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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 16. - 30. Juni 2002

 
       
     
     
     
   
Spruch des Monats:
"Einer meiner ersten bezahlten Jobs bestand in der freien Mitarbeit als Szene-Reporterin in der Frankfurter Prinz-Redaktion. Auch dort wurden Lifestyle-Trends gemacht beziehungsweise frei erfunden. Oder gab es sie wirklich? Man konnte nie sicher sein, was zuerst da war, der Trend oder die Idee des Trends."
(Katja Kullmann in "Generation Ally", 2002)
 
       
   
Nesthocker in Deutschland sind eine unbekannte Grösse. Sie können dazu beitragen, dass sich das ändert!

Angesehenes Frauenmagazin sucht Männer und Frauen, die über 25 Jahre alt sind und noch/wieder/vorübergehend bei Ihren Eltern leben.

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Der STERN plant eine große Geschichte zum Thema "Männer, die keine Kinder wollen".

Dafür sucht die Zeitschrift Männer, die sich zu diesem Thema interviewen, bzw. auch fotografieren lassen.

[ mehr hier ]

 
       
   
  • WEIDERMANN, Volker & Anne ZIELKE (2002): Der Waldverherrlicher.
    Christian Kracht und Eckhart Nickel: Muß man Hesse lieben?
    in: Frankfurter Allgemein Sonntagszeitung v. 30.06.
 
   
  • GUTSCH, Jochen-Martin (2002): Allein unter Eltern.
    Alte Freund kriegen Kinder. Und reden über nichts Anderes mehr. Ein erster Besuch,
    in: Berliner Zeitung v. 29.06.
  • LEO, Maxim (2002): Allein mit Kindern.
    Alte Freund wollen keine Eltern werden. Und reden nicht darüber. Ein letzter Besuch,
    in: Berliner Zeitung v. 29.06.
    • Kommentar:
      Die Neue Mitte unter sich! Mit 30 ist Vaterwerden das Thema in Akademikerkreisen. GUTSCH schreibt aus der Perspektive des kinderlosen Mannes:
          
      "Ich bin gerade dreißig Jahre alt geworden, aber ich habe das Gefühl, Männer wie ich sterben langsam aus. Ich bin ein Dinosaurier. Ich habe kein Kind, ich erwarte kein Kind, und dass ich jemanden kenne, der ein Kind hat, ist ganz hübsch, aber nicht mehr als eine Ausrede. Es wird Zeit, sagen die Blicke, die ich spüre. Ich möchte dann antworten, dass ich mir so viel Zeit lasse, wie ich will. Wenn ich erst mit siebzig Vater werde, dann eben erst mit siebzig.
      Irgendwann beginnt man sich so seine Gedanken zu machen. Ganz automatisch, man kann nichts dagegen tun. Es ist warm und wohlig in der Masse, ich könnte dazu gehören. Ich könnte von dem Gefühl probieren, von dem alle sagen, es verändere ein Leben. Das Vaterwerden. Aber ich habe immer das Gefühl, ich brauche noch Zeit."

          
      Im Gegensatz zum kinderlosen Mann über 30, strahlt LEO die Selbstgefälligkeit eines Vaters aus, der Kinderlose als Identitätsstütze missbraucht:
          
      "Wir haben Caroline und Hans nicht wieder gesehen. Es war der letzte Versuch gewesen, etwas aus unserem früheren Leben zu retten. Es war ein Fehlschlag. Wir waren Papa und Mama. Es ließ sich nicht verleugnen. Viel später erst haben wir begriffen, dass auch Caroline und Hans gar nicht anders sein konnten, als sie es an diesem Abend waren und als sie es wahrscheinlich heute noch sind. Wir haben begriffen, dass sie unser Kind ignorieren mussten, um nicht selbst in den Strudel der Sehnsüchte gerissen zu werden. Wir haben begriffen, dass ihre Perfektion und Geschäftigkeit nur den Sinn hat, die Leere in ihrem Leben zu verdrängen.
      Heute können wir sie verstehen. Die Freiheit, die sich die Paare bewahren, indem sie bewusst auf Kinder verzichten, muss erdrückend sein. Es muss furchtbar sein, ständig tun zu können, was man will."

          
      Die Geschichte von LEO ist eine Variante von Paul WATZLAWICKs berühmter Geschichte mit dem Hammer ("Anleitung zum Unglücklichsein", 1983). In jener Geschichte benötigt ein Mann einen Hammer, um ein Bild aufzuhängen. Sein Nachbar besitzt einen Hammer, aber der Mann zweifelt an dessen Hilfsbereitschaft:
          
      "Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir einen Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er 'Guten Tag' sagen kann, schreit ihn unser Mann an: 'Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!"
          
      LEO missbraucht in seiner Geschichte ein kinderloses Paar, um sich seine neue Identität zu bestätigen:
          
      "Wir wollten etwas über uns erfahren. Wir wollten wissen, ob wir uns in diesen paar Monaten wirklich so verändert hatten. Wir wollten wissen, ob es noch möglich ist, einen Abend mit Caroline und Hans zu verbringen, so, wie wir früher Abende miteinander verbracht hatten. Es war ein Versuch.
      Wir nahmen uns vor, unter keinen Umständen das Thema Kinder zu berühren. Wir wollten auch nicht darüber reden, wie sehr es uns verletzt hatte, dass sie sich seit der Geburt von Anais nicht bei uns gemeldet haben. Wir wollten an diesem Abend einfach mal nicht Eltern sein. Praktisch kinderlos."

