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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 01. - 08. März 2015

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

 Schweden ist kein Vorbild mehr

"Schweden hat seit den frühen 90er Jahren eine Transformation durchlebt, die im westlichen Europa ihresgleichen sucht. Der Kern der Transformation liegt noch nicht einmal in den Kürzungen auf sämtlichen Feldern des Sozialstaats, obwohl diese teilweise erheblich sind. Wesentlicher ist, dass sich die Grundphilosphie neoliberalisiert hat. Risiken wurden - viel massiver als im Post-Agenda-2010-Deutschland - im Sinne der Eigenverantwortung auf das Individuum verlagert, und auch sozialdemokratische Regierungen haben dazu beigetragen. (...).
Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei knapp 8 Prozent - für ein Land, das bis in die frühen 90en Jahre an Arbeitslosenraten von unter 3 Prozent gewöhnt war, ist dies eine beunruhigend hohe Zahl. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt sogar über 20 Prozent." (2015, S.23) 

"Die Krise des Landes gibt Anlass das deutsche Schwedenbild kritisch zu hinterfragen. Schweden wird seit Jahrzehnten zu einem Vorbild, gar zu einem Sehnsuchtsort überhöht, während die imer deutlicher auftretenden Probleme und Widersprüche ignoriert werden. Paradoxerweise stammen die Schwedenbewunderer aus politisch völlig unterschiedlichen Lagern. Für die Linke ist Schweden seit der Nachkriegszeit das idealtypische sozialdemokratische Land, und auch die tiefgreifenden Veränderungen der letzten Jahre konnten diesem Bild wenig anhaben. Neoliberale loben das Land für die Reformen der letzten Jahre, die den richtigen Weg aufzeigen würden." (2015, S.24)
(Gunnar Hinck "Schweden: Der Traum ist aus", in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 2, Februar)

 
       
       
   
WELT AM SONNTAG-Thema: Die DNA der Liebe.
Das Erbgut bestimmt das Liebesglück wohl mehr als bislang gedacht. Forscher sprechen bereits vom Single-Gen, vom Scheidungsgen - und vom Gen zur Untreue

JIMÉNEZ, Fanny (2015): Biologie der Beziehung.
Single-Gene, Scheidungsgene und das Gen zur Untreue: Welche Rolle spielt die Genetik für die Fähigkeit zu lieben?,
in:
Welt am Sonntag v. 08.03.

 
   

KÖRTE, Peter (2015): Wie ein abgesplitterter Teil des Universums.
Der Regisseur Oskar Roehler hat seinen zweiten Roman geschrieben und ihn auch gleich selbst verfilmt. Im Gespräch erinnert er sich an das West-Berlin der achtziger Jahre, an Punk, Lust am Untergang und Schwimmen im Landwehrkanal,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.03.

 
   

BAUM, Antonia (2015): Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren.
Aus dem neuen Roman,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.03.

 
   
frauentaz-Thema: Bild der Frau.
8. März: Mutter. Hure. Schöne. Opfer. Frauen spielen Rollen, nicht nur die Rapperin Sookee. Manche hassen ihre. Andere hingegen wissen genau, wie sie zu spielen haben. Wirklich?

WEISHART, Janet (2015): Immer mit der Ruhe!
Wochenbett: Eine Geburt muss Frau erst mal verkraften. Mann auch. Ausruhen, sich auf die neue Situation einstellen und kuscheln mit dem Kind sind jetzt das Wichtigste. Alles andere kann auch mal acht Wochen lang warten - wenn man sich gut vorbereitet hat,
in:
TAZ Berlin v. 07.03.

Zum morgigen Frauentag gibt es in der Berliner Ausgabe ein Spezial rund um Schwangerschaft und Geburt. In der Rezension zu Leif RANDTs postdemokratischen Roman Planet Magnon erfährt man, dass Berlin und der Prenzlauer Berg die Kugel ist, um die sich das Deutschlanduniversum dreht:

"Würde dieses Planetensystem Deutschland repräsentieren, dann wäre Blossom, der urbane Hauptplanet, Berlin und das Kollektiv der Dolfins der Prenzlauer Berg, die Kulturelite unter den Planetenbewohnern."

