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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 01. - 15. Juli 2002

 
       
     
     
     
   
Spruch des Monats:
"Einer meiner ersten bezahlten Jobs bestand in der freien Mitarbeit als Szene-Reporterin in der Frankfurter Prinz-Redaktion. Auch dort wurden Lifestyle-Trends gemacht beziehungsweise frei erfunden. Oder gab es sie wirklich? Man konnte nie sicher sein, was zuerst da war, der Trend oder die Idee des Trends."
(Katja Kullmann in "Generation Ally", 2002)
 
       
   
Nesthocker in Deutschland sind eine unbekannte Grösse. Sie können dazu beitragen, dass sich das ändert!

Angesehenes Frauenmagazin sucht Männer und Frauen, die über 25 Jahre alt sind und noch/wieder/vorübergehend bei Ihren Eltern leben.

Bitte melden bei [email protected]

 
       
   
Der STERN plant eine große Geschichte zum Thema "Männer, die keine Kinder wollen".

Dafür sucht die Zeitschrift Männer, die sich zu diesem Thema interviewen, bzw. auch fotografieren lassen.

[ mehr hier ]

 
       
     
   
  • Debatte um Katherina REICHE (CDU)

    • BÜSCHER, Wolfgang (2002): Katherinas Welt.
      Geburtsort: Luckenwalde. Familienstand: ledig, ein Kind. Beruf: Chemikerin und CDU-Bundestagsabgeordnete. Ein Besuch bei Katherina Reiche und ihrem geliebten, ironischen Großvater,
      in: Welt 15.07.
    • FACIUS, Gernot (2002): Ein Bekenntnis zur Ehe, aber kein Angriff auf Stoiber.
      Das "Wort zur Wahl" der Bischofskonferenz soll erst Ende August erscheinen. Schon jetzt schießen Spekulationen ins Kraut, und führende Kirchenvertreter positionieren sich,
      in: Welt 15.07.
    • LEERSCH, Hans-Jürgen (2002): Das "C" wird nicht gestrichen.
      Deutsche Milieus,
      in: Welt 15.07.
      • Inhalt:
        Inhalt mit dem CSU-Generalsekretär Thomas GOPPEL.
    • HEINEN, Guido (2002): Sich zum C bekennen.
      Die Union erweckt den fatalen Eindruck, als laufe sie in der Familienpolitik Rot-Grün hinterher. Das haben die Bischöfe offen ausgesprochen,
      in: Welt 15.07.
 
   
  • KOHLER, Georg (2002): Ist Autorität unmöglich geworden?
    Eine Aufforderung zum Nachdenken über die Differenzierung von E- und U-Kultur,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.07.
    • Kommentar:
      KOHLERs Vorstellungen knüpfen nahtlos an die Überlegungen von Paul NOLTE (FAS vom 14.07.2002) zur Rückkehr der Klassengesellschaft an. KOHLER beschäftigt sich mit dem Aspekt "Konsum von Kulturgütern":
            
      "der Affekt und Widerstand gegen die Verachtung des massenhaft Erfolgreichen ist heute so verbreitet, dass es nicht länger nötig ist, diese Geringschätzung zu kritisieren", behauptet KOHLER und spricht stattdessen lieber von der "Diktatur der vielen".
            
      Angesichts der bildungsbürgerlichen Kanonbildung ist eher vom Gegenteil auszugehen. Es scheint auf alle Fälle Ewigkeiten her, dass Joachim LOTTMANN in "Deutsche Einheit" schrieb:
            
      "Vielleicht hatte sich meine und Andy Warhols Botschaft durchgesetzt, alle sollten schreiben dürfen? Wirklich alle! So daß der Unterschied zwischen Schriftsteller und Mensch wegfiel und so weiter. Man mußte den kleinen, wackeren Krauchern Mut machen, indem man als eingeborener Schriftsteller, von Gott gesandt und geliebt wie sein einziger Sohn, leibhaftig vor die Leute trat und ganz, ganz schlecht schrieb, als könnte man es gar nicht besser. Es wäre die Erlösung ... wer wußte das besser als Joseph Beuys."
            
      Und hinzufügen liesse sich: Punk ist inzwischen entweder rückwärtsgewandt oder nur noch Retro!
 
