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News vom 1. - 15. Oktober 2002
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Spruch
des Monats:
"Einer
meiner ersten bezahlten Jobs bestand in der
freien Mitarbeit als Szene-Reporterin in der
Frankfurter Prinz-Redaktion.
Auch dort wurden Lifestyle-Trends gemacht
beziehungsweise frei erfunden. Oder gab es sie
wirklich? Man konnte nie sicher sein, was zuerst
da war, der Trend oder die Idee des Trends."
(Katja Kullmann
in "Generation
Ally", 2002) |
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ULRICH, Bernd (2002): Auf dem Schleichweg zur Macht.
Katrin Göring-Eckardt könnte der Prototyp der neuen
Grünen-Generation sein - morgen soll sie neben Krista Sager neue
Fraktionschefin werden,
in: Tagesspiegel v. 15.10.
- Kommentar:
ULRICH stellt die
grüne Kinderpolitikerin Katrin GÖRING-ECKARDT in altväterlicher
Manier als sein "Mädchen" vor und betreibt nebenbei
familienpolitische Identitätspolitik à la STOIBER.
Die
Grüne verkörpert ULRICHs Ideal einer konservativen
Familienpolitikerin, die bei den Grünen für einen
Generationenwechsel stehen soll:
"Kerstin
Müller, die scheidende Fraktionschefin. Drei Jahre ist sie nur älter
als Katrin Göring-Eckardt. Trotzdem wird für die unter dem Rubrum
Generationswechsel geworben. Zu Recht. Denn Müller ist gewissermaßen
die letzte 68erin. Sie hat es in den frühen 80ern immerhin noch
geschafft, trotz ihrer Jugend in eine der absterbenden K-Gruppen
einzutreten. Während Göring-Eckardt die erste Ganz-und-gar-
nicht-68erin wäre, die den Posten bekleidet".
ULRICH
macht keinen Hehl daraus, dass das Familienministerium für die
Durchsetzung einer anderen Familienpolitik nur zweite Wahl ist, denn
Familienpolitik wird überall gemacht, am wenigsten jedoch im dafür
vorgesehenen Ressort. Dies zeigt sich auch an den gegenwärtigen
Koalitionsvereinbarungen. Nur konservative Zeitungen wie die WELT
sind daran interessiert, dass eine ihnen genehme Ministerin wie
Renate SCHMIDT oder Katrin GÖRING-ECKARDT das Ressort zu geschlagen
bekommt.
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- BECKER, Peter von (2002): Es gibt keine
Inseln mehr.
Bodo Kirchhoff über den Terror auf Bali,
in: Tagesspiegel v. 15.10.
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Bodo Kirchhoff - Der Alleinreisende
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KRAUSE, Tilman (2002): Ein literarischer Alptraum wird wahr.
Bali bestätigt die Prphezeihungen aus Michel Houellebecqs letztem
Roman "Plattform",
in: Welt v. 15.10.
- MEISTER, Martina (2002): Geheul.
Bali und Houellebecqs Insel,
in: Frankfurter Rundschau v. 15.10.
-
Michel Houellebecq - Plattform
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DIETRICH, Stefan (2002): Das Familiengrab,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.10.
- Kommentar:
Noch ein Leitartikel zum Thema Ehegattensplitting.
DIETRICH
verteidigt die Hausfrauenehe. Ihm geht es jedoch weniger um die Ehe
im Allgemeinen, sondern um die Ehen der Manager und sonstigen
Bestverdienern.
Ginge
es um die Ehe, dann müsste sich DIETRICH fragen lassen, warum zwar
ein Sturmlauf gegen die Änderung des Ehegattensplittings, nicht aber
gegen die Beschränkung der Eigenheimzulage stattgefunden hat. In
beiden Fällen geht es um die Verteidigung der Ehe, aber nur bei
ersterer haben die Bestverdiener materielle Einbussen in größerem
Umfang hinzunehmen, während die Eigenheimzulage eher Otto
Normalbürger trifft.
Während
es beim Ehegattensplitting um eine Verhandlungsmasse von nur 1,5 Mrd
Euro ging, geht es bei der Eigenheimzulage um ca. 6,5 Mrd Euro. Der
Sturm der Entrüstung steht also in keinem Verhältnis zu dem
Geldwert.
Allein
die Tatsache, dass es um ganz unterschiedliche Interessengruppen
geht, macht die Empörung verständlich.
Karin
NUNGEßER (FREITAG vom 11.10.2002) spitzt es dagegen anders zu,
wenn sie zur Debatte schreibt:
"Womöglich
sagt die ventilierte Aufregung mehr über Lebensmodelle und die
Gehälter von RedakteurInnen bei großen Zeitungen aus als über den
tatsächlichen Sachverhalt".
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- JACOBS, Mascha (2002): Auf der
Achterbahn der Autonomie.
Jean-Claude Kaufmann beobachtet weibliche Singles zwischen Tagtraum
und Erfolg,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.10.
- Kommentar:
JACOBS bespricht das
Buch "Singlefrau und Märchenprinz" des französischen Soziologen
Jean-Claude KAUFMANN.
Im
Gegensatz zu den meisten ihrer Kollegen weist sie auf zwei
Sachverhalte hin, die immer noch nicht geläufig sind.
Zum
einen sind Alleinlebende keineswegs identisch mit Partnerlosen und
zweitens ist deren Partnerlosigkeit klassenstrukturell und
geschlechtsspezifisch segmentiert.
Alleinlebende
partnerlose Frauen sind eher wohlhabend, männliche
Alleinlebende ohne Partnerschaft sind dagegen eher bei den
Geringverdienern zu finden.
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PETROPULOS, Kostas (2002): Grünes Räuberlatein.
Der Kulturkampf gegen das Ehegatten-Splitting hat nichts mit
Gerechtigkeit zu tun,
in: Welt v. 14.10.
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WATSON, Noshua (2002): Generation X.
Generation Wrecked. The so-called slackers are complaining (again)
about the economy. This thime they have reason to whine,
in: Fortune v. 14.10.
-
Douglas Coupland - Generation X
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KIRCHHOFF, Paul (2002): Das Gedächtnis der Demokratie.
Es wäre familien-, kinder-, frauen- und zukunftsfeindlich, das
Ehegattensplitting abzuschmelzen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.10.
- Kommentar:
Der Singlefeind KIRCHHOFF entwickelt eine
erstaunliche Differenzierungsfähigkeit sobald seine Klientel durch
Einbussen bedroht ist.
Die Debatte um das Ehegattensplitting zwingt
ihn deshalb zur Differenzierung innerhalb der Klasse der
Kinderlosen:
eheliche und alleinstehende Kinderlose.
Letztere sind für KIRCHHOFF Kinderlose zweiter Klasse!
Verwendete
KIRCHHOFF in der Pflegedebatte einen undifferenzierten
sozialpopulistischen Kinderlosenbegriff, so hat er nun auf eine
lebenslaufspezifische Betrachtungsweise umgeschaltet:
"Es
gilt (...) eine Verteilungsgerechtigkeit zwischen Familien und
Alleinstehenden herzustellen. Dabei wird man auch kaum zwischen
kinderlosen Ehen und Familien unterscheiden dürfen. Die
jungen Ehen sollen in Respekt vor ihrer Privatheit von Staats wegen
nicht nach ihren Kindern gefragt werden. Die älteren Ehen gelten
steuerlich auch dann als kinderlos, wenn sie aktuell ihre
Elternverantwortung gegenüber Kindern und Enkelkindern wahrnehmen,
diese aber nicht mehr in einer Hausgemeinschaft mit den Eltern
zusammenleben und ihnen deshalb steuerrechtlich nicht zugerechnet
werden. Diese Eltern als "kinderlos" zu behandeln, den Müttern zudem
vorzuwerfen, sie seien nicht in das Erwerbsleben zurückgekehrt,
erscheint geradezu zynisch."
