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News vom
01. - 06. Dezember 2015
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Zitat
des Monats:
Die
Ambivalenz der Einsamkeit
"Einsamkeit
ist - anders als das schlichte Alleinsein - zunächst ein innerer
Gefühlszustand, der uns dann überkommt, wenn wir ganz auf uns
selbst gestellt sind. Ob dieser Zustand als leidvolle Vereinsamung
empfunden wird oder gar als Chance der Reifung und des
Unabhängigwerdens von sozialen Normen und Zwängen, ist dabei gar
nicht ausgemacht - und hängt vom individuellen
Erfahrungshintergrund dessen ab, der da einsam ist."
(Martin Hecht "Zum Glück allein",
Psychologie Heute, November 2015)
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AUTHALER, Theresa (2015): Hauptsache, nicht allein sein.
Immer mehr Menschen stehen im Alter
ohne Familie da. Die Angst vor der Einsamkeit verschafft Senioren-WGs
großen Zulauf. Auch die Politik hat gemerkt, dass sie sich der neuen
Form des Zusammenlebens annehmen muss,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.12.
"Als alleinstehende Frau ohne Kinder hat sie niemanden in der
Nähe, der nach ihr schauen könnte.
Menschen wie Brigitte Gietl sind ein Zeichen unserer
individualisierten Welt. Denn die
Generation der Babyboomer, die jetzt zwischen Mitte 50 und Mitte
60 ist, lebt anders als die Generationen vor ihr. Ein beachtlicher
Teil von ihnen wird im Alter voraussichtlich allein sein. Das
Deutsche Zentrum für
Altersfragen in Berlin führt den Deutschen Alterssurvey durch, in
dem 1996, 2002 und 2008 Menschen ab 40 befragt wurden. Die Ergebnisse
lassen deutliche Tendenzen erkennen: Während 1996 noch mehr als 80
Prozent der 40- bis 54-Jährigen verheiratet waren, waren es 2008 in
dieser Altersgruppe nur noch etwa 70 Prozent. Deutlich mehr Menschen
als zuvor waren ledig oder lebten getrennt oder geschieden. Zudem
haben immer weniger von ihnen Kinder:
2008 war fast jeder Fünfte kinderlos. Die, die Kinder hatten,
gaben vermehrt an, dass diese weit weg wohnten.
Die Befragten aus der Umfrage von 2008 entsprechen etwa der Generation
der Babyboomer.
»Bei
ihnen setzen sich Tendenzen fort, die sich davor schon bemerkbar
gemacht haben«,
sagt Institutsleiter Clemens Tesch-Römer. »Da die Babyboomer aber so
viele sind, wird das die Gesellschaft vor Herausforderungen stellen.«
Die amerikanische Forscherin Maria Torroella Carney hat dieses
Phänomen kürzlich für die amerikanische Bevölkerung untersucht und
ähnliche Entwicklungen festgestellt. Sie kommt zu dem alarmierenden
Schluss, dass mit den Babyboomern eine Generation altert, die
besonders verletzlich sein wird. Da ihnen das familiäre Netz fehle,
könne es sein, dass sie zu
»elder
orphans«,
also zu
Ȋlteren
Waisen«
würden",
berichtet Theresa AUTHALER über die
Zielgruppe für Senioren-WGs, wobei dieser Begriff falsch ist, denn im
Mittelpunkt der Reportage steht eine Hausgemeinschaft in Nürnberg.
Der Report Altersdaten
Familie und Partnerschaft in Alter von Sonja NOWOSSADECK &
Heribert ENGSTLER aus dem Jahr 2013 zeigt jedoch, dass der Anteil
weiblicher Alleinlebender früher in Westdeutschland höher war als
heutzutage. Aussagen über die Entwicklung von Familienständen sind in
Bezug auf das Zusammenleben wenig aussagekräftig.
Sozialwissenschaftlerinnen wie Andrea LENGERER gehen davon aus, dass
zukünftig im Alter mehr Menschen zusammenleben werden und weniger
allein. Von daher wäre es wichtiger das Zusammenleben jenseits der Ehe
zu unterstützen.
Bei dem medial gehypten Trend zur
Senioren-WG handelt es sich eher um eine Marketingkampagne:
"Laut einer Schätzung des
Bundesbauministeriums aus dem Jahr 2011 wohnt weniger als ein Prozent
der über 65-Jährigen in WGs oder selbstorganisierten
Gemeinschaftshäusern",
schreibt AUTHALER. Bei einem
solchen Artikel darf Henning SCHERF als Promoter von Senioren-WGs
natürlich nicht fehlen.