   
  • Debatte um Katherina REICHE (CDU)

    • SCHWILK, Heimo (2002): Katholische Bischöfe drohen Stoiber mit Hirtenbrief.
      Der Streit um die Berufung von Katherina Reiche ins Kompetenzteam des Unions-Kanzlerkandidaten spitzt sich zu. Die Bischofskonferenz will beraten. Meinungsforscher erwartet Unions-Verluste bei Stammwählern,
      in: Welt am Sonntag v. 14.07.
    • VOWINKEL, Heike (2002): Was kann eine Frau alles gleichzeitig?
      Die perfekte Mutter soll Familie und Karriere problemlos miteinander vereinbaren, so wie Stoibers Vorzeigefrau Katherina Reiche. Doch in der Realität ist das fast unmöglich,
      in: Welt am Sonntag v. 14.07.
 
   
  • MÖNCH, Regina (2002): Alleinerziehung - ein Vorurteil.
    Kinder, die nur von einem Elternteil erzogen werden, haben es schulisch schwerer. Heißt es. Die Pisa-Studie, das Handorakel neuester Pädagogik, hat dafür keine Belege,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.07.
 
   
  • NOLTE, Paul (2002): Wieviel Zumutung braucht der Mensch?
    Plädoyer für eine neue bürgerliche Gesellschaft, für Reformfreude und Machbarkeitsskepsis, kurz für: Schwarz-Grün,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.07.
    • Kommentar:
      Der Historiker Paul NOLTE formuliert den Sozialabbau als Kernelement einer neuen Klassengesellschaft, die ihm vorschwebt. Dazu ist der "'Umbau' von 'Denkweisen und Sozialmentalitäten" notwendig, der den "Abschied vom bequemen Kollektivismus ebenso wie vom falsch verstandenen Individualismus" beinhaltet.
             
      Sein Gegenentwurf "läßt sich mit dem Prinzip der Verantwortung beschreiben. Es bedeutet Verantwortung für die eigenen Lebensführung, die durch Reformen gestärkt werden muß, im Arbeitsmarkt oder in der Krankenversicherung ebenso wie im Konsum von Lebensmitteln oder Kulturgütern."
             
      Den Kernbereich sieht NOLTE im Prinzip der Verantwortung für Dritte: "Familie und die verantwortliche Kindererziehung, ob mit oder ohne Trauschein".
 
   
  • BUCHSTEINER, Jochen (2002): Alles, was zählt,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.07.
    • Kommentar:
      Seit auch bei der altehrwürdigen Frankfurter Allgemeine Entlassungen anstehen, ist Arbeitslosigkeit plötzlich auch für die Eliten ein Thema:
             
      "Nun hat die Wirtschaftskrise auch das Nervenzentrum der Gesellschaft erreicht, die etablierte Mittelschicht: Ehrwürdige Unternehmen (...) entlassen (...) Mitarbeiter (...).
      Besonders hart trifft es die Berufsanfänger, die - deutscher Betriebsratslogik entsprechend - am einfachsten zu kündigen sind. Viele von ihnen gelten als solche, die 'alles richtig gemacht' haben: studiert an ausländischen Eliteschulen, fließend bewandert in mehreren Fremdsprachen, leistungsbereit und oft auch noch begabt. Menschlich wiegt ihr Schicksal nicht schwerer als das eines entlassenen Bauarbeiters bei Holzmann oder eines gekündigten Paketausträgers bei der Deutschen Post. Politisch aber bedeutet der Betrug an den nachwachsenden Eliten eine neue Dimension.
      Wenn denjenigen, die dafür erzogen wurden, Verantwortung in diesem Land zu übernehmen, die Perspektive geraubt wird, ist mehr als der 'soziale Frieden' in Gefahr. Dann droht das Fundament des Gemeinwesens zu bröckeln: der Bestand an gemeinsamen Werten, der sich über alle Generationswechsel hinweg erhalten hat - allen voran das Vertrauen in die Qualität des politisch-wirtschaftlichen Systems."

