[ News-Hauptseite ] [ Suche ] [ Homepage ]

 
   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News: 25.-31.Dezember 2002
News: 16.-24.Dezember 2002
News: 01.-15.Dezember 2002
News: 23.-30.November 2002
News: 16.-22.November 2002
News: 01.-15.November 2002
News: 16.-31. Oktober 2002
News: 01.-15. Oktober 2002
News: 16.-30. September 2002
News: 01.-15. September 2002
News: 16.-31. August 2002
News: 01.-15. August 2002
News: 16.-31. Juli 2002
News: 01.-15. Juli 2002
News: 15.-30. Juni 2002
News: 01.-15. Juni 2002
News: 16.-31. Mai 2002
News: 01.-15. Mai 2002
News: 16.-30. April 2002
News: 01.-15. April 2002
News: 16.-31. März 2002
News: 01.-15. März 2002
News: 15.-28. Februar 2002
News: 01.-14. Februar 2002
News: 16.-31. Januar 2002
News: 01.-15. Januar 2002

News: 16.-31.Dezember 2001
News: 01.-15.Dezember 2001
News: 16.-30.November 2001
News: 01.-15.November 2001
News: Oktober 2001
News: September 2001
News: 16.-31.August 2001
News: 01.-15.August 2001
News: 16.-31.Juli 2001
News: 01.-15.Juli 2001
News: 16.-30.Juni 2001
News: 01.-15.Juni 2001
News: 16.-31.Mai 2001
News: 01.-15.Mai 2001
April 2001
März 2001
News: Februar 2001
News: Januar 2001

News: Dezember 2000
News: November 2000
News: Oktober 2000
News: September 2000
News: August 2000
News: Juli 2000
News: Juni 2000
News: Mai 2000
News bis Mai 2000

 
       
     
       
       
   

News vom 01. - 10. Januar 2003

 
       
     
     
     
   
Zitat des Monats:
"Wer jugendlich ist, überschreitet permanent die Grenze zwischen Berufsleben und Privatleben und damit auch das Modell der Kleinfamilie als Ort der Regeneration. Diese Jugend ist daher dem Phänomen des Outburn ausgesetzt. Niemand hält einem mehr den Rücken frei. Im Gegenteil, die Patchwork-Familie verlangt mindestens genauso viel Management wie die eigene Karriere. Beziehungen, Ehen, Familien und Freundschaften gehören längst der gleichen Innovationslogik an und bilden keineswegs mehr den lebensweltlichen Gegenpol zur Teilnahme am Markt als Person."
(Leander Scholz in: Freitag Nr.3 vom 10.01.2003)
 
       
   
  • Der lesenswerte Artikel:
    SCHOLZ, Leander (2003): Schuld hat, wen es trifft.
    Innere Globalisierung. Ein paar Anmerkungen zum Verteilungskampf zwischen Jung und Alt,
    in: Freitag Nr.3 v. 10.01.
    • Kommentar:
      Leander SCHOLZ gehört zu den wenigen kritischen Stimmen im Land, die in das allgemeine Neue-Mitte-Geheul nicht einstimmen und stattdessen hinter dem Versuch die Singles zu Sündenböcken zu machen, die Probleme dieser Gesellschaft aufscheinen lässt:

            
      "Wer jugendlich ist, überschreitet permanent die Grenze zwischen Berufsleben und Privatleben und damit auch das Modell der Kleinfamilie als Ort der Regeneration. Diese Jugend ist daher dem Phänomen des Outburn ausgesetzt. Niemand hält einem mehr den Rücken frei. Im Gegenteil, die Patchwork-Familie verlangt mindestens genauso viel Management wie die eigene Karriere. Beziehungen, Ehen, Familien und Freundschaften gehören längst der gleichen Innovationslogik an und bilden keineswegs mehr den lebensweltlichen Gegenpol zur Teilnahme am Markt als Person."
            
      Im Gegensatz zum sozialpopulistischen Diktum, dass die Familie ein Bollwerk gegen den Kapitalismus sei, zeigt SCHOLZ auf, dass die individualisierte Familie längst das Ebenbild der modernen Ökonomie ist.
      Nostalgie ist jedoch fehl am Platz:

            
      "Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich die Sehnsucht nach dem alten autoritären Nationalstaat und dem alten neurotischen Familienmodell wieder beleben lässt, wenn sie erst einmal überholt sind".
            
      Es gibt kein Zurück zu den alten Zuständen und hinzu kommt:
            
      "Der Generationenvertrag kann nicht erneuert werden, nicht weil eine Partei nicht mehr will oder egoistisch ist, sondern weil sich die Bedingungen dafür grundlegend geändert haben".
            
      SCHOLZ erteilt jenen einen klare Absage, die die gegenwärtigen Probleme auf den demografischen Wandel reduzieren möchten:
            
      "Das Problem ist nicht, dass die Bevölkerung kleiner wird. Das Problem der letzten Jahrzehnte besteht darin, dass sich die produktiven Kräfte grundlegend verschoben haben und dass Arbeit für einen nicht unerheblichen Teil der Gesellschaft zu einer Einnahmequelle unter anderen geworden ist, während für andere ihre schnell verbrauchte Humanressource das einzige Kapital darstellt."
            
      Am Anfang steht die neoliberale Maxime "Gewinne privatisieren, Verluste vergemeinschaften". Sozialpopulisten wie Konrad ADAM, Paul KIRCHHOFF oder Jürgen BORCHERT gehören zu jenen, die diese neoliberale Maxime nicht nur auf die Ökonomie, sondern auch auf die Familie anwenden wollen. Abgewandelt kann man ihr Credo zusammenfassen:
      "Kinderglück privatisieren, Kinderkosten vergemeinschaften".
 
   
  • HEINZ, Chris (2003): So werde ich Elite,
    in: Freitag Nr.3 v. 10.01.
    • Kommentar:
      HEINZ führt die Erkenntnisse des Soziologen Michael HARTMANN über den Mythos der Leistungselite allgemeinverständlich, aber überzeichnet vor Augen:

            
      "Natürlich kann nicht jeder Blödmann Manager werden. Oder sind Sie vielleicht Manager? Na bitte, ich auch nicht. Ein paar Voraussetzungen braucht es schon: (...) Herkunft (80 Prozent aller Führungskräfte kommen aus dem gehobenen Bürgertum) sowie eine gesunde Kurzsichtigkeit (Leo Kirch).
      (...) Von allzu viel Fachwissen raten die Experten ab. Wichtiger ist die Persönlichkeit und ein hohes Selbstwertgefühl.
      (...)
      Examensnoten halten die Personalchefs großer Konzerne (...) für nicht so wichtig. 48 Prozent der Führungskräfte haben in der Schule angeblich geschwänzt, 27 Prozent gemogelt, 15 Prozent sind sitzen geblieben. Wer weiß, vielleicht hätte ich doch das Zeug zur Führungskraft."
 
