Man darf bezweifeln, dass Wahlkämpfer, die an
jeder Haustür klingeln, nur weil das soziodemografische Profil
stimmt, herzlich empfangen werden. Eher ähneln sie aufdringlichen
Drückerkolonnen. Und ob jemand Werbebotschaften von Parteien in
seinem Facebook-Account finden möchte ist auch nicht unbedingt
gesagt. Wer glaubt heutzutage noch Hochglanzbroschüren?
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ATZLER, Elisabeth
(2017): Goldener Ruhestand.
Die hohen Pensionszusagen für
Sparkassenvorstände sind umstritten. In NRW sollen sie jetzt sinken,
in:
Handelsblatt v. 12.05.
Nordrhein-Westfalen hat mit
seinem Transparenzgesetz Fakten in Sachen Managementgehälter
geschaffen, weshalb gerade hier die Pensionszusagen für
Sparkassenvorstände eine Sache öffentlicher Debatten geworden sind.
Andere Länder sind da weniger dem Gedanken der Transparenz
verpflichtet, dabei sollte dies ein selbstverständlicher Teil
unserer Kultur sein.
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Die Wahl zur
Nationalversammlung in Frankreich in den Medien
KLINGSIECK, Ralf
(2017): Schlamassel in der Schlüsselfrage.
Frankreichs Kommunisten und Mélenchons Linksbewegung gehen getrennt
in die Parlamentswahl,
in:
Neues Deutschland v. 12.05.
Die einen übersetzen die
Bewegung von Jean-Luc MÉLENCHON mit "Das Unbeugsame Frankreich"
ins Deutsche, Ralf KLINGSIECK nennt sie "Das Aufsässige
Frankreich", was wohl seiner Sicht auf die Bewegung eher
entspricht, denn er wirft MÉLENCHON vor die Chancen der Linken bei
den bevorstehenden Wahlen zur Nationalversammlung zu schmälern:
"Im Ergebnis wird die bisher
schon bescheidene Vertretung der Kommunisten und von Mélenchons
Bewegung in der Nationalversammlung so zusammenschmelzen, dass
sie nicht einmal eine Parlamentsgruppe bilden können. Dafür
müssen mindestens 15 Abgeordnetensitze errungen werden und genau
so viele hatte in der bisherigen Nationalversammlung die
Linksfront aus Kommunisten und Mélenchons Partei der Linken -
aber gemeinsam. Dagegen kann es die rechtsextreme Front
National, die bisher nur zwei Abgeordnete aufzuweisen hatte,
diesmal auf mehr als 50 Sitze bringen und sich dann im Parlament
als die einzige bedeutsame Partei aufspielen, die in Opposition
zu Macrons neoliberalen Reformen die Interessen der arbeitenden
Franzosen verteidigt."
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11.05.2017
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HAGELÜKEN, Alexander
(2017): Ungerechte Wohltaten.
Kommentar zu Alt und Jung: Die
Politik verhätschelt gut versorgte Alte - statt sich um die
bedürftigen Jungen zu kümmern
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.05.
Alexander HAGELÜKEN stilisiert sich zum Generationenkrieger, klingt
aber nur nach einem Wahlkämpfer für die Klientelpartei FDP.
"Fast die Hälfte der jungen Singles
zwischen 25 und 35 ist nach der offiziellen Definition von Armut
bedroht - eine dramatische Diagnose für ein so reiches Land",
erklärt uns HAGELÜKEN. Und man
traut seinen Augen nicht, denn plötzlich wird die relative Armutsquote
geadelt, die ansonsten im SZ-Wirtschaftsteil vehement
kritisiert wird. Uns wird ansonsten in der SZ erklärt, dass
Singles selber schuld seien, weil sie in teuren Einpersonenhaushalten
hausen und zudem in die teuersten Metropolen streben.
Nimmt man die IW-Köln-Studie zur
Hand, dann relativiert sich die Armutsquote der 25 - 34-Jährigen um
mehr als die Hälfte: 2014 waren nur 21 % in Deutschland
armutsgefährdet (Im Westen 17,5 %; im Osten 35,5 %) Bei den
35-Jährigen lag sie nur bei 12,8 % und sank sogar noch auf 10,6 %. Bei
den 65-Jährigen bis 74-Jährigen lag sie mit 14,1 % höher als bei den
75-Jährigen und Älteren (13,4 %).
Ganz merkwürdig - geradezu absurd -
wird es aber, wenn man sich die Grundlage dieser Diagnose
Altersreichtum im zweiten Artikel anschaut.
HAGELÜKEN, Alexander
(2017): Diagnose: Altersreichtum.
Die Einkommen westdeutscher
Senioren stiegen in den vergangenen Jahrzehnten doppelt so stark wie
die jüngerer Arbeitnehmer. Eng wird es erste für die Ruheständler von
morgen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.05.
Alexander HAGELÜKEN präsentiert uns eine neue Studie der
Arbeitgeberlobbyorganisation IW Köln, die nach Gutsherrenart Fakten
für den Wahlkampf und die Interessen der Besser- und Spitzenverdiener
liefert.
"So nahm das Einkommen der 65- bis
74 Jährigen in Westdeutschland seit Mitte der 1980er Jahre um 50
Prozent zu - real, also nach Abzug der Inflation. Dieser Anstieg war
etwa doppelt so hoch wie der bei den Deutschen, die unter 45 Jahre alt
sind",
behauptet HAGELÜKEN. Belegt wird
das nicht, denn eine Grafik zeigt uns nur die Entwicklung der
durchschnittlichen Einkommen der Jahre 1991 bis 2014, wobei es es um
das "bedarfsgewichtete Nettoeinkommen" eines Alleinstehenden handelt.
Alleinstehend muss man mit "Single" bzw. Einpersonenhaushalt
übersetzen. Nur mit der Bevölkerungsentwicklung hat das nichts zu tun,
denn hier dominieren Paare und Familien deren Einkommen aber
ausgeblendet werden.
Hätte der DGB das gleiche Prinzip
dieser Gegenüberstellung benutzt, dann wäre ihm die neoliberale
Republik sogleich mit Gegendarstellungen auf die Pelle gerückt wie das
z.B. in der Debatte um die Altersarmut der Fall war, als sich die
neoliberale Meute getan hat. Hier dagegen werden ungestraft Äpfel mit
Birnen verglichen. So wird das Vorhandensein von Ersparnissen, die ja
nur über den Lebensverlauf hinweg angesammelt werden können, den Alten
zum Vorwurf gemacht und so getan, als ob die heute Jungen keine
Rücklagen bilden könnten, was jedoch erst retrospektiv ermittelt
werden kann. Es wird also mit puren Ängsten Stimmung gemacht.
HAGELÜKEN behauptet nun dreist,
dass die Rentenreform vollkommen harmlos waren:
"1970 lagen die Altersbezüge noch
bei 55 Prozent des durchschnittlichen Bruttogehalts. Inzwischen sind
es deutlich weniger als 50".
Dagegen heißt es bei KOCHSKÄMPER &
NIEHUES:
"Tatsächlich ist das Verhältnis von
der Rentenleistung zu dem vorhergehenden Erwerbseinkommen in den
westdeutschen Bundesländern im Zeitraum 1970 bis 2015 von 55,2 Prozent
auf 47,7 Prozent gesunken (Deutsche Rentenversicherung, 2016, 259)."