             
      Früher hieß es "geboren, um zu führen". Im FAZ-Neusprech heisst es nun unverfänglicher "dafür erzogen, Verantwortung zu übernehmen". Verantwortung übernehmen, das hieß in den letzten Jahren oftmals Beschäftigte wegzurationalisieren. Wenn aus Rationalisierern selber Wegrationalisierte werden, das hat u.a. Georg M. OSWALD in seinem Roman "Alles was zählt", den BUCHSTEINER zitiert, beschrieben.
             
      Als die New Economy noch ein Thema war, da nannte man die gutgebildeten Berufsanfänger Yuppies. Yuppies wurden unter dem Sammelbegriff "Single" bzw. "Yetties" als flexibel und arbeitswillig beschrieben.
             
      Heutzutage gelten Singles nicht mehr als "Helden der Arbeit", sondern als arbeitsunwillig, weshalb die HARTZ-Kommission Vorschläge macht, wie man diese immobilen Singles zu mehr Mobilität zwingt:
             
      "Die Zumutbarkeit muss auch in Abhängigkeit vom Familienstatus des Arbeitslosen durchgesetzt werden (jungen, alleinstehenden Arbeitslosen kann mehr zugemutet werden als Familienvätern)."
             
      Im Arbeitslosen-Forum darf darüber debattiert werden!
 
     
   
  • MÜLLER, Felix E. (2002): Eine Generation kämpft gegen den materiellen Abstieg.
    Die Aussichten für die scheinbar verwöhnten 68er sind mässig,
    in: Neue Zürcher am Sonntag v. 14.07.
    • Kommentar:
      "Heute verfügt die Generation der über 80- jährigen Schweizerinnen und Schweizer beispielsweise über mehr Vermögen als die Altersklasse der 40 bis 49-jährigen", schreibt MÜLLER. Damit bezieht sich MÜLLER datenmässig jedoch nicht auf die 68er-Generation, sondern auf die Single-Generation.
             
      Dies steht dann auch im Einklang mit den empirischen Ergebnissen der Berliner Altersforscher um Martin KOHLI.
             
      Für die Zukunft sieht MÜLLER einen Generationenkonflikt heraufziehen:
             
      "die gegenwärtige Diskussion um die zweite Säule verrät keinerlei Anzeichen eines «Generationenkriegs». Einzig die SVP spielt mit den ihr nahestehenden Seniorenparteien, die mit dem Klischee der vom Schicksal benachteiligten Aktivdienstgeneration operieren, auf diesem Klavier. Die 68er entfalten wohl so lange kein kollektives Protestpotenzial, wie sie eine Chance sehen, wenigstens individuell den Aufstieg zu besseren Verhältnissen zu schaffen. Die neuste wirtschaftliche Abkühlung, die unverhältnismässig rasch der langen Stagnation des letzten Jahrzehntes gefolgt ist, könnte allerdings vielen endgültig die Augen dafür öffnen, dass die materiellen Zukunftserwartungen für den Rest ihres Lebens ausgesprochen limitiert sind."
 
   
  • SCHÄUBLE, Wolfgang (2002): Wir-Gesellschaft statt Ich AG,
    in: Tagesspiegel v. 14.07.
    • Kommentar:
      Das Wort zum Sonntag verkündet heute Wolfgang SCHÄUBLE:

             
      "Unsere Probleme begründen sich nicht zuerst in einem Mangel an materiellen Möglichkeiten. Keine Generation hat wohl jemals über größere verfügt. Und dennoch haben wir zum Beispiel weniger Kinder und größere Schwierigkeiten, sie zu erziehen. Und trotz hoher Sozialausgaben, die die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Haushalte wie der Steuer- und Beitragszahler zunehmend erschöpfen, nehmen Armut und Entwurzelung in Teilen der Gesellschaft zu. Deshalb muss menschlicher Egoismus eingebunden bleiben, in Regeln und in Verantwortung. Nur so kann aus Wohlstand auch soziale Gerechtigkeit werden und persönliche Zufriedenheit am Ende auch."
 
