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News vom
10. - 12. März 2016
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Zitat
des Monats:
Der Geburtenrückgang in Deutschland wurde in erster Linie durch
den Rückgang von Frauen mit drei und mehr Kindern verursacht
"Deutschland
ist durch die Kombination aus
hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil
Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs
kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des
Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären
(Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte:
Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen
Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war
später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die
Kinderlosigkeit der dominierende Faktor".
(Martin Bujard & Detlev Lück
"Kinderlosigkeit und Kinderreichtum", 2015, S.41)
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SYLVESTER, Regine (2016): Warten, dass es Zoom! macht.
Auf der Suche nach Liebe (6):
Als unsere Autorin Single wird, denkt sie, es sei nur vorübergehend.
Jetzt nicht die Nerven verlieren. Keine Notlösungen akzeptieren. Doch
die Zeit vergeht, und sie entdeckt ihre Freiheit,
in:
Berliner Zeitung v. 12.03.
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SPIEGEL-Titelgeschichte:
Die geteilte Nation.
Deutschland
2016: Reich wird reicher, arm bleibt arm |
MÜLLER, Ann-Katrin/NEUBACHER,
Alexander/SAUGA,
Michael/SCHMERGAL,
Cornelia
(2016): Das Schattenreich.
Sozialpolitik:
Die Deutschen sind stolz auf ihren Wohlfahrtsstaat, doch die Kluft
zwischen Arm und Reich wird größer. Wenigen gelingt der Aufstieg aus
der Unterschicht. Eine Studie zeigt: Die Spaltung gefährdet den
Wohlstand,
in:
Spiegel Nr.11 v. 12.03.
Wie verkauft man
Neoliberalismus in Zeiten der neuen Klassengesellschaft? Der
Spiegel als Verfechter der Agenda 2010 missbraucht das neue Buch
Verteilungskampf des DIW-Ökonomen Marcel FRATZSCHER als
Aufhänger, um sich zum Kämpfer für weniger soziale Ungleichheit zu
stilisieren.
Soziale
Ungleichheit gilt den neoliberalen Autoren jedoch nur insofern als
Problem, insofern sie das Wirtschaftswachstum hemmt. Dabei wird von
einem Fachkräftemangel ausgegangen, der angesichts der
Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Jahre und des bevorstehenden
Strukturwandels der Arbeitswelt (Stichwort: Digitalisierung und
Roboterisierung) in der vom Spiegel beschworenen Form gar nicht
existiert. So wird z.B. eine Studie aus dem Jahr 2011 zitiert, also
aus einer Zeit, in der man von einem rapiden Bevölkerungsrückgang
ausging.
Von den Autoren wird zwar beklagt,
dass die staatliche Kinderbetreuung meist von Akademikerfamilien
benutzt wird, weil die "bildungsfernen" Eltern die Kosten scheuen
würden. Gebührenfreiheit dieser Einrichtungen wird jedoch nicht als
Forderung erhoben, statt dessen wird ein Leuchtturmprojekt
hervorgehoben, mit dem die Misere behoben werden soll. Man muss sich
nur an die Bildungsexpansion der 1960er erinnern. Damals sollten
Arbeiterkinder gefördert werden, stattdessen hat das katholische
Mädchen vom Lande profitiert. Kompensatorische Bildung wie das früher
hieß, schließt keine Kluft, sondern ist lediglich ein Deckmäntelchen.
Überhaupt der ganze Bildungsfuror!
Elitenforscher wie
Michael HARTMANN gehen davon aus, dass Selektion heutzutage auf
dem Berufssektor passiert und der Habitus entscheidender ist als
jegliche Schulbildung. Bildungsaufsteiger dürfen die Drecksarbeit
machen und müssen dazu noch ihre Herkunft verleugnen. Wer das nicht
will, der bleibt unten - Bildung hin, Bildung her.
Die Autoren fordern höhere Steuern
auf Zinseinkünfte und das bei einem Leitzins von Null Prozent!
Wahrlich toller Vorschlag zum Abbau sozialer Ungleichheit! Vor allem
geht es um steuerliche Entlastung "findiger" Unternehmer. Muss man da
etwa an das Volkswagen-Untenehmen denken? Bei der Erbschaftssteuer
wird nur an Familienunternehmen gedacht, aber nicht an reiche Erben.