(IW-Trend
1/2017, S.118)
Schaut man bei der Broschüre der
DRV nach, dann zeigt sich die Verdummung, die hier betrieben wird,
denn zum einen ist bei diesen Zahlen das Alterseinkünftegesetz nicht
berücksichtigt, d.h. die Gewinne der Jungen durch niedrige Steuerlast
auf die Einkommen und die steigende Steuerlast auf Renten werden
ausgeblendet. Zum anderen wird die Sozialabgabenlast der Rentner
unterschlagen. Dies wird nur im Vergleich von Nett und Bruttorente
deutlich. Die Bruttorente lag 1957 bei Einführung der dynamischen
Rente bei 57 % und ist im Jahr auf 44,1 % gesunken, d.h. heutigen
Rentnern bleibt wesentlich weniger von ihrer Bruttorente übrig als
früheren Rentnergenerationen. Das lässt sich ebenfalls der
DRV-Broschüre und sogar der gleichen Tabelle entnehmen, die das IW
Köln ausgewählt hat, weil es ihrem Gutsherrenstandpunkt besser
entspricht.
Nimmt man sich die
Einkommensstruktur (Abbildung 3, S.126) vor, dann wird trotz der
Einteilung in nur drei Einkommensklassen die krassen Unterschiede
zwischen Schlechtverdienern und Spitzenverdienern deutlich. Bei den
Schlechtverdienern lag der Anteil der gesetzlichen Rente 2014 bei rund
85 %, während er bei den Spitzenverdienern bei knapp 60 Prozent lag.
Die krasse Vermögens- und Gesundheitssituation wäre sicherlich noch
deutlicher geworden, wenn - wie bei anderen Darstellungen ebenfalls
üblich - 5 Einkommensklassen generiert worden wären. Aber entsprechend
der neoliberalen Gutsherrenart hätte das der Interessenlage
widersprochen.
Hinzu kommt, dass beim IW Köln die
Situation von Älteren nur ungenügend abgebildet wird, denn Ältere in
Gemeinschaftsunterkünften bleiben ausgeblendet:
"Nimmt man allerdings den Anteil
der Bevölkerung ab 65 Jahren (ab 75 Jahren) an der Gesamtbevölkerung
im jeweiligen Alter, dann befinden sich im Jahr 2015 nur 2,6 Prozent
(4,3 Prozent) der Männer in vollstationärer Pflege und leben somit in
Einrichtungen, die im SOEP nicht erfasst sind. Bei den Frauen beträgt
der Anteil 5,6 Prozent (9,4 Prozent)."
(IW-Trend
1/2017, S.130)
Das NUR soll diesen Aspekt
verharmlosen, denn im Alter gibt es wesentlich mehr Frauen als Männer,
die pflegebedürftig sind, d.h. der Bevölkerungsanteil entspricht eher
dem höheren Wert der Frauen als dem der Männer.
Zur weiteren Entwicklung der
Einpersonenhaushalte im Alter heißt es:
"Wie sich die Entwicklung der
Haushaltsstrukturen in Zukunft fortsetzen wird, lässt sich nicht
abschließend beurteilen. Die ansteigende Anzahl von Singlehaushalten
in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen im Zeitraum 1995 bis 2005
scheint sich allerdings bereits in einem Anstieg in der entsprechenden
Alterskohorte der 65- bis 74-Jährigen zwischen 2005 und 2015
niederzuschlagen. Da sich aktuell ein nochmals deutlicherer Zuwachs an
Singlehaushalten bei den 55- bis 64-Jährigen zeigt, ist vermutlich mit
einem weiteren Anstieg der Singlehaushalte im Alter zu rechnen. Mit
Blick auf die Geschlechterunterschiede ist festzuhalten, dass Frauen
ab 65 Jahren aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung mehr als doppelt
so häufig allein leben wie gleichaltrige Männer. Auf Basis des
Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes zeigt sich ein stärkerer
Anstieg der Alleinlebendenquote älterer Frauen gegenüber Männern in
den letzten Jahren (Statistisches Bundesamt, 2015, 5 ff.)."
Dagegen sprechen jedoch andere
Befunde, denn zum einen wurde die
Entwicklung der Einpersonenhaushalte noch in den 1990er Jahren
überschätzt und zum anderen spricht die Angleichung der
Altersunterschiede bei Paaren und bei der Lebenserwartung von Männern
und Frauen eher gegen diese Interpretation des IW Köln.
Dieser Ansicht ist
inzwischen auch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Und
in der aktuellen Haushaltsvorausberechnung des Statistischen
Bundesamtes bis zum Jahr 2035, die
Ende Februar
veröffentlicht wurde, heißt es:
"Da die Lebenserwartung der Männer
stärker zunimmt als die der Frauen und sich damit die Lücke in der
Lebenserwartung der Partnerinnen und Partner reduziert, nahm die
Anzahl der Zweipersonenhaushalte mit älteren Menschen schnell zu."
(2017, S.6)
Das IW Köln sollte also ihre
Datengrundlage auf den aktuellen Stand bringen, statt veraltete
Informationen in Umlauf zu bringen. Der Anteil der
Einpersonenhaushalte wurde in der Haushaltsvorausschätzung 2010 für
das Jahr 2030 um 0,5 % höher eingeschätzt als in der aktuellen
Prognose. Das mag auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen, macht
aber rund 500.000 Haushalte aus und würde sich zudem rasch erhöhen,
wenn sich dieser Trend weiter verstärken würde.
Fazit: Die düsteren Prognosen, die
HAGELÜKEN den Jungen zuschreibt, könnten durch die gesellschaftliche
Entwicklungen widerlegt werden. Lineare Fortschreibungen der
Vergangenheit blenden die möglichen Brüche aus. Das zeigt sich z.B.
bei der Entwicklung der Einpersonenhaushalte ("Single-Haushalte"), die
seit den 1990er Jahren als krasse Fehleinschätzung erwiesen haben. Man
sollte sich an die markigen Sprüche des Popsoziologen Ulrich BECK aus
den 1990er Jahren erinnern:
"Da gibt es schockierende
Entwicklungen: (...) Zunahme der Einpersonenhaushalte im Quadrat,
alleinerziehende, alleinnachziehende, alleinherumirrende Elternteile.
(...).
Ich bin sicher, daß auch dann, wenn 70 % der Haushalte in Großstädten
Einpersonenhaushalte sind (und das ist nicht mehr lange hin), unsere
tapfere Familiensoziologie mit Millionen Daten beweisen wird, daß
diese 70 % nur deshalb allein leben, weil sie vorher und nachher in
Kleinfamilien leben."
(aus: Ulrich Beck "Der Konflikt der zwei Modernen", 1991)
25 Jahre später spricht niemand
mehr von 70 % Einpersonenhaushalte in deutschen Großstädten. Im
Stadtentwicklungsbericht der Bundesregierung 2016 heißt es:
"Trend zur Singularisierung.
Mittlerweile sind knapp 50 % der Haushalte in Großstädten
Einpersonenhaushalte, rund 10 % mehr als in Kleinstädten und rund 2 %
mehr als noch 2005."
