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Medienrundschau:
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News vom
01. - 17. Januar 2016
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WELT
AM SONNTAG KOMPAKT-Titelgeschichte:
Der ist es.
Oder der. In
wen wir uns verlieben, das befiehlt uns unser Inneres. Das
Beuteschema bleibt gleich, ein Leben lang |
THIEL, Christian
(2016): Schema F.
Warum suchen wir uns immer wieder
die gleichen Partner? Für den Singleberater Christian Thiel ist die
Antwort eindeutig. Das Muster wird sehr früh angelegt,
in:
Welt am Sonntag v. 17.01.
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SCHUBERT, Franziska
(2016): Pick-Up-Artist verklagt den Asta.
Oberlandesgericht untersagt dem
Frankfurter Studierendenausschuss, über einen Studenten zu berichten,
in:
Frankfurter Rundschau v. 16.01.
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HAMPEL, Lea (2016): Doppelter Einsatz.
Immer mehr Arbeitnehmer pflegen
Angehörige. Darauf stellen sich auch die Unternehmen zunehmend ein.
Dabei war die Pflege hier lange Zeit ein Tabuthema. Mitarbeiter haben
Angst, als Problemfall zu gelten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.01.
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VAHABZADEH, Susan (2016): Die Strohfrauen.
Feminismus wird in der öffentlichen
Debatte gerade instrumentalisiert - eine Methode mit langer Tradition,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.01.
Susan VAHABZADEH beschreibt
angesichts der wachsenden Schar von Antifeministen, die nach den
Kölner Vorfällen plötzlich zu Frauenrechtler werden, die Geschichte
des Feminismus als Geschichte der Instrumentalisierung.
"Wer nicht heiratet oder
wenigstens zu einem Familienverband gehörte, hatte die Wahl
zwischen Dienstmagd werden und sich prostituieren",
meint Susan VAHABZADEH zu
unverheirateten Frauen im Zeitalter der Industrialisierung. Nur wenn
man Nonnen, Ordensfrauen bzw. Beginen als Dienstmägde bezeichnen
möchte stimmt dies.
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HÄGLER, Max (2016): Türschlusspanik.
Die Zinsen sind niedrig, die Mieten
steigen: Wer jetzt noch keine Immobilie hat, steht gewaltig unter
Druck. Über ein Land im Kaufrausch,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.01.
"Es war eine anarchische Form des Wohnens und eine angenehme für
junge Großstadtmenschen: Berlin, Rigaer Straße, auf Höhe des
»Fischladens«. Das bunt bemalte Haus war noch besetzt, irgendwie,
damals in diesem heißen Sommer des Jahres 2000.
(...).
Eineinhalb Jahrzehnte später ist die Rigaer Straße weitgehend
saniert, und die Polizei patrouilliert massiv. Das Viertel ist
nicht mehr nur Quartier von Subkulturmenschen und Ostberlinern,
sondern vor allem von Hipstern; es gibt Warmwasser ohne
Unterbrechnung, dafür sind die Mieten um den Faktor zwei bis drei
gestiegen.
Dort wie überall in den Großstädten stellt sich mittlerweile
diesselbe Frage: Können wir es uns künftig noch leisten, in der
Stadt zu bleiben?",
beginnt Max HÄGLER seinen
Artikel, der außer Acht lässt, dass es neben boomenden Großstädten
auch schrumpfende Großstädte gibt und dass selbst innerhalb der
zunehmend segregierten Großstädte große Unterschiede bei den Mieten
bestehen. HÄGLER schreibt also für Besserverdienende, die in
Szenevierteln leben wollen, aber nicht über Großstädte in
Deutschland, die mehr als 100.000 Einwohner haben. Mit Großstädten,
sind hier jene boomenden Dienstleistungsmetropolen mit mehr als
500.000 Einwohner gemeint:
"Ängstliche Töne sind überall
in München, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und mittlerweile auch im
einst leerstandsgeplagten Berlin zu hören, gerade bei den über
30-Jährigen. Denjenigen also, die gern in der Stadt leben und das
auch künftig so halten wollen. Sie beschwören den
Soziologenbegriff
»Verdrängung« schon fast obsessiv - und wollen nun dagegenhalten.
Sie wollen sich reinkaufen."
Ausgerechnet auf den Neon-Artikel
Wo ist Zuhause? bezieht sich
HÄGLER bei seinem Artikel über die Sehnsucht nach dem Eigenheim.
Dort wird z.B. über einen 33-Jährigen berichtet, der seine Kölner
Altbauwohnung aufgab, um fortan im Bus zu leben! Aber welcher SZ-Leser
liest schon Neon? Beispielhaft beschreibt HÄGLER ein
kinderloses Paar, das eine 110 Quadratmeter große Wohnung sucht.
HÄGLER plädiert für mehr Mieter
statt Wohnungseigentümer. Grund dafür ist u.a. die drohende
Zinswende, die die Belastung für Eigentumswohnungen in die Höhe
treiben könnte.
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DÖRRIES, Bernd & Kristiana LUDWIG (2016): Gesetz der Straße.
Sie sind wenige, doch aggressiv und
ohne jeden Respekt vor der Polizei: Junge Männer aus Nordafrika machen
in NRW ganze Stadtviertel unsicher. Zu Besuch in Düsseldorf-Oberbilk
und Duisburg-Marxloh,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.01.
Segregation nennen Stadtsoziologen das Phänomen der Homogenisierung
von städtischen Quartieren, deren Spannbreite in Düsseldorf vom
Magrhreb-Viertel in Oberbilk bis zum
Andreas-Quartier reicht.
Wer von DÖRRIES & LUDWIG eine
Reportage über das Maghreb-Viertel in
Düsseldorf-Oberbilk oder über Duisburg-Marxloh erwartet, der
wird enttäuscht. Die Stadtteile werden genannt, weil sie
überregional aus den Schlagzeilen bekannt sind, und in NRW offenbar
der Landtagswahlkampf bereits seine Schatten voraus wirft. Während
Linke unter "No-go-Areas" die von Rechten beherrschten
Stadtgebiete bezeichnen, wird der Begriff in diesem Artikel auf
Stadtgebiete mit hohem Ausländeranteil angewandt.