Man könnte auch sagen: der Frauentag wird immer mehr zum Muttertag. Es wäre also an der Zeit den Frauen- und Muttertag zusammen zu legen. Passend dazu räsoniert Robert Misik über den Jargon der Modernisierung:

"Eine Zeit lang bedeutete Linkssein, modern zu sein, und umgekehrt: Modern zu sein bedeutete meist, links zu sein".

Modernität ist längst keine Verheißung mehr und Glück ist das Surrogat einer Postdemokratie, die keine bessere Zukunft mehr kennt...

 
   

KIEHNE, Egon (2015): Bürgervorschlag zum flexiblen Renteneintritt.
Wie man den Schwund an Facharbeitern abmildern könnte,
in:
Telepolis v. 07.03.

Telepolis adelt nun Gedankengut, das man längst seit Jahren in der FAZ oder sonstigen wirtschafts"liberalen" Blättern in ähnlicher Weise lesen konnte, als "Bürgervorschlag".

Das Prinzip den Renteneintritt an eine "mittlere Lebenserwartung" zu koppeln ist eine technokratische Lösung, die hier als Demografisierung gesellschaftlicher Probleme kritisiert wird.

Warum sollte eine Lebenserwartung, von der man gar nicht wissen kann, ob sie zum Zeitpunkt des Renteneintritts der Betroffenen überhaupt  Realität sein wird, den Renteneintritt bestimmen? Warum sollten lineare Fortschreibungen der Vergangenheit unsere Zukunft bestimmen?

Würde man die Lebenserwartung (welche überhaupt? Von Säuglingen? von Alten?) zur Richtschnur machen, dann müsste das Renteneintrittsalter z.B. jährlich neu bestimmt werden. Schließlich ist die Lebenserwartung keine Naturkonstante bzw. unumstößliche Gesetzmäßigkeit, sondern das Ergebnis einer Vielzahl von Faktoren, deren Prognostizierbarkeit zu wünschen übrig läßt.

Hinzu kommt, dass der Renteneintritt auch noch an den Bedarf des Arbeitsmarktes gekoppelt werden soll. Hier als "Schwund an Facharbeitern" bezeichnet. Was aber, wenn es gar keinen generellen Facharbeitermangel gibt? Müssten dann nicht branchenspezifische Renteneintrittsalter bestimmt werden?

Warum sollte eine privilegierte Gruppe (gesund und leistungsfähig noch im hohen Alter) jene bevormunden, die nicht zu diesem erlauchten Kreis derjenigen gehören, die zufälligerweise gebraucht werden?

Tatsächlich stehen wir gerade am Anfang von postdemokratischen Kämpfen, die sich um die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme drehen.

Von Wolfgang STREECK ist im Januar der Aufsatz Von der Gesellschaftssteuerung zur sozialen Kontrolle erschienen. Darin wird der der Weg vom Versuch der technokratischen Gesellschaftssteuerung zur sozialen Kontrolle als Scheitern technokratischer Vorstellungen beschrieben. Tatsächlich haben wir es jedoch auf allen Ebenen mit einer neuen Form von postdemokratischer Technokratie zu tun, die sich auf neuartige Technologien stützt (Demografisierung, Roboterisierung, Digitalisierung, Biotechnologien usw.), die versprechen den Menschen "besser machen zu können". Die neue Technokratie verspricht jedoch nicht mehr die Gesellschaft, sondern das Individuum zu steuern.

Im Bereich der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme könnte dieses neue Technokratieversprechen zuerst seinen Glanz verlieren. Der Demografie als postdemokratischer Leitwissenschaft steht der Niedergang wie ihn die Soziologie in den 1970er Jahren erlebt hat, erst noch bevor...          

 
   
SZ-MAGAZIN-Thema: Zerreißprobe - Zwischen Gut und Böse.
Ein Frauenheft

BREDENSTEIN, Lea (2015): Ich dachte kein einziges Mal an Maria.
Unsere Autorin hatte mit dem Partner ihrer besten Freundin eine Affäre. Passiert ist fast nichts - aber bis heute kann ihr niemand verzeihen,
in:
SZ-Magazin Nr.10 v. 06.03.

 
   

ZERRES, Klaus (2015): Fehlalarm.
Führen vorgeburtliche Gentests dazu, dass kein behinderten Kinder mehr geboren werden? Sicher nicht,
in:
Die ZEIT Nr.10 v. 05.03.

