| |
|
[
News-Hauptseite
] [ Suche ] [ Homepage ]
|
|
| |
|
Medienrundschau:
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
News vom 16. - 24. Dezember 2002
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Spruch
des Monats:
"Vereinfacht
formuliert gibt es unter den sogenannt »Alleinlebenden« eine Art
sozialer Polarisierung: Auf der einen Seite finden sich unter
den Alleinlebenden - und dies gilt primär bei Männern -
beruflich-sozial klar desintegrierte Menschen, und es ist
beispielsweise diese Gruppe sozial desintegrierter
alleinlebender Männer, welche - etwa im Vergleich zu
gleichaltrigen verheirateten Männern - ein
überdurchschnittliches Sterblichkeitsrisiko aufweisen. Auf der
anderen Seite findet sich unter den Alleinlebenden - und dies
gilt primär bei Frauen - um eine bedeutsame Gruppe hoch
integrierter, beruflich-sozial hoch kompetenter Menschen. Das
Alleinleben bei dieser Gruppe ist ein spezielle Form des
beruflich-sozialen Erfolgs."
(Elisa Streuli
in
"Alleinleben in verschiedenen Lebensphasen" 2002) |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
-
ENGELS, Josef (2002): Raus aus dem Nest zum Fest.
Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstadt-Menschen
zur Weihnachtszeit,
in: Welt v. 24.12.
- Kommentar:
ENGELS präsentiert
Will Freeman, den Protagonisten in
Nick Hornbys Roman »About a Boy« als "Inbegriff des
Metropolen-Singles. Er ist cool. Er ist ungebunden. Er
hat Ahnung. (...).Will Freeman lebt aus, was viele
sich insgeheim wünschen und einige in den großen Städten
konsequent umsetzen: Weihnachten als Ego-Trip."
ENGELS klassifiziert Berlin als
deutsche Single-Metropole, in der die "Verheißung eines
unbürgerlichen Allein-Seins zum Fest eine lange Tradition" hat.
Seine Ursachenanalyse lautet:
"Nestflüchter-Syndrom".
Während ZYLKA in der TAZ nur
"verrückte, einsame Menschen" in den Kneipen sieht und
Weihnachtsmottopartys schrecklich findet, hat ENGELS ein
reichhaltiges Angebot in Berlin vorgefunden:
"Kulminationspunkt der
Weihnachtsverweigerung in der Stadt ist übrigens die Volksbühne am
Rosa-Luxemburg-Platz. Zu bester Christmetten-Zeit,
anderthalb Stunden vor Mitternacht, wird dort Funny
van Dannen die Bühne betreten. Der
Liedermacher gehört zu der Generation »Herr Lehmann«.
1958 im niederrheinischen Tüdern geboren, mit zwanzig nach Berlin
rübergemacht (jede Wette: die Bundeswehr war schuld), von der
Wende schließlich beim süßen Gitarren-Klampfen überrascht:
van Dannens Lebensweg ähnelt doch sehr dem des Anti-Helden
aus
Sven Regeners Roman. Herrn Lehmann ist die Nestflucht
geglückt, weiß man aus dem Buch; seine Eltern in
Bremen hat er seit drei Jahren nicht mehr besucht. Wer das
hinbekommt, ist ein echter Berliner.
Van Dannen geht noch weiter: Der vierfache Vater lässt
seine in Kreuzberg gezeugte Brut am Heiligen Abend im Stich. Um
die gewollt einsamen Großstadt-Wölfe in Mitte zu unterhalten.
Das geht voll in Ordnung. Man muss sich nur vorstellen, was
passierte, wenn Herbert Grönemeyer oder Pur
am Abend des 24. Dezembers ein Konzert geben würden. Sie blieben
alleine. Weil nur Nesthocker diese Musik
lieben."
-
ZYLKA, Jenni (2002): Am Fest der Liebe fehlen Flirt und Sex.
"Jingle Cats" hören, bis die Nachbarn sich empören. Warum
Weihnachten allein auch ein ganz netter Abend sein kann,
in: TAZ v. 24.12.
|
|
| |
|
- NULLMEIER, Frank (2002): Vergesst die
Bürgergesellschaft?!
Der Entwurf einer auf den Markt fixierten Zivilgesellschaft ist ein
"Rüczugskonzept",
in: Frankfurter Rundschau v. 24.12.
-
Frank Nullmeier - Der Sozialstaat in der Neidgesellschaft
|
|
| |
|
- DROBINSKI, Matthias (2002): "Wenn du einmal
aus den e-mail-Verteilern gestrichen bist, bist du nichts mehr".
Jung, dynamisch, arbeitslos. Wie der Jesuitenpater Martin
Löwenstein zum Seelsorger für geschasste Banker, Broker und Berater
wurde,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.12.
|
|
| |
|
- MROZEK, Bodo (2002): Weihnachten riecht nach
Raumspray.
Russisches Brauchtum und Berliner Gewohnheiten: ein
Feiertagsgespräch mit dem Schriftsteller Wladimir Kaminer,
in: Tagesspiegel v. 24.12.
-
Wladimir Kaminer - Multikulti-Alltag am Prenzlauer Berg
|
|
| |
|
- TAZ-Thema "Frau zu sein, bedarf es wenig".
Neben der Arbeitsmarkt- ist die Frauenpolitik der Bereich, in dem
Schwarz-Schill am stärksten gekürzt hat. Die Begründung: Frauen
bedürften heute keiner besonderen Förderung mehr. Was bleibt von den
Frauenprojekten in Hamburg - und wie können sie bis zur nächsten Wahl
überleben?,
in: TAZ Hamburg v. 24.12.
|
|
| |
|
-
LAU, Mariam (2002): Feindbild Familie.
Zu Weihnachten pflegt die Therapiegesellschaft ihr Klischee vom
Schlachtfeld unter dem Tannenbaum,
in: Welt v. 24.12.
- Kommentar:
Mariam LAU musste in abseitigen Stadtmagazinen
kramen, um ihre typischen 70er-Jahre-Reflexe befriedigen zu können,
weil in den Neue-Mitte-Medien einig Familienland herrscht...
|
|
| |
|
- BLÜM, Norbert (2002): Die Rente ist sicher,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.12.