Und warum soll eigentlich nur die
Unterschicht aufsteigen können? Zumal nicht einmal erläutert wird, wer
zur Unterschicht zählt. Bei der sozialen Mobilität wird der
Schulabschluss des Vaters als Indikator genannt. Wo bleiben dann aber
die Kinder, die nur eine alleinerziehende Mutter haben?
Fazit: Der Artikel lässt mehr
Fragen offen, als dass er Antworten auf die soziale Ungleichheit gibt.
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CLAUß, Anna (2016): Sie ist wieder da.
Gleichberechtigung:
Die Hausfrau feiert als Lebensmodell junger Akademikerinnen ein
Comeback. Ihnen stehen alle Türen offen, doch mit der Geburt der
Kinder tauschen viele die Karriere gegen die Kittelschürze. Ist die
Emanzipation am Ende?
in:
Spiegel Nr.11 v. 12.03.
Um ein Comeback feiern zu können,
müsste jemand erst einmal weg gewesen sein!
"Der Trend ist spürbar, aber
weil er vor allem eine Bildungselite betrifft, kaum statistisch
messbar",
behauptet Anna CLAUß und liefert
deshalb auch keine Zahlen zu den Akademikerinnen, sondern nur für
erwerbstätige Frauen, die 1994 im Gegensatz zu 2014 im mittleren
Lebensalter eine höhere durchschnittliche Wochenarbeitszeit hatten.
Wenn schon keine Zahlen geliefert werden können, dann müssen eben
Einzelfälle her, die den "spürbaren Trend" sichtbar machen. CLAUß
spricht abschätzig von "Hausfrau" statt z.B. von geringfügig
beschäftigter Mutter, denn ihr erstes Beispiel arbeitet immerhin
zwei Tage die Woche in einer Münchner
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das zweite Beispiel ist eine
promovierte Mathematikerin, deren viertes Kind gerade mal 6 Wochen
alt ist. Man muss fast zwei Seiten des Artikels lesen, um zum Kern
des Artikels zu kommen:
"Die meisten der neuen
Hausfrauen möchten ungern so genannt werden. Aber im Schatten
einer medial befeuerten Euphorie über wickelnde Väter und Mütter
im Hosenanzug hat sich eine Gegenbewegung einiger Frauen gebildet,
die ein Recht auf Rückzug ins Private offensiv einklagten. Es sind
Mütter, die eine Art Emanzipation 2.0 fordern: die Befreiung der
Frau aus dem Klauen des Turbokapitalismus. Ich arbeite nicht, also
bin ich.
Wortführerin der Bewegung ist die selbst
ernannte »schreibende Hausfrau« Alina Bronsky, die sagt: »sich
Hausfrau zu nennen hat heute etwas Revolutionäres.« Am
Weltfrauentag erschien ihre Streitschrift »Die Abschaffung der
Mutter«, die sie gemeinsam mit der Geburtsbegleiterin Denise Wilk
verfasst hat."
Neben diesem gerade erschienenen
Buch zählt CLAUß auch die Bücher
Feinbild Mutterglück (2014) von Antje SCHMELCHER, Die
Alles-ist-möglich-Lüge (2014) von Susanne GARSOFFKY &
Britta SEMBACH und
Geht alles gar nicht (2015) von Heinrich WEFING & MARC BROST
zum Trend.
Weil sich die neuen Hausfrauen
ihren Lebensstil jenseits der angeblichen Spaßarbeit leisten können,
droht der Artikel den neuen Hausfrauen dann auch mit
Scheidungsrisiken und Wegfall des Unterhalts durch den Ex. Die
Ex-Familienministerin Renate SCHMIDT und die Finanzfrau Helma SICK
haben mit dem Buch Ein Mann ist keine Altersvorsorge ein
Abrechnung mit den neuen Hausfrauen geschrieben. Auch die
feministische Sicht, dass Akademikerinnen der Volkswirtschaft mit
ihrem Hausfrauendasein schaden wird wieder herausgekramt. Weil das
alles offenbar wenig imponiert, wird zum Schluss das Modell der
Familienarbeitszeit propagiert, das als Umverteilung von Arbeitszeit
zwischen Männern und Frauen gepriesen wird. Wie ein solches Modell
in unserer High Profit-Arbeitswelt funktionieren soll, wird jedoch
nicht erklärt. Als Beispiel muss deshalb ein Freiberufler-Paar
herhalten.