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HEINSOHN, Gunnar (2016): Willkommensunkultur.
War die Kölner Silvesternacht erst
der Anfang? Ein Diskussionsbeitrag,
in: Neue Zürcher
Zeitung
v. 16.01.
"Das wird auch kaum besser, wenn
bei einem Kriegsindex zwischen 3 und 6 (Verhältnis von 15- bis
19-Jährigen zu 55- bis 59-Jährigen auf einen Alten folgen also 3
bis 6 Jugendliche) in vielen muslimischen Staaten überdies 3000 bis
6000 Jugendliche um die Stellen von 1000 Alten kämpfen. Die
Aggressivität steigert sich weiter. Bei Einsicht in die
Aussichtslosigkeit der eigenen Lage angesichts der grossen
Konkurrenz greifen viele zum Mittel des Kampfes, wobei es von der
Kriminalität bis hin zu militärischen Aktionen eine ganze Palette
von Optionen gibt",
erklärt uns der vom Linkspopulismus
zum Rechtspopulismus gewechselte Soziologe Gunnar HEINSOHN den
kommenden Generationenkrieg nicht etwa wie im altbackenen ZDF-Film
2030 - Aufstand der Alten aus dem Jahr 2007, der angesichts
der neuen youth bulge-Szenarien à la HEINSOHN wie das Paradies auf
Erden wirkt, wenn die außereuropäischen Unterschicht-Horden über
Deutschland herfallen.
Angesichts der Tatsache, dass die
Bevölkerungsprognosen der letzten Jahre in immer schnelleren Abständen
veralten, stellt sich die Frage, was bleibt davon in 5, 10 oder 15
Jahren noch übrig?
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HANDELSBLATT-Titelgeschichte:
Willkommen in der Wirklichkeit.
Was in der
Flüchtlingspolitik jetzt geschehen muss |
TUMA, Thomas (2016): Der Wendepunkt.
Wie die Kanzlerin dacht auch unser
Autor bei der Flüchtlingskrise vor einem halben Jahr noch: Wir
schaffen das! Seither ist viel passiert. Zu viel. Irgendwann hat er
den Glauben verloren. Die Beschreibung einer ganz persönlichen Wende,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
Babyboomer Thomas TUMA, Jahrgang
1964,
fertigte bereits als Spiegel-Angestellter gerne Porträts,
nun also ein subjektives Deutschland-Porträt. Dass TUMA lediglich
den nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG
zitiert, der gerne jede deutsche Frau zum Gebären verpflichten würde
und Migration für die unnatürlichste Sache der Welt hält (unter die
natürliche Bevölkerungsbewegung fallen in dieser
nationalkonservativen Sicht nur Geburten und Sterbefälle, aber nicht
das Überschreiten von Staatsgrenzen!), zeigt bereits wohin die Reise
führt.
Bereits die
Wochenend-Titelgeschichte
Ende
Oktober hatte Schlagseite ins Negative.
Wer jedoch bereits der
Willkommenseuphorie der deutschen Mainstreammedien nichts abgewinnen
konnte, der braucht nun auch nicht so schwarz zu sehen wie
Nationalkonservative oder das Wort
Willkommenskultur zu verunglimpfen! Uns braucht man auch nicht
in der Wirklichkeit willkommen heißen...
SPECHT, Frank u.a. (2016): Rezept gegen die Krise.
Der 10-Punkte-Plan: Eine Million
Flüchtlinge sind 2015 nach Deutschland gekommen - und niemand weiß,
wie viele es 2016 werden. Wir brauchen einen neuen Umgang mit den
Zuwanderern: pragmatischer, entschlossener, und manchmal auch härter.
Welche Entscheidungen jetzt fallen müssen,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
GILLMANN, Barbara
(2016): 1. Bildung.
Schnell mehr Lehrer,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
SPECHT, Frank (2016): 2. Arbeitsmarkt.
Jobs statt Verbote,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
SPECHT, Frank (2016): 3. Asyl.
Ausreiseprämie,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
SPECHT, Frank (2016): 4. Polizei.
Neue Stellen,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
LUDWIG, Thomas
(2016): 5. Europa.
Chaos bekämpfen,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
HERGERT, Stefan (2016): 6. Wohnungsmarkt.
Mehr Bauen,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
"In ganz Sachsen hat etwa
jede zehnte Wohnung keinen Bewohner. In Hamburg hingegen stehen
weniger als zwei Prozent der Wohnungen leer. Gleichzeitig
errechneten Forscher des Pestel Instistuts für
Systemforschung in Hannover, dass in Deutschland
zwischen 2009 und 2015 etwa 770.000 Wohnungen zu wenig gebaut
wurden - aber eben vor allem in den boomenden Regionen",
beschreibt Stefan HERGERT die
Lage auf dem Wohnungsmarkt, oder kurz: Einerseits Wohnungsnot in
den Großstädten und Ballungsräumen, andererseits Leerstand in
ländlichen Räumen - insbesondere in Ostdeutschland.
Die Lösung sieht HERGERT jedoch
nicht in einer Verteilung der Flüchtlinge auf Gebiete mit hohem
Leerstand, sondern im verstärkten Neubau von Wohnungen, dort wo
die Menschen wohnen wollen. Bei der Anzahl der benötigten
Wohnungen beruft sich HERGERT auf
Berechnungen
des IW Köln und des Pestel Instituts. Mit einer
Senkung der Standards und höhere Abschreibungen soll das Bauen
billiger werden.
"Gleichzeitig könnten
Kommunen, die unter Bevölkerungsschwund leiden, natürlich
versuchen, Flüchtlingsfamilien anzulocken. Etwa mit
Mietzuschüssen oder der Erstattung von Fahrkosten zu einem
weiter entfernt liegenden Arbeitsplatz",
meint HERGERT. Eine solche
Politik würde die Situation in Deutschland verschärfen, wenn nicht
Bund und Länder strukturschwache Kommunen stärker als bisher
unterstützen. Im Zeichen der Demografiepolitik wurde bislang
dieses Problem dem demografischen Wandel zugeschrieben, aber
Abwärtsspiralen sind in erster Linie Ausdruck der Strukturschwäche
und nicht des demografischen Wandels.