 
   

MAYER, Susanne (2015): liebeskrümel@sibylleberg.
Die Autorin Sibylle Berg wird als Göttin verehrt, gehasst, betwittert. Sie ist eine Virtuosin des literarischen Networking. Eine Visite im Berg-Werk, ein Tee in Zürich,
in:
Die ZEIT Nr.10 v. 05.03.

 
   

STALA BADEN-WÜRTTEMBERG (2015): Heiraten? Ja, später!
Rund 48 400 Paare in Baden-Württemberg gaben sich 2013 das "Jawort" - annähernd jede sechste Ehe wurde zwischen Deutschen und Ausländern geschlossen,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg v. 04.03.

 
   

DÖRRE, Klaus (2015): Unterklassen.
Plädoyer für die analytische Verwendung eines zwiespältigen Begriffs,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.10 v. 02.03.

 
   
HANDELSBLATT-Thema: Der Rentenschock

THELEN, Peter (2015): Der Rentenschock.
Trotz gegenteiliger Versprechen der Politik: Die Rentenkasse wird in Zukunft rote Zahlen schreiben. Nun schlägt der Präsident der Rentenversicherung Alarm. Er fordert die Anhebung des Beitragssatzes bereits Anfang 2018,
in:
Handelsblatt v. 02.03.

THELEN, Peter (2015): Axel Reimann "Der Rentenbeitrag muss im Jahr 2018 wieder steigen".
Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung warnt: Schon 2019 wird die gesetzliche Untergrenze von 0,2 Monatsausgaben nicht mehr eingehalten,
in:
Handelsblatt v. 02.03.

 
   

TRIPPEL, Katja (2015): Über die Dörfer.
Stirbt sie oder stirbt sie nicht, die deutsche Provinz? Die Prognosen sind schlecht, aber das sind sie schon seit Jahrzehnten, und doch fanden GEO-Reporter auf einer Reise über Land kräftige, zukunftsfrohe Dörfer. Und kämpferische. Überall trafen sie auch auf existenzielle Fragen: Sollten wir schwache Regionen um jeden Preis beleben? Oder sie aufgeben und menschenleere Naturparadiese schaffen?
in:
GEO, März

"Laut Berlin-Institut haben westdeutsche Dörfer, von denen man länger als 40 Minuten in die nächste Großstadt fährt, von 2003 bis 2008 mindestens doppelt so viele Einwohner eingebüßt wie Dörfer nahe den Speckgürteln. Im Osten betrug der Schwund fern der Citys rund sieben Prozent, Tendenz steigend.
Der Exodus folgt einer Regel: Die geografische bestimmt die demografische Lage",

berichtet Katja TRIPPEL, die lediglich zwei "Experten"-Positionen zum Thema demografischer Wandel von deutschen Kommunen vorstellt. Einerseits die neoliberale Position des Berlin-Instituts, das die Aufgabe des Ziels gleicher Lebensverhältnisse in Deutschland propagiert und zum anderen die Langzeitstudie Ländliche Lebensverhältnisse im Wandel des Thünen-Instituts, das 14 Dörfer (seit 1952 in Westdeutschland 10 Dörfer und seit 1993 zusätzlich 4 ostdeutsche Dörfer) untersucht hat. Im Gegensatz zum Berlin-Institut, das mit plakativen Propagandafeldzügen die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme betreibt, zeigt die Langzeitstudie, dass Dörfer sehr verschiedenen Einflussfaktoren unterliegen. Inwieweit demografische Faktoren eine Rolle spielen, muss in jedem Einzelfall geklärt werden. Demografie ist nicht unser Schicksal wie uns die Alarmisten seit der Jahrtausendwende erzählt haben, sondern kommunale Entwicklungen sind in erster Linie eine Frage der Politik.

TRIPPEL berichtet aus drei Dörfern: Bockholte im Emsland, Freienseen im hessischen Vogelsberg und Mildenburg im ostdeutschen Brandenburg.