Der Artikel ist Ausdruck des
Mütterkrieges in unserer Gesellschaft, der nur vor dem Hintergrund
unvereinbarer politischer Interessen zu verstehen ist: da ist das
bevölkerungspolitische Interesse, das nach mehr kinderreichen
Familien verlangt; da ist der Sozialstaat, der immer mehr allein von
den sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern finanziert werden
soll; da ist das postfeministische Interesse nach besserer
Vereinbarkeit von Familie und Karriere; da ist das feministische
Interesse nach mehr Frauen in Führungspositionen und nicht zuletzt
das Interesse der Wirtschaft nach billigen Arbeitskräften und damit
einer großen Reservearmee - ob aus Zuwanderern oder Frauen. In
diesem politischen Interessenvieleck spielen sich diese Mütterkriege
um soziale Anerkennung ab.
Der Trend zur neuen Hausfrau ist
zudem nicht neu, sondern ein immer wieder kehrender Topos der
bevölkerungspolitischen Debatte in Deutschland. Mitte der 1980er
Jahre wurde über die
"neue Mütterlichkeit" geklagt.
Ulrich BECK schrieb von "refeudalisierter Hausfrauenfamilie" als
einem von drei Szenarien der Gesellschaftsentwicklung. Populär
wurde das Szenario aber erst in den 1990er Jahren durch den
Bestseller Das ganz normale Chaos der Liebe. Im Zuge der
Wiedervereinigung waren Frauen - vor allem in Ostdeutschland - auf
dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt und sollte gefälligst ins Heim
zurückkehren. Nun also der umgekehrte Fall:
Angesichts des vom Spiegel
ausgerufenen Fachkräftemangel soll es neben der Zuwanderung die
Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit richten.
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KLAUS, Julia & Cornelia SCHMERGAL
(2016): Omas hilflose Betrojerinkis.
Pflege:
Tausende osteuropäische Frauen betreuen in Privathaushalten deutsche
Senioren. Rund um die Uhr, ohne Pausen. Die Politik toleriert den
Missbrauch,
in:
Spiegel Nr.11 v. 12.03.
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SCHMITTER, Elke (2016): Berliner Narzissmus.
Autorinnen:
Drei Frauen aus der Hauptstadt erzählen davon, was es heute heißt,
schön, klug und jung zu sein, aber auch leer, allein und ratlos,
in:
Spiegel Nr.11 v. 12.03.
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WEIDERMANN, Volker (2016): Poesie heilt.
Literatur: Ein Leseprojekt in
Liverpool hilft vielen Kranken und Einsamen. Auf der Buchmesse in
Leipzig präsentiert sich der deutsche Ableger,
in:
Spiegel Nr.11 v. 12.03.
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Wednesday Martin - Die
Primaten von der Park Avenue
AMANN, Susanne (2016): "Perfekt, aber tieftraurig".
Gespräch: Wednesday Martin hat
jahrelang unter den Müttern der New Yorker Oberschicht gelebt - und
schildert deren Leben zwischen Luxusschuhen und Bonuszahlungen vom
Ehemann,
in:
Spiegel Nr.11 v. 12.03.
KLINGNER, Susanne (2016): Familienkasse.
Hausfrauen, die von ihren Männern
bezahlt werden. Wednesday Martin über das Phänomen "wife bonus",
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.03.
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Heinz Bude - Das Gefühl der Welt
HINTERMEIER, Hannes
(2016): Wenn man nur wüsste, wie es weitergeht.
In welcher Zukunft wollen wir leben?
Heinz Bude verspricht viel, wenn er mit der Macht der Stimmung die
Mechanismen der Politik erklären will,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
12.03.
Hannes HINTERMEIER fasst das
Generationenbild Heinz BUDEs folgendermaßen kurz und bündig
zusammen:
"Der Punk ist lang vorbei,
die Babyboomer und die Generationen X und Y leben mehr schlecht
als recht nebeneinander, die Richtlinienkompetenz hat der
Jahrgang 1954"
Zum Geburtsjahrgang 1954 gehört
neben Angela MERKEL auch der Soziologe BUDE. Den Stil des Buchs
charakterisiert HINTERMEIER pointiert und feuilletonistisch. BUDE
gehört wie Ulrich BECK zur öffentlichen Soziologie, die sich um
Anschlussfähigkeit an aktuelle Diskurse bemüht und dadurch auf
Diskurshoheit abzielt.
