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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 01. - 09. März 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Geburtenrückgang in Deutschland wurde in erster Linie durch den Rückgang von Frauen mit drei und mehr Kindern verursacht

"Deutschland ist durch die Kombination aus hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären (Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte: Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die Kinderlosigkeit der dominierende Faktor".
(Martin Bujard & Detlev Lück "Kinderlosigkeit und Kinderreichtum", 2015, S.41)

 
       
       
   

RENNEFAZ, Sabine (2016): "Er will nicht erwachsen werden".
Auf der Suche nach Liebe (3): Der Berliner Mann: schlechter als sein Ruf. Kann nicht flirten. Hat keinen Job. Behauptet jedenfalls Carly Abramovitz,
in:
Berliner Zeitung v. 09.03.

 
   

KNUF, Thorsten & Ulrich Paul (2016): Volle Städte, leerer Osten.
In den Ballungsgebieten wird Wohnraum laut einer Studie bis zum Jahr 2045 noch knapper. Auswirkungen in Berlin besonders groß. Stadtentwicklungssenator Geisel trotzdem optimistisch,
in:
Berliner Zeitung v. 09.03.

Der Bericht der Berliner Zeitung über die Prognos-Studie Wohnen in Deutschland 2045 im Auftrag der Baufinanzierung der Allianz verschweigt jene Annahmen der Bevölkerungsprognose, die zu einem Anstieg der Bevölkerung auf 85 Millionen im Jahr 2045 führen. Auch die auf der Allianz-Website präsentierte Studie gibt keinerlei Auskunft über die angenommene Entwicklung der Geburtenrate oder der Lebenserwartung. Einzig beim Zuwanderungsüberschuss werden 3 Varianten vorgestellt:

Das Basisszenario geht von einer Abnahme der Zuwanderung von 2015 bis 2021 auf 200.000 aus. Dieses Szenario entspricht der Variante 2 bei stärkerer Zuwanderung der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes und würde bis 2045 bis zu einem Rückgang der Bevölkerung auf 77,7 Millionen führen. Da diese Zahlen fast identisch sind mit der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, gelten für die Prognos-Studie auch die gleichen Einwände.

Die mittlere Variante, die einzig in der Berliner Zeitung genannt wird, geht dagegen von einem Wanderungssaldo von jährlich 500.000 bis 2030 aus, der dann bis 2040 auf 300.000 zurückgeht. Die obere Variante geht sogar von einem jährlichen Wanderungssaldo von 650.000 bis zum Jahr 2045 aus. Dann würden im Jahr 2045 sogar 92 Millionen Menschen in Deutschland leben.

Der Wohnungsbedarf hängt jedoch nicht in erster Linie von der Bevölkerungsentwicklung ab, sondern von der Entwicklung der Lebensformen, die wie bei der Prognos-Studie meist nur über die Entwicklung der Haushaltszahlen geschätzt wird.

Angesichts der Tatsache, dass die Prognose von Haushaltszahlen über 30 Jahre noch unsicherer ist als Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung und frühere Studien zur Binnenwanderung von völlig falschen Annahmen ausgegangen sind, handelt es sich bei dieser Studie lediglich um die Interessenpolitik eines Akteurs auf dem deutschen Wohnungsmarkt, aber nicht um eine realistische Einschätzung der weiteren Entwicklung in Deutschland.     

 
   

MÖSKEN, Anne-Lena (2016): Ich liebe nur mich selbst.
Auf der Suche nach Liebe (2): Sie sind jung, schön und unzufrieden: Es wächst eine Generation heran, die sich nur noch um sich selbst dreht, sagt Michael Nast. Er gehört dazu,
in:
Berliner Zeitung v. 08.03.

RENNEFAZ, Sabine (2016): Der Kick nach dem Klick.
Auf der Suche nach Liebe (2): Erfahrungen: Man schreibt sich ganz viel, fühlt sich nah, und wenn man sich trifft, ist man sich fremd,
in:
Berliner Zeitung v. 08.03.

 
   
BERLINER ZEITUNG-Wochenthema: Liebe - ein Rechenspiel.
Sich verlieben muss kein Zufall sein. Ein Start-up in Kreuzberg errechnet mathematisch, bei wem es funkten könnte und bei wem nicht. Alles zum Thema Liebe, Familie oder Alleinsein im Wochenthema

REST, Jonas (2016): Der Algorithmus der Liebe.
Auf der Suche nach Liebe (1): In Kreuzberg errechnet die Online-Dating-Plattform eDarling, wann es zwischen zwei Menschen funkt,
in:
Berliner Zeitung v. 07.03.