Man
darf gespannt sein, wann KIRCHHOFF seine eigene
Differenzierungsfähigkeit wieder zugunsten eines
sozialpopulistischen Kinderlosenbegriffs fallen lässt. Wer wie
KIRCHHOFF den Kinderlosenbegriff je nach Situation taktisch
verwendet, der ist letztlich unglaubwürdig!
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- HAFFNER, Urs (2002): Die leidigen
Ledigen.
Bärbel Kuhn über Ehelose im 19. Jahrhundert,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 12.10.
- Inhalt:
HAFFNER geht in erster Linie nicht auf das
Buch von Bärbel KUHN ein, sondern auf die heutigen
Vorurteile gegenüber Singles. Er spannt dabei einen Bogen
vom konservativen Publizisten
Wilhelm Heinrich RIEHL bis zu Stefan HRADILs
"Single-Gesellschaft".
Am
Ende geht er noch auf die spezifische Benachteiligung
weiblicher Alleinlebender ein, speziell auf deren
Vermännlichung:
"Es
erstaunt (...) nicht, dass sich die meisten der ledigen und
berufstätigen Frauen - gezwungenermassen - mit männlichen
Biographien identifizierten. So schreibt eine Alleinstehende
in vieldeutiger Umkehrung, ihr Hausmädchen umsorge sie wie
eine deutsche Gattin ihren Mann. Und eine andere kann nicht
umhin, ihren beruflichen Ehrgeiz als männlichen zu
deklarieren. Nie hätte ein Mann die Liebe, die er für seine
ihn umsorgenden Geschwister empfand, oder die fürsorgliche
Zuneigung, die er seinen Neffen entgegenbrachte, als
weiblich bezeichnet."
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- LOICHINGER, Stephan (2002):
"Ich hatte hier nie etwas zu tun".
Thor Kunkel verarbeitete seine
Jugenderinnerungen im Gallus in einem Roman,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.10.
- Inhalt:
LOICHINGER geht
anhand des
Romans "Schwarzlicht-Terrarium" der Frage nach, warum der
Frankfurter Stadtteil Gallus im Volksmund "Kamerun" heißt:
"Kunkel erzählt ein paar Monate im Leben einiger Leute aus dem
Kamerun, Kuhl, Rio, Eddie, Sonny, Ilse, im Jahr 1979. Eigentlich
erzählt Kunkel in konzentrierter Form seine eigene Jugend und das,
was er gesehen, erlebt, gehört hat im Kamerun und in Frankfurt. Ja,
Kamerun liegt im Gallus: Friedrich-Ebert-Siedlung,
Hellerhof-Siedlung, all die Arbeiter-Blocks zwischen der A 5 und den
Eisenbahngleisen. Warum die Gegend Kamerun heißt, dafür gibt
»Schwarzlicht-Terrarium« mögliche Erklärungen: wegen der kaffigen
Zustände, der Schändung von Frauen durch ein »Mohren-Bataillon«,
weil jenseits der Galluswarte letztlich der Pfeffer wachse."
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WINKELMANN, Ulrike (2002): Die Mutti-Vati-Bahn.
Als Im-Gang-Hocker durften wir uns zu Recht empören - als
Vielzuvielzahler sind wir einfach nur blöd,
in: TAZ v. 12.10.
- Inhalt:
WINKELMANN kritisiert
die Bahnkreisreform, denn sie "wird den Graben zwischen Familien und
Singles weiter vertiefen. Nur Menschen, zu deren Lebensplanung ab
dem 15. Dezember es gehört, in Kleingruppen zu verreisen, können der
Bahnpreisrevolution etwas abgewinnen. Denn dass Kinder demnächst
irgendwie nahezu umsonst mitfahren, ist das, was die PR-Manager und
Verteidiger der Bahn immer als Erstes vorbringen.
Die Voll- und Teilzeitsingles aber werden ihrer Freiheit beraubt,
sich wie Teil- oder Vollzeitsingles zu benehmen und Reisetermine
spontan zu bestimmen. Und wenn wir dies beklagen, müssen wir uns
jetzt auch noch von Familienmüttern und -vätern sagen lassen, wir
seien asozial, weil wir ihnen den Rabatt nicht gönnen! »Ideologische
Verblendung«, hielt mir gar mein Kollege - zweifacher Vater - vor,
weil ich darauf beharrte, Spontanreisen sei ein Wert an sich und
kein bloßes Konsumfeature. Klassisches Beispiel von teile und
herrsche: Die Kunden der Bahn werden in Kasten zerspalten, und eine
ungleiche Verteilung von Privilegien sorgt dafür, dass sie sich
untereinander bekämpfen, statt das System in Frage zu stellen".
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MAASE, Kaspar (2002): Jenseits der Hochkultur.
Viele akademische Disziplinen widmen sich inzwischen
dem Phänomen, dass die klassische Bildungskultur für die meisten
Menschen kaum mehr zählt. Es sind verzweifelte Versuche, dem
Bedeutungsverlust der klassischen Bildung und ihrer Träger etwas
entgegenzusetzen,
in: TAZ v. 12.10.
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Kaspar Maase - Die wilhelminische Spaßgesellschaft
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MEIXNER, Silvia (2002): Der dritte Mann drückt sich im Haushalt.
Deutsche Männer sind zwar willig, über anstehende Haushaltsprobleme
zu reden, im Ernstfall liegen sie aber doch lieber auf dem Sofa,
in: Welt v. 12.10.
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HORX, Matthias (2002): Die Politik der Zukunft.
Warum der Übergang von der Industrie- zur Wissengesellschaft neue
Ansätze erfordert,
in: Welt v. 12.10.
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SCHUMACHER, Oliver (2002): Angesichts fehlender Milliarden im
Haushalt.
Koalition will Kinderlose zur Kasse bitten. Rot-Grün plant Kürzung
der Wohnungsbauförderung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.10.
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WAGNER, Peter (2002): Die Gemeinde ist eine gute erste Anlaufstelle.
Wo Alleinerziehende Hilfe finden und sich informieren können - Teil
vier, Schluss der Serie,
in: Saarbrücker Zeitung v. 12.10.
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GÖBEL, Heike (2002): Grüne Zwangsfreiheit für die Hausfrau.
Zur Debatte um das Ehegattensplitting,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.10.
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NUNGEßER, Karin (2002): Sagt leise Servus.
Ehegattensplitting. Was hat eigentlich die bürgerliche Ehe mit
Familie zu tun?,
in: Freitag Nr.42 v. 11.10.
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SCHNEYINK, Doris (2002): Generation Arbeitslos.
Jung, top ausgebildet, aber ohne Job.
Arbeitslosigkeit in Deutschland hat ein neues Gesicht. Es sind
Menschen um die 30, die ihre Jobs verlieren. Wie gehen sie mit der
Krise um? Und in welcher Branche darf man wieder hoffen? Der stern hat
Betroffene und Experten befragt,
in: Stern Nr.42 v. 10.10.
- Kommentar:
Der STERN ist aufgewacht! Lange verschlafen, nun auch
im STERN eine Titelgeschichte zur
"Leistungsgeneration Golf".
Im
Gegensatz zu den selbstgefälligen Fürsprechern der Generation Golf
bei den Feuilletons, vermittelt SCHNEYINK das Bild einer klaglos
angepassten Generation, die scheinbar nie aufgibt:
"Ähnlich
pragmatisch, wie sie ihre Karriere durchgezogen haben, nehmen die
neuen Arbeitslosen nun ihre Krise in Angriff: Sie lassen sich von
Berufsexperten coachen, feilen an Bewerbungsstrategien, fahnden im
Internet nach verborgenen Jobs und lassen sich die Seele massieren -
von Freunden, der Familie oder Schicksalsgenossen. Nur nicht
aufgeben. Optimistisch bleiben."