          
      Der Ablauf des Abends ist nach dem Schema von WATZLAWIKs Geschichte vorprogrammiert.
      Am Ende kann LEO das Eltern-Dasein selbstzufrieden als die einzig richtige Lebensform definieren:

          
      "Wir sind die funktionierenden Apparate einer Fortpflanzungskette. Und weil wir uns um das Überleben der Menschheit und die Rentenversicherung verdient machen, verschont man uns mit Fragen nach uns selbst. Weil wir einmal das Richtige getan haben, sind für immer entschuldigt für alles, was wir tun."
 
   
  • JOCKS, Heinz-Norbert (2002): Houellebecq: Sex mildert die Sorgen.
    Interview mit dem französischen Skandalautor,
    in: Neuß-Greuvenbroicher Zeitung v. 29.06.
 
     
   
  • SZYDLIK, Marc (2002): Nicht weit vom Stamm.
    Die Solidarität zwischen Alten und Jungen ist intakt. Das hat Konsequenzen für die Sozialpolitik,
    in: Die ZEIT Nr.27 v. 27.06.
    • Kommentar:
      In der Sozialpolitik dominieren die Polarisierer, die einen Generationenkonflikt herbeischreiben.
          
      Der Soziologe Marc SZYDLIK geht dagegen aufgrund eigener empirischer Forschungen davon aus, dass die innerfamilialen Generationenbeziehungen Solidaritätsbeziehungen sind, auch wenn sie heutzutage in erster Linie in Form der multilokalen Mehrgenerationen-Familie (Hans BERTRAM) gelebt werden.
          
      Dies führt im Zusammenhang mit der Vererbung zu sozialen Ungleichheiten innerhalb einer Generation, d.h. die innergenerationelle Dimension ist konflikthafter als die intergenerationelle Ungleichheit, die mit dem Schlagwort "Generationengerechtigkeit" (zur Kritik siehe Christoph BUTTERWEGGE) in der öffentlichen Debatte in den Vordergrund gerückt wird. Aus diesem Grunde fordert SZYDLIK eine Umorientierung der Sozialpolitik:
          
      "Soziale Ungleichheit in der Elterngeneration zieht soziale Ungleichheit in der Kindergeneration nach sich. Wer von einer allgemeinen Krise der Familie und dem Kampf der Generationen spricht, liegt falsch. Das Augenmerk sollte sich vielmehr auf die negativen Folgen der ausgeprägten lebenslangen Generationensolidarität richten."
  • TENBROCK, Christian & Wolfgang UCHATIUS (2002): Raus aus dem Altersgefängnis.
    Die Deutschen werden grau. Junge Menschen sind bald eine kleine Minderheit. Deshalb braucht das Land eine neue Sicht dessen, was Altsein bedeutet und was Alte leisten können. Der Staat muss seinen Bürgern eine neue Freiheit geben: So lange zu arbeiten, wie sie wollen. Altersgrenzen gehören abgeschafft,
    in: Die ZEIT Nr.27 v. 27.06.
    • Kommentar:
      TENBROCK & UCHATIUS sind im Gegensatz zu SZYDLIK sozialpolitische Polarisierer. Im Rückgriff auf Roland und Andrea TICHY versuchen die beiden Autoren die Generationen gegeneinander auszuspielen:
          
      "Der durchschnittliche Deutsche in mittleren Jahren gehört heute zu den reichsten Menschen der Welt. Wer glaubt, das liege vor allem an deutscher Wirtschaftskraft, übersieht die Bedeutung der Demografie. Ein Geheimnis des Wohlstands ist: Seit dem Zweiten Weltkrieg mussten die berufstätigen Deutschen nie so wenig Kinder und alte Menschen versorgen. Die einen wurden nie gezeugt, die anderen starben im Krieg. 'Wir leben im Zeitalter des demographischen Hedonismus', schreiben die Autoren Roland und Andrea Tichy in ihrem Buch Die Pyramide steht Kopf: Wer heute arbeitet, hat mehr Geld übrig als alle Generationen zuvor. Geld für ein Haus, das zweite Auto, den dritten Urlaub. Geld, das bald fehlen wird."
          
      Die sozialen Ungleichheiten innerhalb einer Generation, die sich im Hinblick auf die Erbengeneration noch verschärfen, werden hier ausgeblendet.
 