Die Berliner Zeitung bietet unter der Rubrik Single-Hauptstadt Zahlen aus dem Mikrozensus. Dort heißt es:

"Was man zweifelsfrei sagen kann: Der Berliner wohnt tendenziell am liebsten allein: Mehr als die Hälfte der Berliner Haushalte, also über eine Million, besteht laut Mikrozensus 2014 aus nur einer Person"

Rechnen ist leider Glücksache! Die meisten Berliner wohnen in Mehrpersonenhaushalten, denn sonst hätte Berlin lediglich 2 Millionen Einwohner - wäre also idyllisch leer! Hinzu kommt, dass es mehr Haushalte als Wohnungen gibt, weil bei  Wohngemeinschaften meist jedes Mitglied als ein eigener Haushalt gezählt wird. Dies gilt gleichfalls für Paare, die nicht zusammenwirtschaften, aber zusammenwohnen und sonstige Lebensformen, bei denen die Mieter nicht zusammenwirtschaften.

Falsch ist auch, dass Singles identisch mit Ein-Personen-Haushalten oder Ledigen sind. Das stimmt nicht einmal für die rückständige Amtsstatistik. Als Einpersonenhaushalte zählen sowohl Haupt- als auch Nebenwohnsitze, während Alleinlebende (Singles) nur jene mit Hauptwohnsitz sind. Seit Einführung des Lebensformenansatzes zwischen 1996 und 2004 ist die Verwirrung um Singles nicht kleiner, sondern noch größer geworden. 

 
   

SCHIPP, Anke (2016): Stillst du noch? Bereust du schon?
Im Moment hat man das Gefühl, es gebe nur noch Mütter, die ihre Entscheidung am liebsten rückgängig machten. Die Debatte um "Regretting Motherhood" zeigt aber eher: Muttersein in Deutschland ist kein Privatvergnügen mehr,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.03.

Anke SCHIPPs Artikel ist prototypisch dafür, wie Identitätspolitik funktioniert - und wenn es um Familie geht, dann geht offenbar nichts an Identitätspolitik vorbei.

SCHIPP ist eine Gegnerin der Regretting Motherhood-Debatte in Deutschland, deshalb zielt sie auf den Lebensentwurf einer Vertreterin dieser Debatte ab:

"Orna Donath ist Ende dreißig und keine Mutter. Und sie will auch keine sein. Die israelische Soziologin hat sich gegen Kinder entschieden, weil sie ihr freies Leben liebt und so etwas wie einen Kinderwunsch nicht verspürt. Damit ist sie in Israel, wo Frauen durchschnittlich drei Kinder zur Welt bringen, eine Ausnahme. Immer wieder prophezeiten ihr Menschen deshalb, dass sie ihre Entscheidung eines Tages noch bereuen würde. Donath drehte daraufhin den Spieß um und suchte nach Müttern, die bereuen, Kinder bekommen zu haben."

Man kann das so lesen, dass man die Debatte um das Bereuen des Mutterseins nicht ernst nehmen muss, weil die Motive der Studie im Grunde nichts als die Selbstrechtfertigung des eigenen Lebensstils ist. Greifst Du meinen Lebensentwurf an, dann greife ich eben Deinen Lebensentwurf an. Dass diese Lesart auch die von SCHIPP ist, wird gegen Ende des Artikels klar, wenn sie schreibt:

"Schon überhaupt sich als Mutter zu definieren, kann ein folgenschwerer Fehler sein. »Mutterschaft und Kinderkult sind heute die effektivste Waffe gegen die Emanzipation«, schrieb Alice Schwarzer vor Jahren. »Feige, bequem und vermaust«, nannte Bascha Mika in ihrem Buch »Die Feigheit der Frauen« jene Mütter, die lieber Kinder großziehen als Karriere machen. Vielleicht geht es ihnen, wie auch der israelischen Soziologin Orna Dornath, um die Rechtfertigung ihrer eigenen Lebensentwürfe, die keine Kinder und weitgehende Selbstverwirklichung vorsehen. Sie kritisieren, dass Frauen eingeredet würde, Kinder gehören zum Frauenleben dazu."