   
  • KAMANN, Matthias (2002): Loveparade statt Ruck.
    Trotz Krise ignorieren die Deutschen die Unkenrufe der Kulturkritik - und tun recht daran,
    in: Welt v. 13.07.
    • Kommentar:
      KAMANN lobt die Spassgesellschaft, weil sie eine Rückkehr zur Klassengesellschaft ohne Klassenkämpfe garantiert:
             
      "Deutschland nimmt an einem beispiellosen und großartigen Experiment teil. Versucht wird, eine in kürzester Zeit stattfindende Revolution - den Übergang zur Informations- und Dienstleistungsgesellschaft im globalen Maßstab - zu bewältigen, ohne dass es zu extremen sozialen Verwerfungen oder gar Klassenkämpfen kommt."
 
   
  • FACIUS, Gernot (2002): Kritik an Reiche auch aus den evangelischen Kirchen.
    Union weiche von langjährigen "Grundpositionen" ab. Ebenso kritisiert Justizministerin Däubler-Gmelin: "Zu wenig christlich geprägt",
    in: Welt v. 12.07.
 
   
  • ADAM, Konrad (2002): Kein grünes Herz für kleine Kinder.
    Wo es die meisten Kinderkrippen gibt, fielen die PISA-Ergebnisse auch am schlechtesten aus,
    in: Welt v. 12.07.
    • Kommentar:
      Ein Lob der Hausfrauenfamilie und eine Absage an die Karrieremutter, die ganz ohne den Namen Katherina REICHE auskommt.
 
   
  • KABISCH, Jörn (2002): Ostberlin gibt es nicht mehr.
    Verlust der Eindeutlichkeit. In ihrem Buch "Denn wir sind anders" mokiert sich Jana Simon leise über die West-Generation Golf,
    in: Freitag Nr.29 v. 12.07.
 
     
   
  • Debatte um Katherina REICHE (CDU)

    • ADAM, Konrad (2002): Was christlich ist, bestimmen wir.
      Die CDU ist eine Volkspartei wie jede andere, und weil das Volk, zumindest im Osten, nicht mehr christlich ist, will es die CDU dort auch nicht sein,
      in: Welt v. 11.07.
    • GIERTH, Matthias (2002): Familienpolitik.
      Auf das Leitbild kommt es an,
      in: Rheinischer Merkur Nr.28 v. 11.07.
 
   
  • MÜLLER, Thomas & Albert STECK (2002): Übersicht verloren.
    Die tiefere Rentenverzinsung bringt Bundesrat und Versicherungen in Bedrängnis. Der Proteststurm ist gewaltig,
    in: Facts Nr.28 v. 11.07.
 
   
  • BILLERBECK, Liane von (2002): Stoibers Mädchen und Schröders Frau für Gedöns.
    Gegen Jugend- und Familienministerin Christine Bergmann (SPD) schickt die Union Katherina Reiche ins Rennen. Beide sind aus dem Osten - aber grundverschieden. Beginn einer ZEIT-Serie über Minister und ihre Herausforderer,
    in: Die ZEIT Nr.29 v. 11.07.
 
   
  • MAYER, Susanne (2002): Und wer macht sauber? Mutti? Des nachts?
    In Deutschland leben rund sechs Millionen Kinder weniger als vor 30 Jahren. Trotz aller Familienpolitik sieht die Lage so aus: Niedrige Geburtenraten, hohe Armutsquoten in den Familien und viele unerfüllte Wünsche nach Kindern. Warum nur?
    in: Die ZEIT Nr.29 v. 11.07.
    • Kommentar:
      Eine der allseits bekannten Jammeriaden von MAYER in der Spassbeilage LEBEN. Wer soll das verstehen? War wohl zu dürftig für die ernsthafteren Ressorts...
 
   
  • AMEND, Christoph (2002): Verschwendet eure Jugend.
    Die "Süddeutsche Zeitung" stellt ihre Beilage "Jetzt" ein. Ein persönlicher Abschied,
    in: Tagesspiegel v. 10.07.
    • Kommentar:
      AMEND nimmt Abschied von seiner zweiten Jugend:
             
      "„Jetzt“ (...) war so jung wie seine Leser, weil die Redaktion ein junges Leben führte. Denn das mit der zweiten Chance nahmen die Leute schon ernst. Sie lebten eine Jugend de luxe: Endlich kam man in die Clubs rein, die einen als Teenager draußen stehen ließen. Endlich konnte man die Popstars und Schauspieler und Schriftsteller treffen, die man schon lange bewunderte. Endlich durfte man all die schönen und hässlichen Geschichten aus der Schulzeit aufschreiben".
             
