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News vom 01. - 10. März 2003
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Zitat
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"Eine
etwas biedere Mutter von mehreren Kindern hielt ihren Vortrag im
Schottenrock. Mit überzeugender Einfalt war es ihr möglich, die
Welt in zwei Lager zu teilen: auf der einen Seite die Mutter,
die Heim und Kinder schützt, der Frieden, die Blumen. Auf der
anderen Seite die Männer mit Presslufthammer, Gewehr und
Scheckkarte. Trotz dieser Schematik war es klar, dass sie »uns«
gut gelesen hatte.
Nach dem Vortrag, bei der Diskussion, stand Rosi Braidotti auf,
und machte sich über die Existenz von »Frauen« lustig. Mit ihrem
ironischen Zerriss der Englisch sprechenden Hausfrau traf sie
genau den wunden Punkt der meisten Artikel, die ich früher als
Mitverlegerin der Courage druckfertig gemacht hatte.
»Frau« war für Braidotti ein romantisches, sentimentales,
unwissenschaftliches, typisch rassistisches ideologisches
Konglomerat. Ein Hochstilisieren von etwas
angeblich Gemeinsamem an schottischen Hausfrauen,
afrikanischen Sklavinnen, relativ unterbezahlten
Leitungsbeamtinnen, arbeitslosen Habilitierten und
Dienstmädchen. Braidotti sprach als Wissenschaftlerin. Sie ließ
nur das als zuschreibbare Eigenschaft gelten, was gemessen
werden kann und was gemessen worden ist. Ich fühlte mich mit der
Schottin angegriffen, aber ich konnte nicht umhin, die Stringenz
zu bewundern, mit der Braidotti alles, was als eine Substanz,
eine Essenz, als Natur, ja als Körper der Frau überhaupt
besprochen wurde, als ein unwissenschaftliches Emblem oder
Ideologem abservierte. Damals schon im zwanzigsten Jahr meiner
feministischen Erfahrung, konnte ich ebensowenig vermeiden, die
politische Relevanz von Braidottis Argument zu fassen.
Warum wohl? Nach zwanzigjähriger Bewegung war es mir klar, dass
politische Erfolge im Dienst der Ver-wirung aller Frauen der
Welt unvermeidlich und primär der Beförderung jener Menschen
gedient hatte, mit deren Eigenschaftsprofilen ich mich
vergleichen kann. Und dass dieses Modell als Vorbild dienen
sollte für weitaus mehr Frauen, die immer ferner und immer
schmerzlich bewusster entfernt von unseren Fortschritten waren.
So unakzeptabel für mich die Dekonstruktion dessen auch sein
mag, als was ich mich fühle, die Dekonstruktion der
traditionellen Historizität des Frauseins, in dessen Schatten
ich aufgewachsen bin".
(aus: Barbara
Duden im Freitag vom 07.03. 2003) |
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EIDLHUBER, Mia & Nina HOROWITZ (2003): www.einsamkeit.ade.
Vom Jagdrevier für schnelle sexuelle Abenteuer hat sich das
Internat längst zum salonfähigen Umschlagplatz für den
bindungswilligen Mittelstand entwickelt. Wer die neuen Konsumenten
sind, wo man sich am besten einklickt, wie das Online-Dating zum
Wirtschaftsfaktor mutiert und warum der Cyberspace im 21. Jahrhundert
die Bartheke ersetzt,
in: Profil Nr.11 v. 10.03.
-
PROFIL (2003): Interview mit Soziologin Bühler-Ilieva.
Die Schweizer Soziologin Evelina Bühler-Ilieva, Autorin der ersten
repräsentativen Studie zur Partnersuche im Internet, über die
zunehmende Bedeutung von Online-Dating,
in: Profil Nr.11 v. 10.03.
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Evelina Bühler-Ilieva - Die Entstehung von Partnerschaften online
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Internationaler Frauentag
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DRIBBUSCH, Barbara (2003): Zicken in der Gefälligkeitsfalle.
Gar nicht so einfach, richtig böse zu werden. Ein Selbstversuch
mit aktuellen Frauen-Ratgebern,
in: TAZ v. 08.03.
-
TAZ-DOSSIER
- Inhalt:
Umfangreiches Dossier mit Themen von den neuen
Bildungsverlierern, den Chefinnen, Männer als Opfer und die
mächtigste Frau der Welt. Dazu noch ein TAZ-Magazin über
Risikofaktor Mann und männliche Aggressivität.
- Böse Mädchen - Arme Jungs: Birgit
Rommelspacher über Postfemininismus.
Gerade in Deutschland, Heimat des Muttermythos, ist die Kluft
zischen postfeministischen Karrierefrauen und Müttern besonders
tief. Selbstsucht auf der einen, Selbstlosigkeit auf der anderen
Seite, dazwischen gehen soziale und politische Ansprüche an die
Gesellschaft verloren.
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FRANK, Tanja (2003): Langsam leben.
Sie war eine rasante Stadt-Amazone und fuhr mit dem Fahrrad über
rote Ampeln. Jetzt trägt sie bequeme Schuhe, das Rad ist im Keller -
denn sie ist Mutter geworden,
in: Tagesspiegel v. 08.03.
- Kommentar:
Der Tagesspiegel funktioniert den Frauentag zum
Muttertag um.
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SCHÖNBURG, Alexander von (2003): Glanz ist in der kleinsten Hütte.
Deutschland muss lernen, in Anmut zu sinken und mit Stil zu
verarmen. Hier hilft das Nabokov-Prinzip,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.03.
- Kommentar:
Adel verpflichtet! Bei der SZ nimmt man
sich an der BUNTE ein Vorbild. Statt Frauentag ist heute Adelstag!
Der Artikel hätte natürlich nicht in der
Bunte erscheinen können, weil es hier um eine Kritik am
Kündigungsschutz in Deutschland geht:
"Auch wenn ich es in meinem persönlichen Fall
natürlich bedauere, muss ich dennoch einsehen, dass mein ehemaliger
Arbeitgeber richtig gehandelt hat. Es ist nicht ganz von der Hand zu
weisen, dass sich ein Unternehmen in Zeiten wie diesen keine neuen
Mitarbeiter leisten kann, wenn es ihm durch das
Gesetz praktisch unmöglich gemacht wird, sie je wieder loszuwerden".
Ansonsten droht die SZ an, dass nun
SCHÖNBURG wöchentlich das
stilvolle Verarmen predigen darf,
denn:
"Der Vorteil von Familien wie meiner ist nun, dass
wir jahrhundertelang Erfahrung mit dem stetigen sozialen Abstieg
machen konnten und daher eine gewisse Übung darin haben".
Durch das "Ein Herz für den Adel"-Engagement
der SZ gibt es wenigstens einen Generation Golf-Arbeitslosen in
Deutschland weniger. Für den Rest seiner Sozialstaats-Generation hat SCHÖNBURG
nur Verachtung übrig:
"Angeblich laufen alleine in Berlin zehntausend
arbeitslose Journalisten herum. Wenn man jene hinzuzählt, die es
bereits beim Platzen der New-Economy-Blase erwischt hat (...), hat
Berlin endlich wieder die Chance, eine Art Bohème zu entwickeln.
Allerdings sieht man in dieser Stadt keine fröhlichen, sondern nur
abgerissene Gestalten, die in Kaffeehäusern Ideen entwickeln.
Oder mies gelaunte, bestenfalls melancholische ehemalige Kollegen.
Sie beklagen ihren Zustand und sind so damit beschäftigt, von der
Künstlersozialkasse in kunstvoll formulierten Briefen Geld zu
fordern sowie Formulare für Ich-AGs auszufüllen, dass sie keine Zeit
haben, ins Kaffeehaus zu gehen. Für die 600 Euro monatlich, die man
als Gründer einer Ich-AG vom Staat erhält, hätte Nabokov im viel
beschworenen Berlin der zwanziger Jahre hunderte Stunden
Nachhilfeunterricht (in Englisch, Französisch, Versmaß, Tennis und
Boxen) geben müssen. Das Verarmen wird einem heute durch den Staat
einerseits schwerer gemacht. Andererseits muss es wohl früher sehr
viel leichter gewesen sein, würdevoll arm zu sein es gab noch
keinen Konsumterror".
Diedrich DIEDERICHSEN hat in "Freiheit
macht arm" (1993) beschrieben, dass es auch einmal ganz anders ging.
