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News vom 16. - 22. November 2002
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Spruch
des Monats:
"Vereinfacht
formuliert gibt es unter den sogenannt »Alleinlebenden« eine Art
sozialer Polarisierung: Auf der einen Seite finden sich unter
den Alleinlebenden - und dies gilt primär bei Männern -
beruflich-sozial klar desintegrierte Menschen, und es ist
beispielsweise diese Gruppe sozial desintegrierter
alleinlebender Männer, welche - etwa im Vergleich zu
gleichaltrigen verheirateten Männern - ein
überdurchschnittliches Sterblichkeitsrisiko aufweisen. Auf der
anderen Seite findet sich unter den Alleinlebenden - und dies
gilt primär bei Frauen - um eine bedeutsame Gruppe hoch
integrierter, beruflich-sozial hoch kompetenter Menschen. Das
Alleinleben bei dieser Gruppe ist ein spezielle Form des
beruflich-sozialen Erfolgs."
(Elisa Streuli
in
"Alleinleben in verschiedenen Lebensphasen" 2002) |
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- FRANKFURTER RUNDSCHAU (2002): Die
Benachteiligungen berufstätiger Frauen werden erweitert.
Das Hartz-Konzept und die großen Verliererinnen. Ein Appell mehrer
Frauenorganisationen,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.11.
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KNIPPHALS, Dirk (2002):Wir sind die Hagenströms.
Die Buddenbrooks und die aktuellen Erzählungen vom deutschen
Niedergang,
in: TAZ v. 22.11.
- Kommentar:
KNIPPHALS definiert Deutschland in Anlehnung an die
Münchner Yuppie-Soziologie als "Gesellschaft der
Sozialaufsteiger".
Er sieht sich deshalb von "Hagenströms"
und nicht von niedergehenden "Buddenbrooks" umzingelt.
Die "günstigste Verteilung des
erwirtschafteten Reichtums" und nicht die Verarmung von "Familien
mit altem Geld" sind deshalb für KNIPPHALS das Problem dieser
Republik.
Hätte sich KNIPPHALS jedoch nicht nur
mit den "Erzählungen der Soziologie", sondern mit der soziologischen
Empirie befasst, dann wüsste er, dass erstens eine Elitenforschung
oder gar eine Soziologie der Oberschicht in Deutschland so gut wie
inexistent ist, denn das Lieblingssujet der Soziologen sind die
"gefährlichen Klassen".
Folgt man den wenigen Empirikern und
nicht den sprachgewaltigen Popsoziologen, dann ist
Deutschland im Kern eine geschlossene Gesellschaft. Die
Sozialaufsteiger tummeln sich stattdessen am Rande in Politik und
Medien. Das dadurch entstehende Getöse mag darüber hinwegtäuschen,
dass die "aufwärtsmobile Gesellschaft" in erster Linie eine Fiktion
ist. Die nicht im Scheinwerferlicht der Medien stehen, die
sieht man eben nicht...
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Kommentar:
Der Rheinische Merkur hat eine elternfreundliche und
singlefeindliche Lösung für den herbeigesehnten Generationenkonflikt
zu bieten.
Singlefeindlich heißt hier, dass Junge und Alte zu
Menschen zweiter
Klasse mit weniger Rechten werden sollen.
Das Familienwahlrecht wird als das ideale Instrument propagiert.
Dies kann als Versuch interpretiert werden, die
Verhältnisse im vormodernen "Ganzen Haus" auf die ganz anders
geartete Familie in der halbmodernen Gegenwart zu übertragen.
PETROPULOS, Kostas (2002): Neue Balance gesucht.
Familienwahlrecht. Eine Lösung für den Generationenkonflikt,
in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 21.11.
-
KÜHNE, Hartmut (2002): Paul Kirchhoff: "Die Rechtsordnung ist
zukunftsoffener",
in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 21.11.
- Kommentar:
Paul KIRCHHOFF propagiert das Familienwahlrecht als
Herrschaftsinstrument von Eltern über unmündige Kinder und
verantwortungslose Jugendliche sowie Alte:
"Wenn wir das Stimmengewicht von
Eltern stärken, so rücken wir den Gedanken in den Vordergrund,
dass diese Menschen mehr Verantwortung für die Gesellschaft tragen
als andere."
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MAINZER, Harry (2002): Aus Berlin nur leere Versprechungen.
Sozialpolitik. Karlsruhe hat familienfreundliche Reformen
gefordert. Doch die Regierung handelt nicht,
in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 21.11.
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WÜLLENWEBER, Walter (2002): Die Last mit den Alten.
Konflikt der Generationen. Die Jungen klagen an! Rentenbeiträge,
Krankenversicherung, Steuern - die Belastung wird unerträglich. Ihre
Eltern hinterlassen ihnen einen hochverschuldeten, abgewirtschafteten
Staat. Gleichzeitig bedienen sie sich rücksichtslos weiter. Eine
zornige Abrechnung,
in: Stern Nr.48 v. 21.11.
