| |
|
[
News-Hauptseite
]
[ Homepage ]
|
|
| |
|
Medienrundschau:
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
News vom
01. - 08. August 2015
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
Sommerthema:
Sind Singles schuld an der Wohnungsnot in Deutschland? - Eine
Bibliografie der Debatte
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Zitat
des Monats:
Die Bevölkerungsentwicklung in Japan im Vergleich zu
Deutschland
"In
Japan verläuft der Alterungsprozess (...) schneller als in
Deutschland und ist weiter vorangeschritten (...). Das liegt
daran, dass erstens
die japanischen Babyboomer früher geboren wurden, daher älter als
die deutschen sind und damit früher in das Rentenalter eintreten.
Zweitens verzeichnet Japan eine höhere Lebenserwartung als
Deutschland, wodurch der Alterungsprozess beschleunigt wird.
Drittens verfügt Japan nicht über eine Zuwanderung, die
Alterungseffekte mildern könnte. (...).
Japan ist aufgrund eines nicht funktionierenden Heiratsmarktes
durch eine niedrige Verheiratungsquote gekennzeichnet, was quasi
automatisch eine hohe Kinderlosigkeit bedeutet. In Deutschland
besteht dieser Zusammenhang auch, ist aber deutlich entkoppelter.
Alleinerziehende und nichteheliche Lebensgemeinschaften mit
Kindern sind gesellschaftliche Normalität, in Japan kommen diese
Lebensformen kaum vor. Daher erscheint in Deutschland ein
Geburtenanstieg leichter realisierbar zu sein als in Japan.
Versuche der japanischen Regierung, pronatalistisch zu agieren,
sind bislang fehlgeschlagen."
(Jürgen Dorbritz & Gabriele Vogt
"Rasanter
demografischer Wandel Deutschland und Japan im Vergleich" in
Bevölkerungsforschung aktuell Nr.4 vom 28.07.2015, S.6f.) |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Sind Singles schuld an der Wohnungsnot in Deutschland? - Eine
Bibliografie der Debatte
HAIMANN, Richard (2015): Mini-Wohnungen gesucht.
Der Neubau legt zu, doch die Planer denken zu wenig an
Single-Haushalte. Kleine Einheiten sind angesichts hoher Mieten
jetzt besonders gefragt,
in:
Welt v.
08.08.
In dem einflussreichen 1995
erschienenen Gutachten Die »Single-Gesellschaft« von Stefan
HRADIL heißt es mit Verweis auf die
stadtsoziologische Yuppieforschung:
"Es führt in die Irre, darauf
hinzuweisen, daß nur 15 % der Mietwohnungen kleine Ein- und
Zweizimmerwohnungen sind und Einpersonenhaushalte, die ja 35 %
aller Haushalte ausmachen, somit in große Wohnungen ausweichen
müßten. Von den Singles jedenfalls sind die großen Wohnungen
keine widerwillig hingenommenen Fehlallokationen infolge Mangels
an kleinen Wohnungen. Singles, nicht so sehr die älteren
Alleinlebenden, wollen in großen Wohnungen leben, die wenn
möglich in den begehrten Innenstadtrandzonen gelegen sind. Darin
sind sich alle Untersuchungen einig. (Droht
und Dangschat 1985, S.175;
Weber und Gaedemann 1980) Dieser Umstand ist von großer
Bedeutung für die Wohnbaupolitik". (1995, S.37)
20 Jahre später wird nun
deutlich, dass der überzeugte Single nicht das Leitbild der
Moderne war, sondern nur mehr noch ein "Leidbild" und in der
Immobilienwirtschaft wird der Ruf nach verstärktem Bau von Ein-
und Eineinhalbzimmerwohnungen immer lauter. Nicht mehr die
Lebensform des "überzeugten Singles", sondern
die Lebensphase Single wird mit einer solchen Wohnform verbunden.
Und spielten in den 1990er
Jahren wirklich nur die Wohnwünsche der Alleinlebenden die
entscheidende Rolle, wie HRADIL suggeriert oder spielten nicht
Profitinteressen der Wohnungswirtschaft die entscheidende Rolle.
Dies lässt zumindest der Artikel von Richard HAIMANN vermuten, der
auf die hohen Erstellungskosten der Kleinwohnungen hinweist:
"(Die) Erstellungskosten pro
Quadratmeter für Kleinwohnungen (seien) um bis zu 20 Prozent
höher (...) als bei Zwei- und Dreizimmerwohnungen.