   
  • HAHN, Anne (2003): Der Müßiggangster genießt und schweigt.
    Verweigerung ohne Trotz. Der glückliche Arbeitslose Guillaume Paoli plädiert für "Mehr Zukerbrot, weniger Peitsche",
    in: Freitag Nr.3 v. 10.01.
 
   
  • ULRICH, Bernd (2003): Krise + Knappheit = Charisma.
    Die Grünen suchen nach ihrer Rolle bei der Wende zum Weniger,
    in: Tagesspiegel v. 10.01.
    • Inhalt:
      "Der Nachteil am Funktionieren ist (...) das Funktionärshafte. Die Grünen haben mit ihren Personalwechseln in Partei und Fraktion vorerst einen Charismaverlust erlitten.
      (...)
      Unwichtig ist diese Frage nicht in einer Zeit, da die Politik nichts mehr zu verteilen hat, da Glaubwürdigkeit und Orientierung gefragt sind und derweil programmatische Unterschiede verwischen. Selbst wenn Joschka Fischer einen sozialdemokratischen Text spricht, was er oft tut, wirkt das trotzdem noch urgrün. Auch wenn Rezzo Schlauch Neoliberales von sich gibt, so hat man immer noch das Gefühl, hier redet ein Unverfärbbarer. Wenn hingegen Jüngere neoliberal sprechen, hören sie sich sofort an wie FDPler", mäkelt ULRICH.
 
     
   
  • MERKEL, Angela (2003): Die zweiten Gründerjahre der Republik.
    Warum die neue Soziale Marktwirtschaft die größte gesellschaftspolitische Aufgabe des 21. Jahrhunderts ist. Die CDU-Vorsitzende über Staat und Ökonomie in Zeiten der Globalisierung,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.01.
    • Kommentar.
      Angela MERKEL setzt sich als Eiserne Lady II. in Szene: "weniger Staat in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, aber mehr Verantwortung des Staates in der Innen- und Außenpolitik".
 
   
  • KOCH, Claus (2003): Reden, wenn nichts mehr geht,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.01.
    • Kommentar:
      "Sozialpolitiker und Wirtschaftsjournalisten können schwerlich begreifen, was dem Historiker vollkommen selbstverständlich ist: Dass es soziale Organisationsformen gibt, die einmalig gelungen sind und sich daher nicht reparieren oder wiederholen lassen" meint KOCH und fügt hinzu:
      "Nun (...) verblasst der sozialstaatliche Code (...). Die künftigen Solidaritäten, die auch keine rein deutschen mehr sein können, brauchen einen ganz neuen Code. Erst aber muss der alte hinweggetan werden. Das braucht noch eine Generation, vielleicht nur zehn Jahre, und ein anderes Volksleben. Notreparaturen sind immerhin möglich und nötig. Aber etwas Ganzes wird aus der Sache nicht mehr."

            
      Dies sollen die Journalisten und Intellektuellen kommunizieren, tun es aber angeblich nicht genug.
            
      Es ist als ob KOCH am FAZ-Stammtisch gesessen hätte und GEYERs Kritik an Harald SCHMIDT nochmals SZ-altersmilde aufwärmen möchte:
            
      "Gesagt sein lassen muss sich das harte Wort auch das Feuilleton. Auch wenn es munter auftreten darf, es darf seinen Funken der Aufklärungslust nicht durch Juxerei verschütten, wie es heute auch in den besten Zeitungen viel zu oft geschieht". Denn:
            
      "Deutschland fehlt es an der Potenz, in die Krise zu geraten. Es mag wirtschaftlich noch auf lange Zeit niedergehen, die soziale Ungleichheit mag in gleichem Schritt zunehmen – einen Anlass zur Krise kann man daraus nicht erwarten. Es fehlt schon die Kraft zur Klage."
 
   
  • AFP/dpa (2003): Trauerfall.
    Kultserie "Sex and the City" wird mangels neuer Ideen eingestellt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.01.
 
   
  • PILZ, Michael (2003): Trau keinem unter 40!
    In der Krise entdeckt die Pop-Industrie einen neuen Käuferkreis: den "reifen Konsumenten",
    in: Welt v. 10.01.
    • Inhalt:
      PILZ beschäftigt sich mit den Folgen des demografischen Wandels für die Musikbranche und macht die 14- bis 29-Jährigen als zunehmend bedrohte "Günstlinge der Werbewirtschaft" aus. PILZ zitiert einen Manager aus der Musikbranche:

            
      "»Der freundliche Teenager setzt immer weniger Trends«, sagt Tim Renner, Deutschlandchef des größten Musikkonzerns Universal. »Dass von der Zielgruppe die Entwicklungen der gesamten Gesellschaft ausgehen, können wir getrost abhaken. Unsere Aufgabe ist es also den 40jährigen Gelegenheitskäufer zu aktivieren. Für diese Zielgruppe brauchen wir Künstler und Formate. Sämtliche Inhalte, die wir ihr anbieten, müssen hochwertig und bequem zu kriegen sein.«
      Das sind die sogenannten Schläfer, die es zu erwecken gilt. Auf diese »Sleepers» hat die Industrie die Markt- und Konsumgüterforschung angesetzt und wurde durch entsprechende Befunde nur bestärkt. Der Über-40-Jährige blickt stolz auf eine Jugend als aktiver Plattenkäufer zurück. In gewohnter Art beschloss er ungefähr mit 25 Jahren, dass sich sein Geschmack nun nicht mehr ändern müsse. Er verlor die Fähigkeit, bei Neuem Unterschiede wahrzunehmen. Alles elektronisch oder postmodern Erzeugte, Techno oder HipHop, fand er abstoßend. Sein Argwohn wuchs. Und traute er sich ins CD-Geschäft, genierte er sich vor den jungen Snobs und Schnöseln an der Theke. Also schlich er heim und fand bei einer 74-er Bob-Dylan-Pressung Trost.
      Dort müsse man den tief im Innern kaufsüchtigen Konsumenten wieder abholen".

            
      PILZ hofft trotzdem, dass die Jugend On the Long Run doch Trendsetter bleibt.
 
   
  • ZEIT-Serie "Land ohne Leute" - Teil 2

 
   
  • NAUMANN, Michael (2003): Die Leichenschänder.
    Die 68er sind längst verschwunden. Es waren nur wenige. Doch in der konservativen Presse werden sie täglich wiederbelebt. Irgendeiner muss ja schuld sein an Deutschlands Misere,
    in: Die ZEIT Nr.3 v. 09.01.
    • Kommentar:
      Vor einer Woche hat Bernhard SCHLINK im SPIEGEL die 68er-Generation an der Macht gesehen und heute will NAUMANN keine 68er mehr kennen.