Dort beschreibt er, wie im Paris um die Mitte
des 19. Jahrhunderts die Umwertung der Subversion begann, damals als
sich
"zum ersten Mal herabgesunkene
Adlige, die in der bürgerlichen Aufklärung nur den Ruin schon
erlebter oder besessener Feinheiten ausmachen konnten, und von unten
nicht zur bürgerlichen Kommunikationswelt zugelassene
Schonnichtmehrproletarier in den gleichen Lokalen trafen (...). In
diesen Lokalen fiel nämlich der ästhetische und der politische
Abstand zur sich institutierenden Kommunikationsidee zusammen. Die
ästhetische Differenz zum bürgerlichen Geschmack, seiner
Warenförmigkeit, empfand sich als politisch und, umgekehrt, die
politische als ästhetisch."
- Die Machtstrategien des
Adels hat eine französische Adelige und BOURDIEU-Schülerin
erforscht:
Monique de Saint Martin - Der Adel
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- Der
interessante Artikel
DUDEN, Barbara (2003): Wir, die falschen Hasen.
Befinden und Befunde. Die Frauenbewegung hat schon vor langer Zeit
ihre gemütliche Identität verloren. Ein Grund für den Verlust ist die
historische Neuordnung des "wir",
in: Freitag Nr.11 v. 07.03.
- Kommentar:
Barbara DUDEN blickt wehmütig zurück. Sie hat
eine Epochenschwelle erkannt: Nicht mehr das ideologische WIR der
70er-Jahre-Frauengemeinschaft, sondern das gnadenlose, statistische
WIR beherrscht die heutigen Debatten.
Das hat zur Folge, dass die
Ungleichheit zwischen Frauen wahrnehmbar
wird:
"»Frau«
war für Braidotti ein romantisches, sentimentales,
unwissenschaftliches, typisch rassistisches ideologisches
Konglomerat. Ein Hochstilisieren von etwas angeblich Gemeinsamem an
schottischen Hausfrauen, afrikanischen Sklavinnen, relativ
unterbezahlten Leitungsbeamtinnen, arbeitslosen Habilitierten und
Dienstmädchen. Braidotti sprach als Wissenschaftlerin. Sie ließ nur
das als zuschreibbare Eigenschaft gelten, was gemessen werden kann
und was gemessen worden ist."
Die Kluft zwischen
Frauen ist DUDEN - im Gegensatz zu KLAMMER -
bewusst:
"Nach zwanzigjähriger Bewegung
war es mir klar, dass politische Erfolge im Dienst der Ver-wirung
aller Frauen der Welt unvermeidlich und primär der Beförderung jener
Menschen gedient hatte, mit deren Eigenschaftsprofilen ich mich
vergleichen kann. Und dass dieses Modell als Vorbild dienen sollte
für weitaus mehr Frauen, die immer ferner und immer schmerzlich
bewusster entfernt von unseren Fortschritten waren".
Andererseits hat das
heutige statistische WIR Konsequenzen, die dieses neue WIR durchaus
fragwürdig erscheinen lässt:
"Wenn heute eine »ich« sagt,
also mit zurück gebogenem Zeigefinger auf die, die spricht,
verweist, so ist ihr Referent immer häufiger eine statistische
Population. (...). Das postmoderne Selbstgefühl wird zunehmend durch
Selbst-Zuschreibung von diagnostizierten Befunden gespeist, die
nichts mit der eigenen Befindlichkeit zu tun haben. Mit jedem
Zeugnis, jedem Rezept und mit jeder Diagnose vermisst sich heute die
Frau im doppelten Sinn des Wortes: Sie versetzt sich jedes mal in
eine statistische Population, wird zum Fall in einer Ansammlung von
Fällen, denen nichts anderes als ein Syndrom gemeinsam ist, zum
Beispiel eine Geschwulst im Alter von 30 bis 40 bei unverheirateten
einzelstehenden Personen mit niedrigem Hämoglobin und begrenzter
Schulbildung von denen - ich überzeichne - je x Prozent
erfahrungsgemäß an Haarausfall, y Prozent an Erwerbslosigkeit und z
Prozent an Gewalttaten leiden werden. Ob sie innerhalb dieser
Population auch wirklich von Haarausfall betroffen werden wird, ist
und bleibt fifty-fifty. Aber vom Augenblick der Diagnose an weiß
sie, in welche Risiko-Gruppe sie gehört, und kann die Angst vor dem
Haarausfall und besonderer Neigung zur Vergewaltigung nicht mehr los
werden.
Ein derartig vermessener Ersatz des eigenen Befindens durch selbst
zugeschriebene Befunde war Mitte der 1970er Jahre ein Zeichen für
Hypochondrie, wenn nicht Schizophrenie. Immer mehr wurde es in den
80er Jahren zum Lehrziel von Frauenbildungszentren. Wenn Frauen
heute einen Zusammenschluss versuchen, so Verwiren sie Menschen mit
einem derartig zersplitterten und aus Befunden zusammengeklebten
Selbst".
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MICHALZIK, Peter (2003): Die Freiheit (zu) verletzen.
Maxim Billers bewegener Roman "Esra" handelt von der Liebe und
deren Vergeblichkeit - und musste jetzt vom Markt genommen werden,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.03.
-
BAX, Daniel & Kolja MENSING (2003): Ein Schriftsteller wird privat.
Maxim Billers neuer Roman "Esra" darf vom Verlag nicht weiter
ausgeliefert werden,
in: TAZ v. 07.03.
-
GOGOS, Manuel (2003): Das Ende der Blutsbande.
Meine Tochter, deine Mutter - und unsere gemeinsamen Probleme:
Maxim Billers neuer Roman "Esra" erzählt von der neuen Unordnung der
Liebe,
in: TAZ v. 07.03.
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Doppelkarrierepaare
- Kommentar:
Siehe den
Kommentar zum Bericht in der FR
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HAAKS, Nikola (2003): Familie im Gepäck.
Ein Forscher kommt selten allein. Um Spitzenkräfte zu locken,
kümmern sich ausländische Hochschulten auch um deren Partner - bis
hin zur Jobvermittlung,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 06.03.
- HORSTKOTTE, Hermann (2003): Nicht
ohne meinen Partner.
Für den Akademikernachwuchs ist wichtig, dass die Uni nach dem
Standesamt Jobs im Doppelpack anbietet. Vorbild sind die USA,
in: Rheinsicher Merkur Nr.10 v. 06.03.
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ETZOLD,
Sabine (2003): Es lebe das Leben als Krise!
Hochschulabsolventen leiden an der Quartelife-Crisis,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 06.03.
-
Alexandra Robbins - Quarterlife Crisis
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- GLÜCK, Alois (2003): Mit Werten aus der
Krise.
Die Erneuerung der Sicherungssysteme muss auf bewährten Idealen
beruhen. Politische Führung ist jetzt gefragter denn je: Das Volk muss
endlich aufgeklärt werden über die Ursachen der sozialen Probleme
hierzulande.
in: Rheinsicher Merkur Nr.10 v. 06.03.
- Kommentar:
Ora et labora - die bayerische Variante des
Sozialstaatsumbau...
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- KLAMMER, Ute (2003): Frauen brauchen
mehr als Familienpolitik.
Um eine wirklich gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben zu
sichern, muss das Normalarbeitsverhältnis generell neu definiert
werden,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.03.
- Kommentar:
Eine 70er-Jahre-Feministin trägt ihre
unzeitgemäße Sichtweise vor.
Unzeitgemäß, weil heute
die Gleichung Mann = Mann + Frau = Frau noch weniger stimmt als zur
Blütezeit dieser Form von Feminismus.
Unsere Gesellschaft wird zwar von den dominanten Milieus immer noch
über die feinen Unterschiede von Lebensstilgruppen definiert, aber
unter dieser dünnen Oberfläche ist längst der alte Klassenkonflikt
sichtbar. Da hilft weder der Versuch per Generationengerechtigkeit
die soziale Ungleichheit wegzudefinieren, noch der Versuch "Eltern"
und "Kinderlose" gegeneinander auszuspielen.
Was hat z.B. eine
allein erziehende Putzfrau im Niedriglohnsektor mit einer
kinderlosen C4-Professorin in der Frauenforschung gemein?
Fast nichts. Außer, dass die Putzfrau im
Haushalt der Professorin putzt. Und letztere forscht dafür über die
miserablen Lebensbedingungen von Putzfrauen. Die Professorin
erhöht dadurch umgehend ihre Reputation, während die Putzfrau erst
einmal den Dreck hat und sich mit der Bedürfnisse aufschiebenden
Utopie einer besseren Welt bescheiden soll.