- Kommentar:
Im Gegensatz zu den neoliberalen Kritikern des
gegenwärtigen Rentensystems weist BLÜM auf den blinden Fleck
der aktuellen Rentendebatte hin:
"Die Geburtenzahlen sind nicht das einzige
Kriterium für die Zahl der zukünftigen Beitragszahler. Ebenso
wichtig ist, ob die heute Geborenen morgen Arbeit finden und wie
viel und wie produktiv diese Arbeit ist. Wenn sich die Zahl der
Geburten verdoppeln würde, aber die Arbeitnehmer in Zukunft nur halb
so viel und so produktiv wie heute arbeiteten, wäre gar nichts
gewonnen."
Die Gleichsetzung von höheren
Geburtenraten mit stabileren sozialen Sicherungssystemen ist eine
kurzschlüssige Argumentation.
|
|
| |
|
- KAISER, Joachim (2002): Bildungsbürger,
belächelt.
Versuch einer weihnachtlich milden Rehabilitierung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.12.
- Kommentar:
Joachim KAISER entdeckt das neue Bürgertum. Sein
Motto: Denn sie wissen nicht, wer sie sind:
"Als Werner Burkhardt jüngst in den
Hamburger Kammerspielen sein temperamentvolles, kluges Buch (...)
vorstellte, (...) sah ich mir die Zuhörer an, die sich
interessierten für den Autor und seine Texte (...): die durchaus
überwiegende Mehrheit des Publikums dieser sonntäglichen Matinee
bestand, Verzeihung, aus regelrechten »Bildungsbürgern«. (Auch wenn
sie selbst wahrscheinlich gar nicht auf die Idee kämen, sich so zu
bezeichnen). Es waren ältere, solide gekleidete Leute. Deutlich mehr
Frauen als Männer".
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
SCHÖNEBERGER, Barbara (2002): Ich habe einen Traum.
"Mein Traumbruder wäre heute 35 Jahre alt, hätte blonde Haare,
blaue Augen und ein garagenbreites Kreuz. Dem traumhaft guten
Verhältnis zu ihm wären allerdings schwere Zeiten vorausgegangen...",
in: Die ZEIT Nr.01 v. 23.12.
|
|
| |
|
-
KLINGST, Martin (2002): Auszug aus dem Jammertal.
Ein neues Lebensgefühl: Die Deutschen entdecken den Bürgersinn.
Langsam,
in: Die ZEIT Nr.01 v. 23.12.
- Kommentar:
KLINGST jammert weiter! Er sieht eine "rasant
wachsende Schar
willentlich Kinderloser" seinen bequemen Lebensabend stören.
Was der Sozialwissenschaftler Bernd
MARIN für Österreich feststellt, das gilt gleichermaßen für
Deutschland. Sozialpopulisten wie KLINGST versuchen mittels
Demagogie die Kinderlosen zu Sündenböcken abzustempeln.
-
Bernd Marin - Lebenslang Kinderlose als Minderheit
|
|
| |
|
- TRITTIN, Jürgen (2002): Wohin treibt das
Feuilleton?
Bürger, werdet doch nicht bourgeois: Der Kulturjournalismus ist
schon tot, weil er nicht mehr rechts leben und links schreiben kann,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.12.
- Inhalt:
"Einst spottete die Linke darüber, daß in der Zeitung
des Großen Kapitals vorne der starke Staat gefordert, in der Mitte
die Börse abgefeiert wurde und im Feuilleton die Enteignung des
Großen Geldes gefordert werden konnte. Letzteres geschah meist
geistreicher als in den Gazetten der Linken. Tempi passati. Trauer
ist angesagt. Das Feuilleton der F.A.Z. gibt es nicht mehr" stellt
TRITTIN angesichts der Artikel von
BARING und
SCHIRRMACHER fest und kommt bei der
Ursachenanalyse zum Ergebnis:
"Die Verve überdeckt nur mühsam Angst
und Regression. Seit es den F.A.Z.-Feuilletonisten so geht wie dem
taz-Redakteur seit Jahren - Schreiben unter der akuten Bedrohung der
eigenen beruflichen Existenz -, verhält er sich so, wie es ihm der
tumbe Georg Gafron zum Ende der »Berliner Seiten« prophezeite. Die
Zeit des »rechts leben und links schreiben« ist vorbei. Die nächste
von der Vorstandsetage der Hellerhofstraße verordnete
Personaleinsparung vor Augen, wird in nackter Angst nun rechts
geschrieben."
|
|
| |
|
- MONATH, Hans (2002): Mehr teilhaben, weniger
verteilen.
Vier grüne Politiker denken über Sozialstaat, Kinderbetreuung und
die Förderung des Mittelstandes nach,
in: Tagesspiegel v. 23.12.
- Kommentar:
Die Gruppe der grünen Öko-FDP um Christine SCHEEL hat
der Presse ein Reformpapier zum Thema "Den Sozialstaat fit für die
Zukunft machen" zugespielt. Zur Gruppe gehören
Grietje BETTIN, Thea
DÜCKERT und Anna LÜHRMANN.
|
|
| |
|
- BUCHACHER, Robert (2002): "Spektakuläre
Einzelfälle".
Die spektakuläre Entbindung zweier Steierinnen im Großmutteralter
beschäftigt Mediziner, Rechtsgelehrte und Ethiker,
in: Profil Nr.52 v. 23.12.
|
|
| |
|
- ILLIES, Florian & Inge KLOEPFER (2002): "Wir
brauchen keine Stars".
Der Soziologe Heinz Bude über das Scheitern von Middelhoff, Sommer
& Co. und warum der Wohlfahrtsstaat sich dramatisch verändert,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.12.
- Kommentar:
Katzenjammer in der Weltverbesserungsecke!
Das bleibende Verdienst der Generation Golf
sieht
Heinz BUDE in der
"Idee der Unschuld des Erfolgs."
Eine Neidtheorie liefert BUDE
ebenfalls: "Wovon wir in Westdeutschland nach 1945 gelebt haben, das
war das Wunder über die ausgebliebene Katastrophe". Aber dieses
Gefühl ist nun hin und "deshalb bindet uns nichts mehr. Das ist der
Gund dafür, daß jetzt
der Neid ausbricht".
Die Tatsache, dass sich die mittleren
Generationen NORMALERWEISE in der Familienphase befinden, möchte
BUDE als "Rückbesinnung auf die Familie" und damit als DIE BESONDERE
LEISTUNG der Generation Golf vermarkten! Der Abbau des Sozialstaats
wird in diesem Zusammenhang dann noch zur heroischen Tat stilisiert.