"Hauptsächlich Metropolen und Universitätsstädte prosperieren - auch weil sie die bildungshungrige Landjugend anziehen. Und derzeit wachsen erstmals mehr Kleinkinder in Städten heran als draußen im Grünen",

behauptet TRIPPEL. Noch um die Jahrtausendwende galten Städte als wenig attraktiv für Familien. Im Jahr 2003 wurde der Prenzlauer Berg in Berlin als Symbol einer neuen Mütterlichkeit inszeniert. Nicht nur das Berlin-Institut erklärte dann ab Ende 2004 den "Baby-Boom" in Berliner Prenzlauer Berg für einen Irrtum. Es ist keineswegs ein Zufall, dass die Widerlegung dieses "Baby-Booms" mit dem Agenda-Setting des Elterngeldes ab September 2004 zusammenfällt. Der Meinungskampf um den "Baby-Boom" war geprägt von der Durchsetzung des Elterngeldes. Vor Inkrafttreten des Elterngeldes DURFTE es keinen Babyboom geben, danach MUSSTE es einen geben. Wenige Jahre später revidierten die Geburtenpropagandisten also ihre Meinung. Kaum war das Elterngeld in Kraft getreten, da schrieb ausgerechnet in der Welt Iris MARX den Baby-Boom in den Städten herbei. 2009 konstatierte dann auch das Berlin-Institut einen Geburtenanstieg im Szene-Bezirk. Es ist auch kein Zufall, dass der mediale Fokus auf dem Akademikerbezirk ruhte, denn es ging den Medien keineswegs um einen allgemeinen Geburtenrückgang, sondern um einen gewollten Geburtenanstieg bei Akademikerinnen, deren Kinderlosigkeit nach der Jahrtausendwende weit überschätzt wurde.

Cloppenburg galt dagegen als Symbol des ländlichen Kindersegens. In der GEO-Reportage steht Bockholte für diesen Typus:

"622 Einwohner, gut ein Viertel mehr als vor 20 Jahren, Tendenz steigend."

Wie in Cloppenburg wird auch der Bockholter Kindersegen auf die Russlanddeutschen zurückgeführt:

"Bockholte ist vor allem dank seiner Zuzügler gewachsen: Russlanddeutschen, die ab Ende der 1990er Jahre in Werlte Arbeit fanden und im Neubaugebiet Häuser bauten."

Das hessische Freienseen wird dagegen im Kampf gegen den Bevölkerungsschwund beschrieben:

"Freienseen hat seit 2006 sieben Prozent seiner Einwohner verloren. Die Gemeinde Laubach, zu der Freienseen zählt, schrumpft ebenso schnell - und ist so pleite, dass sie 2012 unter den kommunalen Rettungsschirm es Landes Hessen schlüpfte. (...).
Laubach dreht sich im Teufelskreis. Der Schwund verursacht eine finanzielle Misere, die die abgelegene Gemeinde erst recht unattraktiv macht."

In der Debatte um die Entwicklung der Kommunen herrschte dieses Paradigma der Abwärtsspirale vor. Es sollte angeblich die allgemeine Gemeindeentwicklung beschreiben. In Zeiten des Bevölkerungsrückgangs in Deutschland war dies unumstritten, seit Deutschland jedoch gegen alle Prognosen wieder wächst, regt sich Widerstand gegen diese verallgemeinernde Sicht.

Die dritte Gemeinde, nämlich Mildenburg in Brandenburg, zeigt, dass keineswegs die Demografie, sondern die geografische Lage (Umlandgemeinde von Berlin) ein wichtiger Faktor der Gemeindeentwicklung ist.

Aber auch die geografische Lage ist letztlich nicht allein ausschlaggebend, sondern die Politik hat Einfluss. Bockkholte verdankte seine Entwicklung z.B. auch einer Politik, die "strukturschwache Gebiete", wie das vor der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme hieß, förderte:

"Der milliardenschwere Emslandplan, verabschiedet in den 1950er Jahren, hat die Region über Jahrzehnte mit moderner Infrastruktur versorgt und wirtschaftlich gepusht. Subventionen in diesem Ausmaß, auf Pump vom Staat bezahlt, sind jedoch längst nicht mehr mehrheitsfähig."

Zu deutsch: Die Aufgabe des Ziels gleicher Lebensverhältnisse oder zumindest eine zeitgemäße Neuformulierung dieses Ziels verschärft die Gegensätze in Deutschland.

Es stellt sich die z.B. Frage warum aufstrebende Branchen in Metropolregionen, die aus allen Nähten platzen, angesiedelt werden müssen, statt strukturschwache Gebiete zu fördern. Einfalt statt Vielfalt also?