      Nach der Einstellung der Berliner Seiten (FAZ) hat die Süddeutsche Zeitung das Ende seines Jugendmagazins beschlossen. Dies ist konsequent, hat doch die SZ lange genug das Ende der Spassgesellschaft gefordert.
             
      Der Wandel ist jedoch tiefergehend und beruht auf zwei Trends, die den Abschied von der Jugend als massenkulturellem Phänomen bedeuten: zum einen die Rückkehr der Klassengesellschaft durch Elitenbildung und die Etablierung eines Niedriglohnsektors sowie durch den demografischen Wandel, der zur Zeit junge Familien zur konsumstärksten und politikbestimmenden gesellschaftlichen Gruppe werden lässt. Nur eines ist gewiss: der nächste Abschied kommt bestimmt!
 
   
  • DIEDERICHSEN, Diedrich (2002): Doconstructing Martin.
    Wo Unbewusstes war, soll Diskurs werden: Dekonstruktion und Diskursanalyse stoßen bei uns auf Widerstand. Dabei wären diese Verfahren bei der gegenwärtigen Walser-Debatte hilfreich. Im Kontext der aktuellen documenta offenbart sich allerdings auch die Gefahr einer Kulturalisierung von Politik
    in: TAZ v. 10.07.
    • Kommentar:
      Anlässlich der WALSER-Debatte beschäftigt sich der Poptheoretiker DIEDERICHSEN mit der politischen Korrektheit in Deutschland. In der BOHRER-HABERMAS-Kontroverse um Tabus verteidigt er HABERMAS gegen BOHRER:
             
      "Heutiges Spießertum wird (...) daran kenntlich, mit welcher Verve es auf erledigte politische Gegner eindrischt, dies als Tabubruch ausgibt und sich längst warm um den Konsens gruppiert hat, dass Eliten was Feines, die Familie heilig und Lernen endlich wieder anstrengend sein müsse. Sieht denn der Mann seit 15 Jahren keine Talkshows? Wer, wenn nicht der neuerdings als Bildungstheoretiker auffällige, nicht ganz unspießige Günther Jauch wäre eine Verkörperung zeitgenössischen deutschen Konsenses - der eben von diesem über Bohrer bis zu Harald Schmidt reicht."
             
      Des weiteren übt DIEDERICHSEN Kritik an der "Kultur-Linken", die Nancy FRASER (USA) und Jean-Claude GUILLEBAUD (Frankreich) bereits pointierter vorgetragen haben:
             
      "Eine politische Arbeit im Dienste von identitären Entwürfen, sei es die minoritäre sexuelle Orientierung, sei es die unterdrückte Ethnie, droht indes immer zu kulturalisieren. Über die kulturelle Zelebrierung der eigenen Differenz und so gewonnenen Identität kann die politische Natur des bürgerrechtlichen und antihegemonialen Anliegens aus dem Auge geraten".
 
   
  • HEINEN, Guido (2002): Das Schweigen der Mutter Reiche.
    Bei Sabine Christiansens Familien-Runde wurde über vieles geredet, aber nicht auf alles eine Antwort gegeben,
    in: Welt v. 09.07.
 
   
  • KNÖPFEL, Ulrike (2002): Blick zurück auf den Zorn.
    Ihr Ziel war die Attacke auf Bürgergemüt und Hippie-Seligkeit - 25 Jahre nachdem sich auch in Deutschland junge Menschen mit Sicherheitsnadeln die Wangen piercten, feiert eine Düsseldorfer Schau die Rebellion der Punker als kreative Explosion,
    in: Spiegel Nr.28 v. 08.07.
 
     
     
   
  • BEBBER, Werner van (2002): Fischer und Reiche sind die neuen Eltern.
    Verheißungsvoll: Die Bundespolitik feiert die Familie,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.07.
 