In der "sich abzeichnenden Umstellung des sozialen Sicherungssystems
von individuell zugerechnetem Transfereinkommen auf Institutionen
für Kinderbetreuung und Familienstützung" sieht BUDE deshalb eine
Revolution.
Da ist es dann auch nicht mehr weit
zum Schulterschluß mit Friedrich MERZ und dessen Plädoyer für eine
Leitkultur. In Wahrheit geht es hier nur um eine Leidkultur!
|
|
| |
|
- OCHS, Birgit (2002): Es geht auch anders:
Wohnen in einer Alten-WG.
Elf Seniorinnen zeigen, daß auch im Alter individuelles Wohnen
möglich und bezahlbar sein kann,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.12.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
- FRIEDRICH, Ursula/FLAMM, Stefanie/STELZER,
Tanja/APPENZELLER, Gerd/RÖHRS, Christine-Felice (2002): Das erste Mal.
Weihnachten: Wenn Eltern und Kinder auseinandergehen. Fünf
Tagesspiegel-Autoren erzählen von zu Hause,
in: Tagesspiegel v. 22.12.
|
|
| |
|
-
MÄRZ, Ursula (2002): Das Billigmargarine-Gefühl.
Die zähe Überlegenheitstheologie der Armut. Notizen zur aktuellen
Sparmentalität,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.12.
- Kommentar:
MÄRZ hat sich ein typisch bildungsbürgerliches
Lass-mich-doch-endlich-in-Ruhe-Armutsbild zurecht gelegt:
"Armut ist ein klassischer Fall von
Ambivalenz. Ihr gelten existenzielle Furcht und soziale Sorge ebenso
wie Idealisierung und Schwärmerei. Die Moral der Armut, ihr Prestige
als Mittel der Läuterung hat in unserer Kultur- und
Religionsgeschichte einen festen Platz. Armut kann Schande, aber
eben auch Tugend sein. Den besonders Frommen adelt sie auf alle
Fälle. Indem sie ihn vom Materiellem befreit, kommt er schon im
Diesseits dem Jenseits näher, wo Besitz nicht zählt. Außerdem
besitzt Armut einen poetisierenden Wesenszug, der dem Reichtum
abgeht."
Das Armutsbild von MÄRZ stammt
aus ihrer 70er-Jahre-Jugend:
"In keinem anderen europäischen Land
gab es in den 70ern eine linke Kultur, die der deutschen bei ihren
normativen Armutsinszenierungen hätte das Wasser reichen können. Die
Beispiele - Wohngemeinschaften, in den es aussah wie im
Obdachlosenasyl, Billigpapier zum Zigarettendrehen, Billigmargarine
zum Kochen, Lambrusco, Kohleschleppen und die entsprechende
Verachtung all dessen, was nur entfernt nach Luxus, Komfort und
Verschwendung roch - sind zahlreich. Wie auch immer: In dieser
Epoche hatte die deutsche Phantomarmut eine Blütezeit".
MÄRZ sieht nun diese 70er
Jahre "in anderer, unpolitischer Gestalt" wiederkehren:
"Nicht, dass wir tatsächlich in einer
Krise steckten, nicht dass sich diese in den kommenden Jahren nicht
noch verengen und die Rentendecke in Jahrzehnten papyrusdünn sein
wird. Aber diese realistische Prognose dieser Wohlstandssenkung
einerseits und die Armutsbildung andererseits sind wohl zwei Paar
Schuhe. Nach wie vor kann es rein rechnerisch so günstig sein, die
Wintermonate in einem Hotelkomplex auf Mallorca oder in Tunesien zu
verbringen wie zu Hause. Aber die Deutschen flüchten immer weniger
aus dem Winter in den Sommer. Sie wurden nicht schlagartig zu arm
dafür.
Aber sie wurden schlagartig von dem Gefühl erfasst, die Zeit für
derlei Extravaganzen sei einfach vorbei. »Verzicht schafft
Freiraum«, schreibt die
Schriftstellerin Juli Zeh in reinster, frömmelnder Blauäugigkeit in
einem Spiegel-Essay zum Thema »Neue Bescheidenheit« und
argumentiert verblüffend nah am Muffgeist der drei Jahrzehnte
zurückliegenden Vergangenheit."
ZEHs "Neue Bescheidenheit"
steht in der
Tradition der "privileged poor" (DIEDERICHSEN) und ist nicht zu
Verwechseln mit der neuen Armut im Niedriglohnsektor, den MÄRZ mit
ihrer typisch bildungsbürgerlichen Fixierung auf Ihresgleichen (d.h.
Neue Mitte) elegant ausklammert.
-
Barbara Ehrenreich - Arbeit poor
|
|
| |
|
- HÖRMANN, Egbert (2002): Fahren Sie bloß
nicht ...an Weihnachten zu Mutter.
"Alle glücklichen Familien ähneln einander", schrieb Tolstoi, "aber
jede unglückliche ist es auf ihre eigene Art." Zum Beispiel in der
Zeit um Heiligabend,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.12.
|
|
| |
|
- SCHLAFFER, Hannelore (2002): Krankheit und
Schönheit.
Unsystematisches über das Alter und das Altern,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.12.
- Kommentar:
Im Gegensatz zur
SZ-Serie reduziert SCHLAFFER die Altersbilder nicht auf ihren
demografischen Aspekt der Alterslast, sondern zeigt die (männliche)
Linie des würdevollen Alters auf:
"Was beim Adeligen der Vorrang von
Geburt und Tradition der Familie macht, die ihn, ob klug, ob dumm,
über die Normalität erheben, erreicht der Bürger durch seine
Biographie, die je länger, umso aristokratischer wirkt. Nachdem der
Adel weitgehend entmachtet worden ist, schafft sich das Bürgertum im
19. Jahrhundert seinen eigenen Adel im grossen alten Mann. Die
Biographie wird zur Lieblingslektüre, weil sie immer aufs Neue
Nobilitierungen vornimmt. Von Goethe bis zu Churchill, Adenauer und
de Gaulle reicht die Epoche der Altersaristokratie.
Im «Tod des Tizian» fasst Hofmannsthal die Verklärung der
Altersschönheit in Poesie. Nicht nur der neunzigjährige Tizian ist
schön, alles, was er erblickt, verwandelt sich in Schönheit. Mit
dieser Altersschönheit inspiriert er die Jugend und lebt so in ihr
auf ewig:
Die aber wie der Meister sind, die gehen, Und Schönheit wird und
Sinn, wohin sie sehen."