Die
Medienbranche ist schon einen Schritt weiter. Auf dem Buchmarkt
erscheinen Bücher wie
"Zeiten des Aufruhrs",
die jene Melancholie der "Lost Generation" wieder aufleben lassen,
die in der Selbstverwirklichung nur noch einen nostalgischen Traum
besserer Zeiten sehen.
Aber
auch das "Zurück zum Zorn" (ZEIT von heute) steht als Alternative
wieder auf dem Programm.
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BURGER, Jörg & Sven HILLENKAMP (2002): Zurück zum Zorn.
Kommt nach Spaßgesellschaft, Start-up-Euphorie und Popliteratur
jetzt wieder Rebellion? Mieze von der Berliner Band Mia und
Fehlfarben-Legende Peter Hein über Punk und den Stimmungsumschwung im
Land,
in: Die ZEIT Nr.42 v. 10.10.
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Peter Hein - Nesthocker Blues
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GILLIES, Peter (2002): Expertenurteil: Eigenheimzulage muss bestehen
bleiben.
Wirkungsanalyse des Bundesamtes für Bauwesen fällt uneingeschränkt
positiv aus - "Hohe soziale Treffsicherheit",
in: Welt v. 10.10.
- Inhalt:
GILLIES ist von der hohen sozialen Treffsicherheit
der Eigenheimzulage überzeugt:
"Fast
60 Prozent aller Förderfälle betrafen Familien mit einem oder mehr
Kindern. Die Empfänger der Zuschüsse waren im Durchschnitt 39 Jahre
alt. Da fast zwei Drittel von ihnen auch die zusätzliche
Kinderzulage bekamen, gehen die Verfasser der Analyse davon aus,
dass diese Eigentümer sich überwiegend in der "Familiengründungs-
oder Familienerweiterungsphase" befanden. Bei den jungen Haushalten
unter 30 Jahren dominieren Singles und kinderlose Paare."
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GERSDORFF, Alexander von (2002): Das Wagnis Bahn-Preisreform.
Zu einem gesellschaftspolitischen Ereignis mit problematischen
Details,
in: Welt v. 10.10.
- Inhalt:
GERSDORFF berichtet über die Kritik an der neuen
Preisgestaltung der Bahn:
"Halbierter
Bahn-Card-Rabatt, saftige Stornogebühren sowie Preisaufschläge für
Singles und Spontanfahrer stehen schon in der Kritik. Diese droht,
die offensichtlichen Vorteile für Frühbucher und Familien in den
Hintergrund zu drängen. Und Bahn-Benchmarks wie »verbesserte
Gesamtauslastung« dürften Fahrgästen herzlich egal sein, wenn sie im
Freitagabendzug zur Freundin keinen Billigplatz mehr bekommen oder
sich ärgern, dass der Nachbar für dieselbe Fahrt weniger zahlt, nur
weil er einen Tag früher am Schalter war."
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Norbert F. Schneider - Mobilität und Lebensform
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SCHMIDT, Renate (2002): Alles Gute für die Familie.
Zum Zusammenhang von Arbeitsvermittlung und Kinderbetreuung,
in: Welt v. 10.10.
- Inhalt:
Renate SCHMIDT lobt die singlefeindliche Jobvermittlung à la HARTZ:
"Vermittlung
wird familienfreundlich. Väter und Mütter, die zum Beispiel allein
erziehen oder allein das Familieneinkommen sichern, gehören zu den
wichtigen Zielgruppen des Konzepts. Mütter und Väter werden künftig
schneller vermittelt. Zu den besonderen Zielgruppen der
Quickvermittlung zählen auch diejenigen, die pflegebedürftige
Angehörige betreuen. Bei gleicher Eignung werden ihnen bevorzugt
Stellen angeboten. Im Rahmen der so genannten
Zumutbarkeitsregelung wird ihnen gleichzeitig geringere Mobilität
abverlangt."
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RUTZ, Michael (2002): Angriff auf die Familie.
Rot-Grün plant die Schwächung bürgerlicher Wertvorstellungen.
Erneut sind bei den Koalitionsverhandlungen die Sozialingenieure am
Werk. Die CDU schaut zu und vernachlässigt den Weillen der Mitte. Paul
Kirchhof kritisiert die rot-grünen Splittingpläne,
in: Rheinischer Merkur Nr.41 v. 10.10.
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KIRCHHOFF, Paul (2002): Schutzauftrag verfehlt.
Ehegattensplitting. Der Richtungsstreit für oder gegen die Familie.
Mit seinen Steuerplänen stellt Rot-Grün die Ehe und die daraus
erwachsende Kultur der Familien- und Hausgemeinschaft infrage,
in: Rheinischer Merkur Nr.41 v. 10.10.
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NEUMANN, Olaf (2002): Niemand wird geschont.
Feridun Zaimoglu hat das Krass-Sprech-Milieu der Kanaksters
verlassen und zielt mit "German Amok" auf den deutschen Kulturbetrieb,
in: Jungle World Nr.42 v. 09.10.
- Inhalt:
ZAIMOGLU möchte kulturelle ("Gegen die Popliteraten,
Gegen die Spaßgesellschaft", so könnte man dieses Motto
umschreiben), aber noch lieber soziale Schlachten schlagen und outet
sich als Fan von Michel HOUELLEBECQ:
"Halten
Sie es wie der französische Schriftsteller Michel Houellebecq, der
sich in seinem Land mit Gott und der Welt auf Kriegsfuß befindet?
Ich liebe diesen Autor. Aber ich habe keine Lust, den verbrauchten
Konsumenten oder den mürben Angestellten im Drama seiner
Verunsicherung zu zeigen. Ich verspüre auch keine Lust, den
Kleinbürger auf dem Weg in den Swingerclub zu beschreiben. Ich finde
eine andere Erfahrung viel entscheidender, nämlich selber als
Sexsklave auf Kreta oder an der Ägäis auf europäische Frauen zu
warten und als Mietrüde in Anspruch genommen zu werden. Darüber
werde ich demnächst einmal schreiben."
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Feridun Zaimoglu - Der Kanaken-Houellebecq
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BRIELER, Ulrich (2002): Leistung lohnt nicht.
Michael Hartmanns Studie beweist: Heute ist die klassenlose
Gesellschaft der Leistungswilligen weniger real denn je,
in: TAZ v. 09.10.
- Kommentar:
In den letzten Monaten haben sich viele Fürsprecher
der
"Leistungsgeneration Golf" zu Wort gemeldet.
Wir
haben es hier angeblich mit der Leistungselite unseres Landes zu
tun, die nun - ohne eigenes Versagen - freigesetzt wird.
Michael HARTMANN hat in seinem Buch die Leistungselite unter die
Lupe genommen und festgestellt, dass nicht der Bildungserfolg,
sondern die soziale Herkunft über die Spitzenpositionen in der
Wirtschaft entscheidet. BRIELER bilanziert deshalb:
"Für
den Freund wirklicher Demokratie ist das Ergebnis der Studie
deprimierend. Die klassenlose Gesellschaft der Leistungswilligen ist
nicht nur ein Wunschtraum, sie ist heute weniger real denn je. Eines
der interessantesten Gründe hierfür: Die Elite kapselt sich
zunehmend ein. Je mehr die Vorstandschefs und Manager ihre
Erscheinung in der Echo-Öffentlichkeit der Medien pflegen, um so
stärker verschließen sich die Spitzenpositionen für sozial
Unberufene, die nicht den Vorteil der richtigen Kinderstube
genießen."
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Das Ehegatten-Splitting in der Debatte
- FÜLLER, Christian (2002):
Koalitionssplitting.
Grüne erläutern SPD ihr Modell des Ehegattensplittings noch
einmal und weigern sich, darauf zu verzichten,
in: TAZ v. 08.10.