SCHIPP will die Debatte in bevölkerungspolitisch ungefährliche Gefilden lenken: Nicht Reue, sondern Ambivalenz von Mutterschaft sei das Thema. Die Frage, warum die Debatte um die Studie von DONATH in Israel ausblieb, während sie in Deutschland ein großes Echo auslöste, muss man wohl mit der Selbstverständlichkeit von Mutterschaft in Israel bzw. der "Kultur der Kinderlosigkeit" in Deutschland erklären, so die Lesart von SCHIPP. Die Autorin sieht sogar Parallelen zur Abtreibungskampagne in den 1970er Jahren. Man könnte jedoch einwerfen, dass es kein deutsches, sondern ein deutschsprachiges Problem gibt: in keinem Land ist das Mütterbild derart umkämpft. Hier wird zu Recht von Mütterkriegen gesprochen. Und weil man sich nicht eingestehen kann, dass Kinderlosigkeit kein akzeptierter Lebensstil ist, denn unser sozialpolitisches System und bevölkerungspolitische Strategien zielen auf eine Null Toleranz-Politik hin, wird die Verteidigung des eigenen Lebensentwurfs in Zukunft noch schärfere Züge annehmen.

Anke SCHIPP jedenfalls setzt den Regretting Motherhood-Büchern von Sarah FISCHER und Orna DONATH das Buch Die Abschaffung der Mutter von Alina BRONSKY & Denise WILK entgegen, das noch nicht erschienen ist.

Ausgeblendet wird in diesen Mütterkriegen die Entwicklung der Arbeitswelt. Sowohl berufstätige Mütter als auch nicht-berufstätige Mütter sind entscheidend von diesen Entwicklungen der Arbeitswelt abhängig. So wurde z.B. in den 1990er Jahren angesichts des Zusammenbruchs der DDR-Wirtschaft die Berufstätigkeit von Müttern erschwert, während in den Nuller Jahren angesichts des kommenden Fachkräftemangels die Berufstätigkeit der Mütter erwünscht war. Was aber, wenn berufstätige Mütter wieder unerwünscht sind? So wird unter dem Stichwort Industrie 4.0 der Wegfall vor allem von Frauenarbeitsplätzen diskutiert. Ein Wunschdenken der Männerwelt? Tatsächlich werden in den Debatten um die Entwicklung der Familien viel zu selten die wirtschaftlichen Voraussetzungen diskutiert und die jeweiligen politischen Interessen reflektiert. Das ist der blinde Fleck einer solchen identitätspolitisch aufgeladenen Debatte.    

 
   

LEMBKE, Judith (2016): Drei Zimmer oder Vorstadt.
Was bedeuten steigende Mieten und Hauspreise für Familien in der Stadt? Ein Frontbericht,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.03.

 
   

TURZER, Caroline & Nanda SOMMERFELDT (2016): Die vergessenen Schulkinder.
Noch immer ist die Ganztagsbetreuung in deutschen Grundschulen stark ausbaufähig. Ein fataler Zustand in Zeiten des Fachkräftemangels,
in:
Welt v. 05.03.

 
   

AMENDT, Jürgen (2016): Woher kommst Du denn?
Erika Steinbach fürchtet das Aussterben der Deutschen. Ihr deshalb Rassismus vorzuwerfen, ist dennoch falsch,
in:
Neues Deutschland v. 05.03.

"Gut vorstellbar (...), dass es, sicherlich nicht schon 2030, aber möglicherweise 2040 oder 2050 ein Deutschland gibt, in dem kaum noch blonde Kinder leben, dafür viele mit türkischen Nachnamen und dunkler Haut (...). Vermutlich würden sich darüber nicht einmal mehr die politischen Nachfahren von Erika Steinbach echauffieren. So wie sich heute kaum ein deutscher Konservativer darüber aufregt, dass Steinbach Politikerin und kinderlos ist; seinen politischen Vorfahren wäre beides - die Politikerin Steinbach wie die kinderlose Ehefrau - vor 100 Jahren doch reichlich »undeutsch« vorgekommen", kommentiert Jürgen AMENDT.