Oder anders formuliert: Der
Individualisierungsprophet Ulrich BECK lag mit seiner Prognose
ziemlich weit daneben. Während sich BECK damals am Anfang einer
Entwicklung wähnte, befand er sich stattdessen eher am Höhepunkt der
Entwicklung. Viel wurde damals von Singles als Pionieren der
Modernisierung gesprochen. Inzwischen gelten sie als Sinnbild einer
fehlgeleiteten Moderne. Gerne wird ihnen mit Einsamkeit im Alter
gedroht. Die Realität ist ein andere!
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GRÄBER, Berrit
(2017): Mageres Plus
Mehr pflegende Angehörige haben
seit 2017 die Chance auf etwas mehr Rente im Alter. Wer als Rentner
pflegt, geht leer aus,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.05.
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Gebietsreformen
in der Debatte
KEILHOLZ, Christine
(2017): Ramelows gestörte Kreise.
Erfurt: Deutschlands erste
rot-rot-grüne Landesregierung scheitert an einer Reform der
Kreisgebiete. Politik zwischen Dörfern und Bratwurstigkeit,
in:
Freitag Nr.19 v. 11.05.
Bislang fanden Berichte über
die Gebietsreform in Thüringen kaum Eingang in die überregionale
Berichterstattung. In Zeiten des Bundestagswahlkampfs ändert sich
das nun. Zuletzt
berichtete die FAZ sogar auf Seite 1 über die Konflikte in
Thüringen. Wer genauer informiert sein wollte, der musste schon
Zeitungen wie Neues Deutschland lesen. Als Grund für die
Notwendigkeit wird uns die demografische Entwicklung in Thüringen
genannt, denn was ist,
"wenn in 15 Jahren nur noch
die Hälfte der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sein wird?
571 Gemeinden zählen weniger als 1.000 Einwohner. Die blühenden
Vorstädte, wo Eigenheimchen neben Eigenheimchen entsteht, saugen
nicht nur den peripheren Dörfern das Leben ab, auch den Städten.
Umlandkreise voller Schlafsiedlungen vereinigen sich lieber
untereinander und schwächen damit Städte wie Arnstadt und
Eisenach. Das macht eine verstreute Ämterlandschaft nötig, die
schwer zu finanzieren ist."
KEILHOLZ kritisiert die
Rücknahme von Reformmaßnahmen als "Öffnen der Büchse der Pandora".
Dass Weimar und Gera nun doch kreisfrei bleiben sollen ist in
dieser Sicht der Anfang vom Ende. So soll nun auch Mühlhausen
Kreisstadt bleiben, weil ein Aktionsbündnis "Pro Kreisstadt
Mühlhausen" 4.700 Unterschriften gesammelt habe. Hinzu kommt, dass
die Regierung nur mit einer Stimme Mehrheit regiert.
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GREIVE, Martin/HILDEBRAND, Jan/SIGMUND, Thomas
(2017): Der nimmersatte Staat.
Neue Zahlen des
Bundesfinanzministeriums zeigen: Bereits 3,9 Millionen Deutsche zahlen
den Spitzensteuersatz. Forderungen nach einer Entlastung der Bürger
werden immer lauter - zumal Steuereinnahmen weiter steigen
in:
Handelsblatt v. 11.05.
Wenn es um Rentenpolitik geht,
versiegen plötzlich alle Steuereinnahmen (siehe
Titelgeschichte
vom 9. Februar), wenn es um die Entlastung der Spitzen- und
Besserverdienenden geht, dann sprudeln sie wie eine Ölquelle. Das
Handelsblatt hievt wieder den geizigen Finanzminister auf das
Cover und macht mit einer Zahl auf, die längst kursiert: 3,9
Millionen. Damit sind jedoch keineswegs Arbeitnehmer gemeint. Bereits
am 19. April
brachte das IW Köln eine Falschmeldung, wonach 4,2 Millionen Menschen
in Deutschland den Spitzensteuersatz zahlen müssten. Die neoliberale
Presse griff das begierig auf, z.B. auch die FAZ. Nun kommt uns
also das Handelsblatt mit 3,9 Millionen. Diese Zahl ist jedoch
nirgends außer beim Handelsblatt zu finden. Die
heutige FAZ liefert niedrigere
und detaillierte Angaben zum Spitzensteuersatz.
Auf n-tv heißt es dagegen:
"Nach aktuellen Schätzungen des
Bundesfinanzministeriums fallen in diesem Jahr etwa 2,69 Millionen
Steuerpflichtige unter den Spitzensteuersatz von 42 Prozent. Unter
Berücksichtigung der Zusammenveranlagung von Eheleuten betrifft dies
damit 3,73 Millionen einkommensteuerpflichtige Personen."
Es wird auch nicht von
Arbeitnehmern gesprochen, d.h. auch Selbständige und Unternehmer sind
in dieser Zahl enthalten. Haushalte von Ehepaaren werden zudem als
zwei Personen gezählt.
Fazit: Was das Handelsblatt
bei der Rentenpolitik geißelt, das praktiziert sie bei den Steuern
selber: Dramatisierende Darstellungen in Umlauf bringen. So etwas
könnte man auch als die typische neoliberale Doppelmoral in der
Medienberichterstattung bezeichnen. Dazu passt auch, dass das
Handelsblatt rechtzeitig vor der NRW die Geschichte
Das Rentner-Debakel bei Mannesmann über den SPD-Bürgermeister
in Mühlheim lanciert, bei dem es um einen Betriebsrenten-Skandal geht.
In seinem neoliberalen Flaggschiff interessiert sich das Handelsblatt
dagegen nicht annähernd so rührend um die Interessen der Rentner. Im
Gegenteil! Die Belange der Rentner werden mit Füssen getreten.
Hauptsache die Profite der Finanzdienstleistungsbranche stimmen.
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SCHÄFERS, Manfred
(2017): So schnell wird man Spitzensteuerzahler.
Früher musste man das Zwanzigfache
des Durchschnitts verdienen, um oben in der Belastung zu landen. Heute
reicht das Eineinhalbfache,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.05.
Manfred SCHÄFERS berichtet von einer Antwort des
Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten
Axel TROOST zur Steuerbelastung in Deutschland. Zum
Spitzensteuersatz heißt es:
"Nach einer aktuellen Schätzung
des Bundesfinanzministeriums werden in diesem Jahr etwa 2,69
Millionen Steuerpflichtige in diese Kategorie fallen. Das sind 6,4
Prozent aller Steuerpflichtigen. Dazu gehören 1,65 Millionen
Singles, die mehr als 54.000 Euro verdienen. Und dazu gehören gut
eine Million Ehepaare, die nach der Splittingtabelle zusammen
besteuert werden und doppelt so viel verdienen müssen, um zu
dieser Gruppe zu gehören."
Aber auch die FAZ kann
sich eine dramatisierende Darstellung nicht verkneifen, indem sie in
einer Grafik die Jahre 2010, 2011 und 2012 einzeln auflistet, um
dann die Jahre 2013 bis 2017 zusammenzufassen, sodass ein abrupter
Anstieg in diesen Jahren suggeriert wird.