   
  • NÜBEL, Rainer (2002): Flucht ins Gefängnis.
    Jeder kennt das Gefühl der Angst. Und dass es vorübergeht. Bei manchen kommt es immer wieder - regelmäßig und zerstörerisch. Peter Mohr traut sich seit zwölf Jahren nicht mehr, aus dem Haus zu gehen,
    in: Die ZEIT Nr.27 v. 27.06.
    • Inhalt:
      NÜBEL berichtet über die Zunahme von Angststörungen:
          
      "Zwölf Jahre. In dieser Zeit haben Freunde geheiratet, Kinder bekommen, sich wieder scheiden lassen, den Job gewechselt, manche haben Karriere gemacht, sind umgezogen, in Urlaub gefahren - oder nur mal in die Kneipe gegangen. Peter Mohr ist in diesen zwölf Jahren nicht mehr aus dem Haus gegangen, ist auf der Stelle getreten, im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Leben steckt fest auf 145 Quadratmetern. Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer, Flure, Toilette, Keller. Es ist das Haus, in dem Mohr aufwuchs und mit seiner 76-jährigen Mutter lebt."
 
   
  • SAARBRÜCKER ZEITUNG (2002): Die Neid-Rendite.
    Der Zweck und seine unheiligen Mittel,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 26.06.
    • Inhalt:
      Der Autor beklagt, dass in der Neiddebatte mit zweierlei Mass gemessen wird:
          
      "Als Leistungs-Motor wird er immer öfter unverhohlen gutgeheißen. Andererseits klagt man aber jene, welche die aufspringende Schere zwischen Arm und Reich anprangern, des reinen Sozial-Neids an, versucht damit ihre Argumente als nur emotional abzuqualifizieren. Da ist er nun plötzlich wieder böse, der Neid. Wer soll das eigentlich verstehen?"
 
     
   
  • LPT (2002): Viele wollen die Zahlen noch nicht wahrhaben.
    Dr. Eberhard Leibing über die Folgen des Bevölkerungsentwicklung in Deutschland: Alterspyramide wird auf den Kopf gestellt,
    in: Reutlinger General-Anzeiger v. 26.06.
 
   
  • JÄHNER, Harald (2002): Mythen des Heilemachens.
    Jonathan Franzens Familienroman "Die Korrekturen" entwirft die Welt als Besserungsanstalt,
    in: Berliner Zeitung v. 26.06.
    • Inhalt:
      JÄHNER schwärmt von Jonathan FRANZEN:
          
      "Anders als die beißende Familienkritik der 68er-Generation, vermittelt der 1959 geborene Autor neben Beklemmungsgefühlen (...) eine irritierend leuchtende Perspektive von Herkunft und Heimat. Den gegenwartsorientierten, vielfach bindungslosen Individualisten, die, erfolgreich oder nicht, durchs Leben straucheln, gibt er die Abstammungserinnerung an einen alten Mann, der einst mit dem Eisenhammer schwindelfrei die großen Brücken über den Canyons abklopfte und die Schienen über der Prärie versorgte - »Mythen des Heilemachens«, wie es an einer Stelle heißt."
 
   
  • WILMES, Hartmut (2002): Nasenstüber mit Nebenwirkungen.
    Bodo Kirchhoffs "Schundroman" lässt einen mächtigen Rezensenten sterben,
    in: Kölnische Rundschau v. 26.06.
 
     
   
  • STOLTERFOHT, Barbara (2002): Auch Papa kann staubsaugen.
    Die familienpolitische Sprecherin der SPD, Renate Schmidt, über neue Rollenbilder und moderne Lebensformen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 25.06.
  • Renate Schmidt - Politik für die Mütterelite
 
     
   
  • WOLFF, Uwe (2002): Oma-mma mia!
    Mit 62 Jahren brachte Rosanna Della Corte einen Sohn zur Welt  – mit 70 erfährt sie die Leiden einer sehr späten Mutterschaft,
    in: Focus Nr.26 v. 24.06.
 
   
  • KUSICKE, Susanne (2002): Blues.
    Bestellt und nicht abgeholt,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.06.
    • Kommentar:
      KUSICKE versucht sich in ihrer allsonntäglichen Blues-Kolumne als eine deutsche Helen FIELDUNG. Ob sich dadurch die "Generation Ally" an das Blatt binden lässt? Ein bisschen mager ist das schon:
          
      "In dem großen Katalog lag außerdem ein kleiner, 'Singles zum Verlieben', den habe ich auch noch durchgearbeitet, aber mit weniger Erfolg, in meiner Gegend gibt's nur Gift (...). Das schlimmste daran war: die Jahrgänge gingen von 1975 abwärts, die Jungs sind glatt zehn Jahre jünger, außer Wali mit seinen drei Zuckermädchen. Meine Wahl fiel dann auf Dieter, der sich immerhin der dreißig nähert, ein Caterer aus Hügelsheim. Seine Stärken: schlafen, zuspätkommen. Wird traurig, wenn er früh aufstehen muß. Haßt Pingeligkeit. Das paßt. Bestellnummer MA3/10/07. Und einen Bauch hat er auch. Serena"
 
   
  • BOEDECKER, Sven (2002): Scheinriese.
    Messias, Mythos, Megastar: Kein Autor ist so hip wie Jonathan Franzen. Warum eigentlich?,
    in: SonntagsZeitung v. 23.06.
    • Kommentar:
      Nur Lob für Jonathan FRANZEN in Deutschland! BOEDECKER dagegen wagt es, zu fragen, ob das Buch dem Hype tatsächlich standhält. Sein Ergebnis:
          