»Die Kosten für den Einbau von Toilette, Dusche und sämtlicher
Versorgungsstränge sind identisch - egal, wie groß eine Wohnung
ist«", sagt Pink. Für Bauträger und Wohnungsunternehmen bedeutet
dies, dass sie für die Erstellung eines Quadratmeters in einer
Kleinwohnung mehr Euro aufwenden müssen als bei größeren
Wohnungen. »Für die Unternehmen war es in der Vergangenheit
schlichtweg rentabler, größere anstatt kleinerer Wohnungen zu
bauen«, sagt der Analyst. Zumal letztere bis vor wenigen Jahren
kaum am Markt gefragt waren. Die überproportional hohen
Erstellungskosten würden dazu führen, dass die Mieten pro
Quadratmeter bei Kleinwohnungen überproportional hoch ausfallen,
sagt Nittka."
Erst die Hartz-Gesetzgebung und
die steigenden Mietpreise in attraktiven Großstädten führen nun
dazu, dass "Singles mit unterdurchschnittlichem Einkommen" wieder
vermehrt wahrgenommen werden, obwohl
diese Gruppen auch bereits in den 1990er Jahren nicht die Ausnahme
waren, aber durch das vorherrschende Yuppie-Stereotyp
ausgeblendet wurden.
Erst die zunehmende
Flüchtlingsproblematik scheint nun den Bau von Kleinwohnungen auch
zum profitablen Geschäft für die Immobilienwirtschaft zu machen.
|
|
| |
|
Eva Maria Bachinger - Kind auf Bestellung
"Es gibt kein Recht auf ein
Kind" heißt die allgemeine Abwehrformel gegen
reproduktionsmedizinischen Fortschritt. Wer dafür eintritt, der
sollte zu allererst für die Gleichberechtigung von Eltern und
Kinderlosen eintreten. Dies würde bedeuten sich gegen Forderungen
nach einem Familienwahlrecht oder eine Rente nach Kinderzahl
auszusprechen oder ganz allgemein: sich gegen Bevölkerungspolitik zu
engagieren. Alles andere wäre mehr als verlogen.
Oftmals verbirgt sich jedoch
hinter dem Satz "Es gibt kein Recht auf ein Kind" lediglich die
Ansicht: Es gibt kein Recht auf ein Kind für ganz bestimmte
Bevölkerungskreise (z.B. die "Unterschicht" bzw.
Sozialhilfeempfänger, gleichgeschlechtliche Paare, Partnerlose
usw.).
PAWLIK, Michael (2015): Nachwuchs ist für alle da.
Vom Eizellen-Einfrieren bis zur Leihmutter in Indien: Ein Buch gegen
den selbstgerechten Konsum der Reproduktionsmedizin,
in:
Welt v.
08.08.
LENZEN, Manuela (2015): Der unbedingte Kinderwunsch.
Die Journalistin Eva Maria Bachinger unterzieht die Angebote zu
assistierter Fortpflanzung einer harten Kritik,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
08.08.
|
|
| |
|
WALK, Klara
(2015): Nicht ohne meinen Partner.
Beim Stellenwechsel erwarten Professoren auch für ihre Lebenspartner
ansprechende Perspektiven. Ein Fall für den Karriereplaner der
Hochschule. Sie sind gefragter denn je,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
08.08.
|
|
| |
|
KREYENFELD, Michaela
(2015): Was soll dieser Vereinbarkeitspessimismus?
Familie oder Beruf? Mit siebzig Prozent berufstätigen Frauen liegt
Deutschland noch vor Frankreich, doch das täuscht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
08.08.
Die Soziologin Michaela
KREYENFELD hat Wehklagen aus ganz unerwarteten Richtungen vernommen,
die sich gegen die neoliberale, bevölkerungspolitische Wende
der Familienpolitik richtet:
"Feministinnen monieren den
familienpolitischen Kurswechsel. Sie klagen darüber, dass die
familienpolitischen Reformen vor allem durch profane ökonomische
und demographische Beweggründe motiviert waren. Und Väter stellen
plötzlich ihr gewähltes Familienmodell, mit dem nicht nur sie,
sondern auch ihre Frauen Karriere machen, in Frage: Karriere und
Familie könnten nicht in Einklang gebracht werden, meinen die
Autoren
Marc Brost und Heinrich Wefing und bringen ihr Dilemma auf den
Begriff »Vereinbarkeitslüge«. Selbst die Nobelpreisträgerin
Christiane Nüsslein-Volhard, die sich lange für die Vereinbarkeit
von Kind und wissenschaftlicher Karriere eingesetzt hatte, sagte
jüngst in einem
Interview mit der »Zeit«, dass wahre Wissenschaft und
Kindererziehung doch nicht vereinbar seien und schließlich nicht
»alle Kinder kriegen müssen«".