Wie absurd diese Sichtweise
ist, zeigt sich bereits daran, dass Deutschlands Bevölkerung zwar
in den letzten Jahren gewachsen ist, die regionalen bzw.
kommunalen Unterschiede jedoch weiter angewachsen sind. Als
Deutschlands Bevölkerung schrumpfte konnte man das bequem dem
demografischen Wandel statt einer verfehlten Wirtschaftspolitik
anzulasten. Jetzt rächt sich diese bequeme Haltung einer
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme.
RIECKE, Torsten (2016): 7. Integration.
Strenge Vorgaben,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
SPECHT, Frank (2016): 8. Abschiebung.
Mehr Tempo,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
BERSCHENS, Ruth
(2016): 9. Syrien-Anrainer.
Geld hilft,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
MÜNCHRATH, Jens
(2016): 10. Einwanderung.
Neues Gesetz,
in:
Handelsblatt v. 15.01.
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WEIßENBORN, Christine (2016): Unter uns.
Reichtum: Weltweit gibt es immer
mehr Wohnquartiere, die abgeschirmte Exklusivität bieten. Was macht
diese Entwicklung mit der Stadt und ihren Bewohnern?
in:
Wirtschaftswoche Nr.3 v. 15.01.
Unter anderem am Beispiel des
Düsseldorfer Andreas-Quartier, das an die Ratinger Straße angrenzt,
beschreibt Christine WEIßENBORN den Rückzug der Reichen als
weltweiten Trend. Manche sprechen von "Gated Communitys", andere von
"abgeschirmtem Wohnen".
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STEINFELD, Thomas (2016): Von Kindern und Männern.
Den neuen
nationalkonservativen Bewegungen fehlten ein paar Intellektuelle als
Wortführer. Das ändert sich: Rüdiger Safranski, Reinhard Jirgl und
ihre Liebe zum deutschen Volk,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.01.
Wer andere Menschen für infantil erklärt, will nicht argumentieren,
kritisiert der Imagedesigner Thomas STEINFELD angesichts der
Tatsache, dass der Schriftsteller und Büchner-Preisträger Reinhard
JIRGL sich in der neuen Ausgabe der Zeitschrift Tumult zum
Wortführer nationalkonservativer Bewegungen aufgeschwungen hat.
Bevor dies möglich wurde, war die
"Infantilisierung" ein gebräuchlicher Begriff der Mitte-Journalisten
- genau in dem Sinne, den jetzt STEINFELD kritisiert. Journalisten
wollen nämlich selten argumentieren, sondern ihre Gegner
niederschreiben. Wenn jetzt also die Deutungshoheit dorthin wandert,
wo man sich Anfang des Jahrtausends selber hinbewegte, dann
sollte man sich beim Erfolg des Rechtspopulismus fragen, was man
selber dazu beigetragen hat. Aber Selbstkritik war noch nie die
Stärke von Mitte-Journalisten.
Wenn jetzt plötzlich in den
Mitte-Zeitungen nationalkonservative Bewegungen beschworen werden.
Wo bitte war man da, als man den nationalkonservativen
Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG und sein
Pamphlet über die demographische Zeitenwende hofierte? Warum
hatte man Anfang des Jahrtausends eine Panikstimmung entfacht und
Singles zu Sündenböcken stilisiert, statt bereits in den 1990er
Jahren eine Familienpolitik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie,
z.B. durch einen Ausbau der Kinderbetreuung zu forcieren?
Stattdessen hat man seit 2004 das unsoziale Elterngeld in den
Mittelpunkt einer angeblich nachhaltigen Familienpolitik gerückt.
Die nachhaltige Familienpolitik sollte die Geburtenrate bis 2015 auf
1,7 Kinder pro Frau (TFS) ansteigen lassen, was als realistisches
Ziel angepriesen wurde. Als dies sich
im Jahr 2009 als aussichtslos erwies, lies man dieses Ziel
einfach fallen und schob die "Erfolge" bei der Väterbeteiligung in
den Vordergrund.
Hätte man mit weniger Panik nicht
viel mehr erreichen können? Vor allem: Müsste man nicht jetzt mehr
oder weniger hilflos zusehen wie der einstmals hilfreiche
Nationalkonservatismus in Deutschland den Mitte-Eliten entgleitet?
Wer die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme betreibt, der
darf sich nicht wundern, wenn sich diese Politik verselbständigt.
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ÖCHSNER, Thomas (2016): Rentenparadies Österreich.
Deutsche Altersversorgung
viel schlechter als im Nachbarland,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.01.
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GAREI, Luce
(2016): Mein geheimer Vater.
Dossier: Unsere Autorin wächst mit
dem Gefühl auf, sich selbst fremd zu sein. Bis die Mutter ihr ein
Geständnis macht. Eine Geschichte über die Lüge, die eine Familie seit
Jahrzehnten im Griff hat - und über den Versuch einer Tochter, sich zu
befreien,
in:
Die ZEIT Nr.3 v. 14.01.
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JÄGER, Michael (2016): Menschen und Gutmenschen.
Unwort des Jahres Die Jury hat sich
für einen Begriff entschieden, der häufig mit Naivität und
Weltfremdheit assoziiert wird. Er spiegelt Konflikte, die gerade
heftig ausgetragen werden,
in:
Freitag Nr.2 v. 14.01.
Der Merkur, die Zeitschrift für Europäisches Denken,
beansprucht die Erfindung des Begriffs "Gutmensch" im Januar 1992.
Michael JÄGER schreibt dazu:
"Die Älteren erinnern sich,
dass es auch schon bei der Rechtswende der Grünen seit 1990 eine
Rolle spielte: Menschen, die sich der nicht anschlossen, wurde
gern »Betroffenheitsjargon und Gesinnungskitsch« vorgeworfen."