      "interessant zu lesen. Dennoch fehlt etwas Wesentliches: Erkenntnis.
      (...). Franzen vermittelt bestenfalls einen auf die WASP-Mittelklasse beschränkten Einblick und hat schlichtweg überhaupt nichts Neues über den Zustand der Welt zu sagen. (...). So bleibt es bei bloss Wohlbekanntem - Materialismus ist nicht schön, Familien sind selten glücklich, und bei aufstrebenden Biotech-Firmen arbeiten nur Schweine. (...).
      Es ist eben doch nicht das, wofür Franzen und seine Gemeinde es halten: der Schlüsselroman zum Verständnis der US-Gegenwart. Aber wer in diesem Sommer und Herbst bei literarischen Diskussionen nicht hoffnungslos im Abseits stehen will, kommt an dem Wälzer dennoch nicht vorbei. Glück für den Verlag. Pech für alle anderen."
 
   
  • MÖLLER, Ute (2002): Lehrstunde zwischen den Supermarkt-Regalen
    Die Verbraucherzentrale bietet seit einigen Monaten mit "Diner for one" ein Einkaufstraining für Singles an,
    in: Nürnberger Nachrichten v. 22.06.
 
   
  • HÖRISCH, Jochen (2002): Die Mutterbrust, der Vatermund und die Logik.
    Der Freiin Philippine von Knigges "Logic für Frauenzimmer" aus dem Jahre 1789,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.06.
    • Inhalt:
      "Matriarchalische Ordnungen finden ein Ende, wenn Männer 'argumentativ' und 'logisch' plausibel machen können, dass sie Väter sind. Männer sind gewissermaßen zur Abstraktion und zum logischen Denken verdammt. Dass abnehmende Kinderzahl, Rationalitätskritik und Feminismus in ein und dieselbe Epoche fallen, ist deshalb 'logisch'. In Zeiten, da dank der Möglichkeiten von Genanalyse der alte Satz 'pater semper incertus' nicht mehr gilt, wird es Zeit, eine neue Logik für Männer zu schreiben", resümiert HÖRISCH.
 
   
  • LOHMANN, Hans-Martin & Katherine STROCZAN (2002): Traum-Kultur.
    oder Die Hegemonie des Exzesses,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.06.
    • Kommentar:
      Der Situationist Guy DEBORD und seine "Gesellschaft des Spektakels" sind fast ein halbes Jahrhundert nach seiner Niederschrift in der Neuen Mitte angekommen.
          
      Bereits die britische Punkbewegung hatte den Situationismus adaptiert wie Greil MARCUS in seiner Kulturgeschichte "Lipstick Traces. A Secret History of the Twentieth Century" (1989) nachgewiesen hat.
          
      Aber erst die Debatte um das Ende der Spassgesellschaft scheint nun dem Situationismus zu neuen Ehren zu verhelfen.
 
   
  • KOHSE, Petra (2002): Sachbearbeiter der Existenz.
    Dorothea Dieckmanns Roman "Damen & Herren" schabt an der Peripherie der Pubertät,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.06.
    • Kommentar:
      Wer Hochliteratur von anderen einfordert, der darf sich nicht darüber wundern, wenn er an seinen eigenen Ansprüchen gemessen wird:
          
      "Das Klassentreffen (...) ist im Alltag nicht nur der ideale Ort, sondern in der lebensgeschichtlich interessierten Literatur auch das ideale Motiv, um ins Nachdenken und ins Erzählen zu kommen. Und gerade in letzter Zeit scheint es besonders gern verwendet zu werden. Von Robert Menasses Die Vertreibung aus der Hölle über Nachthaut von Sabine Friedrich bis zu Krimis und dokumentarischen Versuchen reicht sein Verbreitungsgebiet, und Dorothea Dieckmanns Roman Damen & Herren handelt sogar ausschließlich davon. Was erstaunlich ist. Denn ausgerechnet diese Autorin, die als Literaturkritikerin und Essayistin bekannt ist, hat im November letzten Jahres in der Zeit vehement über die Zunahme populärer und trivialer Aspekte in der deutschsprachigen Literatur geschimpft. Und musste doch ungefähr zur gleichen Zeit ein eigenes Buch in den Druck gegeben haben, das nicht nur ein definitiv populäres Motiv ausarbeitet, sondern auch zur Prime Time der Rückbesinnung spielt, zwischen Weihnachten und Neujahr".
 
   
  • STEINBERGER, Petra (2002): Dürrer Ast sucht das Feuer.
    Krieg und Gewalt: Was der Männerüberschuss in Asien bewirkt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.06.
    • Kommentar:
      "Dürre Äste" nennen die Chinesen ihre "überschüssigen" Junggesellen,
      "die nie im Leben die Chance erhalten werden, sich fortzupflanzen" schreibt STEINBERGER.

          
      Die Panik vor dem Männerüberschuss ist jedoch nur die Kehrseite der Panik vor dem Aussterben.
 