Bei KLAMMER liest sich
die Geschlechterfrage so:
"Nach Daten der Untersuchung AVID erreichen im Westen
(ehemals) abhängig beschäftigten Frauen der Geburtsjahrgänge 1936 -
1955 in der Lebenszeitperspektive nur rund 42% des Erwerbseinkommens
der Männer. Für Frauen mit Kindern sind die Relationen noch
ungünstiger: Eine westdeutsche Frau der erwähnten Kohorten mit zwei
Kindern erzielt im Durchschnitt nur 43% des Lebenserwerbseinkommens
einer kinderlosen Frau. Die Lebenslaufanalyse bestätigt die Existenz
einer strukturellen Lücke der Erwerbseinkommen zwischen den
Geschlechtern zu Lasten der Frauen, wobei eine Geschlechterdifferenz
(Gender Gap) und eine zweite, aus besonderen Fürsorgeverpflichtungen
u.ä. resultierende Lücke (Mother Gap) bei Frauen kumulieren".
Was lässt sich daraus lernen?
Erstens haben die Daten historischen Wert,
denn die Jahrgänge 1936 - 1955 sind entweder schon in Rente oder
bereiten sich gerade darauf vor. Über die Lage auf dem heutigen
Arbeitsmarkt sagen sie also nichts aus.
Zweitens gehören besser
verdienende Frauen wie KLAMMER zu den Spät- bzw. gar nicht
gebärenden Frauen, während die gering verdienende kinderreiche Frau
zu den Frühgebärenden gehört. Die Kluft zwischen den Frauen ist also
wesentlich grösser als die Mittelwerte das suggerieren.
KLAMMER geht es nicht um Frauenpolitik
schlechthin, sondern um Frauenpolitik für die Yuppiefrau!
Nicht die Koexistenz pluraler
Lebensformen ist das Ziel, sondern die
Ablösung des Leitbildes Managerehe durch das Leitbild des Dual
Career Couples.
Darauf zielt z.B. die Kritik am
Ehegattensplitting, das Doppelkarrierepaare gegenüber den
Managerehepaaren benachteiligt.
Die Individualisierung des
weiblichen Lebenszusammenhangs mag für Yuppiefrauen eine Befreiung
darstellen, für geringverdienende Frauen ist es die
Freiheit schlechter Jobs oder der Arbeitslosigkeit. Der Abbau
"abgeleiteter Ansprüche" bedeutet für diese Frauen kein adäquater
Aufbau eigener Ansprüche. Zur Kritik solcher Yuppiepolitik siehe
Ilona OSTNER
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WRIEDT, Alexander (2003): Feuern, bis es knallt.
Die Lösung der wirtschaftlichen Probleme Deutschlands scheint
gefunden: Der Kündigungsschutz muss weg. Nur die Gewerkschaften
glauben noch nicht so recht daran,
in: Jungle World Nr.11 v. 05.03.
- Kommentar:
WRIEDT widerlegt das
Lieblingsargument der FAZ-Feuilletonrevoluzzer:
"Der Arbeitgeber muss
vor Gericht lediglich beweisen, dass ein Arbeitsplatz weggefallen
ist und er die richtige Sozialauswahl getroffen hat. Die
Unternehmerverbände bemängeln, die gesetzliche Formulierung, »sozial
ungerechtfertigte Kündigungen« seien unzulässig, sei zu schwammig.
Deshalb könne fast jeder Rauswurf vor Gericht erfolgreich
angefochten werden. Martina Perreng weist das zurück: »Der Richter
überprüft lediglich, ob die Sozialauswahl nachvollziehbar ist. Er
nimmt sie nicht selber vor.«
Eine 45jährige allein erziehende Mutter etwa, die einem Betrieb seit
zehn Jahren angehört, muss grundsätzlich gegenüber einem 26jährigen,
kinderlosen und allein stehenden Berufseinsteiger bevorzugt werden.
»Weist der Arbeitgeber allerdings nach, dass der junge Mitarbeiter
bessere Qualifikationen besitzt, etwa indem er über spezielle
Computerkenntnisse verfügt, kann er bevorzugt werden«, erklärt
Perreng".
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ADAM, Konrad (2003): Undank ist der Wohlfahrt Lohn,
in: Welt v. 05.03.
- Kommentar:
"Die Kernaufgabe bei der Schaffung eines
Niedriglohnsektors liegt darin, dass neue Stellen geschaffen werden,
und dies setzt eine Reform der Sozialhilfe voraus, die die
Anspruchslöhne und mit ihnen die tatsächlichen Löhne senkt".
Das ist die Kurzformel des Wissenschaftlichen Beirat beim
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2002) für die
Strategie der Lohnspreizung. Konrad ADAM zeigt sich in seinem
Leitartikel als exzellenter Erfüllungsgehilfe.
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LISBERG-HAAG, Isabell (2003): Nicht ohne meinen Liebsten.
Universitäten und Förderorganisationen geloben, mehr
Rücksicht auf "Doppelkarriere-Paare" zu nehmen,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.03.
- Kommentar:
Die erste deutsche Kampfschrift eines
Doppelkarriere-Paars (DCC) heißt "Das ganz normale Chaos der Liebe"
(1990).
Die
Kritik von Ulrich BECK und Elisabeth BECK-GERNSHEIM an der
universitären Arbeitswelt, die nicht Paaren oder Familien,
sondern Singles Arbeitsplätze anbietet, ist nun ein Jahrzehnt später
Gegenstand von Tagungen und findet langsam auch Eingang in die
universitäre Personalrekrutierungspraxis.
LISBERG-HAAG zeigt das
Beispiel zweier DCCs. Das eine Paar - typischerweise im geistes-
bzw. sozialwissenschaftlichen Bereich tätig - fristet sein Dasein
seit einem Jahrzehnt als
Spagatfamilie bzw. Wochenendbeziehung - während die
naturwissenschaftliche Elite in den Genuss einer neuen
Rekrutierungspraxis kommt: Das Paar Maria LEPTIN und Jonathan HOWARD
teilen sich den Abteilungsleiterposten am Institut für Genetik der
Universität Köln.
Dort wo deutsche Unis
auf dem Weltmarkt konkurrieren dürfen, müssen sie wohl oder übel
auch die sozialen Bedürfnisse der Topleute berücksichtigen:
"Den deutschen Hochschulen
geht es beim Thema Doppelkarrieren nicht um mehr Sensibilität für
private Belange ihres Personals, sondern um nüchternes Kalkül bei
der Anwerbung von Top-Forschern. 80 Prozent aller
Wissenschaftlerinnen haben einen Partner mit demselben
Qualifikationsniveau, neun Prozent der Wissenschaftler leben mit
einer gleich qualifizierten Frau zusammen. Und diese Paare kommen
nur, wenn die Bedingungen stimmen. Das bestätigt der Stifterverband
in seiner Studie »Brain Drain - Brain Gain« aus dem Vorjahr. Für
mehr als 70 Prozent der befragten deutschen Wissenschaftler im
Ausland spielen demnach herausragende Berufschancen für den
Lebenspartner und ein gutes Angebot an Kinderbetreuung eine
entscheidende Rolle bei der Wahl ihres Lebensmittelpunktes".
Das Gros der
Doppelkarrierepaare wird jedoch weiterhin ihr Dasein als
Fernliebende fristen müssen und -
dank HARTZ - werden auch soziale Absteiger ohne die
Annehmlichkeiten eines hohen Einkommens immer häufiger das Schicksal
von DCCs teilen müssen.
-
Jürgen Schulte - Dual-Career Couples
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KOTHENSCHULTE, Daniel (2003): Der Halbstarke.
Vom "angry man" zum "leading man": Zum Tode von Horst Buchholz, dem
deutschen Weltstar und Rebell des Adenauerkinos,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.03.
- Inhalt:
"Wäre das
Adenauerkino tatsächlich so spießig gewesen wie sein Ruf, dann hätte
es einen Star wie Horst Buchholz und einen Film wie Georg Tresslers
Die Halbstarken nie geben dürfen. Die Flucht des Helden vor einem
vom Vater dominierten Elternhaus in eine Jugendgang wurde in seiner
politischen Lesart ganz unmittelbar verstanden, in einer Zeit, da
Bill Haley als einziges Abluftventil für allen aufgestauten Unmut
herhalten musste. Horst Buchholz war das unverhoffte Gegengift zum
verordneten deutschsprachigen Rock'n'Roll eines Peter Kraus, dessen
Filme mit Conny Froboess so anarchisch waren wie ein Tanztee im
Kirchenkeller",
rehabilitiert
KOTHENSCHULTE das "Opakino".
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HIRRLINGER, Walter (2003): Der Mensch ist kein Auto.
Nicht diverse Kommissionen, sondern die Politik muss das
Sozialsystem zukunftsfähig machen,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.03.
- Kommentar:
HIRRLINGER ist Präsident des Sozialverbands
VdK. Das ist eine Art Gewerkschaft der Kriegs- und
Flakhelfer-Generation.
In diesem Sinne
formuliert HIRRLINGER eine Position, die darauf hinausläuft, dass
die Kerngenerationen des VdK keinen Beitrag zur Reform des
Rentensystems leisten müssen, denn aufgrund der Aufbauleistung und
der Besitzstandsgarantie der Verfassung seien ihre Ansprüche
unantastbar.