- Kommentar:
Die Ausgangslage von
Walter WÜLLENWEBER ist simpel:
"Es geht um die entscheidende
Auseinandersetzung der kommenden Jahre: Ihr gegen uns. Ihr, das sind
vor allem die Jahrgänge von Helmut Kohl (1930) bis Gerhard Schröder
(1944). Und wir, das sind die Babyboomer und ihre kleinen
Geschwister, geboren zwischen Ende der 50er und Anfang der 70er
Jahre. Ihr verabschiedet euch gerade in den Ruhestand. Wir sind
dabei, den Laden zu übernehmen".
Danach rechnet WÜLLENWEBER die
Sünden der 68er- und Flakhelfer-Generation auf, um ihnen
"Generationen-Egoismus" vorzuwerfen, denn die "Goldene Generation"
hat dafür gesorgt, dass gerade ihre und NUR ihre Generation nicht
von Altersarmut beroht ist.
Am Ende steht ein läppischer
Appell über den die angesprochenen Generationen nur lächeln werden:
"Wir kämpfen gegen den Abstieg in
die zweite Liga.
Und dabei brauchen wir eure Hilfe, euren letzten, euren ersten,
euren einzigen Dienst an uns. Erstens: Arbeitet länger! Vergesst den
Schwachsinn mit dem Vorruhestand und zahlt noch ein paar Jahre in
das System ein. Zweitens: Haltet euch raus! Stellt euch nicht weiter
quer bei allen Reformen. (...). Ihr werdet aber nicht nur bei der
Rente abgeben müssen, sondern überall. Auch im Gesundheitswesen, in
dem ihr die meisten Kosten verursacht, können wir euch nur noch das
Notwendige bezahlen. (...). Und wenn euch die neuen Regeln mal weh
tun, dann rennt nicht gleich zur Demo vors Brandenburger Tor. Denn
eins ist klar: Alle Regierungen zittern vor euch. Ihr seid so viele,
wenn ihr nur böse guckt, knicken die Warmduscher in der Politik
sofort ein. Ihr habt auch in Zukunft noch die absolute
Verhinderungsmacht. Aber bitte, wendet sie nicht an. Verkneift euch
das.
Probiert einfach mal etwas komplett Neues: Seid fair!"
WÜLLENWEBER ist zudem
vorzuwerfen, dass er keine wirklichen Alternativen aufzeigen kann.
Seine neoliberalen Forderungen führen noch bevor der von ihm
befürchtete Generationenkonflikt akut werden kann, - nämlich erst in
20-30 Jahren - zur Rückkehr der Klassengesellschaft, d.h. die
soziale Ungleichheit INNERHALB einer Generation wird ungleich höher
werden als die Ungleichheit ZWISCHEN den Generationen, die
WÜLLENWEBER hier beschwört.
Nur wenn soziale Gerechtigkeit
UND Generationengerechtigkeit berücksichtigt werden, ist ein
Zusammenleben jenseits des Kriegs zwischen Klassen und Generationen
auch in Zukunft möglich.
- GERWIEN, Tilman (2002): Gewinner und
Verlierer.
Für jüngere Jahrgänge wirkt die Rentenversicherung wie eine
Kapitalvernichtungsmaschine, für die Alten wie ein Sparbrief,
in: Stern Nr.48 v. 21.11.
- Inhalt:
Nach GERWIENs Recherchen sind alleinstehende Männer
ab Jahrgang 1950 und alleinstehende Frauen ab Jahrgang 1970 bei der
Rentenversicherung im Minus.
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- BRAUCK, Markus (2002): Verkalkuliert.
Die 30-Jährigen schimpfen,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.11.
- Inhalt:
Der 1971 geborene Diplom-Theologe - wie
Susanne
LEINEMANN und
Katja KULLMANN zu einer "Generation im Wartestand"
gehörend - beklagt die selbstgefällige Debatte um
Generationengerechtigkeit, in der
die Jungen plötzlich den Alten ihr
jahrelanges Sicherheitsbestreben und ihre Politik der
Besitzstandwahrung vorwerfen, das die "Generation Golf" zugunsten
der eigenen Karriere über Bord geworfen hat.
Jetzt herrscht Katzenjammer, denn: wir
"haben uns zu sehr an die Ellenbogen gewöhnt, um jetzt noch den
Schulterschluss üben zu können". Die unpolitische Generation muss
erkennen:
"Wir haben uns verhoben an unserer
Vorstellung von einer Gesellschaft, die Politik nicht mehr braucht.
Egal, was auch immer geplant wird, so haben wir gedacht, ohne uns
kommt man doch sowieso nicht aus. Doch da haben wir uns, wenn nicht
alles täuscht, verkalkuliert."
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BRENNPUNKT: "Aufruf zur konservativen Revolution"
Deutschland siecht. Eine
konservative Koalition aus Medien von der "Bild"-Zeitung bis zur "FAZ"
ruft deshalb den "nationalen Notstand" aus. Die Kampagnen zielen auf
ein Ende des herrschenden Systems und sind reich an Verweisen auf die
Weimarer Republik - aber arm an Alternativen,
in: TAZ v. 21.11.