 
   
IP-LÄNDERREPORT-Thema: Japan.
Land des Schwächelns

NEIDHART, Christoph (2015): Abwärts mit Abe,
in:
IP Länderreport Japan, März - Juni

SCHAD-SEIFERT, Annette (2015): Womenomics,
in:
IP Länderreport Japan, März - Juni

 
   
TIME-Thema: This Baby Could Live To Be 142 Years old.
Dispatches From The Frontiers Of Longevity

PARK, Alice (2015): Age Disrupters.
A Drug From Dirt And Some Siames Mice Have Researchers Inching Toward The Seemingly Impossible: A Cure For Aging,
in:
Time v. 23.02./02.03.

SIFFERLIN, Alexandra (2015): Do Married People Really Live Longer?
in:
Time v. 23.02./02.03.

 
   

LINDNER, Roland (2015): App zum Anbandeln.
Die Smartphone-App "Tinder" revolutioniert die Partnersuche: Innerhalb von Sekunden lassen sich mit paarungswilligen Zeitgenossen Verabredungen arrangieren,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.03.

 
   

BERGHAMMER, Caroline & Roland VERWIEBE (2015): Die Verbreitung des Doppelernährer- und Doppelbetreuermodells in fünf Ländern Europas,
in: WSI-Mitteilungen
Nr.2, S.116-124

 
   

ECKHARD, Jan (2015): Abnehmende Bindungsquoten in Deutschland.
Ausmaß und Bedeutung eines historischen Trends,
in:
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 1, März

Jan ECKHARD spitzt die sehr unterschiedlich interpretierte These von der Single-Gesellschaft, die in den 1990er Jahre in erster Linie als Zunahme überzeugter bzw. dauerhafter Singles fehlinterpretiert wurde, auf die Zunahme von Bindungsbarrieren zu. Eine solche Interpretation setzte sich erst Mitte der Nuller Jahre mehr und mehr durch, nachdem die Interpretationen der 1990er Jahre sich - auch in der medialen Öffentlichkeit - als haltlos erwiesen hatten.

Das Interesse an solch einer Forschung zielt nicht auf die Partnerbindung an sich ab, sondern auf die Partnerbindung als (erwünschte) Voraussetzung der Familiengründung. Sie wird in erster Linie getrieben durch die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme:

"Viertens kann ein fundiertes Wissen um die Entwicklung der Partnerbindung zur Einschätzung der Konsequenzen des sozialen Wandels dienen, zumal das Aufkommen an stabilen Bindungen von Bedeutung für die demografische Entwicklung, für die Subsidiarität der sozialen Sicherung, für die Lebensbedingungen im Alter, für die Arbeitsmarktentwicklung u.v.m. ist." (2015, S.29)

Es zeigt sich jedoch, dass Untersuchungen zur Partnerbindung zum einen rar und zum anderen defizitär sind, weil sie nur einen unvollständigen Zugang zum Thema ermöglichen.

Jan ECKHARD hat vier Datensätze für seine Analyse der Entwicklung der Partnerbindung untersucht: das Sozio-ökonomische Panel (SOEP), den Familiensurvey des Deutschen Jugendinstituts, das Beziehungs- und Familienpanel (PAIRFAM) und den Survey of Health, Ageing und Retirement in Europe (SHARE).

Erschwert wird die Erforschung dadurch, dass Partnerbindung unterschiedlich definiert und erfasst wird, sodass die einzelnen Datensätze lediglich grobe Trends zeichnen können. Besonders problematisch ist, dass sich die Untersuchungen jeweils auf ganz spezifische Alters- bzw. Kohortengruppen beziehen. Man hatte es z.B. versäumt, das bereits seit Ende der 1970er Jahre bekannte Phänomen der Paare mit getrennten Haushalten rechtzeitig zu erforschen, sodass jetzt über deren Entwicklung mehr oder weniger nur spekuliert werden kann. Ausgerechnet das viel gerühmte Sozio-ökonomische Panel (SOEP) erfasst das Phänomen erst seit 1992, wobei jedoch aufgrund des Untersuchungsdesigns die Beziehungsdauer nicht erfasst werden kann. Das Beziehungs- und Familienpanel wiederum greift nur jeweils ein paar Jahrgänge heraus (1971-72 Geborene, 1981-82 Geborene und 1991-93 Geborene), wodurch vielleicht eine Kontinuität der Entwicklung konstruiert wird, die es möglicherweise gar nicht gibt, weil z.B. die Arbeitsmarktsituation großen Schwankungen unterworfen ist.