Der Begriff "Gutmensch" ist also
seit seiner Erfindung Ausdruck dafür, dass es einen Rechtsruck in
der Gesellschaft gegeben hat. Dass er nun erst zum Unwort stilisiert
wird, drückt die Tatsache aus, dass die Mitte-Elite die
Definitionsmacht über ihre Eigenkreation verloren hat. Im Kern geht
es um die Frage nach der
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme. Obwohl sich
Mitte-Elite und Rechte in einer Politik der Demografisierung
gesellschaftlicher Probleme größtenteils einig sind, unterscheidet
sie die Art der Begründung einer Politik gegen die so genannte
Unterschicht.
Beispielhaft für den Rechtsruck steht die Einführung des
Elterngeldes in Deutschland. Damit stand nicht mehr die soziale
Gerechtigkeit im Mittelpunkt der Politik, sondern die Förderung von
Geburten der Besserverdienenden. In den skandinavischen Ländern, in
denen das Elterngeld früher als in Deutschland eingeführt wurde,
fand der Rechtsrutsch im Parteiensystem auch früher statt als jetzt
in Deutschland.
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DESTATIS (2016): Jedes 27. Neugeborene war im Jahr 2014 ein
Mehrlingskind.
Zahl der Woche,
in:
Pressemitteilung des
Statistischen Bundesamts v.
12.01.
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HARTWICH, Inna (2016): Putin und die Pflicht zur traditionellen
Familie.
Warum gilt eine Frau in Russland
immer noch als Schuldige, wenn der Mann sie vergewaltigt? Warum steht
häusliche Gewalt nicht unter Strafe? - Über die historischen Gründe
der Frauendiskriminierung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 08.01.
"Bis heute hat es der Begriff
«Feminismus» nicht leicht in
Russland, bis heute ist er mit «westlicher Pest» konnotiert, die
Russland nicht eigen sei, auch wenn das Land durchaus über
Frauenrechte diskutiert, nur wenig auf politischer Ebene. In Putins
Russland herrscht die «Pflicht zur traditionellen russischen
Familie», die auf heterosexueller Ehe basiert und mindestens zwei
Kinder hat, wie es im Strategiepapier zur Demografiepolitik bis 2025
steht", berichtet Inna HARTWICH.
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WAGNER, Gert G. (2016):
Was gegen Armut im Alter hilft.
Gastbeitrag: Die zunehmende Alterung
ist nicht das Hauptproblem bei der Rente. Es geht um flexible
Altersgrenzen und Armutsfestigkeit,
in:
Frankfurter Rundschau v. 09.01.
Gert G.
WAGNER ist Vorsitzender des
Sozialbeirats, der im Zuge der Agenda 2010 unter Rot-Grün in seiner
Zusammensetzung derart verändert wurde, dass seitdem die
Versicherungsbranche
an Dominanz gewonnen hat und die Stellung der Befürworter einer
gesetzlichen Rente als Garant der Lebensstandardsicherung
entscheidend geschwächt wurde. Im Jahr 2000 wurde
Winfried SCHMÄHL durch
Gisela FÄRBER (Mitglied der so genannten Rürup-Kommission) und
Norbert ANDEL durch
Bert RÜRUP als Vertreter der Sozial- und
Wirtschaftswissenschaften ersetzt.
Vor diesem Hintergrund klopft
sich WAGNER nun selber auf die Schulter, weil im Sozialbeirat
Konsens herrsche, wobei dieser Konsens offensichtlich nicht weit her
ist, da man Konkretisierungen vertagt hat.
HIRSCHEL, Dierk (2016): Rückkehr der Altersarmut.
Private Vorsorge schließt die
Rentenlücke nicht,
in:
Frankfurter Rundschau v. 09.01.
Dierk HIRSCHEL, Chefökonom der Gewerkschaft Verdi,
behauptet nun, dass die Rentenkürzungen durch die Agenda 2010 nie
alternativlos waren. Offenbar vergisst er dabei die unrühmliche
Rolle der Gewerkschaften, die damals als Rot-Grün das Mantra der
privaten Kapitaldeckung herunterbetete, keine Anstalten machte, um
die damalige Bevölkerungsvorausberechnung massiv zu kritisieren.
Der Statistiker Gerd BOSBACH durfte seine Einwände erst zu einem
Zeitpunkt geltend machen, als die Rentenreform bereits gelaufen war.
Die entscheidenden Weichenstellungen wurden Anfang des Jahrtausends
gestellt. Jetzt ist nur noch Schadensbegrenzung - und auch die wird
nur halbherzig betrieben - möglich.
"Wer heute monatlich 2.600 Euro
brutto in der Tasche hat, muss mehr als 33 Jahre Vollzeit
arbeiten, um später nicht zum Sozialamt gehen zu müssen. Wer ein
Viertel weniger bekommt und 42 Jahre gearbeitet hat, muss bereits
zum Sozialamt",
schrieb HIRSCHEL im Dezemberheft
des Jahres 2012 der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter
Hefte im Beitrag
Eine solidarische Altersvorsorge ist möglich. In der
Frankfurter Rundschau heißt es nun:
"Die Rückkehr der Altersarmut
steht bevor. Wer monatlich 2.600 Euro brutto in der Tasche hat,
muss mehr als 33 Jahre Vollzeit arbeiten, um später nicht auf dem
Sozialamt zu landen. Da jeder dritte sozialversicherte
Beschäftigte weniger als 2500 Euro erhält, droht Millionen
Menschen ein würdeloses Altern."
Hat sich also die Situation der
Rentner in Deutschland innerhalb von drei Jahren verbessert? Das
lässt sich anhand der von HIRSCHEL dargelegten Fakten nicht ersehen,
weil der Autor zwei unterschiedliche Maßstäbe verwendet und man
wissen müsste, ob mit "würdelosem Altern" ein Gang zum Sozialamt
gemeint ist. Zumindest jedoch ist ein würdevolles Altern nicht mit
einem Gang zum Sozialamt vereinbar - soviel ist sicher.
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WIENAND, Lars (2016): Parship, die Singles und der
11-Minuten-Irrglaube.
Werbeversprechen,
in:
WAZ Online v. 08.01.
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ADAM, Elena (2016):
Am Geld soll es nicht scheitern.