HIRRLINGER lehnt
deshalb jeden Umbau des Rentensystems ab, der die beiden
Generationen treffen könnte.
Die Abschaffung der
Frühverrentungspraxis für 68er und nachfolgende Generationen ist
genauso okay wie die Verlängerung der Lebensarbeitszeit für diese
Generationen. Gut ist deshalb auch der mittelfristige Umbau zu einer
Erwerbstätigenversicherung.
Man sieht: HIRRLINGER denkt so
fortschrittlich wie die neoliberalen Besitzstandwahrer von Meinhard
MIEGEL bis Jürgen BORCHERT!
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BARTELS, Gerrit (2003): Arbeit an der Tonspur.
Popmusik ist ein Wegwerfprodukt, vermag aber fast alles im Leben:
Nick Hornby erzählt in seinem Essayband "31 Songs" von seiner Liebe
zum Pop und der großen, magischen Kraft der drei Minuten,
in: TAZ v. 04.03.
- Inhalt:
"Hornby weiß nur zu
gut: Popmusik ist ein Wegwerfprodukt. Weshalb er aber nicht in
Depressionen oder, schlimmer, in düsteren Kulturpessimismus verfällt
- ganz im Gegenteil: Für ihn liegt die Stärke der Popmusik und ihre
Reife gerade darin, dass sie genau um diesen Wegwerfcharakter weiß.
Hornby ist in
"31 Songs"
weniger der euphorisch-staunende Junge und Nerd als vielmehr ein
entspannter, weiser Mann in mittleren Lebensjahren", lobt BARTELS
das Buch.
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WERNER, Hendrik (2003): Auf zu einem neuen Höhepunkt des
Intimitäts-Terrors.
Big Brother für Intellektuelle: Rainer Langhans war mit seinen
Gefährtinnen im Container,
in: Welt v. 04.03.
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- LEHN, Brigitte vom (2003): Frauen in
der Fruchtbarkeitsfalle.
Der Zeitgeist verlangt es: Schwangerschaften lange verhüten und
spät erzwingen,
in: Welt v. 04.03.
- Kommentar:
Adel verpflichtet! LEHN arbeitet an der
Bevölkerungsfront.
Mitte der 80er Jahre
hieß es noch, dass eine Karrierefrau
mit 35 keinen Mann mehr bekommt, heute ist es das Kind, das sie
nicht mehr bekommt.
Das US-amerikanische
Nachrichtenmagazin TIME und andere konservative Medien haben im
letzten Jahr
Sylvie Ann HEWLETT - Die Kämpferin gegen späte Mutterschaft -
mit großen Medienaufwand gehypt. Ihrem Buch hat es nichts genützt!
LEHN hat nun das Thema
aufgegriffen, ohne natürlich die Hintergründe zu benennen. Das
"Alter als Fruchtbarkeitskiller" ist das Thema, mit dem
Karrierefrauen neuerdings unter Druck gesetzt werden sollen.
Ungewollte Kinderlosigkeit ist angeblich ein Tabuthema. Muss
auch so sein, denn das schreibt die Ökonomie der Aufmerksamkeit vor!
LEHN hat auch einige
plakative Bilder zum Thema tickende biologische Uhr parat:
"Findet nicht jeder im Bekanntenkreis
Beispiele für zunächst gewollte, dann ungewollte Kinderlosigkeit?
Sei es die Generation-Golf-Überfliegerin, die sich der dramatischen
Stimmungsflaute am Arbeitsplatz plötzlich psychisch nicht mehr
gewachsen sieht, aus dem gut dotierten Job aussteigt und jetzt
vergeblich der Illusion eines »ruhigen Familienlebens«
hinterherrennt, weil es »nicht klappt«. Oder die erfolgreiche
Diplomkauffrau, die aus heiterem Himmel mit Ende 30 an Magersucht
erkrankt, weil sie den Blick in fremde Kinderwagen nicht mehr
erträgt".
Und weil das noch nicht
reicht:
"Über 100 000 Zugriffe
monatlich verzeichnet die Website www.wunschkinder.de. »Ungewollte
Kinderlosigkeit zählt gerade für Frauen zu den schlimmsten
Ereignissen ihres Lebens«, weiß Professor Elmar Brähler, Leiter der
Abteilung für Medizinische Psychologie der Universität Leipzig".
Die vielen Zugriffe
rühren wahrscheinlich davon, dass gerade außerordentlich viele
Journalisten wie LEHN über das Thema Unfruchtbarkeit recherchieren.
Das ist jetzt keine
Verunglimpfung derjenigen, die davon betroffen sind. Das Problem
existiert, aber es existiert weder erst seit heute, noch ist es
heute drängender als in den 80er Jahren (sieht man vom erhöhten
sozialen Druck ab).
Umgekehrt gilt, dass es
heute viel mehr Erstgebärende im Alter über 30 gibt:
"Zwar verdreifachte sich die
Zahl der über 35-jährigen Erstgebärenden zwischen 1990 und 2000 von
fünf auf 16 Prozent. Doch die Zahl der
ungewollt kinderlos Gebliebenen über 35 liegt im Dunkeln".
Erstaunlich! Die Autorin weiß
sogar was eine Dunkelziffer ist! Bei den internationalen Zahlen zu
den Abtreibungen, da wusste sie es nicht, aber da hätte das auch
nicht in die Argumentation gepasst.
Leider interessiert das
unsere Bevölkerungswissenschaftler überhaupt nicht! Sie berechnen
die aktuellen Geburtenraten immer noch mit Frauen, deren
Erstgebäralter wesentlich niedriger liegen. Deshalb ist die
Geburtenrate für junge Frauen zu niedrig geschätzt. Ganz nebenbei
bemerkt!
LEHN meint, das es ein
Informationsdefizit bei Frauen gibt, und sie deshalb über die
Babychancen aufklären muss. Das Defizit existiert nicht.
Katja KULLMANN hat in "Generation Ally" klargemacht, dass das
Problem woanders liegt. Und auch der überbordende Ratgebermarkt
beweist das Gegenteil.
"Es mag altmodisch klingen,
aber »carpe diem« lautet auch heute noch das Gebot der
Fortpflanzung. Und das müsste im schulischen Aufklärungsunterricht
ebenso gelehrt werden wie die Anwendung von Kondomen", meint LEHN.
Die
FAZ berichtet dagegen von der Zunahme minderjähriger Mütter.
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RÖGENER, Wiebke (2003): Robuste Scheidungskinder. Die Trennung der
Eltern hinterlässt offenbar nur selten bleibende Schäden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.03.
- Kommentar:
Hat der
neueste FOCUS die Scheidungspersönlichkeit von Eltern zum Thema
gemacht, so ist das Thema der kinderfreundlichen SZ das Schicksal
der Scheidungskinder.
Während in den USA die
Gegner der gängigen Scheidungskultur die negativen Folgen von
Scheidungen für Kinder hervorheben, haben in Deutschland noch die
Befürworter der Praxis die Oberhand. RÖGENER hat alles gesammelt,
was dafür spricht.
Scheidungskinder haben zwar
ein erhöhtes eigenes Scheidungsrisiko. Dies kann man jedoch durchaus
positiv sehen:
"Sie haben gelernt, dass man
das überlebt, und haben daher mehr Freiheit, das zu tun".
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HACHMEISTER, Lutz (2003): Der Meta-Experte.
Banken und Medien,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.03.
- Kommentar:
Die Medien - speziell die Wirtschaftspresse -
geraten aufgrund ihrer Komplizenschaft mit der New Economy selbst in
den Abwärtsstrudel.
HACHMEISTER fordert deshalb
ein Großreinemachen und fängt gleich selber damit an.
Norbert WALTER -
dem Prediger des marktradikalen Neoliberalismus - wirft er vor, dass
sein Arbeitgeber die Deutsche Bank, selber vom Neoliberalismus
nichts wissen möchte:
"Der Staat soll dann in die
Bresche springen, wenn sich Kreditnehmer als zahlungsunfähig
erweisen. Im Klartext: Die Steuerbürger sollen das Management-Risiko
der Großbanken minimieren, die mit Gewinneinbrüchen zu kämpfen
haben. Die Deutsche Bank hatte das Motto ihres leitenden Volkswirts
einfach umgedreht: Mehr Staat, weniger Markt".
Die Rolle von Experten
in der Mediengesellschaft beschreibt HACHMEISTER folgendermaßen:
"Kommentierende Experten sind
in Medien immer beliebt, wenn provokante Statements gefragt sind,
die der Journalist selbst nicht abgeben möchte oder aber als
externe Bestätiger für eine redaktionell vorgefasste Meinung. Solche
Bekundungen werden problematisch, wenn sich der vorgeblich
unabhängige Kommentator selbst als eindeutiger Interessenvertreter
oder Klientelpolitiker erweist".