- ALLERT, Tilman (2002): Alte Junge und früh
Vergreiste.
Soziologische Beobachtungen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.12.
- Inhalt:
ALLERT beschäftigt sich mit einem weit
verbreiteten Kinderwunschmotiv in der Gegenwartsgesellschaft:
"Kinder in der modernen Gesellschaft
leben in der ständigen Gefahr, das Unerledigte des elterlichen
Lebens in den eigenen Lebensentwurf übernehmen zu sollen. Sie werden
Lastenträger, Adressaten eines Identitäts- und Bewährungswunsches,
sie übernehmen die Korrektur eines gelebten Lebens - und haben dabei
doch so viel schon zu tun mit der Entfaltung eines eigenen Entwurfs,
in dem sich dann die Problematik der Alten wiederholt.
Diese Dynamik lässt eine Ungeduld in das Verhältnis der Generationen
einziehen: Den Kindern und Jugendlichen wird nicht etwa zugestanden,
eine eigene Antwort auf die ständige Polarität von Alt und Neu zu
finden, sondern sie werden mit der Erwartung stellvertretender
biographischer Erfüllung und der Zumutung, dankbar zu sein,
konfrontiert."
ALLERT möchte den Kindern
einen Raum der Autonomie zurückgeben:
"Denkt man darüber nach, wie
dergleichen Irritationen im Verhältnis der Generationen aufzufangen
wären, wie die affektive Konkurrenz zwischen Eltern und Kindern um
den Geltungsbereich des Neuen auszugleichen wäre, so kommt man -
vielleicht - auf das Erzählen. Das Erzählen ist das Medium, mittels
dessen wir der unentrinnbar ablaufenden Zeit eine eigene
identitätsverbürgende Praxiszeit einfügen. Im Erzählen ist die
Polarität von Alt und Neu auf wunderbare Weise verpackt, sie kleidet
sich bunt und humorvoll und kennt eine Form der zeitlichen
Entgrenztheit, in der sich die Generationen ihrer je
lebensgeschichtlichen Last entledigen können: die Musse. Im Erzählen
ist die Erfahrungsdifferenz, die die Eltern und Kinder verkörpern,
artikuliert. Wer sich erzählend begegnet, dem gelingt ein neuer
Blick auf die Befristetheit - denn im Erzählen verflüchtigt sich das
Erfahrene zu einer Unendlichkeit des genossenen Augenblicks."
|
|
| |
|
- KAHLWEIT, Cathrin (2002): Die gute alte
Familie soll's wieder richten.
In Zeiten knappen Geldes wird die versprochene strukturelle
Entlastung schnell vergessen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.12.
- Inhalt:
Im Gegensatz zu den lautstarken neoliberalen
Besitzstandswahrern und -mehrern von Meinhard MIEGEL bis Roland
BERGER sieht KAHLWEIT im geplanten Abbau des Sozialstaats keinen
Fortschritt:
"Der Generationenvertrag wird neu
belebt und die tradierte Keimzelle der Gesellschaft als Rettungsnetz
für gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufgewertet; der Gedanke,
die rasante Entwicklung einer modernen Arbeitswelt auch mit einer
strukturellen Entlastung überforderter Familienverbände zu
begleiten, ist ad acta gelegt. Denn wer wollte das bezahlen?
Das kann selbst konservative Geister, die gern das hohe Lied auf die
Familie singen, nicht freuen. Denn auch wenn es stimmen mag, dass
„der Staat“ all zu lange als Garant für eine umfassende materielle
und geistige Grundversorgung angesehen wurde, so kann die Lösung
nicht in einer Verlagerung von gesellschaftlicher Verantwortung auf
individuelle Schicksalsgemeinschaften liegen. Sozial Schwache können
damit ebenso wenig aufgefangen werden wie Singles, die an ihren
einst als „modern“ , weil als unkonventionell gefeierten
Lebensbiografien scheitern.
Wo Konformismus zur Notwendigkeit, Risikofreude zur Gefahr und
Emanzipation zur Unmöglichkeit wird, da kann sich keine kraftvolle,
zukunftsgewandte und damit zukunftsfähige Gesellschaft entwickeln –
die auch für eine ökonomische Gesundung des Landes eine
Grundvoraussetzung wäre."
|
|
| |
|
- DROBINSKI, Matthias (2002): "Wir müssen
kreativ werden".
Warum Jürgen Gohde das deutsche Sozialsystem nicht schlecht reden
will. Der Präsident des Diakonischen Werks der evangelischen Kirche
fordert eine breite Debatte über Reformen - und hält gemäßigte
Privatisierungen für akzeptabel,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.12.
- Kommentar:
GOHDE hat weder neue Rezepte noch helfen die
kirchlichen Feindbilder in der modernen Gesellschaft weiter:
"Ich sehe die wachsende Zahl alter
Menschen nicht als Bedrohung. Wir müssen aber Konzepte entwickeln,
die über mehrere Generationen hinweg tragen. Wenn wir über die Rente
reden, müssen wir auch über die Lebenslagen von Familien und Kindern
reden. Es fehlen Konzepte für den Ausgleich zwischen Alten und
Jungen, Familien mit und ohne Kindern, Behinderten und
Nichtbehinderten. Wir werden nicht mehr Alten- und Pflegeheime bauen
können, wir dürfen die Solidarität zwischen den Generationen nicht
auf die Profis der Sozialverbände abschieben. Wir müssen in die
Selbsthilfe investieren, in die Förderung freiwilligen Engagements."
|
|
| |
|
-
HERRMANN, Ulrike (2002): Der doppelte Lohnabstand.
Das Kanzleramt denkt. Ergebnis: Arbeitslosigkeit soll Strafe sein,
in: TAZ v. 21.12.
- Inhalt:
Ein bissiger Kommentar von Ulrike HERRMANN zum
Strategiepapier aus dem Kanzleramt:
"Arbeitslosigkeit muss eine
Strafe sein, und nur Leistung darf sich lohnen.