   
  • REST, Tanja (2002): Die neue Mitte.
    Hollywood und die Modeindustrie haben das Mutterwerden zum irrwitzigen Trend erhoben,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.06.
    • Kommentar:
      Tanja REST arbeitet am neuen Klischee der sexy Schwangerschaft. Die Schauspielerin Sarah Jessica PARKER aus der Serie "Sex and the City" dient dazu als neues Rollenmodell.
 
   
  • MERKEL, Andreas (2002): Funktionieren wollen, leiden müssen.
    Die Liebe, ach: Mit Tests und Trainings rücken die Frauenzeitschriften den Gefühlen zu Leibe - psychische Krisen sollen mit Selbsterzählungen kuriert werden. Kleiner Rundgang durch die seltsame Gattung der populären Psychologie-Aufsätze
    in: TAZ v. 22.06.
 
   
  • NUNGEßER, Karin (2002): Phantomschmerz.
    Arbeit am Konstrukt. Sind Väter in doppelter Hinsicht unsichere Kantonisten?
    in: Freitag Nr.26 v. 21.06.
    • Inhalt:
      NUNGEßER zeigt Defizite der deutschen Vaterforschung auf, deren Ursachen sie historisch begründet:
          
      "Dass (...) jeder Vater, der weder tot noch geschieden war, gleichsam a priori in den Rang eines 'guten Vaters' erhoben wurde, ist historisch nachvollziehbar: Wer in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg noch einen Vater hatte, musste sich glücklich schätzen - auch wenn der Betreffende sich schnurstracks wieder in den wirtschaftlichen Wiederaufbau verabschiedete. Wem dagegen allenfalls eine diffuse Erinnerung an glücklichere Vorkriegszeiten, einen seltenen Fronturlauber und das mütterliche Entsetzen über dessen Fernbleiben blieb, dem musste Vaterlosigkeit als der Grund allen Übels erscheinen.
      Das mag erklären, warum die väterliche Ernährer-Doktrin (und die sie begleitende Kinder-gehören-zu-ihren-Müttern-Ideologie) in keinem Land der Erde so zählebig ist wie in Deutschland. Es ist aber zugleich eine mögliche Begründung dafür, wieso die mütterliche Rolle hierzulande schon sehr viel früher und ausgeprägter modernisiert werden konnte als die väterliche."
 
   
  • PEUKERT, Brigitte (2002): Familie erforschen,
    in: Thüringische Landeszeitung v. 21.06.
    • Kommentar:
      PEUKERT meldet die Einrichtung eines Stiftungslehrstuhls für Familienwissenschaft in Erfurt. Dies sei eine bedeutende Errungenschaft. Tatsache ist jedoch, dass die Familienforschung innerhalb der Sozialwissenschaft dominant ist. Die Begründung der Wissenschaftsministerin ist deshalb skuril:
          
      "Familienwissenschaft ist bisher in Deutschland kein Forschungsschwerpunkt und das obwohl es immer mehr Scheidungen, Alleinerziehende und Singles gibt".
          
      Was in Deutschland fehlt, das ist in erster Linie eine eigenständige Paarforschung. In deren Rahmen müssten ganz andere Fragestellungen im Hinblick auf das Single-Dasein gestellt werden, als dies im Rahmen der traditionellen Familienforschung der Fall ist.
 
   
  • KOMMERELL, Kathrin (2002): Alleine zu zweit.
    Jean-Claude Kaufmann hat das Leben der Single-Frauen studiert,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.06.
    • Kommentar:
      KOMMERELL bespricht das Buch "Singlefrau und Märchenprinz" nicht unter dem Aspekt Einsamkeit, der üblicherweise im Mittelpunkt der Besprechungen steht, sondern im Hinblick auf die Tatsache, dass das Single-Dasein in unserer Gesellschaft nur als Lebensphase und nicht als dauerhafte Lebensform akzeptiert ist:
          
      "Allein lebende Frauen blieben Erscheinungen am Rand der Ehe: die verlängerte Solo-Phase zwischen Jugend und Kinderkriegen, geschiedene Frauen, Witwen im Alter."
          
      Der Prozess der Individualisierung soll angeblich eine Änderung einleiten. Dagegen spricht jedoch die bevölkerungspolitische Debatte mit ihren Implikationen. Die Rezensentin moniert deshalb auch, dass die gesellschaftlichen Folgen bei KAUFMANN nicht thematisiert werden. Ausserdem setzt die milieuspezifische Verbreitung einer positiven Sichtweise der Lebensweise einer Durchsetzung des Alleinlebens Grenzen:
          
      "Die Flucht nach vorne ist der einzige Weg, um diese merkwürdige Existenz positiver zu erleben. Eine Möglichkeit, die zumal Frauen auf den unteren Stufen der gesellschaftlichen Leiter oder in ländlichen Gebieten verwehrt bleibt."
 