Während HACHMEISTER - im
Interesse der unglaubwürdig gewordenen Neue-Mitte-Medien - noch mit
der Aufarbeitung der Komplizenschaft von Medien und Ökonomie
beschäftigt ist, existiert inzwischen eine
Komplizenschaft zwischen Medien und Politik,
die im anbrechenden Zeitalter des politischen Neoliberalismus
bedeutender ist.
In Frankreich wurde
gerade von zwei Journalisten ein Skandal bei der angesehenen,
"unabhängigen" Tageszeitung Le Monde publik gemacht. Bei uns
steht so etwas noch aus.
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- PRANTL, Heribert (2003): Warum die SPD
verliert,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.03.
- Kommentar:
Man reibt sich die Augen! Ein Leitartikel im
Interesse des "kleinen Mannes" im neoliberalen Reformerblatt?
Hatte doch
Franz WALTER gerade in der Welt klargemacht:
"Wenn in der deutschen Publizistik, fast von links
bis rechts, die »Reform« der Gesellschaft angemahnt wird, dann wird
dieser Begriff nahezu flächendeckend in einem bürgerlich-liberalen
Sinne übersetzt. Bei den professionellen Kommunikationseliten hat
ein genuin sozialdemokratischer Reform- und Staatsbegriff derzeit
keine jedenfalls keine positive Resonanz mehr".
"Die Wähler haben die Sprüche über
Flexibilisierung satt", donnert PRANTL von der Leitartikler-Kanzel!
Wer jetzt meint, die SZ hätte eine
Kehrtwende gemacht, der lässt sich blenden. Im Zeitalter des
politischen Neoliberalismus ist eine
begriffspolitische Wende
angesagt.
Tobias DÜRR
hat dies - orientiert an den dänischen Sozialdemokraten - auf die
Formel gebracht: "Mut machen und nicht Angst, mitnehmen und nicht
zurücklassen, einschließen und nicht ausgrenzen". Der Slogan
"Sicherheit im Wandel" soll reaktiviert werden, denn:
"Kündigungsschutz zu lockern ist
notwendig - aber es ist sinnvoll und machbar nur in dem Maße, wie
zugleich (etwa nach klugem dänischem Vorbild) hohe, die Existenz
sichernde finanziellen Ersatzleistungen sowie intensive
Vermittlungs- und zielgerichtete Fortbildungsangebote systematisch
dafür sorgen, dass Betroffene mit weichen Übergängen und zügiger
Rückkehr ins Erwerbsleben rechnen können.
(...).
Nicht von ungefähr verwenden die dänischen Sozialdemokraten den Satz
»Keine Rechte ohne Pflichten« grundsätzlich nur zusammen mit dem
Satz »Keine Pflichten ohne Rechte«".
Natürlich ist das soziale
Mäntelchen, das DÜRR hier ausbreitet schlecht gemachte
Augenwischerei. Entscheidend ist etwas anderes:
"nur wenn sie unterscheidbar
sind, können sie erfolgreich sein. Nur wenn sie dem hegemonialen
Mediendiskurs, der überall - durchschaubar interessengeleitet - nach
»Abbau« und »De-Regulierung« schreit, ihren eigenen positiven
Diskurs von intelligentem »Aufbau« und kluger »Re-Regulierung«
entgegensetzen, werden sie auch die Sozialdemokratie erhalten".
Damit hat DÜRR das Programm des
politischen Neoliberalismus formuliert.
Wenn selbst bei single-dasein.de Neoliberale als Besitzstandswahrer
bezeichnet werden (dass dies so ist, das wird von DÜRR mit seinem
Artikel bestätigt), dann ist die Strategie des ökonomischen
Neoliberalismus verbrannt! Die Ziele haben sich damit jedoch
keineswegs geändert.
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- REPORTAGE: Ursula von der Leyen - Eine
politische Karriere.
Nach einem Jahr Kommunalpolitik wird Ursula von der Leyen (CDU)
morgen Familienministerin Niedersachsens. Die Frau hat übrigens sieben
Kinder bekommen. Und gearbeitet. Als Ärztin. Und sich engagiert. Und
in Stanford studiert und gelebt. Ach so, die Tochter von Ernst
Albrecht ist sie auch,
-
HAARHOFF, Heike (2003): Die Supermutterpowertochter,
in: TAZ v. 03.03.
- Kommentar:
Was zu erwarten war!
Ein bissiges Porträt der neuen
niedersächsischen Familienministerin von Heike HAARHOFF. Als
Einstimmung gibt es das "Duell zweier Adliger" um einen
niedersächsischen Wahlkreis.
Bemerkungen wie "mädchenhafte
Gestalt, und dazu ein Lächeln wie jemand, der immer auf der
Sonnenseite gestanden hat: offen, gewinnend, großzügig. Beinahe
ist man versucht zu denken: eine aristokratische Erscheinung. Aber
vielleicht liegt das auch nur an dem Pony im Stall", bereiten vor
auf den
familienpolitischen
Identitätskonflikt:
"Hat sie nicht sieben Kinder bekommen?
Nebenher immer gearbeitet? Klar, die Finanzen stimmten seit
Generationen auch ohne ihr Zutun, aber trotzdem. Ist sie nicht
sogar jetzt, als Ministerin, bereit, sich in Nachbarschaft,
Schule, Kindergarten zu engagieren? Na also. Ursula von der Leyen,
Supermutterpowerfrau.
Frauen, deren Alltag anders aussieht, platzt da schon mal der
Kragen. »Alles läuft bei ihr über Geld und Beziehungen«, klagt die
SPD-Ratsfrau Regina Runge-Beneke, die Ursula von der Leyen ein
Jahr lang im Stadtrat von Sehnde erlebt hat. »Hätte sie nicht
diese reiche Familie und das viele Personal, sie würde ganz anders
reden.« Runge-Beneke, 54 Jahre, ist seit 15 Jahren in der
Kommunalpolitik, sie hat drei Kinder und musste ihre volle
Lehrerinnenstelle auf eine halbe reduzieren, »um alles unter einen
Hut zu kriegen«.
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- FUCHS, Peter (2003): Kinder der
Zukunft.
Ein Beispiel für die Kunst der Gegenwartsvernichtung,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.03.
- Kommentar:
Die Einleitung des Beitrags sagt bereits alles
über unsere Gesellschaft:
"Ich bin, um dies vorweg zu sagen, der
Kinderfeindlichkeit nicht unmittelbar verdächtig als Vater von so
vielen Kindern, wie man sie gerade noch unter Rettung eines Fingers
an beiden Händen abzählen kann".
Was der kinderreiche Vater
schreibt, das wird Sozialpopulisten wie Jürgen BORCHERT kaum in den
Kram passen.
FUCHS kritisiert den Tanz ums goldene Kind.
Hat
Christopher LASCH den Kinderlosen "Zukunftsvernichtung"
vorgeworfen, so wirft FUCHS den Eltern ihre "Gegenwartsvernichtung"
vor.
Aber in beiden Fällen geht es eher um
gesellschaftliche Werte. FUCHS kritisiert deshalb in erster Linie
den "Normenkomplex verantworteter Elternschaft", der von
Wissenschaftlern wie
Elisabeth BECK-GERNSHEIM oder
Christine CARL für die Kinderarmut unserer Gesellschaft
mitverantwortlich gemacht wird.
Postulate wie "Nachhaltigkeit"
und "Generationengerechtigkeit" verschärfen durch ihre
Zukunftsorientierung den Druck auf die Gegenwart:
"Die Gegenwart (...) ist nicht Da-Sein, kein Hic et
Nunc, kein Erfüllungs- und Lebeort, sondern ein Presswerk, in dem
alles, was geschieht, die Gestalt des Aufschubs annimmt.
In dieses Presswerk gerät auch die soziale Konstruktion des Kindes.
Es wird zu dem, wovon unsere Zukunft abhängt und folglich muss es
auf diese Zukunft hin stilisiert, es muss zukunftsträchtig werden".
Das Kind soll die Renten seiner
Eltern sichern, es soll die Eltern pflegen usw. Das Kind wird
instrumentalisiert:
"Die Eltern leben für die Kinder (nicht
für sich selbst), die Kinder leben für die Eltern (nicht für sich
selbst).
Ebendiese Zirkularität, die eine Form der Leere, der Nichtigkeit
begründet, wird verdeckt durch die soziale Mythologie des Kindes,
einer Mythologisierung, die, wie man ja auch sagen könnte, einer
grandiosen Instrumentalisierung der Kinder den Weg bereitet, die
(wie ihre Eltern) in eine Zeitfalle geraten, in die Falle einer
verheerenden Zeitberaubung".