Nun ist das Interessante an dieser
beliebten Modellrechnung, dass sie nur unter einer einzigen Prämisse
funktioniert: Familie Mustermann muss recht viele Kinder gezeugt
haben. Bei kinderlosen Alleinverdienern greift immer noch das
»Lohnabstandsgebot«, das die Sozialhilfe von den niedrigsten
Tarifgruppen trennt. Was sich also »lohnt«, ist gar nicht die
Arbeitslosigkeit - honoriert werden die Kinder."
|
|
| |
|
|
|
| |
|
- EUBEL, Cordula (2002): "Die Abkehr vom
Irrweg".
CSU-Sozialexperte Seehofer über das Kanzleramt-Papier,
in: Tagesspiegel v. 21.12.
|
|
| |
|
- ULRICH, Bernd (2002): Schröders Strategie.
Die Wende zum Weniger,
in: Tagesspiegel v. 21.12.
- Kommentar:
ULRICH sieht den "Anfall von
Sozialdemokratismus" überstanden und den
Kanzler wieder auf
Neue-Mitte-Kurs.
Ein Rezept, mit dem das
Gürtel-enger-Schnallen für alle jenseits der Neuen Mitte schmackhaft
gemacht wird, hat ULRICH auch schon parat:
"In einer Gesellschaft, die sich
ihrer Knappheit bewusst, die auf Verzicht eingestellt ist, wird
Schmerz als unausweichlich, als schiere Wirklichkeit verstanden und
nicht als Skandal."
Die Neue-Mitte Presse à la
TAGESSPIEGEL wird da tatkräftig Wahlhilfe leisten...
|
|
| |
|
- WIESCHE, B. aus der (2002): Die Angst vor
der Einsamkeit des Alters,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 20.12.
- Kommentar:
"Eine Viertel der Kölner
Bevölkerung, etwa 250 000 Menschen, sind älter als 60 Jahre. Ihr
Hauptproblem ist nicht etwa materielle Armut - die überwiegende
Mehrheit hat ein gutes Einkommen - sondern die Gefahr
der Vereinsamung. Betroffen sind vor allem Alleinstehende,
Verwitwete und
Kinderlose", behauptet WIESCHE. Die Sozialstatistik und
-forschung weis da anderes zu berichten.
|
|
| |
|
-
BRAUN, Michael (2002): Stammgast im Hotel Insomnia.
Erkenntnislücke. Jochen Schimmang erzählt nicht nur von der
Schließung der "Murnauschen Lücke",
in: Freitag Nr.52 v. 20.12.
- Kommentar:
Dies ist die erste Rezension, die die
Romanfigur "Murnau" mit dem Debütroman "Der schöne Vogel Phönix" in
Verbindung bringt:
"Mit den diskreten Lektionen über
Melancholie und Schlaflosigkeit, Liebe und Schmerz, Mathematik und
Poesie hat der Autor der Murnauschen Lücke die zentralen Motive und
Topoi aus seinen vorangegangenen Romanen und Erzählungen noch einmal
zu einer kunstvollen Textur verflochten. In Murnau dürfen wir den
Glückssucher aus
Schimmangs Debütroman Der schöne Vogel Phönix (1979)
wiedererkennen, der wie alle Helden des Autors die Erfahrung machen
muss, zum Leben und zur Liebe zu spät gekommen zu sein."
|
|
| |
|
-
PETERS, Sabine (2002): Erinnerung an ein Anderes.
Distanzierter Blick: Dorothea Dieckmanns Roman "Damen und Herren"
und ihr Essayband "Sprachversagen",
in: Freitag Nr.52 v. 20.12.
-
Dorothea Dieckmann - Klassentreffen der Lost Single-Generation
|
|
| |
|
-
KÄTZEL, Ute (2002): Kommune 1 Ost.
Diskursgemeinschaften. In der zahlreichen Literatur zur
68er-Revolte kommt der Osten allenfalls als Randnotiz vor. Inwiefern
konnte die antiautoritäre Bewegung in der DDR Fuß fassen und welchen
Anteil hatten die Frauen daran? Eine Spurensuche,
in: Freitag Nr.52 v. 20.12.
-
Ute Kätzel - Die 68erinnen
|
|
| |
|
-
PETROPULOS, Kostas (2002): Susanne Mayer: Deutschland armes
Kinderland,
in: Politisches Buch. Sendung des DeutschlandRadio v. 20.12.
-
Susanne Mayer - Deutschland armes Kinderland
|
|
| |
|
|
|
| |
|
- BERNAYS, Ueli (2002): Die verspielte
Authentizität.
Gedankengänge durch den Mainstream des Pop,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 19.12.
- Inhalt:
BERNAYS beschreibt den Übergang in die
Popmoderne, in der die Popmusik den gesellschaftlichen Mainstream
präsentiert:
"Vor langer, langer Zeit regierte die
Klassik als elitäres ästhetisches Referenzsystem. Wer Kunstwerke
schaffen wollte, musste sich vertraut machen mit dem Regelwerk einer
scheinbar zeitlosen ästhetischen Wahrheit. Mit der Moderne kam die
Zeit des Genies und seiner künstlerischen Innovationen. Und bis in
die Jazz- und Rock-Tradition hinein wirkt das romantische Prinzip
der Originalität. Damit aber das Individuelle und Neue als
authentische künstlerische Botschaft verstanden werden konnte,
mussten Künstler und Rezipienten gleichermassen vertraut sein mit
einem historisch gewachsenen, dynamischen und diskursiven
Wertekanon.
Im Pop stellt sich die
Frage der Authentizität neu: Stars avancieren zu internationalen
Identifikationsfiguren gerade dadurch, dass sie sich über
traditionelle Werte erheben. Popmusik ist tendenziell an ein
grösstmögliches Publikum adressiert, sie soll ohne grosses Vorwissen
geniessbar sein, deshalb müssen ästhetische Verbindlichkeiten
gelockert werden. Pop speist sich zwar aus verschiedensten
musikalischen Einflüssen. Um potenzielle Konsumenten nicht zu
befremden, muss aber von den tieferen ästhetischen Feinheiten
«authentischer» Musiktraditionen abstrahiert werden. Aus Substanz
wird Akzidenz und Exotik: Pop ist eher bluesy als Blues, eher funky
als Funk".
|
|
| |
|
- BRODER, Henryk M. (2002): Von Längen und
Härtegraden.