            
      Offenbar schreiben beide zwar über 68er, aber während SCHLINK die 68er-Generation meint, schreibt NAUMANN über die 68er-Bewegung. Das ist durchaus nicht dasselbe. Den Unterschied hat z.B. Heinz BUDE in dem Buch "Das Altern einer Generation" dargelegt.
            
      "Schauprozesse laufen zumeist in der Welt, die selbst in der Hand von einigen konvertierten, ehemaligen 68ern zu sein scheint, die immer neue Abrechnungen mit ihrer eigenen Biografie zu Papier bringen" schreibt NAUMANN.
            
      Dies ist eher ungenau, denn es handelt sich um mehrere Grüppchen, für die die 70er Jahre zum prägenden Jahrzehnt geworden sind. Der kleinste gemeinsame Nenner ist deshalb die Begriffshülse "68er", die mit den unterschiedlichsten Bedeutungsgehalten angereichert werden kann.
            
      Zu diesem 68er-Debattierclub gehören einerseits die 68er-"Hasser" wie Tilman KRAUSE oder der Angehörige der 68er-Generation Konrad ADAM,  Konvertiten wie Alan POSENER und der von NAUMANN genannte Michael STÜRMER, Pflasterstrand-Geschädigte wie Matthias HORX und Cora STEPHAN, Aktivistentöchter wie Mariam LAU und 68er wie Michael RUTSCHKY.
            
      Solange die Begriffshülse "68er" Feuilleton-Debatten ermöglicht, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, solange also kein überzeugendes Nachfolgermodell mit demselben Spaß- bzw. Neidfaktor gefunden ist, solange bleiben uns die 68er erhalten - ob es NAUMANN passt oder nicht. Immerhin spielt er bei diesem Gesellschaftsspiel selbst mit.
 
   
  • ÖCHSNER, Thomas (2003): Schönrechnerei bei der Rente,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.01.
    • Kommentar:
      Die neoliberalen Besitzstandwahrer haben bereits unter der Regierung KOHL das Rentenniveau für die Nach-68er-Generationen drastisch heruntergesetzt. Dies ist den meisten Bürgern nur verborgen geblieben, weil die Sozialpopulisten viel vom Eckrentner und wenig von den realen Verhältnissen reden. ÖCHSNER resümiert deshalb:

            
      "der viel zitierte »Eckrentner«. Dieser Durchschnittsverdiener bringt es nach 45 Versicherungsjahren auf eine Monatsrente von 1151 Euro. So viel bekommen aber nur wenige Frauen und gerade einmal 50 Prozent der westdeutschen Männer. Viele von ihnen sehen nun zum ersten Mal schwarz auf weiß, dass ihre Rente weit geringer sein wird".
            
      Diejenigen Neoliberalen, die heute so viel von Generationengerechtigkeit reden, verschweigen erstens, dass die zukünftigen Rentner bereits gegenüber Flakhelfer- und 68er-Generation gravierend benachteiligt wurden und zweitens, dass die Versicherungsjahren-Schere INNERHALB der Nach-68er-Generationen weit auseinanderklafft.  
 
   
  • BÜSER, Wolfgang (2003): Arbeitslose müssen umziehen.
    Wohnungswechsel für einen neuen Job gilt als zumutbar. Arbeitsplatzverlust muss den Behörden früher als bisher gemeldet werden. Bescheid wissen, Nachteile vermeiden: Das Hartz-Konzept (1),
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.01.
    • Inhalt:
      BÜSER klärt über die singlefeindliche Zumutbarkeitsregel auf, die dem Vermittler - positiv gesagt - Entscheidungsspielraum und - negativ gesagt - Repressionsmöglichkeiten an die Hand gibt:

            
      "Für Arbeitslose ohne familiäre Bindungen bedeutet die Neuregelung nicht zwangsläufig, dass ihnen ein Umzug vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an zuzumuten ist. Hier besteht Entscheidungsspielraum für den Vermittler, der eine Prognose dazu treffen muss, ob eine Beschäftigungsaufnahme in den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit innerhalb des zumutbaren Pendelbereichs zu erwarten ist. Ist dies der Fall, so wird ein Umzug vom vierten Monat der Arbeitslosigkeit an zumutbar. Bei negativer Prognose muss allerdings vom ersten Tag an Umzugsbereitschaft bestehen."
 
   
  • SEIBT, Gustav (2003): Mülltüte.
    Dieser Staat ist nicht das Eigentum seiner Angestellten,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.01.
    • Kommentar:
      Wenn sich ein Bildungsbürger mit beamtenähnlicher Mentalität im Angestelltenfeuilleton über einen Streik im öffentlichen Dienst ärgert und die
      Zivilgesellschaft als Streikbrecher
      instrumentalisieren möchte, dann ist ein anderer Pensionsberechtigter nicht weit:

            
      "Da hat das bürgerliche Berlin in Gestalt von Arnulf Baring jüngst die Bürger auf die Barrikaden gerufen, unter anderem, um einem jahrzehntelangen Leben über die Verhältnisse ein Ende zu machen.
      Die Barrikade wäre jetzt da, wenn der Streik käme, und sie sähe aus wie eine Mülltüte." 
 
   
  • IMUE (2003): Ach, Deutschland: nie wieder Spitze,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.01.
    • Kommentar:
      BÖLL ist auf den Hund gekommen!
      Der Grund ist trivial, aber nicht zufällig. Norbert NIEMANN hat in der ZEIT vom 02.01.2003 eine Hommage auf einen Vater der Ernstler - Heinrich BÖLL - verfasst. Der hat u.a. den Roman "Haus ohne Hüter" geschrieben, in dem das auch heute noch populäre Modell der Onkel-Ehe behandelt wird. Und da in der SZ so gerne ausgestorben und lamentiert wird, ist es von einem Haus ohne Hüter nicht weit bis zum Aussterben des - nein, ausnahmsweise nicht des deutschen Zweibeiners, sondern - des vierbeinigen Hofhundes.
 
   
  • BRUCKMAIER, Karl (2003): Die Welt ist ein Fjord.
    Norwegen wiederholt die Geschichte der Neuen Deutschen Welle,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.01.
    • Kommentar:
      BRUCKMAIER geht zuerst auf TEIPELs Bestseller "Verschwende Deine Jugend" ein, um ihm dann die Vernachlässigung u.a. der Hannoveraner Szene um den STERN-Kolumnisten Hollow Skai vorzuwerfen, nur um dann am Beispiel Norwegen den Verwertungszyklus von Popstilen aufzuzeigen.
 