- Inhalt:
FÜLLER erläutert den Standpunkt von Fritz KUHN und
den Grünen:
"Seine
Grünen werden nicht so einfach nachgeben, wenn es um den Abbau von
Steuerprivilegien für Spitzenverdiener-Ehen nach dem Modell »Einer
verdient, einer putzt« geht. »Für uns Grüne ist das eine zentrale
Frage der Gerechtigkeit«, sagte Kuhn, »die Grünen stehen auf der
Seite der Alleinerziehenden, die ohne zusätzliche Kinderbetreuung
nicht aus der Sozialhilfe herauskommen.«"
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MÜLLER, Reinhard (2002): Den Eheleuten eine freie Entscheidung
ermöglichen.
Das Ehegattensplitting und der besondere Schutz für Ehe und
Familie,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.
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SCHIRG, Oliver (2002): Hamburg lehnt Änderungen beim
Ehegattensplitting ab.
Finanzsenator Wolfgang Peiner: "Wir stehen zur Institution Ehe",
in: Welt v. 08.10.
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ULRICH, Bernd (2002): Familie ohne Ideologie.
Schwarze, Grüne und Rote pflegen gegenüber Menschen mit Kindern
ihre Vorurteile,
in: Tagesspiegel v. 08.10.
- Kommentar:
ULRICH will nicht mehr die Kämpfe der 70er Jahre
kämpfen. Dies wirft er den Parteien unisono vor.
Nichtsdestotrotz
kämpft er die 70er-Jahre-Kämpfe selbst, wenn er wie Alice
SCHWARZER die Gebärstreik-These aus der 70er Jahre-Mottenkiste
holt, um die Front vom "Kampf der Eltern gegen Eltern" alternativ
auch "Familienpolitik gegen die neue Mitte" (Änderung des
Ehegattensplittings) an die Front "Familien contra Singles" zu
verlegen.
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ULRICH, Bernd (2002): Ehe oder Familie.
Rote und grüne Probleme mit dem Splitting,
in: Tagesspiegel v. 07.10.
- Inhalt:
ULRICH formuliert das Dilemma der Koalition
hinsichtlich der Änderung des Ehegattensplittings in Abhängigkeit
der damit verbundenen Zielsetzungen:
"Wird
die Ehe nicht genügend geschützt? Dann darf man das Geld nicht
allein von den kinderlosen Ehepaaren nehmen. Oder haben wir es mit
einer sozialen Misere des unteren Mittelstandes zu tun? Dann ist die
Untergrenze von 45 000 Euro viel zu niedrig. Oder ist der
demografische Wandel, der Mangel an Kindern das Hauptproblem? Dann
müsste ein reines Familiensplitting eingeführt werden, nach dem
Motto: keine Kinder, keine Kohle".
ULRICHs
eigene Präferenz liegt eindeutig bei letzterem, denn:
"Damit
würde man in Karlsruhe landen. Und das dürfte ein interessanter
Prozess werden".
ULRICH
erhofft sich also vom BVG eine weitere familienhaushaltsfreundliche
Entscheidung.
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REICHERT, Manuela (2002): Danke, dass Sie sich an mich
erinnern.
Der Sieg der Vorstadt über die edle Seele: Richard Yates
großartiger Roman "Zeiten des Aufruhrs",
in: Berliner Zeitung v. 07.10.
- Inhalt:
REICHERT hält
"Zeiten des Aufruhrs" von Richard YATES für eine
"meisterhafte
literarische Studie über selbst inszenierte Irrtümer,
Charakterbetrug und Kommunikationsunfähigkeit. Das sich als
Bohemiens stilisierende Paar inmitten der
Kleinbürgerwüstenei, seine ewig gleichen
pseudointellektuellen Reden, ihre Träume von der
Selbstverwirklichung sind ebenso lächerlich wie die heitere
Ehefassade ihrer besten Freunde. Mühelos überspringt dieses
Elend die vergangenen 50 Jahre und konfrontiert uns mit
einer ganz und gar gegenwärtigen Düsternis."
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SCHWÄBISCHES TAGBLATT (2002): Ledige dürfen eine Krone tragen.
In Bierlingen und Kiebingen luden die Trachtenvereine zu ihren
traditionellen Erntedankfeiern,
in: Schwäbisches Tagblatt v. 07.10.
- Inhalt:
In Horb trugen 1865 die Frauen je nach Familienstand
unterschiedliche Kopfbedeckungen beim Kirchgang:
"Die
Verheirateten haben eine Radhaube, die Seniorinnen eine Pletschhaube,
und die Ledigen tragen eine Schappel". Heute wird dieser Brauch nur
noch vom Trachtenverein gepflegt.
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SPIEGEL, Hubert (2002): Der Himmel über den Messehallen.
Was bringt die schöne Literatur in diesem Herbst?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.10.
- Kommentar:
Wenn es dem Buchmarkt schlecht geht. Wer ist dann
schuld? Der Single natürlich, behauptet SPIEGEL:
"Ach
ja, wir sterben aus. Das wissen wir seit Jahren. Schade ist es immer
noch. Die demographische Flaute hat auch Folgen für den
Sprachgebrauch. Wir
definieren die Ehe als untaugliche, früher einmal gebräuchliche
Variante der eheähnlichen Gemeinschaft, und kein Kreuzworträtsel
würde es mehr wagen, nach der Keimzelle des Staates mit sieben
Buchstaben zu fragen. Das Wort taucht höchstens noch im Supermarkt
auf, wenn es um Verpackungseinheiten jenseits handelsüblicher
Abgabemengen geht. Machen wir uns nichts vor: Im Land der
Singlehaushalte ist die Familie der Deutschen Sonderweg."
Offenbar
hat WINKEL wie viele seiner Kollegen ein Problem mit Statistiken und
hört deshalb auf die Sozialpopulisten. Tatsache ist, dass
Deutschland ein Familienland ist, nur handelt es sich nicht um die
althergebrachte Form.
Möglicherweise
haben gerade die "Singles" den Büchermarkt belebt, sodass die Krise
länger verborgen geblieben ist.
Man
stelle sich nur vor: ein Familienhaushalt muss ein Buch nur ein
einziges Mal kaufen, während die
multilokale-Mehrgenerationen-Familie ein gutes Buch eher
mehrfach kauft. Der Wochenendvater hat es in seiner
Single-Wohnung, während die Ehefrau es am Familienwohnsitz liest,
damit sie sich telefonisch über das Buch austauschen können. Die
Großmutter bekommt dann noch ein Exemplar zum Geburtstag für den
eigenen Bücherschrank geschenkt.
Aber
vielleicht gibt es auch nur zu wenig gute Bücher?
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MOHR, Reinhard (2002): Jenseits von Schkopau.
In ihrem Debüt "Zonenkinder" schreibt Jana Hensel die Biografie
ihrer "zwittrigen" Generation - ein Höhepunkt in der Menge der
Lebensbilder auf der Buchmesse,
in: Spiegel Nr.41 v. 07.10.
- Inhalt:
Reinhard MOHR,
der in den 90er Jahren selbst ein Generationenporträt entwarf,
beschäftigt sich mit den Generation @-Buch von Jana HENSEL und dem
Generation Golf-Buch "Aufgewacht. Mauer weg" von Susanne
LEINEMANN und stellt beide in die Nachfolge von Florian ILLIES'
Bestseller "Generation Golf". Diese Generation beschreibt er als
jene
"Kinder
von 1968, die in den vermeintlich coolen Achtzigern aufwuchsen und
für Madonna schwärmten statt für Marcuse. Ihr Rudi Dutschke hieß
Thomas Gotschalk, und ihr »Teach-in« war die »Saalwette« bei
»Wetten, dass...?«"
Bei
Susanne LEINEMANN missfällt MOHR der Versuch der Politisierung ihrer
Generation:
"sie
versucht (...) das historische Ereignis zu politisieren, neudeutsch,
zu »branden«: »1989 könnte unser Label sein, unsere Marke, die uns
als Generation unverwechselbar macht«".