AMENDT will erst jetzt in der Flüchtlingsdebatte einen Bezug auf die ethnische bzw. kulturelle Identität erkennen. Hat da jemand die Debatten seit der Jahrtausendwende verschlafen? Bereits die Debatte um die Kinderlosigkeit der westDEUTSCHEN Akademikerinnen und den Kinderreichtum der (ausländischen) Sozialhilfemütter trug Züge einer Biologisierung des Sozialen. Man sprach von Down-Breeding (Daniel BAHR, FDP) lange bevor Thilo SARRAZIN dies in Deutschland schafft sich ab auf seinen biologistischen Kern zuspitzte und dadurch die ach so scheinliberale Medienkaste bloßstellte. Das mediale Erregungspotenzial ist umso größer je weniger Differenzen es in der Sache gibt!

AMENDTs Anspielung auf die Kinderlosigkeit von Erika STEINBACH könnte man auch als gehässig interpretieren, denn die FALSCHE kinderlose Lebensform ist auch in jüngster Zeit durchaus noch für Politikerinnen ein Rechtfertigungsgrund gewesen. So erklärte die SPD-Politikerin Ute VOGT noch 2010 in einem SZ-Interview:

"Eine Frau muss in der Politik ganz andere Dinge beachten als ein Mann. Kein Mann muss sich dafür rechtfertigen, nicht verheiratet zu sein oder keine Kinder zu haben. Ich musste das schon".

Und wie war das mit Kristina KÖHLER, die für nicht wenige erst durch Heirat und Kinderkriegen zur vollwertigen Familienministerin wurde. Die Inszenierung der eigenen Familie ist insbesondere für Familienministerinnen - selbst in der Negierung - noch Ausweis der Befähigung oder Nichtbefähigung - je nach politischer Sichtweise.

Man könnte sogar sagen: Je weniger eine Politikerin dem herrschenden Familienideal entspricht, desto mehr muss sie ihre abweichende Lebensform verleugnen. Insbesondere in Zeiten, in denen jede kinderfreie Zone bis ins Letzte von den Medien ausgeleuchtet und beargwöhnt wird. Sollte sich der jetzige Geburtenanstieg nicht als nachhaltig erweisen, könnte ganz schnell wieder eine hysterische Stimmungslage wie Mitte der Nuller Jahre in Deutschland Einzug halten. Denn was passiert, wenn die jetzige "Flüchtlingskrise" gelöst ist und dafür DEUTSCHE Frauen wieder vermehrt an die Gebärfront sollen, weil das Aussterben der Deutschen wieder verstärkt auf die politische Agenda gesetzt wird? Man möchte sich dies in dieser hysterischen Medienrepublik, die von einem Monsterthema zum nächsten gehetzt wird, erst gar nicht vorstellen.

 
   

MANSKE, Alexandra (2016): Sternenstaub und Volkswirtschaft.
Kultur: Die Kreativwirtschaft galt lange als neoliberale Vorzeigebranche. Jetzt formiert sich Widerstand,
in:
TAZ v. 05.03.

"Gegen das Etikett »Kreativunternehmer« regt sich (...) einiger Widerspruch. In Zeiten steigender Preise, der Wohn- und Arbeitsraumverknappung lässt sich in der freien Kunst- und Kulturszene ein Politisierungsschub beobachten. Bei der neu artikulierten Künstlerkritik handelt es sich nicht um Einzelstimmen. Hier sprechen kollektiv organisierte AkteurInnen, die frustriert sind durch die sich verschärfenden ökonomischen Rahmenbedingungen – und verärgert über die Inszenierung von Kultur als Stadtmarketinginstrument",

meint die Soziologin Alexandra MANSKE. Bereits Anfang des Jahres befasste sich die Schriftstellerin Tanja DÜCKERS im Beitrag Kreativ, frei - und arm kritisch mit dem schönfärberischen Bild vom erfolgreichen Kreativen:

"Einem Beitrag mit dem Titel »Frei, aber arm« in der Sendung Monitor zufolge sind 15 % der deutschen Architekten arbeitslos. Etwa 30 % der freiberuflichen Architekten verdienen monatlich weniger als 1.250 Euro netto. Ähnlich ist die Lage von Journalisten und Rechtsanwälten: Frei Zeitungsjournalisten verdienen durchschnittlich 1.200 Euro netto im Monat".

Abgesehen davon, dass DÜCKERS Festanstellung und Fließbandarbeit zusammenbringt, was nur für die Arbeiter, aber nicht für die Büroangestellten galt, die das Gegenbild zur Digitalen Bohème abgab, werden außerdem die Massenproteste der 1960er und 1970er Jahre - also jene Situation vor dem Umbruch der Arbeitswelt seit Mitte der 1970er Jahre - als Vergleichsmaßstab phantasiert. Während noch vor kurzem von Vollbeschäftigung geträumt wurde, geht neuerdings das Gespenst der Industrie 4.0 um und damit das Ende vom Traum eines Fachkräftemangels den uns die schrumpfende Gesellschaft bescheren sollte.