Behandlungszuschuss nun auch für
unverheiratete Paare,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.01.
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PREUSS, Roland (2016): Mehr Migranten beziehen Hartz IV.
Vor allem unter Rumänen und Bulgaren
sind viele Aufstocker,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.01.
PREUSS, Roland (2016): Am Existenzminimum.
Einwanderung: Deutschland muss
EU-Bürger Sozialleistungen beschränken,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.01.
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ROSER, Thomas (2016): Arme Mütter, verkaufte Kinder.
Geburten: In Griechenland floriert
der Adoptionshandel mit Roma-Babys aus Bulgarien,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 08.01.
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BMFSFJ (2016): Unterstützung bei Kinderwunschbehandlungen auch für
unverheiratete Paare.
Die Bevölkerung des Inselstaats
altert dramatisch. Arbeitskräfte fehlen. Die weltweit drittgrößte
Volkswirtschaft schafft es nicht mal, ausreichend Butter in die
Kühlregale zu bringen,
in:
Pressemitteilung des
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend v.
07.01.
Noch vor 10 Jahren galt die
gewollte Kinderlosigkeit als Hauptproblem der niedrigen deutschen
Geburtenrate, inzwischen gibt es eine Verschiebung der Debatte
hin zur ungewollten Kinderlosigkeit bzw. zur
Berücksichtigung
kinderreicher Familien. In der Pressemitteilung heißt es nun:
"Immer mehr Paare leben heute
auch ohne Trauschein glücklich zusammen. Eine moderne
Familienpolitik muss sich deshalb nach den gesellschaftlichen
Veränderungen ausrichten.
Die im Zusammenhang mit der Bundesinitiative zur besseren
Unterstützung ungewollt kinderloser Paare durchgeführte
sozialwissenschaftliche Milieuuntersuchung hat bestätigt, dass
zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz auch unverheiratete Paare
von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen sind: Der Anteil ist
hier sogar doppelt so hoch (38 Prozent) wie der Anteil bei den
Verheirateten mit unerfülltem Kinderwunsch (19 Prozent)."
Hier wird eine
Sichtweise suggeriert, die ungewollte Kinderlosigkeit einzig und
allein mit biologisch-medizinischer Kinderlosigkeit im Sinne von
Unfruchtbarkeit gleichsetzt (denn in dieser Pressemeldung ist
ausschließlich die Förderung künstlicher Befruchtung gemeint).
Dies zeigt zum einen die Definitionsmacht der Reproduktionsmedizin
und zum anderen die Ignoranz gegenüber anderen, sozial bedingten
Formen ungewollter Kinderlosigkeit, z.B. aufgrund von
Partnerlosigkeit oder fehlendem Kinderwunsches eines Partners. Was
das Bundesfamilienministerium aus der Studie zu ungewollter
Kinderlosigkeit verschweigt:
"Die Partnersituation ist ein
zentraler Faktor für jene mit aktuellem Wunsch nach einem Kind. 58
% leben in fester Partnerschaft: 38 % sind unverheiratet, 19 %
sind verheiratet, 1 % lebt in eingetragener Lebenspartnerschaft
und möchte ein Kind (bisher erfolglos); das heißt, 39 % der
ungewollt Kinderlosen sind ledig ohne feste Partnerin bzw. festen
Partner." (2015,
S.11)
Bezeichnenderweise befinden sich
die vom Bundesfamilienministerium selektiv zitierten Daten zum
Familienstand und ungewollter Kinderlosigkeit gerade nicht in der
Broschüre für Reproduktionsmediziner, sondern für Politiker!
Im Gegensatz zur derzeitigen
Begriffspolitik, die sich selbst noch in der
2. Auflage des sozialwissenschaftlichen Sammelbandes Ein Leben
ohne Kinder aus dem Jahr 2013 befindet, verengt der
Studienautor Carsten WIPPERMANN den Begriff der ungewollten
Kinderlosigkeit nicht auf biologisch-medizinische Gründe, die nun in
der Pressemeldung missverständlicherweise im Mittelpunkt stehen
(mehr
hier). Es wird in einer anderen Broschüre des Autors im Auftrag
des Bundesfamilienministeriums sogar diese Praxis ausdrücklich
kritisiert:
"Die
Bezeichnung »Ungewollte Kinderlosigkeit« und die
bedeutungsähnliche Variation »Unerfüllter Kinderwunsch« werden
meist verwendet als Ergebnis des erfolglosen Versuchs, ein
(eigenes) Kind zu bekommen, und sind eng assoziiert mit dem Befund
oder der Vermutung der Infertilität.
Dabei wird explizit oder implizit vorausgesetzt, dass
ungewollt Kinderlose in einer Partnerschaft leben und
das Paar seit einem Jahr (und länger) aktiv und
erfolglos versucht, auf natürlichem Wege oder durch
Unterstützung einer Kinderwunschbehandlung ein Kind zu
bekommen. Kerngedanke ist, dass für Personen mit
unerfülltem Kinderwunsch eine Partnerschaft die
Voraussetzung ist für einen realistischen
Kinderwunsch oder sich mit der eigenen Infertilität
oder der des Partners/der Partnerin
auseinanderzusetzen. Die Voraussetzung der stabilen
Partnerschaft ist zugleich eine normative
(teilweise auch moralische) Vorstellung von Familie.
Doch damit werden jene ohne aktuellen Partner per Definition
ausgeschlossen und ihr Kinderwunsch wird nicht als gleichwertig
anerkannt."
(2014,
S.9)
Nicht minder schuldig als die
Reproduktionsmedizin ist hier also die Sozial- bzw.
Bevölkerungspolitik sowie ihre Handlanger in der Wissenschaft, die
mit ihren Ausgrenzungsversuchen gegenüber Kinderlosen mehr Schaden
angerichtet haben als dass sie zu einer kinderfreundlichen
Gesellschaft (die es im übrigen nie gab!) beizutragen.
Dass lange Zeit in Deutschland Mütter nicht bereuen durften, Mütter
geworden zu sein, und dieses Thema nun erst mit Macht in die
Öffentlichkeit drängt, zeigt dass in Deutschland vieles im Argen
liegt.