- Kommentar:
Was bei Single-dasein.de bereits
vor zwei Tagen pointiert zu lesen war, damit beschäftigt sich
die TAZ nun ausführlich in Form eines Brennpunkts.
Es geht dabei jedoch "nur" um den
antidemokratischen Affekt , während das "Tabu"-Thema
Bevölkerungspolitik ausgeklammert wird.
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SEMLER, Christian (2002): Reden vom Notstand.
Wo alarmistische Rhetorik herrscht, dort ist es mit der
sachlich-politischen Auseinandersetzung vorbei,
in: TAZ v. 21.11.
- Inhalt:
SEMLER stellt BARINGs Argumentation in die
Tradition des Denkens von Carl SCHMITT.
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BOLLMANN, Ralph (2002): Panik im Krittelstand:
Wenn es sogar dem Feuilleton wirtschaftlich an den Kragen geht,
dann ruft es eben auf die Barrikaden,
in: TAZ v. 21.11.
- Inhalt:
BOLLMANN interpretiert die Artikel von
BARING und GEYER in der
FAZ als Ausdruck einer "Panik des Mittelstand" (Theodor Geiger),
wie es sie zuletzt in den 20er und 30er Jahren der Weimarer
Republik gab:
"Das alles liest sich wie der Hilferuf
einer »verlorenen Generation«".
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KNIPPHALS, Dirk (2002): Streben nach Aufstand.
Der Ruf nach einer Revolution stellt das Wesen der Republik in
Frage - aber Alternativen gibt es keine,
in: TAZ v. 21.11.
- Inhalt:
KNIPPHALS stellt die Debatte unter das Motto
"Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand"
von Rolf Dieter BRINKMANN:
"Was derzeit zu erleben ist, ist der Ansatz
eines Schulterschlusses der
Geiz-ist-geil-Generation, die gerade die Reize des Sparens
entdecken muss und wenig Anreize hat, weiterhin für die Renten der
älteren Generation aufzukommen, mit den konservativen Kadern,
denen nicht nur die ganze Richtung des rot-grünen Weiterwurstelns
nicht passt. Sondern auch des ja ebenso vorhandenen
Weiterwurstelns in seiner CDU/CSU-Variante. Die Verweise auf die
Ermattung aller
politischen Parteien und auf das Scheitern der Konsensmodelle
im Ganzen sind ja nicht zufällig."
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- MÜLLER, Lothar (2002): Der Weg ins
gemeine Unglück.
Hysterie oder Selbstblockade: die Rückkehr der deutschen Malaise,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.11.
- Kommentar:
Lothar MÜLLER befürchtet einen Rückfall in die
Lagermentalität der 70er Jahre und beklagt den fehlenden
intellektuellen Nachwuchs bei der SPD:
"Ihr fehlt ein intellektueller Nachwuchs, der
ihre Selbstmodernisierung als Partei des sozialen und auch
demographischen Krisenmanagements konzeptionell vorantreiben könnte."
Da trifft es sich doch gut, dass just
Gustav SEIBT schon einmal die Logik der
Generationengerechtigkeit dargelegt und ihre politische
Brauchbarkeit für ein demographisches Krisenmanagement demonstriert
hat.
Ansonsten ist die SZ jedoch über das
wiederholte Beklagen des "demographischen Schicksals" und die
Präsentation von Lösungen aus der Mottenkiste nicht hinausgekommen.
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- JOFFRIN, Laurant (2002):
Sommes-nous tous devenus réacs ?
Insécurité, famille, école, mœurs...
in: Nouvel Observateur
Nr.1985 v. 21.11.
- LANCELIN, Aude & Fabrice PLISKIN (2002):
Les pavés anti-68.
Est-ce la fin de l’hégémonie intellectuelle de la gauche ?,
in: Nouvel Observateur Nr.1985 v. 21.11.
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- BUDE, Heinz (2002): Ihr
Helden und wir Leute.
Augstein und Unseld sind tot. Die Generation der heute 40-Jährigen
trauert um sie - und auch ein wenig um sich selbst. Denn die Jungen
bringen keine unverwechselbaren Biografien mehr hervor,
in: Tagesspiegel v. 20.11.
- Kommentar:
Neue Weinerlichkeit und Heroisierung
kennzeichnen den Nachruf des Generation-Berlin-Frontkämpfers auf den
Deutschen Herbst 2002.
Der Selbstunternehmer
Heinz BUDE bringt sich gegen die 68er-Generation in Stellung,
indem er die Kriegsteilnehmer in gute Soldaten wie Helmut SCHMIDT,
Rudolf AUGSTEIN,
Siegfried UNSELD sowie Reinhard MOHN ( = Annahme der
innerstaatlichen Kriegserklärung) und böse Flakhelfer wie Hans
Magnus ENZENSBERGER, Hans-Dietrich GENSCHER,
Niklas LUHMANN und Peter BÖNISCH ( = BRD als historisches
Abbruchunternehmen) auseinanderdividiert.