   
  • GRETHER, Kerstin (2003): Die Hamburger Schule im Chill Out.
    Bis auf Weiteres eine Demonstration: Das Zick Zick-Label macht "Geräusche für den Tag danach",
    in: Frankfurter Rundschau v. 08.01.
    • Inhalt:
      Auch bei GRETHER geht es um "Verschwende Deine Jugend", aber nun um den Film, in dem der Schauspielter STADLOBER eine Rolle spielt. Damit ist GRETHER in Hamburg und bei Alfred HILSBERG, der einen Sampler auf den Markt geworfen hat. 
 
   
  • VEIEL, Axel (2003): Im Schatten der Palmen.
    Der Traum deutscher Rentner vom Lebensabend auf Mallorca und was daraus wird,
    in: Frankfurter Rundschau v. 08.01.
    • Kommentar:
      Das Feindbild Rentner ist eng verbunden mit der spanischen Insel Mallorca. VEIEL berichtet aus dem deutschen Rentnerparadies mit dem hohen Neidfaktor.
 
   
  • METZGER, Oswald (2003): Keine Nibelungentreue.
    Es ist Zeit für eine schwarz-grüne Koalition,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.01.
    • Kommentar:
      Heute darf SCHIRRMACHERs Liebling, der Öko-FDPler METZGER, an die FAZ-Krisenfront. Das 50er-Jahre-Credo von METZGER lautet:

            
      "Sparen für das Alter heißt Konsumverzicht heute. Also müssen auch nichtmaterielle Werte wieder ins Blickfeld rücken: Nachbarschaftshilfe, ehrenamtliches Engagement, Zeit für sich selbst und die Familie. »Weniger ist mehr!« als Metapher läßt sich sowohl grün wie schwarz positiv beleuchten."
 
   
  • HORX, Matthias (2003): Mehr Energie für die Zukunft,
    in: Welt v. 08.01.
    • Kommentar:
      Matthias HORX, der Hans Dampf in allen zukünftigen Gassen, kritisiert auf den ersten Blick das Generationenkonzept  und damit Bernhard SCHLINK, der im SPIEGEL über die erschöpfte 68er-Generation geschrieben hat.

            
      Auf den zweiten Blick steht HORX dem 68er SCHLINK bei seinem Grundanliegen eines Elitenkonsens der Neuen Mitte als mächtiger Besitzstandswahrerkoalition bei. Dabei stören die alten Grabenkämpfe von früher nur.
            
      Lasst uns Eliten das Kriegsbeil begraben, um die Ansprüche der sozial Schwachen an den Niedriglohnsektor zu verweisen, so lässt sich das Credo von HORX umschreiben.
 
   
  • Fernsehtipp: Dienstag 07.01.2003; 22.15-23.00
    Single sein - glücklich sein?
    Familienstand: ledig, geschieden, verwitwet,
    in: SFB 1 - Berlin Fernsehen
 
   
  • PLATH, Jörg (2003): Staatsbelegschaft auf Trab.
    Über die Zukunft des Arbeitens und des Konsumierens,
    in: Frankfurter Rundschau v. 07.01.
    • Kommentar:
      PLATH war auf
      einer "Tagung, die vor kurzem das Essener Zukunftsforschungsinstitut Z-punkt veranstaltete. Das Wiesbadener Bundesforschungsinstitut für Bevölkerungsforschung sowie Siemens, Daimler-Chrysler, Karstadt, TUI und Hypovereinsbank stellten ihre Zukunftsprognosen vor."
            
      Das war - wie nicht anders zu erwarten - wenig erbaulich. PLATH spickt seinen Artikel mit den aus ZEIT und Süddeutscher bekannten Plattitüden aus dem Horrorkabinett der Kulturpessimisten, garniert es ein wenig mit dem Konsumoptimismus der Krisengewinnlerbranchen, um schlussendlich dort zu landen, wo unsere Neue-Mitte-Eliten gewöhnlich enden, beim angeblich Unabänderlichen:
            
      "Z-punkt-Direktor Karlheinz Steinmüller projektiert drei Szenarien: die Katastrophe, die glückliche Gesundschrumpfung und den unverhofften Babyboom. Gegen das letzte Szenario spricht jede Wahrscheinlichkeit, das erste muss nicht eigens geplant werden".
            
      Mit der Wahrscheinlichkeit ist es glücklicherweise so wie mit dem richtigen Leben: sie kümmert sich nicht im Mindesten um ihre Interpreten. Diese narzisstische Kränkung verträgt kaum ein Kulturpessimist... 
 
   
  • KASTNER, Ruth (2003): "Wir tun, als gäbe es die Kinder nicht...".
    Arme Familien? Eltern zahlen zu viele Steuern und haben zu wenig Zeit, beklagt die Hamburger Familienexpertin Susanne Mayer. Sie fordert eine radikal andere Politik nach dem Vorbild Skandinaviens,
    in: Hamburger Abendblatt v. 07.01.
 
   
  • SCHIRRMACHER, Frank (2003): Die große Angst.
    Im Maschinenraum der Kultur: Zu unserer Liste neuer Phobien,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.
    • Kommentar:
      SCHIRRMACHER stellt im Feuilleton 462 Möglichkeiten seine Angst zu benennen vor.
      Genüsslich stellt er die Angst in einen Kontext, die ihm genehm ist:

            
      "»La grande peur« - die große Angst -, das war der Leitbegriff für die Zerfallsprozesse der bürgerlichen Gesellschaften, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führten. Aus dieser großen Angst sind, begleitet von den Hervorbringungen einer weltlich seelsorgerischen Industrie, unzählige kleine, kleinste, komische und schließlich irrwitzige Ängste geworden."
            
      Danach verknüpft er den Zerfall mit dem Denken von Ernst JÜNGER:
            
      "Es ist, als würde man in einen Maschinenraum blicken, den Ernst Jünger in seinem in jeder Hinsicht so aktuellen Buch »Das abenteuerliche Herz« beschrieb".
            
      Man kann aber auch ganz woanders hinblicken: Es ist, als würde man in eine Redaktionsstube blicken... 
 
   
  • THUSWALDNER, Anton (2003): Angst vor dem großen Wort.
    Wenn der Mensch ausbleibt: Franz Innerhofers Holl-Zyklus,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.
    • Franz Innerhofer - Die Holl-Trilogie
 
   
  • HANIMANN, Joseph (2003): Rekrut Houellebecq,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.
    • Inhalt:
      HANIMANN berichtet über den Artikel von HOUELLEBECQ im französischen Le Figaro.
 
   
  • HOUELLEBECQ, Michel (2003): L'homme de gauche est mal parti,
    in: Le Figaro v. 06.01.
    • Inhalt:
      Michel HOUELLEBECQ meldet sich erstmalig zum Thema "neue Reaktionäre" zu Wort. Er bekennt sich zu diesem "Intellektuellen-Club", der seine Existenz dem Buch von Daniel Lindenberg verdankt.