KREYENFELD wirft dagegen ein,
dass es sich bei der Mehrheit der berufstätigen Frauen nicht um
Spitzenmütter an der Belastungsgrenze handelt und nimmt sich deshalb
die EUROSTAT-Statistik für das Jahr 2014 vor. Statt jedoch, wie man
annehmen müsste, die Erwerbstätigkeit von Müttern zu betrachten,
vergleicht KREYENFELD die Frauenerwerbstätigkeit, bei der
Deutschland vor dem angeblichen familienpolitischen Musterland
Frankreich liegt. Mit diesem statistischen Kniff lenkt KREYENFELD
den Blick auf die Tatsache, dass Deutschlands Frauenerwerbstätigkeit
nur deshalb so hoch ist, weil es hierzulande über 20 Prozent
kinderlose Frauen gibt. Das liegt weit unter den noch vor wenigen
Jahren prognostizierten ein Drittel Kinderloser, die es hierzulande
angeblich geben sollte. Ein weiterer Grund seien die vielen
"marginal beschäftigten Mütter", während die
Vollzeiterwerbstätigkeit stagnierte. Erst seit 2007 - also seit
Einführung des Elterngeldes - sei ein Anstieg erkennbar. Danach
lenkt KREYENFELD den Blick auf Ostdeutschland, wo die
Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern - im Gegensatz zum Westen -
selbstverständlich sei. Vor allem im Ausbau der
Kinderbetreuungsinfrastruktur sieht KREYENFELD den Hauptfaktor, der
zur Erhöhung der Müttererwerbstätigkeit - jenseits der "marginal
beschäftigten Mütter" - beitrug. Außerdem weist sie darauf hin, dass
- weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit - die Kinderlosigkeit
unter Akademikerinnen rückläufig sei.
Ein Hindernis sei insbesondere,
dass die Unternehmen "vom voll flexibel einsetzbaren männlichen
Ernährer" verwöhnt sei. KREYENFELD plädiert deshalb dafür, dass sich
die "Vereinbarkeitspessimisten" lieber für einen diesbezüglichen
Wandel der Arbeitswelt einsetzen sollten, statt lediglich zu
jammern.
|
|
| |
|
BRANDSTETTER, Barbara
(2015): Finanzamt beteiligt sich an der Ausbildung.
Nachwuchs ist teuer - vor allem, wenn er studiert. Doch die Kosten
müssen Eltern auch bei erwachsenen Kindern nicht allein tragen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
08.08.
|
|
| |
|
EHRENSTEIN,
Claudia
(2015): Mit Betreuungsgeld-Milliarde das Kindergeld erhöhen.
Nach dem Karlsruher Urteil wird über die freien Mittel heftig
gestritten. Aus dem Osten kommt nun eine neue Idee,
in:
Welt v.
07.08.
|
|
| |
|
HERPELL, Gabriela
(2015):
"Freiheit ist kapitalistischer
Mainstream".
Die Mittelschicht schafft sich ab, Bildungsabschlüsse verlieren an
Wert, und der Neoliberalismus vereinnahmt selbst diejenigen, die ihn
bekämpfen sollten - beste Voraussetzungen, um das ganze
Gesellschaftssystem ins Wanken zu bringen, meint die Soziologin
Cornelia Koppetsch,
in:
SZ-Magazin Nr.32 v.
07.08.
Die Soziologin Cornelia
KOPPETSCH sieht mit der Generation Maybe eine unpolitische
und angepasste Generation heranwachsen:
"Generation Maybe. Die
Generation der nach 1975 Geborenen. Sie sind die erste Generation,
die mit den Folgen der Globalisierung aufwächst und unter sehr
viel schlechteren Bedingungen in das Erwerbsleben einstiegt als
ihre Eltern. Dennoch wollen die jungen Leute ihre Probleme nicht
im gesellschaftlichen Rahmen deuten."
|
|
| |
|
SCHULZ, Josephine (2015): Vielen Dank, das erste Kind reicht!