Dies gipfelt im Fluch der
Schicksalslosigkeit,
die er seiner Generation
verordnet:
"Von niemandem von uns wird man sagen
können: »Er war unser Held«. Wir haben unsere Positionen, pflegen
unsere Aversionen und probieren unsere Sachen. Aber schon wird über
uns gesagt, dass wir zwar smart, energisch und selbstkritisch sein
könnten, aber dass man jeden einzelnen von uns auch wegdenken kann.
Das ist die Grund der Trauer, die uns heute befällt: Was Augstein,
Unseld und die anderen uns voraushaben, ist ein Schicksal, das man
nicht beiseite schieben kann."
Sein Generationsgenosse
Gustav SEIBT hat dagegen das Schicksal seiner Generation
entdeckt, das der nun vaterlose BUDE nirgends erblicken kann.
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- SEIBT, Gustav (2002):
Genuss & Verzehr.
Generationengerechtigkeit: Zur Logik eines Begriffs,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.11.
- Kommentar:
Nach kurzer Simulation eines
Lagerkampfes kehrt die SZ heute wieder zur alten Form zurück.
Der Baby-Boomer
Gustav SEIBT hat im Gegensatz zum Generationsgenosse
Heinz BUDE sein Schicksal gefunden:
"Die Generation (...) ist ein
naturhaftes Faktum, ein soziales Schicksal, aus dem niemand
ausbrechen kann. Schicksalhaft ist die Teilhabe an einer Generation
in mehrfacher Hinsicht: Zunächst durch das Geburtsdatum, an dem kein
Mensch rütteln kann; sodann durch den demographischen Kontext, also
den Umfang der Alterskohorte, den man sich ebenfalls nicht aussuchen
kann. Zusammen mit seiner Alterskohorte muss jeder Mensch durch die
Zeit reisen, und wenn er sich tausendmal sagt: Schon unsere Zahl ist
Frevel. Die soziale Herkunft mag man mit Fleiß, Begabung und Glück
zur Not hinter sich lassen. An seine Generation bleibt jedermann
sein Leben lang gefesselt."
Angesichts des
demografischen Schicksals sieht SEIBT dem Fluch der
Generationengerechtigkeit ins Auge:
"Die heute Siebzigjährigen sind im Krieg groß geworden, und
sie haben danach mit unerhörter Tatkraft jenen Wohlstand geschaffen,
in dem die heute vierzigjährigen Babyboomer und ihre noch
verzärtelteren Geschwister von der Generation Golf aufwuchsen. Nach
solchen Leistungen kann sie der Kampfbegriff der
Generationengerechtigkeit nicht ernstlich treffen.
Doch
in zwanzig, dreißig Jahren wird die Generationengerechtigkeit
ein ganz anderes Gesicht annehmen. Dann wird eine Altersgruppe
massenhaft in Rente gehen, für die Pietät zu empfinden wenig Anlass
besteht – sie hat ja nicht einmal für Kinder gesorgt. Vor allem wird
sie, wenn sich nicht bald am Renten- und Gesundheitssystem etwas
ändert, jede wirtschaftliche Tätigkeit ihrer wenigen Nachkommen
ersticken. Der Begriff der Generationengerechtigkeit verspricht dann
ein unerfreuliches Konfliktpotential zu entfalten. Wenn nichts
passiert, dann werden um 2040 die Generationen einander nicht nur
feindlich gegenüberstehen, sondern dazu noch mit dem Gefühl
subjektiven Rechts; schließlich kann kein Einzelner etwas dafür,
wenn er einem geburtenstarken oder einem geburtenschwachen Jahrgang
angehört."
Um es gar nicht so weit kommen
zu lassen, beschreibt SEIBT die Vorzüge eines Generationenkriegs,
indem er die Symbolik des Begriffs Generationengerechtigkeit
genüsslich ausmalt:
"Die dem Solidaritätsbegriff
zugrundeliegende Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit ist auf die
Gegenwart fixiert (...).
Mit der Idee der Generationengerechtigkeit wird ein ganz anderer
Schnitt durch die Gesellschaft gelegt. Altersgruppen erscheinen nun
ähnlich voneinander separiert wie soziale Klassen, und man könnte in
Analogie zu den überkommenen ständischen Begriffen vom Lernstand,
Arbeitsstand und Ruhestand sprechen, wenn man Jugendliche,
Erwachsene und Alte meint. Noch böser ist, wer dem einen
Erwerbsstand zwei Verzehrsstände gegenüberstellt. Die politische
Kraft solcher Begriffe beruht auf ihrer Bildhaftigkeit. Sie lassen
sich illustrieren mit Bildern des Mangels (...) : Braungebrannte
Rentner schunkeln auf Mallorca, während – Schnitt! – verarmte
kinderreiche Familien mit übergroßen Einkaufswägen durch
Billigsupermärkte rollen."
SEIBTs
Neue-Mitte-Strategie gipfelt also im Krieg der Familien gegen
Singles.
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SCHELLER, Benjamin (2002): Die Toten fraßen die Lebenden.