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THEILE, Charlotte (2016): Ein Tag Elternzeit.
Junge Väter haben in der Schweiz
keinen Anspruch auf einen längeren Erziehungsurlaub. Das hat negative
Auswirkungen auf die Frauen: In 30 Prozent der Haushalte haben Mütter
gar keinen Erwerbsjob,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.01.
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CONRAD, Sebastian (2016):
Die Welt von gestern.
Im 19. Jahrhundert ließ die
Industrialisierung der Verkehrsmittel die Migration erstmals zu einem
Massenphänomen werden. In jender Epoche nahm auch das moderne
Migrationsregime seinen Anfang,
in:
Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 04.01.
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KAISER, Tobias (2016):
Wie Japan seine Zukunft verspielt.
Die Bevölkerung des Inselstaats
altert dramatisch. Arbeitskräfte fehlen. Die weltweit drittgrößte
Volkswirtschaft schafft es nicht mal, ausreichend Butter in die
Kühlregale zu bringen,
in:
Welt v. 04.01.
"Japan hat bereits heute die am
schnellsten alternde Bevölkerung der Welt, sie schrumpft jedes
Jahr um ein Prozent. Ab 2020 wird das Land jedes Jahr rund 700.000
Einwohner verlieren, das entspricht der Einwohnerzahl von
Frankfurt am Main. Und die verbleibende Bevölkerung wird immer
älter: Bereits heute sind mehr als zehn Millionen Japaner älter
als 80 Jahre und ein Viertel der Bewohner des Landes sind bereits
älter als 65 Jahre. Derweil fällt die Geburtenrate seit drei
Jahren von Rekordtief zu Rekordtief.
Dieser demografische Wandel ist nicht nur problematisch für das
Sozialsystem, die Fürsorge und die Gesellschaft, sondern vor allem
die japanische Wirtschaft, die von dieser Entwicklung bereits
heute betroffen ist: Die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter
sinkt noch schneller als die Bevölkerung",
schreibt Tobias KAISER über
Japan, dem noch Anfang der Jahrtausendwende aufgrund seiner
religiösen Tradition eine bessere Bewältigung des demografischen
Wandels als Deutschland prophezeit wurde.
Wie bei Journalisten üblich,
verwechselt KAISER die absoluten Geburtenzahlen bzw. rohe
Geburtenziffern mit der Geburtenrate (TFR). Gemäß
Japan Times ist die Geburtenrate im Jahr 2014 von 1,43 auf
1,42 gefallen. In
Japan Today ist nachzulesen, dass die Geburtenrate davor bei
1,41 lag. KAISER kann also allenfalls die rohe Geburtenziffer oder
die absoluten Geburtenzahlen gemeint haben.
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FAZ (2016):
Unsere Unworte des
Jahres.
Jeder frühkindlich gebildete Mensch
ist kompetent ins Sachen Work-Life-Balance, Zeitmanagement und kann
den disruptiven Wandel buchstabieren. Manche Worte machen erstaunliche
Karrieren und sind zum Klischee verdampft. Worte, die wir im neuen
Jahr nicht mehr lesen wollen. Wir achten darauf. Wir schaffen das.
Ganz proaktiv. Aber nicht allein,
in:
Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 01.01.
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LUDWIG, Jan (2016): Der kurze Weg nach Westen.
Einwanderer aus Polen lassen ganze
Dörfer in Brandenburg wiederaufblühen. Doch in ihrem Heimatland werden
sie oft schmerzlich vermisst,
in:
Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 01.01.
"Rund 15 Prozent der Gartzer Einwohner stammen aus
Polen. Gartz mag in dieser Hinsicht ein Extremfall sein, aber es
zeigt eine Tendenz, vor allem in Brandenburg: Aus Polen kommen die
meisten Einwanderer in Deutschland. Polen gründen die meisten
Unternehmen in Deutschland. Polen stellen die größte Zahl
ausländischer Studenten in Berlin, ebenso wie die Hälfte aller neu
eingebürgerten EU-Bürger in Mecklenburg-Vorpommern. Dort und in
den überalterten Orten Brandenburgs sind es Polen, die die Dörfer
verjüngen.
(...).
Aus den Dörfern und Städten zogen in den vergangenen Jahren
Zehntausende junge Familien weg. Schwedt, die nächstgrößere Stadt
in Brandenburg, hatte eines 50.000 Einwohner, heute 30.000. Es
werden immer weniger. Das Durchschnittsalter in Schwedt hat sich
seit den Achtzigern verdoppelt",
berichtet Jan LUDWIG in seiner
Reportage aus Gartz an der Oder. Eine Bevölkerungsvorausberechnung
des Landesamt für Bauen und Verkehr hat in einer
Prognose aus dem Jahr 2012 für das Amt Gartz einen
Bevölkerungsrückgang bis 2030 um 13,2 Prozent berechnet (2010: 7.057
Einwohner; 2015: 6.913; 2020: 6.699; 2030: 6.124). Eine
Prognose aus dem Jahr 2010 hatte noch einen Rückgang im Jahr
2030 auf 5.907 Einwohner ergeben. Die
Stadt Gartz (2013: 2.470 Einwohner) liegt im dünn besiedelten
Landkreis Uckermark, dem das private, neoliberale Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung
im Jahr 2006 die zweitschlechteste Entwicklungsperspektive in
Brandenburg bescheinigte.
Anhand dem ca. 20.000 Einwohner
zählenden ostpolischen Ort Tomaszów beschreibt LUDWIG die negativen
Folgen der polnischen Wanderungsströme, um seine These, dass
Migration oftmals ein Nullsummenspiel sei, zu belegen.
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ANKENBRAND, Hendrik (2016):
Schaut auf diese
Stadt.
Schanghai ist arrogant und
egoistisch. Aber nirgendwo sonst auf der Welt hat der Fortschritt so
viel Kraft wie in Chinas Wirtschaftsmetropole. Eine Liebeserklärung,
in:
Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 01.01.
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DÜCKERS, Tanja (2016): Kreativ, frei - und
arm.