            
      HOUELLEBECQ denkt u.a. das auf den ersten Blick Unmögliche: die Synthese von Friedrich NIETZSCHE und Katholizismus.
 
   
  • SCHIRRMACHER, Frank (2003): "Das System steuert in seine akute Gefährdung hinein".
    Ordnung des Landes (4): "Wie fand ich Barings Artikel herzerfrischend!". Hans D. Barbier trifft Otto Graf Lambsdorff, der in Eltern und ihren Kindern die revolutionäre Hoffnung des Landes sieht,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.01.
    • Kommentar:
      SCHIRRMACHER unter alten Kameraden, die über das Krisendeutschland schwadronieren.
            
            
      Der Flick-Skandal-gestählte Graf und BARBIER sitzen zusammen mit SCHIRRMACHER im Ohrensessel und philosophieren über den ausbleibenden Aufstand der Jugend. Dabei geht es zu, wie anderenorts am Stammtisch der Neuen-Mitte-Eliten:       
            
      "LAMBSDORFF: Was wäre, wenn man sich mit dem vielleicht vernünftigen, vielleicht absurden, jedenfalls revolutionären Vorschlag beschäftigen würde, die Eltern von Kindern mit mehr Stimmrechten auszustatten?
      BARBIER: Davon würde ich abraten.
      Die stimmen nur für mehr Kindergeld.
      BARBIER: So ist es".
            
            
      So sieht der neue Qualitätsjournalismus aus, der bei Feuilleton-Revolutionären hohes Ansehen genießt...  
 
   
  • HACKER, Doja (2003): "Ich bin aber nicht traurig".
    Im Westen umschwärmt, im Osten beschimpft: Die junge Liepzigerin Jana Hensel hat mit ihren Kindheitserinnerungen "Zonenkinder" einen Riesenerfolg - und überraschende Schwierigkeiten,
    in: Spiegel Nr.2 v. 06.01.
    • Kommentar:
      Am 07.10.2002 hat Reinhard MOHR hier Jana Hensels  "Zonenkinder" gelobt.

            
      Jetzt berichtet HACKER über die zwiespältige Aufnahme des Buches bei den Ossis und den Wessis. HACKER geht auf die Verrisse von Jens BISKY (SZ), Martin Z. SCHRÖDER (Literaturen), Ingo AREND (Freitag) und Peter RICHTER (FAZ) ein. Rahmenhandlung ist ein Porträt von Kai BIERMANN, das in der Stuttgarter Zeitung erscheinen soll.
            
      Im Mittelpunkt steht das kollektive WIR, das Jana HENSEL zum Vorwurf gemacht wird: "So schnell (...) hat noch kein Hippie seinem Gegenüber das Du aufgedrängt wie dieses Buch dem Leser das Wir" zitiert HACKER den FAZ-Kritiker.
            
      Erklärt werden soll das von Alexander FESTs These, dass sich der individualisierte Westen über Gemeinsamkeiten freue, während der Osten -  vom Kollektivieren gebrandmarkt - Verallgemeinerungen ablehne.
            
      Ausgerechnet das Buch "Generation Golf" von Florian ILLIES soll diese These stützen. Offenbar vergisst das Feuilleton schnell, denn das WIR von ILLIES wurde von den westdeutschen Kritikern nicht einhellig begrüßt und Katja KULLMANNs "Generation Ally" wurde ihr WIR ebenfalls um die Ohren gehauen. Aber das interessierte niemand, nicht einmal den SPIEGEL, der nun Jana HENSEL unter seine Fittiche nimmt.      
 
   
  • ULRICH, Bernd (2003): Auf die Deutschen wetten.
    Warum sich Schröder und Fischer so schwer tun mit den sozialen Zumutungen,
    in: Tagesspiegel v. 06.01.
    • Kommentar:
      "Sozialabbau auf breiter Front.
      Das alles ist unausweichlich" heißt das Credo von ULRICH, der mit seinen Kumpanen aus den anderen Neue-Mitte-Zeitungen dafür Sorge trägt, dass die rot-grüne Regierung auf Sozialabbau-Kurs bleibt.
            
            
      Das Problem ist jedoch, dass der Sozialstaat nach Meinung von ULRICH die Funktion des "antifaschistischen Schutzwalls" innehatte. Diese Funktion müssen nach dem Ausfall des Sozialstaats andere Institutionen übernehmen. Der mündige Bürger z.B. oder eben die Medien... 
 
   
  • RUTSCHKY, Michael (2003): Diskurs über den Döner.
    Die Erfindung des Kulturoptimismus: Alle reden vom Verfall - wir nicht. Ein Essay zur Lage,
    in: Tagesspiegel v. 05.01.
    • Kommentar:
      RUTSCHKY widmet sich seinem Lebensroman:

            
      der Wiederkehr der 70er Jahre und ihrer Abwehr. Das Glaubensbekenntnis von RUTSCHKY lässt sich auf eine Dreifaltigkeit unseres Kulturalltags zurückführen.
            
      Der Kulturoptimismus erzeugt sein Gegenteil erst: den Kulturpessimismus, der sich im Hochfeuilleton - SCHIRRMACHER würde sagen - im Qualitätsjournalismus - manifestiert. Um dem immer schneller drehenden Hamsterrad der Distinktionen von Kulturoptimismus und - pessimismus zu entkommen, gibt es nur das HEIDEGGERsche "Man", das RUTSCHKY in die Atome Schweigen und heroische Tat zerlegt.
            
      Und schon sind wir mitten im existenzialistischen Erfahrungshunger. Vom Soldatentod über die RAF bis zum Zusammenprall der Kulturen lässt sich mit RUTSCHKY die Spur der Verwüstung im Namen des Erfahrungshungers verfolgen. Entkommen? Genauso zwecklos wie bei ADORNO und HORKHEIMER?
            
      Das ist eine andere Geschichte, die sich an dem jungen R. durchexerzieren ließe.
 
   
  • Eine verspätete und eine überfällige Debatte:
    GEBHARDT, Miriam (2003): Die Besserwisser.
    Psycho-Talk ist überall. Sex, Karriere, Mord: Wir glauben, wir können alles deuten. Wie eine Wissenschaft ruiniert wird,
    in: Tagesspiegel v. 05.01.
    • Kommentar:
      20-30 Jahre zu spät kommt Miriam GEBHARDT mit ihrer These von der Psychologisierung des Alltags, heute müsste stattdessen von der Soziologisierung des Alltags gesprochen werden.

            
      Während der Psycho-Talk im Niedergang begriffen ist, erlebt der Sozio-Talk seit Anfang der 90er Jahre seinen unaufhaltsamen Aufstieg zur ersten Deutungsmacht im Lande.
            