Fehlende Generationengerechtigkeit ließ das Kloster Cluny vor 850
Jahren zum Auslaufmodell werden,
in: Welt v. 19.11.
- Kommentar:
Während es die FAZ mit plumpen
Frontalangriffen versucht, liebt es die Welt
geschichtspolitisch.
Wer in der Bruderschaft von Cluny
nicht die Neue-Mitte-Bruderschaft wiedererkennt, der lebt jenseits
dieser Neuen Mitte als Teilnehmer der Armenspeisung:
"Petrus Venerabilis war verzweifelt. Die
große, berühmte Klostergemeinschaft von Cluny, zu deren Abt man ihn
1122 gewählt hatte, war verarmt. (...).
Zeitgenössischen Quellen zufolge versorgte das Kloster an bestimmten
Festtagen bis zu 17 000 Arme. (...). Es waren frühere Generationen,
die den Mönchen diese Last aufgebürdet hatten. Sie war die Folge
eines Solidarsystems".
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- BERGER, Peter A. (2002): Soziale
Unterschiede auf hohem Niveau.
Jenseits von Schichten und Klassen? Alte und neue Ungleichheiten in
einer wohlhabenden Gesellschaft,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.11.
- Kommentar:
Die Frankfurter Rundschau eröffnet im Forum
Humanwissenschaften einen neuen Themenschwerpunkt zum komplexen
Verhältnis von "alten" und "neuen" sozialen Ungleichheiten.
Der
Ungleichheitsforscher Peter A. BERGER führt auf
Erstsemesterniveau in die Geschichte der soziologischen
Ungleichheitsforschung im Nachkriegsdeutschland ein.
Man lernt hier alle wichtigen
Namen der Neuen-Mitte-Soziologie, die sich rund um die
Individualisierungsthese des
Münchner Pop-Soziologen Ulrich BECK gebildet hat. Es verwundert
deshalb auch kaum, dass die beiden "Soziale Welt"-Sonderhefte zur
Ungleichheitsforschung 1983 und 1990 als Wendepunkte derselben
propagiert werden.
Dass es hier auch um eine
Positionierung in der Kontroverse Familien contra Singles geht, wird
an folgenden Ausführungen deutlich:
"Gerade im Bereich von Familie
und Haushalt zeichnen sich möglicherweise wirklich »neue«
Ungleichheiten ab: nämlich die zwischen Familien mit Kindern, wobei
Kinder in den unteren Einkommensbereichen mittlerweile als
»Armutsrisiko« gelten, und den so genannten »dinks« (double income -
no kids); einige sozialwissenschaftliche Beobachter sprechen schon
von einer drohenden »Polarisierung« zwischen familienorientierten
(Ehen bzw. Partnerschaften mit Kindern bzw. Alleinerziehende) und
erwerbsorientierten Lebensformen (Paare ohne Kinder bzw.
Alleinlebende). Dass der Geburtenrückgang in Deutschland Folgen für
die Systeme der sozialen Sicherung haben wird, ist mittlerweile
allgemein bekannt. Unklar ist aber, ob sich hier zugleich »neue«
Ungleichheiten zwischen den Generationen ausbilden, die
möglicherweise verstärkt werden durch jene Ungleichheiten, die aus
unterschiedlichen Chancen zur privaten Vermögensbildung und
-vererbung resultieren."
Man kann davon ausgehen,
dass zur Zeit an diversen Universitäten am Abschied von der "Wohlfühl"-Soziologie
der 90er-Neue-Mitte-Jahre gearbeitet wird...
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- HÖRL, Erich (2002): Über einen kürzlich
erhobenen apokalyptischen Ton.
Die entfesselte Sprache der Krise: Warum es uns so schlecht geht in
diesem Land, dass wir selbst unseren Satirikern das Lachen verbieten
müssen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.11.
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- BARING, Arnulf (2002): Bürger, auf die
Barrikaden!
Deutschland auf dem Weg zu einer westlichen DDR,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.11.
- Kommentar:
Die Pop-FAZ schickt ihren ergrauten Flakhelfer
an die Front, um gegen die Spassgesellschaft zu wettern,
die mit ihren Plebisziten (= Stimmabgabe bei
Wahlen) die gemütliche Friedhofsruhe der alten Eliten stört.
Ansonsten lernen wir, dass Tabus jene
Themen sind, die ausführlich in den Elitenblättern der Republik
debattiert werden und die aus jedem öffentlich-rechtlichen Fernseh-
und Radiokanal die dreckige Atmosphäre zusätzlich verschmutzen.
Wer heutzutage den Begriff
"demographischer Wandel" noch nicht bis zum Überdruss satt hat
(inklusive der immergleichen Experten mit ihren Lösungen aus der
Mottenkiste), dem wird er von BARING nochmals mit dem Zaunpfahl
nahegebracht.
Wenn jemand wie BARING so offenkundig
offene Türen eintritt, dann fragt man sich, ob es sich hier nicht um
den zutiefst verzweifelten Versuch von Identitätspolitik in einem
sich längst überlebten Milieu handelt.
Da kann wohl nicht einmal
mehr Harald SCHMIDT etwas retten...