   
  • PAULUS, Jochen (2002): Hurra, hurra, der Nachbar flennt.
    Warum Sozialneid gut für die Gesellschaft ist,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.07.
    • Kommentar:
      PAULUS berichtet über spieltheoretische Erkenntnisse von Ökonomen: "Vor allem die zu kurz Gekommenen zielten auf die Neureichen. Sie ließen sich ihr Gerechtigkeitsempfinden (...) etwas kosten, obwohl sie dadurch ihr ohnehin schlecht gefülltes Konto belasteten."
             
      Das Problem dieser Art von Theorie ist, dass sie die Mediengesellschaft ausblendet. Denn nicht die tatsächliche, sondern bereits die massenmedial behauptete Ungerechtigkeit reicht. Journalisten wie Konrad ADAM machen sich diesen Mechanismus zunutze.
 
   
  • KIRCHHOFF, Paul (2002): Deutsche Selbstaufgabe.
    Kinder sind Garanten für die Zukunft von Freiheit, Rechtsstaat und Wohlstand. Das haben wir vergessen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.07.
 
   
  • NZZ-Zeitfragen

    • HE (2002): Jeweils modern,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.07.
    • SCHMUGGE, Susanne (2002): Bunt und widerständig.
      Frauenpresse zwischen marktgängigen Konventionen und fröhlicher Subversion,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.07.
      • Inhalt:
        SCHMUGGE prognostiziert das Ende der klassischen Frauenzeitschrift:
               
        "Der gemeinsame Nenner 'Frau' ( oder 'Mann') überwiegt mitunter nicht mehr das Trennende von sonst völlig verschiedenen Lebenswelten. Bildung und Einkommen haben in dieser Hinsicht einen wesentlich einigenderen Charakter."
               
        Die Lebensstile von Frauen und Männer des gleichen Milieus unterscheiden sich damit weniger als jener von Frauen verschiedener Milieus. Frauenzeitschriften sind Zeitschriften für Mittelschichten:
               
        "Die Fokussierung auf die schier unerschöpflichen Möglichkeiten des Einzelnen gleicht dabei der eitlichen Nabelschau eriner privilegierten Elite."
    • HORVATH, Dora (2002): Weiblichkeit als Lebensziel der Frau.
      Das Frauenideal der Nachkriegszeit in der "Brigitte",
    • in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.07.
 
   
  • MANGOLD, Ijoma (2002): Wenn es zu groß wird, tut es weh.
    Unmöglich zärtlich, erfreulich grell: Bodo Kirchhoffs herrlicher "Schundroman",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 06.07.
    • Kommentar:
      "Den Kitsch, den wir schon immer erträumten, aber nie danach zu verlangen wagten", hat nach Meinung von MANGOLD jetzt Bodo KIRCHHOFF mit dem "Schundroman" geliefert.
             
      Während Jonathan FRANZEN einen Groschenroman im Gewand der Hochliteratur geschrieben hat, hat KIRCHHOFF einen hochliterarischen Trivialroman verfasst. Popmoderne pur...
 
     
   
  • GÜRTLER, Detlef (2002): Alte Mütter, neue Männer.
    Körper, Sex, Markt (3): Heute brauchen besonders Frauen immer länger, bis sie sich entschließen, Kinder zu kriegen. Das kann zu einem Mehr an Menschlichkeit beitragen,
    in: TAZ v. 06.07.
    • Inhalt:
      GÜRTLER behauptet, dass das steigende Erstgebäralter die evolutionären Selektionskriterien verändert, denn nicht mehr die Partnerwahl, sondern die Vaterwahl steht damit für Frauen im Mittelpunkt.
 
   
  • HILBERT, Iris/LINNARTZ, Mareen/VORNBÄUMEN, Axel (2002): "Baccara-Rosen, seit 34 Jahren".
    Karin Stoiber über öffentliche Küsse, private Entbehrungen und Geschenke zum Hochzeitstag.
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.07.
 
     
   
  • ROTH, Jürgen (2002): Die Milch lau und fad wie das Leben.
    Schwer, sich Hesses ambossartigen Metaphernkonstruktionen zu entziehen, besonders im deutschen Blätterwald,
    in: Frankfurter Rundschau v. 05.07.
    • Kommentar:
      ROTH ist beleidigtl! Als einziges grosses deutsches Blatt hat der STERN den Roman von Jonathan FRANZEN "Die Korrekturen" verrissen. Aus diesem Grund wütet ROTH gegen Hermann HESSE, dem der STERN eine 5teilige Serie widmet.
             