Wenn das erste Kind unglücklich macht, gibt es wahrscheinlich keine
Geschwister. Wissenschafter haben Eltern zu ihrem Wohlbefinden
befragt.,
in:
TAZ v.
06.08.
Josephine SCHULZ berichtet über
die Studie Parental Well-being
Surrounding First Birth as a Determinant of Further Parity
Progression von Rachel MARGOLIS & Mikko MYRSKYLÄ.
Das Thema Regretting Motherhood
erfreut sich seit April dieses Jahres große Aufmerksamkeit. Mit dem
SZ-Artikel
Ich will mein Leben zurück von Esther GÖBEL vom 4. April
begann die Debatte im Mainstream-Deutschland. Die Entwicklung zum
Medienhype hat Anna SAUERBREY
im Tagesspiegel beschrieben. In der aktuellen
Frauenzeitschrift Emma hat Esther GÖBEL im Schwerpunkt
Regretting
Motherhood den Medienhype aus ihrer Sicht beschrieben. Dort
behauptet sie, dass die Debatte in weiten Teilen ein Missverständnis
gewesen sei:
"Es geht um die Frage, ob das
Mutterbild, wie es hierzulande noch immer gilt, nicht schlicht an
der Realität vorbeiläuft".
BARTENS, Werner
(2015): Babyblues.
Nach dem ersten Kind werden viele Paare plötzlich unzufrieden,
in:
Süddeutsche Zeitung v.
06.08.
|
|
| |
|
KRUG, Uli (2015):
Sophistication for the masses.
JW-Serie (3): Aus dem
Blues machten die Mods in England etwas bislang Unbekanntes: Rock. Mit
der Adaption einer neuen Tanzmusik aus Detroit schließlich wurde ihre
Subkultur zum Massenphänomen,
in:
Jungle World Nr.32 v.
06.08.
|
|
| |
|
FR-Tagesthema:
Geld sucht Pflege-WG.
Der Bund
fördert Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Menschen - doch
niemand nimmt die Millionen in Anspruch |
BAUMANN, Daniel
(2015): Pflege-WGs geben Rätsel auf.
30 Millionen Euro stehen pro Jahr für ambulant betreute
Pflegegruppen zur Verfügung. Nur wenige Menschen rufen Förderung ab,
in:
Frankfurter Rundschau v.
05.08.
|
|
| |
|
HIRSCH, Joachim
(2015): Machtlose Akteure.
"(Ohn-) Mächtige Städte in Zeiten der neoliberalen Globalisierung":
Werner Heinz analysiert die prekäre Entwicklung der Städte und macht
ein paar nüchterne Vorschläge,
in:
Frankfurter Rundschau v.
05.08.
|
|
| |
|
HUTTER, Michael
(2015): Wer nimmt hier wen in Geiselhaft?
Griechenland ist nicht das Opfer einer neoliberalen Politik - und
schon gar nicht des "Kolonialismus",
in:
Süddeutsche Zeitung v.
05.08.
Eine Erwiderung auf
Stephan LESSENICHs
SZ-Artikel.
|
|
| |
|
MARGOLIS,
Rachel & Mikko MYRSKYLÄ
(2015): Parental Well-being Surrounding First Birth as a Determinant
of Further Parity Progression,
in:
Demography v.
04.08.
In der Pressemitteilung
Macht das erste Kind unglücklich, kommen seltener Geschwister
der Max-Planck-Gesellschaft zur Studie von MARGOLIS &
MYRSKYLÄ heißt es:
"Die Forschungsergebnisse
helfen, einen inzwischen schon lange andauernden Widerspruch zu
erklären: Immer noch wünschen sich die meisten Deutschen zwei
Kinder. Tatsächlich liegt die Zahl der Geburten pro Frau aber seit
40 Jahren unter 1,5. Während als Ursache häufig der steigende
Anteil von Kinderlosen diskutiert wird, wird vernachlässigt, dass
immer häufiger zwar ein erstes Kind kommt dann aber nicht mehr
das ursprünglich gewollte zweite. Lag der Anteil an
Ein-KindFamilien noch bei 25 Prozent für Mütter, die Ende der
1930er-Jahre geboren wurden, hat er für die jetzt etwa 45-jährigen
Mütter der späten 1960er-Jahrgänge schon 32 Prozent erreicht. Zum
Vergleich: In England und Wales liegt der Anteil für die späten
1960er-Jahrgänge nur bei 21 Prozent."