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MISIK, Robert (2002): "Rot-Grün verpatzt die Chancen",
in: TAZ v. 18.11.
- Kommentar:
Anlässlich seines neuen Buches "Macht und Gegenmacht
im Zeitalter der Globalisierung" darf der
Soziologe Ulrich BECK seine altbekannten Ansichten wiederholen.
Eine ausführliche
Kritik des Sprachmagiers BECK hat Volker STORK bereits vor
längerer Zeit vorgelegt.
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- LEHNARTZ, Sascha (2002):
Freundlicher Aufruf zur Revolte.
Finden Sie, daß es so weitergehen kann? Wollen Sie nicht mitmachen
beim Systemwechsel? Ein Terminvorschlag,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.11.
- Kommentar:
Der Feuilleton-Revoluzzer LEHNARTZ ruft zur
Revolte vor dem Kanzleramt am 23.11.2002 auf.
Seine Bibel ist das
"Zwanzig-Punkte-Programm für Beschäftigung und Wachstum", das die
neoliberale Expertenrunde, die umständlich "Sachverständigenrat zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" bezeichnet
wird, im Volksmund nur als "fünf Weise" bekannt. Dem Kanzler
attestiert er eine "déformation professionelle", die bereits KOHL
kennzeichnete.
Für die Zukunft sieht LEHNARTZ
schwarz, denn er kennt die falschen Leute:
"Fragt man einige Leute, was ihrer
Meinung nach mit Deutschland in 100 Jahren sein wird, antworten die
Pessimisten: Es wird dieses Deutschland so nicht mehr geben,
weil nicht wir, sondern die Migranten die Kinder bekommen haben. Die
Optimisten antworten: Es wird uns nicht mehr geben, weil wir uns in
Europa integriert haben. Beide Visionen beschreiben eine
Auflösung der Gemeinschaft. Von einem Volk aber, das sich
vorstellt, es löse sich in Zukunft auf, kann man nicht ernsthaft
erwarten, daß es sich in irgendeiner Form für diese Zukunft
engagiert."
Das größte Erfolgshindernis für eine
Revolte sieht LEHNARTZ in der Bahnpreisreform ("kundenverachtende
Tarif- und Reservierungssystem"), weswegen er noch kurz vor der
Reform zur Revolte aufruft...
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- ALBRECHT, Jörg (2002): Seid fruchtbar, zahlt
Rente.
Von den Klassikern lernen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.11.
- Inhalt:
ALBRECHT definiert den Menschen lohnerwerbs- und
bevölkerungstechnokratisch: "Aus ökonomischer Sicht wäre es (...)
wünschenswert, wenn die Menschen mit dreißig geboren würden und mit
sechzig freiwillig abträten".
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- LAAK, Dirk van (2002): Die zornigen Alten.
In der vertrauensseligen Gemütsruhe des Sozialstaates taten sich
Rentner und Junge lange Zeit nicht weh. Jetzt aber droht Streit,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.11.
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- HÜSTER, Wiebke (2002): Geld oder Liebe?
Wie geben Paare das getrennte oder gemeinsame Einkommen aus? Geht
es gerecht dabei zu?,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.11.
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HACHMEISTER, Lutz (2002): Eine Elite ohne Bewusstsein.
In Zeiten der Medienkrise erweist sich das Personal der Branche als
kopflos. Zu sehr sind die selbstgefälligen Damen und "Herren
Journalisten" aus der Nach-68-Generation in politische und ökonomische
Machtinteressen eingebunden,
in: TAZ v. 16.11.
- Kommentar:
Eine überfällige und noch viel zu harmlose
Abrechnung mit dem selbstgefälligen
Neue-Mitte-Betroffenheitsjournalismus:
"Gängige Bilder von
Journalisten als unstete Gesellen, rasende Reporter, verkappte
Sozialrevolutionäre oder auch als Schreibknechte im Dienst des
kapitalistischen Systems verzerren die Wirklichkeit - Journalisten
sind in ihrer Weltsicht und Kommentierung eher darauf aus, den
eigenen Status in der gehobenen
Mittelschicht oder als
bourgeois bohemian zu wahren, als dass sie in irgendeiner
Weise aus dem Rahmen der formierten Wohlstandsgesellschaft
herausfielen."
HACHMEISTER
beschreibt die "Elitepublizistik" als
eine Publizistik, die "politisch-publizistische Lager simuliert und
fügt abschließend hinzu:
"Fraglich ist auch,
ob der wohlig im spätbürgerlichen Zentrismus eingerichtete
Prestige-Journalismus die Entfremdung breiter Bevölkerungsschichten
von den formaldemokratischen Ritualen überhaupt mitbekommt. Seit
geraumer Zeit scheinen ihm selbstbezügliche Feuilleton-Scharmützel
und medienwirtschaftliche Positionskämpfe wichtiger als die
nüchterne Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Realität."