REICHWEIN, Marc
(2016): Die Deutschen sind in der Stimmungsfalle.
Wer sind wir und wenn ja, wie
anfällig? Der Soziologie Heinz Bude hat die Macht von Stimmungen
studiert. Sie entscheiden WM-Feiern, Willkommenskultur und Wahlen.
Im Facebook-Zeitalter mehr denn je,
in:
Welt v. 12.03.
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CREUTZBERG, Dietrich (2016): Die überschätzte Gerechtigkeitslücke.
Forscher bescheinigen Deutschland
eine wachsende Ungleichheit. Doch Vorsicht ist geboten. Die Statistik
hat ihre Tücken,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
12.03.
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HANNEMANN, Matthias (2016): Fast perfekte Menschen und ihre Theorie
von der Liebe.
Schwedenversteher: Henrik Berggren
und Lars Trägårdh wissen, warum sich in ihrer Heimat Individuum und
Staat gegen die Familie stellen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.03.
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MAYER, Astrid (2016): Wenn junge Eltern schon älter sind.
Familie: Das Thema polarisiert: Was
ist von spätem Kindersegen auch dank Reproduktionsmedizin zu halten?
in:
Stuttgarter Zeitung v. 12.03.
Astrid MAYER stellt die Bücher
Kind auf Bestellung von Eva-Maria BACHINGER und
Späte Kinder von Eric BREITINGER vor. Thema ist der
Blickwinkel von Kindern später Eltern, der in der Debatte um die späte
Elternschaft vernachlässigt wird. Während BACHINGER nur das "Wohl"
reproduktionsmedizinisch gezeugter Kinder im Blick hat, die zwar in
der Regel späte Kinder sind, aber nicht sein müssen, legt Eric
BREITINGER den Focus auf das ganze Spektrum später Kinder.
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FUCHS, Claudia (2016): Paul war nur der Köder.
Auf der Suche nach Liebe (5):
Dubiose Partnervermittlungen bringen Senioren um horrende Summen. Eine
Frau wehrt sich,
in:
Berliner Zeitung v. 11.03.
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NUTT, Harry
(2016): "Wir erleben eine Revanche an der Politik".
Der Soziologe Heinz Bude im Gespräch
über politische Stimmungen und gesellschaftliche Gereiztheit,
in:
Berliner Zeitung v. 11.03.
Der Soziologe Heinz BUDE hat
passend zum Elite-Masse-Denken (z.B. Parteistrategen contra Wähler)
ein
Buch über die Macht von Stimmungen herausgebracht. Seine
Grundannahme: Die Masse lässt sich nicht mit Argumenten, sondern nur
noch mit Stimmungen ruhigstellen. Einen Ausweg zur Empörung des
"Wutbürgers" auf der einen Seite und den Entdramatisierungsversuchen
auf der anderen Seite sieht BUDE in der Herstellung einer "reparativen
Stimmung". Winfried KRETSCHMANN und Frank-Walter STEINMEIER gelten
ihm als Vorbilder. In der
Frankfurter Rundschau ordnet BUDE den beiden Stimmungslagern
intellektuelle Wortführer zu: zum einen Wolfgang STREEK und zum
anderen Niklas LUHMANN. Im
Spiegel spricht er von heimatlosen Antikapitalisten und
Systemfatalisten. BUDEs Ursachenanalyse:
"Das Gefühl, dass alle vom
gesellschaftlichen Wandel profitieren können, hat sich
verflüchtet. Wir können nicht mehr die Augen davor verschließen,
dass wir ein neues Proletariat haben, das
Dienstleistungsproletariat. Das sind Leute, die 40 bis 50 Stunden
in der Woche arbeiten, dabei am Ende aber selbst in vollzeitigen
Arbeitsverhältnissen mit 1000 Euro netto nach Hause kommen."