 
   

SCHMERGAL, Cornelia (2016): Falscher Stolz.
Soziales: SPD-Chef Gabriel will Altersarmut bekämpfen und Kleinstrenten aufstocken. Doch das Projekt wird Bedürftigen kaum helfen
,
in:
Spiegel Nr.10 v. 05.03.

Cornelia SCHMERGAL kritisiert, dass Sigmar Gabriel seine Parteigenossin Andrea NAHLES in Zugzwang gebracht hat und deshalb die "solidarische Lebensleistungsrente" noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht werden soll. 400 Millionen Euro darf das Projekt kosten. Die Höhe darf 30 Entgeltpunkte nicht überschreiten. Dies würde in Geldbeträgen eine Mindestrente von ca. 880 Euro bedeuten. Netto blieben davon ca. 780 Euro. Dies läge mancherorts nur unwesentlich über der Grundsicherung im Alter. SCHMERGAL sieht lediglich den Vorteil, dass dies den "verschämten Alten" den Weg zum Sozialamt ersparen würde. Der Sozialbeirat der Bundesregierung bemängelt, dass wichtige Gruppen, denen Altersarmut drohen könnte, nicht in den Genuss der Rente kommen würden:

"Geringverdiener, die sich eine private Zusatzvorsorge nicht leisten können. Selbständige, die nie in der gesetzlichen Kasse versichert waren. Menschen, die immer wieder arbeitslos werden."

SCHMERGAL weist darauf hin, dass diese Gruppen auch bei der "Rente mit 63" und der Mütterrente leer ausgingen. Dies führt zeigt, das der von SCHMERGAL verwendete Begriff der "Rente mit 63" falsch ist und deshalb von "Rente ab 63" gesprochen werden müsste.

Zum Schluss zitiert die Autorin den Ökonomen Axel BÖRSCH-SUPAN, der in den Flüchtlingen diejenigen sieht, die das Rentenpaket (Rente ab 63 und Mütterrente) als Beitragszahler zukünftig finanzieren würden - falls ihre Integration in den Arbeitsmarkt gelänge . 

 
   

BORCHARDT, Alexandra (2016): Anne-Marie Slaughter über Planbarkeit.
Ihr Reisepensum ist nicht ganz so hart wie das ihrer ehemaligen Chefin Hillary Clinton, dennoch ist Anne-Marie Slaughter permanent unterwegs. Dabei wurde die Politologin doch berühmt mit einem Buch, in dem sie ihren Ausstieg aus der Karriere zugunsten der Familie beschrieb. Also: Wie ist das jetzt mit dem Arbeiten, dem Kinderhaben und der Planbarkeit von alledem?

in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.03.

 
   

FINKE, Björn (2016): Glück und Unglück.
Irland schreibt die Erfolgsgeschichte der Euro-Rettung. Doch viele Iren spüren nichts vom Wirtschaftswunder, die leiden unter dem jahrelangen Sparkurs der Regierung. Zu Besuch im Shamrock-Land bei Verlierern und Gewinnern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.03.

 
   

BEHNISCH, Ilja (2016): Der Liebes-Handwerker.
Informatiker, Coach und jetzt "Date Doktor": Emanuel Albert hat einen besonderen Blick auf Beziehungen,
in:
Tagesspiegel v. 04.03.

 
   

Ronja von Rönne - Wir kommen

BAYER, Felix (2016): Wir sind jung, wir sind schön, unsere Witze sind meta.
Sie ist das It-Girl des Berliner journalistisch-literarischen Komplexes: Ronja von Rönne schreibt SUV-Tests und über AfD-Demos, die Antifa nennt sie "antifeministische Feuilletonfresse". Nun erscheint ihr erster Roman. Taugt der was?
in: Spiegel Online v. 04.03.

 
   

VOLLMUTH, Hannes (2016): Der Entwarner.
Nahaufnahme: Thomas Straubhaar hält den Demografiewandel für überschätzt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.03.