Da
Lutz HACHMEISTER selber zur Elitepublizistik der Neuen Mitte
zählt, muss natürlich gefragt werden, ob dieser Artikel nicht auch
Teil der beklagten selbstreferentiellen Feuilleton-Scharmützel ist
und deshalb nur einer Neupositionierung des "Neue-Mitte-Regierungsblatts"
TAZ dient.
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- GEYER, Christian (2002): Es nervt.
Ruin einer Deutungsmacht: Harald Schmidt verfehlt den Ton,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.11.
- Kommentar:
Die FAZ ist tief in der Krise und GEYER darf
diese Krise eines niedergehenden Milieus zum "nationalen Notstand"
aufblasen!
Man darf die nachfolgenden Sätze
deshalb als Hilferuf an Harald SCHMIDT interpretieren:
"Seine Show, bislang die
gültige Instanz der Bundesrepublik zur satirischen Begleitung des
Zeitgeschehens, hat vermutlich als allerletzte von den
Deutungsmächten unseres Landes zu befürchten, in die
Milliardenlöcher des wackeren Hans Eichel zu plumpsen. (...).
Natürlich steht nirgendwo geschrieben, daß sich Satire nicht auch am
Genre des nationalen Notstands abarbeiten dürfe, also durch Spott,
Ironie, Übertreibung die Protagonisten des politischen
Abrißkommandos kritisieren und verächtlich machen soll."
Harald SCHMIDT, übernehmen Sie den Fall FAZ!
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- HARMS, Ingeborg (2002): Die Postmoderne
träumt schlecht.
Blick in deutsche Zeitschriften: Der Schock der Moderne fördert den
Haß auf falsche Idyllen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.11.
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- POTTHOFF, Antje (2002): Ich habe nie
abgetrieben.
Schwanger? Schon wieder? Wie kann man nur. Dabei prdigen Emanzen
und Ärzte doch einhellig, wie leicht das zu vermeiden wäre. Antje
Potthoff hat sechs Kinder - und ist sehr glücklich,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.11.
- Kommentar:
Die Frankfurter Rundschau wird zum Abklatsch der
Süddeutschen Zeitung! Früher gab es das Mutterkreuz, heute dürfen
sich kinderreiche Mütter in den krisengeschüttelten Tageszeitungen
inszenieren.
Willkommen im Club der schönen Mütter!
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Thema des Tages: Reform des Arbeitsmarkts
- JACOBI, Robert (2002): Clements
Gesetz.
Der Minister beharrt darauf, die Hartz-Vorschläge "eins zu eins"
umzusetzten - doch das ist unmöglich,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
- JACOBI, Robert (2002): Gleiches Geld
für gleiche Arbeit.
Leiharbeiter keine Billiglöhner,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
- JACOBI, Robert (2002): Singles müssen
umziehen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
- Inhalt:
Im Familienblatt heißt es zum
Umzugszwang für Singles lapidar:
"Der Umzugszwang gilt nicht, wenn
»familiäre Bindungen« bestehen. Dieser Ausdruck wird nicht
konkretisiert, sodass die Arbeitsämter einen weiten
Ermessensspielraum haben, was die Regel entwerten könnte. Der
Gesetzgeber beruft sich auf den Schutz von Ehe und Familie nach
dem Grundgesetzes. Singles sollen dagegen umziehen."
- JACOBI, Robert (2002): Selbständig
statt arbeitslos.
Ich-AG und Mini-Jobs sollen Schwarzarbeit eindämmen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
- JACOBI, Robert (2002): Fördern oder
in Rente schicken.
Widersprüchliche Ideen zum Umgang mit älteren Arbeitslosen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
- JACOBI, Robert (2002): Gutschein für
die Bildung.
Arbeitsamt bezahlt Lehrgänge, Fahrkosten und Verpflegung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
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- NIEMANN, Norbert (2002): Niederbayern.
Deutsche Landschaften (5). Ländliche Entwicklung - Genau hier
vermutete der Oberdadaist Johannes Baader "Omphalos", den Nabel der
Welt. Der Dichter Herbert Achternbusch wusste es genauer: In Plattling
ist das Nichts,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
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Norbert Niemann - Schule der Gewalt
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BRUNS, Gabriele (2002): Und das ganz
andere Gedöns.
Um die Gleichberechtigung von Frauen steht es noch immer nicht zum
Besten. Doch im Kampf gegen den Mann an sich und seine
patriarchalischen Strukturen wird das nicht zu ändern sein. Moderne
Frauenpolitik ist Politik mit Männern,
in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
- Kommentar:
BRUNS fordert eine Politik für die Generation Golf bzw.
die Generation Ally.
BRUNS stellt der alten
Betroffenheitskultur der 70er-Jahre-Frauenbewegung die neue
Betroffenheitskultur der Töchtergeneration entgegen. Frauen sollen
sich nicht mehr als Opfer sehen, sondern sind Täter. Die
Kinderlosenbewegung der 70er Jahre soll einer Mütterbewegung weichen:
"Schwerpunkt einer neuen
Geschlechterpolitik muss der Rollenwandel im familiären Bereich sein."