Die Verwendung des Begriffs
"Singles" verfälscht zudem die Situation dieser Gruppe, denn
Unverheiratete können sowohl in Einpersonenhaushalten,
Paarhaushalten als auch in Familienhaushalten leben. Die
Lebenssituation kann sich deshalb gravierend unterscheiden. Zwei
"Singles" im Paarhaushalt sind finanziell entschieden besser
gestellt als ein partnerloser Single.
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Das
Betriebsrentenstärkungsgesetz in der Debatte
CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Geplanter Ausbau der Betriebsrente steht auf der Kippe.
Arbeitsministerin Nahles beklagt
"heftigen Gegenwind aus München". Streit über Rahmenregeln für
Tarifverträge,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.05.
CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Rente mit Zukunft.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.05.
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Der Wahlkampf
um Nordrhein-Westfalen
LUCKE, Albrecht von
(2017): Geschrumpft.
SPD:
Martin Schulz stilisierte sich als kleiner Mann. So klein, dass er
mit der Kanzlerin nicht mithalten kann,
in:
Freitag Nr.19 v. 11.05.
Albrecht von LUCKE, der den SCHULZ-Hype kräftig mit angefacht hat,
schreibt sich nun seinen Frust von der Seele und die NRW-Wahl zur
Vorentscheidung für die Bundestagswahl. Passend dazu titelt der
Freitag: SOS SPD! Dem 100-Prozent-Mann steht das Wasser bis zum
Hals. Und auf dem Cover prangt der untergehende
SPD-Kanzlerkandidat. Wer schon diesem Hype nichts abgewinnen
konnte, der muss sich nun auch nicht krämen!
MESCHER, Martina
(2017): NRW-Panik in der SPD.
Krise:
Wenn die Partei in ihrem Stammland nicht punktet, ist auch die Wahl
zum Bundestag gelaufen,
in:
Freitag Nr.19 v. 11.05.
Der SPD könnte nichts besseres passieren als, dass die CDU die
stärkste Partei in NRW wird, denn dann müsste sie endlich Farbe
bekennen, statt auf zwei Hochzeiten tanzen zu wollen. Die Agenda
2010 ist mit Martin SCHULZ nicht wegzuleugnen. Sie klebt wie Pech
an der Partei, die zuerst die Arbeiterklasse verraten hat und sich
dann bereitwillig zum Anhängsel der CDU degradieren ließ. Nur in
der Opposition kann sich die Partei erneuern oder Platz machen für
eine wirkliche Alternative im linken Parteienspektrum. Da nützt es
auch nichts, dass sich SCHULZ nun im Sieg von MACRON sonnen
möchte. Dieser Hype könnte auch schon bald zu Ende sein.
SCHULTE, Ulrich
(2017): Riecht nach Angst.
Über
Hannelore Krafts Absage an die Linkspartei,
in:
TAZ v. 11.05.
Die SPD möchte mit ihrer Absage an eine Koalition mit der
Linkspartei ihren Ministerposten in NRW retten. Diese
offensichtliche Strategie könnte ihr Dilemma jedoch noch
vergrößern, wenn die Wähler nicht auf diesen dummen Schachzug
hereinfallen.
HAMANN, René
(2017): Rückkehr nach Emmerich.
NRW-Wahl:
Ein Heimatausflug zu den Abgehängten am Niederrhein, wo das Land
deutsch und blass ist und AfD wählt. Und sehr schön sein kann,
in:
TAZ v. 11.05.
René HAMANN springt nun auch auf den Didier ERIBON-Zug auf und
porträtiert seine Heimatstadt
Emmerich, in der die AfD (noch) nicht im Stadtrat existent
ist. Weil Emmerich in dieser Hinsicht nichts hergibt, muss die
Stadt zumindest als Geburtsort eines AfD-Kandidaten herhalten. Im
Kreistag von
Kleve hat die AfD jedoch zwei Sitze von 58 erhalten. Auch das
macht nicht viel her, aber vielleicht ändert sich das ja bei der
Landtagswahl.
"Die Wählerschicht der AfD
besteht eher aus ängstlichem Kleinbürgertum denn aus
(ehemaliger) Arbeiterklasse: deutsche Provinz halt",
meint HAMANN. Wobei man gerne
gewusst hätte, wen HAMANN in welchen Topf stecken würde. Alles in
allem erfährt man von HAMANN wenig Konkretes aber dafür ist der
Artikel meinungsstark.
WEIERMANN, Sebastian
(2017): Eine optimistische Linkspartei.
Mit
sozialen Themen will die Linke in den Landtag einziehen - die
Spitzenkandidatin ist zuversichtlich,
in:
Neues Deutschland v. 11.05.
ND/DPA
(2017): Neue Umfrage.
NRW-Wahl:
Ein Heimatausflug zu den Abgehängten am Niederrhein, wo das Land
deutsch und blass ist und AfD wählt. Und sehr schön sein kann,
in:
Neues Deutschland v. 11.05.
Die Zeitung präsentiert uns
eine Umfrage von INSA im Auftrag der Bildzeitung, bei der die SPD
mit 33 Prozent vor der CDU mit 30 Prozent liegt. Die FDP kommt
danach auf 13, die Grünen auf 7, die AFD ebenfalls und die Linke
auf 5 Prozent. Von daher wäre der Einzug der Linkspartei
keineswegs sicher. Die Umfrage stammt gemäß Website
wahlrecht.de von vorgestern. Dort ist auch noch eine
aktuellere Umfrage gelistet.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
FERBER, Michael (2017): Die zweite Säule steht
stabiler.
Die Entkopplung der beruflichen
Vorsorge vom Arbeitgeber stellt einen Systemwandel dar,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.05.
Anlässlich der
Veröffentlichung der größten und repräsentativsten Erhebung zur
Entwicklung von 1725 Pensionskassen (93 %) duch die
Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) erklärt uns
Michael FERBER, dass die bei der Reform von Neoliberalen vehement
eingeforderte Senkung des Umwandlungssatzes lediglich 40 Prozent
der Versorgungsgelder der BVG, d.h. der
Betriebsrente, betrifft. Bei
den restlichen 60 Prozent der Gelder (so genannten
Überobligatorium) bleibt den Pensionskassen dagegen ein
Gestaltungsspielraum, den sie zur Senkung auch reichlich nutzen.
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10.05.2017
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Die SPD vor dem
Verlust des nächsten Ministerpräsidentenamtes auf Landesebene?
FISCHER, Eva & Frauke SUHR
(2017): Generalprobe für die SPD.
Grafik des Tages: Die kommende
Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gilt als kleine Bundestagswahl -
inklusive Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU. Doch genau
genommen ist NRW gar keine Bundesrepublik im Miniformat, sondern ein
Land mit großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen,
in:
Handelsblatt v. 10.05.
FISCHER & SUHR präsentieren uns
eine 5 Tage alte Prognose zur Landtagswahl ohne Information zum
Umfrageinstitut. Danach Kommt CDU und SPD auf 32 %, die FDP würde
12 Prozent, die Grünen 7,5 Prozent erreichen und Linke und AfD
lägen mit 6 Prozent gleichauf.