Das
Verhältnis der jüngeren HENSEL zur Generation Golf sieht MOHR im
Schnittpunkt mehrer Linien:
"Sie
gehört zur Generation der Mittzwanziger, die (...) den
erbarmungslosen Markenkampf der etwas älteren »Generation Golf«
(...) doppelt verpasst: Sie war zu jung und zu östlich.
Doch es gibt eine verblüffende Parallele (...) der starke Hang (...)
zur Warenästhetik und den feinen Unterschieden".
MOHR stimmt HENSELs Generationenbild zu: "Wir sind die ersten Wessis
aus Ostdeutschland" und lobt ihr Buch:
"Jana
HENSEL hat den Kindern der Zone, der ersten gesamtdeutschen
Generation, schon jetzt ein kleines Denkmal gesetzt".
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IWANOWSKI, Andrej (2002): Aussterbende Spezies.
Das wichtigste Ergebnis der ersten russischen
Volkszählung in der postsozialistischen Ära steht schon im Vorhinein
fest: Alkohol und Fehlernährung reduzieren die Bevölkerung dramatisch.
Mitte des Jahrhunderts könnte die Zahl der Russen von 140 auf 80
Millionen geschrumpft sein.
in: Profil Nr.41 v. 07.10.
- Kommentar:
Nicht nur interne Probleme beschleunigen den
Bevölkerungsrückgang, sondern Russinnen gelten bei
emanzipationsgeschädigten Besserverdienenden zunehmend als
Alternative zu finanziell unabhängigen und wählerischen
Erfolgsfrauen à la "Ally McBeal" oder "Sex and the City".
Bei
Thomas KIRSCHNER ("Liebe ohne Grenzen") , der mit den Thesen von
Michel HOUELLEBECQ sympathisiert, liest sich das so:
"Die
Frauen aus den früheren GUS-Staaten sind sehr feminin und sehen auch
keinen Makel darin, ihre Fraulichkeit zu betonen. Sie sind sehr
familienorientiert. Sie besitzen lebenslange Erfahrung darin, mit
ökonomischen Härten und Instabilität umzugehen und dabei Stil und
Anmut zu bewahren. Sie schätzen Loyalität und Sicherheit. Sie sind
sehr bindungswillig und bereit, ihren Mann zu unterstüzten, ohne
ständig mit ihm zu wetteifern oder auf ihre Gleichberechtigung zu
pochen."
Die
"russische Seele" und die Vorstellungen über das Äußere einer Russin
sind wohl spätestens seit H. G. KONSALIK zum deutschen Allgemeingut
geworden.
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BEWERSDORFF, Hans (2002): Depressive Männer mit Bügeleisen.
Putzen, schrubben, bügeln - all das macht depressiv,
in: Welt am Sonntag v. 06.10.
- Kommentar:
BEWERSDORFF erklärt seinen Leidesgenossen, warum sie
nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kein schlechtes
Gewissen haben müssen, wenn sie lieber ins Fitnessstudio gehen
wollen, statt sich an der Hausarbeit zu beteiligen. Florian ILLIES
und seiner
"Anleitung zum Unschuldigsein" sei gedankt!
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ALBERS, Markus & Sonja BANZE (2002): "Maschinen sind Ausdruck von
Menschlichkeit".
Von der "Generation X" zum Familienroman: Douglas Coupland über den
Kalten Krieg, sein Talent, in die Zukunft zu schauen, und Hunde in
fahrenden Autos,
in: Welt am Sonntag v. 06.10.
- Kommentar:
Douglas COUPLAND schockiert seine Interviewer mit erfrischenden
Einwürfen und attackiert ansonsten
die kulturpessimistische Internetkritik:
"Sie
(wirken) ziemlich versessen auf technologische Aspekte des Sozialen:
Im neuen Buch beschreiben Sie, wie das Internet Menschen
zusammenbringt.
Coupland: Versessen würde ich das nicht nennen. Aber mich
interessiert die latente Humanität, die aus Menschen herausbricht,
sobald sie die technischen Möglichkeiten dazu haben. Ich kenne vier
verheiratete Paare, die sich
im Internet kennen gelernt haben. Ich kenne zwei Menschen mit
einer seltenen Krankheit, deren Leben komplett verändert ist, seit
sie online Kontakt zu Leidensgenossen haben. Mein Interesse ist also
nicht willkürlich: Maschinen können immer nur Ausdruck und Medium
unserer Menschlichkeit sein."
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WEIDERMANN, Volker (2002): Der Chef.
Ernst-Weilhelm Händler ist Unternehmer - und hat den
interessantesten Roman dieses Herbstes geschrieben: "Wenn wir
sterben",
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
- Inhalt:
WEIDERMANN ist begeistert von dem Roman des
Regensburger Autors, in dem es um die Geschichte von vier
fünfundvierzigjährigen Frauen geht, "denen in den Übernahmekämpfen
der freien Wirtschaft zunächst ihre Persönlichkeit, ihre
persönlichen Beziehungen, ihr freies, nicht rein zielgerichtetes
Denken und schließlich auch noch die Macht abhanden kommen und die
zu ökonomisch gesteuerten, kalten, deformierten Monstern werden.
Einsam, zu keiner persönlichen Bindung mehr fähig, das Ende
erwartend, zerstört."
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LEHNARTZ, Sascha (2002): Aufgewacht - Wähler weg.
Nach der Wahl rätseln die Verlierer, warum junge Menschen in den
Städten sie nicht wählen. Susanne Leinemanns Buch könnte da
weiterhelfen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
- Kommentar:
Großer Katzenjammer im alten bürgerlichen Lager und vor allem beim
Poptheoretiker LEHNARTZ!
Damit in 4 Jahren nicht das Gleiche passiert,
propagiert LEHNARTZ das
Buch "Aufgewacht - Mauer weg" von Susanne LEINEMANN. Die
Angehörige der Generation Golf beschreibt die Motivationslage ihrer
"Skeptischen Generation" und fordert von ihren Generationsgenossen
die Umkehr. Als Erweckungserlebnis gilt ihr der Fall der Berliner
Mauer. Jetzt muss es nur noch jemand ins Bewußtsein ihrer Generation
hämmern. LEHNARTZ unterstüzt sie dabei.
Das
Problem ist nur, dass der Wahldebakelforscher LEHNARTZ seine
Zielgruppe zwar als "jung" und "städtisch" definiert:
"Mit
'junge Menschen' sind alle unter 44 Jahren und mit 'großen Städten'
alle Metropolen gemein, die mindestens so groß wie Kaiserslautern
sind",
übersetzt
LEHNARTZ das Jägerlatein der Profis,
- Ansprechen möchte er jedoch nur die YUPPIES. Diese Gruppe ist zwar
in den Neue Mitte-Medien sehr präsent, aber bevölkerungsstatistisch
ist sie IRRELEVANT!
Und
noch schlimer: Sie schrumpft,
weil sie derzeit ausgemustert wird. Einige werden auf immer zu
den
Überflüssigen der Erwerbsarbeitsgesellschaft zählen. Andere wird
man in den Reihen des
"neuen Dienstleistungsproletariats" (Paul NOLTE) wieder finden.
Was übrig bleibt, damit beschäftigt sich der Poptheoretiker.
LEHNARTZ
erzählt die Popmythen vom situationistischen Wechselwähler.
Tatsächlich sind Wähler viel weniger durch momentane
Stimmungen zu beeinflussen. Die Meinungsforschungsinstitute sind
keine neutralen Beobachter, sondern Teil des
Politik-Medien-Verbundes. Ihre Ergebnisse sind deshalb wenig
aussagekräftig.