Wie sich die "Digitale Bohème"
durch's Leben klickt,
in: Neue
Gesellschaft/Frankfurter Hefte,
Januar/Februar
Tanja DÜCKERS setzt sich kritisch mit dem Buch
Wir nennen es Arbeit von Holm FRIEBE & Sascha LOBO
auseinander, das im Jahr 2006 eine schönfärberische Sicht auf die
Kreativwirtschaft geworfen hat:
"Ein Buch, über dessen
Optimismus man sich wundern konnte. Vor allem spiegelte er die
Aufbruchstimmung der Nullerjahre und die Hoffnungen auf die
positiven Veränderungen, die das Internet für Kreative bedeuten
würde, wider. Ihm vorausgegangen war eine Reihe anderer
Publikationen, in denen dem Internet eine heilsbringende Wirkung
zugeschrieben wurde. Jeremy Rifkin beschwor Das Ende der Arbeit
herauf, David Brooks sah nur noch überall
Die Bobos und den Lebensstil der neuen Elite am
Werk."
Dagegen sieht DÜCKERS nun
Ausbeutung und Selbstausbeutung bei den Freiberuflern Hand in Hand
gehen. Freundschaft wird nicht wie in der Debatte um Wahlfamilien
als familienadäquates soziales Netz diskutiert, das den Abbau des
Sozialstaats ersetzen soll, sondern als Konkurrenz:
"Ein Scheitern führt nicht
selten zu einem Verlust nicht nur des Arbeitsfeldes, sondern auch
des Freundeskreises und der Intimbeziehungen. Das Private als
räumliche und zeitliche Ausruhzone ist weitgehend eliminiert
worden. Aus der (...) gefeierten Symbiose von Arbeit und Freizeit
wird oft einfach nur Arbeit in den eigenen vier Wänden bis nach
Mitternacht."
Wer die
Debatten der 1980er Jahren um die Alternativbewegung und
Das Ende der Alternativen noch kannte, der wäre auf solche
Illusionen einer Aufhebung der Trennung von Arbeit und Leben gar
nicht erst hereingefallen.
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KAUFMANN, Franz-Xaver (2016): Sozialstaat im gesellschaftlichen und
politischen Wandel,
in: Neue
Gesellschaft/Frankfurter Hefte,
Januar/Februar
"Die Verteilungskonflikte werden sich intensivieren, und vor allem die
Generationen der Rentner haben dabei schlechte Karten. Wenn die
Verzinsung von Sparkapital langfristig ungünstig bleibt, so erscheint
die auf dem Umlageverfahren beruhende gesetzliche Rentenversicherung
trotz der seit 1990 erfolgten Leistungskürzungen wieder in einem
günstigeren Licht. In dem Maße, als es uns gelingt, die zu uns
kommenden Flüchtlinge auf Dauer in unser Land und in den Arbeitsmarkt
zu integrieren, können sie als Beitrag zur Lösung unserer
demografischen Langfristprobleme wirken.
Allerdings gibt es keine Garantie gegen natürliche oder politische
Großkatastrophen. Und der soziale Ausgleich bleibt eine fortgesetzte
Herausforderung an die Politik. Aber entgegen allen Unkenrufen gehört
der Sozialstaat zu den stabilen und stabilisierenden Grundlagen
unseres Gemeinwesens",
erklärt uns
Franz-Xaver KAUFMANN, der im Jahr 2005 mit dem Buch
Schrumpfende Gesellschaft den damaligen Zeitgeist bedient hat.
Aber weder die zu hoch eingeschätzte Kinderlosigkeit, noch die hohe
Zuwanderung nach Ostdeutschland hat sich bislang bewahrheitet.
Außerdem ist KAUFMANN von einer bis 2010 wachsenden Bevölkerung und
danach beginnender Schrumpfung ausgegangen (vgl. 2005, S.39).
Eingetroffen ist das genaue Gegenteil! Zusammen mit Walter KRÄMER hat
KAUFMANN einen Tagungsband mit dem apokalyptischen Titel Die
demografische Zeitbombe (2015) herausgegeben. Der dramatisierende
Titel wird damit gerechtfertigt:
"Die Renitenz, mit der sich
Öffentlichkeit und Politiker noch immer weigern, dem Problem des
Nachwuchsmangels den ihm gebührenden Platz auf der politischen Agenda
zu gewähren, veranlasst die Herausgeber zu dem für eine
wissenschaftliche Veröffentlichung ungewohnt dramatisierenden Titel:
»Die demografische Zeitbombe - Fakten und Folgen des
Geburtendefizits«."
Angesichts der Tatsache, dass
Nationalkonservative
wie KAUFMANN, die der Argumentationslinie von Herwig BIRG folgen und
die Abschottung Deutschlands unter dem Motto "Zuwanderung schadet mehr
als sie nützt" betreiben, wäre das einzige Mittel den kommenden
Bevölkerungsrückgang abzufedern, die massive Steigerung der
Geburtenrate in Deutschland. Eine solche nationalkonservative Politik
der massiven Steigerung der Geburtenrate wird nicht nur auf Anreize,
sondern auch auf massive Zwangsmaßnahmen setzen (z.B. Elternwahlrecht,
Mütterquote, Rente nach Kinderzahl, Stigmatisierung Kinderloser usw.).
Die Prophezeiung der Intensivierung
von Verteilungskonflikte wäre also kein Ergebnis des demografischen
Wandels an sich, sondern Ergebnis der Demografisierung
gesellschaftlicher Probleme, die sich aus der Art des
nationalkonservativen Problemlösungsversuchs ergibt.
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GEOGRAPHISCHE
RUNDSCHAU-Thema:
Arbeitsmarkt und
demographischer Wandel |
FUCHS, Martina (2016):
Arbeitsmarkt und demographischer Wandel.
Steigende Lebenserwartung, Sicherung
der Renten und internationale Zuwanderung gelten als zentrale Fragen
zukünftiger Entwicklung in Deutschland. Wie sich dieser Wandel auf den
Arbeitsmarkt auswirkt, wird im wissenschaftlichen und öffentlichen
Diskurs kontrovers diskutiert. Dieser Beitrag begreift den Wandel als
Teil sich verändernder sozio-kultureller, wirtschaftlicher und
politischer Arrangements der Organisation menschlicher Arbeit,
in: Geographische
Rundschau,
Januar
BRUSSIG, Martin (2016):
Regionale Unterschiede im Rentenzugang.