Im
Theater Heute Jahrbuch 2015 bekam dieses
Dienstleistungsproletariat nur 800-900 Euro. Ist das der
unterschiedlichen Leserschaft geschuldet? Offenbar, denn im
Spiegel-Gespräch verdient das Dienstleistungsproletariat 900
Euro. Und es wird im Spiegel auch ein verbittertes
Akademikermilieu angesprochen, das unter Statusinkonsistenz leidet.
In der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung
dagegen stellt BUDE eine gespaltene Mitte vor, die nur oben und
unten enthält.
Und stimmt die Ursachenanalyse
überhaupt? Hat sich tatsächlich jetzt erst das Gefühl, nicht vom
gesellschaftlichen Wandel zu profitieren, verflüchtet oder gab es
bislang nur keine wählbare Alternative für die "Wutbürger"?
Den Agenda-Anhängern des
Spiegels wird Gerhard SCHRÖDER als Stimmungsmacher präsentiert,
aber gleichzeitig ein gesellschaftlicher Wertewandel
proklamiert, den die Politiker zur Ruhigstellung des Wahlvolkes
nutzen sollen:
"Es muss Politikern gelingen,
die Stimmung der verbauten Zukunft zu wenden. Sie müssen die sich
abzeichnenden Anfänge einer Gegenstimmung aufgreifen. Anders als
vor einigen Jahren wollen die meisten Menschen einen Staat, der
sich kümmert. Und sie wollen verlässliche Lebensmodelle. Die Zeit
des Neoliberalismus ist ebenso vorüber wie der Glaube an die
Beliebigkeit der Postmoderne."
Rhetorisch bedeutet dies das Ende
der individualisierten Gesellschaft, denn diese ist nichts anderes
als die Kehrseite des Neoliberalismus.
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HAGEN, Jens & Ingo Narat
(2016): Die Lunte brennt.
Die Notenbanker zündeln am Vermögen der Deutschen. Beliebte
Finanzprodukte wie Lebenspolicen und Sparkonten werfen nichts mehr ab.
Wohin mit dem Geld in einer Welt ohne Zinsen und mit großen
Unsicherheiten?
in:
Handelsblatt v. 11.03.
Die "Flüchtlingskrise" ist
angeblich unser größtes Problem. Dies ist falsch! Die EZB verbrennt
seit langem jene Vorsorge, zu der wir durch die Agenda 2010
gezwungen worden sind (Stichwort:
Finanzialisierung). Dies betrifft nicht nur die Altersvorsorge,
bei der wir Anfang des Jahrtausends von den Mainstreammedien mit
sagenhaften Renditen gegen die gesetzliche Rente aufgehetzt wurden,
sondern auch die Pflege- und Krankenversorgung wird durch
Strafzinsen bedroht.
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LANDSBERG, Torsten
(2016): Klein, fein, mein.
Auf der Suche nach Liebe (4):
Tschüss, Altbau-WG! Studenten und junge Leute wollen heute am liebsten
allein wohnen. Der Markt für Mini-Wohnungen boomt,
in:
Berliner Zeitung v. 10.03.
RENNEFAZ, Sabine
(2016): Alles handgemacht.
Auf der Suche nach Liebe (4): Start-Up Single-Börse "Im Gegenteil",
in:
Berliner Zeitung v. 10.03.
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SPIEWAK, Martin
(2016): Was aus der Liebe wird.
Vermächtnis-Studie: Partnerschaften werden pragmatischer gelebt -
weil die Frauen es so wollen,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 10.03.
Martin SPIEWAK zimmert sich aus
Michael KUMPFMÜLLERs Romanheld Georg ("Die Erziehung des Mannes")
und Anthony GIDDENS Buch Wandel der Intimität ein
Partnerschaftsbild der "Deutschen" zusammen, das dem Ergebnis der
Vermächtnis-Studie entsprechen soll. Leider differenziert die Studie
nicht nach Milieus und die Grafiken, die das Antwortverhalten
belegen sollen, sind mehr als dürftig. Ein Beispiel:
"Selbst die romantische Liebe
lebt bei beiden Geschlechtern als Ideal weiter. Die Vorstellung
einer "Lebensabschnittspartnerschaft" lehnen die Deutschen -
allen Trennungsstatistiken zum Trotz - ausdrücklich ab. Nur 10,9
Prozent der Befragten waren dafür",
heißt es bei SPIEWAK. Die Grafik
unterscheidet jedoch nicht zwischen den Geschlechtern, sondern fasst
Männer und Frauen zusammen. Der Leser kann also nicht
nachvollziehen, ob z.B. Männer und Frauen ein anderes
Antwortverhalten gezeigt haben. Es entspricht auch nicht der
Wahrheit, dass die Deutschen die Lebenspartnerschaft "ausdrücklich
ablehnen". Immerhin 29,9 % stimmten weder zu noch lehnten sie die
Lebensabschnittspartnerschaft kategorisch ab.