   
  • LIMINSKI, Jürgen (2002): Die deutsche Rentenversicherung ist zukunftsfähig, braucht aber Reformen.
    Gespräch mit Horst Seehofer, früherer Sozial- und Gesundheitsminister und Mitglied im Stoiber-Kompetenzteam,
    in: DeutschlandRadio v. 20.06.
    • Inhalt:
      Horst SEEHOFER spricht sich für eine bevölkerungspolitische Lösung des Rentenproblems aus, die Kinderlose diskriminiert:
          
      "Liminski: Auf einem Kongress letzte Woche in Berlin unter dem Titel 'Demographie und Wohlstand' hat der Präsident des IFO-Instituts in München, Professor Sinn, im Haus der Deutschen Wirtschaft ein neues System vorgestellt, das den Vorzug hat, mit den Anregungen des Bundesverfassungsgerichts im Einklang zu stehen. Er meinte, der Beitrag soll nach der Kinderzahl, also der Zahl der künftigen Beitragszahler gestaffelt werden und bei mehr als drei gegen Null tendieren. Das fand den Beifall namhafter Wissenschaftler, auch aus Frankreich und den USA. Wäre das etwas für einen Arbeitsminister Seehofer, oder wollen Sie auch mit Minireformen, die niemanden wehtun, weitermachen?
      Seehofer: Ich halte den Vorschlag für sehr vernünftig. Ich glaube sogar, dass das Bundesverfassungsgericht die Politik zu einer solchen Realisierung verpflichtet hat. Sie wissen, ein ähnliches Urteil, Kinder bei der Höhe des Pflegeversicherungsbeitrages zu berücksichtigen, gibt es bereits vom Bundesverfassungsgericht, und deshalb werden wir natürlich in diese Richtung weiter arbeiten. Aber die Ehrlichkeit in einem Wahlkampf gebietet es, darauf hinzuweisen, dass unsere erste Priorität nach eine Regierungsübernahme die Steuerentlastung und die schrittweise Einführung des Familiengeldes ist. Wir können aus finanziellen Gründen nicht alles sofort realisieren, aber es bleibt sicher in unseren sozialpolitischen Zielen. Mit zweiter Priorität soll auch die Kinderzahl bei den Beiträgen zur Sozialversicherung stärker berücksichtigt werden."
 
   
  • MEDICUS, Thomas (2002): Das Ende der Fluchträume.
    Verarmung in Sicht: Der Kulturbetrieb reduziert sich,
    in: Frankfurter Rundschau v. 20.06.
    • Inhalt:
      MEDICUS macht sich anlässlich der FAZ-Krise und des Kulturbetriebs Gedanken über die Zukunft der Single-Generation:
          
      "Die vielen vergangenen Jahre bedenkend, gab sich der Briefschreiber und Buchzusender gleich zu Beginn als ehemaliger Mitbewohner einer Wohngemeinschaft zu erkennen, die vor zwanzig Jahren in Hamburg wenige kurze Sommer der Kontemplation erlebt hatte.
      Der ironische Ton (...) ließ (...) die Atmosphäre der frühen achtziger Jahre wiedererstehen. Mit den Wohngemeinschaften ging es damals zu Ende, man begann seinen Weg auf eigene Faust zu suchen - und der sollte nicht mehr aus der Gesellschaft heraus, sondern in sie hineinführen. Zwanzig Jahre später ist das Ergebnis allerdings noch immer ungewiss. (...). Er sei habilitiert, teilt der Briefschreiber nicht ohne Stolz mit, seine Stelle laufe aber Ende des Jahres aus. Mit Anfang Fünfzig sehe er deshalb eine äußerst interessante Situation auf sich zukommen.
      Noch vor kurzer Zeit hätte man solche Äußerungen als generationsspezifisch bezeichnen können: die ironisch-melancholische Klagerhetorik der in den fünfziger Jahren geborenen Kinder des Konsums, die noch immer dem Glauben an lineare Biographien anhängen, wiewohl ihre eigenen Karrieren mehr Brüche als Kontinuitäten aufweisen. Wenn die Zeichen nicht trügen, wird es jedoch in Zukunft außer biographischen Brüchen überhaupt nichts mehr anderes geben."
 
     
   
  • SEIDEL, Eberhard (2002): Endlich sind wir allein.
    taz-Serie Sex, Körper, Macht (2): Die Generation 40 plus wollte die Beziehung zwischen Mann und Frau revolutionieren. Das Projekt scheiterte - und produzierte neue Opfer
    in: TAZ v. 20.06.
    • Kommentar:
      SEIDEL kritisiert seine Generationsangehörigen.
          
      Die Kritik ist jedoch leicht veraltet. Bereits Mitte der 80er Jahren hat Matthias HORX eine Bestandsaufnahme der Single-Generation geleistet, die SEIDEL nicht erweitert und Ulrich BECK hat Anfang der 90er Jahre in "Das ganz normale Chaos der Liebe" den Katzenjammer der Männer beschrieben, den SEIDEL hier zum x-ten Male wiederholt.
          
      SEIDEL spricht auch nicht für die Single-Generation, sondern nur für das grün-alternative Milieu, das seiner Meinung nach von überzogenen Erwartungen Abschied genommen hat:
          
      "Die Frauen und Männer der Generation 40 plus haben ihre großen gemeinsamen Projekte hinter sich. Bereits vor Jahren haben sie sich lautlos von der Alternativbewegung mit ihren totalitären Ansprüchen an ein gemeinsames Wohnen-Leben-Arbeiten verabschiedet. Etwas schwerer fällt das Eingeständnis, dass auch das Glücksversprechen der neuen Partnerschaft etwas Monströses in sich getragen hat. Es schmerzt und erklärt, weshalb der Anteil an Verhärmten, Frustrierten und Zynikern in dieser Altersgruppe so ungleich viel höher ist als in anderen."
          