Gerade hinsichtlich des demografischen Wandels wäre die Frage nach der Entwicklung der Partnerbindung im Alter wichtig. Ausgerechnet diese Frage jedoch wird bei ECKHARD stiefmütterlich behandelt.

Die Antwort nach der Entwicklung der Partnerbindung hängt in erster Linie von der betrachteten Altersgruppe und der Definition der Partnerbindung ab. Hier zeigen sich jedoch gravierende Mängel der Untersuchung von ECKHARD. So wird implizit die Unterscheidung von längerfristiger und kurzfristiger Partnerbindung an den Definitionen der analysierten Datensätze festgemacht, d.h. langfristige Partnerbindung sind bei ECKHARD alle Partnerbindungen, die mindestens ein Jahr dauern. Daraus wird dann eine Tendenz zur zunehmenden Bindungslosigkeit gestrickt. Warum wird langfristig nicht als 2, 5 Jahre, 10 Jahre oder gar 20 Jahre definiert, was im Hinblick auf Familiengründung oder den demografischen Wandel viel überzeugender wäre? Aufgrund dieser Einschränkung kommt ECKHARD zu folgendem Schluss:

"Im Ergebnis erfordert die Frage nach der Entwicklung der Partnerbindung eine differenzierte Antwort: Versteht man unter Partnerbindung das Vorhandensein einer gewissen Stabilität der Paarbeziehung, dann ist eindeutig ein Rückgang der Partnerbindung zu konstatieren. Die Verbreitung von Beziehungen, die wenigstens ein Jahr lang fortbestehen, hat sich gemäß allen Umfrageprogrammen in der Jahrgangsabfolge deutlich vermindert. Geht man hingegen von einer Definition aus, die unter Partnerbindung auch sehr kurze Beziehungserfahrungen und instabile Verhältnisse subsumiert, so kann man, wie pairfam zeigt, von einer weitgehenden Konstanz der Bindungsquoten sprechen."

Diese Schlussfolgerungen sind wie gesagt sehr gewagt. Der Artikel zeigt jedoch welche Probleme die Erforschung dieser Frage aufwirft und wie ungenügend die vorhandenen Datensätze sind, zumal ECKHARD selber darauf hinweist, dass gerade die Entwicklung bei den über 60-Jährigen unbekannt ist:

"Auf Basis der Daten (ist) noch nicht abzusehen (...), inwiefern (...) in den höheren Altersstufen (über 60 Jahren) eine Zunahme der Partnerlosigkeit stattfindet."

Und man möchte hinzufügen: Auch die Annahme einer Zunahme der Partnerlosigkeit bei den unter 60-Jährigen ist offensichtlich ganz entscheidend von der Definition langfristiger Bindung bzw. der Abgrenzung von Altersgruppen abhängig bzw. eine Frage besonderer regionaler Verhältnisse (z.B. Männerüberschuss in Ostdeutschland).

Die Analyse von ECKHARD hat also eher explorativen Charakter und zeigt in erster Linie die Defizite in der Erforschung der Partnerbindung auf. 

 
   

HEIZMANN, Anne/BRÖCKEL, Miriam/GOLSCHA, Katrin (2015): An einem Strang ziehen.
Beruflicher Aufstieg und Partnerschaft,
in: beziehungsweise, März

Leider gibt der Artikel keinen Hinweis darauf, ob Paare mit getrennten Haushalten in die Untersuchung miteinbezogen wurden. Wäre dies nicht der Fall, was angesichts der LÖSUNG Hausarbeit besser verteilen, sehr wahrscheinlich ist, darf die Aussagekraft der Studie bezweifelt werden. Denn: Welches aufstiegsorientierte "hochqualifizierte, statushomogene Paar" hat nicht entweder eine Haushaltshilfe oder lebt multilokal? Und falls sie nicht multilokal leben, welche Pendelkosten fallen an? 

 
   

STEEG, Lena (2015): Ruhe, bitte!
In Beziehungen, heißt es, müsse man absolut ehrlich sein. Das ist das große Missverständnis der modernen Liebe,
in: Neon, März

 
   

STEINITZ, David (2015): Das Jahr 1950 endet nie.
Junge trifft Mädchen trifft Geschlechterklischee: Warum wirken viele romantische Komödien von heute so veraltet?
in: Neon, März

 
   

BUCHHOLZ, Jenny (2015): "Es ist mein Schicksal, benutzt zu werden".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon, März

 
       
 

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