      Dabei haben FRANZEN und HESSE einige wichtige inhaltliche Berührungspunkte: beide sind Verächter urbaner Lebensstile und Konsumkritiker, d.h. sie kritisieren jeweils die Spassgesellschaft ihrer Zeit.
 
     
   
  • FINIS (2002): Das Letzte,
    in: Die ZEIT Nr.28 v. 04.07.
    • Inhalt:
      FINIS hat einen Nachruf auf die Generation Golf verfasst.
 
   
  • PIEPGRAS, Ilka & Andrea THILO (2002): Hausfrau und Mutter.
    Welches Frauenbild würde mit Karin Stoiber als First Lady im Kanzleramt einziehen? Ein Gespräch mit Mutter und Tochter über ihr Verhältnis zueinander, über Haarfarben und Rocklängen, Rebellion und unerfüllte Sehnsüchte,
    in: Die ZEIT Nr.28 v. 04.07.
    • Kommentar:
      In der Spassbeilage LEBEN (siehe hierzu FINIS) erscheint das Interview mit Karin und Constanze Stoiber für die Angehörigen der Spassgesellschaft.
 
   
  • GÜRTLER, Detlef (2002): Benz statt Baby - Ein Auslaufmodell.
    Der zweite Demographische Übergang kommt: Wohlstandsbürger wollen wieder Kinder haben,
    in: Welt v. 04.07.
    • Kommentar:
      GÜRTLER prognostiziert nicht - wie behauptet - den zweiten, sondern den dritten demographischen Übergang.

             Der zweite demographische Übergang ("second demographic transition") ist seit Mitte der 80er Jahre ein Begriff, der von den Demografen Ron LESTHAEGE und VAN DE KAA in die Debatte um den Geburtenrückgang in den Industriestaaten eingeführt wurde. Christopher PRINZ ("Cohabiting, Married, or Single", 1995, S.2) schreibt dazu:
             
      "Lesthaege and van de Kaa (1986, 1987) have proposed that the mid-1960s marked the beginning of a second demographic transition in Europe because of the large-scale changes that subsequently occured. This second demographic transition comprises several elements:
      - The transition from the 'golden age of marriage' to the 'dawn of cohabitation.'
      - The transition from the child as main element of a family to the couple as main element.
      - The transition from 'preventive contraception' (to avoid third and fourth children) to 'self-fulfilling conception' (whenever conception is desirable).
      - The transition from uniform systems of families and households to multiform systems."
      Anknüpfend an diese Thesen behauptet GÜRTLER nun, dass eine Verhaltensänderung in den europäischen Industriestaaten bevorsteht.

             Während die Prognosen der Demografen eine Verhaltensänderung ausschliessen, begründet GÜRTLER die bevorstehende Verhaltensänderung
      zum einen durch die Zunahme sozialstaatlicher Verteilungskonflikte und deren Konsequenz, dass eigene Kinder attraktiver werden als die staatliche Rentenversicherung bzw. eigene finanzielle Altersvorsorge. Zum anderen prophezeit GÜRTLER den "Singles und kinderlosen Doppelverdienern" biographische Enttäuschungen im Renten- und Greisenalter. Alle vorgetragenen Faktoren wirken nach GÜRTLER in eine Richtung:
             
      "Es kommt zu einem neuen Demographischen Übergang, durch den die Geburtenraten wieder in den Bereich der Reproduktionsrate gelangen oder diese übersteigen".
             GÜRTLERs Prämissen scheinen zwar auf den ersten Blick plausibel, auf den zweiten Blick halten sie jedoch nicht was sie versprechen.
      Die Anzahl der dauerhaft Kinderlosen wird sowohl von deutschen Demografen als auch von GÜRTLER überschätzt. Die Fixierung der Singles auf die berufliche Karriere ist ein Mythos. Kinderlosigkeit hat viele Ursachen, die von GÜRTLER ignoriert werden.
             