Seit die überaus erfolgreiche
TV-Serie "Sex And The City" auch bei uns läuft, wissen wir, dass
die ganze Prüderie der Amerikaner nur Fassade ist. Vier New Yorker
Frauen reden jeden Dienstag ganz unbefangen über Sex. In einer der
jüngsten Folgen ging es um die kulturellen Unterschied zwischen Ost-
und Westküste,
in: Spiegel Online v. 18.12.
|
|
| |
|
- BERG, Sibylle (2002): Zurück zur großen
Mama.
Was ist Liebe? Vier Züricher Ausstellungen - und eine Abrechnung
von Sibylle Berg,
in: Die ZEIT Nr.52 v. 18.12.
- Kommentar:
Die 68er-Generation musste sich noch an der Liebe
abarbeiten, HOUELLEBECQs Leidensgenossen wie
Sibylle BERG dagegen müssen sich wieder am Sex abarbeiten. Dem
Schicksal einer
Generation kann niemand entkommen:
"Die erste Liebe zerbricht, und der
erste Liebeskummer kommt. Ach, wären wir doch gestorben, damals. Wir
haben unsere Unschuld verloren und statt ihrer Ideen entwickelt. Wie
Liebe sein müsste, die richtige Liebe. Denken wir, muss sein wie
fliegen und sich die Sachen vom Leib reißen und sich nie mehr
trennen und nicht mehr essen und nicht mehr schlafen und wild muss
es sein und seelenverwandt und aufregend und verrückt und nachts
tanzen im Regen und Hütchen tragen und 1000 Kilometer fahren nur für
einen Kuss, der nie endet, und halten, halten, halten. Das ist die
Idee, und sie meint: Eigentlich wollen wir zurück zu der Zeit, als
wir eins mit der Mutter waren, Bedingungslosigkeit wollen wir,
danach suchen wir und werden immer enttäuscht werden."
|
|
| |
|
-
SIMON, Michaela (2002): Oberstes Reinheitsgebot.
Wer Sex vor der Ehe hat, ist gegen uns,
in: Telepolis v. 18.12.
-
Katharina Liebsch - Panik und Puritanismus
|
|
| |
|
- SPINNEN, Burkhard (2002): Erbarmen mit der
Bahn!
Aufruf eines verzweifelten Liebhabers,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.12.
- Kommentar:
Andere haben nur Meinungen, SPINNEN jedoch ist
Überzeugungstäter. Und die Bahn - so seine Überzeugung - hat den
Sündenfall längst hinter sich, und zwar als die Dampfloks
abgeschafft wurden.
-
Burkhard Spinnen - Langer Samstag
|
|
| |
|
- DPA (2002): Immer mehr "Single"-Haushalte im
Südwesten.
Alleine Leben nimmt in verschiedenen Bevölkerungsgruppen
unterschiedliche Bedeutung ein,
in: Mannheimer Morgen v. 17.12.
- Kommentar:
Es ist wirklich schade, dass sich kein
kompetenter Kabarettist mit der Haushaltsstatistik beschäftigt. Die
amtliche Statistik wäre eine Fundgrube für jeden Humoristen.
Statt eines Steuersongs, müsste man einen
Statistiksong komponieren. Eine Formulierung wie "im Haushalt leben"
müsste sofortige Lachkrämpfe hervorrufen! In Grund und Boden lachen
sollte man jene, die uns
mit den Mitteln der Statistik verdummen wollen.
Gewöhnlich leben Menschen in
Wohnungen und führen einen Haushalt allein oder zusammen.
Jene Schreiberlinge, die den
Sozialpopulisten auf den Leim gehen oder bewusst Halbwahrheiten
verbreiten, verwenden mit Vorliebe die irreführende Wendung "im
Haushalt leben". Darin wird die
Gleichsetzung von Haushalt mit
Wohnung betrieben. Tatsächlich war die Differenz noch nie größer! Es
gibt genügend Wohnungen, in denen 2, 3, 4 und noch mehr Haushalte
geführt werden.
Wollte man eine Karrikatur zeichnen,
dann müsste man eine Wohnung zeichnen, in der z.B. 5 Menschen -
jeder für sich - in seinem Haushaltsgefängnis sitzt. Am 6. Oktober
1993 hat der FOCUS ein Cover zum
Thema Einsamkeit ("Schicksal Single") veröffentlicht. Damals
wurden
Ulrich BECKs "Gitterstäbe der Einsamkeit" symbolisiert.
Tatsächlich müssten es jedoch "Gitterstäbe eines
Haushaltsgefängnisses" sein.
Dann wäre jedoch zu fragen, ob es
sich um ein Gefängnis handelt, oder ob die Sozialpopulisten nicht
nur
die schlechte alte Zwangsgemeinschaft verherrlichen.
Tatsächlich leben vor allem
Sozialpopulisten in einem eigenen Haushalt - das sollte zu denken
geben!
|
|
| |
|
- SCHIRRMACHER, Frank (2002): Die Grünen
hatten die Revolution von den Bürgern nur geborgt.
Für Dosen verpfänden die Grünen ihre Zukunft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.12.
- Kommentar:
Die Revolte ist ausgeblieben und SCHIRRMACHER
steigt nun selbst in den Ring.
Am 19.11.20002 rief
Arnulf BARING in der FAZ die Bürger auf die Barrikaden und der
Kapitän auf dem Titanic-Feuilleton der FAZ ist nun sichtlich
verärgert, dass sich die
Kinderpolitiker und die Öko-FDP (namentlich Oswald METZGER) bei
den Grünen weder durchsetzten noch freudig BARING mit revolutionärem
Sachverstand unterstützten, denn:
"Blickt man auf die jüngere
Geschichte, so ließ sich das Bürgertum in den vergangenen
Jahrzehnten überhaupt nur noch ein einziges Mal mobilisieren: durch
den ökologischen Aufstand, den die Grünen symbolisierten".
Wie ein beleidigtes Kind hält
SCHIRRMACHER nun schmollend den Grünen ihren Wert Nachhaltigkeit
entgegen:
"längst wäre ja
zu begreifen, daß das ökologische Ethos auch ein
gesellschaftspolitisches ist. Nachhaltigkeit und
Langfristigkeit sind in der gesellschaftspolitischen Debatte so
wichtig wie nie zuvor.
Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geliehen - dieser
berühmte Satz der Grünen ist angesichts eines maroden Rentensystems
bei gleichzeitiger Neutralisierung eines Mannes wie Oswald Metzger
anscheinend längst obsolet."