Die große Koalition wird
deshalb zur wahrscheinlichsten Variante erklärt. Rot-Rot-Grün wird
angeblich von der SPD abgelehnt. Wenn es aber die einzigste Option
wäre, um die Ministerpräsidentin stellen zu können, dürfte dies
wohl hinfällig sein. Oder würde SCHULZ in Nordrhein-Westfalen
sogar das Ministerpräsidentenamt opfern, um im Bund Juniorpartner
in einer Großen Koalition zu werden? Schlimmstenfalls könnte das
sogar ganz im Debakel enden und die SPD nicht einmal mehr im Bund
mitregieren können.
WITSCH, Kathrin & Nils RÜDEL
(2017): "Der Schulz-Effekt ist weg".
Armin Laschet: Der
CDU-Spitzenkandidat in NRW spricht über die Bilanz von Rot-Grün, seine
Pläne für die Wirtschaft und seine Chancen nach dem CDU-Sieg in Kiel,
in:
Handelsblatt v. 10.05.
Armin LASCHET sieht sich bereits
als neuen Ministerpräsidenten von NRW. Vor allem das Thema Innere
Sicherheit soll dazu verhelfen, denn mit Wolfgang BOSBACH hat er sich
einen Promifaktor zur Seite gestellt, der auf ihn abfärben soll, denn
auf den eigenen Beliebtheitfaktor kann er nicht zählen.
BURGER, Reiner
(2017): Laschet machte einfach immer weiter.
Lange wurde in der CDU gezweifelt,
ob Armin Laschet der richtige Herausforderer in Nordrhein-Westfalen
ist. Er musste viele Hürden überwinden. Nun ist er seinem Ziel ganz
nah,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.05.
Die FAZ hofft auf einen
neuen Ministerpräsidenten in NRW und beschreibt schon einmal den
steinigen Weg dorthin.
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GREIVE, Martin
(2017): IWF beklagt Ungerechtigkeit.
Mehr Investitionen, eine Entlastung
unterer Einkommen, höhere Vermögensabgaben. Der Währungsfonds fordert
in seinem Deutschland-Bericht einen stärkeren Kampf gegen
Ungleichheit,
in:
Handelsblatt v. 10.05.
Martin GREIVE plaudert schon einem über den Deutschland-Bericht des
IWF, der erst am 15. Mai veröffentlicht wird. Informanten aus der
Regierung haben das dem Handelsblatt gesteckt. Wohl aus dem
SCHULZ-freundlichen Lager.
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LAMBECK, Fabian (2017): An Hartz IV lag es nicht.
ND-Tagesthema Hartz IV in der
Diskussion: DIW-Volkswirt Karl Brenke sieht andere Ursachen für das
"deutsche Jobwunder",
in:
Neues Deutschland v. 10.05.
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FROMME, Herbert
(2017): Aufsicht will Hilfe für Versicherer.
Die Niedrigzinsen stellen die
Branche vor große Probleme,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.05.
Was Frank GRUND bereits
vor 5 Tagen im Handelsblatt-Interview
zur Zinszusatzreserve erzählte, das wird nun von Herbert FROMME
aufgegriffen und näher ausgeführt.
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TH/KU
(2017): Macrons schwierige Mission.
Wachstumsschwäche, starrer
Arbeitsmarkt, mangelnd Wettbewerbsfähigkeit: Der künftige
Staatspräsident steht vor großen Herausforderungen. Helfen seine Pläne
bei der Übrwindung der Probleme?
in:
Handelsblatt v. 10.05.
THELEN, Peter
(2017): Rente.
Vergoldete Altersruhe,
in:
Handelsblatt v. 10.05.
Für Neoliberale stehen
Einschnitte ins Rentensystem ganz oben. Wir erfahren wenig über
das Alterssicherungssystem, nur dass es ein "privates
Rentensystem" ist, das "40 Spezialsysteme für alle möglichen
Berufsgruppen" umfasst, die in einem einheitlichen System
zusammengefasst werden sollen. Zudem gibt es in Frankreich zu
viele Beamte und zu wenige Beschäftigte in der Privatwirtschaft.
Dem Beamtenstaat widmet THELEN sogar einen eigene Punkt
("Übergewichtige Republik")
Ob es zu viel oder zu wenig
gibt ist jedoch eine Frage des Indikators und THELEN wählt -
getreu neoliberalen Prinzipien - jenen aus, der als Ergebnis am
Besten zur eigenen Ideologie passt:
"Von 1980 bis heute ist die
Zahl der Beamten von 3,8 auf 5,6 Millionen angewachsen. Damit
sind unsere Nachbarn Europameister. Der Anteil an der
Gesamtbeschäftigung stieg von 16 auf 20 Prozent.
Wer den öffentlichen Dienst verteidigt, weist darauf hin, dass
viele europäische Länder pro Kopf der Bevölkerung noch höhere
Werte aufweisen."
THELEN denkt natürlich nicht im
Traum daran, den öffentlichen Dienst zu verteidigen, sondern
beruft sich auf einen neoliberalen Think Tank. Als Lösung werden
Kürzungen der regionalen Verwaltungen gepriesen. Dies dürfte in
den abgehängten Regionen für noch mehr Unruhe sorgen - der FN wird
sich über diesen Steilpass freuen!
Alles in allem lässt das
Handelsblatt kein einziges gutes Haar an Frankreich: Außenhandel?
Unattraktiv und teuer! Staatsverschuldung? Von Defizit zu Defizit!
Arbeitsmarkt? Teuer und unflexibel! Bildung? Verkrustetes
Elitensystem!
SCHUBERT, Christian (2017): Macrons Mann für Zahlen und Ideen.
Menschen & Wirtschaft: Jean
Pisani-Ferry beriet schon mehr als einen Präsidentschaftskandidaten.
Jetzt hat es sein Schützling in den Elysée-Palast geschafft. Was
bedeutet das für den Ökonomen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.05.
KOHLER, Alexandra/KOLLY,
Marie-José/WYSLING, Andres
(2017): Ein tief gespaltenes Land.
Der Westen Frankreichs tickt anders
als der Osten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 10.05.
Während die deutschen Zeitungen das
Wahlergebnis des zweiten Wahlgangs von Emmanuell MACRON schnell und
oberflächlich abgehandelt haben, bietet die NZZ eine
detailliertere Analyse
MACRON bekam lediglich 44 Prozent
der Stimmen aller Wahlberechtigten. Le PEN bekam 22,4 Prozent. Aus
dieser Sicht sieht der Sieg dann keineswegs mehr so glänzend aus wie
es die zwei Drittel-Mehrheit weismachen möchte. Die Wahlbeteiligung
lag nur 1969 niedriger! Rückhalt in der Bevölkerung sieht anders aus!
"Unter sozialen Aspekten fällt vor
allem ins Gewicht, dass Le Pen im ganzen Land bei Wählern aus ärmeren
Haushalten besonders gut abschneidet. Hier erreicht sie laut dem
Umfrageinstitut Ipsos zwei Drittel der Stimmen",
behaupten KOHLER/KOLLY/WYSLING.
Dies ist aber falsch, denn die Einkommenshöhe der Haushalte wurde gar
nicht erfragt, sondern lediglich die subjektive Einschätzung, wie
einer Grafik zu entnehmen ist. Jemand, der ein hohes Einkommen
erzielt, könnte genauso gut der Meinung sein, dass "er finanziell nur
knapp über die Runden kommt". Seriös wäre lediglich die die Angabe von
Einkommenshöhen gewesen.