Und ist der Begriff nicht völlig
absurd? Warum sollte ich z.B. mit Eintritt ins Rentenalter einen
neuen Partner suchen? Oder ist der Übergang vom Arbeitsleben ins
Rentnerdasein kein Übergang von einer Lebensphase zur anderen? Und
ist der Begriff
Lebensabschnittspartner nicht eher ein mittelschichtorientierter
Begriff, der in anderen Milieus gar nicht verstanden wird?
Möglicherweise ein Grund für die hohe Zahl von Befragten ohne
dezidierte Meinung.
ILLOUZ, Eva
(2016): Liebe? Freundschaft!
Wie besessen trachten wir nach Romantik - und vergessen dabei ein
viel wertvolleres Gefühl,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 10.03.
KLÖCKNER, Lydia
(2016): Es ist kompliziert.
Weder-noch oder beides - in der Vermächtnis-Studie tauchten Menschen
auf, die nicht ins starre Geschlechterraster passen,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 10.03.
KLÖCKNER, Lydia
(2016): "Frauen suchen den Alpha-Softie".
Die Paartherapeutin Lisa Fischbach weiß, was Menschen anklicken,
wenn sie Datingportale besuchen. Ein Gespräch über neue Ansprüche bei
der Partnersuche,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 10.03.
Lisa
FISCHBACH, die für ein Partnervermittlungsportal zuständig ist, das
bereits den Begriff "Elite" im Namen führt, spricht über das
Partnersuchverhalten von Akademikerinnen, das sich durchaus von
Nicht-Akademikerinnen unterscheidet - was in der Akademiker-Zeitung
aber keine Rede wert ist.
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MAYER, Susanne
(2016): Geht's noch?
Jammern, nölen, kreischen - war bislang ein Privileg von Kindern in
der Trotzphase. Jetzt ist es der Sound einer neuen Mutti-Diskussion -
#Regrettingmotherhood. Über Larmoyanz in der Familiendebatte,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 10.03.
Susanne MAYER
steht in der Debatte um bereuende Mütter Anke SCHIPP zur Seite. Die
Konvertitin MAYER
(Marke Saulus zu Paulus), zuerst überzeuge Singlefrau, dann doch
noch späte Mutter, möchte lieber, dass Kinderlose ihre
Kinderlosigkeit bereuen, statt das Mutterglück madig zu machen.
Wer diesen Artikel liest, der
versteht, warum in Deutschland solch ein Unverständnis auf beiden
Seiten der Mutterlinie herrscht. Auf der einen Seite gibt es die
Missionarinnen wie MAYER, die ihre lange verteidigte Kinderlosigkeit
biografisch korrekt ins Mutterglück-Leben integrieren müssen und
deshalb andere Sichtweisen bekämpfen müssen wie ein trockener
Alkoholiker, der bei jedem Tropfen Alkohol droht schwach zu werden.
Auf der anderen Seite existiert die bevölkerungspolitische Debatte
um den Niedergang des Kinderkriegens. Da bekämpfen sich gnadenlos
die berufstätigen Mütter wie MAYER und Stay-at-Home-Mütter wie es
neuerdings heißt. Diesen Begriffswandel beschreibt Claudia VOIGT
im Spiegel
folgendermaßen:
"In den USA und in
Großbritannien hat sich ein interessanter Begriffswandel
vollzogen. Aus den »Housewives«, den Hausfrauen, wurden die »Stay-at-Home-Moms«,
Mütter, die nicht berufstätig sind und zu Hause bleiben. Eine
sprachliche Aufwertung, die das veränderte Rollenverständnis
ausdrückt: Nicht mehr das Haus - das Putzen, Koche, Wirtschaften -
steht im Mittelpunkt, sondern die Mutter und ihre mütterlichen
Aufgaben."