Und
LEHNARTZ glaubt offenbar selbst nicht an seine These, denn er geht
von einem milieuspezifischen "Hang zu Romantizismen in
gesellschaftspolitischen Fragen" aus.
Vaterlandsinteressen
statt Coolness,
vor diese Alternativen stellt LEHNARTZ die Leser.
Sein Feindbild ist der "Wohlfühl-Wähler" der Spaßgesellschaft, der
die Bürgerlichen aufgrund ihres "Coolness-Defizits" nicht gewählt
hat. Wie Jedediah PURDY verkündet er das
"Elend der Ironie" und preist den "unternehmerischen Einzelnen"
(Heinz BUDE).
Ärgerlich
nur für LEHNARTZ, dass Rot-Grün eine Sprache gefunden hat, die
"nichts sagt, aber seltener nervt und gelegentlich das Gefühl
trifft". Friedrich MERZ (kennt den noch jemand?) spricht er dagegen
den Sex-Appeal eines vormaligen Straßenkämpfers ab:
"Es
nützt nichts, als Halbstarker in Brilon mit einem fast geklauten
Mofa um die Pommesbude herumzubrausen, wenn man zum Zeitpunkt der
Tat bereits Mitglied der Jungen Union war".
Schluss
mit Typen wie
"Herr Lehmann" (Sven REGENER) fordert LEHNARTZ, stattdessen
propagiert er das Motto "Grow up - get real" von Susanne LEINEMANN.
Die Haltung schreibt er im Stil der Popliteraten nicht vor, aber der
Artikel hat klargemacht, was er erwartet.
Der Titel ist falsch
gewählt. Nicht "Aufgewacht - Wähler weg" droht in Zukunft, sondern:
Aufgewacht - Neue Mitte weg!
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Das Ehegatten-Splitting in der Debatte
- BUCHSTEINER, Jochen (2002): Maßvoll aber
flexibel.
Göring-Eckardt will Ehegattensplitting abbauen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
- Inhalt:
Interview mit der Kinderpolitikerin GÖRING-ECKARDT
von den Grünen.
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ANK (2002): Reich sind immer die anderen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
- Kommentar:
ANK will den FAS-Lesern klar machen, dass sie die
Reichen sind und nicht z.B. die anderen. Wer hätte das gedacht?
- INACKER, Michael (2002): Ein bißchen
Kulturkampf.
Die geplante rot-grüne Familienpolitik hilft Frauen, Mänern und
Kindern nicht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
- Kommentar:
INACKER sieht in der finanziellen Umverteilung
einen Zusammenstoß der Werte.
Er
spricht für die Manager-Familie, die an traditioneller
Arbeitsteilung interessiert ist. Die
"Frau an seiner Seite" (Karin JÄCKEL) ist hier die
Voraussetzung für die männliche Manager-Karriere.
Den Abwehrkampf dieser Gruppe beschreibt Renate LIEBOLD aus
linksmodernistischer Sicht.
Eine
Interessenüberschneidung gibt es mit denjenigen Facharbeiter- und
Angestelltenmilieus, deren Frauen den Familien-Luxus durch
Zuverdienst steigern möchten und den Geringverdiener-Frauen, die
keine Wahl haben. Zu deren Anwälten macht sich INACKER, wenn er
die Familie gestärkt sehen will und der Doppelkarriere-Familie
eine Absage erteilt:
"Kinder
zu haben bedeutet natürlich gegenüber dem bisherigen Paar- und
Single-Dasein eine Belastung - man kann sein Leben nicht mehr so
leben wie bisher. Staat und Gesellschaft sollten zunächst eher
diese Einsichten als die Illusionen von 'Super-Familien' und
'Super-Weibern' fördern."
Da
ist es nicht weit bis zum Rabeneltern-Vorwurf:
"eine Karriere von beiden Eltern ermöglicht zwar die
Selbstverwirklichung der Erwachsenen, berücksichtigt aber weder
die Ansprüche der Kinder auf Identitätsbildung und Geborgenheit
noch die elterliche Betreuungsverantwortung gegenüber den
Kindern."
INACKER
empfiehlt den Doppelkarriere-Paaren, bei denen auch die Frau
Karriere machen möchte, die Kinderlosigkeit.
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Das Ehegatten-Splitting in der Debatte
- EUBEL, Cordula (2002): Versöhnen statt
splitten.
Im Grundsatz ist sich Rot-Grün einig. Einsparungen beim
Ehegattensplitting sollen helfen, die Trendwende zu Gunsten von
Familien mit Kindern zu schaffen. Und das soll erst der Anfang sein.
Denn im Wahlkampf hat es ein wichtiges Versprechen gegeben: Beruf
und Familien sollen sich besser mit einander vereinbaren lassen
in: Tagesspiegel v. 05.10.
- IHA (2002): Teilen macht reicher.
Das Ehegattensplitting hat vor allem Vorteile für kinderlose
Ehepaare. Besonders dann, wenn nur einer arbeitet und viel verdient,
in: Tagesspiegel v. 05.10.
- ULRICH, Bernd (2002): Familienpolitik
gegen die neue Mitte,
in: Tagesspiegel v. 05.10.
- Kommentar:
ULRICH spricht aus, was der politische
Kinderlosenbegriff der amtlichen Haushaltsstatistik verdeckt und
worauf single-dasein.de bereits gestern
hingewiesen hat:
"Wenn
das Ehegattensplitting gekappt wird, handelt es sich (...) in
erster Linie um Umverteilung von Eltern zu Eltern. Selbst die
regierungsoffiziellen Zahlen gehen davon aus, dass zu sechzig
Prozent Eltern das Abschmelzen des Splittings bezahlen. Schöne
Familienförderung."
Aber
Eltern sind nicht gleich Eltern: Besserverdienende und die
traditionelle Arbeitsteilung (seltener der Rollentausch, der
deshalb meist unerwähnt bleibt) wird finanziell unattraktiver.
Der
Kulturkampf zwischen der Alten Mitte (ULRICH und die CDU/CSU) und
der Neuen Mitte (Rot-Grün) geht in die nächste Runde...
- BEISE, Marc (2002): Recht und Gefühl,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.10.
- Inhalt:
BEISE macht sich zum Anwalt der "kinderlosen" Ehe.
Die Veränderung des Ehegatten-Splittings diskriminiert demnach die
Ehepartner zugunsten der Alleinstehenden. Sein
verfassungsrechtliche Argumentation:
"Splitting
ist keine familienpolitische Steuervergünstigung, sondern sichert
die verfassungsrechtlich gebotene Besteuerung nach der
Leistungsfähigkeit".
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Thema des Tages:
Koalitionsgespräche zur Familienpolitik
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Kommentar:
Die Fronten beim Ehegattensplitting sind klar:
Auf der einen Seite die Reformer, die Familien
jenseits der Ehe fördern möchten, aber gleichzeitig ihre jeweilige
Klientel nicht zu sehr belasten möchten (siehe hierzu Berliner
Zeitung, TAZ, Tagesspiegel, SZ).
Auf
der anderen Seite die Profiteure der bisherigen Regelung, also
besserverdienende Ehepaare ohne Kinder oder mit Kindern, aber
traditioneller Arbeitsteilung. Die
Neidgesellschaft (FAZ) oder identitätspolitische Argumente
(Welt) dienen hier der Rechtfertigung.
Der
materielle Erfolg einer solchen Änderung ist dagegen umstritten.
Im FOCUS vom 30.09. wird damit gedroht, dass dann Freiberufler noch
mehr als bisher ihre Ehefrauen steuermindernd anstellen würden. Da
ein völliger Wegfall verfassungswidrig wäre, ist der Spielraum zudem
von vorneherein gering.