      Der Anteil des demografischen Faktors am Wohlstand einer Bevölkerung wird überschätzt. GÜRTLER sollte hierzu seinen TAZ-Artikel vom 15.05.2002 noch einmal lesen, denn dort vertritt er genau diesen Standpunkt. Genaueres zum Zusammenhang von Reproduktion und Wirtschaftsentwicklung lässt sich bei Christoph BUTTERWEGGE nachlesen.
             
      Die Behauptung, dass der dritte demographische Übergang noch bevorsteht, setzt zum einen voraus, dass die Thesen zum zweiten demographischen Übergang stimmen und zum anderen, dass die Verhaltensänderungen des dritten demographischen Übergangs nicht schon lange eingetreten sind.
             
      Das Problem liegt hier bei der Bestimmung von Geburtenraten selbst, die sich erst im historischen Rückblick exakt bestimmen lassen. Sichere Aussagen lassen sich z.Z. nur für die in den 50er Jahren geborenen Frauen machen, d.h. alle Aussagen über das Geburtenverhalten der Generation Golf bzw. Generation Ally oder der Generation @ sind mehr oder weniger spekulativ.
             
      Es wird also die Aufgabe von künftigen Bevölkerungshistorikern sein, GÜRTLERs Prognose zu bestätigen oder zu widerlegen.
             
      Die Wahrheit wird wohl irgendwo zwischen den pessimistischen Prognosen der Demografen und den optimistischen Vorhersagen von GÜRTLER liegen.
 
   
  • TT (2002): "Es ist erschreckend, was da herausgearbeitet wurde".
    Armutsbericht betont besondere soziale Situation Gießens - Sozialhilfequote übertrifft alles,
    in: Gießener Anzeiger v. 04.07.
    • Kommentar:
      Der Armutsbericht der Stadt Gießen offenbart, dass Kinderlose und Singles nicht mit Yuppies gleichgesetzt werden können:
             
      "oberhalb des Sozialhilfeniveaus leben viele Gießener in Armutsnähe. Dies drückt sich laut Silke Mardorf auch in der Zahl der Wohngeldempfänger aus: Hauptbetroffen sind hierbei vor allem Singlehaushalte, Kinderlose und Erwerbstätige sowie Rentner."
 
   
  • AP (2002): Medizin macht Deutsche älter.
    Kölner Untersuchung: Lebenserwartung steigert sich ständig,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 04.07.
    • Inhalt:
      Das Seminar für Wirtschafts- und Sozialstatistik der Universität Köln hat eine Modellrechnung erstellt, die im Gegensatz zum Statistischen Bundesamt in Wiesbaden eine höhere Lebenserwartung für die Deutschen ergeben hat.
 
   
  • Debatte um Katherina REICHE (CDU)

    • BAHNERS, Patrick (2002): Die Braut, die sich was traut.
      Edmund Stoibers Grundsatzentscheidung für Katherina Reiche,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.07.
      • Inhalt:
        BAHNERS vertritt die Alte Mitte und damit die Gegner von REICHE:
               
        "Wie soll die Wünschbarkeit der auf die Ehe gegründeten Familie von einer Mutter repräsentiert werden, der die 'feste Beziehung' zum Vater ihrer Kinder genug ist?" Nach Meinung von BAHNERS muss eine Familienexpertin das Familienideal und nicht die Familienrealität verkörpern:
               
        "Die Kompetenz in Stoibers Team ist eine symbolische Größe. Frau Reiche ist jung, östlich, Naturwissenschaftlerin. Wenn alles Persönliche zum Argument wird, dann kann nicht ausgerechnet der Zivilstand die Privatsache sein, die er rechtlich ohnehin nicht ist. In der Familienpolitik geht es nun einmal um private Umstände, deren Gestaltung öffentliches Interesse ist. Auf die 'Basis des christlichen Menschenbildes' stellt sich die Union im 'Regierungsprogramm'. Sie verpflichtet sich nicht auf das Apostolische Glaubensbekenntnis. Gleichwohl würde sie zum Beauftragten für Kirchenfragen kein Mitglied machen, das sich als Christ versteht, aber keiner Konfession angehören möchte."
    • HÖLL, Susanne (2002): Reiche ist nun doch Familienexpertin Stoibers,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 04.07.
    • DAUSEND, Peter (2002): Katherina Reiche überraschte alle - nur Stoiber nicht.