Die MACRON-Hochburgen sind die
Großstädte und die Banlieues. Le PEN dagegen punktet im Umkreis von
100-200 km um Paris. Als FN-Hochburgen werden der Südosten und der
Nordosten beschrieben. Lediglich letztere entsprechen dem Bild, das
gerne von den FN-Wählern gezeichnet wird. Außerdem werden untypische
Ausnahmen vom allgemeinen Trend genannt.
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09.05.2017
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Das
Betriebsrentenstärkungsgesetz in der Debatte
THELEN, Peter
(2017): Versicherer warnen vor dem Garantieverbot.
Betriebliche Altersversorgung: Hohe
Renditen trotz Niedrigzins soll der Verzicht auf Garantien bei
tariflich vereinbarten Betriebsrenten bringen. Ein Spiel mit dem
Feuer, warnt R+V-Vorstand Frank-Henning Florian,
in:
Handelsblatt v. 09.05.
Dass die R+V-Versicherung Sturm
gegen das Garantieverbot läuft, ist kaum verwunderlich, da die
klassische Lebensversicherung ihnen 2016
steigende
Marktanteile gesichert hat. FLORIAN weist nun darauf hin, dass
mit "Fantasierenditen" seriöse Anbieter aus dem Markt gedrängt
werden könnten. Fantasierenditen in der Altersvorsorge werden
jedoch seit eh und je - selbst in den Mainstreamzeitungen wie der
FAZ/FAS versprochen. Karstadt/Arcandor und Enron müssen nun
dafür herhalten. Für was? Für das Marketingversprechen von
Garantien? Pleiten auf Kosten der Versicherten sind ein Problem
jeglicher Altersvorsorge, die sich auf den Kapitalmarkt stützt und
sprechen deshalb gegen jegliche Form der kapitalgedeckten
Altersvorsorge.
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LOOMAN, Volker
(2017): Rentner werden ist nicht schwer, Rentner sein dagegen sehr,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
Volker LOOMAN kümmert sich wieder
um die Luxusprobleme von Millionären. Für die anderen gilt eher: Für
viele Menschen gilt dagegen: bereits das Rentenalter zu erreichen ist
schwer!
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PLICKERT, Philip (2017): Die meisten Herrscher Afrikas jubeln über die
Bevölkerungsexplosion.
FAZ-Serie Afrika im Umbruch: Afrika
hat extrem hohe Geburtenraten. Das gefährdet die Entwicklung und führt
zu steigendem Migrationsdruck. Doch viele afrikanische Herrscher
wollen das Problem kaum sehen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
Philip PLICKERT hat in seinen Artikel alles an populären Schlagwörtern
von "Youth Bulge" bis "Migrationsdruck" reingepackt, was auf dem
Aufmerksamkeitsmarkt in Sachen Weltbevölkerung gerade schick ist. Auch
beim Namedropping wird alles aufgelistet, was Rang und Namen in der
Szene hat. Im Mittelpunkt stehen afrikanische Staaten wie Nigera,
Kongo und Niger.
"Nigeria könnte von heute 190 auf
750 Millionen Menschen anwachsen. (...).
Die Einwohnerzahl von Lagos in Nigeria werde von 11 auf 40 Millionen
im Jahr 2050 anwachsen, schätzen die Demographen Jean-Pierre Guengant
und John May. Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo,
hat heute 8 Millionen Einwohner. Bis 2050 könnten es mehr als 30
Millionen sein. (...).
Niger ist in demographischer Hinsicht ein Extremland. Mit 7,6 Kindern
je Frau ist es das Land mit der höchsten Fertilität weltweit,
gleichzeitig ist es eines der ärmsten. (...). Als das Land 1960
unabhängig wurde, lebten knapp 3,5 Millionen in dem Wüstenstaat. Heute
sind es 20 Millionen, bis 2050 werden es laut UN-Prognose 72 Millionen
sein",
werden uns von PLICKERT die
Wachstumsraten aufgelistet. Als bevölkerungspolitische Vorbilder
werden uns dagegen Uganda, Tunesien und Äthiopien vorgestellt:
"Eine niedrige Geburtenrate soll zu
einer nachhaltigeren Entwicklung beitragen. Uganda gilt als
Reformvorzeigeland in Afrika, es macht sich für Investoren attraktiv.
Einige wenige afrikanische Länder haben schon vor längerer Zeit eine
Senkung der Geburtenrate als Ziel ausgerufen. Tunesien hat damit in
den späten fünfziger Jahren angefangen (...). Die durchschnittliche
Zahl der Kinder je Frau in Tunesien ist seit 1960 von sieben auf zwei
gefallen. (...).
Überraschend ist die Entwicklung im autoritär regierten Äthiopien,
einer Art Entwicklungsdiktatur nach chinesischem Muster. (...). In
Adidis Abeba, der Hauptstadt des 100-Millionen-Landes ist die
Geburtenrate vor kurzem sogar unter das Reproduktionsniveau von 2
Kinder je Frau gefallen, so wie in Europa - eine erstaunliche
Entwicklung, sagen Demographen."
Das Bevölkerungswachstum wird von
PLICKERT mit politischer und sozialer Instabilität gleichgesetzt. Das
Problem demografischer Ideologie ist, dass sie nicht prospektiv,
sondern lediglich retrospektiv plausibel ist. Die Zukunft erscheint
immer nur als lineare Fortschreibung der Vergangenheit. Die
entscheidenden Faktoren bleiben dabei ausgeblendet oder schlimmer:
Gewaltherrschaft wird zum Ausdruck demografischer Naturgesetze
erklärt! Die Demografie ist jedoch keine Naturwissenschaft, sondern
eine ideologische Rechtfertigungslehre, die heutzutage im Zusammenhang
mit dem globalen Neoliberalismus gesehen werden muss.
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Die Wahl zur
Nationalversammlung in Frankreich in den Medien
KLIMM, Leo (2017): Mission Mehrheit.
Bis zur Parlamentswahl im Juni soll
sich Macrons Bewegung En Marche als tragfähiges Machtfundament
etablieren,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 09.05.
"49 Prozent der Franzosen, so eine
Erhegung des Institutes Kantar Sofres wünschen sich keine eigene
Mehrheit für Macron, sondern dass der Präsident gezwungen wird, eine
Regierung anderer Couleur zu ernennen. Schon jetzt absehbar ist, dass
der FN erstmals seit 1986 in Fraktionsstärke in der
Nationalversammlung vertreten sein wird. Und der linksradikale
Jean-Luc Mélenchon hat mit seiner Partei (...) sofort nach der
Präsidentenkür den Kampf um die Nationalversammlung eröffnet: Macrons
Politik bedeute »Krieg gegen soziale Errungenschaften sowie
ökologische Verantwortungslosigkeit«",
erklärt uns Leo KLIMM die
Ausgangslage vor der entscheidenden Wahl in Frankreich. Der FN hat in
der Stichwahl lediglich die Départements
Pax-de-Calais und
Aisne gewinnen können.
SYROVATKA, Felix
(2017): Gespaltenes Frankreich.
ND-Tagesthema Nach den
Präsidentschaftswahlen in Frankreich: Macron gewann in den Städten
und mit Hilfe des Bildungsbürgertums. Der Norden und Geringverdiener
stimmten für Le Pen,
in:
Neues Deutschland
v. 09.05.