In der Lebenslaufperspektive sind kinderlose Paare
überwiegend keine lebenslang kinderlosen Paare,
d.h. der Zeitpunkt der Hochzeit , der Geburt des
ersten Kindes und der Auszug des letzten Kindes sowie der Tod des
Partners definiert den Zeitrahmen für den "Missbrauch" der Leistung.
Nun darf gerechnet werden!
Der Erfolg wäre in erster Linie ein symbolischer.
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OESTREICH, Heide (2002): Neue Chance für das junge Glück.
Harmonie bei den rot-grünen Koalitionsverhandlungen:
Ganztagsschulen und zusätzliche Krippenplätze sollen die Wende in
der Familienpolitik bringen,
in: TAZ v. 04.10.
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RATH, Christian (2002): Überholte Privilegien.
Das Verfassungsgericht hat seine Meinung zum Ehegattensplitting
schon oft geändert,
in: TAZ v. 04.10.
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FÜLLER, Christian (2002): Die Länder haben das Wort.
Gegen die Kultusminister kann der Bund seinen Willen nicht
durchsetzen,
in: TAZ v. 04.10.
- FELDENKIRCHEN, Markus (2002): Verheiratete
sollen für neue Krippenplätze zahlen.
Rot-Grün beschließt Kürzung des Ehegattensplittings zur Reform
der Kinderbetreuung. Unionsländer plädieren für höhere Steuern,
in: Tagesspiegel v. 04.10.
- BIRNBAUM, Robert (2002): Mehr Schutz für
Kinder.
Warum das Ehegattensplitting heute nicht mehr sinnvoll ist,
in: Tagesspiegel v. 04.10.
- RUBNER, Jeanne (2002): Das Krippenspiel
der Politik.
Die Familienpolitik von Rot-Grün bleibt auf halbem Weg stehen -
die der Union ist auf dem Irrweg,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.10.
- THEWALT, Andreas (2002): Kinder fördern
statt den Trauschein,
in: Hamburger Abendblatt v. 04.10.
- ZYLKA, Regina (2002): Ran an das
Ehegattensplitting!,
in: Berliner Zeitung v. 04.10.
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PED (2002): Spekulationen um grünes Familienministerium.
Bei den Koalitionsverhandlungen habe SPD-Fraktionschef Franz
Müntefering den Grünen das Familienressort angeboten,
in: Welt v. 04.10.
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WOLBER, Cornelia (2002): Angriff auf die Unterhaltsgemeinschaft.
Rot-Grün sollte sich andere Einnahmequellen als die Einschränkung
des Ehegattensplittings überlegen,
in: Welt v. 04.10.
- MAS (2002): Mit Neidfaktor,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.10.
SCHÄFERS, Manfred (2002): Verfassungsrechtlich zulässig?
Das "abgeschmolzene" Ehegattensplitting,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.10.
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MEURER, Friedbert (2002): Kappung des Ehegattensplittings.
Gespräch mit Joachim Schulze-Osterloh, Berliner Steuerrechtler,
in: DeutschlandRadio v. 04.10.
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LANGE, Peter (2002): Müntefering verteidigt Änderungen beim
Ehegattensplitting.
Gespräch mit Franz Müntefering, Vorsitzender der SPD-Fraktion im
Deutschen Bundestag,
in: DeutschlandRadio v. 04.10.
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SEIBEL, Andrea & Thomas KIELINGER (2002): "Deutschland nimmt eher
Prozac, als sich mit natürlichen Mitteln zu helfen".
Lord Dahrendorf über den Reformstau, die Volksparteien, und die
deutsche Depression,
in: Welt v. 04.10.
- Kommentar:
Nach Meinung von
DAHRENDORF steht Deutschland besser da als die offizielle
Politik dies darstellt, andererseits ist die Stimmung mieser als sie
sein müsste.
Nicht
der anspruchsgesättigte Bürger ist für DAHRENDORF das entscheidende
Problem, sondern die politische Klasse. Hoffnungen hegt DAHRENDORF
hier hinsichtlich der Generation der 40jährigen:
"Die
68er im weitesten Sinne, die in irgendeiner Weise durch diesen
Umkreis Geprägten, haben nach wie vor das Heft in der Hand. Das ist
besonders lästig, da es in der Generation der 40-Jährigen einen
freieren Umgang mit vielen Themen gäbe. Das wird aber kommen".
Unverständlich
bleibt jedoch, dass DAHRENDORF ausgerechnet in dem Sozialpopulisten
Meinhard MIEGEL jemanden sieht, der unorthodoxe Dinge zu sagen
wagt.
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LAPPIN, Elena (2002): Mein Bruder, der Biller.
Der Autor Maxim Biller ist eine Reizfigur. Kaum jemand versteht ihn
so gut wie seine Schwester. Ein Erklärungsversuch,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 02.10.
- Inhalt:
LAPPIN versucht sich und den Lesern der ZEIT zu
erklären, warum ihr Bruder
Maxim BILLER ein
PUPPIE wurde:
"Ich
zwang all meine Freunde dazu, meinen dunkeläugigen, lockigen kleinen
Bruder zu bewundern, und sie mussten mich mit Murmeln für das
Privileg bezahlen, ihn in seinem Kinderwagen durch den Park zu
schieben. Es ist ein Wunder, dass er diese schnellen Fahrten (meist
bergab) überlebt hat. Ich dachte immer, sein breites Lächeln sei der
Ausdruck reinster Freude gewesen, aber inzwischen frage ich mich, ob
es nicht eher für nackte Angst stand."
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KÜRTHY, Ildiko von (2002): Geht nach Hause, Jungs!
Sie leben länger, reden mehr und sind besser in der Schule - Jetzt
sind Frauen sogar die NEUEN HELDEN im Fernsehen. Nein es gibt keinen
Grund mehr, ein Mann zu sein,
in: Stern Nr.41 v. 02.10.
- Kommentar:
KÜRHTY widmet sich dem populären Thema "Krise des
Mannes", das seit einigen Jahren die Buchhandlungen überschwemmt.
Titel wie "Männer haben
keine Zukunft" (Anthony CLARE) haben Kojunktur.
"Andere
Männer verarbeiten ihre Defizite im Fernsehen und schreiben Serien,
in denen Frauen so sind, wie sie sind, nämlich katastrophal",
behauptet die Autorin und bezieht sich dabei auf Darren STAR ("Sex
and the City") und Steven MOFFAT ("Coupling").
Aber
der ökonomische Abstieg der Männer könnte auf Umwegen auch zum
Problem für Frauen werden. KÜRTHY zitiert hierzu Andrew SUM, einen
US-amerikanischen Wissenschaftler, der in der Zeitschrift NEWSWEEK
harte Zeiten für Familien und sehr schlechte Heiratsaussichten für
erfolgreiche Frauen prophezeien durfte.
Hierzulande
sieht es dagegen ganz anders aus!
Die Heiratschancen von
Männern der Generation Golf sind im Vergleich zu ihren Vorgängern
und ihren Nachfolgern relativ miserabel, wenn man den Heidelberger
Soziologen Thomas KLEIN und Frank O. MARTIN glauben darf.
Erste Ratgeber richten sich
deshalb explizit an das beruflich erfolgreiche, aber im Privatleben
frustrierte HOUELLEBECQ-Klientel (z.B.
Thomas KIRSCHNER). Durch die Ausweitung der Kampfzone versuchen
sie den Heiratsmarktengpass zu verringern. Unkonventionelle
Strategien wie
"Liebe ohne Grenzen" sollen Männern Entlastung verschaffen.
Für
die Frauen der "Generation Ally" sieht es also angesichts des
"Überangebots" an Männern ganz gut aus, denn wie KÜRTHY schreibt:
"Man
möchte zwar heutzutage keinen Mann sein. Aber noch viel weniger
möchte man ohne Mann sein."
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- Der informative Beitrag:
LAW (2002): Die Immobilienwünsche der Singles.