      Beim Jammern ist SEIDEL konkret, abstrakt wird es wenn er geheimnisvoll von "jahrelange Verdrängung geheimer Wünsche" schreibt, um dann fortzufahren:
          
      "Ihre Partei, die Grünen, versucht es mit nachholender Entwicklung. Die Erfahrungen aus dem kollektiven Scheitern endeten in ihrem neuen Schwerpunktthema - der Familienpolitik. Andere gönnen sich bei der Vergangenheitsbewältigung mehr Spaß - in Tantragruppen und der ganzen Produktpalette, die Männern wie Frauen Hilfestellung bei der Suche nach sexueller Erfüllung verspricht. Die einst so hoch moralische Generation lernt: Nur kein Sex ist schlimmer als bezahlter."
          
      Das Projekt "Familienpolitik" ist definitiv kein Projekt der Single-Generation mehr, sondern der grünen Kinderpolitiker aus der Generation Golf. Die Grünen sind damit immer noch eine 1-Generationen-Partei, aber sie haben einen Generationenwechsel vollzogen, der alte Wählerschichten anderen Parteien und den Nicht-Wählern zutreibt.
 
   
  • CASPARI, Patricia (2002): Quadratisch, praktisch, gut.
    Mut zur Hässlichkeit: Wer in Berlin hip sein will, den zieht's in den Plattenbau,
    in: Rheinischer Merkur Nr.25 v. 20.06.
    • Kommentar:
      Wann ist ein Trend ein Trend? Wenn er in den Medien steht!
          
      In den 80er Jahren wurde hierzulande das Konzept "Yuppisierung" aus den USA exportiert und wird inzwischen offensichtlich als gezielte Strategie eingesetzt.
          
      Im Bericht werden Studentinnen und Kulturschaffende als Trendsetter - der Berliner Soziologe HÄUSSERMANN ("Neue Urbanität") bezeichnete sie noch als Pioniere - vorgestellt. Sie finden "Zurück zum Beton" chic (Das war ein PUNK-Slogan und Punk erlebt spätestens seit dem Erfolg von Michel HOUELLEBECQ eine Renaissance).
          
      Wie vermarktet man leerstehende Häuser und Wohnanlagen, in die normalerweise keiner ziehen möchte? Der Artikel bietet eine Antwort. Mit Unterstützung der Medien könnte tatsächlich der Trend entstehen, der hier herbeigeschrieben wird:
          
      "Aber hat sich der Retro-Wohntrend auch schon in Zahlen für die Baugesellschaften bemerkbar gemacht? Der Zuzug von jungen Trendsettern sei noch zu gering, um zahlenmäßig von einem Trend sprechen zu können, teilen die Wohnbaugesellschaften in Mitte und Friedrichshain mit. Und auch die gewerbliche Nutzung der Karl-Marx- und Frankfurter Allee sei nur schwach gestiegen, leer stehende Geschäfte herrschen noch immer vor. Katja ist jedoch zuversichtlich, dass sich auch das bald ändern wird."
 
   
  • ZELLNER, Josef (2002): Über alles reden.
    Nicht so verkniffen: Lockerungsübungen der verständnisvollen Gesellschaft,
    in: Rheinischer Merkur Nr.25 v. 20.06.
    • Kommentar:
      ZELLNER setzt der politischen Korrektheit die verständnisvolle Gesellschaft als Beschreibungsformel für unsere Gegenwart entgegen:
           
      "Unsere moderne Mediengesellschaft ist eine verständnisvolle Gesellschaft. Man kann über alles reden. Jene Tabus, die noch vor wenigen Jahrzehnten zu hochgezogenen Brauen bei Eltern und Großeltern führten, gibt es nicht mehr. Jenes Erstarren, das die Älteren erkennbar befiel, wenn Kinder und Jugendliche etwas über Sexualität, uneheliche Kinder oder den regelmäßigen Männerbesuch der Nachbarin wissen wollten, scheint Äonen zurückzuliegen."
           
      Tatsächlich sind diese Arten der Diskriminierung weitgehend verschwunden. Der Wohnungsmarkt hätte ansonsten auch nicht zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor werden können.
      Die Mechanismen der Diskriminierung haben sich verändert und die Sozialpolitik sowie die Medien spielen dabei die zentrale Rolle.
           Die Bevölkerungspolitik (Schlagwort "demografischer Wandel") setzt nicht mehr auf die Kontrolle durch Nachbarschaft, sondern auf ökonomische Strafen für Kinderlose und auf Medienkontrolle.
           
      Wenn z.B. das Magazin STERN nach kinderlosen Männern für eine Titelstory sucht, dann sind die Kategorien nach denen sie ausgesucht werden und die Bewertungen ihres Verhaltens bereits vorgegeben. Die Interviewpartner werden nur noch zur Illustration benötigt, sozusagen um der Story den Nimbus der Authentizität zu verpassen.
           