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- GRISSEMANN, Stefan (2003): "Sterben mit
der Schönheit im Hirn".
Der Philosoph Klaus Theweleit über die zwiespältigen
Anti-Bush-Interventionen von Künstlern und Intellektuellen, über
Glamour, Tod und Denksplitter, über Jayne Mansfields Wahrheiten und
Gerhard Schröders Lügen,
in: Profil Nr.10 v. 03.03.
- Kommentar:
Eine popkulturelle Stellungnahme angesichts
des neuen Madonna-Videos:
"Pop hat, jedenfalls bei bestimmten
Bevölkerungsteilen der Welt, inzwischen die Religionen ersetzt. So
tritt Glamour an die Stelle des Glaubens. Man stirbt dann im
Angesicht des Models, mit der Schönheit im Hirn, das wurde schon für
den Ersten Weltkrieg so beschrieben".
An welchen Roman
THEWELEIT gedacht hat, das ist nicht überliefert, aber dazu passt
auch eine Szene aus
"Demian" von Hermann HESSE:
"Jetzt auf
meinem dunklen Posten dachte ich mit Innigkeit an die Bilder meines
bisherigen Lebens, an Frau Eva, an Demian.
(...). In den Wolken war eine große Stadt zu sehen, aus der strömten
Millionen von Menschen hervor (...). Mitten unter sie trat eine
mächtige Göttergestalt, funkelnde Sterne im Haar, groß wie ein
Gebirge, mit den Zügen der Frau Eva (...).
Einer von den Sternen brauste mit hellem Klang gerade zu mir her,
schien mich zu suchen. - Da krachte er brüllend in tausend Funken
auseinander, es riß mich empor und warf mich wieder zu Boden,
donnernd bracht die Welt über mir zusammen."
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- HANK, Rainer (2003): Wenn das Vertrauen
verloren ist.
Der Dax erreicht einen neuen Tiefstand. Bildanzskandale erschüttern
die Wirtschaft, Manager stehen vor Gericht. Die Rettung aus der Krise
könnte ein sehr altes Rezept bringen,
in: Tagesspiegel v. 02.03.
- Kommentar:
Obgleich die Verfechter des
Neoliberalismus das politische System erfolgreich okkupiert haben,
ist der ökonomische Neoliberalismus der Marktgesellschaft selbst am
Ende:
"Es sind fünf Bestimmungsgrößen, die das Vertrauen
befördern oder behindern: Pro-Kopf-Einkommen, die faire Verteilung
des Einkommens, Effizienz der öffentlichen Verwaltung, soziale
Kohäsion und Bildung. Etwas salopp gesprochen, heißt das: Wem es gut
geht und wer besser ausgebildet ist, der ist offenbar auch eher
bereit, seinen Mitmenschen Vertrauen entgegenzubringen. Je
unterlegener einer sich fühlt, umso misstrauischer wird er sein. Und
je ungleicher eine Gesellschaft, umso schwerer hat sie es, Vertrauen
herzustellen. Zugespitzt formuliert: Egalisierung fördert
Vertrauen".
Der Neoliberalismus setzt jedoch nicht auf
Gleichheit, sondern auf Ungleichheit. Ergo gerät das System in eine
Vertrauenskrise. Plötzlich entdecken
Neoliberale wie Rainer HANK den Vorteil der Religion wieder:
"Die liberale Wirtschaft und Gesellschaft lebt von
Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren kann. Es sind dies
auch religiöse Voraussetzungen, wie sich an der
Herkunftsgeschichte des Vertrauens zeigt. Dabei offenbart sich
Vertrauen als eine Ressource, die für erfolgreiches Wirtschaften
verantwortlich ist und Wachstum unterstützt.
Wirtschaftlicher Erfolg ist maßgeblich abhängig von Institutionen.
Doch der Blick wird üblicherweise ausschließlich auf die
Institutionen des Rechts gerichtet. Das reicht nicht aus. Europa und
den Vereinigten Staaten mangelt es nicht an Rechtsstaatlichkeit;
gleichwohl sind Unternehmen und Märkte in Legitimationsnot geraten:
in eine Krise der Moralität. Jetzt zeigt sich: Auch Vertrauen gehört
zur Grammatik des Marktes".
Das Beispiel USA zeigt jedoch, dass neben der Religion der
autoritäre Staat eine Alternative ist.
Wir sind längst Zeugen eines Übergangs
vom ökonomischen zum politischen Neoliberalismus.
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-
Berliner
Bevölkerungsentwicklung
- ABI (2003): Bezirk der schönen
Mütter.
Die Ausnahme: In Prenzlauer Berg gibt es einen Baby-Boom,
in: Tagesspiegel v. 01.03.
- Kommentar:
"Nicht Cocktails,
sondern Milchfläschchen. Statt Sushi gibt es Gemüsebrei. Und
nachts wird nicht getanzt, sondern gewickelt. Während im Rest
Berlins der Trend in die andere Richtung weist, ist im
Szeneviertel Prenzlauer Berg der Babyboom angesagt. Dort wo einst
Singles, Studenten und Trendsetter das Straßenbild bestimmten,
sieht man jetzt vor allem: viele Kinder. Über die höchste
Geburtenrate in Berlin kann sich der Bezirk zwischen Schönhauser
Allee und Zionskirchplatz freuen. Erblickten 1998 nur 2732 Kinder
das Licht der Welt, waren es 2001 schon 3130. Ein Zuwachs um 14,6
Prozent",
berichtet ABI über hippes
Kinderkriegen und den
Club der coolen Mütter.
Die
Stadtsoziologin Monika ALISCH hat bereits vor 10 Jahren auf
diesen neuen Trend hingewiesen, der nun im Berliner Szeneviertel
sichtbar wird.
"Family-Gentrifier" nennt sie jene
neue Gruppe von Yuppie-Eltern, die Beruf und Familie vereinbaren
möchten und deshalb die innenstadtnahen Wohngebiete bevorzugen.
- MARTENSTEIN (2003): Das neue Berlin.
Hauptstadt der Singles,
in: Tagesspiegel v. 01.03.
- Kommentar:
Family-Gentrifier
Harald MARTENSTEIN freut sich ganz und gar nicht, dass junge
Singles nach Berlin ziehen.
Die Jugend ist für eine
Übergangszeit ein Auslaufmodell - also sollte sich jede Stadt
freuen, dass sie für junge Singles attraktiv ist.
MARTENSTEIN hat jedoch die völlig
unbegründete Angst, Berlin könnte zur
Hauptstadt der jungen Singles
werden:
"Mit Kindern geht es weiter, ohne Kinder ist
irgendwann Schluss. Berlin, die Stadt, die immer weniger Kinder
hat, lebt ganz im Rausch des Heute. Es ersäuft seine Zukunft in
einem Meer aus Schulden, es kümmert sich zu wenig um seine
Schulen, ist aber der neue deutsche Meister im Partyfeiern".
MARTEINSTEIN - bisher als
Verteidiger der Spassgesellschaft bekannt - outet sich als Gegner
der Spassgesellschaft, sobald sie vor seiner Haustür stattfindet
und nicht nur im Fernsehen!
- BEIKLER, Sabine (2003): Berlin für
die ganze Familie.
Immer mehr Singles um die dreißig leben in Berlin. Die Stadt wird
immer jünger. Doch gleichzeitig ziehen viele Familien ins Umland:
Mit neuen Baukonzepten will der Senat die zunehmende Stadtflucht der
Eltern verhindern,
in: Tagesspiegel v. 01.03.
- Kommentar:
Junge Singles sind den Städten - aufgrund der
politisch forcierten Finanznot - ein Dorn im Auge, obgleich die
Funktion der Städte gerade für diese Gruppe attraktiv ist.
Ausbildungs- und Freizeiteinrichtungen sind die Infrastruktur, die
junge Singles anziehen.
Sie sind jedoch nicht so kaufkraftstark wie Yuppie-Eltern und sie
sind mobiler, d.h. sie kehren den Städten den Rücken, sobald ihre
Ausbildung beendet ist oder sie einen attraktiven Arbeitsplatz
woanders gefunden haben.
Das kleinräumige, politische Territorialprinzip ist der mobilen
Gesellschaft des ICE-Zeitalters nicht mehr angemessen. Die
Verschwendung von Steuergeldern ist die Folge einer unsinnigen
lokalen Standortverteidigung. Der Verlierer ist der Bürger.
- ZAWATKA-GERLACH (2003):
Kinderfreundliches Berlin?
Was Familienpolitiker zur Abwanderung sagen,
in: Tagesspiegel v. 01.03.
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- REENTS, Edo (2003): Bob Dylan ist doch
überhaupt nicht musikalisch.