Hannes VOLLMUTH berichtet über die Buchvorstellung Der Untergang ist abgesagt von Thomas STRAUBHAAR. Der Titel hält nicht was er verspricht. STRAUBHAAR gibt zwar zu, dass Prognosen über 50 Jahre unseriös sind, nichtsdestotrotz plädiert er für die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme, z.B. wenn er ein Elternwahlrecht fordert. Außerdem argumentiert er mit Zahlen aus dem Jahr 2050, die er angeblich für unseriös hält. Hier versucht jemand lediglich eine andere Sicht auf den demografischen Wandel vorzutäuschen. Offenbar soll mit dem Titel lediglich ein Publikum erschlossen werden, das Titeln der Apokalyptiker wie Die demographische Zeitbombe nichts abgewinnen kann.

Wer Begriffe wie "Alterungs-Tsunami" gebraucht, gehört jedoch in die Kategorie Apokalyptiker und nicht in die Kategorie "Entwarner". Auf dieser Website wurde bereits Anfang letzten Jahres darauf hingewiesen, dass die Apokalyptiker ihre Untergangsthesen lediglich den nicht haltbaren Prognoseszenarien angepasst haben. Nachdem der Bevölkerungsrückgang, der Mitte der Nuller Jahre allerorten vollmundig verkündet wurde, in den letzten Jahren einem starken Wachstum gewichen ist, wird nun nicht mehr mit Bevölkerungsschrumpfung argumentiert, sondern mit der Bevölkerungsalterung als Hauptproblem.

Seit neuestem wird auch das Gerede vom kommenden Fachkräftemangel in Zweifel gezogen. Unter dem Stichwort "Industrie 4.0" wird der Verlust von Arbeitsplätzen im Facharbeitersegment befürchtet. Roboterisierung und Digitalisierung erscheinen als Allheilmittel gegen schrumpfende Bevölkerungen. Auch Thomas STRAUBHAAR wendet nun dieses Argument gegen die Horrorszenarien schrumpfender Bevölkerungen.

VOLLMUTH bringt es auf den Punkt: Entwarnungen interessieren die Medien nicht. Sie wollen Horrorszenarien! Deshalb bewirbt z.B. die Welt das Buch mit der Schlagzeile: Deutschland droht die Diktatur der Alten. Untergang abgesagt?

 
   

BAUCHMÜLLER, Michael (2016): Die Stadt macht Platz.
Jährlich sollen etwa 350.000 Wohnungen entstehen, um Knappheit und hohen Mieten zu begegnen. Dabei könnten auch Flächen helfen, die bisher tabu sind,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.03.

 
   

EINECKE, Helga (2016): Wie Wohnen bezahlbar bleibt.
In Frankfurt am Main streiten die Parteien über die richtigen Wege zur Unterbringung von immer mehr Bürgern, während die Menschen über Luxuswohnungen schimpfen und über die Verdrängung aus angestammten Vierteln. Doch es bewegt sich was,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.03.

 
   

SCHMITZ, Peter Gregor u.a. (2016): Neue soziale Frage.
Flüchtlingspolitik: Deutschland fragt nicht mehr "Schaffen wir das?", sondern: "Wer soll das bezahlen?" Angeheizt vom Wahlkampfgetöse der Parteien droht ein Verteilungskampf Deutsche gegen Flüchtlinge,
in:
Wirtschaftswoche Nr.10 v. 04.03.

 
   

KULLMANN, Katja (2016): A - Z Journalistinnen.
Vorbilder: Sie streiten für die Freiheit, lästern übers Establishment, decken Korruption auf. Manch eine verliert dabei ihr Leben, andere werden zu "des denkenden Mannes Objekt der Begierde". Unser Kolleginnenlexikon zum Frauentag am 8. März,
in:
Freitag Nr.9 v. 03.03.

 
   

Orna Donath - Regretting Motherhood

LENZEN-SCHULTE, Martina (2016): Die Nabelschnur als Galgenstrick.
Macht Mutterschaft zufrieden, und wenn nicht, warum nicht? Orna Donath und Esther Göbel tun so, als suchten sie eine Antwort auf diese Frage - und hantieren doch mit dürftigen Belegen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.

 
   

RÖTZER, Florian (2016): Heiratsverhalten verstärkt in den USA die soziale Ungleichheit.
Es gibt zunehmend mehr Ehen zwischen Partnern mit gleichem Ausbildungsstand oder bei denen die Frauen besser gebildet sind und mehr verdienen,
in:
Telepolis v. 01.03.