      Mit einer verständnisvollen Gesellschaft hat das nichts zu tun, sondern mit einer Art von politischer Korrektheit, die in Deutschland nicht thematisiert wird.
           
      ZELLNER geht es in seinem Artikel auch nicht um Verständnis, sondern es handelt sich um eine der üblichen kulturpessimistischen Kritiken an der Spassgesellschaft.
 
     
   
  • STHA (2002): Singles und ihre Welt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.06.
    • Inhalt:
      Der Evolutionspsychologe Andreas HEJJ präsentiert in München die Ergebnisse der Studie "Singles und ihre Welt"
 
   
  • HILLA, Dieter (2002): Krefeld gehen die Kinder aus.
    Im Jahr 2015 werden 18 000 Menschen weniger in Krefeld wohnen als heute. Dies geht aus der jüngsten Studie zur Bevölkerungsentwicklung hervor. OB Dieter Pützhofen forderte gestern Gegenmaßnahmen.
    in: Rheinische Post v. 19.06.
    • Kommentar:
      Man wird in 13 Jahren den heutigen Bericht auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen können. Nur wird dann keiner mehr sagen können, ob die Prognose je hätte Realität werden können, denn die Politik reagiert auf eine Problemdefinition und verändert damit das Problem selbst.
           
      Allein die Plausibilität der Problemdefinition reicht aus, um politische Projekte durchsetzen zu können. So wird in Krefeld offenbar der demografische Wandel dazu benutzt, um Neubaugebiete gegen missliebige Umweltschützer durchzusetzen.
           
      Ob solche kleinräumige Bevölkerungsprognosen überhaupt einen Sinn machen, diese wichtige Frage wird erst gar nicht gestellt.
           
      Es belegt jedoch, dass die bevölkerungspolitische Problemdefinition mittlerweile zur Selbstverständlichkeit in der politischen Alltagsrhetorik geworden ist.
           
      Christoph BUTTERWEGGE bezeichnet eine solche Strategie als Biologisierung sozialer Konflikte.
 
   
  • ERD (2002): Westdeutsche Großstädte bluten aus.
    Wohnungswirtschaft prangert verfehlte Boden- und Planungspolitik an, der Abwanderungstrend hält an
    in: Welt v. 19.06.
    • Kommentar:
      Gerd KOPPENHÖFER, Vositzender vom Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) nutzt ebenfalls (siehe RHEINSICHE POST vom 19.06.2002) die bevölkerungspolitische Problemdefinition, um die Interessen des Verbandes durchzusetzen. In diesem Zusammenhang werden Singles und Familien gegeneinander ausgespielt:
           
      "Mit den Familien verschwanden Einkommensteuer und Kaufkraft aus der Stadt. Ballungszentren sind heute von Singles und geringverdienenden Haushalten dominiert, Luxusboutiquen auf der einen und Discounter-Ketten auf der anderen Seite sorgen für Monokulturen" wird behauptet.
           
      Der Single-Begriff wird hier in der Bedeutung von Yuppie benutzt, obwohl viele Einpersonenhaushalte zu den geringverdienendenen Haushalten gehören. Ausserdem wird offensichtlich, dass auch geringverdienende Familien unerwünscht sind.
 
   
  • SCHMITZ, Rainer (2002): "Sizilianische Verhältnisse".
    Bodo Kirchhoff über das Sterben von Kritikern, sein neues Buch und den Literaturbetrieb,
    in: Focus Nr.25 v. 17.06.
    • Inhalt:
      Bodo KIRCHHOFF spricht u.a. über seinen neuen "Schundroman":
      "FOCUS: Und wer ist Ollenbeck, das Männerwunder der deutschen Literatur?
        Kirchhoff: Das trifft auf manchen zu, aber phonetisch natürlich auf
      Houellebecq. Ich fand es schon ein bisschen lästig in der Rezeption dieses Mannes, dass man so tut, als sei Sextourismus neu in der Literatur. Darüber habe ich vor 22 Jahren als Erster geschrieben."
 
   
  • OESTREICH, Heide (2002): Mit Frauenpolitik zur Ungleichheit.
    Was käme unter einer konservativen Regierung auf die Frauen zu? Die Bundesfrauenkonferenz der Grünen versucht, schon einmal von Österreich und den Niederlanden zu lernen. Die "Wiener Melange" zeigt: Frauenpolitik kann auch Rückschritt sein,
    in: TAZ v. 17.06.
 
   
  • LORENTZ, Frank (2002): Junge Menschen wollen Ordnung.
    Angst vor dem sozialen Absturz beschäftigt viele junge Bundesbürger,
    in: Welt am Sonntag v. 16.06.
 
   
  • KUNCKEL, Susanne (2002): Familie im Säurebad.
    Er verweigerte sich dem amerikanischen Literaturbetrieb und wurde damit weltberühmt. Jetzt erscheint Jonathan Franzens grandioser Gesellschaftsroman in Deutschland
    in: Welt am Sonntag v. 16.06.
 
       
       
   

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Zu den News vom 01. - 15. Juni 2002

 
       
   
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