Immer mehr Alleinlebende in den Großstädten. Und sie haben einen
großen Raumbedarf,
in: Welt v. 01.10.
- Kommentar:
Im Gegensatz zu den Single-Mythen in den Feuilleton-
und Politikteilen der Neue-Mitte-Zeitungen, gibt es in den
Immobilienteilen manchmal auch Informativs über Singles.
Im Wahlkampf haben sich SCHRÖDER und
STOIBER als Familienväter präsentiert. Sie sind jedoch auch
Teilzeit-Singles und tragen dadurch zum Mythos Single bei:
"Wieder
einmal stellt eine Statistik die Wirklichkeit auf den Kopf. So gelten
Gerhard Schröder und Edmund Stoiber statistisch als Single, denn beide
unterhalten in Berlin eine (Single-)Wohnung für den
Arbeitsmittelpunkt, ihr »richtiges« Zuhause aber findet sich in den
Heimatstädten".
Berlin ist also weniger die Hauptstadt
der einsamen Partnerlosen, sondern die Hauptstadt der
Wochenendväter bzw. Fernliebenden.
Solange es der Politik jedoch um die Verdammung
von Singles geht, wird es keine realistische Daten über das Leben in
Deutschland geben, sondern nur politisch korrekte!
Der
Autor wirft der Statistik in Nordrhein-Westfalen Falschzählungen vor:
"Dort
wird jeder 18-Jährige, der bei seinen Eltern lebt, als Single geführt.
Für Essen bedeutet dies, dass dort 70 Prozent Single-Haushalte
registriert sind".
Auch
in anderen Bundesländern dürften solche Verzerrungen die Regel sein,
weil viele Kinder zwar im gleichen Haus wie die Eltern wohnen, aber
keinen gemeinsamen Haushalt führen. In der Soziologie spricht man hier
vom Phänomen der multilokalen Mehrgenerationen-Familie. Diese
haushaltsübergreifende Lebensform wird von den Haushaltsstatistiken
ignoriert.
Zu
den Singles werden statistisch außerdem die alleinlebenden Witwen
gezählt. Dies führt dazu, dass den Singles ein hoher Wohnraumbedarf
zugeschrieben wird
"Bleibt
nach dem Sterbefall der Partner weiter in der gemeinsamen Wohnung, hat
er als Einzelperson deutlich mehr Platz. Und da immer mehr ältere
Menschen im selbstgenutzten Eigenheim wohnen, schnellt die Statistik
nach oben."
Dieser
Sachverhalt dringt nur selten in die Öffentlichkeit. Wer hier den
Single-Mythos hinterfragt hat, das ist Peter HETTENBACH, der Leiter
des Instituts
Innovatives Bauen in Plankstadt bei Schwetzingen.
Die
Bauwirtschaft wäre eigentlich auf realistische Daten angewiesen, aber
oftmals vertraut sie lieber auf sozialpopulistische Vorurteile und
weniger auf empirische Forschungen.
Ein
Manko zum Schluss:
Im Artikel wird nur auf die Wohnwünsche der Yuppies
eingegangen. Die Wohnwünsche der Singles jenseits der Neuen Mitte
werden sowohl von den privaten Investoren als auch von der staatlichen
Wohnförderung ignoriert.
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- RULFF, Dieter (2002): Generation Alpha.
Rot-Grün und der ausbleibende Aufstand der Jungen,
in: Frankfurter Rundschau v. 01.10.
- Inhalt:
RULFF rechnet mit der
Generation Berlin, aber vor allem mit der
Generation Golf ab:
"Die
FDP war jahrelang das politische Abziehbild einer wirtschaftlichen
Entwicklung, die ihren vornehmlich jugendlichen Protagonisten ein
exzessives Leben versprach. Es war ein Glücksversprechen, das sich
ausschließlich privat einlösen konnte. Soziale Beziehungen
verflüchtigten sich in die Warenwerte einer gemeinsam geteilten
Konsumwelt. »Die Freiheit nehm ich mir«, lautete die Devise der
Generation Golf, »weil ich es mir Wert bin«. Entsprechend groß ist die
Desorientierung, wenn die Krise die Relativität des eigenen Wertes
offen- und die Grenzen der Freiheit festlegt. Die Generation Golf
findet auf diese Krise keine Antwort, weil sie in ihrem Lebensplan
nicht vorgesehen war. Dessen Fixpunkte waren ästhetisch, doch die
Krise verlangt nach Sicherheit und Normen. Und so verliert sich in
Bedeutungslosigkeit, was an erfahrener Gemeinsamkeit den Begriff einer
Generation erst sinnvoll machen würde. Der unternehmerische Einzelne
findet sich als Einzelner wieder, der nicht mehr viel unternehmen
kann."
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HEIN, Peter & Xao SEFFCHEQUE (2002): Zu Alt, um jung zu sterben.
Punk, New Wave, NDW - Recycling statt Revival,
in: Rolling Stone Nr.10, Oktober
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- BÜRGER, Jan & Frauke MEYER-GOSAU (2002):
Schreiben ohne Qualen.
Bodo Kirchhoff contra Hera Lind:
Bekommt man bei 30.000 verkauften Büchern kalte Füße oder geht es dann
erst richtig los? Deutschlands Seller-Königin trifft im
LITERATUREN-Streitgespräch auf den «Schundroman»-Autor,
in: Literaturen Nr.10, Oktober
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- LEITGEB, Hanna (2002): Die hohe Kunst der
Asymmetrie.
Wie man am Status der sozial Schwachen etwas ändern kann, wenn man
ihre Selbstachtung stärkt,
in: Literaturen Nr.10, Oktober
- Inhalt:
"Gewissermaßen wird hier genau das Problem verhandelt,
das der
»Generation Golf«-Sprecher Florian Illies in seiner
«Anleitung zum Unschuldigsein» verkrampft locker und
pseudo-komisch aufgegriffen hatte: nicht zu wissen, wie man auf sozial
Schwächere zugehen soll", meint LEITGEB.
-
Richard Sennett - Respekt im Zeitalter der Ungleichheit
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- KALKA, Joachim (2002): Liebeserklärung an
den klassischen Schund.
Wie Houellebecq in der Huldigung an einen Horror-Star nur sich
selbst bespiegelt,
in: Literaturen Nr.10, Oktober
- Inhalt:
Der DuMont Verlag hat HOUELLEBECQs erstes Buch "H.P.
Lovecraft. Contre le monde, contre la vie" (deutsch: Gegen die Welt,
gegen das Leben) nachgereicht.
KALKA
wirft
HOUELLEBECQ vor, dass dieser ein Bild von LOVECRAFT entwirft,
das zwar nicht LOVECRAFT gerecht wird, aber zu HOUELLEBECQs
Strategie der Realismuskritik passt:
"Der
von Lovecraft in seinen Briefen obsessiv attackierte «Realismus» im
Amerika jener Jahre war eigentlich eine oderat avantgardistische
Strömung, deren Vertreter gegen das epigonale Kunstgewerbe des
neoromantischen Erzählens und gegen den Feine-Leute-Ton standen.
Wenn Lovecraft aber «Realismus» sagt, meint er wahllos (...)
Autoren, die ihm unsympathisch sind wegen ihres Interesses an
Sexualität, Alltäglichkeit und an den konkreten Verwicklungen
unseres komischen und erbärmlichen Lebens."
Gemeinsamkeiten
zwischen LOVECRAFT und HOUELLEBECQ sieht KALKA in ihrer gemeinsamen
Verachtung der Psychoanalyse und einer trotzigen Überschreiung der
"Traumatisierung inniger Liebe zum Leben".
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
16. - 30. September
2002
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©
2000-2002
Bernd Kittlaus |
[email protected] |
Stand:
20. Oktober 2002 |
|
Zugriffe
seit
dem 14.Juni 2000 |
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