Das Zusammenleben scheitert
vielfach an einer Gesellschaft, die eheorientiert ist und deshalb
andere Formen des Zusammenlebens schlicht ignoriert. Der SPD-Politiker
Sascha VOGT kämpft deshalb für die rechtliche Anerkennung von
Lebensformen jenseits von Haushalt und Ehe.
Es erstaunt, dass unsere
Gesellschaft zwar bereits jahrzehntelang über Subsidiarität und
Eigenverantwortung schwadroniert, aber unfähig ist die gelebte
Realität jenseits von Ehe und Haushalt rechtlich anzuerkennen.
Es ist gerade einmal 7 Jahre her, dass endlich Kinder auch jenseits
der Ehe statistisch erfasst wurden.
Bis dahin ging die amtliche Statistik von der politisch gesetzten Norm
aus, dass Kinder nur in Ehen geboren werden sollten. Die
Bevölkerung interessierte dies jedoch nicht - schon gar nicht in
Ostdeutschland. Die Folge war eine gravierende Fehleinschätzung der
tatsächlichen Kinderlosigkeit in Deutschland.
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BREITKOPF, Laura (2015): Lohnt sich heiraten?
Was sich liebt, das tut sich
zusammen. Denn stabile Beziehungen zahlen sich aus. Mit Trauschein
noch mehr als ohne,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.12.
"Fast 55 Prozent der Deutschen über
18 Jahre sind verheiratet, rund 386000 Paare haben im vergangenen Jahr
den Bund der Ehe geschlossen. Warum haben sie sich dazu entschieden",
fragt Laura BREITKOPF und verweist
erst einmal auf den Lieblingsökonomen der Verteidiger der
traditionellen Familie: Gary BECKER, der jedoch gar nicht die Ehe,
sondern das Zusammenleben in einem Haushalt als den eigentlichen
Vorteil betrachtet:
"Beckers Definition der Ehe kommt
(...) ganz ohne Gang zum Standesamt aus. Als verheiratet sieht er
schlicht Paare an, die einen gemeinsamen Haushalt bilden."
BREITKOPF verwendet für Haushalte
Unverheirateter den altmodischen Begriff "wilde Ehe". Um das Für und
Wider des Nutzens der Ehe ökonomisch zu erklären, muss BREITKOPF auf
ökonomische Anreize wie z.B. das Ehegattensplitting zurückgreifen, das
lediglich die traditionelle Arbeitsteilung verstärkt und somit zum
Anstieg der Haushalte Unverheirateter beiträgt.
Aber offensichtlich sind BREITKOPF
die ökonomischen Theorien zur Ehe nicht ausreichend, um ihre Leser von
der Ehe zu überzeugen, weswegen sie auf empirische Daten zurückgreift,
die angeblich die Vorteile der Ehe belegen sollen:
"Verheiratete Paare geben weniger
Geld für Alkohol- und Tabakkonsum aus als solche ohne Trauschein.
(...).Verheiratete sind laut Glücksforschern auch insgesamt
zufriedener als unverheiratete Paare - und diese sind wiederum
glücklicher als Singles."
Familienstände sind nicht in der
Lage moderne Lebensformen zu homogenen Gruppen zusammenzufassen, d.h.
die Heterogenität des Single-Daseins könnte so groß sein, dass z.B.
zwischen zwei Single-Gruppen größere Unterschiede beim Glück und bei
der Gesundheit bestehen könnten als zwischen Verheirateten und einer
Single-Untergruppe.
Darauf verweisen z.B. neuere psychologische Forschungen aus Neuseeland.
Die Ehe ist für gut gebildete,
berufstätige Frauen weniger vorteilhaft, weswegen BREITKOPF nur
Einkommensvorteile für die Männer erwähnt:
"Außerdem verdienen verheiratete
Männer im Schnitt mehr als ihre Kollegen, die in wilder Ehe leben".
Fazit: Nicht für alle Menschen ist
die Ehe vorteilhaft, ganz davon abgesehen dass Scheidungen bzw. der
Tod des Ehepartners die Vorteile einer Ehe ins Gegenteil wenden
können. Deshalb
wurde z.B. Reina BECKER zur Gegnerin des von BREITKOPF gelobten
Ehegattensplittings.