      Als Beitrag zur Mediengeschichte wäre der Artikel interessant, aber GEBHARDT tut so, als ob es sich hier um DAS Problem dieser Gesellschaft handeln würde. Bezeichnenderweise ist bei GEBHARDT die Psychologie fast identisch mit der in der Psychologie doch recht randständigen Psychoanalyse.
            
      Wer heute noch FREUD als Mittelpunkt des Alltagsgesprächs auffasst, der hat sich vielleicht in einen Woody- ALLEN-Film der 70er-Jahre verirrt. Die Sozio-Gespräche der heutigen Paare sind stattdessen geprägt vom Individualisierungsgerede.
            
      Seit dem Bestseller "Das Chaos der Liebe" von Ulrich BECK und Elisabeth BECK-GERNSHEIM ist die Richtschnur unseres Alltags geprägt von dem soziologischen Vokabular, das Anfang der 80er Jahre erfunden wurde, um die Deutungsmacht Psychoanalyse zu ersetzen. Dies ist durchaus gelungen, man muss nur den TAGESSPIEGEL lesen.
            
      Wenn GEBHARDT die Psychologie als Sozialtechnologie kritisiert, dann gehört sie selbst zu den Kindern von Ulrich BECK. In 20-30 Jahren lesen wir dann im TAGESSPIEGEL etwas über die Soziologisierung des Alltags. Das interessiert dann zwar niemand mehr, aber dann ist es endlich cool. 
 
   
  • BLASBERG, Marian (2003): Acht Frauen in 40 Minuten.
    Verbaler Quickie für Verklemmte. Die schnelle Nummer: Beim Speed-Dating lernen Kuppelwillige Singles gleich mehrere potenzielle Partner an einem Abend kennen,
    in: Süddeutsche Zeitung NRW v. 04.01.
    • Kommentar:
      BLASBERG war im Düsseldorfer Café "Coyote Ugly", wo "Meet and Flirt" einen Speed-Dating-Abend veranstaltete. Diese Geschäftsidee rettete die 28jährige Marcelle RIESENFELD vor dem typischen Schicksal ihres Studiengangs Soziologie. Statt sich in das Akademikerarbeitslosenheer der Generation Golf einzureihen, verdient RIESENFELD nun an Yuppies:

            
      "Die Agentur, sagt Riesenfeld, habe sie gegründet, weil sie auch aus eigener Erfahrung weiß, »dass es gerade Singles oft an Freizeitkontakten« mangele. Und um dem Abhilfe zu schaffen, lade sie mal zur Weinprobe, mal zum Brunch oder mal zum Sport. Und was ist mit der großen Liebe? Ist denn nicht gerade die Verheißung, bei einer der Veranstaltungen den Richtigen zu treffen, die Geschäftsgrundlage? Nein, das könne man so nicht sagen. »Singles wollen doch vor allem eins: beschäftigt werden«. Und es seien weniger die Erniedrigten und Beleidigten, die zu ihr kämen, die Verzweifelten in Liebesangelegenheiten, als jene, die mit ihrer Firma verheiratet sind und einen kleinen Seitensprung ins Freizeitglück ins Auge fassen."       
            
      BLASBERG empfindet die Geschäftstüchtigkeit der Soziologin offenbar als moralisch unkorrekt ("Außer Kupplerin Marcelle sieht am Ende niemand richtig glücklich aus") und diejenigen, die sich diesem Ritual unterwerfen, müssen irgendwie nicht ganz normal sein ("verbaler Quickie für Verklemmte") ...
 
   
  • DECKSTEIN, Dagmar (2003): Alter neu denken,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 04.01.
    • Kommentar:
      DECKSTEIN denkt das Alter nicht neu, sondern neoliberal, d.h. das Alter soll im "Zeitalter der Wissensarbeit" produktiv gemacht werden.

            
      Unter dem Deckmantel der "Generationengerechtigkeit" verhandeln die Neue-Mitte-Eliten zur Zeit den Abbau des Sozialstaats und die Rückkehr zur Klassengesellschaft.       
            
      Ein Teilziel ist hier die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Unter dem Begriff "Zwangsverrentung", der DECKSTEINs Ansatz als Befreiung erscheinen lässt, soll der "Anspruch auf Vorruhestand und Altersteilzeit" - in der Diktion von DECKSTEIN als "nahezu Menschenrecht" diskreditiert - auf die neoliberale Müllhalde...     
 
   
  • FAZ (2003): Auf dem Weg zu mehr Wachstum, Beschäftigung und Gerechtigkeit.
    Aus dem Strategiepapier des Kanzleramtes,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.01.
    • Kommentar:
      Die FAZ druckt Teile des Papiers ab, das die neoliberale Neue Mitte von rechts bis links entzückt.
            
            
      Es fällt öfters einmal der Begriff "Gerechtigkeit" - aber wohlweislich ohne das Adjektiv "sozial"! Im Zentrum steht der Abbau des Sozialstaats.
            
      Ausführlich wird das Beispiel einer fünfköpfigen Familie ausgeführt, die von der Sozialhilfe lebt. Diese Spezies der kinderreichen Familie ist zwar nach landläufiger Meinung vom Aussterben bedroht und auch das Strategiepapier weist an zentralen Stellen auf diesen demografischen Wandel hin, aber wenn es der Argumentation dient, dann müssen quantitativ irrelevante Extremfälle herhalten, um die Notwendigkeit des Abbaus auch weniger klugen Köpfen eindringlich vor Augen zu führen. Zu diesem Thema hat Ulrike HERRMANN in der TAZ vom 21.12.2002  bereits alles Notwendige gesagt.
 
   
  • KÄMMERLINGS, Richard (2003): Deutsche Meister: "Kettcar".
    Traumtore mit letzter Kraft,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.01.
    • Kommentar:
      Richard KÄMMERLINGS hat sich dem Popjahr 2002 gewidmet. U.a. feiert er das gelungene Comeback von Peter HEINs Fehlfarben:
            
            
      "Ihnen gebührt die Palme für den markantesten Plattentitel der Saison: "Knietief im Dispo" ist in unseren depressiven Zeiten schon zum geflügelten Wort geworden. Wenn auch ihre deutschrockende Musik das Irritationsniveau der Texte nicht halten kann, ist es Hein durch eine List der Vernunft noch einmal gelungen, seine persönliche Befindlichkeit mit der geistigen Situation einer Zeit zu synchronisieren, die sich im »Club der schönen Mütter« vergnügt, während die sozialen Sicherungssysteme einstürzenden Altbauten gleichen".       
            
      Wessen Geistes Kind die Gruppe "Kettcar" ist, das kann sich nun jeder selbst denken...   
 