Die Veränderung des
Rollenverständnis von der Hausfrau zur nicht-berufstätigen bzw.
berufstätigen Mutter ist auch eine Ursache der neuen
Klassengesellschaft, in der Akademikerhaushalte sich ihr
Dienstleistungsproletariat hält. Von "neuer Klassengesellschaft"
sprach Anfang der Nuller Jahre zuerst der neokonservative Historiker
Paul NOLTE. Inzwischen hat auch der Soziologe
Heinz BUDE
diesen Begriff übernommen:
"Und (...) wir haben zum ersten
Mal seit 50 Jahren wieder eine neue Klassengesellschaft. Wir haben
nämlich eine Unterklasse in Deutschland, die nicht mehr
verschwinden wird, jedenfalls nicht mehr in unserer Lebenszeit:
das Dienstleistungsproletariat. (...).
Und dieses neue Proletariat ist vermehrt weiblich, fast
durchgängig ethnisch divers und qualifikatorisch diffus, das heißt
es gibt die ehemalige Statsanwältin aus Moldawien in der
Putzkolonne."
(Theater Heute Jahrbuch 2015, S.8)
Der Graben zwischen den Müttern
ist in Deutschland besonders tief, weil es nicht nur um die eigene
Identität, sondern immer auch um politische Interessenpolitik geht:
"War nicht immer von
»Wahlfreiheit« die Rede? Wem es zu stressig ist, der hat eben
keine Kinder? Oder bleibt bei ihnen zu Hause! Dieses dumme Gerede,
mit dem familienpolitische Forderungen stets vom Tisch gewedelt
wurden, transformiert sich jetzt in ein kleines folgenschweres
Missverständnis",
meint MAYER. Keine Kinder kriegen
zu müssen, das ist für MAYER Ausdruck eines Missverständnisses.
Protagonistinnen der Regretting Motherhood-Debatte wie Orna DONATH
und
Esther GÖBEL
haben die Tatsache, dass NUR Kinderlose, aber nicht Mütter ihren
Lebensstil bereuen sollen, zum Ausgangspunkt der Debatte gemacht
(mehr
hier und
hier).
Sarah FISCHER dagegen ist eine bekennende, bereuende Mutter. Für
MAYER sind die kinderlosen Protagonistinnen dieser Debatte einfach
nur hysterisch oder neudeutsch narzisstisch:
"Die Frau, das so erregbare
Wesen. Diese vibrierende Nervigkeit! Vor einem Jahrhundert hätte
der böse Sigmund Freud es Hysterie genannt. Es reicht ja ein Wort,
etwa von der Nachbarin, ob man denn Kinder wolle, und schon ist
eine hochbeleidigt, fühlt sich genötigt, also dieser grausame
Druck! (...) Da ist ein ständiges Beleidigtsein, übrigens nicht
unaggressiv. Zugleich kindlich. (...). Man ist versucht, zu sagen
»Aber Kindchen!« (...).
Jetzt sind Kinder die Wellness-Schädlinge. Sie stören Mutter im
Ichsein. Ein Ichichich hat Dududdu abgelöst. In der narzistischen
Blase haben auch Väter kaum Platz."
Mütter wie
Sarah FISCHER
wird dagegen die Missachtung des Kindeswohls vorgeworfen:
"Unbedacht bleibt in der
trendigen Mutterklage natürlich, wie es sich im Leben der Kinder
auswirken könnte, wenn sie später mal auf #regrettingmotherhood
lesen, wie ekelhaft Mama es doch mit ihnen fand."
Das kommt einem vielleicht
bekannt vor. Droht da MAYER mit einer jüngerer Generation, die wie
Michel HOUELLEBECQ oder
Oskar RÖHLER
mit Mutterbeschimpfung Karriere machen könnten?
Statt die Einwürfe Kinderloser
ernst zu nehmen, werden sie gefürchtet wie der Teufel das
Weihwasser.
Ist unter solchen Umständen ein nachhaltiger Anstieg der
Geburtenrate in Deutschland möglich?
Ganz sicher muss diese Art der Debatte als ein Hemmnis angesehen
werden.