WEIGUNY, Bettina
(2015): "Ein Ehevertrag? Im Leben nicht".
Schauspieler Michael Gwisdek über
seine zwei glücklichen Ehen, den Kampf ums Geld und die häuslichen
Pflichten einer Ehefrau,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.12.
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PETERSDORFF, Winand von
(2015): Die verdammten Immobilien.
Der Sonntagsökonom: Reiche
Hausbesitzer schirmen ihre Viertel ab. In Amerika haben sie damit
Erfolg,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.12.
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WELT
AM SONNTAG-Titelgeschichte:
Warum wir so einsam
sind.
Die Furcht
vor dem Alleinsein ist das dominante Gefühl der Zeit.
Bindungsängste und Nomadentum im Job treiben immer mehr Menschen
in die Isolation |
GASCHKE, Susanne (2015):
Zu oft allein.
Weihnachten rückt näher für alle Einsamen die schrecklichste Zeit
des Jahres. Susanne Gaschke nähert sich einem Leiden, das immer mehr
Menschen in unserer hochmodernen Gesellschaft kennen. Ein bisschen
Hoffnung freilich gibt es,
in:
Welt am Sonntag v. 06.12.
Susanne GASCHKE ("Die
Emanzipationsfalle") liefert einen 08/15-Artikel ab, der ohne
empirische Daten zur Einsamkeit in Deutschland auskommt.
Stattdessen werden US-amerikanische Soziologen wie David RIESMAN ("The
Lonely Crowd") und Richard SENNETT ("Der
flexible Mensch") zitiert. Aus der
Entwicklung der Einpersonenhaushalte und der Scheidungsziffern
wird kurzerhand auf Einsamkeit geschlossen. Während im
aktuellen Psychologie Heute-Heft,
Einsamkeit als Mangel an "Einsamkeitsfähigkeit" beschrieben wird,
bleibt GASCHKE dem altmodischen Gemeinschafts-Paradigma der
Soziologie verhaftet. Sowohl die Psychologisierung als auch
die Gleichsetzung von Einsamkeit mit objektiven Indikatoren
blendet die Demographisierung gesellschaftlicher Probleme aus und
die damit verbundene Normierung der Sichtweisen auf
gesellschaftliche Phänomene.
Warum erscheinen gehäuft
Einsamkeits-Artikel vor Weihnachten, obwohl Einsamkeit an keine
bestimmte Zeit gebunden ist, sondern an individuelle Situationen?
Die Familie gilt insbesondere in Zeiten der Demographiepolitik als
Wert, der für alle in Form der
Kernfamilie gelebt werden sollte.
Tatsächlich ist dies ein enger Familienbegriff, der z.B. Freunde
oder andere Wahlfamilien ausschließt. In diesem Sinne wären
solche Artikel über Einsamkeit Teil des Problems: Sie erzeugen
mithin erst Einsamkeitsgefühle.
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KAUFMANN, Laura
(2015): "Unverbindlichkeit ist ein ziemlicher Trend".
Online-Partnerbörsen: Eine Abfuhr
per Dating-App ist nicht so blamabel wie im analogen Leben. Bei Tinder
entscheidet die Wischrichtung, ob es überhaupt zum Date kommt. Und
manchmal ist der Chatpartner nur ein Dienstleister,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.12.
"München ist berühmt für seine Singledichte. Und obwohl somit
genügend los sein sollte auf dem Markt, tun sich diese Singles
schwer. Laut Statistik sind 54,5 Prozent aller Haushalte
Ein-Personen-Haushalte, was zwar alleinlebende Rentner und auch
Pärchen in getrennten Wohnungen einschließt, aber einen guten
Indikator abgibt. Tendenz: Steigend",
meint Laura KAUFMANN. In München
wirtschafteten
gemäß Münchener Statistik im Juni 2014 lediglich 436.696
Münchner allein (Hier
wird nicht von Alleinlebenden gesprochen, denn dieser Begriff ist
irreführend). Das sind nur 30,5 % der Münchener (1,431 Millionen
Personen mit Hauptwohnsitz). Es herrscht zudem Frauenüberschuss
unter den Alleinwirtschaftenden (ca. 12.000 mehr Frauen als Männer).