Was SCHIRRMACHER dann über die
Grünen und ihre Politiker FISCHER, KÜNAST und TRITTIN zu sagen hat,
das kann man - wesentlich sachlicher und ausführlicher - bei
Joachim RASCHKE in der von SCHIRRMACHER
angegriffenen Süddeutschen Zeitung lesen.
SCHIRRMACHER zeigt zum
wiederholten Male, dass der Vorwurf von seinem
Kollegen Eckhard FUHR nur zu berechtigt ist:
"Plötzlich sehen sich
diejenigen, denen sich scheinbar grenzenlose Aussichten geboten
hatten, im begrenzten Hier und Jetzt ihrer Familie, ihrer Nation und
ihrer Sozialversicherung. Und weil nun die journalistischen
Deutungseliten von der Wirtschaftsflaute besonders hart betroffen
sind, gerät diese schmerzhafte Korrektur von Lebensperspektiven zur
medialen Inszenierung der Apokalypse".
Man fragt sich nur noch: wie
weit ist die TITANIC und ihr Kapitän SCHIRRMACHER noch vom Eisberg
entfernt?
|
|
| |
|
- LENZEN, Manuela (2002): Unser Prometheus.
Ein Kolloquium über und mit Karl Heinz Bohrer
in: Frankfurter Rundschau v. 17.12.
- Inhalt:
LENZEN berichtet u.a. über den Vortrag von
Wolfgang LANGE, der am Beispiel des Schriftstellers Michel
HOUELLEBECQ die zynische Tradition in der Literatur verteidigt hat:
"Zyniker seien Skandalmacher im
Dienst einer ungeschminkten Wahrheit, sie stellten große Ideen auf
den Prüfstand des trivialen Alltags. Lange interpretierte
Houellebecqs
Elementarteilchen als aktuellste Ausprägung der ebenso alten wie
disparaten Gattung der Satura Minipea, die sich dadurch auszeichnet,
nach Art eines gemischten Salats wild zu kombinieren und zu zitieren
und damit immer wieder vor Augen zu führen, dass es keine Lösung für
die Misere des aufgeklärten sinnsuchenden Subjekts gibt."
|
|
| |
|
- RASCHKE, Joachim (2002):
Die Grünen ohne Fischer - eine Chance,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.12.
- Inhalt:
Nach Meinung des
Politikwissenschaftlers Joachim RASCHKE hat Joschka FISCHER auf dem Hannoveraner Parteitag der
Grünen "den Zenit seiner Macht überschritten".
Deshalb denkt RASCHKE schon einmal
über die Zeit nach Fischer nach, für die er auch schon eine
programmatische Aufgabe parat hat:
"Heute müssen die Grünen ihre
Position finden im Spannungsverhältnis zwischen Markt und sozialer
Gerechtigkeit. Da ist ihr Markenzeichen noch unscharf, sprechen
einige, als ob sie in der neoliberalen FDP wären, andere, als
gehörten sie zum Gewerkschaftsflügel der SPD. Ein dritter Weg der
Grünen, der – an den Themen dieser Tage - das ökonomische Potential
der Ökologiefrage einbringt und Gegengewichte zu Marktradikalismus
ebenso wie zu (sozialem) Strukturkonservatismus setzt, ist die
Aufgabe."
|
|
| |
|
- TIMM, Tobias (2002): Trau' keinem unter
Sechzig.
Warum die Überalterung Deutschland verjüngen wird,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.12.
- Kommentar:
TIMM darf im Greisenblatt etwas Positives über die
alternde Gesellschaft (in der Diktion der gescholtenen Generationen
der Postmoderne: vergreisende Gesellschaft) schreiben und ein wenig
die
SZ-Serie zur Zeitenwende kritisieren:
"In der gegenwärtigen Diskussion
scheint es abwegig, in der »demographischen Zeitenwende« eine
positive Entwicklung zu sehen. Vielleicht liegt es an den Klagenden,
die mit ihren dreißig, vierzig Jahren anscheinend schon »zu alt«
sind, um Utopien zu entwickeln. Oder waren die Generationen der
Postmoderne, die nun so laut jammern, schon immer zu alt, um nach
Alternativen zum Bestehenden zu suchen? Zwingen die eklatanten
demographischen Veränderungen nicht dazu, utopisch zu denken?"
|
|
| |
|
-
ROTHE, Frank (2002): Mein Leben mit der Krise.
Wenn der rote Pfeil nicht mehr nach oben zeigt, muss sich das Leben
ändern, auch für Deutsche,
in: Welt v. 17.12.
- Inhalt:
Frank ROTHE, der einstmals für die Berliner
Seiten von SZ und FAZ schrieb, erzählt wie ihn sein 68er-Feindbild als
einzigste Lebenskonstante aufrechterhält:
"Die neunziger Jahre waren schön. Das Geld tat
gut, und es war etwas wert. (...). Es ging nicht darum, ein Auto zu
haben, es ging darum, den teuersten Wagen zu kaufen, die zukünftige
Eigentumswohnung zu suchen, und vor allem ging es darum, der älteren
Generation mit dem schnell verdienten Wohlstand den Mittelfinger zu
zeigen. Und das machte Spaß.
(...).
Jetzt ist alles vorbei. Die Krise ist zurück. (...). Es gibt keine
Alternativen, keine andere Gesellschaft. Es gibt nur diese Regierung
für die nächsten vier Jahre. Auch ich habe sie gewählt, und ich bin
enttäuscht. Aber ich bin nicht zum ersten Mal enttäuscht. Das macht es
leichter.
Deutschland hat daran geglaubt, dass der rote Pfeil schön rot bleibt,
leider hat niemand Geld in neue Farbe investiert. Der Restbestand
reicht nur noch für die ältere Generation. Ein großer Teil von ihnen
sitzt in der Regierung, sie bekommen die letzte deutsche Rente, sie
heißen 68er, und auch sie haben einen Mittelfinger. Den sehe ich jetzt
ganz deutlich vor mir. Mit ihrem großen Mittelfinger konnten die 68er
schon immer gut umgehen."
Das ist der Stoff aus dem Ressentiments
entstehen, aber keine Visionen...
|
|
| |
|
-
BERTHOLD, Norbert (2002): Offensiv gegen Hartz - Nur Dezentralisierung
hilft weiter,
in: Welt v. 17.12.