Jede Platte erzählt eine Geschichte, aber ein Leben dauert länger
als einundreißig Songs: NIck Hornbys brillante Pop-Essays,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.
- Kommentar:
Edo REENTS ist ein Fan von Rod STEWART und weil
HORNBY den Song "Mama You Been On My Mind" in seine Sammlung von
31 Songs
aufgenommen hat, darf sich REENTS ausführlich mit STEWART
beschäftigen. HORNBY erhält dafür das Prädikat
"Holden Caulfield der Popkritik".
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- KÄMMERLINGS, Richard (2003): Halbe
Hemden, frisch gestärkt.
Mit offener Brust dem Stier entgegen: Maxim Billers neuer Roman
"Esra" packt die Liebe bei den Hörnern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.
- Inhalt:
"Billers düsteres, schmerzhaftes, doch radikal
aufrichtiges
Buch Esra zeigt unsere Gegenwart mit ihren Viertelbeziehungen
und Halbfamilien als erlösungsbedürftige Welt, in der die Liebe
manchmal aus dem jensetis kommt und allzuoft dahin zurückkehrt",
lobt KÄMMERLINGS.
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- Kommentar:
Familienpolitische Offensiven gehen einher mit der
Zunahme von minderjährigen Müttern. Das war bereits in den 50er
Jahren so und das ist heute wieder so. Die FAZ droht nun an, dass
sie in den nächsten Jahren in unregelmäßigen Abständen aus dem Leben
von zwei jungen Elternpaaren berichten wird.
- HUMMEL, Kathrin (2003): "Ich will
meinen Abschluß".
Jasmin Schöps, 14, und Dennis Benne, 18, berichten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.
- HUMMEL, Kathrin (2003): "Liegt wohl
in der Familie".
Jennifer Merschive, 16, und Daniel Haack, 18, berichten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.
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- DÜRR, Tobias (2003): Abenddämmerung der
regierenden Generation Rot-Grün.
Die deutsche Sozialdemokratie im Jahr 2030. Tobias Dürr über die
Notwendigkeit eines neuen Politikstils und die Überwindung von
Steinzeitpositionen,
in: Frankfurter Rundschau v. 01.03.
- Kommentar:
"Was, beispielsweise, muss
mit und in dieser Republik passieren, damit 1965 Geborene, wenn sie
2030 in den Ruhestand treten, eine anständige Rente bekommen und mit
ihren Enkeln im öffentlichen Bus ins städtische Schwimmbad fahren
können, ohne Angst davor, in der vergammelten Fußgängerunterführung
von entfremdeten und marginalisierten arbeitslosen
Migrantenjugendlichen der siebten oder achten Generation
ausgeplündert zu werden?"
Wer hier so scheinheilig fragt, das
ist nicht etwa der Parteichef der Republikaner oder der NDP, nein es
ist die neue Stimme der
SPD-Generation Berlin.
Die Einschätzung von
Egon MATZNER (FR vom
22.01.2003) ist also mehr als berechtigt!
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WALTER, Franz (2003): Die Sozialdemokratie vor dem Verlust der Neuen
Mitte.
Nicht nur die Arbeiter, auch die Postmaterialisten der Generation
Mutlangen wollen jetzt Cash statt Öko und rennen der SPD in Scharen
davon,
in: Welt v. 01.03.
- Kommentar:
"Die Landtagswahlen
in Hessen und Niedersachsen markierten (...) eine einschneidende
Zäsur: Nirgendwo verloren die Sozialdemokraten so drastisch wie in
den Jahrgängen 19571967. Fast 20 Jahre bildeten (...) diese
Jahrgänge die konstante Kerntruppe und Avantgarde von Rot-Grün
(...). Die stürmische Zeit hatte nachhaltig sozialisiert und
politisch lange rot-grün gebunden. Umso bemerkenswerter ist der
tiefe Einbruch zu Beginn des Jahres 2003, der jähe Wechsel der Lager
ausgerechnet dort. Die Protest- und Bewegungsgeneration von einst
ist nunmehr im Zyklus des Lebens in der Mitte angekommen, ist also
um die 40 Jahre alt. Die Mutlangen-Kohorte ist im Elternalter, steht
im Zentrum des Berufslebens. Sie vor allem hat gegenwärtig nahezu
alle Probleme und Lasten der Gesellschaft zu tragen: Erziehung der
Kinder, Pflege oft der Eltern, Steuern, Abgaben et cetera. Und ganz
offenkundig war für die »Generation Mutlangen« in den letzten
Monaten das Ende der Fahnenstange erreicht", behauptet der Göttinger
Politikwissenschaftler
Franz WALTER.
Das ist jedoch nicht der
entscheidende Punkt. Entscheidender ist:
"Bei den professionellen
Kommunikationseliten hat ein genuin sozialdemokratischer Reform- und
Staatsbegriff derzeit keine jedenfalls keine positive Resonanz
mehr".
Die neoliberalen
Besitzstandswahrer haben entsprechend der
"Ökonomie der
Aufmerksamkeit" im mentalen Kapitalismus (Georg FRANCK) die
zentrale Position in der Mediengesellschaft inne.
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UNIVERSITAS-Schwerpunkt Familie und Erziehung
-
MARTENSTEIN, Harald (2003): Aller Anfang...,
in: Universitas, März
- HÜTHER, Gerald (2003): Wohin, wofür,
weshalb?
Über die Bedeutung innerer Leitbilder für die Hirnentwicklung
in: Universitas, März
-
SCHMIDT, Renate (2003): Was Kinder wirklich kosten,
in: Universitas, März
-
GASCHKE, Susanne (2003): Die Spätschäden von achtundsechzig.
Antiautoritäre Nachhut und neue Kapitalisten demontieren die
Erziehung,
in: Universitas, März
- MEIER, Ute (2003): Neue Strukturen braucht
das Land,
in: Universitas, März
-
BERTRAM, Hans (2003): Erziehung ist nicht (nur) Privatsache,
in: Universitas, März
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- STÜTTGEN, Tim (2003): Feridun Zaimoglu.
Propagandist des Dekadenten,
in: Spex Nr.3, März
- Kommentar:
ZAIMOGLU zum Generationenkonflikt:
"Ich gehöre nicht zu denen, die sich an
der vorigen Generation oder den 68ern abarbeiten müssen, um die
eigene Untüchtigkeit, die eigene Ideenlosigkeit zu übertünchen. Ich
bin kein Generationenkonfliktler. Ich habe keine Lust, Sittenbilder
auszufüllen", lässt er wissen.
Mit
"German Amok" hat ZAIMOGLU einen "Missbrauchscharakter"
geschaffen, der ideal zum Sozialstaatsabbau-Programm der Neuen Mitte
passt.
Als sozialer Aufsteiger hat
er für sein Milieu nur Verachtung übrig:
"Warum soll ich mich für Proleten
einsetzen, die mir bei der erstbesten Gelegenheit vors Schienbein
hauen? Ich komme aus einem Proleten-Milieu und ich weiß, dass da
nicht nur ein edles Bewusstsein entsteht. Im Gegenteil."
Sein Neue-Mitte-Credo
heißt:
"Wer Hoffnung will, soll zum nächsten
Drogendealer gehen, sich seine Glücksprise holen und sich einen
reinziehen. Wer Hoffnung will, soll gut verdienen und am Konsum
seine Freude haben. Ich bin nicht gekommen, um die Liebe zu
predigen."
Aber was bedeutet schon ein Interview
im SPEX?
Erfindet sich ZAIMOGLU hier nicht nur neu?
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Was tun?
Revolution und Utopie - Neues von der Zukunft
- LEITGEB, Hanna (2003): "Was ist da
draußen überhaupt los?"
Von Katastrophen, Katerstimmung und neuen Chancen - Ein Gespräch
mit Mathias Greffrath, Michael Jeismann, Thomas Meinecke und
Herfried Münckler über Deutschland, Europa, die Intellektuellen und
die Utopie,
in: Literaturen Nr.3, März
- Kommentar:
Vielleicht hätte der Runde die Tochter von JEISMANN
gut getan, denn so blieb die Runde der 1945 - 1955 Geborenen unter
sich und es bildeten sich die bekannten Rollen aus.
MÜNKLERs Beiträge sind eher
Bewerbungsgespräche für einen Job als Politikberater, GREFFRATH -
bekennender 68er, ist mittlerweile in der Neuen Mitte angekommen.
Thomas MEINECKE spielt den popkulturellen Non-Konformisten:
"meine Haltung würde ich eher als hakenschlagend, partisanisch
bezeichnen". Zu dieser Rolle gehören Äußerungen wie:
"Die heutigen Unmutsbekundungen sind
doch Ausdruck einer wild gewordenen Bourgeoisie, die die Zügel der
Kritik in den Händen hält. Nach den Gründerjahren der Neunziger
will uns diese durchgedrehte, immer mehr fordernde Clique jetzt
einreden, dass leider nichts mehr zu erwarten ist."