BRUNS möchte unter dem Stichwort "Gendermainstreaming"
bzw. "Geschlechterdemokratie" Männern jene Hausarbeit schmackhaft
machen, die Frauen gerne abtreten würden.
Warum Hausmänner keine Lust auf ihr
Dasein haben, auch wenn BRUNS das gerne hätte, das haben
HEINZEN & KOCH bereits Mitte der 80er Jahre beschrieben:
"Jutta unterschätzte meine Arbeit,
und das kränkte mich. Mich kränkte auch, daß an manchen Abenden,
während sie auf einer Gewerkschaftssitzung war, immer nur sie am
Telefon verlangt wurde. Und wenn sie dann spät nach Hause kam, hätte
ich gern etwas über das Leben draußen erfahren, aber ich wollte sie
nicht danach frage, weil es sich wie Kontrolle angehört hätte. Ich
hoffte, sie würde von sich aus etwas erzählen, aber sie war müde und
ärgerte sich, daß kein Bier mehr im Kühlschrank war."
Solange attraktive Frauen
Karriere-Machos wie Gerhard SCHRÖDER und Joschka FISCHER den
"neuen Vätern" vorziehen, solange wird Gendermainstreaming ein
schlecht absetzbares Produkt für ewige Außenseiter sein.
-
Thomas Gesterkamp - "neue Väter" und die New Economy
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MACKROTH, Petra & Malte RISTAU (2002):
Die Rückkehr der Familie.
Stets in der Geschichte unserer Republik galt die Familienpolitik
als Domäne der Union. Das ist vorbei. CDU und CSU haben den Anschluss
an die Entwicklung dieser Gesellschaft verpasst. Jetzt muss die SPD
nachlegen,
in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
-
LÜBBERDING, Frank (2002): Epoche
machen.
In der Umwelt- und Familienpolitik gelingt Rot-Grün vieles. Doch
die Republik steckt mitten in ihrer schwersten Wirtschaftskrise. Mit
dieser Herausforderung muss die neue Regierung fertig werden. Sonst
könnte sie auf epochale Weise scheitern,
in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
- Inhalt:
Familienpolitik ist nicht das Anliegen des Autors,
sondern er plädiert für eine Wirtschaftspolitik in der Tradition von
ROOSEVELT und Helmut SCHMIDT, um dem "Gespenst der Deflation"
entgegenzuwirken. Das heißt Ausweitung der Staatsverschuldung, statt
Sparprogramme à la BRÜNNING.
- PURDY, Jedediah (2002): Was war
Neoliberalismus?
World of Passions: How to Think About Globalization Today lautet
der Originaltitel eines großen Essays, in dem der junge amerikanische
Autor Jedediah Purdy untersucht, an welchen Defekten das neoliberale
Projekt gescheitert ist. Warum führt selbst gut gemeinte
Liberalisierung allzu häufig in illiberale und undemokratische
Verhältnisse? Purdys Diagnose: Die Bannerträger des Neoliberalismus
haben die Bedeutung menschlicher Leidenschaften ignoriert. Die
Berliner Republik veröffentlicht Jedediah Purdys Essay in zwei Folgen,
in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
-
Jedediah Purdy - Das Elend der Ironie
- LEINEMANN, Susanne (2002): Die
Enttäuschung.
Nach der Bundestagswahl 2002 hat Gerhard Schröder die SPD zur
einzigen "wirklich gesamtdeutschen Partei" ausgerufen - dreizehn Jahre
nach dem Fall der Mauer. Warum hat es so lange gedauert? In ihrem
neuen Buch Aufgewacht. Mauer weg geht Susanne Leinemann der Lähmung
der westdeutschen Linken unmittelbar nach der Revolution von 1989 auf
den Grund. Die westdeutsche Autorin, Jahrgang 1968, erlebte die
letzten Jahre der deutschen Teilung sehr bewusst, nachdem sie sich
1985 in einen jungen Dresdner Fotografen verliebt hatte. Im Kapitel
Die Enttäuschung beschreibt sie die Zeit zwischen dem 9. November 1989
und dem 3. Oktober 1990,
in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
-
Susanne Leinemann - Die 89er: eine Generation im Wartestand
- RÜHMEIER, Olaf (2002): Magenbitter
nach der Tortenschlacht.
Meinhard Miegel beschreibt prägnant die tiefe Krise einer
Gesellschaft, die sich der Realität verweigert. Nur seine Vorschläge
kommen über Hans-Olaf-Henkel-Niveau nicht hinaus,
in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
- Kommentar:
RÜHMEIER präsentiert eine halbherzige Rezension zu
Meinhard MIEGELs Pamphlet "Die deformierte Gesellschaft". Statt
die vorgelegten Fakten von MIEGEL zu hinterfragen, stört sich RÜHMEIER
nur an MIEGELs neoliberalen Lösungsvorschlägen, an dem
Hedonismus-Vorwurf und am geringen Interesse an der Vereinbarkeit von
Beruf und Familie.
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Zu den News vom
01. - 15. November
2002
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©
2000-2002
Bernd Kittlaus |
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Stand:
03. Dezember 2002 |
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