ROTH, Eva
(2017): Gar nicht so schlecht.
ND-Tagesthema Nach den
Präsidentschaftswahlen in Frankreich: Die Wirtschaft in Frankreich
ist über viele Jahre stärker gewachsen als in Deutschland - und bis
zuletzt war die Armutsquote niedriger als hierzulande,
in:
Neues Deutschland
v. 09.05.
Eva ROTH weist darauf hin, dass bei der Jugendarbeitslosenquote je
nach Statistik entweder ein Arbeitslosenanteil von 9 oder 24
Prozent ermittelt werden kann. Bei letzterer Zahl bleiben die
gleichaltrigen Studenten und Schüler außen vor und lediglich die
Erwerbspersonen gelten als Bezugsgruppe. Je mehr Jugendliche als
in einem Land studieren und auf Schulen gehen, desto weniger
spiegelt die letzte Zahl die Realität des Landes wider, wodurch
internationale Vergleiche leicht fehlinterpretiert werden können.
VEIEL, Axel (2017): Einer gegen alle.
Leidartikel: Kaum ist Emmanuel
Macron als Präsident gewählt, bläst ihm der Wind ins Gesicht. Kann er
Frankreich trotzdem reformieren?
in:
Frankfurter Rundschau v. 09.05.
"Macron hat 66 Prozent der Stimmen
verbucht. Hinzuzufügen wäre aber: der abgegebenen und gültigen. Ein
Drittel der Wähler hat sich verweigert, hat ungültige, weiße oder gar
keine Stimmzettel abgegeben. Ein weiteres Drittel hat für die
Rechtspopulistin Marine Le Pen votiert",
erklärt uns Axel VEIEL, der vor
einer Totalblockade warnt, aber letztlich an einen Erfolg von MACRON
glauben will..
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08.05.2017
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Das
Betriebsrentenstärkungsgesetz in der Debatte
ÖFINGER, Hans-Gerd
(2017): Tarifvertrag ersetzt kein Gesetz.
Konferenz: Betriebsrenten sind kein
flächendeckender Schutz vor Altersarmut,
in:
Neues Deutschland
v. 08.05.
Hans-Gerd ÖFINGER berichtet über eine Tagung der
Hans-Böckler-Stftung, auf der sich der Sozialpolitikprofessor
Gerhard BÄCKER gegen die Betriebsrente aussprach:
"Für ihn sind Einrichtungen
betrieblicher Altersvorsorge »kein Instrument zum Ausgleich der
Versorgungslücke im Alter und zur Vermeidung von Altersarmut«.
Zu den Schwächen solcher Systeme gehöre die fehlende Information
über Höhe und Anpassung von Rentenbeträgen und Renditen auf den
Kapitalmärkten. In der Regel gebe es keinen Solidarausgleich und
keine Absicherung bei Erwerbsminderung."
Bei den Einzelgewerkschaften,
die vor allem die Besser- und Spitzenverdiener repräsentieren, wie
z.B. die IG BCE und die IG Metall, ist die Betriebsrente jedoch
ein Mittel, um über eigene Versorgungswerke ihre Machtposition zu
stärken. Vor diesem Hintergrund werden die Nachteile klein
geredet. Zugleich verliert dagegen die Stärkung der gesetzlichen
Rente an Rückhalt auf Gewerkschaftsseite. Wenn nun auch Verdi über
ein eigenes Versorgungswerk nachdenkt, dann könnte dies zur
weiteren Schwächung der DGB-Kampagne führen.
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FRIESER, Michael
(2017): Unehrliche Rentendebatte.
Gastkommentar: Der demografische
Wandel ist längst noch nicht abgesagt,
in:
Handelsblatt v. 08.05.
Michael
FRIESER, der als "Beauftragter für den demografischen Wandel" der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion vorgestellt wird, ist so etwas wie der
Demografiepolizist. Welch ein Unsinn! Man kann den demografischen
Wandel nicht absagen, denn der demografische Wandel ist ein
Begleitumstand jeder Bevölkerung. Nur wer den demografischen Wandel
auf angeblich negative Aspekte reduziert, kann solch einen Blödsinn
behaupten.
FRIESER ist es gar nicht Recht,
dass die aktuellen Bevölkerungsvorausschätzungen keine schrumpfende
Bevölkerung mehr für die nächsten Jahrzehnte erwarten lassen. Man
hatte sich schließlich seit Jahrzehnten ideologisch darauf ausruhen
können. Das neoliberale Kartenhaus wurde darauf gebaut und nun droht
es einzustürzen. Die Welt war schon
Anfang März
entsetzt über diese Wende. Weil die Schrumpfung als Argument
weggebrochen ist, muss nun die Alterung als letztes verbliebenes
Bollwerk herhalten:
"Für die Tragfähigkeit der
Sozialsysteme von Bedeutung ist der Altenquotient: Im Jahr 2040
werden auf jeden Rentner zwei Arbeitnehmer kommen",
erklärt uns unser
Demografiepolizist. Dumm nur, dass
2015 bereits das Verhältnis der Rentner zu den Beitragszahlern bei 1
zu 1,92 lag und dennoch ist das Rentensystem nicht kollabiert.
Der Altenquotient ist nicht aussagekräftig, sondern einzig und
allein das Verhältnis von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
mit Durchschnittslohn zu den Rentnern mit Durchschnittsrente. Dieses
aber hängt von vielen Faktoren ab - die Anzahl der 65-Jährigen und
Älteren ist die Unbedeutendste davon!
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MIHM, Andreas
(2017): Strafzinsen kosten die Sozialversicherung Millionen.
Steigende Kosten durch die
Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.05.
Andreas
MIHM berichtet über Strafzinsen, die in erster Linie den
Gesundheitsfonds betreffen. Statt jedoch Kapitaldeckungsprinzipien als
Problem auszumachen, soll an den Symptomen gedreht werden Die
Rentenversicherung ist aufgrund des Umlageverfahrens weit weniger
stark betroffen und konnte 2016 sogar ein positives Zinsergebnis
erreichen. Auch hier zeigt sich die Überlegenheit der
Rentenversicherung gegenüber den stark betroffenen
Kapitaldeckungsverfahren.
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HEBEL, Stephan
(2017): Weiter so, oder wie?
Leidartikel: Was sagt die
Wahl in Schleswig-Holstein über die Aussichten im Bund? Gibt es
Gegenentwürfe zum "Weiter so" der großen Koalition?
in:
Frankfurter Rundschau v. 08.05.
Stephan HEBEL, der für Deutschland
eine "grundlegende Richtungsentscheidung" für notwendig hält, sieht
nur noch "Beliebigkeit" - also politischen Stillstand - und ein
"Weiter so". Nach zwei Ohrfeigen für Martin SCHULZ steht nun in
Nordrhein-Westfalen die entscheidende Schlacht an. Sollte die SPD auch
dort das Ministerpräsidentenamt abgeben müssen, dann droht SCHULZ
Ungemach. Seine Rede zu Gerechtigkeit und Innovation, die eine
Offenbarung werden sollte, ist stattdessen zum Rohrkrepierer geworden.
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07.05.2017
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ROSENFELDER, Lydia
(2017): Ja, ich will! Mit dir splitten!