Bei den 30-39-Jährigen wirtschaften zwar 51.706 Männer allein, aber
nur 38.603 Frauen. Dieser Männerüberschuss wird jedoch schnell zum
Frauenüberschuss, wenn man die ca. 24.000 Alleinerziehenden dazu
nimmt, die es in München gibt (Männer mit Kind sind dagegen eine
kleine Minderheit). Bei den 60-Jährigen und Älteren gibt es unter
den Alleinwirtschaftenden sogar einen extremen Frauenüberschuss:
82.856 Frauen stehen nur 41.885 Männern gegenüber.
Fazit: Einpersonenhaushalte sind
ein schlechter Indikator für Partnerlose/Partnersuchende. Zumindest
Alter und Geschlecht sind als Informationen wichtig. Im mittleren
Lebensalter müssen auch Alleinerziehende mitberücksichtigt werden
und im jüngeren Alter sind auch Nesthocker nicht vernachlässigbar.
Hinzu kommt, dass auch in einer Beziehung Lebende dem Partnermarkt
zur Verfügung stehen und die sexuelle Orientierung nicht
vergessen werden darf.
Journalisten machen es sich also
entschieden zu einfach, wenn sie das Problem der Partnersuche auf
die Bindungsunlust bzw. -unfähigkeit bzw. die Art der Partnersuche
reduzieren. Das Etikett "Single-Hochburg" - allein an der
Haushaltsgröße festgemacht - täuscht eine Auswahl vor, die in dieser
Form nicht wirklich existiert.
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PRANTL, Heribert (2015): Das Mitmutter-Problem.
Viele Staaten erkennen in lesbischen
Ehen zwei Frauen als Eltern an. Das wirkt sich auf deutsches Recht
aus,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.12.
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BRENER, Galia
(2015): Die besten Flirt-Locations,
in:
Journal Frankfurt v. 04.12.
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STALA BADEN-WÜRTTEMBERG (2015): Neue Bevölkerungsvorausrechnungen:
Hohe Zuwanderung schwächt Alterungsprozess der Gesellschaft ab.
Die Zahl der Hochbetagten in
Baden‑Württemberg könnte sich dennoch innerhalb von vier Jahrzehnten
annähernd verdreifachen,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg v.
03.12.
Nach nur 18 Monaten legt das
Statistische Landesamt Baden-Württemberg eine erneute
Bevölkerungsvorausberechnung vor.
Im Gegensatz zur
letzten Bevölkerungsvorausberechnung, bei der bis 2060 noch mit
einer Geburtenrate (TFR) von 1,4 Kindern pro Frau gerechnet wurde,
wird nun mit einem Anstieg auf 1,5 Kinder pro Frau gerechnet.
Dies liegt immer noch unter der Geburtenrate (CFR) der Anfang der
1970er Jahren geborenen Frauen. Zur Begründung heißt es:
"Die Geburtenrate lag im
vergangenen Jahr bei durchschnittlich 1,46 Kindern je Frau. 2013
lag diese Kennziffer im Südwesten bei 1,41 und im Jahr 2012 bei
1,39. Damit war die Geburtenrate im vergangenen Jahr so hoch wie
seit 1997 nicht mehr. Ursächlich für diesen Anstieg könnte unter
anderem die deutlich verbesserte Kinderbetreuung im Land sein.
Desweiteren könnten hierfür auch die in letzter Zeit sehr
günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit einem Höchststand
an Erwerbstätigen und einer relativ geringen Arbeitslosenquote im
Land eine Rolle spielen. Aufgrund dieser aktuellen Entwicklung
wurde für den Vorausrechnungszeitraum ein leichter Anstieg der
Geburtenrate auf 1,5 Kinder je Frau unterstellt. Außerdem wurde
bei den altersspezifischen Geburtenraten angenommen, dass der seit
Jahrzehnten zu beobachtende Trend, dass die Frauen ihre Kinder
tendenziell später bekommen, sich in den kommenden 10 Jahren
fortsetzen wird."
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BRACHAT-SCHWARZ, Werner (2015): Privathaushalte in Baden-Württemberg:
Wie könnte sich ihre Zahl und Zusammensetzung künftig entwickeln?
Ergebnisse einer Modellrechnung bis
zum Jahr 2050,
in:
Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg, Dezember
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PSYCHOLOGIE
HEUTE-Titelgeschichte: Zum Glück allein.
Warum Sie bei sich selbst gut
aufgehoben sind |
NUBER, Ursula
(2015): Editorial,
in:
Psychologie Heute, Dezember
Ursula NUBER setzt
Singles mit Alleinlebenden gleich. Bei aller vorgestellter
Heterogenität wird jedoch die große Zahl der Paare ohne gemeinsamen
Haushalt ignoriert, denn diese
moderne, mobile Lebensform passt nicht zum Bild des typischen
Alleinlebens, das ein Produkt der 1990er Jahre ist.