Abgesehen von der Tatsache,
dass die
angebliche Kluft zwischen Geburtenrate und Kinderwunsch gar
nicht in dieser Weise existiert, wird hier von einem neuen Trend zur
1-Kind-Familie gesprochen, obwohl in Ostdeutschland traditionell die
1-Kind-Familie dominiert. Lediglich im Westen dominierte angeblich
weiterhin die 2-Kind-Familie. In der Studie von MARGOLIS & MYRSKYLA
heißt es nun dazu:
"In Germany, relatively low
transition rates to parity 2 is an important component of
persistent low fertility. The proportion of mothers who stopped at
having one child has been increasing rapidly, from 25 % for the
19351939 birth cohort to 32 % for the 19651969 birth cohort (Kreyenfeld
and Konietzka forthcoming)."
Jürgen DORBRITZ vom
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ist seit den 1990er Jahren
von einer Polarisierung zwischen Kinderlosen und Zwei-Kind-Familien
in Deutschland ausgegangen. So heißt es etwa bei DORBRITZ & GÄRTNER
im
Bericht 1995 über die demographische Lage in Deutschland:
"Während
bei den zweiten und folgenden Kindern kaum Veränderungen
vorausgeschätzt werden, ist eine Umverteilung von den Frauen mit
einem Kind zu den Kinderlosen zu erwarten. (...). Die Schätzungen
von Birg und Flöthmann geben für die jüngeren Geburtsjahrgänge
(Anmerkungen des Autors: 1965 und 1970 Geborene) einen
Kinderlosenanteil von über 30 % an. (...). Dagegen ist die
Familienerweiterung von der Geburt des ersten zur Geburt des
zweiten Kindes, wenn man sich einmal für das Biographiemuster Ehe
und Kinder entschieden hat, kaum abgeschwächt." (S.373)"
Diese Argumentation wurde
bislang von Jürgen DORBRITZ mehr oder weniger ungebrochen weiter
verfochten. Diese Polarisierungsthese wurde auf dieser Website von
Anfang an kritisiert, konnte aber erst anhand der empirischen
Erfassung der tatsächlichen Paritätsverteilung der Geburten in den
letzten Jahren widerlegt werden. Im Jahr 2012 wurde im Rahmen einer
Kritik der Debatte um die Geburtenentwicklung anhand neuer
Erkenntnisse dieser Aspekt ausführlich dargelegt (mehr
hier).
Die Studie geht also von einer
anderen Prämisse aus: Nicht die Kinderlosigkeit, sondern die
Familienerweiterung, die bislang im Rahmen der Polarisierungsthese
weitgehend beschönigt wurde, wird als eigentliches Problem der
deutschen Geburtenentwicklung gesehen. Während bislang die
Zunahme der späten Mutterschaft und die damit verbundene
Fruchtbarkeitskrise als Ursache betrachtet wurde, geht die
Studie von MARGOLIS & MYRSKYLA dagegen von einem Zusammenhang
zwischen Geburtenentwicklung und der Unzufriedenheit von Eltern mit
ihrer Lebenssituation aus.
Auf dieser Website wurde
bereits anlässlich eines
ZEIT-Artikels von Ulrich GREINER im Jahr 2001darauf
hingewiesen, dass aufgrund der hysterischen Demografiedebatte die
Unzufriedenheit von Eltern im allgemeinen medialen Diskurs ein
Tabuthema ist. Statt die eigene Situation realistisch darzustellen
wurden dagegen Singles als Projektionsfläche bzw.
Identitätsstabilisator missbraucht.
Mit dem verblassenden Glanz des Single-Daseins in der
Hartz-Gesellschaft rückten die Mutterkriege in den Mittelpunkt
der medialen Aufmerksamkeit.
Warum wird ausgerechnet jetzt
die Unzufriedenheit mit der Elternrolle thematisiert? Ist das
Tabuthema unzufriedene Eltern überhaupt ein Alltagsproblem oder nur
ein Diskursphänomen, das im Zusammenhang mit demografischen
Problemdefinitionen und politischen Lösungsstrategien steht?