Ausmaß und Ursachen,
in: Geographische
Rundschau,
Januar
BARTELS, Dania & Boris BRAUN (2016):Familienfreundlichkeit als
Standortfaktor.
Herausforderung für Kommunen und
Unternehmen,
in: Geographische
Rundschau,
Januar
HÖHMANN, Marc & Nina Kristin SIEBERNS (2016):
Qualifizieren, integrieren und attraktiv sein.
Der demographische Wandel als
Herausforderung für die kommunale Wirtschafts- und
Stadtentwicklungspolitik,
in: Geographische
Rundschau,
Januar
KLEIN, Oliver & Christine TAMÁSY (2016):
Fachkräftesicherung in der niedersächsischen Agrar- und
Ernährungswirtschaft,
in: Geographische
Rundschau,
Januar
REUM, Nicolas (2016):
Demographie und Qualifikation als Herausforderungen der
Fachkräftesicherung.
Das Beispiel Elektroindustrie in
Deutschland, Polen und den Niederlanden,
in: Geographische
Rundschau,
Januar
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SARREITER, Benedikt (2016):
Wo ist Zuhause?
Heimat ist in unserer mobilen Welt
zu einem diffusen Gefühl geworden. Doch wir brauchen so einen Ort zum
Glücklichwerden,
in: Neon,
Januar
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BUCHHOLZ, Jenny (2016):
"Trost suche ich
bei Kuscheltieren".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als
die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und
erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon,
Januar
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KLUY, Alexander
(2016):
Der Angst begegnen.
Drei Bücher kartieren die
Gefühlslandschaft Angst - der Evergreen der Emotionen ist vielleicht
aktueller und drängender denn je,
in: Psychologie
Heute,
Januar
Vor 15 Jahren erschien von Heinz
BUDE das Büchlein
Generation Berlin im Merve-Verlag. Es war eine Art
Anleitung für den Generationenkrieg, der die
Agenda 2010 begleitete. Darin beschreibt der Soziologe wie der
Definierer zum Prototyp aufsteigt und dadurch die Gesellschaft von
der Arbeitnehmergesellschaft der Bonner Republik zur Berliner
Republik einer Gesellschaft der unternehmerischen Einzelnen
umgebaut wird. Angst ist dadurch zum Motor dieses neuen Deutschland
geworden. Wenn von BUDE nun das Buch
Gesellschaft der Angst erschienen ist, dann ist das auch als
Zwischenbilanz dieses Umbaus zu lesen, an dem der Soziologe als
Stichwortgeber nicht unbeteiligt war.
"Der Optionsraum der neuen
Bundesrepublik kann vergangenheitspolitisch nicht mehr bewältigt
werden, sondern muß zukunftspolitisch gestaltet werden",
forderte BUDE im Jahr 2001.
Bevölkerungsvorausberechnungen können als prototypisch für die
zukunftspolitische Gestaltung à la Berliner Republik angesehen
werden, denn wo nichts mehr sicher ist, da erscheint die Demografie
als letzter Felsen in der Brandung.
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Ein kurzer
Jahresrückblick 2015 zu Sylvester
Die Mitte-Medien halten 2015 für
ein schlechtes Jahr. Möglicherweise wird man jedoch in 10 Jahren
dieses Jahr für ein gutes Jahr halten. Die Bevölkerung wächst, gegen
jegliche Prognose. Die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
von 2009 wurde
im April durch die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
ersetzt, die
nicht nur aufgrund der Zuwanderung,
sondern auch aufgrund des Geburtenanstiegs bereits zum
Veröffentlichungszeitpunkt von der Realität überholt worden ist.
Jahrelang sah das Institut für
Bevölkerungsforschung das Problem der stagnierenden Geburtenrate
einzig und allein in der zu hohen Kinderlosigkeit in Deutschland,
inzwischen gilt auch der
Rückgang des
Kinderreichtums als wichtiger Faktor.
Diese Ignoranz wurde auf
dieser Webseite bereits seit langem bemängelt.
Eine 65-Jährige
erwartete Vierlinge und fast die ganze Medienrepublik
verteufelte dies. Nichtsdestotrotz waren die Medien eifrig zur
Stelle, als
ein Wirtschaftsinstitut die Geburtenzahlen so schlecht rechnete,
dass Deutschland weltweit auf dem letzten Platz stand. Man hatte
einfach auch die 50-Jährigen und Älteren mitgezählt. Aus dieser
Sicht hätte die 65-jährige Mutter als Heldin verehrt werden müssen.
Fast eineinhalb Jahrzehnte
nachdem
auf single-dasein.de und single-generation.de über das
Phänomen der Family-Gentrifier geschrieben wurde, schafft es das
Phänomen unter dem Begriff "Family-Gentrification" in die
Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung.
Frankreich gilt vielen Deutschen als Geburtenparadies, während
die französischen Intellektuellen ihre Nation in den letzten Jahren
im Niedergang sahen.
Erstmalig
ist nun auch die Geburtenzahl in Frankreich zurückgegangen.
Vergleicht man die
Rentenversicherungsberichte der vergangenen 15 Jahre mit dem
aktuellen Rentenversicherungsbericht 2015, dann lag der
prognostizierte Beitragssatz in den letzten Jahren meist über dem
tatsächlichen Beitragssatz. Die 2014 beschlossene kostenintensive
Mütterrente, die nicht aus Steuern finanziert wird, sondern allein
von den Beitragszahlern getragen werden muss, obwohl es sich bei der
Kindererziehung um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt,
könnte die
Rentenfinanzierung in den nächsten Jahren mehr gefährden als der
demografische Wandel.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 15. - 31. Dezember 2015
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Bitte beachten Sie:
single-dasein.de ist nicht verantwortlich für die
Inhalte externer Internetseiten
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[ Homepage ] |
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