Die SPD will das Ehegattensplitting
beerdigen. Sie sagt, es sei ein Hemmnis für die Erwerbsbeteiligung von
Frauen Stimmt das?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.05.
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FRITZEN, Florentine
(2017): Die fitten Alten.
Auch wenn die Rente nicht für
Wasserskier reicht: Engagierte, zufriedene Senioren passen zum
Zeitgeist. Aber nicht jeder kann, nicht jeder will,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.05.
Florentine FRITZEN beschreibt den Wandel des Altenbildes, der mit
einem Paradigmenwechsel in der Altenpolitik einhergeht:
vom Defizit- zum Kompetenzmodell. Die Alten sollen als neue
Ressource vereinnahmt werden. Dafür steht die Ressourcenausstattung
der oberen Mittelschicht Modell: einkommensstark, gesund und
engagiert. Der Rest der Gesellschaft ist aufgrund seiner
Ressourcenausstattung dagegen auf eine ganz andere Politik
angewiesen. Aber die (noch) Volksparteien von CDU/CSU und SPD (Grüne
und FDP sowieso) ist ganz auf diese "neue Mitte" ausgerichtet. Die
Realität der jetzigen Rentner sieht jedoch ganz anders aus und nicht
nur für die so genannten "Hochbetagten" (85-Jahre und älter) wie
FRITZEN meint. Bekanntlich erreichen die heutigen 65-Jährigen Männer
nur sehr selten das Hochbetagten-Alter. Die 65-jährigen Männer
erreichen nach der aktuellen Sterbetafel eine durchschnittliche
Lebenserwartung von 82,71 Jahren. Die Frauen werden etwas mehr als 2
Jahre älter.
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Der Wahlkampf
um Nordrhein-Westfalen
BOLLMANN, Ralph
(2017): Die Pleite am Rhein.
Fast nirgends sind die öffentlichen
Schulden höher als in Nordrhein-Westfalen. Selbst wohlhabende
Kommunen wie die frühere Hauptstadt Bonn überleben nur mit
Notkrediten. Wie konnte das passieren?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.05.
Ralph BOLLMANN berichtet aus der schwarz-grün-gelb regierten
Großstadt
Bonn
über die Verschwendungssucht, denn:
"Hochverschuldet sind keineswegs
nur Städte mit großen sozialen Problemen wie Oberhausen oder
Gelsenkirchen, sondern auch Boomstädte mit wachsender Bevölkerung
und prosperierender Wirtschaft wie Köln oder eben Bonn. Die Ursachen
sind überall ähnlich: Eine ausgeprägte Klüngelkultur, an der beide
Volksparteien jahrzehntelang beteiligt waren, wurde mit teuren
Kompromissen am Leben gehalten - umso mehr, wenn sich wie bis vor
kurzem in Bonn ein SPD-Bürgermeister mit einer schwarz-grünen
Ratsmehrheit einigen musste."
Es fällt auf, dass die
Klientelpartei FDP durch Nichtnennung gut wegkommt, sodass es nahe
liegt, dass BOLLMANN hier für die FDP Wahlkampf betreibt.
"Von den 20 höchstverschuldeten
Städten Deutschlands befinden sich nach wie vor mehr als die Hälfte
in Nordrhein-Westfalen, da nur ein gutes Fünftel der Bevölkerung
umfasst",
erklärt uns BOLLMANN. Eine Grafik
listet jedoch nur die 15 höchstverschuldeten Großstädte auf, von
denen 9 in NRW liegen. Dabei handelt es sich um die
Pro-Kopf-Verschuldung im Jahr 2015 einschließlich der Kassenkredite.
Eine Quelle für die Grafik wird nicht angegeben. Es findet sich
jedoch die Unternehmensberatun Ernst & Young (EY) darunter, die im
November eine Verschuldungsstatistik veröffentlichte (mehr
hier),
deren Grundlage nur 73 Großstädte waren, die 2011 schon Großstädte
waren. Bei der Schuldenstatistik bleiben zudem Aspekte
unberücksichtigt, die bei interkommunalen Vergleichen zu
Verzerrungen führen. In diesen Verzerrungen spiegelt sich der
Neoliberalismus mit seiner spezifischen Staatsauffassung wieder. Wer
wie BOLLMANN einseitig nur die Schuldensituation betrachtet, der
vernachlässigt die Leistungsseite des Nutzens. Schulden sind nicht
per se schlecht, sondern müssen im Gesamtkontext gesehen werden. Das
aber unterlässt BOLLMANN, der sich lediglich wahlkampftaktisch mit
den Skandalen beschäftigt.
"Zur Begründung, warum das Sparen
gerade jetzt nicht möglich ist, sind immer neue Argumente recht.
Notleidende Ruhrgebiets-Kommunen sagen, sei müssten wegen ihrer
schrumpfenden Bevölkerungszahl weiterhin Kredite aufnehmen. Das
wachsende Bonn hingegen erklärt, gerade der Anstieg der
Einwohnerzahl mache neue Ausgaben nötig - als hätten sich nicht
andere Kommunen durch ihr Wachstum saniert, selbst das lange
notleidende Berlin "
Es entbehrt nicht einer gewissen
Komik, dass uns BOLLMANN ausgerechnet das erste rot-rot-grün
regierte Bundesland als Vorbild preist. Vielleicht wäre es also gar
nicht so schlecht, wenn in NRW demnächst Rot-Rot-Grün regiert - ein
Option, die durchaus Chancen hätte, wenngleich es einer
außergewöhnlichen Konstellation bedürfte: Die CDU müsste stärkste
Partei werden und damit der Ministerposten für die SPD verloren
sein, Schwarz-Gelb zu schwach und die Bundes-und Landes-SPD müsste
ihre Vorbehalte aufgeben. Viele Hürden, aber keine völlig
unüberwindbaren.
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RAUCHHAUPT, Ulf von
(2017): Die untergewichtete Unterschicht.
Im Gespräch: Bei der amerikanischen
Präsidentschaftswahl lagen die Demoskopen teilweise krass daneben.
Eine gerade erschienene Analyse erklärt, was das schiefgelaufen ist,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.05.
Ulf von RAUCHHAUPT berichtet über den AAPOR-Bericht unter Leitung von
Courtney KENNEDY (PEW) über die Fehler der Demoskopen-Zunft bei den
Umfragen zur US-Präsidentenwahl im November. Dabei wurde handwerklich
gepfuscht, weil Gewichtungen beim Bildungsgrad in vielen Umfragen
unterlassen wurden:
"Bei vorangegangenen
Präsidentschaftswahlen war dieses Versäumnis ohne vergleichbare Folgen
geblieben, weil bislang sowohl die besonders Gebildeten als auch die
besonders Ungebildeten tendentiell für den Kandidaten der Demokraten
gestimmt hatten, wodurch sich der Effekt im ausreichenden Umfang
wegmittelte",
erklärt uns RAUCHHAUPT die
Schlamperei der Demoskopen. In diesen Zusammenhang spielt die
Finanzierung der Umfragen eine Rolle, denn das Weglassen von
Gewichtungen erspart Geld und wird gerne mit Effizienzgründen
legitimiert.
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Zu den News vom 01. -
06.
Mai 2017
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