- Inhalt:
Der Würzburger Volkswirtschaftler Norbert BERTHOLD
legt dar wie der Niedriglohnsektor (ein anderes Wort für die
Rückkehr zur Klassengesellschaft) schnellstmöglich zu verwirklichen
ist:
"Das Offensiv-Gesetz macht (...)
einen ersten Schritt, damit es erfolgreich sein kann, ist noch mehr
Mut erforderlich. Arbeitsmarktpolitik kann allenfalls die
Flurschäden verringern, die eine falsche Lohn- und Sozialpolitik
angerichtet haben. Notwendig sind mehr Arbeitsplätze im privaten
Niedriglohnbereich. Solche Arbeitsplätze werden aber nur in
ausreichender Zahl geschaffen und von den Sozialhilfeempfängern
angenommen, wenn sich Anspruchslohn und geringe Produktivität der
Arbeitnehmer entsprechen. Das macht eine Reform der Sozialhilfe
notwendig."
|
|
| |
|
-
FOCUS-Titelgeschichte: Die
Spielregeln der Liebe
- KRISCHER, Markus (2002):Die nackte Logik
des Zwei-Seelen-Spiels.
Forscher entschlüsseln die Strategien der Liebe - sie entdecken
die mathematischen Regeln von Streit und Versöhnung in
Partnerschaften,
in: Focus Nr.51 v. 16.12.
|
|
| |
|
- SACHSE, Katrin (2002): Die geteilte Sorge.
Das neue Kindschaftsrecht erhöht die Zahlungsmoral - der Staat
spart Millionen,
in: Focus Nr.51 v. 16.12.
|
|
| |
|
- KNAUP, Horand/KURBJUWEIT, Dirk/NELLES,
Roland (2002): Der ewige Parteisoldat.
Franz Müntefering als Wächter der Werte: Stur verteidigt der
Fraktionschef den Sozialstaat gegen die Reformer - und legt sich dabei
vor allem mit seinem Kanzler an,
in: Spiegel Nr.51 v. 16.12.
- Kommentar:
Die Differenz zwischen MÜNTEFERING und SCHRÖDER wird
folgendermaßen beschrieben:
"Es stehen gegeneinander: ein
Sozialdemokrat, der an Traditionen und Programme glaubt gegen einen
Sozialdemokraten, der an sich glaubt; ein Parteipolitiker gegen den
Machttechniker; ein Sturkopf gegen einen Wendehals".
Der US-amerikanische Soziologe David
RIESMAN hat 1950 in
"The Lonely Crowd" den Aufstieg des außengeleiteten Menschen
beschrieben: ein moderner Mann ohne Eigenschaften, der nichts als
die Anerkennung seiner sozialen Umwelt - z.B. der Medien - anstrebt.
SCHRÖDER wäre damit bereits vorab zum
Sieger über den innengeleiteten Traditionalisten MÜNTEFERING
erklärt.
|
|
| |
|
- BURMESTER, Silke (2002): Männerdorn im Auge,
in: TAZ v. 16.12.
- Kommentar:
BURMESTER meldet eine neue
TV-Programmzeitschrift für Singles auf dem Markt: "TV-Sünde".
Zielgruppe sollen 19-
49 jährige, männliche Singles sein. BURMESTER übersetzt das in die
Alltagssprache: "Sprich, immer mehr Männer sich
einsam einen runterholen müssen". Die Macher möchten
100.000 Zeitschriften verkaufen.
Anscheinend erhofft
man sich aufgrund des Erfolgs von
Michel HOUELLEBECQ ein größeres Potenzial als vor einigen
Jahren, denn das Konzept ist nicht neu und schon einmal gescheitert.
|
|
| |
|
- TAZ-Gespräch: Renate Schmidt über Männer,
Frauen, Gleichstellung und welche Gesetze man nicht
braucht.
Der Kanzler hat zu seiner neuen Frauen- und Familienministerin gesagt:
Du hast zwar keine Gesetzgebungskompetenz, aber du musst nach allen
Seiten kommunizieren. Also misch sich Renate Schmidt ein. Ihr
Grundsatz: Lebenspraktische Dinge sind wichtiger als Ideologie
|
|
| |
|
-
MÜHLMANN, Sophie (2002): Zehn Quadratmeter Glück.
Gegen die Bevölkerungsexplosion steuert Chinas Führung mit einer
strengen Ein-Kind-Politik. Was aber, wenn ein Paar plötzlich Vierlinge
hat?
in: Welt v. 16.12.
|
|
| |
|
-
FUHR, Eckhard (2002): Wider das Reform-Maulheldentum.
Infantile Ruck-Rhetorik hysterisiert das Land, der notwendige
Wandel aber ist längst im Gange,
in: Welt v. 16.12.
|
|
| |
|
- SCHWAIGER, Rosemarie (2002): Land der
Kranken.
Pensionen: Die Reformvorschläge einer Expertengruppe stoßen auf
heftigen Widerstand. Doch ohne schmerzhafte Einschnitte wird es nicht
gehen,
in: Profil Nr.51 v. 16.12.
- Inhalt:
Was für Deutschland RÜRUP ist, das ist für Österreich
Theodor TOMANDL:
"Tomandl ist
Sozialrechtler und Leiter einer 40-köpfigen Expertenkommission, die
sich im Auftrag der Bundesregierung seit etwa zwei Jahren Gedanken
über eine Reform des Pensionswesens macht. Dass er die
Ergebnisse ganz alleine – also, zum Beispiel, ohne den
ressortzuständigen Sozialminister Herbert Haupt – präsentieren
musste, zeigt, wie schlecht die Nachrichten sind", meint SCHWAIGER
und bringt die Debatte auf den Punkt:
"So ähnlich
wie die Pensionsdebatte muss sich Sexualkundeunterricht in den
sechziger Jahren abgespielt haben: irgendwie notwendig, aber
hauptsächlich peinlich"
-
Bernd Marin - Lebenslang Kinderlose als Minderheit
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
01. - 15. Dezember
2002
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Bitte beachten Sie:
single-dasein.de ist nicht verantwortlich für die
Inhalte externer Internetseiten
|
|
| |
|
|
|
| |
|
[Suche] [ Homepage ] |
|
| |
|
|
|
| |
|
©
2000-2002
Bernd Kittlaus |
[email protected] |
Stand:
08. Januar 2003 |
|
Zugriffe
seit
dem 14.Juni 2000 |
|
|
| |
|
|
|