   
  • KOHLENBERG, Kerstin (2003): Wo das Herz rechts schlägt.
    Meghan und Steve Stier lieben Barbecue-Abende und fahren ein sicheres Auto, sie wollen ein Kind und lesen den konservativen Newsletter. Eine amerikanische Familie, mitfühlend und traditionsbewusst. Es ist diese Idee vom Leben, die George Bush im Irak verteidigen will,
    in: Tagesspiegel v. 04.01.
 
   
  • PEF (2003): Geburtenrate steigt wieder langsam an.
    Drei Prozent mehr Neugeborene - Erwerbsfähige werden immer älter,
    in: Salzburger Nachrichten v. 04.01.
 
   
  • HERRMANN, Ulrike (2003): Klassenkampf von oben.
    "Generationengerechtigkeit" heißt das neue Schlagwort. Doch es führt in die Irre: Es gibt keinen Kampf zwischen den Generationen - sondern zwischen Reich und Arm,
    in: TAZ v. 04.01.
    • Inhalt:
      HERRMANN zeichnet zuerst die politische Karriere des Begriffs "Generationengerechtigkeit" nach:
            
            
      "Norbert Blüm hat den Begriff für seine Rentenreform benutzt, 1998 hat ihn die FDP für sich entdeckt. Die Liberalen können zufrieden sein mit ihrem Marketingerfolg: Inzwischen sind alle Parteien bemüht, als die Vorkämpfer der Generationengerechtigkeit zu erscheinen. Und jüngst wurde die neu entdeckte Generationengerechtigkeit noch weiter aufgewertet: Sie ist nun sogar Anliegen eines Expertengremiums - der Rürup-Kommission, die ihre Ergebnisse im Herbst 2003 vortragen wird."
            
      Wo einige Feuilleton-Revolutionäre den Krieg der Generationen schüren möchten, da existiert jedoch Generationensolidarität.
            
      HERRMANN zitiert den Soziologen Marc SZYDLIK, der die familiären Generationenbeziehungen anhand des umfangreichen Berliner Alterssurvey empirisch untersucht hat. HERRMANN sieht deshalb nicht den Krieg zwischen den Generationen, sondern den Krieg der Reichen gegen die Armen als charakteristisch für die Gegenwart und die Zukunft an:
            
      "Die Wohlhabenden wollen sich ein Proletariat leisten, trotz Bevölkerungsschwund.
      Die Solidargemeinschaft ist nicht im Jahre 2030 gefährdet, weil Alt gegen Jung kämpft, sie löst sich jetzt schon auf. Und nach allem, was man bisher aus der Rürup-Kommission hört, wird sie nicht dazu beitragen, die sozialen Unterschiede in Deutschland zu verkleinern. Im Gegenteil: Private Vorsorge begünstigt jene, die genug haben, um vorzusorgen. Aber Klassenkampf ist ja ein so unappetitliches Wort, und außerdem ist es ein Klassenkampf von oben, das ist auch nicht vorgesehen. Also reden wir uns lieber einen Krieg der Generationen ein."
 
   
  • TÖDTMANN, Claudia (2003): Kampf an allen Fronten.
    Eine aktuelle Studie liefert wenig Hoffnung für Frauen im Job: Wenig Unterstützung gibt es von Chefs oder Kollegen - und erst recht nicht vom Partner,
    in: Handelsblatt v. 03.01.
  • KERBER, Bärbel (2003): Kinder sind Karrierekiller.
    Karrierefrauen sind im geheimen Gebärstreik. Der Grund: Es fehlen Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder, und die Vorurteile gegen Mütter im Job sind zu stark,
    in: Handelsblatt v. 03.01.
 
   
  • HUMMEL, Katrin (2003): Sauber, hübsch, bescheiden.
    Wo die Trauben nicht zu hoch hängen: Deutsche Männer suchen sich Frauen in Moldawien,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.01.
    • Kommentar:
      HUMMEL berichtet von einem Mann, der von deutschen Emanzen - houellebecqmässig - genug hat und sein Glück bei russischen Frauen sucht. Während HUMMEL nicht gerade den typischen FAZ-Leser präsentiert, hat Thomas KIRSCHNER mit seinem Buch "Liebe ohne Grenzen" gerade auch den typischen FAZ-Leser im Auge.
 
   
  • RUTSCHKY, Michael (2003): Mäßigung.
    Die Freuden des Verzichts,
    in: Frankfurter Rundschau v. 03.01.
 
   
  • GÄRTNER, Peter (2003): Kinderrabatt für Häuslebauer.
    Ostgemeinde gibt jungen Familien billiges Bauland,
    in: Stuttgarter Nachrichten v. 03.01.
 
   
  • NIEJAHR, Elisabeth (2003): Land ohne Leute.
    Die vergreiste Repblik. Deutschland verliert jährlich 200000 Einwohner, da mehr Menschen sterben als geboren werden. Es wächst ein demografisches Problem ungeheuren Ausmaßes heran, doch die Politiker ignorieren es,
    in: Die ZEIT Nr.2 v. 02.01.
    • Kommentar:
      NIEJAHR ist unter die Apokalyptiker gegangen.

            
       Mit ihrer Krisenrhetorik und dem Bedauern, dass eine pronatalistische, d.h. eine direkt geburtenfördernde, Politik noch nicht allgemein durchgesetzt ist, folgt sie den "konservativen Revolutionären" Arnulf BARING und Meinhard MIEGEL.
            
       Die Krise ist die Stunde der Exekutive. Es muß gehandelt werden. Demokratische Gepflogenheiten und Interessensätze werden machtpolitisch hinweggefegt. MACHIAVELLI und Carl SCHMITT sind die Paten dieses antidemokratischen Politikstils. Krisenrhetorik dient der Einschränkung von Denkalternativen und damit der Perspektivenverengung. Zweifel dürfen gar nicht erst aufkommen.
            
       In diesem Sinne präsentiert NIEJAHR den Super Gau der Bevölkerungsentwicklung.
            
       Während der Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG den ideologischen Charakter bevölkerungswissenschaftlicher Prognosen erst gar nicht leugnet, plappert NIEJAHR lediglich jene Slogans nach, mit denen Demografen die Prognosefähigkeit ihrer Wissenschaft behaupten:
            
       "Einwohnerzahlen sind leichter zu prognostizieren als beispielsweise der Klimawandel. Die Alten von morgen sind schließlich heute schon auf der Welt".
            
       Das mag - abgesehen vom Ausbleiben nicht erwünschter lokaler Katastrophen - stimmen, aber wieviel Junge bis dahin auf die Welt kommen werden, das steht genauso wenig fest wie die nicht weniger entscheidende Frage, wo diese Menschen leben werden.
            