Die Zahlen, die NUBER präsentiert
stammen vom
Sommer 2012, d.h. dem Mikrozensus 2011. Das war nicht der letzte
Mikrozensus wie NUBER erzählt, aber es war der Letzte, der die Zahlen
zu Alleinlebenden mundgerecht für Journalisten servierte. Die letzten
verfügbaren Zahlen stammen vom Mikrozensus 2014. Demnach ist der
Anteil der Alleinlebenden fast gleich geblieben: Gab es im Jahr 2011
ca. 19,64 % Alleinlebende, so sind es im Jahr 2014 ca. 19,7 % (Anstieg
von 15,898 auf 15,997 Millionen Alleinlebende). Die Zahlen aus dem
Jahr 2011 sind jedoch nicht zensuskorrigiert.
Seit Mitte der Nuller Jahre hat im
Mainstream der deutschen Gesellschaft ein
Paradigmenwechsel in Sachen Alleinsein bzw. Einsamkeit
stattgefunden. Darauf deutet das Phänomen "Mangel an
Einsamkeitsfähigkeit" hin, das NUBER erwähnt. War in der hysterischen
Debatte um die
Single-Gesellschaft in den 1980er/1990er Jahren oftmals Einsamkeit
auf soziale Isolation reduziert worden, so gilt Einsamkeit neuerdings
als selbst verschuldet:
"Situationen des Alleinseins können
auch für Menschen, die in festen sozialen Bindungen leben, eine
Herausforderung sein, die sie nicht immer gut bewältigen.
Alleinsein zu können ist eine Kompetenz, an der es vielen Menschen
mangelt".
Einsamkeit wird zur Ressource bzw. zum Regulationsmechanismus im
Zeitalter des Selbstunternehmers.
HECHT, Martin (2015): Zum Glück allein.
Die Bibel hat recht "Es ist nicht
gut, dass der Mensch allein sei." Einsamkeit ist kein schöner Zustand.
Doch oft gerät in Vergessenheit: Alleinzeiten sind Voraussetzung für
ein erfülltes Leben. Sie sind Oasen in der Wüste der
Dauerverbundenheit,
in:
Psychologie Heute, Dezember
"Sucht man nach einer positiven
Begleitung (...), wird man eher bei der Philsophie als bei der
Psychologie fündig (...). Letztere sah bislang im Menschen in erster
Linie ein Beziehungswesen und stufte einen Mangel an Bindung zu jedem
Lebenszeitpunkt als problematisch ein",
merkt NUBER zum Beitrag von Martin
HECHT an, der sich der Thematik kulturgeschichtlich nähert:
"Einsamkeit wurde ursprünglich
nicht ausschließlich mit einem bedrückenden Zustand in Verbindung
gebracht. Das mag daran liegen, dass die Verlusterfahrung von
Gemeinschaftsformen noch nicht so virulent erlebt wurde wie in der
Gegenwart. Kulturgeschichtlich gerät die Einsamkeit erst mit dem
Beginn der Moderne unter Generalverdacht, und zwar in dem Maß, in dem
die Bande der traditionellen Gesellschaft zerreißen und den Menschen
in Vereinzelung zurücklassen."
Nicht so sehr die Psychologie - wie
NUBER behauptet - , sondern die Soziologie in Verbindung mit der
Psychoanalyse hat das Alleinsein bzw. die Einsamkeit unter
Generalverdacht gestellt. Der Aufstieg und Niedergang der einseitig
wahrgenommenen Individualisierungsthese von Ulrich BECK geht einher
mit der Blickverengung auf die soziale Isolation und die negative
Sicht auf Einsamkeit. Die große Ausnahme war in dieser Zeit der
Beitrag
Solitäre Enklaven von Peter GROSS, der die positive Sicht auf
das Alleinsein/die Einsamkeit hervorhob. Am Beispiel des Alleinreisens
wurde dieser Ansatz
hier gewürdigt.
Während Martin HECHT im Jahr 2000
noch dem
Verschwinden der Heimat in der Offline-Gesellschaft
nachtrauerte, muss nun die Online-Gesellschaft als Ursache mangelnder
Einsamkeitsfähigkeit herhalten. Wenn Einsamkeitsfähigkeit jedoch auf
eine psychische Kompetenz bzw. Ressource reduziert wird, dann geraten
die
gesellschaftlichen Verhältnisse einer neoliberalen Gesellschaft der
Selbstunternehmer aus dem Blick.