Heinz BUDE sieht eine Umstellung
der Idee des Zusammenhalts der Gesellschaft vom Versprechen auf
Drohungen (Theater Heute Jahrbuch 2015, S.7). Oder auf die
Familiendebatte bezogen: von Wahlfreiheit zur Ausgrenzung. MAYER
scheint es jedenfalls kostengünstiger, wenn Kinderlose öffentlich
gezwungen werden ihre Kinderlosigkeit zu bereuen. Das Kindeswohl ist
ihr jedoch ebenfalls gleichgültig, Hauptsache die Geburtenrate
steigt. Die vielfältigen Ursachen der Kinderlosigkeit bzw. die
gesellschaftlichen Barrieren, die einer Umsetzung eines
Kinderwunsches entgegenstehen, werden einfach geleugnet oder wie bei
MAYER in politisch korrekte Debatten gelenkt:
"Dabei ist die Debatte
eigentlich weiter, Anne-Marie Slaughter, die einen Topjob im Team
von Hillary Clinton hinschmiss wegen Familie, verteidigt in ihrem
brandneuen Buch Was noch zu tun ist junge Männer, die ihr
Vatersein in Anspruch nehmen."
Und natürlich steht MAYER Anke
Schipp zwar bei der Regretting Motherhood-Debatte bei, aber nicht
bei ihrem mütterpolitischen Standpunkt. Denn während SCHIPP mit
Alina BRONSKY & Denise WILK ("Die Abschaffung der Mutter") gegen die
MutterUNglück-Lüge argumentiert, sieht MAYER in dem Buch nur einen
Beleg für eine falsche Mutter-Ideologie:
"Ach ja, die Gegenliteratur.
Etwa Alina Bronsky mit der Geburtsbegleiterin Denise Wilk
(insgesamt kommen sie auf zehn Kinder!), im Protest gegen Die
Abschaffung der Mutter (DVA), was in etwa der schrille
Mutti-Iedologie-Stoff ist, vor dem #regrettingmotherhood-Menschen
Reißaus nehmen."
Wo herrscht Konsens? wird im
Theater Heute Jahrbuch 2015 gefragt. Angesichts der tiefen
bevölkerungspolitischen und familienideologischen Spaltung der
Gesellschaft scheint Konsens auf diesem Gebiet ein rares Gut zu
sein. Eher stehen die Zeichen auf der Zunahme des Konflikts.
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Ronja von Rönne - Wir kommen
HAAS, Daniel (2016): Gib den Wolken Zucker.
Dürftiger Plot, nervige Figuren. Dennoch ein exzellenter Text: "Wir
kommen", das Romandebüt von Ronja von Rönne,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 10.03.
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EBMEYER,
Michael
(2016): "Richtig sonnige Zeiten gab es für Mütter selten".
Alina Bronsky schreibt Romane mit starken Frauenfiguren. In ihrem
neuen Sachbuch mischt sie sich in die Elterndebatte ein,
in:
Freitag Nr.10 v. 10.03.
Michael EBMEYER versucht den
Eindruck zu zerstreuen, dass Alina BRONSKY ein reaktionäres
Frauenbild vertritt, obwohl sie Positionen vertritt, die wie
Forderung nach "Wahlfreiheit" gegen die staatliche Kinderbetreuung
gerichtet sind und sie für ein Betreuungsgeld plädiert. Während sie
der
Regretting Motherhood-Debatte nichts abgewinnen kann, verficht
sie die Position der Vereinbarkeitslüge. In Kontinuum der
bevölkerungspolitischen Debatte steht BRONSKY damit eindeutig auf
Seiten der nicht-berufstätigen Mütter, die
abwertend auch als "Hausfrauen" beschimpft werden.
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ZITTY-Titelgeschichte:
Das verflixte erste Jahr.
Großes Glück, irre Kitasuche und falscher Perfektionismus -
über den ganz normalen Wahnsinn junger Berliner Eltern |
GROHMANN, Cosima (2016): Das verflixte erste Jahr.
Für manche die schönste Zeit des Lebens, für andere der pure Stress.
Hier erzählen Berliner Eltern über den ganz normalen Wahnsinn
zwischen Schlafraub, Kitasuche, Babykursen und dem Bedürfnis nach
etwas Zeit für sich,
in:
zitty Nr.10 v. 10.03.
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Zu den News vom 01. -
09.
März 2016
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