       Vor einigen Tagen hat der österreichische Bevölkerungswissenschaftler Wolfgang LUTZ in einem FAS-Interview die angeblich so treffsicheren UN-Prognosen der Vergangenheit als unzutreffend bezeichnet. Die prognostizierte Bevölkerungsexplosion der Weltbevölkerung findet nicht statt. Noch schlimmer: der zentrale Glaubenssatz der Demografen, wonach der Entwicklungsstand einer Nation eng mit der Geburtenrate verknüpft ist, ist in dieser simplen Form nicht aufrecht zu erhalten. Die Gleichung arm = viele Geburten & reich = wenige Geburten stimmt so nicht.
            
       "Simplify your life" mag ja ein gesellschaftlicher Trend sein, wenn es jedoch um wissenschaftliche Glaubwürdigkeit geht, dann sollte man diesen monokausalen Erklärungsmythen mißtrauen.
            
       In dem 1997 erschienenen Buch "Familie leben" rechnet der Familiensoziologe Hans BERTRAM mit der Ideologie von Meinhard MIEGEL ab. MIEGEL hat seine Thesen zur Bevölkerungsentwicklung nicht erst in dem Buch "Die deformierte Gesellschaft" niedergeschrieben, sondern bereits 1994 zusammen mit Stefanie WAHL das "Ende des Individualismus" prophezeit.
            
       Die empirischen Daten der Längsschnittuntersuchung des Deutschen Jugendinstituts stützen MIEGELs Kritik an der hedonistischen und individualistischen Kultur in Deutschland nicht. Postmaterialistische Werte verhindern nicht per se, dass aus Singles Eltern werden. Die Frage, "unter welchen Umständen Postmaterialisten bereit sind, Kinder zu bekommen" ist deshalb nicht so einfach zu beantworten wie sich das MIEGEL und Konsorten wünschen. Christine CARL hat zum Thema gewollte Kinderlosigkeit ein Buch veröffentlich, das die Problemvielfalt aufzeigt.       
 
     
   
  • VOGEL, Dita (2003): Vom Brain-Drain zur Elternfrage,
    in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Januar
 
   
  • FRANCK, Georg (2003): Mentaler Kapitalismus,
    in: Merkur, Januar
    • Inhalt:
      Georg FRANCK verknüpft die "Ökonomie der Aufmerksamkeit" mit Christopher LASCHs kulturpessimistischer "Kultur des Narzißmus" zum mentalen Kapitalismus:

            
       "Den Königsweg der Sachen und Zeichen ins subjektive Erleben stellt das Versprechen dar, daß ihr Konsum die Person unwiderstehlich macht. Es versteht sich, daß in einer Gesellschaft, in der das Einkommen an Aufmerksamkeit in den Vordergrund rückt, der Konsum im Sog der Selbstwertschätzung steht. Konsum im Sog der Selbstwertschätzung bedeutet, daß das Konsumieren zur Arbeit an der Attraktivität der Person wird. Diese Arbeit eröffnet der Werbung (...) die Rolle einer Lebensberatung in Sachen Attraktivität. (...). Der Kult um die Attraktivität der eigenen Person ist das, was der Sozialpsychologe Christopher LASCH als die Kultur des Narzißmus beschreibt."
 
   
  • Die "Sieger" im Essaywettbewerb "Unter 28"

    • LANGELÜDDECKE, Ines (2003): Gehen und bleiben,
      in: Merkur, Januar
      • Inhalt:
        LANGELÜDDECKE, Jahrgang 1976, auf der Suche nach der richtigen Zugehörigkeit:

              
         "Bin ich Ossi, Wessi, Wossi - oder etwa ein Ost-West-Zwitter wie Jana Hensel in ihrem Buch Zonenkinder schreibt? (Gern wäre ich natürlich Avantgarde, wie Wolfgang Engler behauptet, der anscheinend große Hoffnungen auf die Bewohner meines Landstriches setzt.)
    • DEHÉZ, Dustin (2003): Fast eine Apologie auf die Achtundsechziger,
      in: Merkur, Januar
      • Inhalt:
        Umzingelt von den 68ern in der Regierung und den 68ern in der CDU sucht DEHÉZ, Jahrgang 1978, nach dem generationsstiftenden Schlüsselereignis und findet es im 11. September 2001.
    • HARTMANN, Bernd (2003): Neue Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten,
      in: Merkur, Januar
    • SCHABACK, Joscha (2003): Das Land zu ironisch, die Arbeitslosenzahl zu hoch, das Theater zu schlecht: Weshalb ich trotzdem in Deutschland studiere,
      in: Merkur, Januar
      • Inhalt:
        SCHABACK, Jahrgang 1975, zählt sich angesichts der Jobkrise der Generation Golf zur Generation Angst.

              
         Der Arbeitsgesellschaft geht die Arbeit aus, davon ist er überzeugt und dennoch haben Arbeitslose mit Identitätsproblemen zu kämpfen und für vogelfreie Teilzeitkräfte, wie sie von Mark SIEMONS in "Jenseits des Aktenkoffers" beschrieben werden, ist das Allerwichtigste endlich eine feste Stelle zu bekommen.
              
         Angesichts solch trister Zukunftsaussichten hält Wolfgang ENGLER in dem Buch "Die Ostdeutschen als Avantgarde" die ultimative Lösung bereit: den sanften, d.h. sozialstaatlich ermöglichten "Ausstieg aus der Arbeitsgesellschaft". 
    • ADAM, Ulrich (2003): Warum ich nicht in Deutschland studiere,
      in: Merkur, Januar
 
   
  • KULLMANN, Katja (2003): Zwischen Profit und Sehnsucht.
    Katja Kullmann begab sich für EMMA auf eine Reise durch die wundersame Welt von Botox: Die Ware, die Verkäufer, die Kundinnen,
    in: Emma , Januar-Februar
 
   
  • BAYER, Felix (2002): Yesterday's Papers.
    Von Popjournalisten und Feuilletonrevolutionären,
    in: SPEX Nr.1-2, Januar-Februar
    • Inhalt:
      BAYER behandelt den "Freundlichen Aufruf zur Revolte" von Sascha LEHNARTZ als popkulturelles Phänomen, bei dem ein generationsspezifischer Sound mit einer generationsspezifischen Haltung verknüpft wird. Dies ist für BAYER der archimedische Punkt, wo das Unpolitische ins Politische umschlägt.

            
       Dabei könnte die Sache so einfach sein. Wenn man Niklas LUHMANN auf das Phänomen der Selbstreferentialität verkürzt, kann man jene, die dem Aufruf Folge leisten als Uncoole entlarven, die sich in der schönen neuen Welt der Codes verlaufen haben.
            
       BAYER will dieser FAS-Auslegung nicht folgen...
 
       
   

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom 25. - 31. Dezember 2002

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-dasein.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
    [Suche] [ Homepage ]  
   
 
   
© 2000-2003
Bernd Kittlaus
[email protected] Stand: 23. Januar 2003 Counter Zugriffe seit
dem 14.Juni 2000