In der staatstragenden Runde blieben
solche Einwürfe jedoch ohne Resonanz.
- TERKESSIDIS, Mark (2003): Völlig
losgelöst.
Der Kapitalismus ist wieder ein Thema für Intellektuelle - doch
ihrer Kritik fehlt der Bezug zur eigenen Tradition wie zur Praxis
der Protestbewegungen,
in: Literaturen Nr.3, März
- Kommentar:
TERKESSIDIS bespricht neue Bücher von
Naomi KLEIN ("Über Zäune und Mauern"),
Ulrich BECK ("Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter"),
Axel HONNETH ("Befreiung aus der Mündigkeit") und Christine
BUCHHOLZ u.a. ("Unsere Welt ist keine Ware").
Von den deutschen Autoren ist
TERKESSIDIS wenig begeistert. Die wichtigste Informationsquelle
ist für den Autor das Internet, denn Aktivisten brauchen weniger
Theorie als Information.
Bezeichnend auch, dass er mit Joachim
HIRSCHs & Roland ROTHs "Das neue Gesicht des Kapitalismus. Vom
Fordismus zum Post-Fordismus" ein vergriffenes Buch aus dem Jahr
1986 empfiehlt. Sein Fazit:
"Die
»Multitude« zu denken ist in Deutschland weiterhin das
schwierigste Problem. Die Praxis der vielfältigen Subjektivitäten
hat keinen Platz in den idealistischen Großlösungen Ulrich Becks,
in den ängstlichen, anti-marxistischen Leitbegriffen der
»Kritischen Theorie« oder in der Sehnsucht von Trotzkisten nach
der Einheitsorganisation."
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- MÄRTIN, Ralf-Peter (2003): Patchworker
aller Länder.
Während die Prediger des Neoliberalismus die Starrheit des
Arbeitsmarktes beklagen, ist der flexible Mensche schon längst unter
uns - ein Bericht von neuesten Pesonality- Ratgebern und sonstigen
Lebenshilfen
in: Literaturen Nr.3, März
- Kommentar:
Auf der Spur von
Richard SENNETTs "Der flexible Mensch" begibt sich MÄRTIN auf
die Suche nach den
"Jobnomaden" (Gundula ENGLISCH). Er trifft dabei u.a. auf Olaf
HENKELs "Ethik des Erfolgs":
"Ich neidete ihm weder Besitz noch
Karriere, begriff aber schnell, dass dies ein Fehler war. Denn, so
der Autor, »nur die Ungleichheit schafft den Anreiz, über sich
hinauszuwachsen«.
Die verbalen Flexibilisierer
konfrontiert MÄRTIN schonungslos mit ihren eigenen - wenig flexiblen
- Lebensläufen:
"Der »Tabu-Brecher« Henkel hat sein
gesamtes Berufsleben bei nur einer Firma verbracht, der »Rebell«
Jack Welch, der »beste Manager aller Zeiten«, hat außer »General
Electric« keine anderen Erfahrungen vorzuweisen, und Jürgen Schrempp
von »Daimler-Chrysler« bevorzugte ebenso den Aufstieg im eigenen
Haus."
- Argumentationshilfe gegen den
Neoliberalismus:
Detlef Gürtler (2003): Vorbild Deutschland
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- LANGNER, Beatrix (2003): I am going to
kill Karadzic.
Wenn Journalisten Romane schreiben, siegt am Ende immer das Gute,
in: Literaturen Nr.3, März
- Kommentar:
Über die "Neue-Mitte-Krankheit" unserer
Journalisten
schreibt die Journalistin Regine SYLVESTER in
"Vorgeschriebene Flughöhe" (2002):
"»In unseren Zeitungstexten geben wir
uns die größte Mühe, für gesellschaftliches Engagement zu werben,
für soziale Verantwortung, Kultur, Toleranz und ein sinnerfülltes
Leben. Und leben selber wie die Zombies. Aber sieh dir an, die
Journalisten - die meisten sind so ähnlich. Für eine aktuelle
Reportage auf Seite 3 lassen sie die Silberhochzeit ihrer
Schwiegereltern sausen«. Regine Sylvesters Heldin beschreibt sich
selbst als »eine gute Hausfrau, die sich ihr Geld als Journalistin
verdient« und unter anderem den französischen Autor
Michel Houellebecq liebt".
Daneben stellt LANGNER u.a. die Bücher
"Desaster" von Bruno RICHARD (Pseudonym für Bruno PREISENDÖRFER vom
Berliner Tagesspiegel) und
Arno WIDMANNs "Sprenger" vor.
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ALTMEYER, Martin (2003): Ausschluss, Entwürdigung, Missachtung.
Die gesellschaftliche Desintegration ist das Kernproblem der
deutschen Innenpolitik
in: Kommune, März
- Kommentar:
Martin ALTMEYER, der bisher für die
Frankfurter Rundschau publizierte, lobt die Frankfurter Konkurrenz:
"Wer hätte gedacht, dass die
versammelte Presse über Wochen den zivilen Ungehorsam gegen eine
demokratisch gewählte Bundesregierung schüren, dass in Deutschland
die »vierte«
Gewalt unter Führung des FAZ-Feuilletons einmal unisono
zur Rebellion (oder doch nur, wie man dem beißenden Spott ihrer
eigenen Sonntagszeitung entnehmen kann, zur
»Salonrebellion«?) gegen die dritte aufrufen würde? Als ob der
Staatsnotstand ausgebrochen wäre, wurde auf der einen Seite gezielt
eine Stimmung der Rebellion geschürt und unverhohlen die Machtfrage
gestellt aber scharf wurden auch die wirklichen Defizite der
Koalitionspolitik umrissen".
Die einzig wirkliche Sorge des
neoliberalen, schwarz-grüne Optionen fordernden ALTMEYER ist, dass
die "deutsche Theaterlandschaft, einzigartig in der Welt, bedroht
ist". Dafür wird schon mal die "soziale Desintegration" an die Wand
gemalt. Statt das Subventions-Theater anzutasten, soll das Fantasma
Sozialstaat fallen.
Der Feind der linken Neoliberalen
ist deshalb nicht die Neue Rechte, sondern die traditionelle Linke à
la Pierre BOURDIEU.
Wie wär's damit: ALTMEYER könnte
ein paar Euro mehr für sein Theaterabo bezahlen. Das würde weder
seine Sozialintegration gefährden, noch müsste er die Exklusion der
Geringverdiener bemühen.
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RAUCH, Jonathan (2003): Caring for Your Introvert.
The habits and needs of a little-understood group,
in: The Atlantic Monthly, März
- Inhalt:
RAUCH bricht eine Lanze für Introvertierte
(der Begriff geht auf den Psychoanalytiker C.
G. JUNG zurück) , zu denen sich der Autor selber zählt. RAUCH
grenzt Introvertiertheit von Schüchternheit, Misanthropie und
Arroganz ab. Amerika bezeichnet er als
Gesellschaft der Extrovertierten.
Das hervorstechendste Merkmal dieser Menschen
ist für RAUCH die Tatsache, dass sie nicht allein sein können:
"Extroverts are energized by people, and wilt or
fade when alone. They often seem bored by themselves, in both senses
of the expression. Leave an extrovert alone for two minutes and he
will reach for his cell phone. In contrast, after an hour or two of
being socially »on,« we introverts need to turn off and recharge".
In der Gesellschaft der Extrovertierten gelten
Introvertierte als asozial oder depressiv. Sie werden mit Wörtern
beschrieben, die negative Assoziationen hervorrufen:
Introverts are described with words like »guarded,«
»loner,» «reserved,» «taciturn,» «self-contained,» «private«narrow,
ungenerous words, words that suggest emotional parsimony and
smallness of personality. Female introverts, I suspect, must suffer
especially.
Nur männliche "Hillbillys" aus dem Mittleren
Westen haben als starke und stille Typen einen besseren Ruf.
RAUCH setzt dagegen eine positive
Selbsteinschätzung des Introvertierten, die ihn sicherlich bei
Extrovertierten nicht beliebter macht:
"I suppose this common misconception has to do
with our being more intelligent, more reflective, more independent,
more level-headed, more refined, and more sensitive than extroverts".
Für RAUCH ist Introvertiertheit keine
Frage von Entscheidungen oder des Lebensstil, sondern eine
persönliche Veranlagung.
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vom 21. - 28. Februar 2003
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© 2000-2003
Bernd Kittlaus |
[email protected] |
Stand:
05. April 2003 |
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dem 14.Juni 2000 |
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