 
   

EMMA-Schwerpunkt: Nicht als Mutter geboren

FISCHER, Sarah (2016): "Nur Mut, liebe Mutter, nur Mut!"
Buchauszug aus Die Mutterglück-Lüge,
in: Emma, März/April

GÖBEL, Esther (2016): "Wir müssen uns nur trauen".
Buchauszug aus Die falsche Wahl,
in: Emma, März/April

RUBNER, Jeanne (2016): "Ich bin halb Sheryl - und halb Anne-Marie",
in: Emma, März/April

DIEHL, Sarah (2016): "Meine biologische Uhr tickt nicht".
Buchauszug aus Die Uhr, die nicht tickt,
in: Emma, März/April

HAMMERL, Elfriede (2016): "Was hat der Feminismus mit den Frauen gemacht?"
in: Emma, März/April

 
   

SICHTERMANN, Barbara (2016): Die Welt der Frauen sind die Männer...
... die Welt der Männer ist die Welt. Warum Männer als Liebhaber im Film nicht so bedeutend sind, als Schurken jedoch hoch geachtet werden. Und warum selbst Pathologinnen im Labor in der Filmrolle immer tiefe Ausschnitte tragen müssen,
in: Emma, März/April

 
   
NIDO-Titelgeschichte: Kinderkriegen 2016.
Von Eizellspende bis Social Freezing - was heute alles möglich ist, und was das mit uns macht

SCHRÖDER, Catalina (2016): Es geht auch ohne Mann.
Was tun, wenn man Kinder möchte, aber einfach nicht den richtigen Partner findet? In Dänemark nehmen immer mehr Frauen das Kinderkriegen allein in die Hand - und lassen sich mit dem Sperma eines fremden Spenders befruchten. Es sind so viele, dass es für die Singlemütter schon einen Begriff gibt: Solomors,
in: Nido, März

 
   

KÖSTER, Roman (2016): Prognosen.
Ökonomiekolumne,
in: Merkur Nr.802, März

Roman KÖSTER beschreibt die Versuche der Wirtschaftswissenschaften ihre Prognosen zu verbessern, indem er einen Blick in die Geschichte der Wirtschaftsprognostik wirft. Hochzeiten der Prognostik wie den 1920er Jahren oder den 1960er und 1970er Jahren folgten immer wieder Perioden, in denen die Fehlprognosen zunahmen. Dies wäre nicht weiter tragisch gewesen, wenn die Disziplin nicht ihre Prognosefähigkeit als Nachweis ihrer wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit herausgestrichen hätte.

Heutzutage behauptet insbesondere die Bevölkerungswissenschaft, dass ihre Prognosen besonders treffsicher seien. Aber genauso wenig wie die Wirtschaftswissenschaften ist sie in der Lage Wendepunkte von Entwicklungen vorherzusagen.

Wenn die Treffsicherheit schwindet, dann wird einfach die Überlegenheit einer Methode gegenüber einer anderen behauptet, obwohl bei Prognosen die Annahmen wesentlich entscheidender sind als die angewandte Methode selber. Ausgeklammert wird bei KÖSTER die Tatsache, dass Prognosen oftmals nicht eine bessere Treffsicherheit zum Ziel haben, sondern der Rechtfertigung von Politik dienen.

Zuletzt plädiert KÖSTER für mehr Bescheidenheit bei der Behauptung der Prognosefähigkeit, denn sonst bestände die Gefahr, dass damit zugleich die Wissenschaftlichkeit der Disziplin in Frage gestellt werden könnte. Die Bevölkerungswissenschaft kennt solche Skrupel leider nicht, obwohl ihre Treffsicherheit derzeit angesichts der Unsicherheit bei den Wanderungsbewegungen mehr als bescheiden ist. 

 
   

ECKHARD, Jan/KOSSOW, Tom/STAUDER, Johannes/UNSÖLD, Laura (2016): Der deutsche Partnermarkt im Längsschnitt.
Die geschlechtsspezifische Variation der Partnermarktbedingungen im Lebensverlauf,
in: beziehungsweise, März

 
   

STEEG, Lena (2016): Mach dich abhängig.
Wir sind mit uns im Reinen, sind bindungswillig, wissen alles über Beziehungen - und scheitern trotzdem andauernd an der Liebe. Was läuft bei uns falsch?
in: Neon, März

 
   

BUCHHOLZ, Jenny (2016): "Ich hatte noch nie eine Beziehung".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon, März

 
       
 

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[email protected] Stand: 15. April 2016