TRÄGER, Eva-Maria (2015): Ich bin nicht allein, ich habe ja mich.
Alleinsein ist für viele ein Übel,
das unbedingt zu meiden ist. Wer den Alleingang scheut, mag sich
sicher fühlen - er nimmt sich damit aber auch die Chance auf wertvolle
(Selbst-)Erfahrungen,
in:
Psychologie Heute, Dezember
Eva-Maria TRÄGER widmet sich der Frage, warum wir so ungern alleine
ausgehen bzw. alleine reisen, obwohl wir uns dadurch wichtige
Erfahrungen entgehen lassen. Welche Ängste halten Singles bzw.
Partnersuchende von Aktivitäten außer Hause ab (mehr auch
hier und
hier)? Befürchten wir das negative Urteil der Anderen zu Recht
oder leiden wir unter Wahrnehmungsverzerrungen?
Verschafft uns das Alleinreisen nicht wichtige neue Erfahrungen?
Liegen die Ursachen unseres Unwohlseins in der Kindheit. Können wir
das Alleinsein erst genießen, wenn unsere Grundbedürfnisse gestillt
sind, wie das z.B. der Psychologe Abraham MASLOW annimmt, oder ist
nicht vielmehr entscheidend, ob unser
Alleinleben als mehr oder weniger
freiwillig erlebt wird?
SIECKMANN, Katharina (2015): Warum Single?
Die Zahl der Menschen, die allein
leben, steigt stetig. Nicht immer ist diese Lebensform aus freien
Stücken gewählt, wie eine soziologische Studie zeigt,
in:
Psychologie Heute, Dezember
Im Zeichen der Demographisierung
gesellschaftlicher Probleme vollzieht sich die
Umdeutung des Begriffs "Single" vom Alleinwohnenden zum Partnerlosen.
Anhand einer bevölkerungspolitisch motivierten Untersuchung von
Jan ECKARD, über die
hier bereits im
März berichtet wurde, nennt Katharina SIECKMANN 5 Faktoren, die zum
Anstieg der Partnerlosigkeit geführt haben sollen: Frauen sind nicht
mehr auf einen Ernährer angewiesen, Flexibilitätserfordernisse des
Arbeitsmarktes, Partnermarktengpässe, kindliche Scheidungserfahrungen
und die Pluralisierung der Lebensformen.
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YANG, Xifan (2015):
Revolution der
Liebe.
Die Gesellschaft in China verändert
sich rasend schnell und damit auch die Spielregeln des Zusammenseins.
Die Liebe wird freier. Aber leider auch wahnsinnig kompliziert,
in: Neon,
Dezember
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DILLIG, Annabel
(2015): Neues Spiel, neues Glück,
Ausgerechnet im
Hightech- und Videospielzeitalter werden so viele Brettspiele
erfunden wie nie zuvor. Die erfolgreichsten Entwickler sind jung, hip
- und deutsch. Aber was ist das überhaupt: ein gutes Spiel?
in: Neon,
Dezember
Annabel DILLIG berichtet u.a. über "Socialmatch"-Veranstaltungen in
Deutschland:
"Der eigentliche Grund für den Boom
von Gesellschaftsspielen lässt sich vielleicht ganz leicht am Namen
ablesen: Es geht ums Soziale. Womöglich erkennen wir erst im Jahr 2015
- weil wir den ganzen Tag auf Displays glotzen - wie wertvoll es ist,
mit Freunden um einen Tisch zu sitzen und zwei Stunden lang nichts
anderes zu tun, als zu spielen und zu lachen. Oder, noch besser: mit
Fremden, die schnell zu Freunden werden.
Aus genau diesem Gefühl heraus entstand die Idee für das Start-up von
Valentin und Patrick: Wie wäre es, ein Spiel zu entwickeln, das Spaß
macht und gleichzeitig als Kennenlern-Event funktioniert? Ein
Kneipenspiel für Leute, die neu in der Stadt sind, ein Angebot für
Single. Valentin und Patrick nannten das Spiel »Socialmatch«.
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BUCHHOLZ, Jenny (2015):
"Ich schnüffle
gerne Klebstoff".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als
die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und
erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon, Dezember
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 09. - 30. November 2015
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