Nachdem das Elterngeld
durchgesetzt war, rückte die Idealisierung der Mutter in den
Mittelpunkt der Medienkritik. So erregte 2007 das Buch
No Kid der Französin Corinne MAIER Deutschland. Und Sandra
KEGEL schrieb
in der FAZ:
"Wer (...) kinderlos ist,
aber ernsthaft erwägt, Nachwuchs zu bekommen, sollte die
Streitschrift (...) lieber gar nicht erst zur Hand nehmen".
Als die kinderlose
Schriftstellerin Antonia BAUM letztes Jahr in der FAZ
erklärte:
Man muss wahnsinnig sein, heute ein Kind zu kriegen folgte
zwar eine lebhafte Debatte, die jedoch dem üblichen Schema verhaftet
war: Es ging darum, warum Kinderlose kein Kind wollen, aber nicht
darum, warum Eltern kein zweites oder gar drittes Kind wollen. Die
Debatten der Vergangenheit waren Ausdruck der nationalkonservativen
Polarisierungsthese, die Kinderlose hauptsächlich für den
Geburtenrückgang verantwortlich machte. Langsam bahnt sich nun in
der demografischen Debatte ein Paradigmenwechsel an: Es geht nun
vermehrt um die Frage, warum Eltern nicht weitere Kinder bekommen.
Inwieweit sich damit eine Abkehr von der nationalkonservativen
Polarisierungsthese abzeichnet muss abgewartet werden.
|
|
| |
|
DESTATIS (2015): Zahl der Zuwanderer in Deutschland so hoch wie noch
nie,
in: Pressemitteilung des
Statistischen Bundesamtes
v. 03.08.
|
|
| |
|
SOLDT, Rüdiger
(2015): Revolution der Alten.
Eine neue Partei mischt Baden-Baden auf. Ihre Mitglieder sind keine
Wutbürger, sondern reiche, zufriedene Rentner,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
02.08.
Rüdiger SOLDT beschreibt die
Gemeinderatfraktion Freie Bürger für Baden-Baden (FBB) um den
Immobilienmakler Martin ERNST als Anwalt der jungen Generation.
|
|
| |
|
AMANN, Melanie u.a.
(2015): Familie für alle.
Recht: Die Reproduktionsmedizin und neue Formen des Zusammenlebens
verändern den Begriff von Familie und Abstammung. Die Gesetze sind
dafür nicht geschaffen. Die Bundesregierung ist überfordert,
in:
Spiegel Nr.31 v.
01.08.
|
|
| |
|
METZGER, Jochen (2015): Weiß das Netz, wer zu mir
passt?
Millionen von Deutschen suchen einen
Partner per Internet. Die großen Datingbörsen arbeiten mit
Erkenntnissen aus Persönlichkeitspsychologie und Beziehungsforschung.
Aber liefern sie deshalb zuverlässige Ergebnisse? Findet man im Netz
den richtigen Mann, die richtige Frau?
in: Psychologie
Heute,
August
|
|
| |
|
REICHENBACH, Roland
(2015): Über Bildungsferne,
in: Merkur Nr.795,
August
|
|
| |
|
CHAIMOWICZ, Sascha (2015):
Love hates you!
Wie kaum eine Generation vor uns
glauben wir an die große Liebe. Zugleich haben wir wenig Geduld.
Dreißigjährige haben heute deshalb schon mehr schmerzhafte Trennungen
hinter sich als ihre Großeltern im ganzen Leben. Was macht das mit
uns?
in: Neon,
August
|
|
| |
|
HAAF, Meredith (2015):
"Die Leute
sind zu recht angepisst".
Die Bestsellerautorin Laurie Penny
kämpft für Feminismus und gegen Kapitalismus. Sie findet: Um eine
gerechtere Welt zu schaffen, brauchen wir nichts weniger als eine
Revolution. Was macht ihr Hoffnung?
in: Neon,
August
|
|
| |
|
KITTLITZ, Alard von (2015):
Das Glück der
Mutigen.
Deutschland ist reich und stabil.
Trotzdem sind alle am Jammern. Auf einer Reise durch das Land haben
wir verstanden, warum. Und was wir ändern müssen,
in: Neon,
August
|
|
| |
|
BUCHHOLZ, Jenny (2015):
"Mich kann
man prima ausnutzen".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als
die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und
erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon,
August
|
|
| |
|
|
|
| |
|
[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 15. - 31. Juli 2015
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Bitte beachten Sie:
single-dasein.de ist nicht verantwortlich für die
Inhalte externer Internetseiten
|
|
| |
|
|
|
| |
|
[ Homepage ] |
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|